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Alfred Rethel : Blätter der Erinnerung
Entstehung
Seite
176
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in den letzten Jahren hat diese gewaltige Kunstkraft ihrerichtige Schätzung in der Kunstwelt erhalten."

Und auch ich kann und darf diese Blätter nicht schließen,bevor ich das Geständnis; abgelegt habe, daß ich dem großenKünstlergeiste Alfred Rethel's in dem Aufsatze, den meine„Düsseldorfer Künstler" enthalten, nicht gerecht gewordenbin. Wenn ich auch an dem Urtheile festhalten muß, daßsich in vielen seiner Zeichnungen, besonders aus der Zeit,wo wahrscheinlich schon die unheilvolle Krankheit im ge-heimen heranschlich, gezwungene Züge enthalten, so ver-dienen seine Fresken in Aachen doch eine viel erhabenereund höhere Würdigung, als ich ihnen in meinem Buchegewidmet habe. Beim Abschluß des besagten Werkes warenmir diese Arbeiten indeß unbekannt, was man mir alsEntschuldigung gelten lassen muß, denn ich konnte eS da-mals nicht möglich machen, eine Reise zu diesem Zwecknach Aachen zu unternehmen. Ich siedelte nämlich in jenerZeit nach Köln über, außerdem stand eine Fahrt nach denAlpen und nach Oberitalicn bevor. Da hatte ich dennalle Hände voll zu thun. In der Folge aber hörte ichvon allen kunstverständigen Freunden, denen ich Unbefan-genheit und Gerechtigkeit des Urtheils zutrauen konnte, einsolches Lob über die Malereien im Kaiscrsaal der Nachbar-stadt erheben, daß meine Neugier auf das Aeußerste ge-spannt wurde. Noch mehr aber wuchs diese Neugier, alsauf einmal die Kunde durchs Land ging, daß der aachenerStadtrath auf das Gutachten einer Kunstantorität hin, welcheich lieber ungenannt lasse, die Uebermalung der ArbeitenRethel's durch den Maler I. Kehren beabsichtige, welcherzur Ausführung der vier fehlenden Bilder gewonnen war.