auf dem eingefallenen edeln schönen Antlitz auSgebreitet.Am Montag morgens zehn Uhr wird die Beerdigung statt-finden. Gedenken Sie dann unserer und unsers Alfred infreundlicher Theilnahme."
Am 5. Decembcr wurde die Leiche zur letzten Ruhe-stätte gebracht. Ein zahlreiches Geleite, bestehend aus fastder ganzen düsseldorfer Künstlerschaft und vielen andernVerehrern, folgte in langem Zuge durch das fürchterlichsteWinterwettcr, durch Sturm und Regen über aufthauendenSchnee und Glatteis, und erwies dem Verstorbenen dieletzte Ehre. Der Geistliche sprach ein kurzes Gebet, dasLied der Sänger verhallte, still ward das Grab zugedeckt,still legten die Freunde den verdienten Lorberkranz darauf,und wieder hegte der Friedhof einen mehr aus der Zahlder geist- und talentvollen Männer, welche die Kunst inDüsseldorf versammelte.*) Und dann gingen die Begleiterheim. Wem mögen nicht ernste Gedanken durch das Hauptgezogen sein? Die Trauer war wol nicht das lebhaftesteGefühl, was sich hier geltend machte, denn jedermannmußte die Erlösung aus einem Zustande, wie er auf Re-thel lastete, wie eine Befreiung empfinden. Viel eindring-licher sprach an diesem Grabe das Schicksal eines Genies.Mit Recht sagte Hermann Becker in der „Kölnischen Zei-tung": „Selten wol ist ein Talent so früh erkannt worden,wie das Alfred Rethel's von seiner Umgebung erkanntwurde, seltener noch erfüllte ein Talent in so vollem Maßedie Hoffnungen, die es erweckt, und wird so spät von demPublikum, von der Welt, für die es schafft, bemerkt. Erst
*) Nachruf von Hermann Becker in der „Kölnischen Zeitung".