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war, als festen und fertigen Mann von stolzer Haltung undruhigem Wesen. Körperlich war er breiter und stärkergeworden. Sein inneres Wesen erschien gehaltener undweniger erschlossen. Wie sollte ich ihn jetzt wiederfinden?
Fräulein Rethel führte mich zu dem kranken Bruder.Als ich in seine Stube trat, saß er am Fenster. Er sahmich mit einem langen eigenthümlichcn Blick an, in demein fernes Erinnern aufzutauchen schien. Hatte er dochauch Köhler und X. Steifensand und dessen Frau, wie eSschien, zuweilen momentan erkannt, denn er war, wenner ihnen auf Spaziergängen begegnete, stehen geblieben,hatte nach ihnen gezeigt und unverständliche Laute gemur-melt. Warum sollte ihn mein Erscheinen nicht überraschen,wenn ich es noch überraschen nennen darf. Uebrigensdauerte sein Aufstaunen auch nur einen Augenblick, dannwar er wieder einem ganz bewußtlosen Zustande verfallen.Und wie traurig erschien dieser Zustand! Seine edelnchäraktcristischen Züge zeigten sich stumpf und verschwommen.Aus seinem Munde kamen nur unartikulirte Laute. SeineArme schwankten bei ihren Bewegungen fast willenlos.Und wie leer und öde war erst seine Beschäftigung! Erblätterte in einem alten, mit schlechten Holzschnitten ge-zierten „Pfcnnigmagazin", indem er das Buch bald auf dieKniee nahm und bald auf den vor ihm stehenden Stuhllegte, ohne sich irgendein Blatt zu besehen. EntsetzlichesSchicksal! In diesem Körper hatte einst ein Geist gelebt,der mit seltener Genialität die reichsten Gebilde einer großenund herrlichen Kunst zur Anschauung zu bringen wußte,und der jetzt gedankenloser wie ein jähriges Kind in nichts-sagenden Bilderbüchern umherspielte. Einst Adlerflug, jetzt