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Seine Mutter starb ohne daß er diesen Trauerfall begriffenhätte. Dann pflegte ihn mit der aufopferndsten Liebe undAusdauer seine treffliche Schwester Fräulein Emma Rethel.
Ich habe den armen Freund am 7. Juni 1859 zumletzten mal gesehen. Damals war ich gerade mit denVorstudien zu diesen Blättern beschäftigt und empfand beidieser Arbeit den lehhaften Wunsch, den unglücklichen Freundnoch einmal aufzusuchen. Mochte es immerhin ein pein-liches Unternehmen sein, einen geliebten Menschen wieder-zuschen, der einst als Bild der Kraft vor mir gestandenhatte und der nun gebrochen an Geist und Leben vor mirstehen sollte, so ermuthigte ich mich doch bei einem Besuchein Düffeldorf zu diesem schweren Gange. Auf dem Wegetauchte mir das Bild des edeln Kunstjüngers in seinerbesten Zeit vor die Seele. Ich hatte ihn einst als freu-digen Jüngling gekannt und manche frohe Fahrt mit ihmunternommen. Seine Gestalt blieb unter der MittlernGröße zurück, aber sie hatte schon früh etwas Muthigesund Entschiedenes in ihrem Auftreten. Der Kopf warweniger schön als charakteristisch und interessant. Unterder hohen Stirn schauten ein paar scharfe graublaue Augenhervor, die jenen eigenthümlichen forschenden Ausdruck auf-wiesen, den man häufig bei bedeutenden bildenden Künst-lern findet und den ich auch bei Cornelius und C. F. Lcssingbemerkt habe. Solche Augen haben auch die Adler undFalken. Seine Nase war kühn gebogen, der Mund kleinund beredt, das Kinn spitz, die Form des ganzen Gesichtslänglich. Sein Haar war üppig und blondbraun undkräuselte sich in reicher Lockenfülle. Später sah ich ihn zu-weilen in Frankfurt und, wenn er zum Besuch in Düsseldorf