schaftlich auf den Weg gemacht, um den Kranken in derWohnung seiner Mutter zu besuchen. Dort angelangt,sahen sie Rethel am Fenster stehen, der ihnen so lebhaftzuwinkte, daß Köhler die besten Hoffnungen schöpfte, zu-mal da ihm die äußere Erscheinung nicht besonders ver-ändert erschien. Sie traten ein. Der Kranke war bereitsdie Treppe hinuntergestürzt, um sie zu empfangen. Undnun erfolgte ein entsetzlicher Auftritt. In Rethel's Gesichtezeigte sich eine furchtbare Angst, seine Glieder zitterten, errang umsonst nach Worten. Dann umarmte er Köhlerkrampfhaft, aber er war zu schwach, um sich festzuhalten,und fiel erschöpft auf den Boden. Es hatte den Anschein,als wollte er sich an den alten Freund wie an besserelichte Tage anklammern. Oder hatte er einen Begriffdavon, daß man ihn in eine Heilanstalt zu bringenbeabsichtigte?
Auf dem Wege nach Bonn blieb er in Köln vor demDome stehen und stieß mit leuchtenden Blicken unartiku-lirte Laute aus. Dann wurde in Endenich ein Curversuchgemacht. Leider stellte sich bald eine entschiedene Unheil-barkeit heraus, denn die geistigen Thätigkeiten des armenKranken versanken in immer tiefere Nacht. Auch der Kör-per siechte mehr und mehr dahin, vr. Richartz glaubte aneine baldige Auflösung und theilte seiner Familie dieseBesorgniß mit. Darauf hin wollten Mutter, Schwester undBruder in Düsseldorf es sich nicht nehmen lassen, ihm dieletzte Pflege zu widmen. So brachte man ihn in die hübscheKünstlerstadt zurück, wo er einst seine hoffnungsvolle Lauf-bahn begonnen hatte. Merkwürdigerweise erholte er sichkörperlich, während sein Geist mehr und mehr erlosch.