Druckschrift 
Alfred Rethel : Blätter der Erinnerung
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

Kochen wäre, aber blos auf Augenblicke, dann ist es wiederruhig. Alles dieses zeigt, daß der Rhein hier sehr tiefist; ebenso herrscht auch im übrigen Thal eine außerordent-liche Ruhe und Stille, den Wind hört man nur im höhernGebirge rauschen, und unten wird sie zuweilen durch deneintönigen Gesang eines Salmcnfängers in seinem Nachen,die sich hier wegen der großem Stille des WasscrS ange-siedelt haben, unterbrochen. Bei uns wurde cS auch all-mählich stiller, je länger wir verweilten. Jeder mochtewol seine bcsondcrn Gedanken haben. Ich dachte an Euch,Ihr Lieben, die Ihr in dem traurigen Wetter sitzt; wiegern wünschte ich Euch an meine Stelle, doch — an jedemOrt der Erde hat man seine Leiden und — seine Freuden.So auch hier; wir waren bald in Bacharach und sahendie traurige Verwüstung einer Fcnersbrnnst, welche vormehreren Monaten sechzehn Häuser zerstört hatte. Diearmen Leute, sie waren gewiß nicht zu beneiden. — Denandern Morgen zogen wir früh weiter und langten, nach-dem wir der prinzlichcn Burg Nhcinstcin einen Besuch ge-macht hatten, gegen Mittag in Bingen an. Wir warenim Hessischen; die drei Studenten und der eine meinerBekannten verließen uns hier. Der Musikus und ichsetzten unsere Reise durchs Rheingan weiter. Es war einnebeliger und trüber Tag, sodaß wir wenig von der schö-nen Gegend sahen. Nach einem dreistündigen Marsch warNiedcringelhcim erreicht und wir standen vor der einzigenSäule, welche vom Palast Karl's des Großen übrig ge-blieben ist. Hier kann man auch wie Uhland*) sagen:

*) Jrrthiimlich. Die Verse sind von Fr. Kugter.