Krautmühle, denn unsere Stadt besaß in jenen Tagen nochkeine Schwimmanstalt auf dem Rhein. Die Jugend vonDüsseldorf trieb dort die ersten Schwimmübungen, denndie Stadtbehörden hatten zur Vermeidung aller Gefahr andieser Stelle einige Wächter angestellt. So fehlte es dennauch nicht an den jüngsten Zöglingen der Akademie. Unterden angehenden Kunstbeflisscnen befand sich aber ein großerBursche, der noch vor kurzem das Gymnasium mit unsbesucht hatte, wo er keineswegs im freundlichsten Andenkengeblieben war. Aelter an Jahren und stärker und größeran Leib wie seine Genossen, hatte er vermöge seiner Körper-kräfte eine gewisse Despotie über die untern Klassen ans-geübt. Wir trieben aber damals unsere gelehrten Studiennoch in dem alten FranciScanerkloster. Als ich die Sextabesuchte, die im Beginn der grauen düstern Gänge lag,befand sich die Quinta ungefähr am Ende derselben unferneiner Thür, welche auf den Spielhof führte. Der besagteTyrann war Schüler dieser Klasse. In der Zwischenstundeum zehn Uhr, wenn wir dort vorbeigehend frische Luftschöpfen wollten, drohte uns nun an der Quinta stets keinegeringe Gefahr, zumal wenn wir kleinern Bursche unsallein befanden, denn der große Quintaner stürzte dann,sobald kein schützender Lehrer in der Nähe war, dem Un-gethüm in Schiller's „Kampf mit dem Drachen" vergleich-bar, aus seiner Klassenthür und prügelte uns mit seinenstarkknochigen Händen nach allen Dimensionen. DieseScenen waren unvergessen. Da unser Feind auch eineseltsame ungeschlachte Gestalt aufwies, an der sich derjugendliche Witz zu üben liebte, so dauerten die Neckereien,wo der kunstanstrebeude Unhold uns auch begegnete, fort.
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