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Keichsfreiherr von Laßberg, der unermüdliche Sammler „altteiilscher Ge-dichte", im 2. Band seines „Liedersaals", erschienen 1846, S. XXXV ff., dieVermutung ausgesprochen, daß Heinrich von Klingenberg, der II. seinesNamens, der von 1293—1306 Bischof von Konstanz war, aber noch bedeu-tungsvoller für die deutsche Geschichte als Kanzler des Reichs wurde,als ein großer Freund der Dichtkunst Besitzer von B gewesen sein könnte,zu einer Zeit, als er noch Propst in Zürich war, und daß er dann die An-regung zur größeren Sammlung von C daraus entnommen hätte. Laßbergkam zu dieser Vermutung wohl durch Zusammenhalten der Nachricht ineinem Weingartner Nekrolog, daß Heinrich dem Kloster Weingartengroße Büehersehenkungcn gemacht habe, mit der Tatsache, daß die Lieder-handschrift wirklich dem Kloster aus Konstanz zugegangen war. Frei-lich ist dieser Übergang seither anders aufgeklärt worden. Aber seitLaßberg ist die Annahme, daß der Bischof auf Grund von B die lland-schrift (' habe herstellen lassen und daß also Konstanz die Heimat von Csei, immer wieder aufgetreten. Kraus und Laehmann haben sie wiederaufgenommen, und Eberhard von Zeppelin glaubte den Beweis von derkunstgeschichtlichen Seite her geschlossen zu haben.
Neuerdings ist aber von philologischer Seite 1 ) aus mit großer Ent-schiedenheit der Satz aufgestellt und verfochten worden, daß C seinersprachlichen Form nach in Zürich geschrieben sein müsse und nicht inKonstanz, weil nämlich in (' ei stehe, wo ai in B — ein Unterschied derschweizerischen und der- schwäbischen Schreibung, der schon dem Niklasvon Wyle zu schaffen gemacht hat —, und weil ebenso die. Abkürzung c:für nz, die C hat, auch in Zürich zu Hause sei, während Konstanz sie nähtübt und auch B im Grundstock nicht. Weiterhin würde die Form vrfxleder meisten Schreiber von B gegen fr&ide in (' ebenfalls diesen land-schaftlichen Unterschied bestätigen. Nun sind wohl diese sprachlichenMerkmale allein nicht ausschlaggebend; wird doch bei Überschriften vonKonstanzer Wandbildern, die gerade als Parallelen zu den Bildern vonB angezogen werden, auch öfters ei neben ai gebraucht. Selbst wenn eials ausschließliche Züricher und ai als Konstanzer Schreibung anerkanntwird, könnte auch in Zürich ai geschrieben werden, wenn der Schreiberaus der Konstanzer Gegend stammte. Tatsächlich findet sich auch in Bein Schreiber, der im Gegensatz zu den andern immer ei schreibt; auchist die Schreibung ai bei den Überschriften der Bilder selbst im Bereichder andern Hände nicht ganz streng durchgeführt. Immerhin hat sichaus dem ganzen Streit, der zunächst hauptsächlich um (' sich drehte unddiese- Handschrift eher in Zürich als in Konstanz geschrieben feststellenwollte;, für B als Meinung der weit überwiegenden Mehrheit ergeben,daß diese Handschrift jedenfalls nicht aus Zürich stamme. Wenn danndie sprachliche Untersuchung Konstanz dafür als l Irsprungsort nahelegt,ohne daß damit für die Person Heinrichs von Klingenberg etwas gesagtwäre, so stünde dies im Einklang mit den Andeutungen, die- schon dieGeschichte der Handschrift selbst gegeben hat.
Auf Konstanzer Ursprung von B hat schon 1888 K. Zangemeister in derWestdeutschen Zeitschrift für Geschichte und Kunst. 7. S. 337 hingewiesen,bei der Besprechung von Pfaffs Abdruck von ('. Diese Ansicht hat Ehris-mann in der Zeitschrift für deutsche Philologie, 32, 1900, S.W, mit philo-logischen Gründen gestützt und zuletzt ist ihr die Beweisführung vonVogt mit Nachdruck beigetreten, Neuestens sind dann besonders diekunstgeschichtlichen Grundlagen für Konstanzer Entstehung eingehenderuntersucht worden. 1 ) Dabei ergab sich, dal? sich schon aus dem 13. Jahr-hundert in Konstanz selbst bedeutungsvolle- Malereien erhalten haben.Im 14. Jahrhundert zeigen besonders die- Bilder im ehemaligen Kanoni-katshaus des Ghorherrnstifts von St. Johann, die besonders kultur-geschichtlich hochinteressanten Darstellungen von Weberinnen, die in
1) Vogt in den Beitrüge-n zur Geschichte der deutschen Sprache undLiteratur, 33, 1908, S. 373 ff- bestimmt aufrecht erhalten in Bd. 48, 1924,S. 291 ff., gegen die Kritik von Kiefer in Bd. 47, S. 491 ff.
1) II. Wienecke, Konstanzer Malereien des 14. Jahrhunderts (HallerDissertation), 1912.