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Die Weingartner Liederhandschrift in Nachbildung
Entstehung
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Die Handschrift, deren Nachbildung hier vorliegt, steht im Schatten Geschickteeiner berühmteren, der Manessischen, und wie ihr Weg einfacher ver- der Handlaufen ist, so hat auch ihr Schicksal weniger Aufsehen erregt als das sehritt,der anderen, die einmal an einem Wendepunkt in der tausendjäh-rigen Auseinandersetzung der zwei Nachbarvölker von Deutschland undFrankreich eine Rolle gespielt hat. Aber hat auch die Weingartner Hand-schrift keine so große und keine so geheimnisvolle Reise gemacht wiedie Manessische, so hat sie doch auch in ihrer Geschichte manchen Be-rührungspunkt mit der letzteren, wie schon die Quelle für beide diegleiche zu sein scheint. Gemeinsam ist diesen zwei wichtigsten Denk-mälern alter deutscher Lyrik auch das Dunkel, das über ihrer erstenGeschichte liegt.

Unser Liederbuch sagt mit keinem Wort, wann und wo es entstanden,wer es ins Leben gerufen und wer es geschrieben hat. Mancherlei Fähr-ten, die erst mühsame Gelehrtenarbeit aufgedeckt, führen in die Gegendvon Konstanz, wovon noch die Rede sein wird. In Konstanz finden wirauch die erste Spur, die unsere Handschrift hinterlassen hat, allerdingserst fast zwei Jahrhundert nach ihrer Entstehung, Als im Jahr 1483Ritter Conrad Grucnenberg, Bärget zu Costenz". der Sproß einesalten Patriziergeschlechts aus der Bischofstadt am Bodensee, der von1442 ab mehrfach, als Baumeister, als Mitglied des Großen Rats und auchals Bürgermeister, urkundlich in seiner Vaterstadt erscheint, ein Mann,der in seiner Zeit als größter Meister Deutschlands in der Ileroldskunstgalt, sein großes Wappenbuch der Öffentlichkeit vorlegte, da berief er-sieh auf den l.icderkodcx. dem er für sein Werk mehrfach die Wuppen-bilder entnommen hatte. Auch das älteste urkundliche Zeugnis in derHundschrift selbst führt wieder nach Konstanz. Dies ist der ersteBesitzereintrag, den die vorderste Seite trügt, wo von einer kräftigen,schreibgeübten Hand des 16. Jahrhunderts angeschrieben ist: MarxSchulthainen m*n Content» gtMriq. über dieses Mitglied der alten, weit-verzweigten Constanze! Familie ist nichts weiter bekannt geworden.Nur im L Band des Konstanzer lläuscrbuehs (S. 34) ist die Rede vonMurx Schulthaisen Haus im Jahr 1020. Die Ergänzung des ältesten Figen-tumvermerks verrät den nächsten wichtigen Bcsitzerwcehscl: Fine andereetwas mehr nach einem Gelehrten aussehende Hand des 17. Jahrhun-derts schrieb unmittelbar unter den alten Eintrag: donavit bibUn t k *c<nWiingartensi. Dieser Wechsel wird bestätigt durch den weiteren Fintragauf dem zweiten Blatt oben: MonatterM WHnffarttturi». Leider ist diefür die Frage des Übergangs wichtige Zahl, die dahinterstand,später beimBeschneiden des Buchblocks fast ganz weggefallen. Nach Weckherlin(s u.) hieß sie: 1613. Dann hallen wir wohl darin das Jahr der Schen-kung der Handschrift an die Weingartner Benediktiner zu sehen. Die

meisten alten Handschriften des Klosters haben jenen Besitz\ errnerk: *

ifonatUrij Wtingvrtmiri* l sehr viele mit der Jahreszahl 1630, wo einegroße fremde Bibliothek einverleibt wurde, ebenso viele andere mii1628 WO die Bestände augenscheinlich neu verzeichnet wurden. DieInventarisierungsarbeit stünde Im Zusammenhang mit dem regen Inter-esse' das Abt Georg Wegelin (15861627), der größte Organisator, dendas Kloster besessen, der Bibliothek entgegenbrachte. Die Jahreszahlenbeim Besitzvermerk, die vor 1628 liegen, werden im großen ganzen auchals Einreihungsjahre zu gelten haben, und so wäre als Jahr des Über-gangs unserer Handschrift nach Weingarten das Jahr 1613 anzusehen.

Ob die Handschrift im Kloster in ihrem vollen Wert erkannt wordenist? Auf alle Falle ist anzunehmen, daß das Buch in der Klosterbiblio-thek keine große Bolle gespielt hat. Fs gehört schließlich auch nicht zuden eigentlichen Pflichten eines richtigen Benediktusjtingers, sich in alteLiebeslieder ZU vertiefen. Als man am linde des 18. Jahrhunderts, kurz