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Die Weingartner Liederhandschrift in Nachbildung
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wo erst romanische Einflüsse eindringen, Aister, Rictenburger, Söflinger,als bei der Huuptsdiicht von Veldcke und Hausen an, die ganz romani-sierenden Minnesang vertreten. Manche, die in der Literaturgeschichtekaum mehr genannt werden oder von deren Leben gar nichts weiterbekannt ist, wie z. B. Wahsmut von Kunzich oder Willehalm von Ilein-zinburch oder Uolrich von Munegur, sind hier getreulich der Nachweltüberliefert.

Ein ungleich größeres Übergewicht an Wert verleiht allerdings derManessehandschrift die? mit der größeren Zahl der Dichter Ilnnd in Handgehende Erweiterung der Bilderzahl. Auch in der Ausführung dieserBilder bleibt ihr ein Vorrang. Natürlich sind beiden Handschriften ge-meinsam die Grenzen, die von der mittelalterlichen Kunst den Ausdrueks-mitteln des Malers gesteckt sind. So sind die Rangunterschiede durchKörpergröße angedeutet; demnach der Bote viel kleiner als sein Herr.Auch die Tierwelt und die ganze Umgebung muß sich diesem Gesetzbeugen, wodurch die ungeschickten Pferde, die stilisierten Bäume nochunnatürlicher werden, um so mehr, als die Farben eher der Buntheit zulieb als der Wirklichkeit nach gewählt werden. Die Personen werdennicht individuell unterschieden: die Ritter sind alle gleich jugendlichund gleich hold, wie auch ihre Damen sich bedenklich ähneln. Die Gesich-ter sind meist ausdruckslos und starr, die Bewegungen übertrieben undfespreizt. Dafür ist die Zeichnung sicher, die Faftengebung klar und derortrag deutlich. Aber wie die Wcingurtncr Handschrift ihre besondereTechnik hat, indem die Bilder in gleichmäßig ohne; Modellierung aufgetra-genen Deckfarben ausgeführt sind womit zum erstenmal in Deutschlanddie Technik der französischen Miniaturmalerei auftritt, so ist auch ihreKomposition anders, was schon das kleinere: Format erforderte. DieBilder sind einfacher zusammengesetzt und zeigen nur eine, höchstenszwei Personen. Sie sind meistens typisch, nur wenige haben eine per-sönliche Note, so etwa der er»te Dichter, der als Kaiser auf dem Thronsitzt, oder Hausen, der auf der Meerfahrt dargestellt ist, oder Waltervon der Vogelweide, für dessen Bild eine Stelle aus einem Gedicht denAusgangspunkt bildet. Es fehlen die lebhafteren Szenen, die reicherenDarstellungen /.. B. von Turnier, Kampf, Spiel, Jagd, Liebesszenen, dieder reicheren Handschrift auch kulturgeschichtlich einen höheren Wertverleihen. Bei den einzelnen Bildern selbst ist ihr Maler in manchemungeschickter; auch nimmt er den Anschluß an den Text nicht so genauwie der andere, z. B. bei Walter von der Vogelweide. Auch wenn derMaler sich seine Aufgabe ganz frei vom Text stellt, bleiben seine Bilderweniger eindrucksvoll; so erreicht er bei der Darstellung des Minne-sängerkaisers den Eindruck der heraldischen Feierlichkeit nicht so starkwie die andere Handschrift. Ein weiterer Grund dafür, daß die Bilderder Weingartner weniger wirkungsvoll sind, liegt endlich darin, daß inihr durchweg Gold und Silber fehlen.

Verhältnis So weisen immer wieder Eingerzeige hinüber zur Manesse-Hand-»u C. schrift 1 ), die allerdings viel reicher ist, da sie nicht nur eine viel größereAnzahl von Minnesängern überliefert, sondern auch für die einzelnenDichter meist mehr Lieder enthält. Von ihren 140 Dichtern sind 110 vonder ersten Hand verzeichnet, und von diesen sind 25 auch in dem einerHand zugehörigen Grundstock der Weingartner-Sammlung vertreten,und zwar manche genau mit den gleichen Liedern, was auf eine Ver-wandtschaft der beiden Handschriften weist. Eine solche Verwandtschaftwird aber noch viel offenkundiger durch die Bilder; denn von den 25.Bildern der kleineren Handschritt gehen 19 deutlich mit den entsprechen-den Bildern der andern zusammen, ja, einige davon sehen fast aus wieKopien, so das 1., 3. dieses besonders auffällig, 9., 13., 16., 20. und 25.Ganz abweichende: Darstellungen haben nur 5 Bilder (das 14., 19., 21., 22..und 24.), die aber meist mehr allgemein gehalten sind und in der Manesse-

1) S. Pfaffs Textabdruck, die Veröffentlichung der Miniaturen vonKraus, die eingehende Behandlung von Oechclhäuser und vor allem diezurzeit erscheinende Faksimile-Ausgabe: de:s Insel-Verlags.