die besungenen Herrinnen verheiratet sind. Bald ist auf den Bildern derSänger als Herrscher vorgestellt, wenn er die oberste Stufe im Reicheinnahm, bald, und dies natürlich viel häufiger, als Ritter, zu Fufl oderhoch zu Rofi im Harnisch, bald als Dichter, wie er nachdenklich dasitztund seinem Herzen lauscht, wie er seine Lieder niederschreibt oder dik-tiert, wie er sie dem Boten mitgibt oder selbst der Dume vorliest, oderendlich als Liebhaber im traulichen Zusammensein mit seiner Ilerzens-herrin. So ist die Handschrift auch in diesen Bildern eine reiche Quellefür unsere Kenntnis des Rittertums, seiner Kleidung, seiner Rüstung undseiner Lebensart, und diese kulturgeschichtliche Seite erweitert sie nochfür die Freunde der Heraldik, in dem sie den meisten Bildern die Wap-pen beifügt. Wohl enthält die Manesse-Handschrift eine viel längereReihe von Vertretern des Minnesangs, aber die bedeutendsten und be-kanntesten sind fast alle schon in der Weingartner vereint.
Im einzelnen sind es die folgenden Dichter 1 ), mit den Namen, die inder Handschrift selbst jeweils über den Bildern in Majuskeln stehen.
1.* Kaiser Heinrich (der llohenstaufe Heinrich VI.), S. 1—3.
Text in C übereinstimmend. Audi das Bild im Motiv, aber in Einzel-heiten abweichend; vor allem igt Heinrich in C bärtig, außerdem fehltin B das Wappen.
Heinrich VI., Barbarossas Sohn, verfaßte die Lieder, als er noch nichtdie Krone trug, nach Sdierers Annahme bald nach dem Mainzer Pfingst-fest von 1184. Seine Verfasserschaft, oft bestritten, neuerdings meist an-erkannt.
.'.* Grave R(udolf) von Fenis (sonst auch: von Neuenburg), S. 4- 8.
Text in C umfangreicher; Bild wieder im Motiv übereinstimmend, aberin Ausführung verschieden, auch wieder ohne Wappen.
Rudolf von Neuenbürg in der Westschweiz, aus dem Grafengeschlecht,dessen Stammsitz Fenis war, muß im besten Alter gestorben sein; wohlder /.wischen 1158 und 1192 urkundlich nachweisbare, vielleicht aber auchein etwas jüngerer. Vermittler des romanischen Minnesangs.
3.* ll(err) 1'rideridi v(on) Husen (Friedrich von Hausen), S. 9—18.
Text in (' vielfach abweichend: B hat 12 Strophen, die C nicht hat, undC 17, die in R Fehlen. Bild im Grundmotiv gleich, Darstellung des (lich-tenden Sängers auf der Meerfahrt und damit Textillustration zu seinemKreuzzugsleich.
Friedrich von Hausen, der in Urkunden und Berichten von 1171 an auf-tritt, kam am 6. Mai 1190 auf dem kreuzzug Friedrichs I. in Kleinasienum. Kr war ein Ritter aus dem Nalietal. ein vielgereister Vertrauterdes stnufischeu I [ofes.
Hausen hatte grollen Einfluß auf den Minnesang, besonders die höfischeRichtung, indem er in Südwc stdeutschland dem Vorbild der I'rovenzalenEingang verschaffte; er gilt als „der eigentliche Begründer des höfischenMinnesangs in deutscher Sprache".
4.* Burgrave v(on) Rie(e(n)burg, S. 18—19.
Text in C umfangreicher; das Bild, eine Botenszene, in B unvollständig.indem die linke Hand eine Schriftrolle halten sollte, die einem BotenÜbergeben wird, was aus dem Bild in C zu ersehen; ganz seltsam dasblanke Schwert.
Wohl ein jüngerer Bruder des Burggrafen von Regensburg, der in Cerscheint, aber in B nicht eingereiht ist, und zwar entweder Heinrich IV.,t nach 1184, oder Otto III., t nach 1185; die Burggrafschaft in Regensburgwar bis 1185 im Geschlecht der Herren von Kietenburg erblich.
Der Rietenburger war eleu- I. Nachahmer der I'rovenzalen und der]. Dichter des Motivs der Unglücklicher] Liebe.
5.* Il(err) Meinlo v(on) Sewelingen (Meinloh von Sevclingen). S. 20—23.
Text in C umfangreicher; Bild in Komposition übereinstimmend, eine
I) Literatur über die einzelnen s. Koschs Literaturlexikon oder dieLiteraturgeschichten von Schneider oder von Vogt und Koch oder von
Ehrismann; am eingehendsten für die von ..Minnesangs Frühling", mit *
bezeichnet, in dessen Ausgabe von Vogt.