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Die Weingartner Liederhandschrift in Nachbildung
Entstehung
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seinen Minneclienst als Sänger. Durin spiegelt sich zugleich die Talsache,daß damals die Frau dem Mann an Bildung weit überlegen war und ihmals höheres Wesen erschien. Die Lieder geben der Sehnsucht nach dervollkommenen Frau Ausdruck, also einer entkörperlichten Minne, wobeiwir an die Mystik zu denken haben, die schon in der Luft lag, und andie Spitzfindigkeiten, zu denen die Scholastik ansetzte. Dieser neue Lie-besbegriff, die Werbeminne, die nichts mit der Ehe zu tun hat, die soge-nanntehohe Minne", ist der Kern dieser Dichtung, jedenfalls in der erstenBlütezeit, inMinnesangs Frühling", und dieser Kern ist eigentlich etwasUnnatürliches und im Grunde Undeutsches Tatsächlich ist der Minnesangauch aus dem Westen gekommen, aus Welschland, wo die Troubadoursder Provence diese Töne zuerst angestimmt hatten, selbst wieder beein-fluflt von Vorgangern im arabischen Spanien. Zugleich ist aber das ro-manische Vorbild, das ursprünglich nicht ohne Leichtfertigkeit war, inDeutschland in reinere Höhe gehoben und veredelt worden; vor allemwird der Schleier des Geheimnisses, der über das Besungene gelegt ist,nie gelüftet. Wie jedoch im deutschen Minnesang neben dem von aus-wärts Übernommenen höfischen Spiel aufler gewissen verklingendenTönen ans den Klassikern einerseits und der mittelalterlichen lateini-schen Klerikcrdichtung der Vuganten andererseits, besonders im Anfangauch noch echtere Klänge natürlicher Liebeslyrik mitschwingen, die wohlanklingen an Lieder des Volkes, in denen nicht der Mann nach der Frauschmachtet, sondern diese sich nach dem Geliebten sehnt, so hat dergrößte der deutschen Minnesänger, unser Walter von der Vogelweide, derauch dem Stande nach nicht voll und ebenbürtig neben den vornehmenSängern der hohen Minne gestanden hat, die engen Schranken des höfi-schen Minnesangs durchbrochen, die Unnatur seiner Verhältnisse; abge-streift und ist zum mittelalterlichen Dichter wahrer und echter Gefühlegeworden. Walter hat damit das Werk, das die- Vertreter des modischenMinnesangs begonnen hatten, indem sie die; deutsche Sprache zu einemWerkzeug des Kunstgesangs gemacht und die Form dieser Dichtung aufsfeinste ausgemodelt haben, vollendet und endgültig gesichert. Wie soder Minnesang verschiedene Strömungen zeigt, so bildet er auch land-schaftliche Kreise, einen bayerisch-österreichischen, einen seh wäbiseh-uln-mannischen und einen rheinischen, in denen jene Strömungen in verschie-dener Stärke- sieh zeigen und die zugleich ihre gesellschaftliche Figcn-art haben, insofern der rheinische am ausgeprägtesten elie- Gruppe tU-slloehadels vertritt, während der schwäbische, in dem die; Familie desReichsoberhauptes saß, mehr Ministerialen unter seinen Minnesängernzählt. Die erstem Dichter des romanisch beeinflußten Minnesangs, derenLebenszeit und Heimat etwas bekannter geworden sind, Velcleke undIlauser, stammen aus dem Rheinland. An sie- reihen sieh mehrere; ober-deutsche Sänger an, neben denen der Neucnburger unabhängig für siel)steht. Von den neunziger Jahren des 12. Jahrhunderts ab ist die; neueKunst im ganzem südlichen Deutschland in einer ganzen Reihe von Sän-gern heimisch und besonders wichtig wird die Verpflanzung der höfi-schen Richtung nach Wien durch Reinmer, den der große; Walte;r von derVogelweiele ablöst. Diese Gruppen, die zugleich auch in gewissem Maßedie verschiedenen Etappen im Vordringen des romanischen Einflussesandeuten, gehören fast alle Obe-releutsehland an. Finsam steht nebenihnen der einzige Morunge-n als Vertreter des östlichen Mitteldeutsch-land, aber er allein eine ganze Anzahl aufwiegend,

Alle diese Richtungen spiegeln sieh in den Liedern unserer Hand-schrift, die Vollendung in dem großen Meister, besonders aber die Blüte-zeit der höfischen Mode, vielleicht am schwächstem die; volkstümlichenAnfänge. Ebenso umschließt die; Sammlung die wichtigstem Vertreter derverschiedenen Kreise und bietet so eine ausreichende Zeichnung desganzen Minnesanges, Zugleich gibt sie dieser Zeichnung auch die nötigenFarben, indem sie fast allen Liedergruppen das Bild des Dichters voran-stellt, als Textillustration oder als Titelbild, und uns einen Blick tun läßtin jene Ritterkreise, wobei wie mit Sehlaglicht manche; Eigentümlichkeitbeleuchtet wird, wenn z. B. gleich die Gebende der Damen verraten, daß