Hand Namen angesch rieben, so S. 86, 178, 198 und 206. Ebenso hat einesolche Hand die Zahl der Numerierung bei den vier Strophen vonS. 198 beigesetzt. In neuerer Zeit (von Pfeiffer?) ist auf S. 13 mit fastverwischter Bleistiftschrift „Markgraf von llohenberg" angeschrieben.Auf einer der Schlußseiten fanden diese Minnclieder eine eigentüm-lichen Nachklang in einigen Versen, die eine Hand des 15. Jahrhundertsin blauer Tinte angeschrieben hat. Von der gleichen Hand scheinen auchdie Einträge auf dem Schlufiblatt zu stammen.
In diesen wenigen Begleitseiten, mit denen die Nachbildung der Hand-Inhalt.schrift im Umfang nicht verändert werden soll, kann es sich nicht darumhandeln, den Inhalt des Liederbuchs nach wissenschaftlichen Grund-sätzen erschöpfend zu verarbeiten. Ist doch die Zahl der Bücher, Abhand-lungen, Dissertationen, Aufsätze usw.. die sich mit dem Minnesang befaßtund dabei zum größten Teil auch unsere Handschrift berührt haben,Legion; schon die Aufzählung aller hergehörigen Titel würde obigesMaß sprengen. Vor allem kann keine textkritische und literarischeUntersuchung im einzelnen gegeben werden. Es sei nur versucht, denStand der Forschung in ihren Hauptpunkten anzudeuten und zugleichden Besitzer der Nachbildung durch Fingerzeige in den Stand zu setzen,aus den Proben des Minnesangs, die in der Handschrift geboten sind,sich eine Vorstellung dieser ganzen Kulturcrscheinung zu machen. Denn,wenn auch die Weingartncr Handschrift in Bildern und Liedern nureinen Teil des Inhalts der reicheren Manessehandsdirift in der Heidel-berger Bibliothek bietet'), gibt sie doch ein durchaus genügendes undabgerundetes Bild des deutschen Minnesangs, der so bezeichnend ist fürseinen Stand und zugleich für seine Zeit wie die romanische Kirche inder Baukunst 2 ). Wenn wir diese alten Lieder lesen, dürfen wir nichtvon heutigen Vorstellungen ausgehen, nicht etwa an Goethe oder Mörikedenken. Es sind nicht in erster Linie Eindrücke von Erlebnissen, nichtErgüsse heißer Herzen und Spiegelungen von Gefühlen, die vielleicht inder allumfassendsten Weise sämtliche Menschen durchziehen, denen abernur gottbegnadete Dichter ewigen Ausdruck verleihen können. DieLiebeslieder der Minnesänger haben wir vielmehr als höfisches Spiel an-zusehen, es sind mehr oder weniger kunstvolle Erzeugnisse einer modi-schen Übung einer ganz bestimmten Gesellschaft, der Kaste der Ritterin der Staulerzeit, deren Äußerungen wir nicht als bare Münze nehmendürfen. Sie malen in reichster Form — darin suchen sie vor allem ihrenRuhm — überkommene Motive aus, wofür die höfische Sitte, nicht per-sönliche Leidenschaft die Richtschnur bildete. Die Liebesverhältnisse,die darin geschildert werden, sind Gedankcngebilde; die Liebesaben-teuer, die angedeutet sind, wären in Wirklichkeit meist unmöglich ge-wesen. Schon der Kern der meisten Lieder, der Dienst des Sängers seinerDame gegenüber, deutet die soziale Kluft an, die beide trennt. So heißder Dichter seine Gefühle ausspricht, wobei wir uns vorstellen müssen,daß dies im beteiligten Kreis von Angesicht zu Angesicht, wenn auchunter dem Schleier des Geheimnisses, im Gesang — diese sehr wichtigemusikalische Seite ist uns leider nur wenig bekannt 3 ) — geschieht, sowenig wird der Liebhaber je in die Lage gekommen sein, die Angebetetein die Arme zu schließen; ja, für gewöhnlich wird er gar nicht im Ernstdaran gedacht haben. Wie der Ritter dem Lehensherrn seine Waffen-dienste schuldet, so weiht er seiner Dame, die eines andern Gattin ist,
1) Vor diese beiden wird als weitere von den größeren Sammlungendie ältere Heidelberger gesetzt, die aber dem Inhalt nach sehr zurück-steht. Sie wird als älteste Handschrift (H. Jahrhundert) in der Wissen-schaft mit A bezeichnet, die Weingartncr als B und die große Heidel-berger, die Manessische, als G.
2) S. die neueste Zusammenfassung im Reallexikon der Literaturge-schichte unter Minnesang.
%) lüefür spielt die 4. der meistgenannten Handschriften die Haupt-rolle, die sogenannte Jenaer, die aber wesentlich jünger ist als die dreiandern.