Druckschrift 
2 (1825)
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

258

eine lichtelohe Flamme. Durch alle Thurm und Fensterkommen wüthende stolze Gluten gezogen; es scheint alswollten sie zu den Wolken hinaufsteigen, Gold- Sil-ber, Edelsteine, Alles wird in Asche, verwandelt. Manwill es lösche», kann es nicht; hier schreien Einige,und Andere irren umher; diese sterben, jene fliehen,und die unerschrockene starke Glut brennt mit aller Ge-walt, und läßt nur Trümmer zurück. So verschiedenist die Verwüstung; zwar war beides eine Feuers-brunst, aber welch ein Unterschied in ihren Folgen.Eben so geht es auch mit der Leidenschaft, die der Ar-men oder demüthigen Herzens machen den Schadenkaum fühlbar; aber die der Reichen, der Großen, derFürsten richten schreckliche Verheerungen an. Freund,wenn Ihr wenig Ungemach leiden wollt, so seyd inEuren Wünschen genügsam und behutsam, unterdrücktEure Leidenschaften: so werdet Ihr glücklich leben.Hier war der Graf überwunden; und schon gemäßig-ter erkannte er die große Schwierigkeit- rin edles Herzim Zügel zu halten.

Diejenigen, die im Staube geboren werden, kön-nen nur sanfte Leidenschaften haben, denn ihre Seelensind wie die niedrigen Jnsecten, welche kaum über dieErde kriechen; aber der, durch dessen Adern ein be-rühmtes Blut fließt, der, welcher vom Himmel einehohe Seele bekam, der muß fliegen wie ein Adler, undsich nach den Wolken erheben. Wohl sehe ich, daß es