Nothwendige Receln für Bergreisende. 65
J 9) Wer zu Pferd durch die Gebirge reist, der ver-traue gänzlich dem sichern Gang seines Rosses ; maulasse es nur gehtm , wie es will, ohne cs lenken zu.vollen. Die Maulthiere und Pferde in den Gebirgenwerden zur Fortschaft'ung der Waaren gebraucht; siegehen daher auf den Felsenwegen beständig, sind siedurchaus gewohnt und kennen sie genau. Es ist zumErslaunen, wie sie klettern können, und wie sicher,fest und genau sie gehen. Da sie meistens als Packpferdegebraucht werden, so sind sie des Zaums und des Len—kens ganz ungewohnt; deswegen legt man ihnen auchkeinen an, wenn sie zum Reiten gebraucht werdendMan bekömmt daher im Allgemeinen nichts in die Hand,als einen Strick, der durchs Maul des Rosses geht, odereine elende Halfter. Die Gebirgswege laufen öfters dicht;an hohen Felsenwänden fort; da nähern sich die Pferdefast immer dem Rande der Strafse, weil sie, gewöhnlichmit Cepäcke beladen, gezwungen sind, so zu gehen,damit sie nicht an die F’elsenwand anstofsen. Sind nunam Rande des Weges Abgründe, so überfällt den Rei-ter Angst und Schrecken bey diesem fürchterlichen An-blick und bey dem Gedanken, sich so durchaus seinemPferde überlassen zu müfsen. An solchen grauenvollenStellen ist es vernünftig abzusteigen , um sich von denunangenehmsten Gefühlen zu befreyen, über welche dieVernunft nie ganz gebieten kann. Sonst, wie schongesagt, ist wirklich keine Gefahr zu befürchten, wennman nur die Thiere gehen läfst; ich habe nie von einen}Reisenden gehört, der iu diesem Fall ein Unglück hatte,7 .
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