«grenze Halt machenden, sondern die ganze Menschheit umfluthenden Strömung von Ideen aufdem in heißen Kämpfen errungenen festen, nationalen Boden zu stehen; aus der Fülle der rings-um austauchcnden, in beständigem Wechsel begriffenen Erscheinungen diejenigen herauszuhebcn,welche von Einfluß sind auf die fortschreitende Entwicklung, Erleuchtung und Aufklärung desEinzelnen, und in ihrer Gesammtheit dem Jahrhundert seine Signatur verleihen: das ist dieAufgabe der Deutschen Revue. Wir würden dieselbe als erfüllt ansehcn, wenn es uns, aufGrundlage dieser Voraussetzungen, gelingen sollte, eine Zeitschrift herzustellen, welche von jedemgebildeten Mann und jeder gebildeten Frau mit Nutzen und Vergnügen gelesen werden kann.
Die Deutsche Revue wird in monatlichen Heften von 10 Bogen in gr. 8" erscheinen, undihr Programm umfaßt folgende Rubriken:
I. Novellen und kleinere Romane.
II. Wissenschaftliche Essays aus den Gebieten der allgemeinen, der Kultur- und Rechts-geschichtc, der Literatur- und Kunstgeschichte, der Musik- und Sprachwissenschaft,der Archäologie, der Naturwissenschaft, der Technologie, der Kriegswissenschaft,der Politik, Statistik und der Nationalökonomie, Geographie, Reisen undVölkerkunde.
III. Literarische Monatsübersicht über die bedeutenderen Novitäten des deutschenBuchhandels.
Bcrlincr Monatschronik , öffentliches Leben. Theater und Musik.
V. Wiener Monatschronik / o -
VI. Politischer Monatsbericht.
Die letzteren in jedem Hefte regelmäßig wiederkehrenden Rubriken sind jedoch nicht in demSinne gemeint, daß sie das gcsammte dahin einschlägige Material erschöpfen sollten. Vielmehrbehalten wir uns vor, sowohl die fremden Literaturen als die eigentlich fachwissenschaftlichen Werkevon hervorragender Wichtigkeit in eigenen Essays zu behandeln. Ferner werden wir uns denaußerhalb der beiden Hauptcentren deutschen Geistes- und Kunstlebens stattfindcnden Manifestationenvon nationaler Tragweite keineswegs verschließen; sondern in allen gegebenen Fällen für rascheBerichterstattung sorgen, wie wir eine solche der Deutschen Revue bereits auch in allen fremd-ländischen Hauptstädten gesichert haben. Endlich bemerken wir, daß unsere politische Monats-übersicht, knapp und möglichst objektiv gehalten, ans keine Weise der Charakteristik politischerPersönlichkeiten oder Prüfung politischer Thatsachen vorgreifen wird, welche wir, sofern es ge-boten scheint, in ausgeführter Darstellung zu geben beabsichtigen.
Hiermit empfehlen wir unser Unternehmen der Gunst des Publikums und seinem Vertrauen!
Berlin, im September 1874.
Gedruckt war der Prospect und lag in ungeheuren Massen zur Veröffent-lichung für den l. September bereit. Aber er ist niemals veröffentlicht worden.Die letzten Tage des August sollten anders über ihn entscheiden. Denn, ichdarf es nicht verschweigen, wir waren nicht ganz zufrieden weder mit ihm nochmit uns selbst: wir hatten das Gefühl, daß hier irgend etwas noch nichtrecht stimme. Man hat Wohl gemeint, daß es ein Theatercoup gewesen, dieZeitschrift als „Deutsche Revue" anzukündigen, um hernach durch ihre Namens-änderung um so mehr zu überraschen. Dies war jedoch nicht der Fall.Wir waren wirklich im Ernst, wiewohl auch uns das Fremdwort im Titelein beständiger Vorwurf und ein Dorn im Auge. Wie, sagten wir uns, wirwollen eine Zeitschrift für das gesammte geistige Leben unseres Volkes schaffenund die deutsche Sprache sollte keinen Ausdruck dafür habend Wir dachtenan Max von Schenkendorf's „Muttersprache, Mutterlaut!" und was er weitervon seiner Empfindung sagt:
„Wann ich fremde Zungen üben,
Fremde Worte brauchen muß!"