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Die Begründung der "Deutschen Rundschau"
Entstehung
Seite
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kritische Führer. Allein ihm fehlt eine Zeitschrift, welche dadurch, daß sie jene mannigfachenElemente der heutigen Bildung zusammen in sich begreift, einen Ueberblick über den ganzen Um-fang derselben ermöglicht und einem Bedürfnisse der hochgebildeten Kreise unserer Nation entgegen-kommt, welches bisher noch nicht vollständig befriedigt worden ist.

In diese Lücke cinzutretcn ist die Deutsche Revue bestimmt. Sie wird Unterhaltung inder edelsten Form bieten und zugleich den wissenschaftlichen Fragen, den politischen, literarischenund künstlerischen Vorgängen mit der größten Aufmerksamkeit folgen. In keiner Weise wird siedem Dilettantismus Vorschub leisten; ihre wissenschaftlichen Aufsätze werden von Männern derWissenschaft, ihre Beitrüge zur schönen Literatur von den ersten unserer zeitgenössischen Dichterund Novellisten, ihre Kritiken von Schriftstellern verfaßt sein, deren Stimmen zu den aner-kanntesten und geachtetsten gehören. Sie wird eine ganz besondere Ehre darein setzen, auf jedemihrer Blätter den Beweis zu führen, daß deutsche Gründlichkeit wohl verträglich ist mit gutemGeschmack und deutsche Fachbildung nicht zu verzichten braucht auf guten Styl.

Die Deutsche Revue geht von dem politischen Mittelpunkte des Deutschen Reiches aus,und sie wird sich aller Vortheile der Information und geistigen Hülfsmittel, welche dieser ge-währt, bedienen.

Aber indem wir es für nothwerchig erachten, an dieser Stelle zu betonen, daß die DeutscheRevue keine andere Tendenz verfolgen wird, als diejenige: deutsch zu sein, glauben wir doch auchhervorheben zu sollen, daß ihr Nichts ferner liegen kann, als Einseitigkeit. Sie wird dasdeutsche Element hegen und Pflegen, wo immer es sich, über alle Welt verstreut, findet; sie wirddaheim, indem sie die außerordentliche Mannigfaltigkeit des deutschen Wesens, seine Unterschiede,selbst Gegensätze würdigt und mit aller Achtung vor den localen und historischen Eigentümlich-keiten, aus denen jenes sich zusammcnsetzt, bestrebt sein, so viel an ihr liegt, bestehende Vor-urteile zu beseitigen, freundliche Annäherung, gegenseitiges Verstündniß zu vermitteln und infreudiger, frischer Gemeinsamkeit den Zusammenhang des deutschen Geistes- und Gemüthslebensin seinem vollen Umfang aufrecht zu erhalten und zu stärken.

Aber es würde jenes Wesen in seinem tiefsten Grunde verkennen und verleugnen heißen,wenn wir uns darauf allein beschränken wollten.

Der Deutsche welcher, ohne seine Gesinnung, seine Sprache und seine Literatur aufzugeben,ein geachteter und einflußreicher Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika geworden; derDeutsche, welcher als Lehrer, Kaufmann oder schlichter Arbeiter Fuß gefaßt in allen civilisirtenGegenden des Erdkreises, ja selbst über diese hinaus, in Missionen und Entdeckungsreisen dieCivilisation weiter tragen hilft: wie könnte dieser jemals daran denken, gegen das Fremde sichgleichgültig, geschweige denn ablehnend zu Verhalten?

Wir wünschen daher und zunächst, die intellectuellen Beziehungen zu den uns stamm-verwandten germanischen Böllern neu zu beleben und werden — nachdem glücklicherweise jederGrund politischen Mißtrauens in unsere Absichten geschwunden und dieses selbst sich in offeneund ehrliche Anerkennung verwandelt — den uns so sehr sympathischen Literaturen des skandi-navischen Nordens und der Niederlande besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen undBeiträge von ihren Schriftstellern in der Deutschen Revue bringen. Wir beabsichtigen ferner,eine ernste und eingehende Betrachtung jenen beiden großen uns benachbarten Nationen zuwidmen, dem neuerdings erst entfalteten geistigen Leben der einen im Osten, deren Machtgebietund innere Mannigfaltigkeit fast eine Welt für sich bedeutet, der alten und hohen Kultur deranderen im Westen, die wir bisher nicht haben entbehren können und auch in Zukunft nichtentbehren möchten. Wie wir einst in den Tagen, die der Wiedergeburt des Deutschen Reichesvorangingen, Stärkung und Erquickung geschöpft aus dem Studium der ehrwürdigen In-stitutionen Englands, seiner Achtung vor dem Gesetz und der persönlichen Freiheit, so werdenwir auch fernerhin, wenngleich unter veränderten Umständen, seiner politischen, socialen undliterarischen Arbeit mit gewohntem Antheil folgen und jedes Lebenszeichen aufrichtig begrüßen,welches wir von dem wicdererwachten Genius Italiens empfangen werden.

Es ist eine großartig bewegte Zeit, wie kaum eine zuvor, eine Zeit des Ringens für Lichtund Freiheit, des Erwachens und Aufcrstehens in den Landen, in welche die Deutsche Revuehineintritt. Aber innerhalb dieser mächtigen, hinüber und herüberwogenden, an keiner Landes-