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Die Begründung der "Deutschen Rundschau"
Entstehung
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Dringend bat ich ihn, von diesem Gedanken abzustehen: nicht nur, daß ichmich auf jeden Fall bereits für gebunden halte, ich sei auch überzeugt, daßgerade eine junge Firma, wie die Paetel'sche, mehr als jede andere ihrenganzen Eifer, ihren ganzen Ehrgeiz an ein Unternehmen setzen werde, das sie,soweit hätte ich die Herren doch schon kennen gelernt, durchaus nicht von einemkleinlichen Gesichtspunkt aus ansähen. Auerbach hatte von einem hohen Etatgesprochen und Summen genannt, die zur Verfügung stehen müßten, dennschließlich war er auch ein guter Rechner. Auch darüber glaubte ich ihn be-ruhigen zu dürfen, und als ich mich von ihm vor seinem Hause trennte, dadachte ich an den verschämten Liebhaber in Dickens' „Copperfield" unddie drei Worte, die er dem kleinen David in die Feder dictirt: „Larüis isviUing". Aber darum war mir doch keineswegs fröhlich zu Muth.

Mir schwindelte vor all' den neuen Anregungen; das Ungewisse, das Un-bekannte, das auf diesem Wege lagerte, machte mir Augst. Und doch hätteder Moment nicht glücklicher gewählt sein können. Seit den großen Ereignissenvon 1866—1871 hatten das nationale Gefühl und der nationale Wohlstandsich gehoben; wir hatten jetzt ein Deutsches Reich und eine Reichshauptstadt,in der mit dem gesammten politischen auch das literarische Leben sich zu con-centriren begann. Die frühere Abneigung des übrigen Deutschlands gegenBerlin war im Schwinden begriffen, Oesterreich war uns befreundet, und wobisher alle für ein allgemeines, nicht nur berlinisches oder preußischesPublicum bestimmten Zeitschriften in Leipzig, in Stuttgart, in Braunschweigerschienen waren, durfte jetzt Wohl auch ein Unternehmen, das von hier aus-ging, sich eines sympathischeren Empfanges versehen. Denn das war inmittenallen Schwankens mein fester Vorsatz gewesen: wenn überhaupt, so sollte dieZeitschrift nur in Berlin und nur bei den Gebrüdern Paetel erscheinen.

Zu diesen begab ich mich am andern Vormittag, um ihnen die neue

Wendung der Dinge mitzutheilen; und ich hatte mich nicht getäuscht. OhneWeiteres gingen sie auf die von Auerbach gemachten Andeutungen ein, er-klärten sich sofort bereit, den Etat in jeder erforderlichen Weise zu erhöhenund ersuchten mich, unter Angabe der Bedingungen Allerbach definitiv zumBeitritt einzuladen. Wie beflügelt eilte ich über die Brücke, die von derFlottwellstraße und dem Schöneberger Ufer zur Königin Augustastraße undAuerbach's Wohnung führte.

Denn seit Ostern dieses Jahres hatten die Gebrüder Paetel mit ihreniGeschäft das kleine Gartenhaus in der Lützowstraße Nr. 2 bezogen, das

— auf einem ihrem Vater gehörigen Grundstück gelegen — die zweite, noch

sehr bescheidene Etappe zu ihrer künftigen Position bildete. Aber welche Stundenjenes unaussprechlichen Glücks, das den nahenden Erfolg verkündet, sollteilwir noch in diesem niedrigen Zimmer erleben — demselben, in dem, als ein-mal unsere drei baumlangen Mitarbeiter Dingelstedt, Turgeniew und Putlitzsich hier trafen (und wirklich mit den Köpfen an die Decke stießen), der witzigeEx-Nachtwächter ausrief, daß hier die drei größten Männer des Jahrhundertsbeisammen seien! —