Druckschrift 
Die Begründung der "Deutschen Rundschau"
Entstehung
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Niemals habe ich Auerbach erregter gesehen, als an dem Morgen, da ichihm die Botschaft der Gebrüder Paetel überbrachte und die Summe nannte,die sie zur Verfügung stellten. Das Blut stieg ihm zu Kopf, er lief im Zimmerauf und ab, er sagte Ja, er sagte Nein; wir verabredeten für den Nachmittageinen Spaziergang, am anderen Tage besuchte er die Gebrüder Paetel, und dasResultat war nachstehende Mittheilung:

,Jn Folge unserer soeben stattgehabten Besprechung mit A. erhalten wir von diesem eineKarte: „Einverstanden. Weiteres morgen Vormittag." —

.Dürfen wir Sie also um Ihren Besuch für morgen im Laufe des Vormittags bitten?

,Mit freundlichen Grüßen

Berlin IV-, den 30./4. 1874. Lützowstraße 2. Ihre ergebenen Gebrüder Paetel?

Der Abend, an dem ich diese Zeilen empfing, war einer von denen, dieman nicht vergißt. Die Gemeinschaft mit einem solchen Manne gab mir festenBoden unter den Füßen, sie gab mir Sicherheit, Vertrauen, und mehr noch:sie erfüllte mich mit einem Gefühle tiefer Dankbarkeit, wenn ich mich indie Tage des „Lorle", des „Barfüßle" zurückversetzte, wenn ich bedachte,was der Name Berthold Auerbach's einst für mich gewesen und jetzt fürmich werden sollte! Denn schon sah ich im Geiste diesen Namen über odervor dem meinen auf dem Titelblatt der neuen Zeitschrift. . . .

Auerbach war berühmt als Titelfinder, für sich und für Andere; z. B.hat er dem Roman Otto Ludwig's „Zwischen Himmel und Erde" den höchstprägnanten Namen gegeben. Auch hatten wir in den früheren Unterhaltungenüber diesen Gegenstand oft gesprochen und waren immer wieder darauf zurück-gekommen. Denn er wußte, was ein Titel Werth ist, ohne jedoch in diesemFalle besonders glücklich zu sein. Einmal, in den ersten Stadien, hatten wiran die Bezeichnung: „Berlin und Wien" gedacht, um dadurch auszudrücken,daß wir nicht nur das ganze Deutschland, sondern auch das ganze Deutsch-thum umfassen wollten; und ich war darin bestärkt worden durch denMeinungsaustausch mit den Wiener Freunden. Der Gedanke, das Theaterund die Musik von Berlin und Wien gleichmäßig zu vertreten, ist noch inunser Programm ausgenommen und in den ersten Jahren thatsächlich durch-geführt worden. Jedoch für eine Zeitschrift, wie sie sich allmählich zu gestaltenbegann, hätte die Bezeichnung „Berlin und Wien" schon jetzt nicht mehrgepaßt, sie würde zu sehr an das erinnert haben, was der Engländer Mugarüim"im Gegensatz zur „llaviöv" nennt, während wir die Vereinigung beiderGattungen anstrebten, wie sie sich in der französischen „lltzvus" und zwar alsklassisches Vorbild in der „llsvuo ckss äsux monckss" lange dargestellt hat.Einstweilen also, bis uns etwas Besseres einfiele, begnügten wir uns damit,wenn wir von der neuen Zeitschrift sprachen, sie die „Deutsche Revue" zunennen, wodurch ihr Charakter und unsere Absicht am Bestimmtesten an-gedeutet ward.