Der Rückzug.
52 II. Der Angriff des Generals v. Schwartzkoppen.
wehr — „wälzt sich von den Höhen herab, und vereint mit ihnen brechenauch die alten aus ihrer Linie vor. Und hinter uns kein Mann mehr!Was nun? Wir stehen! Wer noch schießen kann, schießt, aber neue Massenfüllen die Lücken. Kühn entschlossen dringt der überaus tapfere Gegner aufunsere gelichteten Reihen ein. Ihre Offiziere voraus, die Käppis schwenkend,Alles schreiend, blasend und feuernd, so stürzen sie auf uns; da gleiten dieReste eines braven Regiments erschöpft in die Schlucht hinab."*)
Hauptsächlich hatte das aus dem zweiten Tressen vorgezogene Linien-Regiment Nr. 57 in großer Breite und mit außerordentlicher Tapferkeit denSturm gegen die Stellung des Regiments Nr. 16 auf dem Höhenrandenördlich der Schlucht durchgeführt. Augenzeugen von beiden Flügeln diesesRegiments berichten, daß zunächst das Französische Regiment Nr. 57 übersie, die verwundet liegen geblieben waren, hinweggeschritten sei.
Die auf dem rechten Flügel der Brigade Wedel! bis in und über dieSchlucht gelangten Abtheilungen waren, wie berichtet, rechts flankirt wordenund hatten sich, dem Drucke des innerhalb der Schlucht vordringenden Feindesnachgebend, theilweise auf der Schluchtsohle in westlicher Richtung zurückgezogen.Nun gewannen die rechts überflügelnden Staffeln des Gegners den nördlichenSchluchtrand und schossen von oben in die Mannschaften hinein, die sich inder Schlucht mühsam an ihnen vorbeischleppten.**) Da verliert der Wille dieHerrschaft über den Körper: fast umzingelt gerathen 1 Offizier und 356 Mannvom Regiment Nr. 16 und 1 Offizier, 26 Mann vom Regiment Nr. 57in Gefangenschaft.***) In der Schlucht bleibt die zerschossene Fahne desII. Bataillons Regiments Nr. 16 unter einem Leichenhaufen liegen; ihr obererTheil wird eine Beute des Siegers, fl)
Ein Theil der geschlagenen Truppe erklettert mit dem Aufgebote derletzten Kräfte langsam den steilen Hang, den er vor Kurzem in Siegeszuversichthinabgestürmt war. Unten in der Schlucht war es beängstigend still gewesen,aber noch ist der Abhang nicht erstiegen: da bricht das Feuer mit verdoppelterGewalt los. Drüben am anderen Rande des Grundes sind die feindlichenMassen erschienen. Der Gegner schmettert sein Blei zwischen die Wehrlosenund bringt die blutige Ernte seines Sieges ein. Bei Beginn des Rückzugesfällt Hauptmann v. Arnim, wie er seine Kompagnie, die 4., zu neuem Wider-stande ordnen will. Südlich der Schlucht bleiben die Hauptleute v. Lieresund Schultze, die Chefs der 1. und 11. Kompagnie, schwer verwundet liegen.
*) Vergl. Anhang Nr. 31.
**) Vergl. Anhang Nr. 32.
***) Außerdem wurde eine größere Zahl Verwundeter von den Franzosen zurückgebrachtund mittelst Eisenbahn nach dem Norden Frankreichs geschafft, wo sie bis zuni Friedens-schluß in Gefangenschaft blieben.
ff) Am 17. August wurden der untere Theil der Fahnenstange mit dem Ringe,einige Reste des Fahnentuches und der Wachstuchüberzug beim Aufräumen des Schlacht-feldes gefunden. Vergl. außerdem Geschichte des Regiments Nr. 16, S. 275 bis 276.