Druckschrift 
Der Islam und die Wissenschaft : Vortrag, gehaltzen in der Sorbonne am 29. März 1883
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

Islam hat ihr in der That einen neuen Aufschwung gegeben unddie zum Islam bekehrten persischen Gelehrten machten sich eineEhre daraus, ihre Bücher in der Sprache des Koran zu schreiben.Die Araber dürfen sich keineswegs mit dem Ruhme schmücken, derjenen Schriftstellern zukommt; wir glauben aber, dass sie dessengar nicht bedürfen, sie haben berühmte Gelehrte und Schriftstellerin hinreichender Anzahl unter sich aufzuweisen. Was würde ge-schehen, wenn man, bis zu den frühesten Zeiten der arabischenHerrschaft zurückgehend, Schritt vor Schritt den Weg der erstenGruppe verfolgte, aus welcher das erobernde Volk hervorging, dasseine Macht über die Erde ausbreitete; wenn man, Alles ausschlies-send, was dieser Gruppe oder ihrer Nachkommenschaft n cht ange-hört, weder den Einfluss in Betracht zöge, den sie auf die Geisterausgeübt, noch den Anstoss, den sie den Wissenschaften gegeben?Käme man bei solchem Verfahren nicht dazu, den erobernden Völ-kern keine anderen Verdienste noch andere Tugenden zuzuerkennen,als diejenigen allein, die aus der materiellen Thatsache der Erobe-rung entspringen? Alle besiegten Völker würden dann ihre geistigeAutonomie sich zuschreiben, sich allein allen Ruhm aneignen, sodass kein Theil davon von der Macht in Anspruch genommen wer-den dürfte, welche die vorhandenen Keime befruchtete und entwickelte.Demnach würde Italien zu Frankreich sagen, dass weder Mazarinnoch Bonaparte dem letzteren Lande angehört haben; Deutschlandoder England würden ihrerseits die Gelehrten sich gut schreiben,die, nach Frankreich übergesiedelt, daselbst den grossen Ruf deröffentlichen Lehrstühle, der französischen Wissenschaft erhöht haben.Die Franzosen ihrerseits würden den Ruhm der Abkömmlinge jenererlauchten Familien für sich in Anspruch nehmen, die nach Auf-hebung des Edikts von Nantes nach allen Ländern Europas aus-vvanderten. Wenn nun doch alle Europäer desselben Ursprungs seinsollen, so darf man mit gleichem Rechte behaupten, dass die Ilarra-nier und Syrer, welche Semiten sind, auch zur grossen arabischenFamilie gehören.

Bei alle dem ist freilich die Frage gestattet, wie es wohl ge-kommen, dass die arabische Civilisation, nachdem sie einen so leb-