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Der Islam und die Wissenschaft : Vortrag, gehaltzen in der Sorbonne am 29. März 1883
Entstehung
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ja der Beweis Ihrer natürlichen Liebe zu den Wissenschaften?Wahr ist, dass die Araber den Griechen ihre Philosophie entlehnten,wie sie den Persern abnahmen, was deren Ruhm im Alterthum aus-machte. Diese Wissenschaften aber, die sie durch das Recht derEroberung sich angeeignet, sie haben sie entwickelt, ausgedehnt,aufgehellf, vervollkommnet, vervollständigt und mit auserlesenemGeschmack, mit seltener Bestimmtheit und Genauigkeit logischgeordnet. Und dann: die Franzosen, die Deutschen und die Eng-länder waren von Rom und Byzanz nichs to weit entfernt, wie dieAraber, deren Hauptstadt Bagdad war. Es war ihnen also leichter,die wissenschaftlichen Schätze auszubeuten, welche in jenen zweigrossen Städten vergraben lagen. Sie haben in dieser Richtungnichts gethan bis zu dem Tage, wo die Fackel der arabischenCivilisation auf dem Gipfel der Pyrenäen erschien und ihr Licht,ihren Glanz über das Abendland ergoss. Die Europäer habenden ausgewanderten, arabisch gewordenen Aristoteles wohl aufge-nommen; aber sie dachten nicht an ihn, als er noch in seinemgriechischen Gewände in ihrer Nachbarschaft ruhte. Ist das nicht einzweiter, nicht minder augenscheinlicher Beweis von den intellektuel-len Vorzügen der Araber und ihrer natürlichen Liebe zur Philo-sophie. Nach dem Sturze des arabischen Reiches im Orient wie imOccident, verfielen freilich die Länder, welche die leuchtenden Herdeder Wissenschaft geworden waren, wie Irak und Andalusien, in Un-wissenheit und wurden die Centren des religiösen Fanatismus. Ausdiesem traurigen Schauspiel darf nicht geschlossen werden, dass derwissenschaftliche und philosophische Fortschritt im Mittelalter nichtdem damals herrschenden arabischen Volke zu verdanken war.

Herr Renan lässt ihm übrigens diese Gerechtigkeit zu Theilwerden. Er erkennt an, dass die Araber Jahrhunderte lang denHerd der Wissenschaften gehütet und in Gluth erhalten haben.Gibt es eine edlere Aufgabe für ein Volk? Doch während er aner-kennt, dass etwa vom Jahre 775 der christlichen Zeitrechnung anbis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, das heisst währendungefähr fünfhundert Jahren, es in den mahomedanischen LändernGelehrte, sehr hervorragende Denker gegeben, und dass die maho-