Druckschrift 
Der Islam und die Wissenschaft : Vortrag, gehaltzen in der Sorbonne am 29. März 1883
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

nun nicht in’s andere Extrem verfallen und sie allzusehrentwerthen. Zwischen dem Verschwinden der antiken(Zivilisation im sechsten Jahrhundert und der Geburtdes europäischen Genius im zwölften und dreizehntengab es eine Periode, welche die arabische genanntwerden darf, weil während derselben die Ueberlieferungdes menschlichen Geistes sich auf den dem Islam zuge-fallenen Regionen fortgepflanzt hat. Und was hat diesesogenannte arabische Wissenschaft wirklich arabischesan sich? Die Sprache, nichts als die Sprache. Dieislamitische Eroberung hatte die Sprache des Hedscliasbis an das Ende der Welt getragen. Es ging mit demArabischen wie mit dem Latein, das im Abendland zumAusdruck von Gefühlen und Gedanken diente, die mitdem alten Latium nichts gemein hatten. Averroes,Avicenna, Albateni sind Araber, wie etwa Albert derGrosse, Roger Bacon, Erancis Bacon, Spinoza Lateinersind. Es liegt ein eben so grosses Missverständnissdarin, die arabische Philosophie und Wissenschaft aufRechnung Arabiens zu setzen, als wollte man diegesammte christlich-lateinische Literatur, alle Scholas-tiker, die ganze Renaissance, die ganze AVissenschaftdes sechszehnten und zum Theil des siebenzehnten Jahr-hunderts auf Rechnung der Stadt Rom setzen, weil diesalles latein geschrieben ist. Sehr merkwürdig in derThat, dass unter den sogenannten arabischen Philo-sophen und Gelehrten nur ein einziger, Alkindi, arabischenUrsprungs ist, alle übrigen sind Perser, Transoxiner,Spanier, Männer aus Bokhara, Samarkand, Cordova,Sevilla. Nicht nur sind es keine Araber der Herkunft