11
Civilisation Bagdad’s, deren zauberhafte Bilder schonbei dem Gedanken an die Märchen von Tausend undEine Nacht vor unserer Phantasie sich entfalten; eineseltsame Mischung von offizieller Strenge und heimlichemSichgehenlassen. Es ist das Alter der strebsamen Jugendund des Leichtsinns zugleich, wo die ernsten und dieheitern Künste dank der Protektion von leichtlebigenRegenten blühen, die allen religiösen Fanatismusbelächeln, wo der Freigeist, obgleich stets den grausam'sten Strafen ausgesetzt, bei Hofe gesucht und mitSchmeicheleien überhäuft wird. Unter der Regierungdieser Khalifen, die bald tolerant, bald gegen ihrenWillen als Verfolger auftraten, entwickelte sich derfreie Gedanke. Die Motecallenim oder Disputanten hieltenSitzungen ab, in denen sämmtliche Religionen nach denGesetzen der Vernunft geprüft wurden. Wir besitzengewissermassen das Protokoll einer solchen von einemStrenggläubigen veranstalteten Sitzung. Erlauben Siemir, Ihnen dasselbe nach der Uebersetzung des HerrnDozy vorzulesen:
Ein Gelehrter aus Kairoan fragt einen frommenspanischen Theologen, der die Reise nach Bagdadgemacht hatte, ob er während seines Aufenthaltes indieser Stadt den Sitzungen der Motecallenim beigewohnthabe. „Ich habe zwei Sitzungen beigewohnt,“ erwidertder Spanier, „aber ich habe mich wohl gehütet, eindrittes Mal hinzugehen.“ — „Und warum?“ fragte derAndere. — „Urtheilet selber,“ antwortete der Reisende.„Der ersten Sitzung, an welcher ich tlieilnahm, wohntennicht blos Muselmänner jeder Gattung, Orthodoxe und!