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Der Islam und die Wissenschaft : Vortrag, gehaltzen in der Sorbonne am 29. März 1883
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spielt, die Stadt Harran, war heidnisch geblieben undhatte sich die gesammte wissenschaftliche Ueberlieferungdes griechischen Alterthums treu bewahrt; sie lieferteder neuen Schule eine beträchtliche Anzahl von Gelehrten,die den offenbarten Religionen fremd gegenüber standen,namentlich tüchtige Astronomen.

Bagdad erhob sich als die Hauptstadt dieses wiedererstandenen Persiens. Die Sprache der Eroberer konntenicht verdrängt, auch die Religion derselben nicht ganzund gar verleugnet werden; immerhin war der Geistdieser neuen Civilisation ein wesentlich gemischter.Parsi und Christen gewannen die Oberhand; die Ver-waltung, besonders die Polizei, war den Christen über-lassen. Alle jene glänzenden Khalifen, die Zeitgenossenunserer Karolinger, Mansur, Harun al Raschid, Mamunsind kaum Muselmänner. Sie bekennen sich äusserlichzur Religion, deren Häupter, ja Päpste sie sind, wennman sich so ausdriicken darf; ihr Sinn aber ist nichtdabei. Sie sind überaus wissbegierig, besonders nachausländischen und heidnischen Dingen; sie befragenIndien, das alte Persien, Griechenland namentlich. Bis-weilen, das ist freilich wahr, führen die moslemitischenPietisten sonderbare Reaktionen bei Hofe herbei; derKhalife wird zeitweise devot und opfert seine ungläu-bigen oder freidenkerischen Freunde. Dann weht wiederder Wind der Unabhängigkeit, der Khalife ruft seineGelehrten und Vergnügungs-Genossen zurück, zumschrecklichen Aergerniss für die puritanischen Musel-männer; von Neuem beginnt das freie Leben.

So erklärt sich die so eigenthiimliche und anziehende