Druckschrift 
1 (1858)
Entstehung
Seite
421
Einzelbild herunterladen
 

Verlegung der Cathedrale von Elze nach Hildesheim. 42 1

Jahre hindurch ohne Widerrede bezahlt, dann aber verringert oder garentzogen sei. i) Hörige des Haupthoses waren gewiß die Litoncn,welche später im Alten Dorfe ihr Meierding hielten — das bischöflicheGut im Alten Dorfe verpfändete Bischof Conrad I. — und auch Wohldiejenigen, welche Bischof Berthold dem Kloster Marienrode abtrat;denn Bischof Adelog (H7l — 1190) sagt, der Ort und die kleineGenossenschaft Höriger (knmilioln), welche dem Kloster Marienrodeursprünglich verliehen worden, sei ans der bischöflichen größeren Villi-cation hervorgegangen, und er verleihe ihr daher dasselbe Recht unddieselbe Hcirathsbefugniß, welche in der bischöflichen Villication bestehen.Daß aber endlich auch hörige Handwerker auf dem Hofe arbeiteten,war nothwcndig, und welche Betriebsamkeit unter dem kunstliebendcnBcrnward dort geherrscht haben mag, läßt sich leicht ermessen. 2)

Erwägen wir dieses Alles, so ergibt sich für uns leicht, wie an-sehnlich, wie wohl ausgerüstet mit fruchtbarem Acker, mit Gärten,Weinbergen und Mühle», mit Wasser, Weide und Wald, mit unfreienAckerbauern und Handwerkern, der Herrnhof war, worauf sich das inseinem Anfänge fast auf jene Besitzung beschränkte Stift erhob.

Nachdem wir also die Verlegung des Stiftes aus einen bedeuten-den Herrnhof wahrscheinlich gemacht haben, müssen wir noch einigerUmstände gedenken, welche sogar eine zweimalige Verlegung vermuthenlassen. Man konnte im elften Jahrhundert die Hildeshcimische Kirchedie Benneburgsche nennen, und damit genügend diejenige bezeichnen,welche man meinte. Der h. Bernward selbst soll gesagt haben, erhabe den bischöflichen Sitz der Bennopolitanischen Kirche bestiegen.Wenn gleich wir die Urkunde nicht mehr in der Urschrift besitzen, son-dern nur in einer Abschrift, welche man etwa im vierzehnten Jahr-hundert, so gut man es verstand, mit den Merkmalen eines Originalshat versehen wollen, so hat doch der unzweifelhaft gleichzeitige Tangmaroder der nicht viel spätere Fortsetzer Tangmars die Urkunde in seineLebensbeschreibung Bernwards ausgenommen.^) Die Urkunde warlaut des Hannoverschen Codex im elften Jahrhundert vorhanden, wenngleich der Dresdener sie nicht hat; der Inhalt entspricht ganz derSinnesweise Bernwards, und wenn sie auch keine Urkunde im gewöhn-lichen Sinne ist, so kann man dennoch sich sehr wohl denken, daß der

>) Diplom- man. 8. LlieliLel. 36.

2) VitL s. Derinv. Lp. Deikii. ser. rer. Dr. 443.

2) Deibll. I. 461. flloiruin. 6erm. List. 88. IV. 781.