Druckschrift 
Die Lebensbeschreibung der Bischöfe Bernward und Godehard von Hildesheim
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

Godehard'» Leben.

zurück. Wie fromm er aber seitdem dort gelebt habe, wird derLeser leicht erkennen, wenn er nur das, was mit vollkommensterWahrheit hier weiter über ihn gesagt wird, nicht als leere Erfin-dung unberücksichtigt läßt. Schon in zartem Alter hatte er dieDemnth, welche die Mutter und gleichsam die Erzieherin allerTugenden ist, sich zu eigen gemacht. Er ließ es sein eifrigstesBestreben sein, den Aeltern Gehorsam, den Gleichalterigen Treue,den Jüngern Liebe zu beweisen. Er war unermüdlich, göttlicheLobgesänge und Psalmen zu singen; von den Lockungen weltlicherUnreinigkeit, welche jenem Alter so gefährlich sind, wurde er wiedurch ein geistliches Bad gereinigt und erblühete in dem Schmuckealler Tugenden. Obgleich er aber in allen kirchlichen Uebnngensich immer sehr eifrig bewies, wandte er doch der Kunst zuschreiben eine besondere Sorgfalt zu. So brachte er schon inseiner Jugend eine große Zahl theologischer und philosophischerBücher zusammen. Unter andern fertigte er auch eine Bibel an,welche noch heute in demselben Kloster bewahrt wird, von wunder-barer Schönheit, aber uöch größerem Nutzen, um daraus im Laufedes Jahres zu lesen und zu singen. Er hatte sie nicht nur ge-schrieben, sondern auch aus Demuth mit eigner Hand das Perga-ment und alles andere Nöthige zugerichtet.

6. Nun geschah es einmal, daß der vorgenannte BischofFriederich, welchem, wie gesagt, die Obsorge über jene Kirche zu-stand, in das Kloster kam, um die Brüder zu sehen. Voll Eiferund Scharfsinn besichtigte er zuerst die kirchlichen Geräthschaften,erkundigte sich dann sorgfältig, was ein jeglicher der Alten sowohlals der Jungen für die Wissenschaften leiste, die an jenem Orteunter Leitung des vorgenannten Lehrers in herrlicher Blüthestanden. Als nun jener Knabe von dem Lehrer und den Uebrigenals so äußerst strebsam ihm empfohlen wurde, schenkte er ihmunverzüglich ein besonderes Vertrauen, führte ihn mit sich undnahm ihn zu seinem geistlichen Sohne an. Nicht lange nachher,als er den königlichen Kriegszug nach Italien begleitete/ nahm er1) Es kann wohl kein anderer als der Zug Otto's I. 06SS7S gemeint sein.