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Der z6ste Brief.
Von unserm großen Elend und Verderben. Mit-tel und Wege um davon erlöset zu werden.
In der Gnade IEsu von Herzengeliebte Schwester!
Puer wohl erhaltenes Brieflein ist mir ange-^ nehm gewesen. Ihr wollt wissen, in wel-chem Sinn ich an euch gedacht hätte? und,ob mir vielleicht euer Zustand von GOtt geof-fenbaret sey? Ich antworte: daß mir die Be-sonderheiten eures inneren Zustandes vielleichtnicht bekannt sind. So viel aber weiß ich,daß ihr elend und verdorben seyd, wie ichund andere Adamskinder; ja, daß ihr aucheure besondere Schwachheiten und Gebrechenhabt, die euch öfters hinnehmen. Dabei weißich auch, daß GOtt euch, dem ungeachtet,liebet, suchet, und viele Barmherzigkeiten er-weiset, um euch dadurch handgreiflich zu zei-gen , daß er euch redlich meyne, und ganzfür sich haben wolle. Dieses hat zu gewissenZeiten euer Gemüth, theils beunruhiget, theilssehr afficiret, und in einen ernsten Sinn ver-setzet , euch diesem Liebesgott ganz zu erge-ben ; die öftere Abweichungen aber haben dasGemüth schüchtern gemacht, daß auch fast
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