> ^ . ^ . H»".- 7 ^ ^ ^^''7 SsL Geistliche und erbauliche Briefe über das inwendige Leben und wahre Wesen des Christenthums, von weiland Gerhard Tersteegen. Sammt dessen Lebensbeschreibung zum gemeinen Nutzen gesammelt und ans Licht gegeben. Zweite Auflage. Zweiter Band. HI. Theil. Spelldorf, bei Mülheim ander Rhur, bei Bern h. Rvßhof und Comp. 1799. Lebensbeschreibung des seligen Gerhard Tersteegen. V o r b e r i ch t. H^an erfüllet hiemit das Versprechen, ^ ^ welches man von dieser Lebensbeschreibung , in der Vorrede zu dem ersten Bande der Deutschen Briefe, gegeben hat. Hätte man der Neigung des Seligen durchaus folgen wollen, so würde der geliebte Leser diesen Aufsatz entbehren müßen; er achtete sich viel zu gering , als daß er an eine Lebensbeschreibung hatte denken sollen. Wre sehr ihn auch einige Freunde, kurz vor seinem Ende, darum baten, so wies er sie doch liebreich ab, und vertröstete sie mit 4 Vorbericht. diesen Worten auf die Ewigkeit: O ? „Da werdet ihr, meine Brüder, mein ^ „Leben sehen; da werdet ihr mit mir ^ „leben, und da wollen wir, einer dem „andern, zum ewigen Lobe GOttes ^ „unsere Lebensbeschreibungen erzählen." D Diesem ungeachtet hat man den Freun- den hiesiger Gegend, vorzüglich den W Auswärtigen, die unfern Teerstegen M nie von Person gekannt, eine etwaige Nachricht von seinem Herkommen, Lebensart und Umständen nicht versagen können. kr Der alte Freund, dessen bereits in ^ eben erwähnter Vorrede gedacht wor- den, hat zu dieser Nachricht den nothi- kcha gen Stoff an die Hand gegeben. Was W er selbst, in seinem 42jährigen Umgänge sch mit dem Seligen, gesehen und ge- Hort, hat er gewissenhaft ausgezeichnet. L Außerdem hat er, nebst verschiedenen, ^ die viele Jahre hindurch einen vertrau- ten Umgang mit Tersteegen hatten, tziN einen gewissen Freund, der demselben bei 44 Jahre und bis zum Ende seines Lebens gedient, zu Rathe gezogen. Hier- «ü (*) Siehe des sel. G. Teerstegeno hinterlaßene Erklärung seines Sinnes, Seite 8. und 9. itz, Vorbericht. 5 : (' Hieraus ist der Inhalt gegenwar- Ak tiger Nachricht entstanden, von deren tU Zuverlaßigkeit der geliebte Leser völlig gesichert seyn kann. ?klö Sollte derselbe mehr Ordnung und m. Auswahl erwarten, so darf er sich nur » erinneren, daß man die eingegangene > kr Nachrichten, so viel möglich, gerne alle beibehalten wollen. NL M ^ Tersteegens Geburt und Herkommen. tSlS ivcl! ötbi- IW ÄÄ lllL D D a. P MÜE ^s>er sel. Gerhard TersteeAen ward gebo- ren, den asten Novembr. 1697, in der Hauptstadt des Fürstenthums Mors. Sein Vater, den er, wegen seines frühzeitigen Hintritts, nicht kennen gelernt; aus dessen Papieren er aber nachgehends ersehen, daß er mit auswärtigen Frommen einen starken Briefwechsel geführt, und der Gottseligkeit ergeben gewesen, war Heinrich Tersteegen, ein Bürger und Kaufmann in besagter Stadt; seine Mutter Maria Cornelia Triboler. 3) (a) Z vor- ») Von acht Kindern, sechs Söhnen und zwo Töchtern, war unser Gerhard der jüngste; einer seiner Brüder war Prediger, die andern Kaufleute; unter welchen einer Namens Johannes, der ebenfalls ein begnadigter Mann war, diesen seinen jüngsten Bruder vorzüglich liebte. 6 kebensbeschreibung Vorzügliche Fädigkeit. Er besaß eine vorzügliche Fähigkeit, und ward deßwegen von seiner Mutter in die Lateinische Schulen gethan; die er alle durchging. Er übte sich, mit vielem Fleiß, so wohl im Griechischen und Hebräischen, als im Latein; in Letzterm brachte er es so weit, daß er bei einer öffentlichen Solennität eine lateinische Rede in Versen, mit allgemeinem Beifall aller Gegenwärtigen, hielt, und eine vornehme Magistratsperson daher Anlaß nahm seiner Mutter zu rächen, daß sie diesen ihren Sohn dem Studiren widmen möchte. Tersteegen tritt in Condition. Die Mutter entschuldigte sich mit ihren häuslichen Umständen, und bestimmte ihn zur Kaufmannschaft; er trat deßwegen, im isten Jahr seines Alters, bei seinem Schwager M. B., einem Kaufmann in Mühlheim an der Ruhr, auf 4 Jahre in Condition. .K« «D B» W je», - SD B W Ui !G W W km wird von der Gnade ergriffen. Ervi Hier war es, wo er bereits in dem r6ten Jahr von der Gnade gerührt ward. Von Uv den eigentlichen Mitteln dazu läßt sich nichts W Ausführliches sagen; so viel aber weiß man, Mi daß er in Mülheim mit einem erweckten Kauf- mann bekannt geworden, von welchem er viel gute Erinnerungen gehört; auch hat man itzu aus seinem Munde, daß er einst, über dem Ztz, Lesen eines wichtigen Daukgebeths voll einem 7 des sel. Gerh. Tersteegen. frommen sterbenden Prediger, tief gerühret worden. Bei solchen, und unstreitig weit stiw mehreren, Veranstaltungen der weisen Güte, ciU empfand er so starke Gnadenzüge, daß er seine M Sinnesänderung sehr ernstlich suchte, und ÄE deßwegen ganze Nachte mit Lesen, Bethen, ad, und guten Uebungen zubrachte. Der folgende Wc Umstand scheint vornehmlich seiner Seelen heilsam gewesen zu scyn. Er ward einmal ^ nach Duisburg gesandt; in dem Duisburger Walde überfielen ihn so heftige Colikschmer- i ^ zen, daß er nichts als den Tod vermuthete. Er ging ein wenig aus dem Wege, und bath GÖtt herzlich um Befreiung von diesen Schmerzen, und um Fristung seines Lebens, damit er Zeit haben möchte sich auf die Ewigen T keit gehörig zuzubereiten ; hierauf verschwanden i- die Schmerzen auf einmal, und er ward aufs n kräftigste bewogen, sich dem so guten und ^ 7.. gnädigen GOtt ganz zu übergeben, ohne den mindesten Vorbehalt. Er verwechselt die Raufmannschaft mit einem ^ , stillern Gewerbe. ' Um diese Zeit ward ihm die gänzliche Nich- . < tigkeir aller irdischen, vergänglichen Dinge, und das große Gewicht der ewigen.und himm- lischen, sehr klar entdecket; er bemerkte zu- ., gleich, daß die Kaufmannschaft und der bestän- ... dige Umgang mit allerlei Menschen ihm viele 5 - Zerstreuungen verursachte, und ihn an dem . Wachsthum in der Gnade hinderte: deß- (a) 4 wegen 8 Lebensbeschreibung wegen erwählte er, ob er gleich obgemeldte vier Jahre bei der Handlung aushielt, dennoch nach Verfließung derselben, ein stilleres Gewerbe. Die Bekanntschaft, in welche er damals mit einem frommen Leinenweber geriet!), brachte ihn zu dem Entschluß, dessen Profession zu lernen; allein seine schwache Leibesbeschaffenheit, und öftere Haupt- und Colrkschmerzen nöthigten ihn davon abzustehen. Er erwählte das Bandmachen, und hielt niemanden um sich, als das Mädchen, das ihm die Seide wickelte; doch blieb er, so wie auch die übrige Zeit seines Lebens, zu Mülheim an der Rhur wohnen. Lebt sehr eingeschränkt. Bei dieser neuen Verfassung lebte er in der größten Verläugnung aller Sinnlichkeit; seine Kleidung war schlecht, seine Speisen, die er sich oft selbst bereitete, gering, und bestanden meistens in Mehl, Wasser und Milch. In den ersteren Jahren seines einsamen Lebens aß er gar nur einmal des Tages, und trank weder Thee noch Kaffe. Geräth bei seiner Wohlthätigkeit in große Armurh und Elend. Wie gering sein Einkommen seyn mochte, so bewies er sich doch ausnehmend freigebig gegen die Armen. Zur Abendszeit wann er nicht gesehen werden konnte, ging er in die Häuser der Dürftigen und Kranken, und theilte B -!i ick »W .seine .iei r »ie, > «ii i'j 9 des sel. Gerh. Tersteegen. theilte ihnen mit, was er von seinem Ver- dienst nur immer entbehren konnte. Bei ^ der Theilung seiner mütterlichen Erbschaft wie- sen ihm seine b) Miterben ein Haus zu, um ^ zu verhüten, daß er nicht alles weggeben /lU möchte; er nahm aber von seinem Bruder M Johannes den Wertk dieses Hauses, an baarem Gelde vor und nach ein, und gab W dieß Geld ebenfalls größtentheils an Arme hin. >eliv Weil hiedurch seine Anverwandten immer , K mehr gegen ihn aufgebracht wurden, und er zum östern viele Wochen nach einander krank lag, ohne etwas verdienen zu können; so geriet!) er selbst in die äußerste Armuth und Noth. Der folgende Auszug aus einem Briefe, welchen er 1766 den 24WN-Octobr., von kr ü der Armuth einer sicheren Freundin» geschrie- Ei! den, kann davon zeugen. „Es läßet sich, schreibt „er unter andern, noch gut von der Armuth re- „den, so lange man mit reichen und geneigten „Freunden umgeben ist. Schreiber dieses hat im „Anfänge Zeiten erlebt, da er bis morgen kaum r vl „Brod wußte, und ohne Freunde war, die von „seinen Umständen Nachricht hatten. Don Mor- 4 „gens 5 Uhr bis 9 Uhr Abends wirkte er, lag ! „auch mohk bis io ü 12 Wochen krank -u Bette, . , oder auf dem Boden , ohne daß auch Freunde, ^ „bei denen er im Hause war, und Kostgeld zahlte, nur eine ihrer müßigen Mägde hinauf ge- M (a) 5 »schickt h) Sein Wandel in der Nachfolge des armen Lebens FEsi» Ml machte ibn bet seinen Anverwandten sv verächtlich, . - daß sie ihn auch kaum mochten nennen hören ; st» ^ . würdigten ihn nicht einmal nach dem Abstrichen sei- § ncr Mutter, bei der Theilung ihrer Nachlaffenschaft, chßl rugegen zu sepn. ra Lebensbeschreibung „schickt hatten, mir einen Trunk Wasser zu rei- „chcn. Ich aber dachte immer, es müßte so seyn " In einem andern Briefe an einen Freund schrieb er: „Ich lag einst krank zu Bette, an einem hitzigen „Fieber, und meynte vor Durst und Hitze zu verbrennen. Ich bat die Magd meines Bruders, „bei welchem ich krank lag, mir für einen halben „Stüber dünnes Bier zu holen. Die Magd aber „war unachtsam, und indem ihr ihre Frau etwas „anders befahl, vergaß sie meiner. Ich lag oben „im Hause allein, und niemand dachte mehr an „mich. Ich mußte also vom Morgen, bis weit „in den Nachmittag, so im heißen Durst liegen, „ohne einen Tropfen zu meiner Erquickung zu ha- ,chen. Endlich hörete ich das Mädchen auf der „Treppe kommen: da bat ich GOtt, daß er mich „doch in der Sanftmuth erhalten möchte." Er wird von dem HErrn sehr unterstützt. In solchen Prüfungen blieb sein kindliches Vertrauen auf des himmlischen Vaters Fürsorge fest und unbeweglich; hierzu ward er in seinem Inwendigen kräftig ausgefodert. Wie er einst bemerkte, daß eines seiner Kleidungsstücke abgenützet war, und nicht wußte woher er Geld nehmen sollte, um sich was neues anzuschaffen; so ward ihm mit vieler Kraft aufs Gemülh gedrückt: Er sollte nur nicht sorgen. Dieß stärkte ihn in dem Harren auf die Güte GOttes ausnehmend; und diese Güte versorgte ihn, wie sich nachgehends zeigen wird, reichlich, sie ließ es ihm an keinem Guten fehlen. des fel. Gerh. Tersteegen. ir ^ Ueberhaupt genoß unser Seliger zu dieser ^ Zeit eine wahre Zufriedenheit. „ Ich kann nicht y,, ), aussprechcn ," sagte er einmal zu einer Freun- >SK dinn hierüber, „wie vergnügt ick da gewesen, als bkch "sch allein wobnete; ich dachte oft, kein König Ä« ">n der Welt könnte so zufrieden leben, als ich „damals lebte. Ich wußte ja nicht, wann ich ü«l>j " ' "as cs war, und wie es schmückte, auch sah »ta „ich oft in acht Tagen keinen Menschen, als nur ^ „das Mädchen, so mir die Speise brachte." « Geräth in innere Leiden und wird erlöset. - ^ Mmäblig führte ihn der HErr in innere fv« Leiden. Er mußte durch manche Dunkelbei- »»ch ten, Versuchungen und Proben gehen; G-Ott entzog ihm seine empfindliche Gnade, um seine Treue und ausharrende Geduld zu prü-- fen, und ihn aus seine zukünftige Wirksam- keir vorzubereiten. FünfJahre lang daurete düse Finsterniß. Endlich aber ging ihm, auf h N einer Reise zu einer benachbarten Stadt, das M Licht wieder auf; die versöhnende Gnade W . DEsu Christi ward ihm so gründlich und E überzeugend bloß gelegt, daß sein Herz völ- ^ lig beruhigt ward. Bei dieser Gelegenheit ^ setzte er das schöne Lied auf: wie bist du mir ss innig gur, mein Hokerpriester du! c) Man erinnert sich hiebei eines merkwürdigen E Vorfalls, den er mehrmalen erzählt: Durch Nachsinnen über die mancherlei Secten in >E der Christenheit, geriet!) er einmal in eine so schwere Versuchung, daß er fast zweifelte, ob D c) S. Blumengartlein, S, zzz. der stell Ausgabe. 12 Lebensbeschreibung ob ein GOtt sey? Aus dieser Versuchung ^ rettete ihn aber der HErr gar bald, nicht W allein durch eine gründliche Erleuchtung sei- nes Verstandes, sondern auch durch eine tzih Mittheilung GOttes in seinem Inwendigen, B die ec mit Worten nicht ausdrücken konnte. M Hiedurch ward er in der wesentlichen Erkennt- niß GOttes, unseres Heilandes, so befestigt, daß er nachher mit einer so gründlichen Ui Erfahrung, mit so großer Kraft und Sal- bung davon hat reden und schreiben können. ^ Um diese Zeit wird es vermuthlich gewesen H seyn, als er, mit seinem eigenen Blut, die ^ edele Verschreibung an den HErrn JEsum ^ aufsetzte, welche bereits in der Vorrede zu W dem ersten Bande abgedruckt ist. M, Nimmt einen Freund zum Gtubengesellen an, und wird in seiner Lebensart minder eingeschränkt. Etwa ein Jahr nach dieser Verschreibung ^ (172s) nahm er den Heinrich Gommer, ^ aus dessen vielfältiges Anhalten, zu einem Stu- ^ bengesellen an, um ihm das Bandmachen zu lehren; wiewohl nicht ohne großen Gegenstand seines Gemüths; weil er seine ange- ^ nehme Einsamkeit gar ungern verlor. In der Gesellschaft dieses Freundes ward er auf H Zureden des frommen Candidaren w. Hof- U mann in seiner Lebensart etwas minder ein- k, geschränkr, so daß er mit Gommer ein we- U nig Kaffe trank. Dieses Kaffetrinken ge- schal) «n ky üüix N, Ml. M .'sr liÄ » , S« M !kj« an, M, Cl» iüiü K M A rB Ä!- Il5 -HÄ des sel. Gerh. Tersteegen. iz schal) unter Lesung eines Stücks aus dem Neuen Testament, nachdem vorher ein Lied war abgesungen worden. Nach dem Trinken that unser Seliger ein kurzes Gebeth, und demnächst gingen beide in der Stille an ihre Arbeit. Eintheilung ihrer Zeit. Ueberhaupt ward der Tag bei ihnen so eingetheilt: Des Morgens um 6 Uhr kamen sie zusammen und arbeiteten bis n Uhr; hierauf sonderten sie sich ein Stündchen ab, um dem Gebeth obzuliegen. Um i Uhr gingen sie wieder an die Arbeit, die bis Abends 6 Uhr währete. Demnächst machten sic Feierabend, und verwendeten abermal ein Stündchen zur Absonderung, und zum Gebeth; eine Lebensart, die ungefähr z Jahre so fortging. Die Zeit nach 6 Uhr brauchte Tersteegen zur Übersetzung erbaulicher Bücher, z. E. des Handbüchleins der wahren Gottseligkeit; des verborgenen Lebens mit Christo in GOrt , u. d. m. 6). Um diese Zeit schrieb ec auch 6 ) Schon im Jahc 1724, als er seines Bruders und seiner Schwester Kinder unterwies, schrieb Tersteegen diesen Kindern zur Anleitung, einen unparreischen Abriß christlicher Grundwahrheiten in Frag und Antwort. Er gab diesen Abriß nicht von sich; der Werth desselben aber mag einigermaßen aus folgendem Vorfall beurtbeilet werden: Ein frommer resormirker Prediger sah diesen Tractar, nach des sel. Verfassers Absterben; er wünschte ibn zu lesen, und bezeugte nachgehends einem Freunde, der ihn über dem Lesen antraf, daß er einen nicht geringen Nutzen für sich darin finde. 14 Lebensbeschreibung auch der Frommen Lorrerie und legte dm Grund zu dem geistlichen Blumengäk klein» Tersteegen redet mit Gegen in Privatversammlungen. Nicht lange hernach e) fing der Selige an in Privatsammlungen zu reden. Die Ver- anlaßung dazu gab der vorhin schon genannte gottselige Lanbidae Mildelm Hofmann» Dieser redete nicht allein in der Versammlung, die der gottselige Prediger Tbeodor Ilndereick zu Mülheim gestiftet, sondern auch bei andern Gelegenheiten, die er etwa ums Jahr 1725 besonders 1727, da in vasigen Gegenden, vorzüglich im Bergischen, viele Seelen erweckt wurden, fand. Weil nun Hofmann Tersteegens gegründete Einsicht und Erfahrung kannte, so drang er ihn, zu Mülheim und anderwärts ein Wort der Erbauung vorzutragen. Mit wie vielem Segen das geschah, bewies die Frucht: viel Unveränderte, die Tersteegen nur einmal horten, wurden von der durchdringenden Kraft seiner Rede so gerührt, daß sie zu einer gründlichen und dauerbaften Bekehrung gelangten. Viel Erweckte wurden durch seine süße Reden so eingenommen, daß ste in allerlei Versuchungen, Proben und Anfechtungen, luit dem größten Zutrauen, sich bei ihm Raths erholten ; wobei sie durch seine weise Anleitung in ihrem Zutrauen gestärkt wurden. Findet D>! U1 e) Wenigstens geschah es schon 1727. des set. Geich. Tersteegen. 15 ^ Lindet sich genöthiget seine prefession nieder zu Ai«, legen, har aber doch Unterhalt. Die große Menge der Seelen, die sich ^ nicht nur mündlich sondern auch schriftlich Raths bei ihm erholten, und dann seine Lei- lW besschwachheit, die durch sein nächtliches Lesen ^ und l lebersetzen um ein Großes vermehrt wor- !» den war, nöthigten ihn, gegen diese Zeit, AN seine Profession gänzlich nieder zu legen; und iE, woher nahm er dann seinen Unterhalt? Er hatte bisher verschiedene großmürhige Aner- „z bietungen liebreich ausgeschlagen. Einst kam i E ein Kaufmann zu ihm, der ihm aus Liebe cha einen lebenslänglichen Unterhalt anbot; eine ^ gottselige Jungfer, die ihn niemals gesehen, , setzte ihn in ihrem Testament zu einem Ver- M Walter über 40000 Fl. mit dem Bedinge ein, , ,, daß er seine eigene Bedürfnisse davon nehmen sollte; ein Holländischer Herr bot ihm eine -E Affignation von 10000 Fl. an, und bath ihn ; ^ mit Thränen, sie doch airzunehmen. Alle - „ diese und mehrere Offerten wies der Selige 2 ab. Wie er aber zu feiner Handarbeit unbe- ^ quemer ward, so nahm er die Llebcsgeschenke einiger wenigen Freunde, von denen er herz- ' lich gelicbct ward, und die er gleichfalls mit ^ besonderem Zutrauen liebte, an; außerdem "vermachten ihm andere Freunde in ihren Te- llh stamenten gewisse Summen zum Eigenthum. Hiedurch ward er nicht nur in den Stand ^ gesetzt, seine eigene Notkdurst zu bestreiten, -nii ^"^krn auch gegen die Dürftigen auf man- ^ cherlei l6 Lebensbeschreibung cherlei Art seine Wohlthätigkeit zu beweisen; selbst blieben bei seinem Tode baare Gelder übrig, die aber alsbald, auf seine Anordnung, an geringoGOtt suchende Freunde ausgelheilt wurden, wovon seine Anverwandten, nebst den Mobilien, auch noch etwas mit empfingen. verfertiget Arzneien. Ober indessen gleich seine Profession niederlegte, so behielt er doch eine Art von Handgeschaffte bis zu seinem sel. Ende bei. Er hatte schöne Einsichten in die Arzneiwissenschaft; er verfertigte deßwegew einige Medianen, die er an gute Freunde, besonders an Arme, umsonst hin gab, und die am Ende so häufig begehrt wurden, das er einen gewissen, noch lebenden Freund zum Gehülfen annehmen mußte. Reden in Versammlungen hören auf, und Te» steegen reiset jährlich nach Holland. Ungefähr um das Jahr 1740 hörten die Donnerstagsversammlungen, die von dem sel. Herrn Unveretck gestiftet worben, auf; um so viel mehr ward unser seliger Freund durch Herausgebung verschiedener Schriften in der Ferne bekannt, und von vielen Freunden besucht; auch erhielt er eine Veranlassung jährlich nach Holland zu reisen. Ein gewisser k) Freund hatte von unserm Seligen durch t) DUser Holländische Freund mar von einem hohen Grande, und stund in einer sehr vornehmen Bedienung, Oll!l Uüil itz« ßch W R E Mk M, i§a» M § W »!» !«I des sel. Gerh. Tersieegen. 17 M durch seine Briefe und Bücher Nachricht be- sEelk kommen, und ihn daher besonders lieb ge- rdniW, wonnen: er nökhigte ihn deswegen öfters zu W sich. Weil aber unser Seliger gleichwohl nicht Hl,, kam: so entschloß sich dieser Herr selbst eine >>W. Reise nach Mülheim zu thun. Tersteegen, der hievon heimlich Nachricht bekam, und befürchtete, daß jener Freund gesonnen seyn M möchte, sich mehrere Tage bei ihm aufzu- halten: entschloß sich diesen Besuch nicht ab- / 5 zuwarten, sondern eine Reise zu ihm zu thun, ^ um alsdann, nach einem kurzen Besuch, wie- der nach Hause zurück zu kehren. Seitdem ging er jährlich nach Holland, um bei die- sem Freund einige Wochen Ruhe und Stille ö" genießen; welches aber nicht lange wäh- 2 Seine Ankunft ward gemeiniglich gar bald bekannt; darum kamen von verschiedenen Städten einige Freunde herbei, ihn zu besuchen, und sich, ihres inneren Zustandes wegen, mit ihm zu unterreden: wie er dann, bis an sein Ende, viele Herzensfreunde da- MS« selbst gehabt, mit denen er einen beständigen sn l« Briefwechsel geführet und eine genaue Freund- , ^ schaft unterhalten. Mt FB iW Terstee- dennoch legte ec diese seine Bedienung, Stand, Reichthum, Kutschen und Bedienten, re. zu den Füßen unseres liebsten Heilandes nieder, und führte in einem kleinen schlechten Hause in Amsterdam, bis an sein Ende, ein abgeschiedenes und mit Christo in GOtt verborgenes Leben. Zweit. B. m. Th. (b) iz Lebensbeschreibung Tersteegen bezieht mit Freunden ein ganzes Haus. Bis um das Jahr 1746 wohnete Tersiee- gen bei andern im Hause, in ein paar Oberzimmern , und ließ sich zu Mittag das Essen reichen. In benenntem Jahr bezog er ein ganzes Haus, blieb aber mit seinem Freunde oben wohnen; und eine Freundin«! sammt ihrem Bruder und Bruders Frau wohneten unten, wovon die erstere ihn mit Essen und Trinken versehen, auch auf seine Kosten für viele Arme und Kranke kochen mußte. Sein Freund, der Candidat Hofmann stirbt. ' In eben diesem Jahr ward sein lieber Bruder, der mehrgemeldte Candidat Hofmann an einem offenen Brustschaden krank, der ihn nach einem Lager von etlichen Wochen in die frohe Ewigkeit führte. Bei dieser Gelegenheit gab ihm unser sel. Tersteegen viele Proben seiner Liebe: er half seine Wunden verbinden und erquickte ihn mit seinen öftern Besuchen, tröstlichen Zureden und gesalbten Gebethern, bis an sein Ende. §) Nach erfolgtem e) Hosmann hatte unfern sel. Freund ersucht, nach seinem Absterben mit den vertrautesten Freunden in seinem Häuschen für seine gnädige Auflösung dem HEcr» zu danken. Wie dieses geschehen, zeigt folgender Bericht, den Tersteegen einer auswärtigen lieben Freundinn unterm zoten Aug. darüber mitgetdeilt: „Weil „der sel. Freund Hofmann, schreibt ec, inständig!! „ersucht harte, daß ich einige Tage nach seinem „Abschied aus dieser Zeit, die vertrautesten Freunde „einladen möchte; um in dem Hause, worin er g,e- „wvhnet und gelitten Hatte, dem HErrn auch sür „die ihm erwiesene Gnade und endliche Erlösung «uk !'.ü >s ^!l I« N O ü« .«i .!» «K ,ch ,Ms «M »A ,,A „N. »«I «kt «»i »!il »1 > 1 ; 19 des sel. Gerh. Tersteegen. " ^ folgtem Absterben mietete er von des Ver- ^ storbenen Anverwandten sein Häuschen, und ließ in demselben die auswärrigen Freunde, ^ die ihn besuchten, logiren und bewirthen, ' daher es bis hierzu die pilgerhürre ge- ^ nannt wird. M Tersteegen wird im B.... n bekannt. Außer den vielen Bekanntschaften, die Tersteegen im Belgischen, zu Mecrmann, Homberg, Heiligenbaus , und mehreren k- Orten hatte, wurde er auch im Üarmen nä- her bekannt, und reifete im Jahr 1747, auf inständiges Ersuchen, zum ersten Mal dahin. (b) 2 Unter „allen Elenden zu danken: so wollte ich diesem sei- „nem Begehren ein Gm'igen leisten, aus den- „Allein, ich wurde überrumpelt; der eine sagte es „dem andern, wodurch die Sache in zwo Stunden „Zeit ruchlbar ward, und ich fand da wenigstens, „nach meinem Bedünken, mehr als i;o Menschei» „versammelt, welches mich anfänglich bestürzt machte; „allein ich mußte mich übergeben, und anstatt enieü „Dankgebetds, redete ich, unter dem Beistände der „Gnade GOttes, bei zwo Stunden lang über Vers „20. und 2i. aus dem Bcies Iudä. Alle Zuhörer „wurden sehr bewegt; aber die sinnliche Rührungen „sind, auss beßte genommen, nur Blühte und noch „keine Frucht. Indessen könnet ihr hieraus schließen, „daß hier noch Hunger unter den Leuten sey. Hätte „ich es sowohl zween Tage, als zwo Stunden vvr- „her bekannt werden laßen, man würde nicht Platz „genug habe» linden können, um alle Menschen un- „tec zu bringen. Ich fühle aber weder Ruf noch „Sendung zu solcher Arbeit; weil ich selbst ein ar- „mes unwissendes Kind bin, das nichts weiß, noch „hat, als nur in dem HErrn, und das nicht dispo- „nircn kan» , über die Güter eines andern." Vom sel. Zosmann siehe noch ein mehreres, N. ?z, 7 ^ »m zren Theil der Briefe. » !er s )en' !l k iw 'Md ul Äif t N-' 2v Lebensbeschreibung Unter göttlichem Segen wurden daselst viele Seelen durch ihn erweckt, die er in den folgenden Jahren noch dreimal besuchte, und ebenfalls von ihnen häufig besucht ward; auch diese können des sel. Mannes sonderbare Geistesgaben nicht genug rühmen. Seine Liebe; seine Tragsamkeit und Geduld mit den Schwachen und Strauchlenden; seine besondere Weisheit, einen jeden zur Offenherzigkeit zu bringen; seine hülfliche Hand in allerlei Proben und Versuchungen, wie auch seine kräftige Fürbitte, bleibet ihnen unauslöschlich ins Herz geprägt. Von obgemeld- ter Reise gab er einer sehr vertrauten Freun- dinn diese Nachricht: „Ich habe mich bewegen „laßen, der unaufhörlichen Einladung eines alten „Kaufmanns und seiner Frau zu folgen, die acht „Stunden von hier wohnen, und durch meine „Schriften glauben zur Ueberzeugung gekommen „zu seyn; und weil sie nicht hieher kommen kön- „nen, so haben sie schon bei anderthalb Jahr „darauf angedrungen, daß ich sie einst besuchen „sollte. Ihre beiden Söhne sind auch dem Guten „gänzlich zugethan, und kommen bisweilen mich „zu besuchen Ich wollte zwar diese Reise (näm- „lich ins Bergische) imozniw thun; doch das war „unmöglich, weil nicht allein an dem Orte, wo „ich war, verschiedene Menschen, so ich vorhin „noch nie gesehen, erweckt und ziemlich tief ge- „rühret wurden, so daß ich unter den übcrflüßi- „gen Thronen anfangender Gemülher kaum mann- „haft bleiben, und von ihnen abkommen konnte; „sondern ich mußte auch eilf Tage in dem Bergi- „ scheu herum reisen, und war vom Morgen bis „in den Abend, mit Menschen umringt. Ich „dachte F« ZI .sc«, .D ,m I >,« ,r«i! »ch chm !i! -M M ,W ,Wi -w ,!« ,W Ad ,>!»!« «lilliz «>!!> riß'. des sel. Gerh. Tersteegen 21 „dachte einst von einem gewissen Orte eine Stunde , ^ „weit auf dem Wege zu seyn; allein man passete „mir unterweges auf, und brachte mich in eine „Kornscheuer, in welcher bei zwanzig Personen, "lU „die mir meist unbekannt, meiner erwarteten und ^ „begierig waren, ein gutes Wort von mir zu hö- E; „ren. Ihr könnet denken, liebe Schwester! daß . „>ch mich selber sehr vergessen muß, nach Leib ,'ch „und Seel; doch müßte ich auch sehr undankbar „seyn, wenn ich nicht erkennete, daß mich der ^ „HErr nach beiden Theilcn sehr unterstützet, und M. „mir (zum wenigsten dem Ansehen nach) einigen L „Segen gibt. In den letzten Tagen bekam ich „fieberhafte Anfälle, und wurde so verkalket, daß ^ „man meine Stimme kaum verstehen konnte. W „Der HErr zeigte dann, daß ich nach Haus sollte. dM „Den Morgen aber, ungefähr acht Uhr, wie ich eS«b „mich aufs Pferd setzen wollte, waren zum wcnig- tikv i, sten wieder fünf und zwanzig Menschen beisammen, « „die ich doch nur ganz kurz grüßen konnte, von e« „welchenetliche bereits einigeStunden weit gegan- -n N „gen waren , denn es war auf dem Lande.- , Ii! „Sehet nun! wie seltsam, ja meiner Grundnei- M „gung zuwider, meine Lebensweise ist! Meine in- M „nige Neigung nach Abgeschiedenheit und Stille, lr«r „scheinet mir zu dem Ende gegeben zu seyn, um I, «l „mir das Gegentheil beschwerlicher zu machen; W „doch auch vielleicht, um mich durch dicß Gcgen- „gewicht zu bewahren, daß ich mich nicht zu sehr „ausschütte, oder Leben nehme in den äußern ^ „Wirksamkeiten. — — Ueberall ist viel Hunger „unter den Menschen, und Niemand ist da, der „ihnen Speise reichte. Die gewöhnliche Speise .jL. „sättigt sie nicht mehr. Wer Gnade hat zu bethen, „der mag den HErrn der Aernte wohl bitten, daß >«!,> "" Arbeiter in seine Aernte ausstoße. Den zten ! „Octobr. 1747." (b) z Durch 22 Lebensbeschreibung Durch einen Studenten werden viele erweckt, und kommen zu Tcrsteegen. Nachdem das öffentliche Reden einige Jahre ausgestellt gewesen, so wurde, ungefähr ums Jahr »750, in Duisburg ein Student erweckt, der zu Sipelldors, Gryrum, auch zu Mülheim Uebungen hielt, und die Menschen sehr zur Buße ermahnete. Viele Seelen geriethen dadurch in eine heilsame Bekümmerniß, und kamen häufig zu unserm sel. Tersteegen, um ihm ihren sündlichen Zustand zu entdecken, und eine tröstliche Anweisung zur Erlangung der Gnade zu bekommen. Sein Zureden ward bei vielen unter ihnen so gesegnet, daß sie durch einen ernstlichen Bußkampf zum Glauben an den HErrn JEsum übergingen, und, durch dessen Gnade, bis auf diese Stunde beständig geblieben sind. Die Nachrichten die unser sel. Freund selbst um die Zeit zu verschiedenen Malen einer mehr gemeldten Freundinn im Vertrauen gegeben, verdienen hier angeführt zu werden. „Ich bin (schreibt er unter andern) einige „Tage her, wieder ganz nicht wohl, und denke „ daß es von der Verkältung hergekommen, oder „vielleicht auch von der wenigen Ruhe, die ich „seit drei bis vier Wochen gehabt habe; denn „die Aufweckung, die in verschiedene Menschen „zu kommen scheint, verursachet mir ziemlich „viel Besuch. Am zweiten Christtagc, da ich „mich redlich wohl befand, fand ich Freiheit „bei mir, in eine Versammlung zu gehen, und F ,s ,si«! c »m »kn »« »ki>. »kii ,j! > «n 2? des sel. Gerh. Tersteegen. „da was zu reden, welches ich in mehr als ei- „nein ganzen Jahr nicht gethan hatte. Nie- „mals habe ich hier so viele Menschen in einer „Versammlung gesehen. Durch dieß Reden „scheine ich mir noch mehr Besuch verursacht zu „haben. Ich muß mich so hingeben. ES wäre „ja auch ein Geringes, wenn man seineGesund- „ heit, oder gar sein Leben in die Wagschale stel- „lete, um GOttes Wohlgefallen auszurichten, „und andern zu dienen. Doch ich bekenne, daß „ich auch hier keine Gewißheit habe. Ich thue „so, wie ich für die Zeit kann, und bitte GOtt „umVergebung, wenn ich andern zum Schaden „seyn möchte. Eines weiß ich, daß ich mich „nämlich, meiner Neigung nach, lieber ganz „entziehen wollte, wenn ich Freiheit dazu in mir „ fände. Der HErr regire uns nur in allem! Den „I4ten Jan. 1746." In einem andern Schreiben sagt er: „Es ist GOtt Lob! hier viel Erweckung und „Bewegung unter den Menschen. Seit eini- ,,gen Wochen hinter einander hat immer, vom „Morgen bis an den Abend, der eine auf den „andern warten mäßen, um mich sprechen zu „können. Manche müßcn fünf bis sechsmal „wieder umkehren, che ein Diertelstündchen „kann gefunden werden, mich allein zu sprechen. „Es ist wohl geschehen, daß ich zehn, zwanzig, „ja bis dreißig und mehr bekümmerte Seelen „zugleich bei mir hatte. Das Sprechen von „N. ob es schon einfältig ist, so ist es doch „für manchen gut, die dadurch aufgeweckt wer- „den. Auf sein und vieler hungriger Seelen „Anhalten, ließ ich mich zu Anfang dieses „Monats dazu bewegen, eine öffentliche Ver- „sammlung mit ihm zu halten. Ich hatte lan- „ge nicht öffentlich gesprochen. Da kamen wohl „Zoo bis 400 Menschen beisammen, und weil (b) 4 „das 24 Lebensbeschreibung „das Haus bis an die Tbür voll war: so nah- „men sie Leitern, um damit in die Fenster zu „ steigen. Es verursachte viel Bewegung, und „ich vertraue, daß es nicht ohne Segen ge- „ welen." „Unsere Prediger wurden hierauf in Allarm „gebracht, sowohl die drei Reformirte, als der „Lutherische. Ja zween von den Ersten gingen „zu der Regirung, klagten und baten, daß „cs möchte verboten werden. Ich wußte nichts „darum; vermuthete aber doch so was, und „fand mich gedrungen, einen Brief an unfern „Amtmann zu schreiben, um ihm von der vor- „ gefallenen Versammlung Bericht zu geben, und „ihn zu ersuchen, sich nicht in die Sache zu „mengen. Siehe! da war der Befehl schon „bei dem Sccretario, um abgeschrieben, und „des folgenden Tages publiciret zu werden. Der „Amtmann, der mir sehr gewogen ist, und „nicht wußte, daß ich mit in der Sache begriffen war, ließ den Befehl von dem Secretario „wieder abholen, und sandte mir ihn heimlich „zu, mit einem eigenhändigen sehr freundschaft- „ liehen Schreiben. Ich schrieb darauf an drei „von unfern Predigern, und stellete ihnen, mit „Ernst und Freundlichkeit, ihr unbilliges Verfahren vor Augen, erbot mich auch, mit N. „unter ihrem Vorsitz sprechen zu wollen, mit „Versicherung, daß, wenn sie solches mit auf- „ richtigem Herzen zustimmeten, sie gar bald die „Kirche wieder voller Menschen haben würden, „weil das Volk alsdann sähe, daß sie der gu- fen Sache zugethan seye», wo im Gegentheil „jetzt die Kirche leer stünde. Sie schienen sich „damals noch auf unfern Richter zu verlaßen, „der ein Feind der Versammlungen war. Ich „ schrieb dann auch an diesen einen ziemlich scharfen Brief, und hielte ihm darinnen vor, wie „übel 25 des sel. Gerh. Tersteegcn. „übel er thun würde, wann er gute Versammle „lungen verbieten, und indessen Quacksalber, er „Seiltänzer, Spiel- und Saufgelagen erlauben „wollte! Ich steliete ihm vor, wie er auf sei- „ nem Todtbctte dießfalls dächte gesinnet zu seyn? „Kurz, der Richter sowohl, als die andern ,Ek „von der Regirung gaben nach, und gestan- kiz» „den, daß ich Recht hätte. Den iten Jan. Zu einer andern Zeit schreibt er: „Die ^,» „Erweckung hier und hiesiger Orten hält noch "st „immer an. Von Zeit zu Zeit werden noch dn»k „mehrere hinzu gcthan, und ich muß mich bei» „nahe vom Morgen bis an den Abend dahin „geben, um mich entweder mit einzelnen guten >l siii „Seelen , oder mit mehreren zugleich in ein Geil, »c „ spräch cinzulaßcn. Ich habe doch feit letzt nur m.L, „ein einziges Mal außer dem Hausein einer E, >!>! „ öffentlichen Versammlung gesprochen. Ich den- öW „ke, daß ich dabei wohl 400 Zuhörer gehabt. Mit Mir „ einzelnen, oder mit kleinen Gesellschaften habe Mil „ich beständig Werk. Derwichenen Donners- „ tag um acht Uhr, nachdem ich kaum, und das ank „mit Mühe, aufgestanden war, um auf ein „Brieflein zu antworten, das ich durch einen M „Expressen empfangen, so ward mir gesagt, M „daß ein ganzer Trupp Bauersleute ins Haus ^, „kämen, die mich sprechen wollten. Es daurete M „auch keine halbe Stunde, oder ich hatte bei „fünfzig Menschen beisammen, die haben woll- yW „tcn ich sollte was zu ihnen reden, welches „ich auch dann that, und über Jesaia 55, io. .A „seq. sprach. Unter dem Reden entstand bei ^ „den Zuhörern eine gewaltige Bewegung, und ,,,«x „wenn ich ihm nicht unvermerkt, durch einen l! „Umweg, vorgekommen wäre, es würde alles M „in Allarm gerathen seyn; wie dann bereits , t „zween Menschen an ein starkes Beben gekom- k"! (b) 5 „men st" 26 Lebensbeschreibung „men, und hingesunken waren. Allein ich suche „dergleichen Dinge allezeit in Stille zu verhindern. wenn es nur möglich ist Unter dem „Sprechen kam just einer von unsern Predigern „mich zu besuchen. Man sagte ihm unten im „Hause: Daß ich eben am Sprechen fty, weil „ich unvermuthet viele Freunde zum Besuch „bekommen hätte, er möchte nur so gut sepn „und hinauf gehen, und mein Sprechen an. „hören, weil es doch schiene, daß er gegen „dergleichen Versammlungen in einem vor- „urthcil stünde. Allein der Prediger enirüstete „sich darüber und antwortete: Wer das sage, „daß er etwas wider mein Sprechen habe? „und ginge so wieder hin. Denselben Nachmittag aber kam er doch zu mir. Ich erzählte „ihm, daß ich des Vormittags gesprochen hätte, und worüber. Erbezeugte darauf, nichts „wider mein Sprechen zu haben. Mir wollte ,,mans gerne zulaßen, aber nicht dem N N. „u. s f.-Ich hatte es den Leuten vorhin „geweigert, sie des Sonntags unter der Pre- „digt, in so starker Anzahl zu mir kommen zu „laßen; darum scheinet es, daß sie es mit ein- „ander abgesprochen hatten, mich auf einen „ andern Tag zu überrumpeln. Nach dem Spre- „chen ließ ich einige sehr bekümmerte Gemüther „allein zu mir kommen, worunter sich eineWitt- „webefand, die erschrecklich beängstiget aussah. „Diese warf sich vor meine Füße nieder, zur „Erden; 'ich hieß sic aber den Augenblick auf- „stehen. Da bekannte sie ungefragt ihre Sün- „den, wovon ich gestehe, daß sie schwer waren. „Weil sie mir nun,so desperat vor kam, so mu- „thigte ich sie an, mir alles zu sagen, was „ihr auf dem Herzen liege, mit der Versiche« „rung, es geheim zu halten, rc. Was? sagte „ sie, geheim halten? Sagt es nur der ganzen «Welt «" ß! „B Ok -Sl «s'-zl »d«! «Mil ,,ikl »tii> 27 des sel. Gerh. Terstecgen. „Welt. Ick fürchte die Schande vor den „Menschen nicht, ich unterwerfe mich allem ^ „Leiden, und wenn ich auch als ein Tod. „tengerippe auszehren sollte, wenn ich nur ^ „Gnade bei GGtt finde. n„Was es indessen, unter so vielen Seelen von »hier und andern benachbarten Orten, zu thun, Tue leiden gebe, könnet ihr einiger maßen, kt« „von selbst ermessen. Kl.ine Kinder von zehn, kn,'»'. ,, zwölf und vierzehn Jahren, werden aufgeweckt. »Nur Ein Exempel davon anzuführen: fo kam !ssk »^^ küss gewisse, schon einige Zeit erweckte kidll begierige Frau, mit ungefähr vierzehn m , „anderen zu mir, und brachte ihr Söhnlein . !> „von eilf Jahren mit Wie ich nun beim Ab» , »schied nehmen den andern die Hand gegeben, / »so gab ich diesem Kinde die Hand auch, und / „ fragte: Ob es auch Lust Habe, ein frommes "ss, „Äind zu werden t Wobei ich noch einige „Worte hinzu fügte, nach des Kindes Fahig- ^ „keit eingerichtet: doch das Kind schien keine " „Lust zu haben, mich anzuhören. Wie es aber »zu Hause war, sagte es zu seiner Mutter: „Der Teufel wollte cs doch nicht zulaßen, „daß ich hören sollte, was Terstergen sagte; E „indessen habe ich doch alles gut gehöret, und ^ „mich dem Teufel widerseyet, rc. Und von „diesem Tage an, ist dieses Kind sehr still, ge- „het viel allein ins Häu, oder wo es sonst ver- „borgen fcyn kann, um zu bethen, und weint Ws „im Verborgenen dergestalt über seine Sünden, hitf' „daß selbst der Vater, der wider das Gute rr«^ „war, sehr davon gerühret und geschlagen zu „seyn scheinet. Mein Haupt, und meinen gan- >i«ss „zen Körper muß ich dabei mit Gewalt anstren- >D „gen, um nicht ganz nieder zu sinken. Ich ziss! „kann nicht läugnen, daß mir der HErr auf „vielerlei Weise sehr gut und gnädig ist, und / »mir r8 Lebensbeschreibung „ mir unter aller Unruhe und Manchfaltigkeit „von außen, mehr Friede und Einfältigkeit „von innen gibt, als ich je hätte erwarten „können. Doch von etwas Empfindliches kann ! „ich nichts sagen. Ich lebe bisweilen so, als „ob ich todt wäre." Den 2;ten Febr. 17;:. Weiter schreibt er also: »Seit meinem „Vorigen hat man mich fafi nimmer in Ruhe „gclaßen, Ich probire es bisweilen, mich „mit Gewalt zu entziehen, aber es hilft mich „doch nichts. Verwlchenen Sonntag war ich „kaum aus dem Bette aufgefiandcn, da mußte „ich vor mehr als 60 Personen, die ins Haus »gedrungen waren, sprechen; wie ich dann »auch tkat, über Matth. 2r,l;. Nachdem ich „mit Sprechen gethan hatte, mußte ich ein- „zelne Personen zu mir laßen, bis an den „Abend. Und gestern, als am Mittwoch frühe, »nachdem ich die ganze Nacht in etnem Fieber »gelegen, versammleten fich auf dem Kornboden „des Hauses, und dem nächst daran gelegenen »Gemach zum wenigsten 250 Menschen. vor »denen ich, unter dem Beistand der Gnade GOt- „tes, über Gal. i, z. und; sprach. Heut „Morgen frühe Hab' ich schon wieder müßen „sprechen, ohne daß ichS eine Viertelstunde vor- „her wußte. Nun aber bin ich doch recht ab- „gcmattet Heute sprach ich über die letzten „Worte des HErrn JEsu: Es ist vollbracht, „und tröstete mich selbst mit der Hoffnung, daß „alle Mühe und Arbeit bald vollbracht seyn „würde. Nun meyne ich doch, daß ich die »Dinge so werde einrichten können, daß ich „von dem förmlichen Sprechen ein wenig frei „werde. Stellete ich die Versammlungen ordentlich an, wie einige es gerne sähen, dann „würde der Platz überall zu klein werden. „Zwischen beiden Hab' ich entweder Besuch, „ oder 29 des sel. Gerh. Tcrsteege«. „oder ich muß nach auswärtigen Orten schrei- „ben, ic " Den yten April 1751. Anderswo läsiet er sich also vernehmen: „Es Ist mir seit meinem letztem so wunderlich „und sonderlich ergangen, daß ick, nicht chen- „der, als heute auf euer Angenehmes vom „yten Jul habe antworten können. Wie meine „Reise nach dem L. abgelaufen, die, wegen „dem starken Zulauf der Menschen, eine Woche „länger gewähret hat, als mein Vornehmen „war, werdet ihr zum Theil mündlich vom „Freund S. vernommen haben. Ich habe da „gegen meinen Sinn, auch verschiedene Male „öffentlich sprechen mäßen. Nachdem ich hier „wieder zurück gekommen, war ich auf ein „Mittel bedacht, mir die Last was zu vermin- „dern, und machte deßwegcn die Einrichtung, „die Versammlung, wenn es der HErr so ge« „ben würde, alle vierzehn Tage zu halten; da „ich sonst sprechen mußte, so oft nur Menschen kamen. Weil nun aber die Menschen in „ihren Gedanken, die Zeit wissen, wann ich „zu sprechen gedenke, so macht dieses den Zulauf »so groß, daß ich damit verlegen bin Den „Tag nach Fr. S. Abreise von hier, sing der „größte Zulauf an, so daß ich nun doch noch „zu wenig Platz habe, ungeachtet ich bei sechs- „hundert Menschen unterbringen kann, indem „die Leute fünf, sechs, und mehr Stunden „weit, mit großer Begierde herbei gelaufen kom- „ men. Man hatte bereits unsere Obrigkeit sehr „ins Harnisch gebracht, welches doch nun wie- „der vorüber ist. Ich sagte zu unserer Obrig- „keit: Findet ihr Freiheit ln »urem Gewissen, „mir das Sprechen zu verbieten, so finde „ich Freiheit, euch den Augenblick zu gehör« „samen; welches ich nicht thun wurde, wenn „ ich bei mir selbst eine Gewißheit davon hätte, »daß Zo Lebensbeschreibung „daß es ein göttlicher Ruf sey. Man wollte „nurs aber nicht verbieten, sondern sagte nur: „der Zulauf sey zu groß. Ich antwortete: „Ich heiße Niemand kommen, werde aber auch „Niemand heißen wegbleiben. Endlich so woll- „te man mich wohl Sprechen laßen, aber N. „und andere nicht. Ich halte mich stille, bin „auch nicht um meinetwillen, oder weil man „mich hätte rufen laßen, sondern freiwillig, „und um ein Nebel zu verhüten, das für andere „geschmiedet wurde, zur Obrigkeit gegangen." Den 2olen Aug. 1751. ^ In einem Weilern schreiben an diese Freundin» meldet er Folgendes: „Noch muß „ich euch was Besonders erzählen. Des andern „Tages, nach Abgang meines jüngsten an euch, „sandten die Freunde von C ... d ganz un- „vermuthet eine Kutsche an den Rhein, um „mich abzuholen. Weil ich nun ziemlich schwach „und auf dem Bette war: so sandte ich den „Freund S. mit einem Brieflein dahin, und „ schlug es gänzlich ab. Da kamen die Freunde „mit der Kutsche bis hieher, und ich mußte „deö andern Tages resolviren, dahin zu reisen. „So bald es nun ruchtbar ward, daß ich in „der Stadt sey, kam das Consistorium der Mennoniten zusammen, ohne daß ich davon „wußte. Sie sandten dann ihre beide Prediger „zu mir, und ließen mich ersuchen, einen Tag „zu bestimmen, wann ich in ihrer Kirche predigen wollte, denn sie wußten, daß ich nicht „ über den Sonntag bleiben wollte. Dieses Ersuchen kam mir, wie ihr leicht denken könnet, „fremd vor; gleichwohl resolvirte ich in GOttes „Namen, es als einen Wink von seiner Hand „anzunehmen. Des Mittwochs Morgens, als „den 2;tcn Aug. kamen die Prediger und begleiteten mich nach der Kanzel. Wie ich in die „Kirche .»n I F Wl !ckl des set. Gerh. Tersteegen. Zi llchl't «k !»«>, > Kk!l ßklt iiDjr Mi >ei E !iuilc ziiji >», k Zrw« ^ mi w ml Ml itkc kP,^ kiv'- chk' ßff' xiisiil kk« li» i«N ßMs „Kirche kam, war sie gepfropft voll, von aller» „lei Religionen, doch meist Reformirten und „Mennoniten, und GOtt gab mir zu reden, „über 2 Petr, z, n. Wenn ich mit dieser mei- „ner Vermessenheit GOtt so gut gefallen habe, „als den Zuhörern, so wird cS wohl gut gehen. „Die Menschen waren sehr gerührt, und einige „so stark, daß man hoffen kann, daß es haften „bleiben wird, w." Tersteegen redet wiederum in Versammlungen. Von der Zeit an, daß der erweckten und hungerigen Seelen so viele wurden, ward der selige Mann bewogen, wiederum in öffentlichen Versammlungen zu reden. Mit welchem Nachdruck, Salbung und Geisteskraft das geschah, davon sind noch viel lebendige Zeugen. Im Jahr 1751 schrieb er selbst eine seiner Reden auf, über die Worte 2 Cor. s, 14. Die Liebe Christi dringet uns also, und ließ sie drucken. Hiedurch ward das Verlangen nach denselben so groß, daß sich acht Schreiber oben im Haus an einen abgesonderten Ort, wo sie alles wohl hören konnten, setzten, und die Worte aus seinem Munde aufschrieben. Durch dieß Mittel hat man von 175z bis 56 dreißig solcher Reden ge- sammlet, und nachgehends unter dem Titel: Geistliche Brosamen , dem Druck übergeben. Folgende Briefe des Seligen können von seinen damaligen vielen Reden und überhäuften Besuchen einige Nachricht geben. „Bis dato, sagt er, kann ich Haupt und „Augen kaum gebrauchen, und die Hand bleibt „ sehr Z2 Lebensbeschreibung „ sehr bebend; die wenige Ruhe, welche ich, wegen „des Zulaufs der Menschen, habe, mag vieles „dazu beitragen; wozu noch der starke Brief- „ Wechsel kommt. Ich weiß nicht, was die Menschen bei einem so armen Kinde suchen. Ohn- „längst kam ein ganz unbekannter, aber rechter „ Nachcrnael 64 Stunden weit zu Fuß, in ziemlich „schlechtemWetter, mich zu besuchen, welchem „ich doch kaum zwo Stunden Zeit geben konnte. „Wer kann sich aber bei dergleichen Gelegenheit „ten entziehen ? Den 2zten Febr. bekam ich wic- „der auswärtigen Besuch, zum wenigsten von „zwölf Menschen. Wie die hiesige Freunde die- „ses sahen, oder höreten, hatte ich bald das „ganzeHaus voll, so daß ich unter einigen Hun- „dcrten sprechen mußte, über den Lobgesang „Simeons. Einige sagen, ich weiß nicht aus „was Ursachen, daß ich meine eigene Leichenpre- „digt gehalten hätte. Ich wünsche zum wenig- „sten, vo:o allem Trost der Kreatur geschieden, „und der Führung des Geistes GOttes gänzlich „unterworfen, mit Simeon nur zu warren auf „den Trost Israels. Und wenn ich auch Si- „meons Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Offenbarungen und alle Gaben hätte, so will ich es im „Leben und Sterben mit ihm gern alles verges- „sen und dahinten laßen, um das Kindlein IE> „sus, den einigen Trost Israels, dafür zu ver- „tauschen. Es ist auch wunderbar, anbethens» „und liebenswerth, wenn man erweget, wie der „HErr uns alles so kann aus den Händen fal- „len laßen; es wird alles so geringe, so unzugänglich; man hat so wenig mehr darinnen; es „fließt so als oben überhin, auch solche geistliche „und gute Dinge, worüber man vorhin so er- „ freuet war, und die man so fest hielt, die aber „auch eben darum Vermittelung verursachten, „und gebrechlich wurden, weil man sie so fest „hielt. ,«>li ,>lM fikch >chi »Kpl »SOI iS« »>!>! «ff 3 ? des sel. Gerh. Tersteegen. „hielt. JEsus allein ist genug: aber auch „nicht genug, wenn er nicht ganz allein umfas- „set wird. O, daß es dem HErrn gefiel, viele „kümmerlich, und Jahr aus Jahr ein suchende „arme Seelen in diesen Tagen mit uns recht „andächtig und unterworfen zu machen, an die „Führung seines Geistes in und über ihnen, „der ste zu seiner Zeit in den wahren Tempel „GOttes bringen würde, da sie JEsum wesent- „lich mit ihren Geistesarmen umfassen könnten. „Den 2vten Merz 175z. „Mit Bekümmerniß sah ich dem Weihnachten „entgegen, weil ich bange war vor Besuch; ließ „es auch deßwegen hin und wieder wissen, daß „ich nicht würde im Stande seyn, Besuche „abwarten zu können. Wenige Tage vor dem „Christtag aber, wurde ich etwas besser. Da „kam sehr viel Besuch, meist von Orten, von „welchen ichs nicht erwartete, und die zum Theil „noch nie hier gewesen waren. Der HLrr gab „mir dann, daß ich, mit vieler Ruhe, zween „Tage nach einander, Versammlung halten „konnte, (wiewohl ich dcS Nachts im Fieber „liegen mußte,) über Jes. 9, 6 Ein Rind ist „uns geboren, rc. Alles war voller Menschen, „worunter auch alle beide Tage der R»rb war, „der hier gegenwärtig das Haupt der Regirung „ist.-Er ließ tragen: Ov ich auch sprechen „würde? Ich sagte: ich dächte ja! Darauf „sandte er seinen Bedienten, und ließ ersuchen, „einen Platz für ihn offen zu halten. Wie das „Sprechen gethan war, so sagte er unter an- „dern zu mir: Ich habe kein einziges Wort „nur die Erde fallen laßen; ich werde Mor- „gen wieder euer Gast ftyn. Er zielte aus die „Eintheilung des Textes, da ich aus demselben „vorstellte: i) Die erquickliche Milchspeise der „Menschheit JLsu, 2) die nahrhafte Kraftspeise Zweit. L. III. Th. (c) „seiner zq Lebensbeschreibung „feiner Gottheit, und ;) das Ehrengericht feiner „königlichen Herrschaft. Da ich dann den lehnten Theil des Verses für den folgenden Tag „bewahrte, nämlich: Den lieblichen Eonfect „seines heiligen Namens, rc. Er bezeugte, daß „es ihm sehr gut gefallen, und soll gegen andere „gesagt haben: Die nun noch lästern, die müssten nur rhun, wie ich, und hören es an, re. „Ich kann nicht sagen, daß ich wegen mei- „nes Abschieds aus dieser Zeit einige Ahndung, „oder besondern Eindruck von GOtt habe; ich „rede, und denke so, wie ich mich fürs Gegen- „wärtige in meiner Schwachheit fühle, oder wie „ich auch mit meinem Verstände die Folgen von „diesem oder jenem Ungemach ansehe; wiewohl „ich mit meinem Verstände vielmals dabei zu „kurz komme, und nicht begreifen kann, wie ich „so wunderbar getragen werde. ES gereiche „nur zu GOktes Verherrlichung. Die große „Anzahl der Freunde hier und anderer Orten „macht, daß ich immer viel zu thun habe, und ,, ich bin, vornämlich bei Kranken oder angefoch- „tenen Personen, leicht skrupulös, mich zu „entziehen, so daß ich mich dann dabei wage. „Weil man auch ei» Schauspiel der Engel und „der Menschen ist, und, wie ihr leicht denken „könnet, unter den Seelen allerhand vorfällt, „so kann ich mich nicht immer so in acht neh- „men und sparen. Hiebei fällt mir ein, daß „ich in der letzten Versammlung (welches die „Erste in diesem Jahr war) auf die letzt bei dem „Neujahrswunfch, mich unter andern noch „folgender Gestalt ausgedrückt: „ „Muß ich „ „dann auch, als ein kleines und schwach „ „schimmerndes Sternlein, noch waS stehen „ „bleiben, an dem Himmel dieser unserer Kir- „ „che: so will ich mich auch ganz nicht ent- „ „ziehen. Ich weiß, wer ich bin, und wie „ „sehr des sel. Gerh. Tersteegen zz ,» „sehr ich von dem HErrn abhangen muß; „ „aber Menfchenfurcht und fleischliche Absich. „ „ten sollen mir den Mund nicht stopfen. Ich „ „hoffe, daß euer aller Gewissen mir nun, und „ „vor GOttes Angesicht das Zeugniß wird „„geben müßen, daß ich euch auf Christum, „ „und nicht auf mich gewiesen, rc. Gebet mir „ „dann auch vor dem HErrn aufs neue die „ „Hand; unterstützet mich mit eurer Fürbitte, „ „und durch euren treuen Wandel in dem „ „HErrn. Ich muß es doch sagen, lieben „„Freunde! daß etliche unter euch mir in „ „dem verflossenen Jahr das Herz oft schwer, „ „und den Muth oft klein gemacht haben. „ „Das ist doch nicht aut. Der HErr thue „ „Versöhnung darüber! rc. Diese letzte Worte „sind einigen was schwer aufs Herz gefallen, „die mich mit Thranen um Vergebung zu bitten, „zu mir gekommen, rc.- le, « Tersteegen wird zum öffentlichen Reden und nzch! Ausreisen unfähig. ^ Um das Jahr r?s6 da der Zulauf der M» Menschen so groß ward, daß er fünf bis sechs j/k» Zimmer in seinem Hause mit seiner Stimme , Wst erfüllen mußte: bekam der Selige über dem it!« starken Reden einen Leibesschaden; er mußte deßwegen sein öffentliches Reden in großen ^Versammlungen, wie auch seine Reisen in ^, die Ferne beschließen. Nur in die Nähe, nach M Duisburg , Spelldorf und Effen ritt er ^P noch bisweilen, um seinem schwachen Körper „»«eine Bewegung zu machen, und zugleich die ^ Freunde daselbst zu besuchen. Bisweilen ^ machte er sich auch mit andern Schwachen, tt) 2 bei Ntlsl» kok» tUl N»!! >kM, Slbl.- dNl. ki 8!!! «kill dtk N, Ml zmc lje ji' Z6 Lebensbeschreibung bei angenehmen Frühlings- oder Sommerta- gen, eine Bewegung zu Fuße, zumal wann ihn liebe Freunde aus der Ferne besuchten. Er verfügte sich mir denselben in einen, eine halbe Stunde entfernten Wald, wo man unter seinen erbaulichen und gottseligen Gesprächen den Thee trank, auch wohl ein geistliches Lied absang, worauf er mit einem Ge- bethe den Schluß machte. ! AS Mi Dl Nähere Nachricht von Tersteegens wahrem rvcrthe. Man könnte hier die Lebensbeschreibung des Seligen endigen, und gerade zu der Erzählung seiner letzten Stunden übergehen. Es wird aber der wesentlichste Dienst für den geliebten Leser seyn, wenn man ihn einiger maßen in den Stand setzt, Tersteegens sonderbare Gaben, die große ihm geschenkte Gnade, und seine edle Gesinnungen von Nahem kennen zu lernen. W/ OE r« Sein großes Licht. Mit welchem hohen Licht sein Verstand erleuchtet gewesen, und welche treffliche Einsichten in die heilige Schrift er von dem HErrn empfangen, beweisen seine gestammte Schriften zur Gnüge, sonderlich seine erbauliche, unter dem Titel: geistliche Brosamen gedruckte Reden, in welchen er seine Leser nicht lange mit den Schalen menschlicher Weisheit aufhält, sondern ihnen geradezu den Kern vorleget. W Ä > Wf >Oiij Md Ersah« 37 des fei. Gerh. Terstcegen. ^ Erfahrungserkenntniß. dM! Eben so klar leuchtet aus seinen Schriften W,! seine große Erfahrungserkenntniß von GOtt tz, und dessen Wegen hervor; man lese unter klj^ andern das erhabeneLied: AchGOrr, man kennet dich nicht recht, rc. Deßgleichen das M«- in spatern Jahren von ihm aufgesetzte wichtige Lied: GOrc ist, GOer ist, Hallelujah! Man erwäge dabei des sel. Verfassers stille «ch und recht göttliche Gedanken von GOtt, dessen Wesen, Eigenschaften und vollkommenst heilen, in ruhiger Andacht: so wird man von )e l dieser Erfahrungserkennrniß die angenehmste W Proben finden. Er konnte, wie bei verschie- stßi denen Gelegenheiten geschehen, den vielbedeu- ,1» tenden Ausdruck thun: Ich danke GOtt, Ms daß er mich so lange har leben laßen, daß Mil ich ihn habe kennen lernen! Worte, die er M v unter andern auch im Jahr 1728, da er, ohne die geringste Hoffnung der Genesung, krank lag, zu einem Freunde, der Abschied auf die Ewigkeit von ihm nahm, mit großem Nach- druck wiederholte, und dieß hinzu fügete: Di „Ich bin ganz beruhigt in GOtt, auch über meine «O „Schriften, so ich euch hinterlaßc, Ich fühle dar- „über gar keine Sorge, noch Bestrafung, als ob , .l> „etwas Verdächtiges oder Irriges darin enthalten „wäre. Ich habe alles, was ich geschrieben, als M „wichtige Wahrheiten an mir selbst erfahren, und Di „kann daher der Ewigkeit getrost entgegen gehen. An einem gewissei, Ort schreibt er: M „Wann ich in die Ewigkeit gehe, so gehe ich „hinein, als ein Armer, Unwürdiger, der auf s (c) 3 .-eine Z8 Lebensbeschreibung ,,eine mehr als gemeine Weise, aus Barmherzigkeit angenommen zu werden verlanget, ja „gänzlich vertrauet. Inzwischen danke ich dem „HErrn, daß er mich so lange leben laßen, „daß ich ihn erkannt habe, auf eine gewisse „innige Weise; solches darf ich, aller meiner „Elenden unangcschen, nicht läuqnen, zum Ruhm „der freien Gnade GOttes. Ich wünsche mir „eine Ewigkeit, GOtt dafür gebührend zu ver- „ herrlichen. Ach welch ein Gut ist eS, alle Em- „pfindungen, Lichter und Gnadengaben beiseit „gesetzt, nur allein zu wissen, daß GOtt ist „derjenige, der er ist! Ja es ist das cwige „Leben, den GOtt zu erkennen. Die Begierde „der Menschen, vieles zu wissen, wäre es auch „im Geistlichen, ist ein kräftiger Beweis, daß „sie GOtt nicht erkennen. GOtt ist auf alle „Weise allgenugsam; er kann allein, er kann „völlig, er kann auf ewig, die unglaublich „große Faßlichkeit unseres Verstandesauges „vergnügen und beseligen." Bestätigung seiner Erfahrungserkenntniß. Dem geliebten Leser kann es nicht anders als angenehm seyn, wenn man ihm aus b) gewissen Briefen des Seligen folgende Auszüge, als nähere Merkmale feiner ausnehmenden Erfahrungserkenntniß, vorlegt. „Durch d) Die gegenwärtige und hernach folgende Briefe schrieb Tecllecgen an eine seiner vertrautesten Freundinnen in Amsterdam, gegen welche er sich am meisten über seine eigene Gemüthsbeschaffenheit ausließ. DieseFreundinn war von vornehmem Stande, aber ein kindliches und GOtt ganz ergebenes Herz. Bei ihrem 17;; erfolgten seligen Hintritt, l-cß sie sämmrliche Briefe dem Schreiber wieder zustcllen, nach dessen Absterben sie dem alten Freunde, der den meisten Stoff zu dieser Lebensgeschichte hergegeben, zugefallen sind. des sel. Gerh. Tersteegen. zy „Durch diese Zeilen wollte ich euch wissen „laßen, daß es dem HErrn gefallen, mich krank „danieder zu legen.-In den ersten Tagen „meiner Krankheit lag und saß ich als ein dum- „mes Thier da, ohne Gefühl, ja fast gar ohne „Besinnung von GOtt, noch von meiner Seele „zu haben. Anjetzo wird mein Verstand darauf „gelenket, mit einem sehr friedsamen Wohl- „gefallen zu beschauen, daß GGtt ist, wie „auch seine Güte, Weisheit, Macht, Licbe,Hei- „ligkeit, rc. welche unendliche Vollkommenheiten, im höchsten Grad vollkommen liebens- „und anbethungswürdig sind, daß es also sehr die „Wahrheit ist, daß GOtt, und was in ihm ist, „auch alle seine Werke und Wege die eigentliche „Speise und Seligkeit eines geschaffenen Geistes „sey. In ihm ist all unser Gut." Den rten Febr. 1746. „Wir wissen, daß GOtt allein unendlich „gut ist; daß er sein Geschöpf, und seine Kin- „ der in Christo mit wunderbarer Barmherzigkeit „tröget? mit unbegreiflicher Herunterlaßung zu- „bereitet, und mit vieler Zärtlichkeit liebet. „Nichts desto weniger sind wir so geneigt, in „uns selber sitzen zu bleiben, und zu uns selber „wieder zu kehren, daß ich mich öfters über „meine eigene Schwachheit verwundern muß. „Ich gehe schon so lange bei dem beßten Mei- „ster in die Schule, und werde schon gebraucht, „andern ihreLectionen aufzugeben, und bleibe sel- „ ber ein so gebrechliches Kind. Gegenwärtig kann „ich mich, und alles, wie mich deucht, so eintönig dem HLrrn anvertraucn ; ich kann es „alles so lassen fallen, und so ruhig dabei seyn. „Ich bin arm, aber in einer ruhigen Weite; ich „bin gebrechlich, ja sehr gebrechlich, aber sehr „zufrieden. Das Werk, die Leiden, Proben „und Gefahren, die mir allemal als Berge vor- (c) 4 „kommen qs Lebensbeschreibung „kommen würden, wenn mich der HErr nicht „im Gegenwärtigen hielte, kann ich nunmehr „ziemlich vergessen, und ängstigen mich dieselbe „nicht mehr, so wie mirs doch sonst eigen ist. „Doch ich muß es nicht zu schön beschreiben; „vielleicht ist es vor dem HErrn anders; ich „übergebe es ihm, es sey so wie es wolle. Es „ist auch wenig daran gelegen, wie es ist, wenn „es nur so ist, daß es dem HErrn gefällt; ich „kann und will auf nichts vertrauen, als auf „ihn allein." Den yten Febr. 1748. „Wenn ich sagen sollte, wie mir in meiner „ Schwachheit inwendig zu Muthe sey: so müßte > „ich sagen: Ich weiß es nicht, und habe es viel- ! „leicht nie weniger gewußt. Ich glaube (wie mir „deucht ziemlich tief, 0 ja, ziemlich tief) die allge- > „meine Nichtigkeit meiner selbst, und aller Kreaturen, nach Geist und Natur; nach dem Grund „aber bin ich nicht unruhig, noch beängstiget, noch „in Furchten, ohne zu wissen, warum. Vielmals j „kann ich durch Schwachheit meines Haupts, we- „der an GOtt, noch an meine Seele denken. Ich „weiß aber, daß GGrr ist, und daß er der große, , „der gute und selige GOtt ist. Die bloße Erinnerung davon ist mir sehr erquicklich, wenn „GOtt sie giebet, und macht, daß alle Schwie- „rigkeit alsbald verschwindet. Wir sehr muß „es unS nicht gefallen, daß er ein solcher GOtt „ist, daß er alles Gute ist, vollkommen und „unendlich herrlich, und selig, und genugsam, „um alles gut und selig zu machen in uns." Den 8ten März 1748. „Wie wunderlich, wie unbegreiflich sind nicht „die Wege KOtles! Es gehet immer anders, „ als man gedacht hat. Man wird immer wieder „autgcjagt, Jerem. 16, 16. wann man meynte „Athem zu schöpfen. Es geht immer ins Verlieren, und wieder ins Verlieren, bis man so . «arm des sel. Gerh. Tersteegen. 41 „arm ist, daß man nichts mehr zu vertieren „hat, und so beschämt, daß man das Umsehen „aufgeben muß. Nun, nur fort in GOttes Na- „men! Er herrsche, er lebe nur! Er werde nur „vergnügt, damit wir uns selbst in der Wahr- „heit da laßend, in sein Vergnügen, in seine „Ruhe, und in seine Freude eingchen mögen! „Man muß doch endlich nur so unschuldig zuse- „hen, als ein Kind in der Wiege; man muß „so inniglich zustimmen, so tief anbethcn, und „so herzlick sagen: Der HErr ist sehr gut und „liebenswürdig, und alle Wege des HErrn „sind eirel Güte und Wahrheit. So muß man „sagen, ohne bisweilen zu sehen, worauf sich „dieses Sagen gründet. Man ist so äußerst „arm und elend, undsolltc doch wohl wünschen, „daß alle Seelen so arm seyn möchten. O! „wie selten findet man Seelen, die GGttes „sind! Aber wie glücklich sind nicht dieselben? „ Der HErr will gern ihr Gut, ihr Thcil, und „ihr alles seyn. Daß dieses so in uns werde, „wünsche ich so inniglich. Bethet doch auch für „mich, liebe Schwester! und saget cs, in meinem „Namen, den andern Kindern, daß sic cs auch „thun; ich habe es nöthig." Den 22tenOct. 1751 . „Ich muß so anbethen und mich verlieren, „wenn ich daran gedenke, daß GOtt einen sol- „chen Weg zur Seligkeit erkoren hat, der dem „Geschöpfe so alles wcgnimmt, und es GOtt „gibt, und unS folglich so glücklich nöthigt, ihm „aufs tiefste anzuhangen, in ihm zu bleiben, „aus und in ihm zu leben, und allezeit arm „zu bleiben, um in der Wahrheit alles zu haben; „ein Weg für die Kinder, aber für die nackte „Kinder; die Klugen sehen darüber hin. So „lange man will haben und halten, ist er eng, „und werS ferne sucht, der läuft ihn vorbei, (c) ; „wer - > i ' Lebensbeschreibung 4r „wcraberdem zugeworfenen SeilderLiebe folgt, „der findet eS nabe bei. Der HErr JEsus sel- „ber predige dieses angenehme neue Jahr den „Armen!"- „Wir sehen einander mit leiblichen Augen „nicht viel, und doch sagt uns unser Her,, daß „wir zusammen und in Eine Gesellschaft gehören. „Unser Herz freuet fich darinnen, daß wir noch „mit einander auf dem Wege sind, und daß „wir aneinader haben, waS wir haben. Ich finde „eS zum wenigsten so in mir, und schreibe es „nächst GOtt, der Fürbitte seiner Kinder zu, „daß ich noch bin, der ich bin. GOtt muß „wohl ein recht beseligendes Gut seyn ; denn ich „weiß, daß alle, die ihn nur ein wenig ausEr- „fahrung haben kennen lernen, nicht anders „können, denn ihn lieben, und sehr liebenswürdig anpreisen; und müßten sie hernach auch „Jahre lang durch dürre und dunkele Wege „wandeln. Ein wenig weiß ich auch davon zu „sagen. Ich seufze auch wohl einmal auf dem „Wege unter meinem Packlein, so schwer fällt „es mir bisweilen zu tragen. Das Schwerste „wird von außen wenig gesehen. ES gehet mir „nach beiden Theilen auch wohl einmal recht „kümmerlich, obgleich andere, die mich hören, „ bisweilen denken mögen, ich hätte allezeit schön „Wetter. Allein, was kann ich doch anders, als „Gutes von meinem GOtt sagen, der auch in der „größten Blöße des Glaubens, dem Geist Speise „geben kann, und in der That gibt, um auf „dem Wege nicht zu verschmachten? (i Kön. „19, 8 ) Wer sich nur gut übergeben, und es „auf GOtt wagen kann, der wird nie zu kurz „kommen, und GOtt wird dadurch geedret, „wenn wir viel und alles auf ihn wagen. In „uns ist nichts als Schwachheit und Elend. „».Wie wenige glauben dieses in der Wahrheit, .M ßil! ° ZS, ^ ft», M „Dl« M k , 8 « MM «zü N» ,M k> «>!! M «wich „»ich! »heGch «z«»z!ü MH, » e »W m des sel. Gerh. Terstcegen. 4z „und mit friedsamerGeringschätzung ihrer selbst!) „In JEsu aber ist alles überflüssig, was wir „ bedürfen. Wie so sehr ist auch dicß die Wahrheit! die doch nur erkannt wird, nachdem „Maß, als das Erste in der Wahrheit er- „kannt wird." Den 8ten Marz 1754 „Bis hiehcr hat der HErr auch mir geholfen, nnd seine Hülfe bis hieher, gibt auch „guten Muth auf seine Hülfe, bis ans Ende. „O der gute und getreue GOtt! Sollten wir „ihn nicht lieben, in seinem Namen nicht alles „wagen, und uns mit geschloffenen Augen fei- „ner Führung blindlings überlaßen? GOtt >, stehet wohl, daß unsre Herzen am beßten durch „Liebe können überwunden und an ihn vcrbun- „den werden, darum thut er so viel an uns. „Ein jeder kann seine große Rechnung von „GOttes Liebe, Gunst und Wohlthaten für „sich selbst am beßten einsehen. GOtt befestiget Röm. 5, 8- (nach dem Griechischen) „GOtt empfiehlt seine Liede gegen uns in „ so vielen Abfichten; und das ist GOttes größter und letzter Versuch bei den Menschen. „Kann die Liebe GOttes und so viel Wohlthöfen die aus dieser Liebe fließen, uns nickt zur „ herzlichen Gegenliebe und zum muthigen Fortgang bewegen, so wird es auch gewiß keiu ande- „res Mittel thun. Mein Herz ist noch voller Er- „kenntlichkeit für alle das Gute und Erquickfiche, wie auch für allen Beistand, den ick „von GOtt, auf dieser meiner Reise, und für „den, welchen wir, da wir beisammen waren, „unter einander genossen haben, und das be- „wegl mich, so zu schreiben; und aus eurem „Angenehmen ersehe ich, daß ihr, liebe Schwe- „ster! und andere bei euch, das Nämliche bei „sich fühlen. Nun der Herr bereite sich selbst „dafür einen Lobgesang, Dank und Verherr- „lichung ! 46 Lebensbeschreibung „Augenblick, da ich vor GOttes Angesicht erschei« „nen soll, noch zu guter Letzt allen Kreaturen zu- „rufen könnte: G!>« di »«dir ^ des fel. Gerh. Tcrsteegen. 45 den zur Heilsordnung gehörigen evangelischen Wahrheiten. Um sich dessen zu versichern, darf man nur seine Schriften, sonderlich den »ch weg der Wahrheit, mit einem unpartheii- schen Gemüth, im Zusammenhänge durchlesen. eA Selbst von dem ersten Anfänge seiner Bekeh- "k rung an, dachte er, in den Grundwahrheiten ^ des Lhristenthums rein und schriftmäßig. Hier A sind einige Proben davon: Ein noch lebender M glaubwürdiger Freund erzählt, als er unfern W Seligen im Jahr 1727 zum ersten Mal be- sucht, und von ihm, auf feiner Rückreise, ein ,sir Stückwegs begleitet worden; so hätte ihm Du derselbe beim Abschiednehmen folgende Stücke „f,, nachdrücklich empfohlen. 1) IEsu ver- M söhnung, 2) JEsu Worte, z)IEsu spch Geist, 4) IEsu Lürbil 0. Ein klarer -mw Beweis, daß er diejenige, die mit ikm umge- gangen, einzig und allein aufJElüm Chri- stum verwiesen, und ihnen denselben jederzeit, als die einzige Ursache unseres Heils und unse« rer ganzen Seligkeit angepriesen habe. Noch eine Probe: Da ein gewisser Freund den Se- ligen beschuldigte, daß sein Sinn nicht lau- z-tt- ter genug seye, antwortete er dieß: „s wie S":' „freuet sich mein Innerstes, 0 wie glückselig schätze l ^ „ich mich, wenn ich gewürdiget werde von die- „ftn gewissen, wesentlichen, überköstlichen Wahren'' „Heiken, des sowohl bei vielen Frommen, als „Unfrommen so verdächtigen inwendigen Cbristen- M" „lebens Zeugniß zu geben! Mich däucht, es wü» . „de mir ein ganz unglaublich großer Trost seyn, Md „wenn ich in meinem Sterbestündlein, in dem W „Augen- g 8 Lebensbeschreibung sepn. Schon in seinen erstem Jahren wurde er von fremden Geistern und Wirkungen angefallen , welches er selbst dem Umgang mit einigen Jnspirrrten, zuschrieb. Wann er zu dieser Zeit sich von der Arbeit in die Stille zum Geber!) begab: so ward er in eine Bewegung gebracht, wovon alle Glieder zitterten. Weil ihm aber G-Ott und dessen sanftes und seliges Wesen auf eine innigere Weife bekannt war: fo gab er dieser fremden , unruhigen und schreckhaften Wirkung keinen Raum, sondern ging wieder an seine Arbeit. Nachdem dieß einige Mal geschehen, hörete das Zittern auf, und diese Versuchung nahm ein Ende. Noch eins: Eine gewisse kränkliche Person glaubte, sie würde von einer außerordentlichen Stimme gerufen, um zum Gebet!) aufzustehen; ihr schwacher Körper konnte das aber bei den damaligen Wintertageil fast nicht mehr ausstehen ; deßwegen befragte sie sich dießfalls bei unserm Seligen. Er gab ihr den Rath, sie sollte in der Kalte nicht aufstehen, sondern wann sie wieder gerufen zu werden ver- meynte, sollte sie sich, anstatt aufzustehen, ins Berre setzen, und zum Gebet!) wenden. Wie sie das rhat, hörete sie die außerordentliche Stimme nicht mehr, und andere sonderbare Dinge, die ihr begegneten, höreten auch auf. -Hieher gehöret noch Folgendes: Ihn besuchte einst ein Freund, der einem vertrauten Umgang mit einer kindlichen GL)tt ergebenen Seele MH PW kcki, i Di, in A- chi e»« »M? vckl>!j chHl »l bim, A sin! Ächen t 8 l üichle ich« in>! MH des sel. Gerh. Tersteegen. 47 ^ Zucht der Gnade zu leben, sich ernstlich bestrebte. Er ließ sich das Licht und die ^ Erkenntniß nach der Wahrheit nicht verdun- ls bft kein, wanns ihm gleich übel genommen ward. Einem Reformirten Prediger, dem er, wegen '2* H- H- Gemeinde, eine Erinnerung gege- A ben, die aber nicht zum beßten gedeutet wurde, schrieb er zum andernmal also: in!: ktA M rnv: ist iie« M Äs Sd; „Soll ich anders reden, wie mirs ums Herz „ist (wie es jetzt der Brauch ist?' Ich lese, „ich prüfe dieses Brieflein (so er nämlich vor- „bin an diesen Prediger geschrieben) vor GOtt. „Daß ich aber sagen sollte, ich erkenne Unrich- „tigkeiten darinnen, das kann ich nicht, darf „ich nicht, will ich nicht, und wenn auch alle „Welt, wie du in deinem Briefe zu thun schci- „nest, diese karrkelie, oder diese Festhaltung „an den Grundwahrheiten, für eine Parteilichkeit, und Mangel der Armuth des Geistes „halten sollte. Nein, mein GDkt! laß es „Nicht zu, daß ich meine dir bekannte Elen- „den noch vermehre mir einer so schändlichen „Unrreue, daß ich auch nur ein Haar breit „von der mir so rheuer anvertrauren Beilage „deiner Wahrheit aus Heuchelei, oder Weichlichkeit abweichc, und nachgeben sollte weil „etwa dießr oder jener, auch guter Mensch, „oder ansehnlicher Haufe, derselben zuwider „wäre." Gabe, die Geister zu prüfen. So fest konnte er in der Erkenntniß sepn, weil ihm eine besondere Gabe zur Prüfung der Geister gegeben war; wenige Beweise ^ davon können dem Leser nicht unangenehm sein,. 5S Lebensbeschreibung! Anwendung dieser Prüfungsgabe, an die H. H G'ineine. Des Seligen Prüfungsgabe, bewies sich sonderlich an der vorhin genannten H. H. Gemeine. Diese Gemeine gab sich alle erdenkliche Mühe, um Tersteegen auf ihre Seite zu bringen, in der Hoffnung, daß ihm noch viel andere Seelen folgen würden. GOlt aber ließ ihn auch hier nicht ohne seines Lichtes Beistand, und schenkte ihm zur Prüfung jener Gemeine die nöthige Gnade. Der G. Z. suchte ihn zwar, wie er nur immer konnte, an sich zu ziehen. Anfänglich versuchte er es durch Briefe, die er aufs zärtlichste abfaffere, und ihm durch die Brüder offen zusandte. Endlich kam gar im Jahr 1727 einer ihrer vornehmsten Lehrer I. M. D> ein sehr geschickter Mann, der sich unserm Seligen, um ihm auf diese Weise sein Herz zu stehlen, zu Füßen warf, und ihn um seinen Segen bat; allein der Selige blieb bei allem dem ganz unbeweglich in seinem Grunde; er ließ sich durch dergleichen Liebkosungen so wenig blenden, daß er vielmehr viele Seelen, die sich zu dieser Gemeinde schon wirklich begeben hatten, zur bestem Einsicht brachte, indem er ihnen die große Gefahren, die aus derselben leicht entstehen könnten, so klar vor Augen legte, daß sie solche wieder zu verlaßen keinen Anstand nahmen. Da der selige Mann von einem auswärtigen Freund in Oberdeutschland, einem Refor- MI A. Djl- Z, d« ,«W» „IHM ,!A SW kl «»Hl», M, di! «M Ml« «dm!« »ihm zi Md -er «Ai» He schek, «i» Jerij »Bitz »>>I ij,^ »»y »Ct. ich sch Vlck: i!»ß l B -s-Zc >ei i» si N Mi ich !!>> k M Milij A des set. Gerh. Lersieegen. 49 Seele pflegte, die aber dabei viel außerordentliche Vorfälle und Erscheinungen hatte, auch viel erbauliche Sachen und Begebenheiten erzählte, deren einige nach ihrem Tode geschehen sollten. Diese Dinge eröffnete besagter Freund unserm Seligen; derselbe er- theiite ihm aber folgende Antwort: Gehe doch alle drese außerordentliche Sachen vorbei, wobei nur viele Gefahr und Aufenthalt ist. Ich liebe ihr wesentliches Gures, das durch die Gnade GMeces in ihr gewirkec ist, herzlich, aber du wirst es mir mir noch erleben, daß von allen diesen Sachen, die ich zwar mir wünschen möchte, nichts erfolgen wird. Der Ausgang bestätigte diese Worte. Da nun jener Freund, nach dem Tode besagter Person, ihn abermal besuchte, und seine Reue darüber bezeugte, daß er seinem treuen Rath nicht besser nachgekommen, sagte er: Diese Begebenheit wird dir nun ins Künftige noch zum Kurzen und Bewahrungsmittel dienen, daß du dich nicht so wieder von sonderbaren und außerordentlichen Sachen einnehmen laßen, sondern solche vorbei gehen wirst. Der selige Mann verachtete zwar keine außerordentliche Gaben, Lichter und Erscheinungen, aber sein Rarh ging dahin, daß sie gar gründlich und behutsam müßten geprüset werden, weil Personen, die damit umgingen, gar leicht von fremden Geisteskräften betrogen werden konnten. Zweit. L. lll. Th. (d) Anwen» ?-> Lebensbeschreibunz Anwendung dieser Prüfungsgabe, an die H. G'Meine. Des Seligen Prüfungsgabe, bewies sich sonderlich an der vorhin genannten H. H. Gemeine. Diese Gemeine gab sich alle erdenkliche Mühe, um Tersteegen auf ihre Seile zu bringen, in der Hoffnung, daß ihm noch viel andere Seelen folgen würden. GOtt aber ließ ihn auch hier nicht ohne seines Lichtes Beistand, und schenkte ihm zur Prüfung jener Gemeine die nöthige Gnade. Der G. Z. suchte ihn zwar, wie er nur immer konnte, an sich zu ziehen. Anfänglich versuchte er es durch Briefe, die er aufs zärtlichste abfassere, und ihm durch die Brüder offen zusandte. Endlich kam gar im Jahr 1727 einer ihrer vornehmsten Lehrer I. M. D. ein sehr geschickter Mann, der sich unserm Seligen, um ihm auf diese Weise sein Herz zu stehlen, zu Füßen wars, und ihn um seinen Segen bat; allein der Selige blieb bei allem dem ganz unbeweglich in seinem Grunde; er ließ sich durch dergleichen Liebkosungen so wenig blenden, daß er vielmehr viele Seelen, die sich zu dieser Gemeinde schon wirklich begeben hatten, zur bessern Einsicht brachte, indem er ihnen die große Gefahren, die aus derselben leicht entstehen könnten, so klar vor Augen legte, daß sie solche wieder zu verlaßen keinen Anstand nahinen. Da der selige Mann von einem auswärtigen Freund in Oberdeutschland, einem Refor- jjuldkk KM ! !ß »W ,8k««) »Dl »>!NI «Äk! «Hk!« «Will, -jkch , Mki I Mi« MN >-!>»« des sel. Gerh. Tersteegen. 51 Resormirten Prediger, der mit dieser Secte Gemeinschaft hatte, vieles leiden mußte, schrieb er demselben im Jahr 1750, den 6ten März, unter andern Folgendes: „Ich glaube, daß die Secte der H. H. nicht 2 -' - „ nach GOttes Herzen seye, ich glaube eben das Htz „von derselben, was ich dir mündlich gesagt, >1. U „und was ich davon an dich geschrieben habe. E „Und, damit ich mich kurz erkläre, und dich >,.V „nicht durch Besonderheiten ärgere, und auf- ^ „bringe: ich glaube, daß es Wahrheit und Mi- „nicht erdichtet sey, was der liebe Abt Gtcin- !M „ mey, noch in dem letzten dir bekannten Schrei-- Hl!L »ben, von ihnen angeführet, und daß man ih- „nen dessen und noch eines weit mehreren mit ^ „Grund Schuld gibt, welcherlei Irrthümer und ^ „ Leichtsinnigkeit ich nimmermehr approbiren und ti'ri' „zugeben kann. — — Warum ich aber keine Ä. I „Freiheit finde, mit H H. ferner Briefe zu M „wechseln, geschiehet nicht, wie du schreibest, . „daß ich mich ihres verdächtigen Namens schält ^ „mete, vielweniger um dadurch alle gute See- W> „ len unter ihnen, (wie du auch unrecht denkest) U: „aus meiner Gemeinjchaft auszuschließen; son- tzxr „dern eines theils, wegen der Abneigung von „ihren genugsam bekannten Hauptirrthümern, ^ . „und der Furcht vor einem breitern Wege, alS „mein Heiland und alle Heiligen gegangen und I »c- „gelehret, u. s. f. Daß ich aber so gar mit M „solchen, die viel mit ihnen umgeben, oder „in Verbindung stehen, nicht correspondire, ' ^ „geschieht auch mit darum, weil (gleichwie ich s ^ „brüderlich und familiär schreibe) es dann bei 7 ^ „den H. H. überall heißet, ich sey nun völlig „mit ihnen eins, und dann muß mein Schreiben . „eine Lockspeise seyn, andere, die mich lieben, s- „damit zu fangen. So ist es mir, so ist es an- (d) r „dern 52 Lebensbeschreibung „dem mehrmalen mit ihnen ergangen, rc. Ich „hoffe zwar, daß sie allgemach ihren Derganz „einsehen, und sich bessern werden, wozu das ih- „ncn so überaus unbekannte Gchcimniß dcS „äußern und innern Kreuzes, vielleicht eine heil- „samc Arznei zur Demüthigung feyn möchte. „Ich weiß zwar schon direct, aus H. Haag, wie cs „jetzt da auSsiehct, und was in Betreff der Besserung vor neue Ordre und Einrichtungen „gemacht worden: allein, da die grundstürzende „Jrrthümer nicht nur von ihren Widerwärtigen, „sondern von ihren Hauptarbeitern selbst mit „dürren und unverdrehlichen Worten, durch „öffentlichen Druck aller Welt bekannt gemacht, „auch die groben Leichtsinnigkeiten der Arbeiter „und Glieder leider! offenbar und unläugbar „sind, zur Schmach des theuren Bluts und „Wunden JEsu Christir so wird man sich schwerlich auf die gewöhnliche Art heraus wickeln „können. Plattes Abläugnen, auf Schrauben „ gesetztes Antworten, lächlendcs Ueberhinhüpfen, „ja auch bloßes Bcffermachcn wird im gering- „sten nicht mehr aus dem Labyrinth helfen; son- „dern, wollen sie GOtt seine Ehre wieder geben, „wollen sie Ruhe in ihrem Gewissen, und bei> „verständigen Menschen Glauben finden: so „mäßen sie ihre Jrrthümer und ihren Verganz „demüthig und öffentlich bekennen, widerrufen ^ „und das gegebene Aergerniß abbitten." j UliisW', «»»V« Mi l>! MUMM, Mi!>! »kl NldüIÄ ilizk, »WiidD!i« n M t «Mtkl i!« ,l>kl ßld, » Unparteiischer Ginn. ! An eben derselben vorhin genannten Ge-! meine bewies Tersieegen aber auch, wie un-! parteiisch er gegen erweckte und begnadigte! Seelen von verschiedenen Religionen war. Er fand sich 1741 bei einem wichtigen Vorfall bewogen, von besagter Gemeinde, die ibm «8kltks teiklil «>io Aktglch des fel. Gerh. Tersteegen. 5z ihm sehr nachging, seinen unparteiischen Sinn '""^kürzlich anfzusetzen; er drückte sich dabei unter Wr andern also aus: A s»i im! z« deiL !d mla laus« s ßch» 'rhiu-h im Ak! hrliw! Dn il>, >»! UI,« !. Hiisisi „Mein Sinn und meine Religion ist diese, „daß ich, als ein durch Christi Blut mit GOtt „Versöhneter, mich im täglichen Sterben, Lci- „den und Bethen, durch den Geist IEsu heraus „führen laße, aus mir selbst, und allem Geschaffenen, um GOtt ganz allein zu leben in „Christo IEsu, und diesem meinem GOtt durch „Glauben und riebe anhangend, hoffe ich mit „demselben Ein Geist zu werden, und aus seiner „puren Erbarmung in Christo die ewige Seligkeit zu erlangen. Mit allen, die unter aller- „lei Volk also gestnnet sind, habe ich einerlei „Religion, und liebe sie, als Kinder GOttes, „ebenso herzlich, als die, welche in meiner „Erbreligion also gesinnct seyn mögen. Im „übrigen kann ich mich schon darin finden, daß „in den Nebensachen ein jeder einen solchen „Weg einschlage, den er am täglichsten und „förderlichsten erachtet, zum Ziel zu gelangen; „ja ich kann auch einen jeden darinnen lieben, „wenn er nur ohne Heuchelei und Sectirerei „hierjnnen zu Werke gehet. Die nun, welche „unter den sogenannten H. H auch also gesin» „net sind, wie jetzt gemeldet worden, die liebe „ich auch also, und bin mit ihnen als Kindern „GOttes vereinigt Dasjenige aber, wodurch „ solche unter den H. H. sich von andern Kindern „GOttes unterscheiden, solches ist meine Sache „nicht, und ich vereinige mich damit keineswe- „ges. Ich bedaure es gar sehr, daß in der „Christenheit schon so viele Spaltungen sind, „aber unvergleichlich mehr, wenn man noch „neue Spaltungen machet. (d) z Eben 54 Lebensbeschreibung Eben diese Unparteilichkeit bewies unser Seliger überhaupt. Da er mit drei frommen reformieren Pedigern, mit denen er auch bis an sein seliges Ende einen brüderlichen Umgang mw Briefwechsel gehabt, bekannt geworden, und von einem derselben einst befraget wurde: aus welcher Religion die Seelen wären, die zu ihm kämen? Antwortete er: Ich frage nicht, von wannen sie kommen, sondern wohin sie wollen i). Tiefer Eindruck von GDttes Gegenwart. Gleichwie nun Tersteegen eine tiefe Er- kennrniß von GHtt und seiner Wahrheit hatte, so floß dieselbe auch in seine Gesinnungen gegen GVrt ein. Dessen Gegenwart schien ihm tief ins Herz geprägt zu seyn; sein ganzer Wandel ward dadurch mit einer Liebesehrfurcht erfüllet. Er glaubte mit voller Gewißheit, daß GOtt auf eine besondere Weise in seinem Herzen gegenwärtig sey. Er wußte: GGrr schaur in mich hinein. Darum legte er dieser göttlichen Gnadensonne sein Inneres offen, um durch ihre Strahlen erleuchtet, erwärmet und belebet zu werden. Deswegen kamen auch alle seine Thaten und Bewegungen nicht aus eigener Anstrengung und gesetzlichem Zwange, sondern stoffen durch diese Liebesgegenwart aus freiem und sanftem Triebe. Dabei übte er sich beständig im Schauen »»»p» -. MllstumT und s« § -»«Ich, «ij i) Siehe hievon ein mehrerer, in dem 76. Briese des rtto TheilS, Seite rr8. des sel. Gcrh. Tersteegen. ?? R Schauen auf Gd)tt allein, damit er, durch >»itz dich Anschauen, immer mehr erleuchtet wer- ichKj den, und immer neue Lebenssäfte aus dem ntz innigstnahen GOtt und Heiland empfangen Uz» möchte. Auch anderen pries er die Gegenwart bkh GOttes in der Seele, als eine besondere Gnade an, und erinnerte dabei, daß nicht M aus eigenem Wirken, sondern durch diese kkK süße, kräftige und belebende Gegenwart das neue Leben in uns müßte hervor gebracht werden; welches er auch, in allen seinen Schrif- E ten, den Seelen aufs kräftigste einzuschärfen feL> gesucht. Dabei erinnerte er weislich, daß alK man außer der besondern Gegenwart GOt- !eß tes in uns, noch eine allgemeine glauben n K mäße; GOtt erfülle Himmel und Erde, er hl x sey um uns und bei uns, auch in allen Vorfäl- chr len und Begebenheiten habe er seine Hand. kem „Es kommen zwar Zeiten, sagte er, da uns u«, „GOtt für eine Weile seine liebliche Gegenwart . / „entziehet, oder da uns dieselbe, durch äußere „Nöthen, große Schmerzen, durch Furcht und h» „Schrecken gleichsam zugedecket wird: dann ist es M „aber nöthig zu glauben, da man nichts fühlet, W „daß auch GOtt in diesen Vorfällen gegenwärtig ^ „sey, und seine Liebeshand alles zu unserm Beß. „ten lenke, auch vieles Unglück abwende, und ikll" „durch alles gnädig durchhelfe. Ass M Abhänalichkeit von GOtt und dessen Führung. Dss Kift Er lebte zugleich in einer beständigen Ab- HB' hänglichkeir von GL>rr, und seiner Füh- rung, man sieht es aus diesen Briefen. (d) 4 „GOttes ;6 Lebensbeschreibung „GOttes Verheißung, Hosea 2 , 6. Ich will „deinen weg mir Dornen vermachen, rc. daß „sie ihren Steig nicht finden soll, werde an „uns erfüllet! Lieber mit GOtt tausend Kreuze, „als unsere eigene Wege gewandelt, und wäre „es auch auf eine ganz subtile Weise. Die so „eben erwähnte Verheißung GOttes habe ich, „in verschiedenen Ständen und Zeiten, verschie- „deutlich an mir erfüllt gefunden. Im Anfang „fühlte ich öfters Angst, Verjagtheit und Un- „ruhe, wann ich abgcwichen war, bis daß ich „stille stand, und gewahr wurde, daß ich in et- „was war eingegangen, so dem HErrn zuwider „war. Hernach bekam ich eine innige Neigung, „die mich durch ihre Salbung ganz befriedigte, „und stillete; und die Ungenugsamkeit, die ich „in allem andern fand, war der verschlossene „Weg, der mich wieder umkehren machte. Zu „andern Zeiten fand sich noch so was anders „bei mir. Jetzt weiß ich eigentlich nichts mehr „davon zu sagen; ich' lebe so hin, so gut ich „kann, und habe durchgängig wenig Gewißheit, „ob ich recht gehe, und was eS eigentlich ist, „das mich so cinschränkt und bewahrt. Mich „deucht gleichwohl, daß ich wirklich bewahret „werde. Wenn ich mit meiner Armuth, mit „meinem Unvermögen, rc. und so als ich just „in dem Augenblick bin, zufrieden seyn kann, „dann ist es, als ob ich daheim, und in Ruhe „bin; ich habe es dann gut und nach Wunsch, „ob ich schon nicht allezeit GOttes Wirkungen „deutlich in mir gewahr werde. Bleibe ich „aber nicht auf dem Plätzchen meines Nichts, „oder suche, und will ich etwas außer dem, „worin ich bin: so werde ich in allem, was „ich thue, als wie verwirret, und alles ist mir „finster und beschwerlich, ohne daß ich weiß, „warum , bis daß ich wieder kehre. Diese „Verwirrung, Beschwerlichkeit, rc. sind dann «I! W, i ^ B«« 'MjU!« „KU „mW»- «k'üchl M, ,!i «kit m »l« WM- ! l „ch lick«, i I >«ü!M »kch, ltz!,'> ! Zm.G »U »ich «R'iNzm i, Md 5 ? des sel. Gerh. Tersteegen. „die Dornen, vor welchen ich am meisten be- „wahrt werde, wann ich am wenigsten in mir „selber vermag. Ich will dann gern schwach „seyn, uni nicht ohne GOtt zu laufen, damit „seine Kraft und Herrlichkeit in meinem Nichts „vollbracht werde. Ehre, Dank und Liebe sei) „unserm GOtt, der unser getreuer Leitsmann „ist, und uns die Wahrheit unseres Nichts, ,,und seines Alls je langer je gründlicher lieb „gewinnen laßt." Den i^ten Jan. 1745. „JEsus leite uns selbst, durch seinen Geist, „den Weg in alle Wahrheit ein! (Joh. 76, lg. „nach dem Grundtcxt) denn wir sind dumme „Kinder, die, wenn sie allein gehen , beständig „von dem Weg abirren, und auf die Lichter „von Gestern uns nicht verlaßen können. Mich „deucht auch, daß ich alle Tage dummer und „unwissender werde, und darum bin ich ver- „wundert, daß ich noch zu etwas tauge, oder „es noch in einigem Dinge recht mache. Doch ,idie Erfahrung wirds uns lehren, daß die „Abhänglichkeit von dem inwendigen Führer, im „gegenwärtigen Augenblick, uns den ganz gera- „den Weg leiten wird, auch wann wir solches „nicht denken, und daß wir alles nur verderben und beflecken, wann wir nicht bloß auf „ihn vertrauen, und, «ach eigener Weisheit oder „Licht, uns selbst führen wollen." Den ichten Jan. 1746. „Ich wünsche getreu, und nicht saumselig „erfunden zu werden, in dem, was der HErr „zeiget, das er von mir will. Ich wünsche „aber auch bereit zu stehen, allen meinen soge- „nannten guten Willen, gute Vorsätze, und „Neigungen beständig wieder aufzuopfern, los „zu laßen, und in GOtt gleichsam zu verlieren. „O! was gibt das gutwillige Loslaßen nickt „großen Frieden! Dann hat man alles im „Nichkwollen, oder im GOtt nur wollen. (d) 5 „Ich §z Lebensbeschreibung „Ich denke, und sage es auch wohl bisweilen: „Alles, was ich noch wünsche außer dem Ort „und Zeitpunkt, worin ich den Augenblick bin, „das muß noch von mir weg- Träge Naturel- „len, und untreue Seelen, können sich manch, „mal auch in so was verbilden, und es nach- „machen wollen: allein ihr wisset es, sowohl als „ich, daß IEsus Geist allein die wahre Beug- „samkeit, wie auch alle andere gründliche und „wahre Tugend geben kann. Der lautere Ein- „fluß dieser Lebenskraft, die so innig nahbei „ist, ist allein vermögend, das Eigene zu töd- „ten, und das heftige Naturfeuer zu mildern „und zu besänftigen, daß man kann lauten in „Geduld, Hebr. 12, l. und stille sitzen ohne „Trägheit, Joh. il, 28. 29. weil IEsus „also unser wollen, unser Leben, und alle „unsere Lust wird. Wie glücklich sind darum „nicht die Seelen, die auf dem Herzenspfad „wandeln, und in der Stille einkehren in ihr „Innerstes, bcthend, wartend und raumge- „bend dem GOtt, der allein Leben gibt! — — „Es stehet vielleicht nicht lange mehr an, so „werden wir einander, in dem Daterlande der „seligen Ewigkeit, mit unaussprechlicher Freude „antreffcn, zu unendlichem Dank und Verherrlichung unsers GOttes, der uns gerufen „hat, und einander auch in diesem fremden „Lande hat antreffen laßen. Amen JEsu!" Den zten Aug. 175z. . „Ich kann so ruhig niedcrsitzen, wann mein „Werk gethan ist; was wird es nicht einst „dort seyn? Wir wollen dann nicht müde „werden, in dem Dienst eines so guten und „getreuen Herrn, dessen Dienst an und für sich „selbst bereits Seligkeit für den Menschen ist. „Es ist wohl wahr, alles unser Thun ist sehr „schlecht, wenig und gebrechlich; wir wollcns „aber auch nicht in Rechnung bringen, und „unser „Ml" MW LsittW Mi lim >A s° ki stütz Mchch «Mi«,« »likdkt Md »GDz I» -ttlstzkl. ) des sel. Gerh. Tersteegen. 59 „unser Thun nicht so sehr als Pflicht, sondern „als Glück und Seligkeit ansehen. Wollten „wir nicht eher Gutes thun, als bis wir es „vollkommen thun könnten, so würden wir allzulange warten. Ich halte so viel davon, daß „die Seelen nur immer fortgehen, wenn es „auch gleich gebrechlich ist. Nur stäts bethen, „leiden, verläugnen, getreu seyn, rc. Wenn „auch gleich noch viel mit unterläuft, das noch „weg muß. So mäßen wir ohnedem allezeit „denken. Das Kinderherz will es gerne alle „Tage besser machen, und freuet sich noch dazu, „wann uns Vater oder Kinder unsere Gebre- „chen anweisen. Der HErr leitet doch die „Gcrnfrmürhigen, (die sich wollen sagen laßen> „beständig wieder zurecht, Ps. 25. Und läu- „tert die Aufrichtigen, daß sie ein beständiges „ Wesen erlangen, Prov. 2, 7. Der aufrichtige „und muthige Entschluß und Vorsatz, dem „HErrn dienen zu wollen, macht das Herz „schon so froh und frei; was wird nun nicht „erst der Fortgang und das Ende thun? Es „ist bei aufrichtigen Gemüthern eine schädliche „Versuchung des Feindes, daß sie durch das „ungläubige, (ich hätte bald gesagt hochmüthi- „ge) Sehen auf ihre Gebrechlichkeit im Guten „öfters ganz wie liegen bleiben. Man müßte „nur Schuld bekennen, sich demüthigen, und „dann weiter fortgehen. Wer nur das Gebcth „liebet und übt, der wird zu seiner Zeit schon „allmählig aus dem unlautern eigenen Wirken, „in das Wirken durch GOtt und für GOtt „versetzet. Ich wünschte nur, daß die Seelen „alle, auch von dem Anfang ihres Weges an, „die GOttseligkeit oder den Dienst GOttes mit „rechten Augen ansehen möchten, nämlich als „Glück und Seligkeit, wozu wir gerufen, und „deren wir gewürdigt werden; und daß je „eher, und je mehr man sich selbst und die 6s Lebensbeschreibung - „Kreatur, durch Gcbeth und Verläugnung ver- „läßt, man auch so viel eher GOtt nahet, (und „wenn manS auch so nicht sähe, noch fühlte) „und folglich seliger wird, denn GOtt ist wesentlich unsere Seligkeit und unser Ende. Je „inniger und völliger wir für GOtt leben, so „viel seligere Menschen werden wir von nun „an. O! dieses ist so sehr die Wahrheit; „aber, wer nicht durchs Gebeth mit GOtt ge- „mcinsam zu werden suchet, der kann cs nicht „behörend verstehen." Den Uten März 1755. ? . " Sch Ueberlaßung an GGtt. Eben so sehr lebte er mit seinem Ganzen an GDrr überlaßen. ' „Ich weiß nicht viel von mir zu sagen; cs „ist mir zu dunkel; ich übcrlaße es dem HErrn. „Ich muß beständig viel schreiben, viel reden, „und viel thun, daß mit meiner Gemüthsfassung „nicht überein zu stimmen scheinet. Ich suche „ nichts, mag aber auch keinem entfliehen. Ich „will in allem nur dem HErren folgen; kann „aber nicht sagen, ob ich cs thue, und bin fern „davon zu denken, daß ich lauterlich durch den „HErrn zu Werk gebe, wiewohl ich es begehre, „so zu thun. Vielleicht werde ich durch den Um- „gang und Briefwechsel, mit andern guten See- „len aufgehalten? Daran darf ich nicht denken, „Ich muß mich loslaßen. Hab' ich Verdienste: „so sind es meine Schwachheiten und Elenden; „denn diese scheinen mir sehr geholten zu haben, „und noch zu helfen, mich gründlich KOtt zu „übergeben, nachdem ich vergeblich einige Stütze „ in meiner Treue gesucht habe. Ich sehe anders „nichts in mir; bin aber darüber nicht unruhig, „vielmehr trage ich einen sehr zarten, doch all- „gemeinen Eindruck in mir von der unendlichen „Güte, und Liebenswürdigkeit GOttes, und „doch „««Ml' „ich iE ikk „«KlilÄk /jck ich» „«chk ki, kd Uw« «schiMr ,A Wüi j ,,Mich Hl „Irin. Di» >lW »Bich!-» »A solche des fel. Gerh. Lersteögen. 6r „doch schmäcke ich nichts. Den 2?ten Febr. „ l?42-" „IEsu! schließe du selber unsere Augen zu, „daß wir im Leben und im Sterbe», nicht mehr „ »ach uns selbst, noch nach dem Unseren umsehen, „sondern, mit einer willigen und wahre» Zustim- „mung in unser Nichts, dir uns bloß, blind „und ganz anvertrauen, und also in der un- „schuldsvollcn Unbekümmertheit des Glaubens „mit dir und in dir leben und sterben mögen. „Amen! den 29ten Aug. 174,. „Je mehr Seel und Geist durch das lebendige „und kräftige Wort GOttes Hebr. 4. und dessen „Gericht und Läuterung geschieden werden, desto „mehr kann der Friede auch nnter allen Manch- „faltigkeiten (wo GOtt nur in dieselbe einsührt) „ungestört bleiben. Doch, was mich angehct, „so finde ich mich in allem gebrechlich. Ich „mache es, oder will es machen, so gut ich „kann. Ich wünsche nicht mir selbst, sondern „dem HErrn zu folgen, und zu leben. Ich er- „fahre, daß er mir unter allem unbegreiflich gut „ist. Oesters sehe ich, als im Vorbeigehen, „daß mein Innerstes im Frieden ist, oft aber „weiß ich nichts davon, und muß nur so hin „leben. Den 2;ten Jan. 1748. „So lange die Vereinigung sinnlich ist, so „geschichct die Mittheilung auch nur durch die „Sinne. Ich befinde mich so schwach und ent-- „ blößt, daß ich, in Ansehung meiner, lieber nichts „von solchen innigen Sachen schreiben wollte. „Indessen ist es doch wahr, was ich bisweilen „von einer dergleichen geistlichen Mittheilung „scheine zu erfahren, welches mir gar kostbar ist, „doch währet es gemeiniglich nur einige Äugen- „ blicke. Wir mäßen nichts machen noch festhal- „ten wollen, sondern uns und alles in die Hand „des HErrn überlaßen. Das Gute ist das Sei- 62 Lebensbeschreibung „ne, das mag er geben oder nehmen, nach sei. „nem Wohlgefallen. Mich deucht bisweilen, „das Gute würde mir nicht mehr gut Vorkommen, „wenn ich es hätte. Es gefällt mir aber unend- „lich wohl, daß der HLrr allein gut ist. Vielleicht sage ich hierinnen zu viel von mir, das „will ich nicht; aber ich darf mich auch darüber „nicht bekümmern, sondern der HErr gibt mir, „daß ich mich und alles ruhig in seine Hand „kann fallen laßen, so wie ich bin, und so, wie „es ist. O er sey geliebet und verherrlichet in „Ewigkeit! Amen. Denken Novembr. 1742. „Ich wünsche euch viel Gnade, euch selber „so kindlich loslaßen und vergeßen zu können, „um von und in dem HErrn ausgenommen, und „bis anS Ende bewahret zu werden. Ja Schwerer! in dem HErrn allein ist unser Heil. Er „ist selber unser Heil, und unsere ganze Herrlichkeit. Fühlet ihrs nicht auch? Was verlan- „ get er mehr von seiner Kreatur, als daß sie sich, „so wie sie ist, in seine Hand übergebe, und „eben so wenig mehr nach sich umsehe, als nach „einer Sache, die man wcggeben hat. Wird „er nicht genug für uns sorgen? Wird er uns „nicht besser erlösen und heiligen, als wir uns „selbst? Wird uns auch was mangeln in seiner „Hand? Möchten es doch die Seelen, die beküm- „merte und im Streit liegende Seelen, wissen! „O HLrr gib es ihnen! und gib es uns bis ans „Ende! Amen. Den 8ten May 175z. „Sehet, meine liebe Schwester! macht es der „HErr nicht gut? Behandelt er mich nicht ge- „lind und väterlich? O ja! ich würde es wirklich ziemlich gemächlich und ruhig haben, wenn „ich nur von außen in Ruhe gelaßen würde. „Doch nein! so muß ich nicht sagen; sondern „wenn ich nur mehr ein willenloses und »»schul- „diges KinV wäre, das nicht zu viel überlegte, „waS B i!> ,MD -K,«« Mkikchs Mii» ,«W> d>« > «se!>!,chlO «i-l. M, «!We« -klksi Ms«! "7"MsW 6Z deS fel. Gerh. Tersteegen. „was gut oder schädlich; was es könnte oder „nicht könnte; sondern so einfältig in GOttes „Hand überlaßen , auf Kosten seiner Gnade so „hinlcbte, glaubend in und mit ihm thun und „leiden zu können, was seine Vorsehung von „Augenblick zu Augenblick, zu thun und zu lei- „den geben möchte )ch habe wohl bei meinen „gegenwärtigen schwächlichen Umständen keine „so merkliche Mittheilungen in meinem Inwen- „digen, und denke bisweilen nickt einmal so „viel an mich selber; doch bin ich GOtt Lob! „ziemlich ruhig und wohl in GOtt." Den Loten May 1755. „Es ist seltsam mit mir gestellt, mehr als ich „weiß oder lagen kann, und vielleicht wäre es „bester, wenn ich ganz und gar nichts davon „wüßte, oder sagte. Bisweilen bin ich verwun- „dert über meine Armuth und Schwachheit, daß „es kein Mensch so glauben sollte. Ein anderes „Mal bin ich verwundert über meine Kraft, und „daß ich so ruhig bin, :c. Die eine, ja die „meisteZeit bin ich so unwissend in allem, daß „ich , (wenn ich Ueberlegungen machen wollte,) ,,in der mindesten Gelegenheit über mich selbst „verlegen werden sollte: und ehe ichs mich oer- „sebe, rede und handle ich wieder, als einer, „der mit viel Licht und Gewißheit zu Werk ge° „Hel. Ich habe ganz keine Durchsicht von mei- „nem Wege, und weiß nicht, daß ich je, der- „gleichen gelesen habe, lieber einen merklichen „Fehler fühle ich so viel nicht, als über eine „einzige Ueberlegung meines Standes, ocerüber „eine Sorge für mich selbst, oder über einen „Versuch mir selbst zu helfen; hierauf folgt nichts „als Bestrafung und Unruhe: vergesse ich mich „aber, und lebe so in der Einfalt, auf GOttes „Gnade hin; dann bin ich den Augenblick ru- „hig und zufrieden, als einer, der auf seinem „Platz 64 Lebensbeschreibung „Platz ist. Ja es scheinet dann, was Edles und „Großes nahbei zu seyn, eine Kraft in der „Schwachheit, ein Wissen im Nichtwissen, und „eine Einheit in der Mannichfalt>gkcil. Ich „weiß wohl, daß einige heilige Seelen Stande „getragen haben, die sie vielleicht auch in etwa „so auSgedrückl haben würden: aber nein! so „ist es mit mir nicht. Ich bin nicht heilig, sondern sehr elend, das siehet der HErr. Ich „würde davor erschrecken, wenn ich meinen „Stand mit dem Stande der Heiligen verglei- „chen sollte. Ja, indem ich dieses schreibe, „fürchte ich wirklich, werthe Schwester! ihr „möchtet allzu große Gedanken von meinem „Stande fassen. Ist es nicht wunderlich, so „sehr von einander unterschiedene, und gleich- „sam gegen einander streitige Dinge in einem „und demselben Menschen zu sehen? Wo mol- „let ihr doch damit hin? Oder wie wollet ihr „dieses überein bringen? Ich muß dann nur „die Rechnung wieder damit schließen: GOtt „ist vollkommen Alles; das Geschöpf ein „armes Nichts, und zum beßten und ruhigsten „wieder kehren, das ich weiß, nämlich: mich „selbst, so gut ich kann, zu vergessen, und so „einfältig auf GOttes Gnade hin zn leben. „HErr befestige uns in der Ueberlaßung, daß „wir nimmer zu unS selber wieder kehren, und „alles, was in uns ist, mit Hanna, deiner „Dienstmagd, singe: Es ist niemand heilig, „wie der HErr; außer dir ist keiner. Amen! „i Sam. 2, 2." Den Uten Julii 1747. III! Ms inj »MchNsO M WA Beruhigung in GOttes Wohlgefallen. In allem beruhigte er sich in GOrces weisem und gütigem Wohlgefallen. „ Dieß ist mein Werk ohne Werk, daß ich in „meinem Nichts und in meiner Armuth ruhe, „so >«W»zk. ^ EM WA »K'U >1 «'»! A i »«» Aüidr,? des sel. Gerh. Tersteegen. 6§ »fo wie es in jedem Augenblick ist, wünschend »allein in und durch die Liebe zu leben Jetzt „scheine ich so auszusehen, und dann wieder „anders. Jetzt scheine ich einiger maßen ein »Held zu seyn, und dann bin ich wieder die „Schwachheit und Armuth selber, daß ich Mit- „ leiden mit mir selber sollte bekommen, wenn ich „dabei börste stehen bleiben. Aber dem HErri, „sey gedankt, daß er mir solches nicht lange zu- „läßt, und öfters ein süßes Mitwohlgefallen „in mir erwecket, an dem, was er ist, und daß „er es allein ist." Den Uten Oetobr. 1746. „Alles, was in mir ist, neiget sich zur Ab. »gefchiedenheit, Stille, Bildlosigkeit und Einig- „keit, in und mit GOtt. O das beißt Leben, »so leben zu können! Da, deucht mich, ist mein „Plätzchen, meine Speise, das Ziel meiner Be- „rufung, um von allem ausgeleeret, und abge» „schieden, einsam mit dem GOtt im Geist leben „zu können, alles, was von dem Menschen ist, „ruhen und schweigen zu laßen, um GOtt und „dem Göttlichen Raum zu geben, welches allein „Wahrheit, Kraft, Leben und Seligkeit gibt. „Wie theuer sind mir die Augenblicklein, die „mir dazu übrig bleiben! Allein es ist, als ob „man mich meine Speise nicht mit Ruh und „Frieden genießen laßen könnte. Indem ich an- „dern etwas gebe, oder vielmehrzugeben scheine, „ists, als ob ich zuweilen auch ein Bröcklein mit „empfange. Ich weiß wobl, GOttes Wille muß „und kann meine Speise seyn: wo habe ich aber „den Willen GOttes? Ich will sagen, den Willen „GOttes sehe ich nicht allezeit; im Gegentheil „steigen wohl manchmal die Gedanken in mic „auf: Ob so ein Mensch, wie ich bin, wohl „recht daran thut, daß er seine Zeit so für an. „dere anwendet? Doch ich bin meines Klagens „auch schon müde, und hoffe, daß ich euch da» Sweit. H. UI. Th. (e) „durch Lü Lebensbeschreibung „durch bewegen werde, mich dem HErrn in eu- „rem Gebeth so viel mehr aufzuopfern, daß ich „ihm nur in allem gefallen möge; denn anders „begehre ich nichts; ja ich sage noch einmal: „Anders begehre ich nichts, als GOtt zu gefallen, „GOttes zu scyn, und GOtt zu leben in Zeit und „Ewigkeit. Und dieses will ich lieber mit aller „Last, Schmerz und Ungemach, als für mich sel- „ber zu leben, und alles Vergnügen und Ruhe „zu haben, wenn solches möglich wäre. Ich „mache keine Ueberlegungen darüber, ob dieses „wahrlich und lautcrlich bei mir so zum Grunde „liegt, und ob nicht noch ganz was anders „darunter stecken kann? Dieß alles befehl ich „GOtt, von welchem allein mein Heil ist, und „mein Geist breitet sich im Wohlgefallen dar, „über aus, daß allein von ihm und in ihm das „Heil und die Herrlichkeit meiner Seele ist, „Amen! O laßet unS nur auf Gnade fortwan- „deln, als einfältige Kinderchen, und dem „HErrn thun, was uns vor die Hand kommt, „ohne viel nach uns selber, und nach unserm „Thun umzusehen." Den ;ten Octobr. 1748. „Ich wünsche zu leben und zu leiden nach „dem Wohlgefallen GOttes. Ich weiß mich zu „erinnern, daß ich leiden konnte, so zu reden, „wie ein Held; itzt aber muß ich es machen, wie „ein Kind, das auch wohl einmal, jammert und „weint, wann es Pein hat, und das kein Bild „hat von der Geduld. Und wann ich so ganz „schwach im Haupt bin, dann weiß ich manch- „mal nicht, wo ich mit meinem Gemüthe bin, „sondern ich muß so natürlich hin leben. Bisweilen werde ichs wohl gewahr, daß ich in „ einer guten Hand bin; die meiste Zeit aber weiß „ich nichts davon, wiewohl ichs auch alsdann „nicht anders sollte wollen. Ich weiß nicht, „daß ich einige- Gesuch mehr auf Erden habe, „oder ZW »in»!« «Mi dik !>U' «Bl!», s Bi !n,ßs! !> »ich l -Zn kill, !ki >«!t d«i>4 >«A>: Hüll! M sßii -,i>: !»tl! M lr >j, Mi» )!» ÄIIÜ »skl» ««i! M >M< !-,»! I!I>»! !>«^ s«j« I»i tz!« S>t! di,^ ,N«' des sel. Gerh. Tersteegen. 67 „oder auch einigem Gesuch Play zu geben be- „gehre, als dem vom Paulo 2 Cor. 5, 9. wie- „wohl nicht in der Vollkommenheit Pauli, näm- „licht GOtt nur wohlzugefaUen, es sey, daß „ich daheim tun, oder walle. Bei welcher „Gelegenheit ich sehe, daß es auch eine heilige „Ambition oder Ehrbegterde gibt. Denn das „griechische Wort heißt: wir sind sehr begierig „daheim sey.nd, re. oder nach dem Buchstaben: „Wir sind amdirieus, daheim siycn-d, oder rc. „Die Eigenliebe denkt: Was kann ich mehr, als „in dem Himmel seyn? und will denselben nicht „gern zu theuer kaufen; aber die göttliche Liebe „beäuget einen solchen Himmel nicht. GOtt „wohlgefälligzu seyn, ist ihr Himmel, ihre Ehre „und ihre Herrlichkeit. Di/ß ist es eigentlich/ „was die göttliche Liebe, ihrer Art und Natur „nach, beäuget, und die heilige Ambition dieser „Liebe stößei sie beständig sanft aber doch kräftig „an, dem HErrn immer mehr Und mehr zu „gefallen, und weiß in Zeit Und Ewigkeit von „keinem größern Glück, noch Ehre, als ihm „zu gefallen, Man sey daheim, oder walle. „ „O HErr gib uns diese deine Liebe, und „ „gib sie nns lauterer, damit wir dir würdig- „ „lich dienen, und nicht, wenn wir uns selbst „ „fest halten, dich und deinen göttlichen Frie- „ „den entbehren mäßen! Amen."" Den l4ten Aug. 1750. Vertrauen auf GGtk. Unser Seliger hatte zugleich ein festes Vertrauen auf GOre. Folgende Briefe können davon Beweise geben. «Nach dem Inwendigen (schrieb er einmal) „lebe ich so auf GOttes Gnade hin, Ich muß „nichts wollen, und nichts machen, und GOtt (e) 2 mit 68 Lebensbeschreibung „mit mir walten lassend, so kindlich zufrieden „seyn. Alles Sehen auf mich selber, macht „mich verwirrt; oder ich muß von GOtt darauf „gebracht werden. Es iss sonderbar, daß man „so nichts, und so elend seyn, und doch dabei „so auf GOtt Vertrauen kann. O das gute „Wesen! O die wesentliche Güte! Uns liebend „sicht er nicht das Unsere an, und ihn liebend, „will er auch, daß wir uns selber vergessen sol- „len. Er ist das Ganze, das uns ruhig und „selig macht. Zu einer Zeit laßt er uns, uns „selber sehen und fühlen. Zur andern Zeit läßt „er uns sehen und erfahren, was er uns ist, „und ln uns thut. Und noch zu einer andern „Zeit halt er seinen Weg, und sein Werk in „und über uns, vor unfern Augen verborgen, „uni uns zu vcrcinfältigen, zu reinigen, und „zu machen, daß wir nichts als ihn anschauen „und uns gründlicher in seine Hände los laßen." Den zten Decembr. 1745. „Alle Wahrheit werde je langer je mehr „Wahrheit in uns, nach unserm Maß, und „nach dem liebenswürdigen Vornehmen GOttes „in Christo über uns! Ich mag so elend seyn, „als ich will; so muß ich doch bekennen, daß „ich je länger je mehr etwas darinnen sehe, „und bisweilen sollte ich wohl sagen schmäcke, „das so überschön, erwünscht und selig ist, „darin nämlich: daß unser großer Erlöser es „so allmählig mit seinem Weg über uns dahin „zu lenken weiß, daß der Kreatur so alles ab- „genommen, und GOtt gegeben wird, und „daß so aller Grund zum Vertrauen und zur „Erwartung in uns weg falle, und GOtt so „bloß, allein unsere Stütze, Erwartung und „ewiges Heil wird. Wie ist das nicht so gut! „Wie sehr muß das nicht unserm Herzen wohl- „gefallen! Könnte man einen Grund in sich stl- „ber M" Mrk I! ! Mlilj «Msch «Nest» ,«lisch chk, El «di!«, >Ä!kj! des sel. Gerh. Tersteegen. 69 „ber finden, (das doch nicht möglich ist) so sollte „man billig wünschen, daß er umficl,umdas Glück „zu haben, aufGOtt allein zu vertrauen. Die „Seligkeit wirklich als ein Gnadengeschenk zu „empfangen, das deucht mich, ist erst Selig- „keit. Aber mein GOtt! wer verstehet dieß, „ob mans gleich meynet zu verstehen? Was „uns betrifft, die wir in unserm Maß dieses „wissen, daß der Weg GOttes, der uns dazu „bringt, nicht allezeit nach unsern Gedanken, „und nach unserm Geschmack ist: 0 wie sollte „uns das nicht verpflichten, uns nur so blind, „bloß und ohne Vorbehaltzu überlaßen, und „ohne nach unS umzuschen, unsern liebsten Hei- „land mit uns walten zu laßen. Nun er muß „es geben, und er wird es ausführen, wozu „wir von ihm berufen sind. Gesegnet sey sein „Name in Ewigkeit! Amen." Den i7ten Nov. i7;o. „Mich deucht, das Kindlein IEsus ruft „uns liebreich zu sich, uns seine Fülle zeigend, „und gleichsam fragend: Ob nicht genug in „ihm zu finden sey? O könnten wir das um- „her sehende Auge besser schließen, und uns „loslaßen, ja uns selbst und allen Dingen „entsinken! so würden wir in der nackten „Unschuld des Glaubens gar bald ein anderes „Wesen finden, und durch nichts in uns selber „zu sehen, noch zu finden, als Armuth und „Mangel, unsere Lust an dem HErrn haben „können, in welchem wir alles, was unser „Herz wünschet, haben würden, und welchem „wir auch so unbekümmert unsere Wege befehlen können. Psalm Z7. Doch ihr müßt euch, „meine liebe Schwester! aus diesem meinem „Schreiben kein so schönes Bild von mir „machen, als ob ich es immerdar so gut, und „so im Ueberfiuß hätte, und allezeit im Genuß (e) z „stünde. Lebensbeschreibung „stünde. O nein! daß wisset ihr auch wohl „besser. Doch habe ich es, GOtt Lob! gut „genug, auch wann ich nichts habe. Ich kann „auch nicht sagen, daß ich so sonderlich viel „Genuß hier auf Erden verlange. Mein tägliches Brod ist mir genug. Ich weiß doch, „sGOtt sey ewig Dank!) daß ein solcher GOtt „ist; ich weiß, daß er der GOtt unsers Her- „zens ist, und daß in ihm alles ist. Darum „kann ich mich öfters so unschuldig erfreuen, „als ob daS alleS meine eigene Reichthümer „wären, von denen ich weiß, daß sie der HErr „ besitzet, und welche ich ihn auch am liebsten will „besitzen laßen; ja ich preise andern, in den Gelegenheiten , diese Reichthümer so an, daß sie „mich ohne Zweifel für einen reichen Mann „halten werden, da ich doch so bloß und arm „bin; ja ich mache mich manchmal wohl selbst „noch armer, wann ich mich nicht einfältig „genug vergessen kann, denn auch dieses habe „ich nicht in meiner Macht. Ihr verstehet „mich wohl, und werdet mit den andern lieben „Kindern, doch nicht vergessen, mich dem „HErrn aufzutragen, der ich solches auf alle „Weise so nöthig habe. Ich vereinige mich „aufs neue, sowohl mit euch, als auch mit „den andern, die ihr kennet, in diesem neuen «Jahr, und kann besonders von euch, liebe „Schwester! mit dem Apostel sagen: Ihr ftyd „in unsermHerzen, um zusammen zu leben und „zusammen zu sterben. Amen! HErr JEsu, „halt' uns noch ein wenig fest!" Den ziten Dec. I75Z- „Ich bin schwach, aber der HErr ist stark, „und kann es auch, nach seinem Gefallen, in „uns seyn. Mich deucht, cs schickt sich am „beßten, und istunser rechtes Plätzchen: schwach „seyn, arm seyn, nichts seyn, damit sich unser „Alles § On st ,U«»! i ", ,lW! »El i» des sel. Gerh. Tersteegen. ?r „Alles beuge in seinem Namen, der allein kann „sagen: Ich bin. O daß wir nur ihn anse- „hen, und in ihm unser Wohlgefallen und un- „sere einzige wahre Ruhe suchen möchten bis „in Ewigkeit!" Den raten Aug. 175z. Geistes Armuth. So vielen Reichrhum Tersteegen in GOre fand, so viel Armurh fand er in sich selbst. Verschiedene vorhergehende Briefe zeigen es schon, besonders folgende: „Ich weiß nicht, wie es mit mir ist. GOtt „läßt mir nicht das Mindeste mehr übrig, wor- „auf mein Fuß ruhen könnte. Ich will sagen, „daß ich mich so in nichts mehr mit Lust oder „Leben fest setzen kann. Ich muß so schweben. „Ich habe, wie es scheint, so keinen festen „Stand, noch einig festes und gesetztes Werk. „Ich muß nicht weitersehen, oder denken, als „wo mein Fuß stehet. Ich werde so fort ge- „ schleppt. Ich bin voller Elend und Gebrechen; „es wird mir aber, so zu reden, keine Zeit „gelaßen, um darnach umzusehen. Ich will „wohl dem HErrn dienen, und ihn vergnügen; „wie fern es aber die lautere Wahrheit ist, „weiß ich auch nicht, rc. Sehet, liebe Schwe- „ster! was für einen wunderlichen Weg ich „habe, und wie nöthig es ist, daß ihr und „andere für mich bethet. Man stehet mich für „einen ganz andern Menschen an, als ich bin; „doch GOtt weiß es, der nur alles zu seiner „Verherrlichung wolle ausschlagen laßen." Den i;ten Aug. 1749. „Ich kann übrigens nicht anders sagen, als „daß mir der HErr gut gewesen, und noch „ist, indem er mir durchgehends die Gnade „verleihet, daß ich mich selber, alseine nichts (e) 4 „nützige >?2 Lebensbeschreibung „nützige Sache, so kann da laßen, und vorbei >2 „sehen, und durch ein wahrhaftig und ruhiges „ Zustimmen in mein Nichts mir selbst gleichsam ^ „entkomme, mit einem unschuldigen Wohlgefal- > F , „len darinnen ruhend und zustimmend, daßGOtt , „der GOtt ist, der er ist. O daß ist einess „große Sache, eine so wichtige, so anbethungs- „würdige Sache, die so ganz allein, und alles „in allem so vollkommen sättiget, und befrie- „diget! Meine liebe Schwester! wie sind wir „so arm, nichtig und verdorben m uns selber! „Wer sollte es glauben? Und wer sollte das „Gesicht davon ertragen können, wenn GOtt M „nicht ein Glaubensgesicht (ohne Gesicht) von F!« „ihm selber gäbe, welches das andere Gesicht > „gleichsam bedecket, und alles überflüssig gut chD „machet? Man mag es besehen von welcher H«»l „Seite man will; so ist die Ruhe und der feste „Grund, da man auf bauen und vertrauen „kann, nur in GOtt, und ewig in GOtt. .mi! „Wenn wir durch herzliche Zustimmung in un- Mi „sere Armuth, ihm wahrlich die Ehre geben, o Ms „dann ist sein Schooß offen, auch für die Al- ' „v" „ lerelendeste. Herrlichkeit sey unserm GOtt in H „alle Ewigkeit, Amen!" Den zten Decembr, „Ach, ich habe.das nicht, liebe Schwester! „was andere meynen daß ich habe, und wenn „ ich es ja habe, (welches bisweilen so seyn mag) „dann ist es bloß für die Zeit; vor und nach „ bin ich ein armer Mann, der nirgend was „ in Vorrath hat; und noch nicht allezeit ein armes „Rind, sonst würde ich weder wünschen etwas «zu wollen haben, noch auch was davon zu „wissen. Nun aber bin ich in den Gelegenhei- „ten, noch nicht allezeit so ruhig dabei, son- „dern will bisweilen noch gern ein wenig vor« „aus «W«! «ink> des sel. Gerh. Terstccgen. 7g „aus sehen. Doch auch dieses wolle der HCrr „zu meiner Vernichtigung dienen laßen!" „Ich wünschte sehr, niemals einige Sünde „oder Untreue begangen zu haben; doch von „hinten nach, und nachdem ich die Versöhnung „in Christo gefunden, müßen mir meine Sün- „den und Untreuen (die ich verabscheue) nur so „viel mehr zur Verherrlichung GOltes und sei- „ner Gnade dienen. Ich habe handgreifliche „Ursachen, mich selbst zu vernichrigen, und „ mit Wahrheit zu bekennen: Niemand ist gut als „GGtt. Ich habe handgreifliche Beweggründe „mich selbst zu verlaßen, und mir selbst zu „entsinken, um nur in IEsu erfunden zu wer- „den. Ich habe handgreifliche Ursachen, in der „größten Blöße und Ärmuth des Geistes (folg- „lich auch so viel lauterer) zu GHtt zu na- „hen; mehr, als wenn ich mich eines ganzen „Registers von Treue und Tugenden zu erinneren wüßte.-O! der Reichthum und die „Kraft von IEsu Verdienst und Blut werden „selten so erkannt, wie sie erkannt werden sollten." Den iten Nov. 1754- „Man glaubt es nicht, wie bedeckt und „leicht wir in Zeiten von Licht, Kraft und empfindlichen Mittheilungen ein wenig in uns „selbst hangen bleiben; und das ist es eben, „wovor ihr, mit mir, bange seyd, als vor „dem größten Uebel, denn wir sehen unser Heil „in der Verherrlichung GDtles allein. Der „erste von denen Namen, welche dem HErrn „IEsu, Ies. 9,6. beigclegt werden, ist Wunderbar, und so ist auch seine Führung. Um „uns zu dem eben gemeldten Heil zu bringen, „entblößet er uns öfters, nachdem er uns fest „hat, von Licht, Kraft, und von dem so gewünschten herrlichen Gut, damit wir es lau- „terer in ihm sollen suchen, unS erfreuend in (e) 5 „unserm 74 Lebensbeschreibung „unfern, Nichts, und in seinem Alles. Darun, „muß die Seele alsobald von sich selbst aus. „gchcn, damit sie in dem Vergessen ihrer selbst „Ruhe und Frieden finde." Den loten Jan. 1755 - „Unsere beiderseitige Vereinigung und Gemeinschaft imG'st ersetzet dasjenige, was in „der schriftlichen Gemeinschaft eine zeitlang ab- „ gegangen ist. Oja! sie war mir genug und „erquickte mein Herz. Ich fand, und finde euch, „liebe Schwester! sehr nahbei, und sage euch „bisweilen viel mehr, alS Zung' und Feder soll- „ten ausdrücken können. Ich kann auch nicht „denken, daß der HErr eurem Geiste nicht bis- „ weilen etwas davon überbringen, und euch „mit mir zu GOtt naben. GOtt anbethen, „GOtt verherrlichen, GOtt lieben, und in den „Abgrund seiner Gutheiten verlieren machen „sollte, ohne Umsehen nach unfern größten Un- „würdigkeiten; nach Unwürdigkeiten, diemir „alS ein Abgrund Vorkommen, und die, wenn „ich sie nicht in GOtteS Gnadenljcht ansähe, „mich würden scheu machen können, mit GOtt „und seinen Kindern so gemeinsam umzugehen; „die mir aber von der Seite her gewünscht vor- „ kommen, weil ich sie zur Vernichtigung und „Entblößung so dienlich finde. Eine Gestalt, „die unumgänglich nöthig ist, um wahrlich zu „GOtt nahen zu können, wie man zu ihm na- „hen muß. Je ärmer, vernichtigter und entblößter, je ruhiger, freier und lauterer kön- „nen wir uns mit GOtt und seinen Kindern „vereinigen, und so viel fähiger sind wir der „göttlichen Gunst und Gnade. Mir wurde „einmal ins Herz gedrückt: Romm als ein „ nackkesLindlein.dann wird dich mein Schooß „aufnehmen. Die Eigenliebe macht, daß wir „vor der Entblößung und Vernichtigung bange ,> sind. .iE Uls litt! FI«- ZN .Ulli Z« ^ Zßl «litt V ,mil l !,««i i «N« «iß.! «Mzi .»SSl, slnj i k»>,, »Ä! ,s» 75 des fel. Gerh. Tersteegen. „find, und stellt sie uns schwermüthig vor; sie „ist aber nichts weniger als das; sie hat ein „freundlich, liebreich Wesen, so bald man sie „aufnimmt; sie ist aber und macht auch sauer- „ sehend und schwermütbig, so lange man sie „nicht einlaßen will, und ist gar öfters die Ur. „fache vieler und langwieriger Leiden. Christus „hat sich selbst vernichtiget, Phil. 2. Wir kön- „nen uns nicht selbstvcrnichtigen, sondern mü- „ßcn uns vernichtigen laßen. Christus Vernich- „tiget auch uns durch seine Führung, und durch „seinen Geist, und macht uns also GOtt an- „ genehm durch und in ihm. Dieses kann für „die Elendesten ein großer Trost seyn, weil sie „nur als Elende nahen dürfen, um Gnade und „alle Tugend von GOtt zu empfangen. Ja „selbst denen, die bereits etwas, oder auch viel „ empfangen haben, muß die Oernichtigung und „Entblößung, die JEsus in ihnen wirket, sehr „theuer und werth seyn. Denn dadurch wer- „den sie wahrlich groß gemacht, 2 Sam. 22, zü. „ihre Gemeinschaft mit GOtt wird dadurch „mehr gegründet und lauterer; und sie lernen „aus Erfahrung, ihre Knie beugen in dem „Namen JEsu, das ein Anfang der Seligkeit „ist. Wir mäßen alle gegenwärtige und ver- „gangene Sünden und Untreuen, und üher- „ Haupt alles Löse, aufrichtig verabscheuen, „nach der gründlichen Freimachung davon sehn- „lichst verlangen, und der Heiligung mit Ernst „nachjagen, denn ohne diese werden wir GOt- „tes Angesicht nimmermehr schauen. Aber wie „froh bin ich nicht, daß bei Untersuchung deS „Guten und des Bösen, das ich sehe, der „Schluß der Rechnung dieser ist; Daß, wann „wir mit allem, was in, uns ist, in unser „Nichts gekommen sind , wir die Ehre und „Herrlichkeit allein unferm GOtt, durch JE- „sum Christum geben werden. Ja Amen! 76 Lebensbeschreibung „OHErr! denn dein ist das Reich, und die „Kraft, und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen!" Den i2tcn Sept. 1755. Demuth. Seine Geistesarmut!) setzte ihn in den Stand, um in wahrer Demuth zu wandeln. Er war ungezweifelt, sowohl schriftlich als mündlich, vielen Seelen zum größten Segen. Gleichwohl nahm er sich dessen so wenig an, daß er in seinen ersteil Jahren einst aufrichtig bezeugte, es sey ihm noch niemals in den Sinn gekommen, zu glauben, als ob G«Vrr ihn zum Dienst anderer gebrauchen wolle; nur von einer gewissen Person, die ihn niemals gesehen hatte, und wohl dreißig Meilen von ihm entfernt lebte, that er einst den Ausspruch: Sollte ich jemalen von GeDer zu etwas gebraucht worden stpn, so müßte es an dieser Person geschehen sepn. Wie ihn einmal jemand für besonders fromm ansah, und einen ruhmvollen Ausspruch von ihm that; antwortete er: Ich habe nörhig in eine Hütte sitzen zu geben, und meine Sünden zu beweinen. Eine solche ungeheuchelte Demuth bewies er, ohne die mindeste Verstellung, mit einer ihm ganz eigenen Aufrichtigkeit, bei allen Gelegenheiten. Wann er in Gesellschaft erweckter Seelen war, so pflegte er wohl beim Abschied zu sagen: Rinder! wann ich unter euch sitze, so ist es mir so, als ob ich dessen nicht werrh sep , und also V" iriis wj isl Mi WM > «m U «!«! »ilf »!>! !§ «1 Ml»! «Wi 7 ? des fel. Gerh. Tersteegen. ^ also muß es euch auch werden. Da er einst in Holland in einer Gesellschaft von verschiedenen Freunden war, von welchen einer, der seiner Gottseligkeit wegen sehr be- rühmt war, ihm vieles erzählete, von seinen A, gehabten Verfolgungen, schweren Proben, I «K und eigenen Erfahrungen, rc. so antwortete M ihm unser sel. Tersteegen mit großer Sitr- ST samkeit: Har man dann schon vieles er- l>I>ch fahren und geschmückt, und ist man be- !>si» reiks viele Prüfungen durchgegangen: so , «>! muß doch endlich nichts anders, als ein brw klein, nackend und unschuldiges Zxindlein chi, daraus geboren werden. Auch folgende «i! sanftmuthsvolle Antwort, die er einem ge- khiil wissen Freunde gab, der ihn einer Parteilos lichkeit, Eigenliebe, und Selbstgefälligkeit ckn beschuldigte, wird den unparteischen Leser sattsam überzeugen können, wie klein und d ßi gering er, bei allen empfangenen Gnadenga- lch den, in seinen eigenen Augen war. Die M Antwort ist diese: ,,Jch gestehe in aller Einfalt D „vor GOtt, daß ich von Eigenliebe und Selbst- M „gefalligkeit mich nie so rein geglaubet und be- „kannt habe. Es würde mir aber wehe thun, „wenn ich etwas dergleichen sollte hegen, so sub- „til es auch immer seyn möchte. Ich weiß, mir , „fehlet noch vieles; ich gebe mich auch gar nicht M „dafür aus, wie du meynest, daß ich in der „Armuth des Geistes so gegründet wäre, ob ich ü , „gleich den Sinn aus Gnaden erlanget habe. ^ „Und darum glaube mir, daß dein jetziger Wunsch, jk „daß ich möge heran wachsen zu einem vollkom- >«! „menen Wanne, vielmehr nach meinem Herzen ->sky 78 Lebensbeschreibung „sey, als wie du mich fast für einen Mann und „Vater zn halten scheinest, so mir GOtt Lob! „noch nie eingefallen, mich dergleichen etwas an, „zumaßen. Sollte dir etwa dieses, was ich hier „schreibe, als eine affecrirte Demuth Vorkommen, „so muß ich dabei stille seyn, und mich damit „vergnügen, daß mich mein Herz vor GOttes „Angesicht darüber beruhiget, daß ich wahrlich, „und also nach der Wahrheit von mir denke. „Mein GOtt! du weißt es, daß ich mich für „ein armes, schwaches und gebrechliches Rind „erkenne! Es sey mit jederzeit lieb, wann „mich auch andere also erkennen, und nichts „von mir halten. Ob ich aber gleich ein sol> „cher bin, als mich deine Augen sehen: so hast „du mir dennoch gegeben, daß ich dich liebe, „ob gleich viel weniger, als ich sollte, und „unendlich weniger, als du liebenswürdig bist; „daß ich dir traue, daß ich dich und deine „Wahrheit in deinem Licht erkannt habe, und „in dir allein alle meine Seligkeit sehe und „setze- Ist dieses nicht schlecht und recht also „Wahrheit in mir ! O du Prüfer der inner, „sten Winkel meines Herzens! Noch eine Probe seiner Demuth, in einer sicheren Antwort, die er auf die Frage: Ob man alte und erfahrne Frommen, Vater und Mutter nennen dörfe? gab, schreibt er unter andern: „Daß man aber mich biswei- ik HM! 'Ml Wi >l>!, ,»«k „len ganz unverdient Vater nennet, hat mir im- „mer von Herzen mißfallen, und mich vor GOtt „gebeuget." Bei einer andern Gelegenheit sagte er: „Ich achte es mich von Herzen unwürdig, und „es beuget mich, wenn ein Kind GOttes mich „Bruder nennet, geschweige, daß ich den Vater- „namen begehren sollte. >!>t! Ki! ZjW .Uhq> ,Wi!> -Mi km ,d>> - «Mi Eifer 79 des sel. Gerh. Tersteegen. ^ Eifer in dem Lobe GOttes. »/„, Alle Ehre gab er GOtt allein; ihn zu ^in loben, seine Größe, Herrlichkeit, und Allge- nugsamkeit zu erbeben, war seine Belustigung, > ja seine rechte Speise. Wo er nur münd- A lich oder schriftlich von ihm zeugen konnte, sj da unterließ ers nicht. Er hätte zwar hierin in gerne noch mehr gethan, als er that: allein seine kränklende Leibesbeschastenheit, und m« andere Umstände erlaubten es nicht. Es ist iü1> merkwürdig, was er hievon in einer tzL Vorrede zu dem Lied: GOrc ist, GOre ,iid! »st, Halleluja, rc. selbst sagt: „Ich habe in WS „meinem kurzen Lauf viel Großes von GOtt aus >bßi «Gnaden erkannt, und von ihm unterm Kreuz -m «diel Gutes erfahren Merkts: aus Gnaden. ^ «Deßwegen lag mir, seit mehr als zwanzig Iah- M «ren, im Gemüthe, daß ich noch gerne, vor mei- ^ „nem Hingang, meinem GOtt ein hundertfältiges M, «Lobopfer bringen möchte, für alle mir zu erbli- ,,cken und zu erfahren gegebene Barmherzigkeiten. «Ich dachte nämlich hundert Loblieder zu verfer- ! «tigen.-Allein, manche andere Arbeit und M „mein kränklendes sechs und sechzig jähriges Alter M «benehmen mir die Hoffnung, auf dieser Seite M «der Ewigkeit, an dergleichen weiter zu geden- ^ «ken. - Mit dem Lobe dieses großen GOttes, „wünsche ich hier mein Leben zu beschließen, .« „und erwarte von seiner Barmherzigkeit eine «unendliche selige Ewigkeit, diesem meinem GOtt, ..... „meine Gelübde vollkommen bezahlen zu können, „und mit den verklärten Heiligen ihn mehr, als /" I „ ein hundertfältiges Lobopfer zu bringen. Amen! « «Halleluja!» Er 80 Lebensbeschreibung Er sagte einmal zu einer Freundinn: „Die größeste Gnaden und Mittheilungen GOt- „tes, hätte er durchgängig in Krankheiten , und „sonst in äußern und inneren Verlaßungen empfangen," und wie diese Freundinn ihm einst erzählte, daß ihr oft die Zeit der Absonderung im Gebelh so sehr schwer fiel, als wenn sie auf einem Kampfplatz wäre, so thak ec ihr diese nachdenkliche Frage: Daß die Engel GOrr loben, ist das was Großes? Sie antwortete: Nein, denn wann wir an ihrer Stelle wären, so würden wir es auch so machen. Das meyne ich auch, erwie- derte er; aber daß Hiob auf seinem Misthaufen saß, und GDrr lodere, das war was Großes, und dieß Lob gefiel ihm besser, als aller Engel Lob. Geduld. Zu seiner vorhin gemeldten Demuth mag man mit Grund seine ausnehmende Geduld im Leiden, seine Sanftmurb und Friedfertigkeit gegen Widerwärtige, seine Trag- samkeir und Mirletden mit Gefallenen, hinzu fügen. Zur Ausübung der Geduld ward ihm beständig Gelegenheit gegeben. Aus dem was vorhin schon gesagt worden, und aus seinen Briefen erhellet genugsam, daß er von Jugend auf mit vielen Krankheiten und Schmerzen beladen gewesen: besonders ward er damit in den letzten dreißig Jahren befallen, wobei ihn die vielen Geschäffte, z. E. die Bedienung der Patienten, Abwartung der W Ml" !.Wd!» >m km i-j I .i» i »> «I hH Ml, i Hlcklß 'Hl I« '»! spei H^lii des fel. Gerh. Tersteegen. 8r der Besuche, der häufige Briefwechsel, nebst « allerhand Verdrießlichkeiten so dabei vorfie- len, wohl am meisten drückten. Kurz, sein M ganzes Leben war nichts anders, als ein M beständiges, und sehr schmerzhaftes Krän- keln. Nur einige Proben davon : „Heute acht l,.,, »Tage, (schreibt er an einen Freund) bekam ich „einen Fluß ins Haupt, der sich ganz fest setzte, kA- „an der linken Seite in, hinter, und um das chi! »Ohr, mit so empfindlichen Tag und Nacht an- M »haltenden Schmerzen, daß der Kopf sich davon KM „augenblicklich zückte. Ein Fieber kam mit dazu; »ich mußte liegen, und konnte doch nicht. Nach » „ein Paar Tagen kam ein starkes Laxiren, der ch>!» »Fluß senkte sich auf den Hals und die Brust, « „und ich mußte sehr husten, welches für daS ihn »Haupt und den Leib sehr peinlich war. Das „Ende der Klaglieder ist: Heimkommen." Ein anders Mal schrieb er an einen Freund also: „Am Freitage, frühe vor Pfingsten, mußte M „ich einen nöthigen Brief schreiben, worüber ich Mi »am Haupt und allen Gliedern ganz zitternd „wurde. Abends kam ein Fieber, und starke ss« »Gliederschmerzen. Die Nacht aber setzte es sich ^ „zur völligen Gicht in das dicke der Beine, so, „daß ich vor empfindlich brennenden Schmerzen Ni! „nicht zu bleiben wußte, mit dem größten Eckel M „vor Speise und Trank, rc. dennoch mußte ich „vier Freunde aus Cr. und drei aus E. vor mich E „ans Bette kommen laßen. Gelobet sey GOtt, ll" „der bisher geholfen! Ich habe nicht gelitten als >1M „ein Held, sondern als ein Schwacher. Nun „muß ich aufhören, der matte Schweiß leidet ^ „nicht mehr, rc." i Zu einem Freunde, der ihn besuchte, sprach Dj kr einmal: „Ich habe einen Ausschlag über den yx Zweit. V. UI. Th. (f) „ganzen Lebensbeschreibung „ganzen Leib, der Rücken ist mir ganz wund, „daß das Hemd daran kleben bleibet, und sonst „habe ich einen Schaden, woran ich sehr große „Schmerzen leide." Der Freund, dem er dieses erzählte, ward sehr geruhret und mitleidig. Er sagte aber: Der alte Mensch bar geständiger, und deswegen muß er leiden. Inden letzten Jahren konnte er, wegen großer Schwachheit des Magens, die Speisen dermaßen übel vertragen, daß er sagte: Ich werde rraurlg, wann ich höre, daß sie mir Essen bringen, »ndem mir die weicheste Speisen viele Beschwerden tick'"' As« tzM Z>W M und Leiden machen. Außer seinen Leibesbeschwerden hatte er in seinen spatem Jahren auch sehr vieles zu leiden, sowohl von der Welt, die ihn verspottete und lästerte, als auch von Freunden , deren Unvollkommenheit GOtt gebrauchte , um ihn vollkommener zu machen. Dem einen that er zu viel, dem andern zu wenig; noch andere beneideten ihn, wegen seiner Gaben, und daß er von so vielen Menschen geliebet und geehret wurde. Das alles aber trug er, mir einer sich recht auszeich- nenden Geduld; wann er von den heftigsten Schmerzen angegriffen wurde: so trug er dieselbe so gelaßen, daß man kaum merken konnte, daß er damit behaftet war. Ja er bewies in Ausübung der Geduld eine solche Tapferkeit, daß er in heftigen Zahnschmerzen einst sagte: Er habe Geduld nökhig, und MD lljjllljll MD >:<> Kilt «ml MH Hk jch P ll!!li k IltzlI 2»!. K ,«kkdl! des sel. Gerh. Tersteegen. 8 Z ldl» likllsj >uß II llk II, >k, 8 i hiljc hin, n U 'tltt leö!» 1 W i»- l p W »kff D Miic Z-° und dennoch das Lied sang: Nur frisch hinein, rc. Tragsamkeit und Mitleiden mit Gefallenen. Von seiner Geduld, Tragsamkeit und Mirleioen mit Gefallenen , erzählet ein Freund Folgendes: „Ich hatte schon einige Jahre „im Umgang mit dem sei. Tersteegen, durch seine „süße Gespräche und erbaulichen Wandel, vielen „Segen genossen: aber nach einiger Zeit, ward „ich der Gnade GOttes ungehorsam, so daß „meine Verdorbenheit, und des Feindes List, mich „zu einem schweren Fall brachten. Weil ich nun „den lieben Mann so sehr betrübet, so blieb ich „aus Furcht und Schaam von ihm. Wie er dies „einige Zeit angesehen, ließ er mich rufen. Ich „ging zu ihm, und dachte nicht anders, als daß „ich den herben Verweis von ihm bekommen wür- „de, den ich verdient zu haben vollkommen überzeugt war: allein sein Vatcrherz kam mir mit „der größten Freundlichkeit entgegen, er um- „armte mich in zarter Liebe: wodurch mein Herz „sehr gerührt und zerknirscht, ja tn Liebe und „Vertrauen zu GOtt, und zu dem lieben Manne „aufs neue erweckt wurde. Dabei gab er mir „die nöthige Erinnerung, wie ich mich hinfüe „an der Gnade und dem Gehorsam zu halten «hätte. Nach diesem hielt er eine noch genauere „Aufsicht über mich, bis an sein seliges Ende. «Ein andermal sprach er zu mir, und drei an» „dern Freunden: Rinder seyd vorsichtig! und „meidet die Gelegenheit zur Sünde, riatür- „liche Menschen können sich oft besser mit dem „verstände bewahren, als begnadigte Seelen „durch die Gnade, wann sie die Gelegenheit „nicht sonderlich meiden, denn diesen trachtet „der Feind mehr nach, denn jenen." (f) r Hörete 84 Lebensbeschreibung Hörete Tersteegen, daß hie oder da jemand von seinen Freunden aus der Art schlug, oder einige Untreue in seinem Wandel beging, so verursachte ihm das zum öftcrn schlaflose Nachte, und pressete ihm die wehmüthigsie Seufzer aus. Einstens ließ er sich hierüber also aus: (!) welchen Druck, Angst und Last machen mir die berufene Seelen, welche unrreu vor dem HErrn wandeln! Es gibt mir solche U7orh, daß ich mich oft auf mein Angesicht vor G(!)rr nieder- legen muß. (!) 'wüßten sie es , was es mrr für Leiden verursachet, daß sie so sicher dahin gehen! »kil l° 0 Mid ,Wj! > „Mi, Ganftmuth und Friedfertigkeit gegen Widerwärtige. Mi» .,!« s»z> -jiiich ,II>k» l>! Eben so groß war seine Ganftmuth uiiif.«,»« Friedfertigkeit gegen Widerwärtige; er.>M mußte manchen Widerspruch, Bitterkeit tind,'>M Feindschaft von seinen Gegnern erdulden,!'^ gleichwohl wußte er denselben, wann sie zu ihm kamen, und critisiren wollten, jederzeit mit solcher Liebe zu begegnen, daß sie in sei-'.M^ ner Gegenwart nicht vermögend waren, ei-^,m nige Heftigkeit blicken zu laßen. Er wich zwar, wann es die Ehre G-Ottes, und das Zeugniß der Wahrheit bekraf, kein Haar^"?l breit; GOtt aber schenkte ihm dabei, so.M," viele Weisheit und Sanftmut!) , daß sie, Hz, mehrentheils von der Wahrheit überzeugt,!«^ beschämt, und durch seine Liebe und Fried- '-H fertig- des sel. Gerh. Tcrstcegen. 8; ftttigkei't wirklich überwunden wurden. Man S'kk har noch nie gehört, daß er seinen Gegnern M mündlich oder schriftlich mit Heftigkeit begeg- W net sep. Die folgende Stücke mögen von dem W allen zeugen. Einem Freunde in der Ferne, M- der ihn mit vieler Bitterkeit angefallen hatte, antwortete er unter andern also: Nl>!« „Thue Vas nicht mehr, daß du einen Bru- M „der so anfälleft, und willst, er soll sich vor H «' „Christi Angesicht dermaleinst schämen , solcher „Dinge wegen, die ihm nie in den Sinn ge- „kommen sind, GOtl weiß es! Es ist was „Hartes, was Unbedachtsamcs. Ich wills »erst s „ gessen. Im Namen JEsu, und in dcmüthiger „Hoffnung zu seinerBarmherzigkeitproZnastioire, „oder sage ich dir und mir etwas weit Seli- M „gers vorher: daß nämlich, wenn wir gleich „ hier nicht schriftlich correspondiren, und cin- „ ander verstehen, doch aber einander lieben, ch >!»! „ und dem Ziel unserer Berufung nachjagen, wir j', k „uns bald ohne Scham, mit der zartesten und M.' „unschuldigsten Liebe, vor dem Angesicht JEsu „Christi, umfassen, und einander nicht das Ge- " . ^ „ringste zu vergeben, oder vorzurtickcn haben „werden. Mein JEsu! der liebe Bruder will, M „ich soll mich schämen vor deinem Angesicht, jxjlll „Mein GGkt! mein Heiland! du allein weißt ... , „ es, wie so viele Ursachen, einer gerechtesten „Scham und tiefsten Beugung ich in meinen „vielen Elenden und natürlichen Nacktheit sin« „de, vor deinem klaren Angesichte! Ist dann „nicht meine Sünde und Schande auf dich bli, „gefallen ' Vergönnest du mir dann nicht, auf „dich zu sehen t und mit einer solchen unver- „wirrten und ruhigen Freimüthigkeit auf dich „Zu sehen, daß mein Angesicht nicht zu schan- hg" „den werde t Psalm Z 4 , ü. Herzensfreund! D (s) z »der 86 Lebensbeschreibung „der du meinem Innersten nahe bist, meine „Freude! meine ganze Herrlichkeit! beliebtes Dl ,'^dil , dann laß meinen Sruder zu seiner Le. „rudigung sehen, daß mir d.in Angesicht das „niMt vorrücke, was seine Feder mir vorge. „rücket har. Durchsuße sein Herz mit Gna. „de und Friede, und segne ihn ewiglich. „Amen!" W Da er in den vorigen Jahren einmal in Holland war, lud ihn ein ansehnlicher Freund zu Gast; dieser Freund vermeynte, in einer besondern Wirklosigkeit zu stehen, und criti- sirte daher unfern Seligen über der Mahlzeit, daß er zu wirksam sey, weil er den Grund nicht genug kannte, woraus er wirkte. Ter- stcegen hörete alles gütig und mit Stillschwei- gen^qn; beim Schluß der Mahlzeit that er aber ein herzliches Gebell), worin er seinen Gastgeber dem HErrn in Liebe und Mitleiden anbefahl: und hiedurch ward dieser hitzige und große Mann dergestalt gerühret, und geschlagen, daß er durch Liebe überwunden, unsem Seligen um den Hals fiel, und um Vergebung bat. M US D Ar! «k Üri! ik,d O Ein anderes Mal war er in Amsterdam, in einer zahlreichen Versammlung von unterschiedlichen Freunden, deren ein Theil seine Vertrauteste, die andern aber von einer andern Gattung waren Unter diesen befand sich ein alter gottesfürchtiger Mann, aus welchen viel gesehen ward, und der großen Verstand und Ansehen hatte. Diesem war unsers „d «>>!!« »!t, 87 des sel. Gerh. Tersteegen. 'H unserS sel. Tersteegens Einfalt, kindliches Wesen, und Innigkeit unbekannt und ver- dächtig; er fing deßwegen an, allerhand irr,,^ Fragen zu thun, und Einwürfe zu machen, «»k Tersteegen beantwortete sie kurz, deutlich und W» weislich, und lenkte den Fragenden unvermerkt aus dem Umkreis auf den Mittelpunkt. Wj!.' Endlich beschloß er alles mir einem herzrüh- rFx, den AbschiedSgebeth, und Segenswunsch, so tztz daß ihn alle küsseten, und einen ganz lieb- reichen Abschied von ihm nahmen. gh Umgang mit Seelen, den er nicht suchte, ton- , vern die Abgeschiedenheit liebte. > K W« Bei dieser Gelegenheit wird sich am beß- Ml! ten von seinem Umgang mir heilsbegieri- Dc gen Seelen reden laßen. Man würde ihm M sehr Unrecht thun, wenn man vermuthen MN wollte, daß er diesen Umgang gesucht oder D sich einen Anhang zu verschaffen getrachtet ußi hätte; wie weit er davon entfernt war, läßt sich aus seinen eigenen Worten schließen. Ein gewisser Freund begehrte von ihm, daß er eine liebe Freundin», die er kennen zu lernen D' wünschte, aus der Ferne zu sich kommen >i«f laßen möchte; diesem Freunde schrieb der iM Selige im Jahr 1766. den izten Sept. dieß Uk zur Antwort: 17 )) „Die Schwester N- N- ist mir zwar eine der Liebsten in H., ein edles und inniges Herz; allein ich kann ste nickt hichcr einladen; denn es war mit mir eine ganz andere Zeit, wie (f)4 ,,'ch 88 Lebensbeschreibung „ich fang: Du weißt, wie michs oft erquicket, „wann ich Seelen Hab' erblicket, die sich ganz „ergeben dir. Damals lebte ich incognito, „auch wann ich zufällig in Gesellschaft kam, „und liebte als von weitem, ohne mich aus- zulaßen; da auch von mir nichts erwartet „wurde. Niemals aber kann ich mich einer „Zeit erinnern, da ich Lust oder Leben im Um- „gang und Wirksamkeit mit Seelen gehabt, „wie herzlich ich sie auch liebte. Die lebendige „Erkenntniß eines so allgenugsamen innlgstna- „hen GOttes, gab mir eine tiefe und stäts blei- „bcnde Grundneigung, gerne abgeschieden, und „mit diesem GOtt allein zu seyn. Ich habe, „was ich gethan, so gebrechlich es auch gesche- „hen, nur so, nach dem Leitfaden der gött- „lichen Vorsehung, und vermeyntcr Pflicht ge- „than. Ach! die Geschöpfe hindern uns oft, „und wir hindern sie. Nun bleibet meine „Maxime: Gerne bei den Rindern, am lieb- „sten aber bei dem Vater zu seyn." An eben denselben Freund schrieb er im Jahr 1767 . den zten April: „Diese „Woche Hab' ich schon vier Bcrgische Besuche ge- „habt, und jetzt ist schon etliche Tage ein Freund „aus dem S... lande hier, der ein gutes Ziel „im Auge hat. Das lateinische Sprichwort, „qui bene latuit, bene vixit, (wer wohl verbor- ,D>,. A.kj W, !l«U> ..Wi «tsi W Mli), Süll „gen geblieben, der hat wohl gelebt,) oder ijffU „nach dem Hlumengärtlein, N. z;2. Nicht „gelehrt, und nicdr geehrt, wird mir alle „Tage wichtiger. O wie so viele Zeit undKraft ^ „nehmen uns auch die guten Geschöpfe weg! „Wie so leicht bekommt man selbst Schaden, Ml „auch da, wo man andern denkt nützlich zu NW „seyn! Die Proben und Leiden, so dabei mit „unterlaufen, mögen wohl eine recht dienliche „Arznei, und krselervativ, oder Bewahrungs- „mittel 89 §Sr»; l> Skt«^ !> i«il, -ks-ik M »1^ lV idfti »k HD, jjiD h,B des sel. Gerh. Tersteegen. „mittel, seyn. Der HErr wende alles zum Beß- „ten, und gebe uns einen starken Zug, und „aufrichtige Treue in der Uebung des Herzens? „gebeths, und Einkehr, um den göttlichen Wirkungen und Einflüssen Raum geben zu können, „woraus wir bei guten und bösen Tagen, ganz „allein, Kraft, Leben und Wesen schöpfen „mäßen, rc." Im Jahr 1767. den 6ten März, schrieb er an eben denselben: „Ach GO«! welchen „vorkheil haben diejenigen Seelen, die nur an „dich und sich selbst zu denken haben, und „wie schmutzig wird niche oft eine perle, die „so viel durch die Hände gehet! Doch dein „Wohlgefallen scy unsere Speise, und deine „Liebesnahbeiheir unsere Stärke." k) Was in, diesen Briefen mit Worten gesagt wird, bewies Tersteegen mit der That. Um der menschlichen Anhänglichkeit zu entfliehen, und ihren Umgang zu vermeiden, reti- rirte er sich zur Sommerszeit oft in einen Wald, wo er sich in der Einsamkeit allein mit GOtt beschäfftigte. Er brachte wohl den ganzen Tag in solcher Abgeschiedenheit, die er seine süßeste Zeit nannte, zu, und erhielt sich nur mit einem mitgenommenen Butterbrot». Als er einst mit einem Freunde zu einer Versammlung ging, wo man eine Rede von ihm erwartete, da sagte er zu diesem Freund: (f) 5 Ich k) Man lese hier auch nach, den yösten Brief des isten Bandes, rten Theils, Seite 289. ys Lebensbeschreibung Ich wollte mich lieber vor allen Menschen verbergen, als mich von ibnen seben und hören laßen. Zu einer andern Zeit sprach er: Ich wünschte von Herzen, daß der Name Gerhard Tecjieegen, von allen Menschen vergessen, und hingegen der Name IEsus in aller Menschen Herzen nef eingepräger würde. Noch eine merkwürdige Stelle aus einem Briefe, welchen er an einen H. H. Freund, der ihn der Sectirerei beschuldigte, abge- laßen: Dd jOB! „Daß ich, schreibt er, eine Secte oder einen „Anhang suchen sollte, hoffe ich auch in allen „den Jahren meiner Berufung nie bewiesen zu „haben. Bis nun zu muß ich von allen Seiten „mündliche und schriftliche Klagen darüber hö- „ren, daß ich mich so entziehe. Mein GOtt! „du Licht, daß nicht flattirt, du kennest mich, „ich mißtraue meinem eigenen Herzen in allen „Stücken; vor dir kann und will ich mich nir- „gend rechtfertigen! Siehe aber, was ein Bru- „der von mir urtheilet? Erkennest du es dann „nicht, welch ein empfindliches Opfer es mir so „lange gewesen, daß ich meine Kraft, Zeit, „Gemach, und meine liebe Einsamkeit andern so „hingeben muß? Thue ichs nicht einfältig um „Deinetwillen, so gebrechlich es auch geschehen „mag, und aus Furcht, dir zu mißfallen, wenn „ichs anders machte ^ Suche ich was anders „darunter, als die Seelen dir, nicht aber mir «zuzuführen? Ach so sey es verbannet; ach so „wende alle Herzen in diesem Stück von mir ab, „und laß mich verachtet und vergessen mit dir „allein leben! Denn ich weiß, (ist es nicht „ wahr, Mji lim !> des sel. Gerh. Tersteegen. yl „wahr, mein GOtt?) ich weiß, daß du allein „mir genug bist." I) vielfältiger Zuspruch von Heilebcgierigen. So sehr er indessen aller menschlichen Anhänglichkeit zu entfliehen suchte, so wenig konnte er doch verhindern, daß nicht seine weit um sich leuchtende Gottseligkeit, und vorzügliche Gaben ihm aus der Nähe und Ferne vielen Zuspruch hätten zuziehen sollen. Er bekam Besuch aus der Schweiz, und aus allen Gegenden Deutschlands, aus Holland, England , Schweden, und andern Gegenden mehr. Sein Briefwechsel mit erweckten Seelen, war eben so weit ausgebreitet, und häufig. Aus allen Ständen, von Hohen an bis zu dem Niedrigsten, bekam er Zuspruch, auch von gelehrten und frommen Predigern, deren einige, in wichtigen Fällen und Angelegenheiten sich seines Raths bedieneten. m) Als ein Freund l) Dieser Auszug, nebst denen, die sich Seite 45, 47, ;>, 52, 77 und 85 finden, ist genommen, aus einem einzigen Briefe, von 1750. den 6 ten März. m) Folgendes kann eine Probe seyn: Der Selige ward einmal von einem gewissen frommen Prediger in einer wichtigen Vocsriom-Angelegenheit zu Rath gezogen ; er gab demselben folgende kurze aber sehr nachdrückliche, und für ein willenloses Gemüth ganz entscheidende schriftliche Antwort: „Das Rind heißt Rath. „Kann einer von demselben kein völlig beru- „higendes und entscheidendes kelponfum in „einer zweifelhaften Sache einholen; dann „wähle er das Sicherste, und bleibe bei dem 92 Lebensbeschreibung Freund ihn einmal besuchte, sagte er ihm: Vorgestern kam der Graf von w ... da mit seinem vornehmsten Bedienten und Freund, und besuchte mich incognito. Unter allen denen, die zu ihm kamen, waren aber die liebende, einfältige und kindliche Seelen, die ihr ganzes Herz GOtt ergeben hatten, und ihr Alles für ihn wagen wollten, nächst GOtt, feine größte, ja einzige Erquickung auf Erden. Weil einige Seelen dieser Art in dortiger Gegend wohnten, so besuchte er sie zuweilen selbst, wann sie krank oder schwach waren, erquickte sich herzlich mit ihnen, und hatte an ihnen, noch in seinen letzten Jahren, besondere Stärkung und Freude. Ml Di Kl M W« >r besondere Gabe, zu dcm Umoang mit Seelen. Zu dem Umgang mit erweckten und begnadigten Seelen hatte er eine besondere Gabe von GOtt empfangen. Ein bedrücktes Herz ging nicht leicht ohne Trost und Stärkung von ihm. Er war dabei so klein, so demü- thig, so voller Liebe, daß die Seelen ganz offenherzig wurden, und die Lasten ihrer Sünden zu entdecken, nicht den geringsten Anstand nahmen. Er wies sie hierauf ganz nachdrücklich zu dem Sünderheilande hin, und wußte sie aufs gründlichste zu überzeugen, daß bei demselben und seiner theuren Versöhnung ganz „^xiomnder Juristen und Casuisten r In -lubiis obüinLnMim eü." D. i. wo man keine Gewißheit dal, muß man sich enthalten. W Sri « Ä Ml» EHi «>ü> «W W t i! ßsk »ktz des fel. Gerh. Tcrskeegen. 9Z ^ ganz allein Vergebung und Gnade zu finden sei). Er sagte aber auch: wenn sie gründ- W, lich Friede mit G-Ott haben wollten, so -E« müsiten sie nun auch ihrem Heilande, sei- ik d« «er lockenden und züchtigenden Gnade gehor- sam werden. Sein ganzes Gesuch ging da- , * hin, daß der Geist JEsu in den Herzen Herr- Mil, sehen und leben möchte. Menschenwerk, die llfö Seelen zu bilden und einzuschränken, war M ihm ganz entgegen, so, daß er oft sagte: sie,«- Wer mit Seelen umgehet, muß seyn wie imii ein Kindermädchen, so das Kind am Leit- , band hält, und solches nur vor Gefahr und ihm, Fallen bewahret, sonst aber dem Kinde seinen freien Gang läßet. Fuhren Seelen in ihrer Erkenntniß und in ihrem Wandel zu M. lck«cht darüber hin: so wußte er auch diesen W mit vieler Weisheit und Sanftmuth ihre Or Fehler zu entdecken, und ihnen GOrr und die Heij Ewigkeit recht wichtig zu machen. Wann Mz er in kleinen Gesellschaften kindlich-gesinnter lv und GOtt ergebener Seelen sich befand: so , zq schien er in seinem Element zu seyn. Er war A alsdann sehr liebreich und offenherzig; und nB wenn ihm etwa durch eine Frage der Weg gebahnet wurde: so floß sein Mund ganz , B über von göttlicher Weisheit; alles war volles ler Anmuth und Kraft, auch so gründlich und bündig, daß man auf alles Ja und M Amen sagen mußte. Er unterhielt die Gesellschaft immer mit einem guten und gott- seligen Gebräche, wozu er oft natürliche Dinge, 94 Lebensbeschreibung Dinge, Blumen, Kräuter, Korn, rc. zum Anlaß nahm, die er aufs Geistliche deutete, und dabei oft von recht innigen Dingen redete , wodurch in seiner Gegenwart alle un- nothige Gespräche vermieden wurden. Einige zarte Gemächer, wurden dadurch bewogen nicht in die Gesellschaft zu kommen, wenn er nicht zugegen war. Folgende Erzählung eines Freundes kann noch von seinem Verhalten im Umgang zeugen: „Wenn ich (sagt er) zerstreut zu ihm kam (welches „wohl oft geschehen) so wurde ich durch sein An- „ sehen, welches so ausnehmend, und durch ein we- „nig Stillesitzen bei ihm, wieder gesammelt; und „wenn ich das eine, oder andere auf meinem Ge- „müth hatte, und es ihm entdeckte: so geschah es „vielfältig, daß ehe ich noch von ihm weg ging, „ meine Beschwerden verschwunden ; oder cs wäh- „rete kaum einige Stunden: so ward ich durch die „Fürbitte dieses werkhen Freundes, und durch „GOttes Barmherzigkeit wieder befreiet. Sein „Bechen in Gesellschaften war außerordentlich. „O wie oft ist es mir noch erquicklich, wann ich dar- „an gedenke! Wie so innig, wie so sanft, und „ohne die mindeste Heftigkeit war es! Wie wurde „man dadurch so innigst gefammlet, und so kräf- „tig gestärkt! Ich habe desgleichen die Tage mei- „nes Lebens nicht mehr gehört. Genug! alles, „was man von ihm sagt, reichet bei weitem nicht „zu. Sein Leben war mit Christo verborgen in „GOtt. O wie leuchtete das Bild des HErrn „IEsu aus diesem Manne GOttes hervor! so daß „ich wohl mehrmals gedacht: Gibt ein Strälchen „einen solchen Schein, was muß dann nicht der „HErr IEsus, der die Quelle des göttlichen LichtS „ist, selber seyn? Trost- des sel. Gerh. Tersteegen. 95 k W Tröstlicher Umgang mit Rranken. Mi, Nicht nur Gesunden sondern auch Kran- ken gereichte er zu einer sonderbaren Unteren- stützung. Durch sein väterliches Mitleiden, Gtz lröjtlichen Zuspruch, und gesalbtes Bethen, W war er vielen so erbaulich und stärkend, daß sie so viel kindlicher und fester auf ihren GOtt und Heiland vertrauen konnten. Wann es ßktz die Noch erfoderte, blieb er wohl halbe, auch !>N ganze 'Nächte bei ihnen. Man will davon M nur Ein Exempel ansühren, welches er mit ^ S» eigener Hand, an einen Freund, von einer recht » lieben Freundinn geschrieben, die er in ihrer ^ tödtlichen Krankheit oft besucht hatte: sahii ,, Wie ich am Dienstag über Tisch saß , rief M, „man mich schleunig, hin zu kommen.-- mH- „Solcher Ueberfall ging in etlichen Stunden chdie „vorüber.-Ich blieb über Nacht bei ihr «ich „und dachte auf ihren Uebergang; konnte auch tzm „manches mit ihr seufzen und reden. Sie M „blieb präsent, herzlich, ruhig, und im kind- chw „ liehen Vertrauen bis an ihr Ende. Sie verstand „nicht allein, was ich seufzte, und sprach, son- MÜ „dern versiegelte alles mit La und Amen. Mein M ,, Letztes, worauf sie Ja und Amen sagte, waren k» »die zwei letzte Beröchen aus dem Lied: Go S, „gehrs von Schritt zu Schritt, rc Ich lege „meinen Geist, rc. Und dann sagte ich noch: ,,,«!> „So nimm dann, 0 HErr IEsu, in Gnaden W „auf den Geist deines Rindes, das du erlöset M „hast ttaß nun endlich deine Dienstmagd im Di „Frieden hinfahrenmnd ihreAugen dich, ihren /si! „Heiland, anschauen! Und wie ihr die Äugen am „Mittwoch Morgens zehn Uhr zugestrichen, habe „ich GOtt für die gnädige Erlösung, Beistand lB "u"v y5 Lebensbeschreibung „und Gnade herzlich gedankt. Dieß ging noch „alles ziemlich männlich mit mir her. Wie ich „ aber ihrem Bruder und Hausgenossen ein Wort „zurcden, und der Schwester Vorbild anprei- „sen wollte; da überfiel mich die n) Weichlichkeit, daß ich nicht ausreden konnte. Ihr lan- „geS und schweres Leiden ist hoch gegangen, da „ich dann mein Gefühl mit davon bekam, ob ich „sie solches gleich nicht merken ließ, sondern sie „stärken konnte Ihre stille und freundliche „Geduld bei dem allen ist so gewesen, daß man „mit Verwunderung und Dank daran gedenken „muß. Und ihre ruhige Gemüthsfaffung, und „unwankelbar kindliches Vertrauen, bis ans „Ende, bleibt mir zum beständigen und großen „Trost. Ehre sey GOtt! der alles gegeben." Auf diese Weise hat der selige Mann manchem Kranken und Sterbenden beigestanden, und ist ihnen bis zu ihrem Ende zum Trost, Stärkung und Erbauung gewesen. Er diente aber nicht allein seinen Freunden in Krankheiten, sondern auch andern, selbst ruchlosen Menschen. Die Juden ließen gar in Krankheiten die Arzenei bei ihm holen; und als er selbst krank war, ging die Rede, daß sie seinetwegen eine Bethstunde angestellet hätten. Allge- n) Da man ihn nachgehends fragte, wie er doch so kindisch hätte se»n und weinen können? Antwortete er: daß ich kindisch gewesen, gestehe ich , aber glaubet mir, daß es mir immer bedrängter in der Welt wird, wann dergleichen GOtt ganz ergebene Seelen aus dieser Welt gehen. Bei einer andern Gelegenheit sagte er auch wobl dieses: Ich begehre kein brolc«, kein Unempfindlicher zu seyn; ich will gerne das Wohl und Weh meiner Mitbrüder zu Herzen nehmen. Ai«» M! Äanl Wh Uli deS sek. Gerh. Tersteegen. 97 Allgemeine Dienstfertigkeit, ohne Rücksicht T-ij auf sich selbst. 2 Überhaupt war unser Seliger gegen jeden z„L dienstfertig; er bemühele sich aus allen Kräf- H,„ ten, das Werk dessen, der ihn in die Welt >z,^ gesetzet hatte, zu verrichten, und sein und anderer Seelen ewiges Heil zu befördern, "d-k'b Man kann mit Wahrheit von ihm sagen, daß «R ex ejn Knecht aller Knechte war, daß er allen allerlei geworden, um sie dem HErrn zu ge- winnen; daß er zu dem Ende keine Arbeit b>,« noch Mühe gesparet, ja daß er dieser heiligen d-O Absicht seine Gesundheit selbst aufgeopfert, M' und es sich besonders in den spätem Jahren, ^ recht sauer werden laßen. Kaum hatte er sich des Morgens aufgerichtet, und seine schwache Kräfte ein wenig gesammelt; so sah er sich Me schan von solchen überfallen, die Rath und That bei ihm suchten; der eine für seine kranke M Seele, der andere für seinen kranken Leib, k i und in Ansehung dieser letztem, konnte man ^ ihn mit Recht der Armen und Verlaßenen " ^ Leibarzt nennen. War er von dem Zuspruch ein wenig frei; so hatte er eine große Menge E Briese zu beantworten; war dieses geschehen, » so schrieb er entweder, oder übersetzte ein ^ erbauliches Buch: und also verzehrte er alle seine Leibes- und Geisteskräfte im Dienste '"U GOttes und des Nächsten. Da einst eine W Freundinn zu ihm kam, und sein ganzes Angesicht mit einem matten Schweiß bedeckt § sah, sagte er zu ihr: Ich bin so schwach, Zweit. B. m. Th. (g) habe yg Lebensbeschreibung habe viele Besuche, auch Hab' ich schon vieles geschrieben, und noch sechs Briefe liegen da unerbrochen. Wie nun die Freundin» hierauf aus Mitleiden Weggehen wollte, um ihn in Ruhe zu laßen, sprach er lächlend: Ö nein! dlctde du hier; Tersteegen muß nichr geschonec werden, der muß kerne Ruhe haben. Und da er sah, daß sie traurig ward, stand er auf, ging in der Stube auf und ab, sang mir fröhlicher Stimme zwei Verse, und suchte also sowohl sich selbst, als seinen Besuch auf solche Weise zu ermuntern, welchem nach er in dem Gespräche fortfuhr,' zu einem klaren Beweis, daß dem Nächsten zu dienen und demselben sich nützlich zu machen, sein rechtes Element war. Umgang mit Weltmenschen. Mit Weltmenschen ging Tersteegen ohne Noth nicht um; wann er aber bei ihnen seyn mußte: so wußte er sich so zu betragen, daß sie die größte Ehrfurcht vor ihn haben mußten, und durch ikn erbauet wurden. Ein in seinem Orte wohnender Wirth sagte deswegen einmal zu einem Freunde: wann ich das Haus dieses Mannes vorbei passlre, io überfällt mich jedesmal eine heilige Eb>- furcht, und das Andenken an ibn, macht mir öfters einen riefern Eindruck , als manche predigt. Hierzu mag nebst seine» herrlichen und allenthalben hervorleuchtende» Gemüthseigenschaften viel beigetragen haben, k« W M O W ch« Ä -el chm Aßt «W Min iübn « U !i»Ü chß «D, e»Nj ö kn« slNki: Aßc DL LG Mich ,!l>ß! ^ E«l >!^ ,>-- b-ß» zchB des sel. Gerh. Tersteegen. 99 sein äußeres, liebreiches, und immer aufgeklärtes Wesen, womit er jedermann begegnete. Uebrigens verhielt sich Tersteegen bei dem Umgänge mit Weltmenschen stille; fand er aber Gelegenheit ein Wort der Erbauung anzubringen, so ließ er sie nicht vorüber gehen. Eine Probe davon: Als er einst auf einer Reise nach Holland in einer Ulc-Zcbu/t viel vornehme Herren undKaufleute beisammen fand: setzte er sich, und lehnete das Haupt mit geschlossenen Augen hinten über, als wann er geschlafen hätte. Nachdem man nun allerhand Erzählungen vorab gelaßcn hatte, und jetzt anfangen wollte in der Karte zu spielen: so eröffnere unser Seliger die Augen und sagte: Er hatte eine schöne Karte im Sack; auf Verlangen, daß er sie hervor ziehen möchte, zog er das neue Testament heraus. Wie sie nun bei Erblickung desselben sagten: Da sollre man roll über werden, antwortete er: Seyd ihr Leute nicht toll? und wiederholte alle ihre nichtswürdige, zeirverderbliche Reden, und suchte sie durch ihre eigene Worte zu überzeugen , wie thöricht sie handelten, daß sie die so edle Zeit mit so unnützen Dingen verschleuderten. Einige gaben ihm Beifall, und die andern wurden wenigstens von ihrerm Vorhaben abgehalten. Gesinnung gegen die äußerliche Gnadenmittel. Wie unser Tersteegen gegen den Gebrauch der äußerlichen Gnadenmittel gesinnet gewesen, (S) - loo Lebensbeschreibung läßt sich aus dem 97ten Briefe, des itenThM der Niederdeutschen Briefe o) zur Gnüge ersehen; er schätzte eine jede gute Handleitung zu GOtt und JEsu hoch, und vermahnete zu einem treuen und weisen Gebrauch derselben, x) Hat man ihn beschuldigt, daß er die Leute von Kirch' und Abendmahl zurück gehalten; so ist es ohne Grund geschehen; keiner, der mit ihm umgegangen, wird anders zeugen können. Er ließ einem jeden seine völlige Freiheit, so zu thun, wie er es vor GOtt am beßten fand. Hatte jemand Schwierigkeit, und fragte ihn: so gab er nach Befinden der Sache seinen Rath. Zum Exempel: Einem Freunde der keine Freiheit zu haben vermeynte, und doch von seinem Prediger zum Abendmahl zu gehen angetrieben ward, sagte er, nach Untersuchung seines Zustandes: Gehe hin zu deinem Prediger und sage: Herr Prediger! ich will euch freundlich gedeihen haben, lastet mir in Ansehung des Abendmahls meine Freiheit , jetzt kann ich nicht gur mirgehcn. Rönnen sie aber dieß nicht, dann will ich auf ihr Geheiß mir geben. Durch dich Untcrgebung ward de? Prediger bewogen, ihm die Freiheit zu laßen. Ändere, die in ihrem Gemüthe mehr Schwierigkeit hatten, ließ Tersteegen dabei in Ruhe, und sagte, man mäße nichts gegen fein Gewissen thun, was o) So 177: in Amsterdam gedruckt. x) Man lese unter andern seiner Geistlichen Brosame», ister Band, Seite uz u. f. Ml M »«ich! « «2 lW Wk! Ä ßn Me Am. Ly Wir sltzi. des fel. Gerh. Tersteegen. iak l.gj. was nicht aus dem Glauben aeHe, sev Sünde, Röm. 14, 2z. Gesinnung gegen den Ehestand. G«,! Man hat auch wohl geglaubt, daß er den E Ehestand verworfen; allein auch das ist ohne Eilt' allen Grund, indem er, nach Besinden, dic- r«>ii je,, Stand manchen angerathen; zu geschwei-- > » gen, daß er mit vielen Eheleuten eine sehr 'Wh. liebreiche und genaue Freundschaft gehabt. Für sich selbst aber brachte er seine Lebens- W tage im ledigen Stande zu; weil er glaubte, M daß er darin seinen GOtt mehr lieben, und seinem Nächsten besser dienen könnte, als M wann er Weib und Kinder zu versorgen hät- ziich te. Wie er übrigens in der Materie des schi Ehestandes gesinnet gewesen, kann man aus nipn vielen seiner Briefe, sonderlich aus seinen chm Gedanken vom Ehestande g) umständlich ih!!!"! ersehen. ^ Letzte Rrankheit und seliges Ende. Wir kommen zu unsers Tersteegens seli- Uiik gen Hingange. Vis zu demselben blieb sein Leben dem Aeußeren nach sehr kränklich, ^ schwach, schmerz - und leidensvoll. Sein Körper ward dadurch dergestalt geschwächt, daß er oft wie ein Todter aussah. Desto-- mehr ist seine Treue und Arbeit zu bewun-- " B dem, die er bis an sein seliges Ende sort- (g) Z gesetzt; Mj!« 4) Im 4 ten Theil, N. nr. und N. 4. im isten Theil, seiner Hochdeutschen Briefe. kebensbeschreibunz r ior gesetzt; man kann klar daraus sehen, daß ihn GÖrt auf eine ganz außerordentliche Weise unterstützet, ja wider alles Vcrmuthen so lange Ja>we erhalten habe, um ihn als ein auserwähttes Werkzeug zu seinem und des Nächsten Dienst zu gebrauchen. Wie er aber nach dem Inneren im Verborgenen mit Christo in GOrt gelebt, mir Wachen, Ringen und Bethen, und was er vor Druck, Angst, Noth, Plage und Leiden ausgestanden, in Ansehung vieler Gemürher, mit welchen er Umgang gehabt, und einen Briefwechsel geführet, das läßt sich wohl nicht beschreiben, weil hievon das Wenigste bekannt geworden. Seine letzte Krankheit schien eine Art von Wassersucht zu seyn, welche sich am Ende des Monaths März 1769. äußerte, und ihm große Noch und Engbrüstigkeit verursachte. Den zoten März befand er sich äußerlich sehr schwach, dennoch aber innerlich in vieler Liebe und Ueberlaßung an den allerliebsten Willen und Wohlgefallen GOttes. Den z rten Mittags um i Uhr überfiel ihn ein starker Zufall, wobei sich eine Gliederzückung einfand. Von dieser Stunde an schien er nach und nach langsam zu sterben. Die folgende Nacht brachte er meist sitzend auf dem Lehnstuhl in großer Noth zu, sonderlich wegen der Engbrüstigkeit und andern Leiden. Dennoch aber, da einige seiner lieben Freunde bei diesen Umständen, welche die Nahbeiheit seines seligen Hingangs klar «isidki MH is, ff > !»hk «dir l Mli Ws«, des sek. Gerh. Terstccgen. ivz hkU Kl !A M: Ak klar anzeigten, Abschied auf die Ewigkeit von ihm nahmen: redete er einem jeden, nach der Beschaffenheit seiner Umstände, dergestalt erbaulich, tröstlich und herzlich zu, daß alle sehr gerührt, und weinend von ihm weggingen. Er selbst aber blieb immer gesetzten Gemüths, GOtt und dessen allerheiligsten Willen ganz überlaßen. Unter diesen Freunden und Bekannten war auch Herr Prediger E. Da dieser zu dem (Lterbenden sagte : Geben sie mir noch einen Segen ! Hub der liebe Mann noch lachlend seine Hände auf und sprach: IEsus Christus, unser großer Hoherprle- ster, zur rechten seines himmlischen Vaters, hebe seine Hände auf aus seinem Hei- ligrhum, und segne sie mir Liebe und Friede, in ihrem Herzen; er gebe ihnen auch »d ihl Gnade und Weisheit »n ihrem Amte. uW Dieser Prediger ist kurz nach dem Tode un- M seres seligen Tersteegen ebenfalls in die Ewig- Mkx keit übergegangen. Zu einer andern abschied- M nehmenden Person sagte er diese Worte: O MN Schwester! der weg ist em gurer weg, W foPe nur dem Lamme gerrost nach, wo es .z mir dir auch hingehen möchte. Zu einem .A noch andern Freunde sprach er Folgendes: Ich will dich, durch die Gnade, auf das «F Herz IEsu legen; laß dir aber auch den gegenwärtigen Augenblick dazu dienen, ^ > dich dem liebsten Heilande ganz zu erge- ben, und bei ihm um Gnade anzuhalten, wie das Rananäische weitstem. Diese ^ (g) 4 io4 Lebensbeschreibung Gnade muß erberhen werden, mir Ver- achrung alles Zeitlichen, weil es doch wer Niger ist, als man glaubt. Und welches s Glück wird es alsdann nicht seyn, wann B ^ wir es einst verlaßen mäßen, einen gnä- E? drgen GC>rr in Christo IEsu zu haben? Er behandelte einen jeglichen, nach der Be- ^"7 schaffenheit seines Zustandes, mit vieler Liebe, «E Kraft und Segen. Vom lsten bis auf den zten April mußte Sv er, der Engbrüstigkeit halber, 47 Stunden in einem Lehnstuhl sitzen, da er sich bald Mge IM Minuten rücklings auf den Stuhl, bald ein rnuE wenig vorwärts auf ein Küssen, so auf dem Tische lag, lehnete. Diese 47 Stunden mußte p er meist mit Winseln zubringen, so übergroß Mr war die Noch. Doch hörete man ihn nicht Mim jammern, als nur, wenn er einige Minuten äMn geschlafen hatte, und dann wieder aufwachte, dann sagte er gemeiniglich: O GVrr! 0 JE- Äm, Ä su! 0 süßer IEsu! M, M, Nie hörte man aber in allen diesen schwe- 'MM ren Leiden das geringste ungeduldige Wort von ihm, und man bemerkte nicht einmal die tz M mindeste ungeduldige Miene. Diese ausneh- mende Geduld, und gänzliche Ueberlaßung >UGj an GOttes liebsten Willen und Wohlgefal- len, war den Umstehenden ein recht inniger Trost, wie auch seine kindliche Zuversicht zu iuM GOtt, der ihn durch Leiden vollenden, und iihG dem Herzoge seiner Seligkeit gleichförmig machen wollte. Ohne diesen Trost wäre es ihnen, des sel. Gerh. Tersteegen. 105 ihnen, wie sie bezeugen, nicht möglich gewe- ftn, so schwere Leiden eines so innigstgelieb-- ^ldn ten Freundes anzusehen. Den 2ten April, gegen Mittag hin, sah man, daß es sich immer naher zum Sterben anschickte. Die ««! Anfälle des Schlafs wurden stärker, und W» das Wachen kürzer. Man mußte ihn immer ans Trinken erinnern. Um 6 und 7 Uhr war der Schlaf fast beständig; um 9 Uhr konnte M! man ihn aus dem Schlaf kaum wachend Llwc machen, um etwas Trinken zu sich zu nehmen. >W Der Schlaf wurde immer tiefer, so daß man, ick!»! um 12 Uhr Nachts, ihn gar nicht mehr er- iuji« wecken konnte. Und so ist er bis an sein seli- üinch ges Ende schlafend geblieben, bis er Mor- beiM gens um 2 Uhr seinen letzten Athemzug seinem li ch GOtt und Heiland hingab, und selig ver- UM starb, den zten April 1769. Die Umstehen-- M den meynten eine Menge Engel um sich zu haben, die seine Seele mit Freuden aufnähmen, und in das ewige Reich der Wonne, in ß» Friede und Herrlichkeit triumphirend einführ- «K ten, wo er nun, mit allen heiligen Engeln M und erkauften Schaaren, GOtt und dem Lamm ein ewiges Halleluja!) bringen, und zu M seiner ewigen Lust und völligen Ersättigung im M höher» Ton ansiimmen wird. Amen! Lob, '.A Ehr, und Dank, und Weisheit und Preis, sey unserm GOtt und dem Lamme von Ewig- ^ keit zu Ewigkeit. Amen! (g) 5 Als A l s ein kurzer Auszug und Bestätigung dieser Lebensbeschreibung Mt kann folgendes Zeugniß eines Freundes angesehen werden, der beinahe 25 "iahr einen vertraulichen Umgang mit dem Seligen gepflogen. ^t)a der liebe Freund von mir zu wissen begehrt, was ich in dem Umgang mit dem seligen Freunde Gerhard Tersteegen selbst gesehen, gehört und erfahren habe: so will ich einfältig aufschreiben, was mir noch davon bewußt ist. Es waren beinahe rs Jahre, worin ich kindlich, offenherzig und vertraulich mit ihm umgegangen, da er auch hinwieder gegen mich ein recht liebend und brüderliches KM A Ä «F krlich > !«lkM ki 8m tkikdik! Bestätigung dieser Lebensbeschreibung. 107 derliches Herz getragen, und bis an sein seliges Ende behalten. Ehe ich ihn noch kannte, hörete ich schon von einem unparteiischen Gelehrten dieß treffliche Zeugniß: Der Mann ist wahrlich ein Freund GOrres! Dieß llg Zeugniß kann ich mit gutem Gewissen bekräftigen. Der Mann war wahrlich ein Freund GOttes. Daß GOtt ihm seine Gunst und Liebe reichlich zuftießen ließ, Hab' ich vielfältig bemerkt, gesehen und erfahren. Sein ganzer Wandel schien ein Liebesumgang mit W GOtt zu seyn. O welch eine Erhabenheit, A Andacht und friedensvolle Stille habe ich, zu meiner nicht geringen Erbauung und Stärkung, oft an ihm erblickt! Wie er nun ein Freund GOttes war: so konnte man ihn ^ auch mir Wahrheit einen Freund der Men- sehen nennen. Nichts wollte er von dem, was GOtt ihm mitthejlte, für sich behalten, sondern ließ cs alles an seine Freunde ausfließen. Was ich und andere davon erfahren, ist meine Feder unvermögend auszudrücken; sonderlich wann ich des Morgens den ersten Be- jv ch such bei ihm hatte, und er aus seiner Einsam- keir kam, dann war es eben, als wenn er in M' der Gemeinschaft GOttes gewesen wäre. Er hitr! war dergestalt liebreich, andächtig und ebrer- Mi«ii bietig vor dem gegenwärtigen GOtt, daß ich ein wenig mit in die Fassung gesetzt, und des Friedens GOttes theilhaftig wurde. O ^ könnte ich es nur sagen, was mir GOtt ^ durch diesen seinen Freund geschenket hat! Ich io8 Bestätigung danke dem HErrn von ganzem Herzen, der mir vergönnet hat, ihn kennen zu lernen, und der seinen Umgang so kräftig an meiner Seele gesegnet har. Wie ich ihn im Jahr 1744. das Erstemal besuchte, da gewann ich gleich eine solche Hochachtung gegen ihn, daß er mir wichtiger wurde, als alle Frommen, die ich sonst kannte ; doch war er mir für die Zeit noch zu stille, und zu andächtig, so daß ich etwas Furcht vor ihm behielt, vielleicht zu meinem großen Nutzen; denn zwei bis drei Jahre hernach kam ich in eine merkliche Abweichung, und in die Versuchung, allzu viel auf meinen Leib und dessen Gesundheit zu-merken. Allein, wie liebreich, aber auch wie ernstlich entdeckte er mir diese Versuchung, und die übergroße Liebe zu mir selbst! Da ich dann, durch seine Liebe und Hälft, aus derselben errettet wurde, und von der Zeit an ward mir eine größere Liebe zu meinem GOtt und Heilande, und auch zu meinem Freunde Tersteegen gegeben, die von 1747. im Frühjahr bis an sein seliges Ende nicht wieder gewanket hat, wofür ich GOtt herzlich danke. Was lch nun «n den übrigen 22 Jahren durch ihn von GOtt genossen, das weiß der HErr am besten. Wie oft bin ich bedrängt und bedrückt zu ihm gekommen, da sein bloßes Ansehen mich schon wieder ermunterte. Wann ich vorher vieles zu sagen und zu klagen hatte, so fielen mir oft die Lasten dergestalt weg, daß ich sie nicht einmal D ^ Ml H E Kl liN N, l dieser Lebensbeschreibung. 109 lNU, Ni» >! U ßk«, M, > Fitz IDjll h«i iki>ck dUlh rstkP ,lßi> K >>§l Slchik ßl- einmal brauchte zu sagen, und in einen stillen und innern Frieden gezogen wa-rd. Von einem einzigen Besuch blieb mir gemeiniglich so viele Stärkung übrig, daß ich einige Wochen lang, so viel genauer in Verläug- nung und Gebeth wandeln konnte. Nun will ich auch von seiner innern Gestalt dasjenige stammlend erzählen, was ich davon weiß und sagen kann. Der Glaube an seinen lieben himmlischen Vater, und an JE- sum Christum, seinen eingcliebten Sohn, war sein einziger Grund, worauf er bauere. Er sagte einst zu mir: wann ich nur denke: GGer ist, so wird mein Inneres in die tiefste Ehrfurcht und Anberhung gesenr. Im Glauben auf diesen so nahen GOtt konnte er alles wagen; Gesundheit, Leben, Wohlstand, Freude, ja alles hatte er so an GOtt übergeben, daß er nicht leicht durch einen Vorfall beunruhiget ward. Dann eben hatte er eine recht fröhliche Hoffnung auf den lebendigen GOtt, daß er auch ihm JEsum Christum zur völligen Erlösung, Gerechtigkeit und Heiligung geschenket habe; daß auch Er durch JEsum an jenem Tage fröhlich auferstehn , und mit ihm in seine Herrlichkeit ein- gehen werde. Diese seine Hoffnung gründete sich einzig und allein auf die pure Gnade. Wie ihn einst, an seinem Geburtstage, einige Freunde zusammen besuchten, sagte er: Freunde! wann ich heute sterben sollte, dann hätte ich euch nur drei Worte zu guter Letzt zu no Bestätigun- zu sagen: l) Setzer euer ganzes vertrauen E auf oie Gnade GOrres in Christo IEsu. ^ ) r) Lieber euch unrer einander, z) Wacher ^ ^ und berher! 'li, Aus diesem floß die Liebe zu GOtt, die M? das Triebrad aller seiner Bewegungen war. ^ei i O wie erquickte es seine Seele, wenn GOtt M geliebet und geehrct wurde. Er hätte gerne M, allen Kreaturen zugerufen: GOrr ist dre Liebe! Aus dieser Liebe GOttes floß die Liebe ^ M zu allen Menschen, besonders zu denen, die ^ GOtt suchten und liebten, welches alle, die ihn gekannt, nicht genug bezeugen können; denn von dem Morgen bis an den Abend war ^ seine ganze Beschäfftigung, GOrr und dem ^ Nächsten zu drenen. ^ Durch seine Demurh und Niedrigkeit Mlix har er mich viel erbauet. Er war dadurch Me bei GOtt und Menschen, bei Großen und Kleinen beliebt. Er wollte gern aller Orten Äies, der Niedrigste seyn; auch da, wo er billig Nm hätte befehlen sollen, da erwählte er zu H kc gehorchen. In meiner Gegenwart fiel ein- Ech! mal eine Sache vor, wegen des öffentlichen «>, ^ Redens am Sonntage; da sagte er zu !M seinem Hausgenossen: Gage mir, wie ichs machen soll, so will ich es rhun. Wenn man ihn groß achtete, das demü- zKL thiate ihn sehr! Mündlich und schriftlich be- zeugte er das, und schrieb unter andern ein- mal diese Worte: Es demüchigr mich in ^ wahr- dieser Lebensbeschreibung. in ^ wahrbeit, daß ihr euch an meiner schlechten Person so vrel gelegen seyn laßer. Deswegen war es ihm auch entgegen , wenn einige Gemürher ihm gar zu . sehr anhingen; und wiewohl er diese, wie andere Schwachheiten mit Geduld trug: so E lhat er dennoch zuweilen darüber ernstliche Erinnerungen. Zum Exempel: Eine Freunds, > dinn sagte einmal zu ihm: Wann ich berhe, und denke an euch, dann ist es mir so wohl. ° Er antwortete: Derben mußt du, und Gt!)rr juchen; aber Terjicegen gebet dich - ^ nicht an, den laß liegen wo er liege, m» Seine Geduld und'Tragsamkeit mit den mm Schwachen und Strauchlenden, ja selbst mit no« gefallenen Seelen, war nicht nur groß, sondern über-groß. Das können noch viele W Lebende bezeugen, denen er durch Sanftmut!) M sexn, in der Rreuzesnacht und Pein, rc. ^ l soll er einst in den größten Zahnschmerzen V kniend geschrieben haben. Weil er nun sei- V^ neu GOtt und Heiland, als Liebe kennen H, lernen; so konnte er sich auch den Liebes- Händen desselben im Kreuze so geruhig über- - 'E laßen. Einst schrieb er mir in Krankheit und Leiden Folgendes: Rurz ich, und wir WD mir einander, werden von einem schwer- »UM chen Lebenssaden getragen, der so lange ED halten wird, als GDrtes Mache und z Weisheit, solches zu unserm Heil gut finden wird. Dir mein GVtr! bin und EU bleibe ich auf Leben und Sterben völlig »!W und ewig überlaßen, in dem Namen "»«sch IEsu. Ast, Darum war ihm die Verläugnung sei- ner selbst, keine Verläugnung; denn er nahm ^ mit Willigkeit alle Lasten und Beschwerden W über sich, die in der Bedienung der Kran- > ken, auch wegen der häufigen Besuche und weit- ^!l!. dieser Lebensbeschreibung. ttz ^ weitläufigen Correspondenz über ihn kamen. ^ Er war oft so ermüdet, daß ihm das ganze Angesicht mir Schweißtropfen bedecket war; E dennocy hatte er sein Lesen nicht lieb, sondern gab es hm für seine Brüder, indem iiE ihm gegeben war, so alles aus der Hand er in seines himmlischen Vaters anzunehmen. Seine Gedarrten und Vernunft wußte er gleicher maßen zu verläugnen, und unter den ich, Gehorsam ZEsu Christi gefangen zu nehmen, ,, ii. dan.it sein eigenes Wirken gänzlich aufhören, Np GOtt aber und dessen Gnade sein Inneres ungestört beleben und erfüllen möchte. Mi, Die Gabe seines Gederds habe ich kräft ^ tig und voller Salbung an mir erfahren. Er zbii, hatte ein bethendes Her;, und auch eine be- M khende Gestalt. Wenn ich, nach zwei oder wir drei tägigem Besuch, Abschied nahm, so san- kW ge" wir ein Liedchen, und diesem nach bethete er mir solcher Andacht und Salbung, daß ^ ich oft gleichsam über mich selbst erhaben wurde, und dadurch einen solchen Liebesein- druck von GOtt empfing, der meinem Jnne- ren lange wohl that; sein Angesicht war als- dann so heiter und fröhlich, als wenn er mit GOtt (persönlich) geredet hätte. Von sei- ner Einkehr werde ich wobl wenig sagen kon- >E nen, weil ich nicht mit ihm in diese tiefe M Sammlung und Stille eingegangen. Dieß M kann ich doch sagen: Alle seine Liebeskräfte zog er von allem Geschaffenen gänzlich ab, um in ikß! dem Grunde seiner Seelen mit dem Liebes- B Zweie. L. m. Th. (h) gott H4 Bestätigung gott und Heiland eine desto innigere Gemein- schasi pflegen zu können. Hier folgen seine W eigene Worte, aus einem Briefiein: Wsi „Alles was in mir ist, neiget sich so zur E „Ruhe. Der Geist hat zwar eine solche Ru- W „he geschmäeket, dergleichen in allem Geschäft E „fenen nicht zu finden; er ruhet auch noch im E „Kreuz in dem Liebeswillen GOttes: aber, „aber, es ist noch eine große vollkommene „Ruhe übrig, Hebr. 4, 9. darnach sehnet er rtzG „sich; die möchte er auch gerne erfahren; und „auch noch bei Leibes-Leben möglichst zu er- „fahren, sollen wir uns befleißigen, (Ach „HErr hilf!) uns ausleerend, dalaßend, ver- „gessend, uns bückend und schickend, uns!«!<« „abgeschieden vor, bei, und in GOtt haltend! „Bald wird doch gewiß kommen, der da M „ kommen soll." Wj Seine innige Gemüthsgesialt leuchtete aus .s,' seinem ganzen Wandel hervor. Wann ich allein bei ihm saß, so kam es mir oft vor, als ob er bei seinem Herzensfreunde im Cabi- W net gewesen wäre. Einsmals sagte er, auf chm je Befragen, zu mir: Ja ich flye, und rede liM mir dir, aber in meinem Inneren ist so Wg> ein immerwährendes Beugen und Anberhen. In diesem eingekehrten innigen «chde Grunde hat er viele Mittheilungen und Ge- HM Heimnisse von GOtt erfahren. Er hat auch vieles davon ausgeschrieben, so wir erst ein- sehen werden, wenn uns die Augen einmal weiter dieser Lebensbeschreibung. n? W weiter geöffnet sind, und wir uns in diese Ge- ' ß« müthsfassung werden einführen laßen. Von seinem Umgang mit GOtt kann ich M dieß mit seinen eigenen Worten bezeugen, die hkW er einst zu mir sagte: Ich kann mir Gewiß- W heit sagen, daß GE>rr einer Seele so all- genugsam werden kann, daß sie in einer üdü, Ulüste, ohne Lebenslang einen Menschen HW, zu sehen, wohnen, und mir GDrc allein chtzs vergnügt und zufrieden leben könne. Auch hat er zu verschiedenen Malen dieß zu mir D gesagt: ^lch danke GDrr, der mir ein Räm- (K merlein gegeden, worein noch nie eine Rrearur"mic eingegangen. Diesen Worten , „»j denke man doch einst nach. Wo kein Anden- W! kcn der Kreatur mit cingehen kann, da ist die Seele mit GOtt allein, und ihre einige Beschädigung ist, den in ihrem Grunde woh- , «enden, allgenugsamen und allerseligsten GOtt zu schauen, zu lieben, zu verehren, anzube- W«! thxn, und seiner zu genießen. W Dieß ist es, mein Freund! was mir von ^ q unserm seligen Freunde Gerhard Tersteegen eingefallen. Der liebe Freund wird wissen, n ßss daß die gütige Vorsehung es so gefüget, daß „ ich die drei letzten Tage und Nächte vor sei- ,W nem Ende bei ihm gewesen, und ihm einige M Handreichung thun können. Sein Leiden war übergroß; sein geduldiges Beharren .»A aber, sein kindliches und vertrauliches Ueber- D laßen an GOtt, stärket mich noch bis auf B- (h) r diese Bestätigung dieser Lebensbeschreibung. diese Stunde. Der ihn nicht gekannt, und ^ ^ dieses liefet, könnte leicht denken, dieß Aeug- niß wäre übertrieben; wer ihn aber gekannt, W wirb mir mir sagen müßen, baß es nach der Wahrheit sei). Wir wollen indessen dabei seiner oft gege- ^ denen Lehre nicht vergessen: Alles ist GDn ^ tes, Ihm gedübrer uuch von allem die E"re. Die Gaben und Gnade, welche er besaß, waren ihm von GOtt, aus freier Liebe, für dich und mich gegeben. Wir wob len sie dem Herrn wiederbringen/ und seinen M Namen loben ewiglich. Amen. Verzeichniß aller Schriften d e s sel. Gerhard Tersteegen, welche außer denen, so gegenwärtig ausverkauft und mit einem * bemerket, bei auf dem Titel gemeldeten Verleger, auch in Commission bei Joh. Friedrich Hutmacher sel Wittwe in Mülheim am Rheine, zu haben sind. 1) vileistliches Blumengärrlein inniger Seelen; oder kurze Schlußreimen, Betrachtungen und Lieder, über allerhand Wahrheiten des inwendigen Christenthums. ZehnteundvermehrteAuflage. 12. 2) Der Frommen Lockerte; bestehend in z8i kurzen Versen, so sich zwar auch hinten in bemeldtem Blumengärtlein befinden , hier aber nebst beigefügten Gchrifr- örrern, besonders gedruckt sind. 16. ?) * Handbüchlein der wahren Gottseligkeit- ; durch 6 I'. 8t. aus dem Französchem übersetzt. 12. 4) Thomä von Rempis drei Vücher von der Nachfolge IEsir Christi, nebst des gorkseligenGeriachs göttlichen Herzens- gesprächen; oder: der erste und andere (h) z Rem- n 8 Derzcichniß aller Schriften Rempis; durchs-.I*.8t. übersetzt. Fünfte und verbesserte Auflage. 12. s) Der kleine Remprs; oder kurze Sprüche und Geberblein, aus den meist unbekannten Werklein des Th. v. Rempis. Zehnte und verbesserte Auflage. 16. 6 ) Auserlesene Lebensbeschreibungen heiliger Seelen; in welchen nebst derselben merkwürdigen äußern Lebenshistorie, die innere Führungen GOttes über sie, hauptsächlich angemerkt werden. Dritte Auflage, z Bande. 4. 7) Das verborgene Leben mit Christo in GOtt; als ein Auszug aller Schriften des erleuchteten kernieres I^ouviZni, durch 6. I'. 8t. aus dem Französischen. Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. 8. 8 ) Die heilige Liebe GDltes, und die un- heilige Naturliebe; bestehend in Xt.lV. anmuthigen Sinnbildern, und erbaulichen Versen von Ouion: durch 6.1'. 8r. aus dem Franz, übersetzt, und mit ferneren Betrachtungen aus ihren sämmtlich biblischen Schriften erläutert. 8. mit Kupfern. 9) Rleine Perlenschnur ; bestehend in einer Sammlung verschiedener geistlichen Traktätchen, aus mehrentheils unbekannten Schriften. Zweite Auflage. 16. ro) GVtk geheiligtes Harfenspiel der Rinder Zion ; bestehend in einer starken Sammlung auserlesener und geistreicher Lieder, als/. KeLliäeriund vieler andern alt - und neuen B ,'F! birnil -N ilsmdkl k, dil III bi des fel. Gerh. Tersteegen.' n§ >ünsi! neuen Autoren. Sechste und vermehrte Auflage. 8. !prü- ,i) Geistliche Brosamen: Eine Sammlung Ü W verschiedener sehr erbaulichen El weckungs, l»pL reden, von dem sel. 0.1'. 8r. selbst gehalten. - Dritte Auflage. 2 Bände. 8. DlM rZ) Geistliche und erbauliche Briese über das inwendige Leben und wahre Wesendes stoin Christenthums; sammt der Lebensbeschrei- bung des sel. Autors. Zweite Auflage, ch k. 2 Bände. 8. rver< 14) weg der Wahrheit; bestehend in einer Sammlung, von 12 ehemals besonders em- gedruckten Tractätlein, nebst zwo Zuga- M. ben. Fünfte und vermehrte Auflage. 12. lüchsi ggejl des sel. Mannes evangelischer I. !:> Sinn und vorzügliche Erleuchtung aus diesem Buche M besonders kennbar wird; so kann man nicht um- hin, die enthaltene Hauptabhandlungen desselben den geneigten Wahrheitsfreunden hiemit zu spe- ^ rificiren: i. Stück. Anweisung zum rechten verstand ^ und nützlichen Gebrauch der heil. Schrift. ^ 2. Stück. Sendschreiben von der Vernunft, derey Fähigkeit, Gebrauch und Miß- D brauch im Göttlichen, nebst 2 Anhängen. ilB z. Stück. Rurze Abhandlung vom Wesen und >M 12 ) srockvi-UAtrAS en Lrr'sven over W versc:beiäene Materien cler InvvenäiMn I.e- versc:beiäene Materien cler InwenäiMn I.e- venr, (oriZinsIiter) in liet t>!ecierlluirscli xescbreveu 6oor vv^Ien 6. 1?. 8r. i Deel. 8- Bi, Iß, Nutzen der wahren Gottseligkeit. liB 4. Stück. rro Verzeichniß aller Schriften rc. q. Stück. Von dem Verhalten bei außerordentlichen Geistesgaden, Gesichten, Offenbarungen, u. s w. z.Stück. Warnungsschreiben wider die Leichtsinnigkeit, nebst z Anhängen. 6. Stück, von dem Unterschied uns Fort, gang in der Gottseligkeit, nebst Anhang. 7. Stück. Schein und Geyn, Gestalt undLraft der Gottseligkeit oder Gottesdienst, s 8-Stück. Die wahre Rlugheit; oder Umgang mit GOrt und sich selbst allein Nebst Anhang, von Uebung der liebreichen Gegenwart GOltes. y. Stück. Rurze Anleitung GGtt und dessen Angesicht zu suchen. io. Stück. Der vortreffliche Weg der wahren Liebe, re. n. Stück. L^iüderliches Lehr-, Trost und Ermahnungsschreiben; nebst einem an« gehängten Srärkungs- und Aufmunte- rungsschreiben. r2. Stück. Vom Christ! Gebrauch der Lieder und des Gingens. Zugaben. s) Erklärung über einige Puncte vom Glauben, Rechtfertigung, geschriebenen Worte GOrres und wrederbrmgung aller Dinge. d) D»e Araft der Liebe Christi. Eine Er- wecklingsrcde, so seit 20 Jahren fast unzählige Mal gedruckt ist. Man hat besonders dafür gesorgt, daß alle hie publicirte Schriften, in einem ausnehmend wohlfeilen Preise können hingegeben werden. W IW l Der MW« Sitz Der erste Brief. W,> Gründliche und liebreiche Unterweisungen an >dch« einen kranken Bruder, um nicht auf sich selbst, sondern in allem auf den gekreuzigten chi« IEsum zu sehen. »D. Mein herzlich - geliebter Bruder in «- JEsu! ^ c>ch begehre dich hiedurch herzlich zu grü- ßen, und mir Herz und Feder in deiner jetzigen Schwachheit zu besuchen, in dem Geist der Liebe JEsu, welcher deinem Geiste nahe sey! In Ansehung deines Aeußeren wirst ^ du von N. ohne Zweifel die nöthige Medicin und Verhaltungsunterricht empfangen haben, a In Ansehung des Inneren, lieber Bru- ^«li der, preise ich den HErrn, daß er dir so viel Vereinigung mit seinem Wohlgefallen im i> Kreuze verleihet. Danke unserm freundlichen Vater mit mir dafür, und sep nur gar kindlich gegen GOtt, der dich geliebet hat. Der Ml Zweit. B. Ui. Th. A Mosai- Geistliche Briefe. Mosaische zagende Gesetzesgeist dienet nicht auf Golgatha; wanns zum Kreuz oder Sterben gehet, muß der gekreuzigte und sterbende JEsus unser Vorwurf seyn, und sein kindlicher Geist der Liebe und des Glaubens uns regiren. Rechne nun nicht lange, ob du auskommest? dein Kopf ist zu schwach dazu. JEsus hats mit seinem himmlischen Vater, nach der Strenge seiner Gerechtigkeit, abgerechnet, und wir Habens mit JEsu, nach dem Reichthum seiner Barmherzigkeit, abgemacht. Die willige Aufnahme seines Kreuzes, und Ertödtung unsers eigenen Lebens sind in solcher Rechnung mit eingeschlossen. Er züchtige uns dann, wir wollen schweigen, uns beugen und dennoch lieben durch seine Barmherzigkeit. Er schmelze und reinige uns, so bleibt er doch unser Freund. Mache keine Ueberlegungen! Jetzt ist es keine Zeit, dich selbst zu besehen. Gib dich hin. Senk dich, wie ein krankes armes Kind, in der Mutter Schooß, und leide da, was, wie und so lang es der Vater will. GDcr ist GDer, das ist genug. Suche den Glauben nicht im Kopf, und gib auch nicht Acht auf den Unglauben im Kopf. Auf die thörichte Zweif- lungen und Versuchungen des Feindes in der Vernunft Acht geben, ist solchen Fantastereien zu viel Gewicht und Ehre beigelegt. Sollten wir wiederkehren, und abermals (als über eine zweifelhafte Sache) eine Untersuchung ansiellen, die schon langst ab - und ausgemacht !»,! JA K Nt Kt VkU! Ork» HI. Theil. ater Brief. z gemacht gewesen ist? Kindische Possen! Fra- U«- ge nicht lang: Ob GOtt ist? Ob dirß und ^ das ist? Nur zur Sache gegriffen! Diene >> « GOtt, liebe GOtt, ehre und verherrliche »SU GOtt, wäre es auch nur durch gelaßenes vd t, Leiden, so gut du kannst. Denke jetzt mehr » W an gut leiden, als an gut rhun! Ja denke nur an GOtt, und vergiß dich und alle ' ch Dinge. Siehe das Lied: GOrr! den ich , Uj als Liebe kenne rc. , ch«! , ^ Mülheim, D» den 20. April 1739. ZU» Der 2te Brief. ^ Das Verlangen, ganz für GOtt zu seyn, muß »dm nicht durch eigenes Wirken, sondern durch M, das Leben JEsu in uns ausgewirket werden. W> In dem HErrn JEsu herzlich-gelieb- W Ler Bruder! W iZB ^>ein sehnliches Verlangen, künftighin ein D ^ neues Leben lauter und allein vor GOtt zu führen, ist gewiß von GOtt in dich ge- eiM legt: und deine Einsicht, daß solches allein Di durch JEsum lebend in drr müße und M könne vollbracht werden, kommt auch gänz- WiS lich mit der meinigen überein. Es ist dann F A - das Geistliche Briefe. das Werk JEsu, und nicht dein eigenes. So gar muß dein sehnliches Verlangen (wenn es nicht nur Verlangen bleiben soll) nicht in Heftigkeit ausgehend seyn, sondern sich unvermerkt den Sinnen entziehen, und in den Grund, woraus es entstehet, sich mit heiterer Gelaßenheit einneigen, und das Vollbringen dem überlaßen, der das wollen gegeben har. Du versiebest mich, daß dieß nicht nur so ein- für allemal geschehen müße, und man dann wieder in williger Zerstreuung dahin gehen könne. Nein! soll JEsus in uns leben, so müßen wir aufhören zu leben. Unserer Natur, Sinnlichkeit und Vernunft müßen wir kein Leben mehr laßen, auch derselben Wirksamkeiten mäßigen, und, mit Abhänglichkcit von der Gnade, damit wirken, wann wir wirken müßen. nicht unsers Thuns. Unser Verlangen dar- M, !»' ^ M B > Sch W k So machen wir JEsu und seinem Leben in uns Raum; JEsum und sein Leben aber selbst in uns zu erwecken, das ist gar « 4 --- nach, senkt sich, wie gesagt, mir Liebe, Freude und Vertrauen einwärts. Dieses einfältige, ruhige Einneigcn und Anhängen unterhält man auch den Tag durch, läßt sich die Liebesführung JEsu recht sanft, abgeschieden, einfältig und lauterlich GOtt- meynend machen; und, ohne sich voraus ein Bild davon zu machen, wartet man dann in inniger Leidentlichkeit auf die völlige Offenbarung und Ausbreitung JEsu und >« >»Sl« k 5 III. Theil. zter Brief. > G und seines Lebens in uns , in eben der laiW Gestalt, worin die Jünger JEsu auf dem nsolj Söller saßen, und das Pfingstfest erwar- tecen; und suchet überbaupr, selber immer ,« weniger zu rhun, und JEsu Wirkungen , ß immer mehr Raum zu laßen. Ucbrigcns sty kindlich, friedsam und ausgebreitet. Alle strenge und enge Gestalt deines Gemürhs hin- dert. Ueberhaupt magst du wohl incliniren, weniger Zerstreuungen, und mehr Einsamkeit ich,! »um Geöeth zu haben. Sonst aber fange Aß setzt nicht viel Neues in deinen Uebungen an. iiH Im Grunde muß die Erneurung vom W, HErrn kommen. Dieß mit laufender Feder. M Gedenke meiner, wie ich deiner! nH W Mulkeim, M den iz. May 17Z9. ük» , — — —— . s h«. JA D, O rils Der zte Brief. An denselben. Noch einige Verhaltungsreglen in Ansehung seines inneren Zustandes- Lieber Bruder! ^>ein Hauptgrund und Sinn, daß nur JEsus in dir und durch dich leben und wirken, und du demnach alles in seinem A z laute- Geistliche Briefe. lauteren Sinn verrichten mögest, ist ganz richtig. Unnöchig aber, ja hinderlich wäre es, wann du stätswährende Reflexionen auf dich selbst machen, und dich und deine in- imd äußere Thaten auf eine ängstliche, sorgliche Weise besehen wolltest, ob und wie weit es alles und jedes also, und in der Lauterkeit geschehe, wie dein Hunger wohl ist? Dieser von dem innig-gegenwärtigem Heilande in dir entspringende Hunger senke sich nur, mit ungezwungener Neigung, süßen Blicken, und kindlichem Erinneren hinein , und hange Ihm so sanft und vertraulich an; und so dann thue frei, was du thust, mit dem Sinn, alles aufs beste und lauterste dem HErrn zu thun, Iso gut du vermagst und verstehest, ohne dich an Dürre oder Geschmack, Licht oder Dunkelheit zu kehren. Und eben dies ist auch zur Zeit der Einsamkeit in Acht zu nehmen. Deine äußerliche Ordnung ist auch schon gut; ich finde nichts Sonderliches dawider, nur daß alles ungezwungen und ohne Verwicklung geschehe, und der HErr immer HErr und Meister bleibe, das ist: daß unter und bei aller Uebung von Außen, du nur Eine Uebung habest von Innen, nämlich dem HErrn mit kindlichem Vertrauen, reiner Liebe und willenloser Unterwerfung innig anzubangen, ohne Kunst. So liebe GOtt, lobe GOtt, und freue dich in GOtt, mit Vergessung alles anderen. A4'! »i-- «M »ich u> l» Uh Wm Oe» 7 HI. Theil. 4ter Brief. anderen. Berhe für mich, daß ichs auch so mache! AU «j,! Mülheim, >ili^ den 4- Junii i?Z9. »Stz, iU« - ' --- «» Der 4te Brief. 1 sch ^ ' An eine Schwester; daß sie zu viel an sich, und zu wenig an GOtt denke. In der Gnade JEsu herzlich-geliebte KM Schwester! ^l!k Il> W hiedurch wollte ich euch herzlich grüßen, ^ und von meiner fortdaurenden Gemein- schaft im Geiste Versicherung geben. W Ach! geliebte Schwester, welch ein GOtt ist nicht unser GOtt! so gut, so groß, so ^ allvergnügend, die Liebe selbst, und darum M auch unendlich liebenswürdig, und der sich ^ so nahe thut zu elenden Menschenkindern. Wenn ich von euch ein Briefiein bekomme, A, da klagt ihr über euch selbst viel; aber von dem guten und großen GOtt, dem wir an- gehören, schreibet ihr zu wenig, und an den ^ denkt ihr zu wenig. Was soll aber das? ' Dadurch werden wir nicht besser. Alles ß! Andenken an uns selbst, und an die ge- '« schaffenen Dinge, muß sich endigen in ein A 4 lieb- 5 Geistliche Briefe. liebevolles kindliches Andenken an GOtt, der unser Heil ist. Wer seine Wunden lange vor Augen hat, und des Arztes nicht gedenket , der muß selbst ein Künstler, ober ein Unbedachtsamer seyn. Wir nicht also. Wir sind voller Elenden und Wunden, und auch voller Schwachheiten, uns selbst zu rächen, oder zu helfen; das wollen wir herzlich gestehen: aber unsere Elenden, unsere Wunden selbst, sollen uns augenblicklich un- sers vollkommenen Arztes erinneren, der so gerne hilft, der so nahe, ja so innig-nahe ist, in dem süßen JEsusnamen. Kommet dann, geliebte Schwester, VM gesset mit mir euch selbst und alles Geschaffene ; nichts ist unsers Andenkens und unserer Liebe werth, als GOtt allein. Nichts liefert, nichts vergnügt unser Herz, als dieses ewig bleibende Gut. Er stehet auf uns; Er gedenket an uns mit Liebe, ohne Unterlaß, und begehrt von uns, daß wir kindlich auf ihn sehen, und mit Liebe an ihn gedenken sollen. Das sey dann unser Geschäfte bei allem Geschäfte, bei allen Beschwerden, bei allen Elenden: von allem ab, auf GOtt allein zu sehen, und den zu lieben, der nur liebenswürdig ist, und uns also geliebet hat. Daß derselbe euer Herz ganz einnehme, wünschet von Herzen Euer Mülheim, den io. Iunii 1739. schwacher Mitbruder. Der - kr. W, Mi kW «e« iH a»! « Ei M' N Si 9 Hk P Kü l H, k,R >k >H lUlsi! /U G ad, r^i bilik^ Der zte Brief. Mit dem Umgang mit GOtt und seinen Kindern nicht zu warten, bis man schön sey. Ju der Gnade IEsu geliebte Schwester! hiedurch grüße ich dich dann herzlich wie- ^ der, und wünsche deiner Seele tausend Segen, von dein süßesten JEstr, der dich auch recht süß mache! Dein Brieflein war mir lieb. Wer hat dich aber die narrische Höflichkeit gelehret, daß du dich G-Ott und seinen Kindern nicht eher zeigen wolltest, als bis du schön genug bist? Armes Kind! ich weiß nicht anders, als du hast mit IEsu den Accord schon längst geschlossen: du wolltest sein, und er sollte dein seyn; du wolltest ihn lieben und ihm anhangen, und er sollte dich von deinen Sünden und allem Verderben frei machen. Nimm du dann nur deine Sache wahr; JEsus wird schon auch seine Pflicht in Acht "nehmen. Ich will sagen: Gib dich IEsu, laß dich IEsu, und sehe dich an, als eine Sache, die IEsu geschenket ist. Mit deiner Liebe und innerstem Willen neige dich zu diesem so nahen Herzensfreund, und klebe ihm mit Vertrauen an, ja mir A s zar- 10 Geistliche Briefe. zartem Verlangen, ihm in allem aufs beßte zu gefallen. Was aber das andere widerstrebende, böse, eigene Theil angehet, dessen mußt du dich nicht annehmen, oder viel darnach umsehen; das ist JEsu und seinem Gnadengericht aufgeopfert, daß ers tödte und völlig ausrotte in der Kraft seines Todes. Du hast nichts damit zu thun: JEsus wirds schon ausrichten; du mußt es nur leiden als dein Kreuz, und inzwischen ruhig an deinem Werk bleiben, in der liebevollen Zukehr zu JEsu, und im einfältigen Umgang mit JEsu, so wie er dich selbst ziehen und lehren wird. Und in diesem deinem Werk bleibe so einfältig und sanft, daß es alles immer mehr JEsu Werk werde. Das verstehest du noch nicht völlig, du wirst es aber lernen. Ach! liebe und leide nur; sonst thue, was du willst. Ich grüße dich in JEsu, der dich segne! Dein Mülheim, schwacher Mitbruder, den io. Junii 1729. ii»k» UM Wi pH kl, li chm Will n j, K > M »sch! ch>c« l» Der 6te Brief. Die Freude in GOtt und seinen Kindern ist allein eine wahre und bleibende Freude. In der Gnade IEsu herzlich-geliebter Bruder! c>ch hätte schon eher von meiner glücklichen Ueberkunfc Nachricht gegeben, wo ich nicht ein Paar Tage nach der Heimkunft durch einen starken Fluß im Haupt und in den Augen daran verhindert geworden wäre. Es werde nur die Kraft GOtt es in unserer Schwachheit vollendet! Dann liegt am Uebrigen gar wenig gelegen. Geliebter Bruder! ich danke euch und den übrigen Brüdern nochmals, für die dort genossene Liebe. GOtt werde in allem gelobet, und auch darüber, daß ich das Vergnügen gebabt, die dortige Mitwallende noch einmal in Liebe zu besuchen! GOtt wirds geben, daß wir uns ewig in einander erfreuen, und er in uns, und wir in ihm. Dieß ist allein eine wahre und bleibende Freude, alle andere ist ein betrüglicher Dunst. Durch unfern Heiland JEsum ist uns diese Freude wieder angebracht; indem derselbe sich erniedriget, hat er uns wollen erheben von der 12 Geistliche Briefe. der Freude und Vergnügung im Geschaffenen, um unsere Freude und Wohlgefallen allein auf ihn, auf seine Gnade und unendliche Vollkommenheit zu richten, wovon wir in unserm Naturstande so fremd und so ferne sind. Ach, welche Gnade! GOtc wird ein Kind, damit der Sünder nicht erschrecke vor Seiner Majestät, sondern sich erfreue in seiner Liebe, und mit Wohlgefallen ihn und seine Wege beschaue. (Luc. 2, io.) Und aus dem Grunde dieser gestifteten Freundschafts- liebe sollen wir nun auch darüber aus seyn, daß der HErr wieder seine Freude und sein Wohlgefallen in uns habe, und immer völliger haben möge. Die kurze Regel der Vollkommenheit ist, daß wir so mit GOtt handeln und wandeln, wie mit unserm beß- ken Freunde, den man ohne Falsch lieber, dem man ohne Argwohn trauet, ohne Schaam sich entdecket, ohne Verdruß Gesellschaft leistet ; der uns gefällst in allem, was er ist und thut, und dem wir immer suchen zu gefallen mit allem, was wir sind und vermögen. la'! Dos Mi«« das iß El Daß ihr, und ich mit, solche Freunde GOt- ^ ^ tes werden, wünschet meine Seele innigst. § ^ di Mülheim, den 6. Nov. I7Z9. Wß IltkiiS schÄ! Mi« >>»« NÜG !W Ss«, !ö!« «il kl der Ult il>ch ,dm ckliW >sl leier ß «ga eA Der 7te Brief. Eine am Kreuz Hangende Person wird zum Sterben aufgemuntert, und zur Krippe zum Kindlein Jesus eingeladen. Das Wort ward Fleisch, und wohnere unter und in uns. Sela! Indem großen GOtt und ärmstenKind- lein vielgeliebte Schwester! ich gleich wenig schreiben kann, so blei- ^ bet doch darum mein Herz zu Jesu und seinen Kindern unverändert, und in kindlicher Liebe. Doch gehets in dieser Zubereitungszeit durch wunderliche und mancherlei Leiden und Proben. GOltes Wege sind göttlich, das ist unbegreiflich, aber heilig und gut. 'So eben böre ich aus einigen Worten in N. Brief, daß du auch noch amKreuze ledest, und vor Noth wohl gern herab steigen möchtest. Probiere es nur nicht, liebe Schwester, denn du bist festgenagelt; deine Wunden würden nur so viel heftiger schmerzen. Neige und beuge dein Haupt; überlaß deinen Geist in die Hände des Vaters, und stirb, so kommst du aus der Noch; ob man gleich noch ein Paar Tage im Grabe vermodern muß. Sterben, sterben ist der Weg zum Leben, 14 Geistliche Briefe. Leben, Frieden und Herrlichkeit. Damit du aber nicht erschreckest, so komm mit nur zur . Krippen, da wirst du dein Heil und Rath eben so wohl finden, als am Kreuz. Ä Sage doch, wie wäre uns armen Kindern gerathen worden, wenn sich der Sohn GOr- i» tes durch unser Elend hatte abschrecken laßen, und aus Abscheu vor unfern Sünden sich ent- zogen hatte? Dieses überanbethungswürdige wor c ward Fleisch, und wohnete unter DE uns; und wir wollen stracks im Paradies wohnen, wann wir nur ein wenig Abscheu vor dem Sündengesiank bekommen. Q ja, liebe Schwester! wir wollen auch mit GOtt immer mehr nur im Paradies wohnen, aber also, wie unser Kindlein in der Krippen. Das IEsulein war nach seiner ewigen GOttheit, ^ und auch nach seinem menschlichen Geist, welcher vollkommen mit der Gottheit vereiniget war, in paradiesischer Beugsamkeit, Ueber- laßung und Frieden; da inzwischen sein mehr äußerer Th eil allen Versuchungen und Leiden unterworfen, und mit unserem Elend ohne und Zahl und Maß bekleidet war. Du süßestes GeOtkkind! also bersten wir dich an; also ^ lieben und beschauen wir dich, und wollen ? dich so lange mir unverwandten Augen beschauen, bis wir, durchs Beschauen, in dein Bild wesentlich vergestalrer werden! Amen. UH Komm dann nur, Schwester! beuge dich wieder mit mir zur Krippen, und mache es also: i; III. Theil. 8tcr Brief. also: Siehe nicht auf dich, siehe nicht her- ">kD um, sondern auf ^Esum, und laß ihnun- Mch bedingt mit dir walten in Zeit und Ewigkeit! Du bist gesichert vor aller Sünde, wenn Mi» du solch ein Kindlein bleibst. Lege dich nur M zu IEsu, und mit IEsu in die Wiege, und ruhe in ihm. Bald ist der Tag oer ich» unschuldigen Rindlein. Daß du, mit mir, Mz, ein solches, nach der Marter, werdest, wün- !« sehet von Herzen W Dern /) Ln.! Mülkeim, schwacher, doch treuge- ^ den 26. Dec. 1739. sinnter Mitbruder. ÄliS klhch . : Giß, '!?- Der 8te Brief. V Aufmunterung zur Vergessung des Geschöpfes und >W seiner selbst. Der Autor will gerne vergessen und verachtet werden. ,;ch Jn ZEsu, dem Herzensfreund, gelieb- ter Bruder! LxEsus nehme dein Herz ein, denn ihm M! ^ gehöret es; Amen! Dein Bißchen Krank- seyn ist mir so recht lieb gewesen, und ich seyn ist mir so recht lieb gewesen, und ich Ä yosse, es werde dir -a gut gethan haben; denn ^ so ists einmal von der ewigen Güte gemeynet. » Wir i6 Geistliche Briefe. Wir sind öfters zu viel unterm Geräusch, daß wir mehr die Kreaturen, als GOtt, hören, da es bann ja Gnade ist, wenn er uns bisweilen was besonders nimmt. Laßet uns das so verschwindende, und so leicht bindende Geschöpf vergessen, und uns auch durch deren Gegenwart nicht aus der Einsamkeit mit GOtt setzen laßen! Ob ein Geschöpf bei uns ist, ober ob ein Schatten und Gemälde bei uns ist, es ist eben gering zu achten; es ist nichts. GOtt ist Alles, und Allein unserer Seele genug. Ach ja mein GDrr. ! «E DM au H jlk Es ist wahr, was du sagest, du wirst eher das Geschöpf, als dich selbst, dran geben können; denn wir sind unbegreiflich rief durchdrungen mit dem Selbst; wir lieben dieses Selbst so sehr, daß wir dem teuflischen Theil alles zu lieb thun, und ihm gern den Himmel gönnen sollten. Allein, vergiß auch dieses selbst, und gib es dran, daß es in sich, und durch die Hand GOrtes von Innen und Außen zerstöret werde. Wo dir dieses Gespenst begegnet, da thue nur kindlich dein Auge davor zu, und siehe GOtt an, mit einem einfältigen Glaubensgemerk seiner innigen Gegenwart. Ach! dieser GOtt, dieser GOtt muß uns einnehmen, und unser ganzer Vorwurf und Zeirkürzung seyn, und nicht wir selbst oder das Geschöpf. Eben in dem, daß uns die Geschöpfe in ihre Liebe und Ätz »die, LG! «U Ach )>tki Eün, Ws, MSltz Alb ß lk rjitl!k gebm Oi» > Pt" ii Ä!><« tzl!«! )ll,^ ^ B "S Hl. Theil. Zter Brief. und Freundschaft einnehmen wollen, nehmen sie uns insgemein, guten Theils, aus GOttes Liebe und Freundschaft heraus, weil wir uns so ganz ausgießen. Du weißt, lieber Bruder! daß mein Ruf und Führung dahin gehet, nur so nnt GOtt allein zu leben. Ich weiß, was GOtt einem wahren Einsamen ist. Darum hats mich auch so herzlich erfreuet, wie ich verstanden, daß andere erhaben und gelobet, ich aber herunter gemacht wurde; ob du gleich dieses in deinem Briefe nicht meldest. Ich zwar habe die Wahrheit bezeuget; das weiß ich. Glaube es, wem GOtt den Glauben giebet! Ein Hauptstück dieser Wahrheit aber ist dieses, daß man die Ertödtungen und Verachtungen herzlich lieben niüße; das wollte ich dann auch selbst gern thun, ohne viel schwätzen. O du liebe Verachtung und Vergeffung aller Kreaturen, wie fein ver- birgest du uns vor tausend Pfeilen, welche die treffen, so bloß stehen, und setzest uns in die selige Abgeschiedenheit und Einsamkeit mit GOtt allein. Sollte ich dann die nicht aus meinem ganzen Herzen lieben, welche mir ein so großes Gut zu Wege zu bringen behülflich sind? Weil mir nun ohnedem, lieber Bruder, die Bekanntschaften und Einwicklungen längst eine schwere Bürde gewesen , so ist dieß mit die Ursache, warum ich mich bei den bewußten Verwirrungen für jetzt so leidend und still halte, daß auch an Zweit. B. m. Th. B dich. 18 Geistliche Briefe. dich, wegen des Verhaltens in dieser Sache, nicht einmal geantwortet habe. Ich scheue nämlich alles fruchtlose Gezänk, und sonderlich , daß ich den liebsten GOtt nicht einiger maßen hindern möchte, wo er mich etwa durch diese Umstände möchte vergessen, verachtet und vor den Geschöpfen verborgen machen wollen; worin ich sehr bin gestärket worden, seitdem ich wahrgenommen, als wenn einige meynten, ich wollte gern Papst seyn. Dich bitte ich nur, lieber Bruder, vertheidige mich nirgend; glaube aber auch nicht alles, was zum Nachtheil der Brüder zu E. gesagt wird. Der Geist des Argwohns stiftet daselbst und anderswo viel Nebels. Lerne vieles mit Schweigen anhören, und mit GOtt im Herzenskämmerlein bleiben, alle lieben, ohne dich auszugießen, und GOtt zu befehlen, was du nicht andern kannst. Zuletzt sieget doch die Wahrheit. Was GOtt nicht gewirket hat, muß wieder zerfalleu.- Bruder N. hat mir wissen laßen, daß er so gern einmal zu mir kommen wollte. Er ist mir jederzeit lieb; ich aber wünsche aus dem Geräusch heraus, und vergessen zu seyn, anfangend beim ersten Buchstaben in des kleinen Kempis A. B. C. Verbleibe unverrückt W W ÄK OH« »«Ali Dein W, ASilii! Mülheim, Verbundener im HErrn. den 21. Jan. 1740. Der HG Der 9te Brief. milk M An eine schwangere Freundinn, wie sie ihre lÜW jetzige und künftige Leiden ansehen mäße. gOkc In der GnadeIEsu geliebte Schwester! ÄM gedenke ihrer in meiner Schwachheit ^ vor dem HErrn, auch bei ihren jetzigen 'E Umständen. Sehe sie doch ihre jetzige und M künftige Leiden im kindlichen Glauben an. W unsere Leiden, und sonderlich solche , L Schmerzen, sind allerdings bittere Früchre M der Sünden: weil wir uns aber dem erge- ben haben, der aus Liebe zu uns, von einem W Weibe geboren, und am Kreuze gestorben E ist, so sind auch alle unsere Leiden heilsam, und gut: wir sollen sie alle nicht so sehr !> 1 , kE als Sündenfrüchte, sondern als Liebesseile, „B und Zeichen aus der Hand unsers GOttes D und Heilandes annehmen. Gedenket dann: Glj Auch diese meine Schmerzen kommen von Dl« meinem guren GcDrr, der gibt sie, der schaffe sie nur seiner Hand. Ich sage nicht zu viel, das stehet eben von diesen Schmerzen deutlich in der Schrift, i B. Mos. z, r6. M Nun wohlan dann, nehmet den heilsamen Kelch aus so guter Hand, mit Unter- All B r werftmg 20 Geistliche Briefe. werfung eures inwendigen Willens an! Er, der ihn gibt, ist nahe, um zu stärken und auszuhelfen; aber auch nahe, um zuzusehen, ob ihrs auch gern willig begehret anzunehmen. Ich bitte euch im Namen JEsu, geliebte Schwester, bleibe sie doch nicht zu sehr und zu lange hangen und starren auf ihre Unwürdigkeiten und Elenden! Wären selbige auch nur halb so groß, so könnte sie doch im Rechnen nicht auskommen. Gebe sie GOtt die Ehre, und sinke und überlaße sich auf pure Gnade, in und an den JEsum, der ihr gewißlich nahe ist, obs gleich dunkel scheinet, und durch Leiden gehet. Beides bei der leiblichen und geistlichen Geburt sind die Schmerzen Vorboten der Freude, die folget. Das sagt JEsus, beides in einem Athem, Joh. i6, 21. Daß Er euch kräftig segne aus seinem Heiligthum, und allen Beistand und Hülfe in der Noth erfahren laße, und euch im Glauben und in der Liebe täglich stärker mache, solches wünschet 'icbl iM Ihr Mülheim, den 2. Merz 1740. schwacher Mitbruder. Wkl! 21 n>skhll. Von GOttes gütigen Führung und mütterlichen Der ivte Brief. W Fürsorge über seine Kinder. siE Zn demHErrn herzlich geliebte Schwe- Vkb,^ fter! ^ wir ja recht angenehm gewesen, daß ^ ich einmal einen Gruß von deiner Hand V" empfangen habe, den ich im verwichenen Win- ter kaum würde haben lesen, will geschwei- gen beantworten können, wenigstens oftmals; obwohl unsere Gemeinschaft im Geist ohne- dem, nach wie vor, unverrückt bleibet in dem, dersie gegründet hat, und deren Grund selber ist. dkiA Mein Geist bethet die unendliche Gute P GOttes an, welche mich durch so manche, der Vernunft seltsame Wege führet, wohin er mich haben will. Die äußere kleine M Heiden werden gesehen, aber das rechte Ge- '' heimniß der göttlichen Weisheit darunter wird im Verborgenen nach und nach aus- geführet, und so viel es ihm beliebet, im Geist zu seiner Zeit eröffnet. GOtt hat mir jederzeit mehr geholfen durch mein Unvermögen, als durch mein Vermögen ; denn unsere Widerstrebungen sind unglaublich viel Al B z und rr Geistliche Briefe. und tief. Er allein kann solche, und will solche entdecken und zerbrechen, durch sich selbst, wo wir uns ihm kindlich anvertrauen; denn wahrlich, er ist uns nahe; nicht nur nach seiner allgemeinen Gegenwart, wie er auch allen unvernünftigen Geschöpfen nahe ist: sondern in dem holden Namen JEsirs-Immanuel, ist dieses seligste Gut unserm Geist näher, als wir uns selber sind, und zwar als ein liebender Freund, um uns zu erretten, zu reinigen, in uns als in seinem Königreich zu wohnen, und uns endlich aus uns selbst und allem zu seiner seligsten Vereinigung zu leiten durch ihm bekannte Wege: und solches alles durch sich selbst, und um sein selbst willen, damit sich kein Geschöpf rühme vor seinem Angesicht. O! wie so sehr verpfuyt man seine Blindheit, sein Mißtrauen, seine schön gemeynte Widerstrebungen, und mancherlei Ausweichungen, wann man die hohe und treue Absichten dieser unendlichen Gutheit mit und über sich lebendig erführet. Man kann nicht anders, als die Augen von sich selber abwenden, um sich hinfür lediglich dem anzuvertrauen, und den allein zu lieben, der uns umsonst liebet, und mehr als mütterlich für seine ihm Ergebene sorget. So wollen wir dann in kindlicher Herzenseinfalt vor seinem Angesicht wandeln, verlaßend und vergessend uns selbst und alles Geschaffene, um nur dieses liebenswürdigste Gut zu lieben, anzusehen, und ihm Raum zu M § 2Z III. Theil. uter Brief. o»>>! zu geben, in unseren Herzen zu wirken und M zu leben nach seinem Gefallen. Ehre sey ! kU seiner Barmherzigkeit in Ewigkeit, Amen! t »sc Ich grüße und küsse im Geist der Liebe, r M deinen Mann und dich, liebe Schwester, >>>!ß und alle die übrige liebe Herzen, von denen lr-Z du mich gegrüßet hast, welche, der Zeit we- W gen, nicht nenne. IEsus kennet ihre Na- Ani men, der verkläre sich in ihnen allen, und in N« uns immer mehr. In seiner Liebe ver- Wi bleibe ich öM Dein lisch i sklii MN lrchr: ,D )» Mülbeim, verbundener schwacher den is. Jun. 1740. Bruder. -et-- _ Der ute Brief. Was das innere Gebeth, und was falsche Lcdig- keit, oder keine falsche Ledigkeit fey. D Lieber Bruder! Ü habe nicht eher können antworten, als jetzt. Du verlangst den Unterschied zu wissen, zwischen dem inneren Geberb und 5 N der falschen Ledigkeit oder Naturstille: ich 7.H bitte und habe GOtt gebethen, daß er dich darin unterweise, dich bewahrend vor dem ^ Letzteren, und dich einführend in das Erstere, B 4 durch i» L4 Geistliche Briefe. durch den Geist JEsu, als den rechten Ge- bethsmeister. Melde du dich auch nur bei diesem Meister an, als ein rechtes Kind des Herzens, und trau' es ihm zu, daß er dich nicht wird irren laßen, da du ihm von Herzen folgen willst. Mich anlangend, so werde immer unweiser, und habe mich immer weniger in der Gewalt, zu können sagen und schreiben, wie und was, und wann ichs gern wollte; darum mag vielleicht, auch meine Antwort dich wenig vergnügen. Das innere Geberb ist das Hinzunahen zu GOtt, als in unserem Herzen gegenwärtig , durch die innige Andacht und Herzensneigungen, und ein Bleiben vor ihm, bei ihm, in ibm, nachdem die Seele stehet. Die Seele ist darin mehr oder weniger wirksam, nachdem ihr Stand ist, und GOtt ihr zuvor kommt; und so hat sie auch die eine Zeit Geschmack, zur andern Zeit Dürre und Leiden, wie bekannt ist. Anfänglich sind ihre Wirksamkeiten durchgehends heftiger, gröber, unterschiedlicher, manchfalriger, und werden oft wiederholt. Allmählig c wenn die Seele ausharret) werden die Wirksamkeiten ihrer Andacht und Herzenszuneigungcn sanfter, inniger, allgemeiner und einförmiger, daß sie endlich keiner Wiederholung zu bedürfen, ja sich gar zu verlieren scheinen, weil GOtt immer mehr Hauptwirker in der Seele wird, bis L O" DA KM V li! fi »lic! IM iW Kus ßiü lch k» ltzs Hl. Theil. uter Brief. 25 bis sie nicht mehr lebet, sondern nur Chri- ^ ^ stus in ihr. Der Geist IEsu ist der Lehrer ^ und Führer im inneren Gebeth, dessen Leitung ^ man sich kindlich anvertrauen, und ihm ohne Umsehen folgen muß. Er berühret unsere Liebe und Herzensneigungen, und gibt uns ^ seinen Zug zu erfahren durch ein geheimes E zartes Neigen oder Ausstrecken unseres Ver- ^ langens zum Grunde, d. i. zu GOtt unserem ^ Ursprung. Hätten und folgten wir diesem ich tz Zug nicht, so kämen wir nimmer zu GOtt; wir können uns denselben nicht geben; es ist Gnade: wir können ihn abergar sehr bedecken, mck verhindern und ihm widerstreben, wenn wir uns zu viel, und ohne Noch, mit der Andacht V zerstreuen, oder gar unsere Liebe und Herzens- !, k> Neigungen von andern Vorwürfen halten und > Iii Hinreißen laßen. Es ist dir jetzt vielleicht nicht chn>, nökhig, daß ich geheimere Hindernisse be- hß' rühre. UZ Mh Vermuthlich begreifst du hieraus, was die falsche Ledigkeir sey. Derjenige ist pK nämlich in einer falschen Ledigkeit, wer ent- weder beim Gebeth seine Andacht und Her- Etz!! zensneigungen, mit Wissen und Willen, H zr herumflattern und zu andern Vorwürfen aus- gehen läßet; oder aber zweitens, seine Ge- danken zwar in eine gewisse Art der Abzie- hung und Vergessung anderer Vorwürfe M setzet, Her; und Willen aber am Geschaffe- neu haften läßt, und nicht wirklich GOtt ' ü B s ergiebet, 26 Geistliche Briefe. ergiebet, und ihm zuwendet; da man dann zwar (wegen einer gewissen natürlichen Dummheit oder Trägheit, worin man einsinkt) nicht allezeit spüret, daß man andere Dinge zum Vorwurf habe; aber man hat doch auch GOtt und das Göttliche nicht zum Vorwurf, das man auch eben nicht sonderlich begehret oder erwartet. Noch eine dritte Art der falschen Ledigkeit ist, wenn einer gar das Geber!) verläßet, und unter einem betrüglichen Vorwand der Leidenrlichkeit, oder GOttge- laßenheit, oder Ueberlaßung, so getrost in den Tag hinein lebt, und beides Herz und Sinne in die Kreatur und Manchfaltigkeit gehen laßt, wohin sie wollen. Dergleichen Arten der Ledigkeit und Stille müßen und können gar leicht vermieden werden von einer Seele, die der Stimme der Gnaden und des Geistes in ihr Gehör giebt. «es Ol D« Olt Äh Miß Ä »I W mg Wann uns aber der liebe GOtt zu sei- das nen Freunden und Herzenskindern machen Gm will, dann verleidet er einem alle Manch- Oc faltigkeit der Betrachtungen, oder verständ- liehen Nachsinnungen, sonderlich beim Ge- P l beth. Man kann auch nicht mehr so man- M cherlei und unterschiedliches, nach eigenem « ji Gutdünken, dem HErnn sagen und von ihm D, begehren. Alles vereiniget und lenket sich zu § einer allgemeinen und liebevollen Andacht der M innigen Nahheit GOttes, dem nian feiern und s,W schweigen muß. Man findet nichts, oder W nur - III. Theil. uter Brief. 27 ^ nur etwa ein kurzes Liebeswort zu sagen. Beim D- unverstellten Stilleseyn findet man ein verbor- M genes Wohlseyn, ohne daß man dessen Ursache begreifet. Man ist genähret worden, ohne Mch daß man weiß, wie man die Speise bekom- men hat, rc. Wenn nun dergleichen bei dir M vorgehet, lieber Bruder, dann laß dich die O Versuchung nicht irren, als wenn du in einer sEü falschen Ledigkcit ständest, wie wohl manchen M Seelen geschieht. Es ist ein Weg, der die Oltz folgsame Seele zur Beschaulichkeit, zu Hi« GOttes Jnwohnung, und gar zur Einheit j« mit ihm leitet, und unaussprechliche Güter W mit sich bringet. Hk» Auch ist das keine falsche Ledigkeil, « wenn man so gar nichts Angenehmes bei der O Glaubensandacht und Zuneigung zu dem innig nahen GOtt, sondern an dessen Statt nur Dürre und Blöße spüret; oder wohl auch juß- das verständliche und sinnliche Theil das nch Gemüth mit tausend verstreuten Phantasien Üch und andern Empörungen drücket und bedecket. Man verachtet und träget solches mit ruhi- ger Gelaßenheit: der Geist oder das Ge- B- müth, so nichts damit zu thun hat, bleibt »B an seinem Ort und Werk, so ungestört als möglich; er machts wie ein Kindlein, W das durch Schmerzen oder Getümmel im ivü süßen Schlaf an seiner Mutter Brüsten ge- störet werdend, wieder anfängt, seine Lefzen B zum Saugen zu bewegen, damit es sau- B Send 28 Geistliche Briefe. ^ gend in seine vorige Ruhe wieder einsinken > /. möge. Ich will sagen: die Seele erneuret ! A sich, auf eine wahrhafte aber ruhige Weise, ^ ^ jn'ikrem Glauben der innigen Nahheit ihres * GOttes, in der liebevollen Andacht zu ihm, « in der ganzen Schenkung an ihn; sie bezeu- D get ihm durch eine That der Liebe, oder ^ Liebeswort, daß sie nichts wolle, als ihn allein; oder aber, sie übet aus eine That der Anbethung, der Verherrlichung, des ^ Wohlgefallens an diesem vollkommensten ^>i> Gut, u. s. w. Oder worauf das Gemüth kern sonst am erstell gelenket wird, und wobei '« sichs am beßten befindet. Alles aber, wie l>W gesagt, auf eine unverstellte, ruhige, unver- M wirrte Weise, ob etwa die Seele ihre vorige kieL Ruhe und Nahrung wieder finden möchte? Beliebt solches GOtt nicht, nach einigem >Pk Versuch, dann muß man wissen und glau- den, daß das ruhige Leiden der Dürre und W Empörungen, und die süße Vereinigung mit I>e l GOttes Willen ein sehr gutes Gebet!) scy. ß, Man muß sich zwar sehr in Acht nehmen, daß man durch unnöthige Zerstreuungen den ^ Tag über, oder durch wirkliche Untreue zu A keinerlei dergleichen Dürre wissentlich Anlaß km gebe: sollte aber auch dieses geschehen seyn; W so muß die Seele solches nur mit Verde- U mürhigung bekennen, übrigens aber sich gera- «ch de so dabei verhalten, als wann sie es nicht k, veranlaßet hatte. tz Hiebei III. Theil. Hier Brief. 24 Ä Hiebei will ichs nun bewenden laßen, W ohne verschiedene andere Gebethsarten, oder Führungen zu berühren, welche bei Unge- >kij übten das Ansehen einer falschen Stille oder ihm, Ledigkeit haben könnten; da, wie ich anfangs W gesagt, die eigene und wiederholte Wirkun- M gen der Seele, sich bei treuem Fortgang Stz immer mehr verlieren, und von der Wir- V kung GOttes gleichsam überwunden, und , ssr in sein einförmiges Leben verändert werden, ch» Denn entweder sind die Wirkungen GOt- Md tes in der Seele merklich, und da hat sie M keinen Scrupel sich denselben leidcntlich zu > W überlaßen, und Ihn durch ihr eigenes Thun M nicht zu verhindern: oder, GOtt hat doch W die Seele schon so sehr in seiner Hand, daß hle? sie ihn gern Meister über ihre Wirkungen „gW seyn läßt. Denn was anlanget die Stände M der Läuterungen und inneren Leiden, da schickt e us sich die Seele, so gut sie kann; sie hat Geduld, sie leidet, sie liebet, und machts überhaupt so, wie oben schon erinnert worden. ^ Kurz! willst du mit mir das inwendige M!« Gedeck) üben, und vor aller falschen Ledig- M keic gesichert seyn? so laß dein Gebet!) gepaaret gehen mit stäter Derläugnung des W Geschaffenen und alles deines Seldsts, E nach Anweisung des Geistes und der Vor- W sehung, damit du GOtt rein lieben, und ihm allein ergeben seyn kannst. Meide auch alle Weitläuftigkeit und unnöthige Zerstreuung zo Geistliche Briefe, in den Sinnen, Gedanken, Geschäfften Umgang und Gesprächen, damit du nicht ? verbildet und abgezogen werdest, sondern ^ mit GOtt und seiner Gegenwart wandlen, und vollkommen nach seinem Herzen werden ^ könnest, als ein rechtes Kind Abrahams: wozu dir und mir alle Gnade aus der Fülle ^ U JEsu, und seinen theuren Geist zum unbe- rrügliel-en Führer anwünsche. Lieber Bruder! ich schreibe viel mehr und „llr anders, als ichs vor hatte. Du hast Ursache, dich über meine Kühnheit zu verwun- ? dern , daß ich bei meiner großen Unweisheit "" und Geringheit von Dingen schreibe, die du mit vielem Licht und Salbung von manchen erleuchteten Seelen beschrieben finden kannst: „U Traue auf mich und mein Schreiben weiter nicht, als du es damit übereinstimmend finden m wirst. Indessen glaub ich doch, daß ich dir dieses habe schreiben sollen. Bethe für mich! ^ ^ ich wünsche, ein gleiches zu thun. Es lebe >>4 JEsus in deiner Seele! in welchem ich dich ^ I .,^1 - ^ Mülheim, verbundener Mitbruder. " den i. Jul. 1740. ?. 8. Mir fällt eben bei der Materie von " der falschen Ledigkeir ein, daß die Frau Guion in ihren Schriften einen erbaulichen » Vers über ein gewisses Sinnbild gemacht grüßend und küssend bleibe Dein hat, , III. Theil. uter Brief. zr hat, da unter andern eine Person, auf dem Rücken liegend, und zugleich bethen wollend, abgemalet wird. Ihr Reimlejn darüber lautet, treulich verdeutschet, also: „So lau im Cbristenthum, so träg seyn zum Gebeth „Kann meinem HErren nicht behagen. „Lern dich doch weislicher betragen, „Und dien' mit besserm Ernst der höchsten Majestät! „Dieß ist die falsche Ruh; dieß Stillesepn betreugt. „Weit anders gehen GOttes Wege. „Man läuft dem Bräut'gam nach; das Herz ist frisch und leicht. „Man folgt ihm unverrückt im dornenvollen Stege. „Die Liebe und das Kreuz drauf stützen wir allein; «Denn solche Wege schlägt GOtt ein. „Das andre ist der Andachtslarve nur, „Ein todres Bild und Schein vom Frommseyn, „In Wahrheit nur Betrug und Dumm- sepn. „So dienet man nicht GOtt, man folget der Natur. Der Z2 Der i2te Brief. A An eine hohe Siandcsperson. Bon der Nutz. ^ barkeit der Leiden und Widerwärtigkeiten in W diesem Leben. W Hochgeborne, Gnädigste Frau Gräfinn! DH F>aß Ew. Hochgräfl. Gnaden mit Dero ^ geneigtem Zuschreiben mich, nun schon länger als vor einem Jahr, zu beehren geruhet haben, ist alsobald als eine sonderbare Gnade von mir erkannt und veneriret worden. Meine bohe Schuldigkeit wäre gewesen, diese meine Erkenntlichkeit zu bezeugen, und Ew. Hochgräfl. Gnaden für Dero Lonäeicen- äance und gewogene Zuschrift zu danken; wie dann solches noch durch diese Zeilen mit aufrichtigem Herzen thue. Meine seither fast immer angehaltene Kopf- und Augenschmerzen , und darauf erfolgte Krankheit diesen Winter durch, werden bei Ew. Hochgräfl. Gnaden mich veröffentlich excusiren. H« M> Wl I Daß meine gnädigste Frau Gräfinn sich so viel an meiner Geringheit gelegen seyn laßen, und sich auch jetzt nach meiner Disposition erkundigen, möchte mich beschämen. Dem W? HLrrn ist es bekannt, daß meinen gnädigsten Herr- III. Theil. i2ter Brief. zz Im ! M !Ä. Ickk»- D Herrschaften, und insbesonder Ew. Hoch- gräfl. Gnaden, beständiges Vergnügen und unendlichen (Legen in meiner Schwachheit anwünsche, und von Herzen angewünschet habe. Mich anlangend, so beliebet es dem GDtt, dem ich mich in Christo zu seinem Dienst und Wohlgefallen ganz hingegeben, daß er mich Unwürdigen mtt seinem unschätzbaren Kreuz, auf mehr als eine Weise, von vielen Jahren her beleget hat. Ich umfasse selbiges von ganzem Herzen durch seine Gnade, und laß' alle Ergötzlichkeiten im Sichtbaren davor liegen, als unwerth, schädlich und nichtig. Ich verlange meine Leiden nicht um ein Härlein anders, als nur dieses noch dazu, vaß ich selbige mit unverrückter Glaubensfreudigkeit und Willigkeit ihm nachtrage, und durch seine göttliche Kraft aller Ueberresi des natürlichen Lebens am Kreuz in der Gleichförmigkeit des Todes JEsu Christi, meines Heilandes, sterbe und er allein in mir lebe! Daß es Jhro Hochgrästiche Gnaden in Dero hohem Stande an Leiden und Mißvergnügen, bald hier bald dort, auch nicht ermangle» werde, kann ich mir leicht verstellen, und ist mir zum Theil bewußt. Daß auch solches unserm Fleisch und Blut (wie meine gnädigste Frau Gräfin» in Dero Briefe melden) sauer ankommt, darüber ist sich keineswegs zu verwundern. Wir wissen aber auch, daß Fleisch und Blut das Reich GOttes nimmermehr ererben, sondern gekreuziget werden sollen. Zweit. B. m. Th. C Dero Z4 Geistliche Briefe. Dero Hochgräfl. Gemüth wird woh! viel zu ^enereux seyn, daß sichs durch eine solche E 8enlii)Uire weich machen ließ , unserem rheu- M> resten Herzog der Seligkeit nicht einen ewigen LM Eid der Treue zu schwören, und mit bestän- Di, diger Aufrichtigkeit im Gebet!) und Glaubens- ff!"" kampf auszuhalten, auch unter Christi Kreu- sW zesfahne den Sieg über alle widrige Kräf- M te der Natur von ihm selbst zu erwarten, «ttll! Keinem Kinde ist die Entwöhnung von der imdD Mutter Brust so nützlich, als wann uns der W himmlische Vater, durch die Bitterkeiten die- Da ses Lebens, von der seelverderblichen Liebe W des Sichtbaren abspehnen will. Ach! es ist HM eine gar zu große Gnade, wenn er uns den -D« Willen bricht, und unfern Weg gleichsam mit pik Dornen vermacht, damit wir nicht von ihm pmc-I weg, sondern zu ihm laufen müssen. Erken- KM nercn wir die hohe Absichten GQrtes über uns, wann er uns wehe thut, wir würden M seine Liebesruthe küssen, und ihn nur so viel kzuz herzlicher lieben und anhangen. kM Mir wird recht bange ums Herz, wenn M ich Menschen ansehe, denen in ihrem Natur- stand alles nach Herzenswunsch gehet, die H entweder von keiner Widerwärtigkeit wissen, oder doch solchen immer durch schädliche ^ Divertissements zu entweichen suchen. Je mehr wir JEsum und seine selige Gemeinschaft, durch eine glückliche Erfahrung, kennen, ZG desto mehr gehen uns die Augen auf, auch s,eH alle andere Dinge mit neuen, das ist mit über- ln. Tyeil. ratet Brief. Z5 ^übernatürlichen Augen anzusehen. Sein Kreuz wird uns köstlich und schön, und seine Schmach W ehrlich; die Welt hingegen und ihre edelste A» Waaren gefallen uns gar nicht mehr; denn einmal, Christus und die Welt sind einander W gar zu widerwärtig, daß sie unmöglich in ein- l» und demselben Herzen wohnen können. Dar- Md um ist ja der hier und ewig selig und klug, M. wer alles, was die Welt anbeut, für Schaden Mc und Dreck achtet, damit er die edle Perle, M Christum, gewinnen möge. Amen! !eick Daß Jhro Hochgräfl. Gnaden wegen ikikis Aufrichtung eines Waisen- oder Armenhau- ksß ses abermals Nachfrage zu thun belieben, dar- ie d!» auf dienet zur schuldigsten Antwort, daß ich >m« zwar die Sache als nützlich, GOtt gefällig und prrib« gem Unternehmen schätze. Dem HErrn ist cs indessen ein Geringes, noch wohl eine Thür ssrß dazu zu eröffnen: doch sehen wir an Davids Exempel 2 Sam. 7. daß nicht alle GOtt gefällige veilem; alsbald zum wirklichen Ef- M- feer kommen. i, ki! Mir Jhro Hochgräfl. Gnaden, der Frau Hi, Gräfinn von N. in Bekanntschaft zu kommen, M würde mir, nach GOttes Führung, angenehm xB und eine Ehre seyn. Ich empfehle mich Dero- W/ selben mit schuldigstem Respect, und wünsche M Deroselben hohem Haus und Herz des höchst- sien GOttes Segen, Erleuchtung und Gnade, 'ßs>! zur Erfahrungserkenntniß und Liebe GOttes P Cr und Geistliche Briefe. und unsers Heilandes. Eben dieses (dann Hähers und Erwünschters kann ich nichts finden) erbitte ich auch aufrichtig, vor dem Thron der göttlichen Gnaden, meinem gnädigsten HErrn, Ew. Hochgräfl. Gnaden, auch sämmtlichen jungen Herrschaften, und dem ganzen Hochgräfl. Hause! In Dero hohe Gnade empfehle ich mich unterthänigsi, und werde jederzeit beweisen, daß ich mit innigster Sincerität bin Hochaeborne gnädigste Frau Gräfinn, Ew. Hochgräfl. Gnaden UI lkl KL,!-- lUINtkll in Kn M i« ik Mülheim, treuer Unterthan und den iz. Julii 1740. Fürbitter. «X -—7 »77— l —— - , -^ 0« Der izte Brief. INI, Sa Wiik- dinsl, dkir ich, aüch Ueber die Worte: Leide dich mit dem M Evangelio nach GDttes Rraft. «kr Nebst einer tröstlichen Aufmunterung. Nu Vielgeliebte Schwester! tkn; c^Esus spreche: Friede sep mir dir! Wenn ^ das Gebet!) eines Sünders so vermögend bei GOtt wäre, als das Gebet!) eines Gerech- len, dann wärest du längst von deinem leidigen ^ Selbst- ^ III. Theil. izter Brief. Z7 Gelbsibesehen und ungläubigen Fürchten erlö- W sxr. Diese Freude, vertraue ich, wird GOtt W dich und mich noch erleben laßen. »A Boas Paulus an seinen schüchternen Timo- ^ theum schreibt 2 Tim. 1. Vas sage auch ich , ltz hjx. Leide dich mir dem Evangelio, nach ,« GDcres Rraft. Das Evangelium ohne Lei- "H den gehöret in den Himmel. Leiden ohne Evan- W gelium hat man in der Hölle. Aber die Pilger auf Erden mäßen keines ohne das andere annehmen. Nun, wohlan dann, schicke dich in den Pilgerstand l Das Evangelium , und alles Gute in demselben, sollst du haben; 'll aber leide dich mit dem Evangelio. Will . man das Evangelium ganz haben und ersah- ren, dann findet man die Paffion mit darin. Wir haben vieles in uns, und vieles außer uns, das JEsu und seinem Evangelio zuwi- der ist, wovon wir als Feinde angefallen werden. Es ist da ein ganzes Reich der Finsterniß, so sich empöret, unzählich viel Böses, allerhand Eigenheiten, Versuchungen und Reizungen von allen Seiten, und die Unglau- „s,, benskrafte gehören mit zum feindlichen Lager. Und was sollen wir dann thun wider so viele mächtige, listige Feinde? Antwort: Nichts thun; sondern leide dich , und laß das Evangelium darum nicht aus der Hand fallen, D weil das Leiden kommt, sondern das fasse D! als mir. „Ja, wenn ich nicht so arm und ^ „schwach wäre?" Höre! LTtach GOrres Lrafc sollst du die Feinde und Leiden abmessen, M C z nicht 38 Geistliche Briefe. nicht nach deiner Schwachheit. Was kann GOtt nicht, dessen Kraft in der Schwachheit mächtig seyn will? So sey dann immerhin so schwach, als ein Wochenkind. GOttes Kraft fey deine Wiege, darin liege so unbekümmert , als wie du erst dieses natürliche Alter hattest. Sage doch: wer hat damals für dich gesorget? Wahrlich, der allein, ders auch jetzt so gerne thut; dem überlaß dich dann ganz, den liebe, und sey versichert, daß du ihn alsdann recht liebest, und daß du alsdann rechtschaffen Gutes thust, wann du das Böse, von Außen und Innen, mit Frieden und Vertrauen leidest. Daß dir GOtt solches gebe, wünschet, nebst herzlichem Gruß auch an deinen Mann und liebe Schwester N., Dein Mülheim, den z. Nov. 1740. schwacher Bruder. llM lichei mer Der Der i4te Brief. Don dem Unterschied zwischen dem Stand unter dem Gesetz und unter der Gnade; wie auch zwischen dem wirksamen und leidentlichen Stande. Lieber Bruder! LT^ch bin gar nicht im Stande viel und deut- lich mich erklären zu können. Meine innere Beschaffenheit und äußere Schwachheit laßens beide nicht zu; und deine Frage ist mit so kurzen Worten nicht zu beantworten. Die Schriften erleuchteter Seelen, die du überflüßig hast, können dich darin besser vergnügen, als mein Schreiben. Du wolltest gerne wissen den deutlichen Unterschied des wirksamen oder gesetzlichen Zustandes, und des leidentlichen unter der Gnade und dem Geiste IEsu. Daß du so gern alles deutlich wissen willst, ist in der That ein Fehler und Aufenthalt. Deine Sorglichkeit macht, daß du Stützen und Gewißheit suchest in deinem Verstand, und wirklich schon zu viel drauf stützest; und an diese Deutlichkeiten hält man sich dann fest, daß es einem darnach zur Verbildung und Aufenthalt dienet, wenn wir eben nicht alles mit unserm vorgefaßten Concept überein L 4 brin- 4-r Geistliche Briefe. bringen können, da doch wirklich alle unsere Begriffe überaus mißlich sind, ehe wir die Sache selbst erfahren. Dieser Ursache wegen, und weil auch die Führungen GOrres so sehr unterschieden sind, so rede und schreibe ich eben mcht gerne so genau von dem Unterschied der Seelenstände, wenn ich auch die dazu erfoderte Erleuchtung und Tüchtigkeit El.- M v-b Bi halte, so mir docy beides fehlet. Ich will doch sehen, ob ich etwas sagen kann; es muß aber für dich allein bleiben: denn wegen der Verwirrung des Haupts bin ich untüchtig, mich auszudrücken. Es scheint, du nehmest den gesetzlichen und wirksamen Zustand für Einen Stand, und den Stand unter der Gnade ^Estr und den leidenclichen Stand auch für Einen Stand, welches doch eigentlich, und nach der Schrift zu reden, sich weit anders verhalt; ob mans gleich in einem höheren Sinn endlich auch wohl so nehmen kann. Der gesetzliche Stand ist Röm. 7. und der Stand in Christo, oder unter seiner Gnade Röm. 8 . beschrieben. Einer kann diesen letzter» Stand erlangt haben, und als ein Christ unter der Gnade stehen, und doch noch sehr weit vom eigentlich leidentlichen Stand entfernet seyn, in welchem die Seele nicht mehr lebet und wirket , sondern JEsus Christus in ihr. Nachdem die Seele, welche unter der Gnade stehet, sich GOtt nähert durch Verläugnung und Gebeth, darnach werden auch ihre Wirksamkeiten N Md so dilsß sei» ^ Wll schs W i» jsi >>!» h III. Theil. ichter Brief. 4 l ^egm, ^shsibr M tz M llMi!- ^ M dji Alißl!, Ä« esniß Itk-M t!I ! Ski!»h >e 1 Es» ßr^>m>i Md nch HM; Tm md Iii O TM ü M!> N>,TMd i M !k. >sd-M' keiten geistlicher, einförmiger, und nehmen allmählich ab; hingegen bekommen die Einflüsse , oder die Wirkungen GOctes, oder des Geistes JEsu, immer mehr die Oberhand. Durch kein anderes Mittel und Weg gelanget die Seele aus dem wirksamen zum leidentli- chcn Srand und Leben GOttes, als durch die Verläugnung des Geschaffenen und ihres eigenen Lebens, Willens, Liebe und Verstandes, und durchs Gebeth. Die einen anderen Weg Anschlägen, gerathen in falsche Freiheit und Gelaßenheit. Wer sein Her; und Vertrauen aufs Geschaffene und auf sich selbst setzet, der ist weder unter dem Gesetz noch unter der Gnade, sondern in der Natur und ein Wellkind. Wer sein Herz und Vertrauen allein auf GOrt in Christo setzet, der ist ein Christ, der ist unter der Gnade. Sein Herz zur Kreatur kehren, und sein Vertrauen aufChristum setzen wollen, das ist Betrug und falsches Evangelium. Wer sein Herz, oder Seelenbegierde zwar nach GOtt ausstrecket, und seiner Seelen Rettung suchet; sein Vertrauen aber noch nicht auf Christum setzet, sondern allerhand vornimmt, um sich zu beruhigen und fromm zu machen: der ist unter dem Gesetz, in vieler Arbeit, Gebrechlichkeit, Furcht und Unruhe des Gewissens, oder aber in Eigendünkel und eigener Gerechtigkeit. Alle Stande aber haben ihre Staffeln, und manchmal ists bei den Seelen vermischt und veränderlich. C; Eine 42 Geistliche Briefe. Eine Seele, welche anfänglich eine Zeitlang unterm Gesetz gestanden, und nach der Gnade in Christo bußfertig und mit rechtschaffenem Ernst gehungert, bekommt wohl einmal, und öfters gar bald, einen vorübergehenden Anblick von der Süßigkeit der Gnade, welcher bisweilen sehr sinnlich ist: und da ist die Seele eigentlich noch nicht unter der Gnade des neuen Bundes, und in Christo, wie sie doch wohl meynen möchte; sondern es ist eine Anlockung dahin, eine Stärkung im Kampf der Buße und der Verläugnung der Welt. Bisweilen ist diese Freudigkeit ziemlich selbst gemacht, oder natürlich, und also nichts als Einbildung. Es wird aber auch der Seele, nach einem solchen gesetzlichen Anfang, die Vergebung ihrer vorigen Sünden, in dem Blut JEsu Cbristi, wirklich zugeeignet, entweder durch ein zartes gründliches Vertrauen, oder durch eine niehr ausdrückliche Versicherung; und sodann ist sie nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade; sie ist in Christo, zu welchem und zu dessen Sinn, Neigungen und Gemeinschaft sie inniglich geneigt wird. Sie ist aber nur dem Anfang nach in Christo; sie ist in ihm noch nicht gewurzelt und gegründet. Der ganze Prozeß der Gleichförmigkeit mit Christi Leben, Leiden, Tod und Auferstehung gebet da erst recht an. Paulus war wirklich in Christo, und doch spricht er noch das , was wir Phil, z, 8-is. lesen können. Eine solche Seele, die so dem Anfang D AB, »Pl. Dill! Min «G sülch W W Ogi ßlkl, An Rs >>-K III. Theil. i4ter Brief. 4Z «enK de,Ritz e dhch tzß leAchik« f der W )!»! ZEß !>!kr dmch WV« sMj»' D,/ EA'E fang nach in Christo ist, ruhet mit ihrem Vertrauen noch nicht ganz und bloß in ihm, sondern noch viel mehr in sich selbst, in den Empfindungen der Gnade, ja in den geschenkten Lichtern, Kräften und Tugenden, welche sie allmählig, als ihr eigenes Gut, sich unwissend zueignet. Gehets bei solchen Seelen dann nicht allemal nach Wunsch, sondern in der Dunkelheit und Dürre, dann zagen und zappeln sie wieder, laßen sich wieder unter das Gesetz gefangen nehmen durch tausenderlei Furcht, Sorge, Unruh, eigene Vornehmens und Wirksamkeiten, um es wieder gut zu machen, da sie nur mit Herz und Verträum so bloß in Christo bleiben sollten, ohne Absicht auf das Empfindliche, sich ihm überlaßend, und ihn für den Ausgang sorgen laßen; und siehe, da fallen sie hingegen nur in eigene Wirksamkeit und Gorglichkeir. GOtt laßt sich dann auch vielfältig wieder herunter, und gibt der Seele wieder was Empfindliches, und dann nimmt ers auch wieder, damit sie allmählig lerne, sich selbst verlaßen, auf ihn vertrauen, und seinem Geist freie Hand geben. Und dergestalt werden wohl die meisten mit Abwechslungen gereiniget und zu GOtt ge- führet. Andere auserlesene Seelen werden zu seiner Zeit, nachdem sie genugsam befestiget, wohl scharf gereiniget; ja es gehet recht ernstlich und betrübt her, wann solche Seelen, denen sich GOtt inniglich zu erkennen und zu lieben 44 Geistliche Briefe. lieben gegeben hat, und die demnach keine D! Ruhe noch Vergnügen außer ihm haben kön- E nen noch wollen, nicht nur die empfindliche E Gnaden und Mittheilungen, sondern auch die damit gepaart gehende Lust und Leichtigkeit zu W" allem Guten verlieren, ja ihnen zugleich ihre tief eingedrungene Unart, Eigenheiten und äußerstes Unvermögen, sich zu bessern und zu 5*» verwahren entdecket wird; welches bei einigen kW gar gründlich hergehct, und lange wahret. Dieß ist der Stand der inneren Läuterungen, kW welcher dem Stand unter dem Gesetz in vielen IW Dingen ähnlich scheinet, doch aber sehr weit davon unterschieden ist; wie ich im Briese wi- mW der die falsche Freiheiten*) wo mir recht ist, erkläret habe. Hier muß die Seele aus Noch H» sich letSenrllch hingeben, verlieren, und N GOtt überlasten: aber unter dem Gesetz muß Mch sie nach Christo amd seiner Gnade schreien, chm solche in Demuth erwarten, und inzwischen Wr! wirksamer Weise wider das Böse kämpfen. !i»!w Dieser Stand der Läuterungen ist auch wirk- »ckn lich unterschieden nach seinen Staffeln, nach den Beschaffenbeiten der Seele, und nach W GOttes Vornehmen über sie. In solchem Wer Zustande nun findet sichs immer mehr, wie so sm i überaus schwer es fällt, daß ein Mensch der >>i Z Gerechtigkeit GDttes (welcher allein die Ehre iWg haben will) wahrlich unterthan werde, von allem Vertrauen auf sich und das Seinige ab- hiiH stehe, »ch„ '----- SG> HI. Theil. 141er Brief. 4z stehe, und sich ganz bloß der puren Gnade «"k» aiwerrraue, in Ewigkeit etwas weiter EWch von sich selbst zu erwarten. Hält aber die Seele diese Läuterungen, WMz, Entblößungen und Vernichtigungen nach Wtz GOttes Willen aus, und verläßt sich selbst Mn« ganz, dann wird sie auch ganz in GOtt ein- AMst genonmien: Christus wird ihre wesentliche Ge- Kdkikich rechtigkeit in ihr, und der Grundansang ihres WM Lebens, und ihrer inneren und äußeren Ver- «MU richrungen; sie ist ganz arm, unansehnlich und Duck schwach, und doch auch ganz reich, unüber- kt sehr« windlich und sehr unschuldig; sie ist mit GOtt iW» vereiniget, der in ihr lebet, und stein GOtt, iriM wie Erfahrne mit mehrerem davon zeugen e mM können. m, « Diese tiefere Leiden, und die Seligkeit Wniuj darnach, werden sonderlich denjenigen aus- Sr Mii, erlesenen Seelen zu Theil, welche einen Zug, MW oder Beruf zum Inwendigen baben, und in demselben zur Vollendung sollen geführet st«hB werben. Diesen Zug zum Inwendigen be- M kommen einige früher, andere später: gemei-- niglich aber entstehet er, nachdem die Seele tzW von dem ersten Ernst und den darauf genos- «Ur B siuen empfindlichen Gnadengaben entblößet W ^ ist. Da werden ihr ihre verständliche Nach- stnnungen und eigene Wirksamkeit im Aeußern und Innern sehr verleidet und benommen; hingegen findet sie bei sich eine geheime Jncli- ^ ^ Nation zur äußern und innern Stille und Ab- ^ geschiedenheit. Wann sie in einer allgemeinen. liebe- 46 Geistliche Briefe. liebevollen Andacht zu GOtt und dessen Gegenwart bleibet, dann befindet sie sich wohl; will sie was mehr thun durch Nachsinnungen, Anstrengungen oder mündlich Bethen, alsbald ist sie zerstreuet, unruhig und dürre; ihr Innerstes will von allem abgeschieden, und ganz für GOtt seyn, u. s. w. Hält nun die Seele in dem Srilleseyn und Vertrauen dergestalt einfältig aus, so wird sie dadurch großer und theurer Gnaden fähig; sie liebet also GOtt in ihrer Abgeschiedenheit und Ruhe, und der wird sie wieder lieben, ja sich in ihr offenbaren. Und da wird ihr alles viel reiner wieder geschenket, was sie verloren zu haben schien rc. Nachdem nun aber GOttes Vornehmen über solche Seelen ist, so pfleget er selbige nachher (wie droben berühret worden) noch durch verschiedene Wege der Reinigung, De- müthigungen und des Todes zu seinem reine- sten GOttesleben, und völliger Vereinigung oder Einheit mit ihm zu führen. Ich schreibe so in der Eil, und mit so schwachem Haupt, daß mich kaum besinne; sage deswegen wohl vieles unordentlich, und das zur Sache nicht dienet, wo nicht gar unrichtig; du nimmst nur für dich daraus, was dir dienet, und vernichtigest es dann. Wenn man aber nun dir, oder einer anderen Seele, die eigene Wirksamkeit und Sörglichkeit abrätb; so zielet das im allergeringsten nicht auf eine falsche Gelaßenheit, oder Wh! Mhj ,,chk lri cht Wie M >I>e. 47 6 ch>>, gj- MWi», lrrlkMmde stk l>M kl'kll!'!!! « Äm, ,sti k krlorky kl rr sch M) Nkli Mz,D sk»»' zzmiH« Mß, ^ Illikkll HI. Theik. i4ter Brief. oder ungebundene Fahrläßigkeit. Wenn man GOtt sein Herz gibt, und ihm sich völlig anvertrauet, dann verlieret man zwar die unruhige Kümmerlichkeit und Sorge für sich selbst, welche aus der Eigenliebe entstehet: man kann aber nicht GOtt sein Herz geben, und zugleich in williger Zerstreuung leben. Man hält sich abgeschieden, man liebet das Gebet!), man thut äußerlich und innerlich, was man glaubt, GOtt zu gefallen, und ihm am liebsten zu seyn; man will wohl recht treu und genau in allem seyn, nur muß das kümmerliche Wesen davon; man läßt GOtt für den Ausgang sorgen; man sieht nicht so immer nach sich selber um, stellt nicht tausend Untersuchungen an; nimmt nicht täglich neue Uebungen oder Vornehmens vor, will sich nicht bald in diese bald in jene gute Gemüthsfassung selber hinein helfen; sondern man gibt GOtt nach; man trägt alle Ge- müthsbeschaffenheiten mit Frieden, auch so gar die Dürre, die Leiden, die Versuchungen und Elenden, GOtt in allem kindlich anbe- thend, liebend, und verherrlichend mit stillem Geiste. Man will und thut aber nichts Böses; durchaus nicht. Wenn solches aber auch wirklich geschähe, oder die Seele meynte, daß es, ihr unwissend, geschähe, so wird man nicht gleich so gar verzagt, mürrisch und unruhig; man gestehet gern seine Schuld und Elend, und trägt diesen Schmerz und diese Vernichtigung vor GOtt mit Frieden; und 43 Geistliche Briefe. und also Wird aus der Demut!) ein reines III^ Vertrauen in GOtt geboren, da man von D sich selbst hinfür nichts, von GOtt aber alles erwartet. ' m Siehe, Bruder, ich sage vieles, und j M vielleicht nichts, das dich vergnüget; mich aber! M wahrlich noch viel weniger.-Ich bitte, daß JEsus deine Seele besitze, und dich sich- D ren wolle den rechten und beßten Weg. Bethe Bll Don der Beschaffenheit der Leiden, und wie darinnen zu verhalten. Lieber Bruder! » kß c^ch nehme von Herzen Theil an deinen Lei- Mjs den, wie sie auch immer seyn mögen. M Wenn GOtt Lust hat, uns ins Leiden zu tz setzen, dann muß sich alles darnach schicken, ju, und eine Kleinigkeit kann einem ein Berg dünken, damit wir das Vergnügen nicht ^ haben mögen, das Mitleiden anderer, und ^ unseren eigenen Muth zu sehen. Nur ge- l Mülbeim, armer, schwacher Br"- l' den 2z. Nov. 1740. der. auch für mich, ich Habs sehr nöthig. Dein Hk Ol Der izte Brief. trost, Z» m. Theil. I5ter Brief. 49 krost, und immer fort, mein Bruder! Die Nitz edle Leidenszeit ist kurz. Wir mäßen sol- Mch (hx jm Glauben köstlich schätzen, und weder ,, uns selbst, noch die Kreuzchen viel besehen, sondern uns nur bücken, und immer auf I,MW GOtt vertrauen. Ich Habs auch, die mehr ' K bk reste Zeit, von vielen Seiten, so dem HErrn W W allein bekannt ist. Erpresse von solchen Mate- M Äh rien etwas zum Trost suchen und lesen wollen, U achte ich unnützlich, und bisweilen schädlich. GOtt läßt einem bisweilen wohl etwas ungesucht Vorkommen; und da nimmt mans ein- M A fältig an. Wer in den Artikel vom Leiden recht ^ hineinkommt, kanns selten mit andern reimen, wovon er liefet. Das Gebet!) ist eine gute .... Retirade; selbiges etwas zu verlängeren, gehet auch an, nur muß man im Gebeth , GOtt kindlich zum Vorwurf haben, und h nicht vorsätzlich sich selbst und seine Leiden. ,Wir mäßen uns GOtt schenken, und sodann MM? vergnügt seyn mit ihm, und mit dem, was wir gegenwärtig haben, vergnüge sage ich, denn alle Unvergnügtheit machet düster und mürrisch, und eine Vermittlung . WB zwischen GOtt und uns. Der innere Grund- Wille aber kann vergnügt seyn, und ruhig ,'Wj« mit GOtt einstimmen, und die Natur doch ru eben der Zeit das Gegentheil fühlen; das muß man auch ruhig leiden. Mülheim, am unschuldigen Kindleinstag, 1740. > Zweit. B. ui. Th. D Der Der i6te Brief. Vom Unterschied der sinnlichen und reinen Bru- Verliebe. Vom Leiden und kindlicher Umfassung des Wohlgefallens GOttes. Herzlich geliebte Schwester! H>ein Brieflein habe richtig erhalten; es ^ war mir um so viel angenehmer, weil ich in so langer Zeit von dannen nichts gesehen hatte, welches mir auch nicht völlig recht war. Alles muß durchs Feuer gereinigt werden. Was nicht GOtt und GOttes Werk ist, das verschwindet in der Probe; so gehts auch mit der brüderlichen Liebe und Vereinigung, da, was sinnlich und eigen ist, immer mehr geschieden wird: so weit man aber in Einem Lebensbaum gepflanzet stehet, und aus Einer Wurzel Leben empfängt , bleibt die Liebe unveränderlich im Geiste fest, und wird durch die Probe nur reiner und seliger. Mein Herz ist gegen dich, wie auch gegen die andern, die dem Lamm in der Wahrheit zu folgen sich ergeben haben, in unverfälschter Liebe, wie gestern und vorgestern ; und wünsche immer tiefer und fester zu stehen in JEsu, unserem Haupt, in welchem und aus welchem wir als Glieder an einander Mk iB B D a, chl Za, ES m. Theit. i6ter Brief. Zt ^ einander hangen, und in einander einfließen .k können. Dazu muß das selige Kreuz von U» Außen und Innen, unter GOttes Segen, hauptsächlich mit helfen. Darum Hab' ich zwar eines Theils ein brüderliches Mirleiden " mit den Leiden, die dich treffen, und wollte, wenn ichs könnte, gern was mit aufpacken: doch kann ich dich deßwegen nicht unglücklich ^ schätzen, noch das Leiden eine Plage nen- z lien, nur in so weit, wenn man soll und tz nicht will; obgleich auch dieses nicht will PO« i"i anhaltender Liebesmarter schon gebrochen, Mgck ""b zur völligen Ergebung gebracht wird. k Mtz Von deines Mannes Krankheit hatte i> Wisi ich nicht das Geringste gehöret; ich Hab' es crPrck; am ersten aus deinem Brieflein ersehen. MM Gelobet sey der HErr, der ihn wiederum «V ausgerichtet hat! Er werde verherrlichet bei- >: so M des durch die Krankheit und Wiedergenesung. , MG Ja, Amen! > ÄH bleibe auch noch als in meinergewöhn- lichen Schwächlichkeit, obwohl mit immer- eW» währenden Abwechslungen; so daß nichts Gewisses oder Beständiges darin habe, oder K ^ sagen kann. Durchgehends bin ich außer Mliiik Stand zum Schreiben und langem Umgang . Di mit Menschen: es ist aber noch alles gar er- »uM träglich. Mein Geist will es, durch GOttes !. Barmherzigkeit, nicht anders. Die stille An- , D bethung und kindliche Umfassung des gegen- wärtigen Wohlgefallens GOttes, gibt we- ' > D - smr> <2 Geistliche Briefe. ! sentliches Heil und Frieden einer Seele, die nichts will, als GOtt; denn er sorget unendlich für uns, so daß wir uns ihm im Blinden anvertrauen können. Doch muß alles durchs Kreuz und Proben gehen, was zM Wahrheit und Wesen seyn soll; denn der ^ Mensch wills immer selbst seyn und machen, da er dann durch die Noth zur Erkenntniß ° und zum rechten Loslaßen seiner selbst ge- . bracht werden muß. Doch rhuts der HErr ^ selbst mit großer Güte und Weisheit, weil ^ er genau unsere Schwachheit und Unvermö- ^ gen wieget. Er will uns nicht verderben, sondern reinigen und innigst zu sich ziehen. § Derjenige, der gesagt hat: wann ich werde , erhöhet seyn von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen, der vollende solches auch > , in uns, nach seinem Wohlgefallen, und zu k»" seiner Verklärung in uns! Ich grüße in herzlicher Liebe-Durch Gnade bleibe ich unverrückt f Ich Dein tt verbundener Bruder. Herz sD »Ich -—. Ä lh» Mülheim, den 20. Jan. 1741. 53 W, dlmik Aljx lkkü«: Wjt r-L Der i7te Brief. Verhaltungsregeln, wie man sich im Entdecken seines Zustandes, im Wirken und Leiden, im Verlieren und Vergessen, und im besonder» Gebeth zu betragen. Herzlich geliebter Bruder! !» mir dem Zustand genugsam bekannt sey, M ^ zweifelt bisweilen deine Vernunft. Sie dx mags immerhin thun! Ich will keine Gründe suchen, sie davon zu überzeugen, möchte sie L sonst wohl finden. Dieses sage ich nur, daß zwar die Seelen vorsetzlich nichts verschwei- gen müßen, was dienen kann, ihren Zustand . zu erkennen, übrigens aber weder auf ihr , ^ genaues Entdecken, noch auf die Person, der sie solches entdecken, bauen müßen, sondern lediglich auf die unendliche Güte GOrtes im kindlichen Glauben, daß er sie recht führen, und auch dem, der sie anweisen soll, ins W> Herz geben werde, alles zu rechter Zeit zu sagen, oder zu verschweigen. Unser gütiger Vater wird uns keinen Stein für Brod, noch eine Schlange für einen Fisch geben. Seinen Geist, den heiligen und unbetrug- lichen, gibt er allen denen, die ihn darum bitten, der sie nicht laßt irre gehen. D; Meine 54 Geistliche Briefe. - Meine Person anlangend und mein Licht, davon ist nichts zu sagen. Ich bin ein solcher, daß mich gar nicht darüber verwundere, wenn man kein Vertrauen zu mir hat; wäre mir auch viel lieber, wenn in der Absicht alle meiner vergessen möchten. Nur Hab' ich ein un- gemeines Verlangen, alle, die ich liebe, gern heilig und innig zu sehen, weil ich keine Glückseligkeit kenne, als diese; diese aber kenne ich mit unzweifelbarer Gewißheit. Daß du zum inneren Leben Beruf und Fähigkeit hast, ist gewiß; dieses Leben aber erreicht man nicht ohne Tod, in den man theils wirkender, theils leidender Weise ein- geführet wird; wirkender weise durch die Drangebung und Abneigung von allem dem, worin man Leben, Lust und Stütze hat außer GOtt; leidender weise durch Alles, ich sage Alles, was nur Widriges, oder Mortifici- rendes, innerlich oder äußerlich begegnet, indem mans mit beugsamem Willen einfältig von GOtt annimmr, und es mit keiner Unruh anders will, als es ist: wohin dann auch die Unempfindlichkeit, Dürre, widerwillige Zerstreuungen, Vernünftlungen, Regungen der Leidenschaften rc. mitgehören; als welches man, mit möglichster Abneigung, ungestört, und GOtt zu lieb, leiden muß. Dieß ist die Weise, wie man in Tod geführet wird; der uns aber darein führet, ist von Außen die Liebesvorsehung; von Innen aber der Geist der M B B, B W W M De . «Ich che, !üei T Sß H gl»! G IH. Theil. I 7 ter Brief. 55 A der Liebe, der uns im Grunde nahe ist, und ? uns ziehet, locket, neiget, nachdem unser ^ Stand ist. Etz Diese Liebesgegenwart zu glauben, diesen A» Glauben, durch öfteres Andenken, zu nah- ren, und den geheimen Zug und Neigung, M welche dieser getreue Freund im Grund er- kr k, wecket, wohl wahr zu nehmen, und mit ganzer Hingebung zu folgen, muß so gar dein Eines und Alles seyn, daß du über dem ch«! geheimen und stummen Umgang mit diesem mch Herzensfreund deiner selbst und aller deiner „W Elenden glücklich vergissest, und dich Verse» lierest. V Also stehest du, daß du dich auch verlieren 2 und vergessen mußt. Ein jeder muß nur die ^ Wahrheit nach seinem Stand verstehen. Für W dich will es sagen, daß du deinen Feinden, Elenden, Schwierigkeiten und Gefahren nicht W' direct entgegen gehen, oder sie starr ansehen, d sondern dich sanft, aber doch ganz, davon ""7 abneigen, sie vergessen, und dich zu GOtt 'E neigend ihn allein ansehen, und im Glauben E zu deinem Vorwurf behalten mußt. B Die Versäumung des besonderen Gebeths M ist für dich wichtig, wenn sie aus deiner P< Schuld kommt. Lerne darin GOtt Raum ^>1 geben, und in dem Glauben seiner inni- gen Gegenwart ihm ergeben zu sepn. Der Glaube an GVrres innige Nahheic, und »s D4 der Geistliche Briefe. ^ der lautere Sinn, ganz für ihn zu feyn, ^ ist die Seele des Gebeths. Du mußt mehr leiden, als wirken vor undbeiGOtt; doch muß der Geist der Gnaden freie Hand haben. Du wirkest zu sehr sinnlich und vernünftlich: oder besser gesagt, du läßt es dein sinnliches ,««> Theil zu viel wissen, was der Geist thut. Dein Umgang mit GOtt, und deine Thaten im H Geberh mäßen was geheimer, sanfter und inniger seyn; und weil sie das bisweilen nicht A > genug sind, daher gibts keinen Frieden: denn ^ der Geist siehet wobl, daß es nicht so völlig W Wahrheit ist, was du alsdann thust, darum M kommt es ihm so theils verstellt vor. Nur M beständig und geduldig geblieben, auch mitten W in der Dürre! Deine Eigenliebe muß erst !«i todt seyn, dann wirst du GOltes Liebe ohne k Gefahr schmäcken können. Lim Mülheim, den 17. May 1741. Der i8te Brief. Wie man sich bei Entdeckung seines eigenen Elends "V zu verhalten. M bald ich von deiner Schwachheit gehör Hab' ich dich in brüderlichem Mit- >»«!!>! leiden suchen zu fassen, wünschend, (wie ich d« auch noch von Herzen thue), daß der liebe A GOtt, auch durch diese Besuchung, seinen M heiligen und gütigen Endzweck in Ansehung ß «!> deiner Seele erreichen möge! l cht Es ist Gnade, wann der HErr dir deine Untreu, Ungestorbenheit und Ungestalt tief entdecket. Die Schwermüthigkeit entstehet aus der Eigenliebe. Vertraue dich dem HErrn völlig an, wie du bist, auf pure Gnade, und übergib dich ihm und seiner Gnadenbewirkung ganz, und mit einfältigem Herzen: damit, in dem vielleicht kurzen Ueberrest deiner Tage, gründlich in dir getödtet werde, was von der Natur und eigenem Leben übrig ist, und dein ewiger Geist die dem Volke GOttes verheißene Ruhe noch bei Leibesleben erreichen möge! Wage dich ganz dabei; siehe den kleinen Gewohnheiten und Ungesior- venheiten nicht durch die Finger; traue deinem argen Herzen nichts, GOtt aber viel; ft D 5 liebe Mir Herzlich geliebter Bruder! 58 Geistliche Briefe. liebe die Abgeschiedenheit, das Stillschweigen W und Gebet!). IEsus segne dich! Dein Mülheim, den zo. Mai 1741. »s >lk- - schwacher Mitbruder. i)ßch Der i9te Brief. Don siebenerlei Stufen r wie man GDtt in . Christo allein ansehen, und sich selbst nicht ansehen, sondern vergessen müße. Ak ^ In der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! c>ch sehe da noch deinen Angenehmen, vom 9ten März, liegen, worin du auf etwas, das ich in meinem Vorigen gesagt, nähere Bedeutung begehrest. Ich soll nämlich geschrieben haben : Gd)tt in Christo allein ansehen, und sich selbst nicht ansehen, sondern vergessen, das wirke alle Tugend; es habe aber auch seine Stufen» Diese Stufen nun begehrest du, dir einst bekannt zu machen; eben als wenn du es nicht so wohl wüßtest, als ich. Doch ich will einfältig sagen, was mir davon beifällt; ob 1, W hl tz »Uh Ilßlh chri ß« III. Theil. lyter Brief. 59 EHch ob ich gleich nicht mehr weiß, welchergestalt ich die Sache damals eingesehen habe. Ich kann dann jetzt sagen, daß man hauptsächlich auf eine siebenfache Weise GOtt in Mn> Christo allein ansehen, und sich selbstvergessen kann und muß; und es jedesmal (doch mit sehr merklichem Unterschied) die Erfahrung -^lehret, wie dadurch alle Tugend und alles Gute gewirket werde. Man thut solches r) suchender Weise; 2) empfindlicher Weise; z) übender Weise; 4) einfältiger Weise; ;) beschauender Weise; 6) überlaßender Wei- M-se; 7) wesentlicher Weise, nachdem eines je- »M den Zustand und Führung ist; und ein jeder d muß nach seinem Stand und Führung zu Werk gehen, ohne sich darum zu bekümmern, M> ob sein Stand hoch oder niedrig sei), weil der Stand, worin uns GOtt haben will, der vollkommenste für uns ist. M» I- Im Grande der Buße, es sei) , im Anfang oder nachher, wann die Seele KM ihre Sünvenwunden, Druck, Angst und Unruh im Gewissen fühlet, wegen Ahndung W göttlicher Gerechtigkeit, nach welcher sie nichts »h anders als Finsterniß, Tod und Verdamm- M niß vor sich sichet: da ist kein besserer, ja kein anderer Rath noch Ausweg für die See- le, als daß sie sich selbst nicht ansehe, son- dem GOtt in Christo allein, soll anders ^ ihre Wunde geheilet, und alle Tugend in ^ . ihr 6o Geistliche Briefe. ihr gewirket werden. Sich umsehen nach einem vermeynten guten Werk; sich helfen und beruhigen wollen durch Pflichten, gut- meynende Uebungen, eigene Versprechungen, und Vornehmens der Besserung rc. das ist nur ein Tünchen mit losem Kalk. Durch Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht vor GOtt; das Gesetz ist zu heilig, und das Fleisch zu schwach, daß es dem Gesetz GOrt es nicht unterthan seyn kann. Das Gewissen wird durch den Weg nicht beruhiget, sondern man fällt immer tiefer drein, und wenn man sein Elend lang genug angesehen, und sein Beßres gethan hat, dann findet man sich zuletzt am Ende des siebenten Kapitels an die Römer: Ich elender Mensch rc. Gibt aber die Seele GOtt Recht, stimmet von Herzen zu in ihre Fluchwürdigkeit, Elend und Unvermögen, und flehet sodann von sich selber ab, um nur GOtt in Christo anzusehen, der aus Gnaden den Sünder annimmt und heilet; so wird ihr wahrlich geholfen, und wenn sie auch Berge von Sünden auf sich hätte, und ihr Herz mit sieben Teufeln angefüllet wäre. Die Seele muß nur, ihren Jammer von Herzen bekennend, immer ihre Augen davon ab, auf GOtt in Christo wenden, der durch Christi Blut alle Sünden vergeben und austilgen kann und will; und wann ihr ihr Elend und Noch immer wieder ins Gesicht fiel, und es ihr schien, als wann sie GOtt in Christo M KM j».! tll, ! !» r>. ritz' Eck 6i III. Theil. 191er Brief. s??.'' Christo nicht «»sehen könnte, oder derselbe ...' ' sie nicht ansehen wollte; so kann sie doch nur ^ JEsu Namen beständig fortfahren, im- > ^ wer von sich ab- in Christo zu sehen, der sie " 7k nimmermehr wird laßen zu schänden werden, . « sondern sie endlich mit ewiger Erbarmung umfassen. Und also vergisset man sich selbst, und stehet GOtt in Christo an suchender mW weise, gleichwie ein krankes und peinliches « Kind auf seine Mutter stehet; oder, wie die P « von den giftigen Schlangen in der Wüste ler« Gestochene, nicht ihre Wunden, sondern die Wik eherne Schlange ansahen, und wurden gene- !k, dr stn. Also wer an den Sohn GOttes glau- bet, wird nicht verloren gehen, sondern Leben haben rc. kW 2. Stande der Erquickungen; m' es sey nun, daß der freundliche GOtt die W» Seele den Neichkhum seiner Barmherzigkeit, !W in Vergebung aller ihrer Sünden, sehen und .sm'i schmücken läßet; oder, daß er ihr sonst einige empfindliche Gnadengabe, Freudig- keit, Licht, Lust, Trost, oder dergleichen ^ mittheilet. Da hat die Seele sonderlich auch «D nöthig , daß sie sich selbst nicht ansehe, son- B ^ dern sich vergesse, damit GOttes Wohltha- ten nicht durch Selbstgefallen und eigene ßB Anmaßung verderbet werden: vielmehr soll M die Seele beides vor sich selbst und vor GOt- D il tes Gaben (nachdem sie GOtt dafür gedan- K' ket) die Augen schließen, um nichts davon ^ - für 62 Geistliche Briefe. für sich selbst haben zu wollen, sondern sich alles dessen wieder zu entaußern, um GOti in Christo allein anzusehen im Glauben, und keinen Gefallen haben an sich selbst, sondern an GOtt, dem Geber und der -Quelle aller guten Gaben, der allein gut und liebenswürdig ist. Dieses Vergessen seiner selbst und des empfangenen Guten in sich; dieses Entäußern, dieses Zuschließen der Augen vor sich und allem Geschaffenen, um nichts für sich darin zu wollen haben oder sehen, sondern GOtt allein anzusehen, kommt dem groben Sinn und der Eigenheit widersinnig vor, und sollte die Vernunft denken: was nutzet mirs dann, ob ich dieß und jenes von GOtt habe und empfange, wenn ichs wieder vergessen, und nichts darin für mich haben soll? Allein die Vernunft und Sinne sind blind an GOttes Reich. Die Erfahrung lehret, daß, je mehr wir uns alles Guren enräu- ßern , und es in der Eigenheit nicht besitzen wollen, desto edler haken wirs; und wenn wir uns des Edeln, das wir haben, auch wieder entaußern, um nichts als GOtt ansehen zu wollen, so wächst abermal unser Gutes und unsere Seligkeit: denn je mehr aufrichtige Selbstverschmähung und Ausgang aus der Eigenheit; desto mehr Tugend, Friede und gründliche Seligkeit hat eine Seele. Weil aber, leider! viele das Gure, so sie von GOtt bekommen, in der Eigenheit ansehen und fest halten; so kriegen sie das pB UM U ß Uli! irkm O Hm HI. Theil. i 9 ter Brief. 6z Arilin >as Bessere nicht, ja auch das Gute wird »>A ^rdorben und verloren. Und also muß die jöeele, welche sich in diesen Umständen findet, sv»^ mpfindenderweisesich selbst vergessen ck t und nicht ansehen, sondern GOtt allein in >!ich Christo, welches alles Gute wirket. Und ob N D der Geliebte, in diesen angenehmen Tagen, S! ^ der Braut schon einen Schmuck nach dein IWV andern umhänget, und dann spricht: Siehe, meine Freundinn! du bist schön; rc. so «ü, h will sie sich dennoch nicht ansehen, sondern kMgm antwortet: Siehe, mein Freund ! Du MM bist schön, rc. Hohel. r, is. und i6. lö H »EÄ Wege der Heiligung muß U V ^ Seele anfangs übender weise GOtt bM in Christo allein ansehen, sich selbst aber M nicht ansehen, sondern sehr vergessen. Man- che gutmeynende Herzen, welche die Gnade ^GOtres in Christo ein wenig empfunden, M bekommen ein herzliches Verlangen und Ernst, « Ehren leben, und ver Hei- ^ ligung nachzujagen; es ist aber Schade, daß man so vielfältig die Sache unrecht an- ö^eift. Man suchet seine Feinde gleichsam "^auf; man prüfet und erforschet sein Thun und Leben; man widersetzet sich mit aller ^Anstrengung, dem Bösen, befleißiget sich ?i«l ^ Tugenden, und setzet sich in eine so « iwmme Gestalt als man nur immer kann: « allein, es wird daraus entweder ein selbst gemachtes äußeres Schein - und Heuchelwe- sen. §4 Geistliche Briefe. Wurzel; oder fen, ohne Grund r martert sich mit Kleinmüthigkeit und Unglauben ; oder gibt wohl gar den Muth auf,> weil man der Gebrechen so viel findet, unken,en Rath sichet, sich so heilig zu machen,! als mans wohl erkennet: denn so gehet die! Seele in sich selber, und ohne GOtt zu Werk. Der leichteste und richtigste Weg zur Heiligung ist GOtt in Christo ansehen, und sich selbst sammt seinen Elenden sehr vergessen. Lastet uns laufen im Ramps, der uns verordnet ist, sagt Paulus Hebr. 12. Aber welchcrgestalt? Absehend auf IEsum den Anfänger und Vollender des Glaubens. Dieß ist eben die schöne Uebung der Beschäfftigung mit GOtt, und seiner liebreichen Gegenwart, wovon im i 6 . Psalm stehet: Ich habe den HErrn mir allezeit vor Augen gesteller. Dieses kindliche Glaubensgesicht , Andenken und Beschäfftigung des Herzens mit dem gegenwärtigen Liebesgott , und mit seinen göttlichen Vollkommenheiten, ist eine rechte Kriegslist im inwendigen Kampf, da sich die Seele geradezu mit keinem Feind einläßt, sondern es macht wie ein Kind, das einen Hund stehet, und ohne sich mit demselben zu schlagen, mir zur Mutter läuft, und sich vertraulich in ihren Schooß verbirget. Durch dieses Sehen auf GOtt, und diese Beschäfftigung des Herzens mit GOtt und seinen göttlichen Vollkommenheiten, wird die Seele wunder- barlich M HI. Theit. ryter Brief. üz ^«i bartich erleuchtet, gestärket, befriediget und, M wie im Schlaf, geheiliget, und zwar auf eine unverstellte gründliche Weise; weil der Ein- druck von GOttes Gegenwart, Hoheit, All- llAt« gemigsamkeir, und Vollkommenheit sie allge- mach durchdringet, von allem abgewöhnet, M und alles in ihren Augen und in ihrem Her- OK zen klein und gering machet, was dieser NO GOtt nicht ist. M t 4. Ist nun die Seele in dieser ihrer Uebung getreu und beständig, so segnet GOtt ihre lüH Arbeit; kommt ihr darin zuvor, und begeg- net ihr mit seinem Zug in ihrem Herzens- Md gründe, und gebeiinen Eindruck seiner innfi eN gen Nahheit, Liebe, Allgenugsamkeit und lö D göttlichen Vollkommenheiten. Es will sich I. W zwar mit ihr gar nicht mehr schicken, daß sie Mo diesen GOtt und dessen Vollkommenheiten mit W der Wirksamkeit ihres Verstandes, so von W Stück zu Stück, mit Unterscheidung betrach- eM ten, und sich dabei aufhalten kann: dennoch, M wenn sie sich einfältig bei ihrem Herzen hält, so findet sie da einen allgemeinen und geheimen Eindruck von GOttes Nahheit, Hobeit, Liebe M» und Allgenugsamkeit, der zwar, wie gesagt, ganz geheim und gleichsam undeutlich scheinet, doch aber mit einer verborgenen Kraft gepaa- M ret gehet, wodurch die Seele gar sehr abge- D zogen und abgeneigt wird von allem Geschaf- E !< fenen und Vergänglichen, um sich mit diesem, M ihrem GOtt zu vereinigen, und sich nabe bei ihm zu halten. Hier nun, hat die Seele Zweit. B. m. Th. E nichts 65 Geistliche Briefe. nichts zu thun, als daß sie diesem innigen Zug und dieser Grundneigung einfältig folge, und mit dieser Neigung GOtt anhange, bei ihm eingesammelt suche zu bleiben, und mit sanften, einfältigen Glaubensblicken nur denselben ansehe, und nichr sich selbst; so wird eben durch diese einfältige Einsammlung die Seele aufs beßte, vor allem Uebel bewahrt, die gründliche Tugenden in ihr gele- get, und sie zur wesentlichen Vereinigung mit GOtt, und zu Empfahung unzähliger Güter fähig gemacht. Will aber die Seele hier nicht so einfällig zu Werk gehen, sondern sich selbst besehen, und nach ihrem Bedün- ken handle» , so kann sie sich nur sehr aufhalten und verwirren; denn die vorige äußerliche, sinnliche, verständliche Betrachtungen und Uebungen wollen dem Gemüth gar keine Nahrung noch Vergnügen mehr geben; sie kann auch damit übel zurecht kommen; sie stehet nach ihrem sinnlichen Theil ziemlich dürre, schwach, und bisweilen leicht zerstreuet: und je mehr sie sich, durch Anstrengung der sinnlichen und verständlichen Wirksamkeiten, helfen will, desto schlimmer wird es. Nur, wenn sie, in einfältiger Stille alles vergessend, bei ihrem Herzen, oder besser gesagt, bei GOtt bleibet: dann wird sie in etwa obge- meldten Zug, Neigung und Eindruck gewahr, wobei ihr wohl ist, auch sogar daß sie eine geheime Ahndung dabei hat, wie sie nichts weiter nöthig habe zu thun oder zu begehren. !E «! Jnzwi- Hl. Theil. ryter Brief. 67 2 Inzwischen fällt es der Seele, wegen der ^ Unerfahrenheit und wegen der Einfalt solcher „Uebmig, anfänglich schwer sich damit zu ver- E- ^ gnügen, und nicht öfters wieder zu sich selbst j sM ^ kehren und sich selbst anzusehen, da sie 5,. ' nur mit Maria zu den Füßen des Heilandes 2 stille bleiben sollte, weil nur dieses Eine ihr . 7 nöthigist, und mehr Heil bringet, als ande- ihr Beunruhigen um viele Dinge. Doch ich schreibe zu weitläufig, und wills derhal- ben kurz fasten. /E 5. Die Seele sichet GOtt allein an, und nicht sich selbst, beschauenderweise, wann es GOtt beliebt, sich ihr wesentlicher sliM inwendig zu offenbaren (Joh. 14, 21.) und >t>iW ^ vergegenwärtigen, da das Auge der See- iiM leeröffnet, und mit einer angenehmen Macht ß GOttes aufdieß gegenwärtige, allvergnügende M,» Gut gelenket wird, ihn allein und unver- D wandt anzusehen und anzuhangen, welches M der Stand der Beschaulichkeit genannt wird, ßch Die Seele hat hier nicht sehr nöthig, daß M es ihr gesagt werde, sie solle sich selbst nicht > cmsehen, weil sie durch die so nahe Salbung iE schon genugsam darin unterwiesen , und durch die reizende, oder an sich ziehende Kraft des ^ gegenwärtigen GOttes leicht zu ihm gezo- gen wird. Wie viel Gutes dieses unver- siüix wandte GOtt-Ansehen in solchem Stande i B wirket, sagt unter andern Paulus 2 Cor. Z, 18. Indem 2,^. hje Herrlichkeit des V E 2 HErrn 68 Geistliche Briefe« HErrn beschauen, werden wir in dasselbe Bild vergestalcer, von einer Herrlichkeit AL zur anderen, als vom Geist des HErrn. Md HB 6. Man muß überlaßender und sier-- Mi bender weise GOtt in Christo allein anse- Dk« hen, sich selbst aber nicht ansehen, sondern ßß vergessen, in den bedenklichen und wichtigen Hn, Ständen der inneren Leiden, Entblößungen und Läuterungen. Ueberaus nöthig ist als- M dann der Seele diese Wahrheit; ja, je schwe- W rer und höher die Läuterungen sind, desto nö- M thiger stt ihr diese Ennnerung. In den hohen ^, Wegen der Vernichtigung und Läuterung kann die Seele weder Licht, noch Trost, noch ^ Gnade, noch GOtt finden, da ihr vielmehr W alles zuwider scheinet. Sie siebet, ja sie er- «ß fährst ihre Armuth, ihre Finsterniß, ihre M Schwachheit, ibr unbeschreiblich tiefes Elend aufs bitterste. Alle ihre vorige Gnaden und Mittheilungen sind wie verloren, und, wie ^ sie meynet, aus eigener Schuld verloren, Alle ihre Uebungen , Bemühungen, Erhe- ^ bringen, Sammlungen, rc. oder wie sie sM sich sonst zu helfen, zu bewahren, oder ^ mit GOtt zu vereinigen gewohnt war, kommen ihr nichts mehr zu statten rc. Was ^ ist zu thun? Nichts. Was ist zu leiden? 'Vieles; aber ohne Hoffnung der Erlö- C- sung, wie cs scheinet. Was bleibt dann dem armen Gemüth übrig? Und was ist chm zu rathen? Ihm bleibt nichts übrig, als ^ sein III. Theil. ryter Brief. 69 nlj^ sein großes Elend und pures Nichts; und ihm .5,^ jst nur dieses zu rächen, daß es mit inniger ^ ' Wahrheit in dieses sein Elend und Nichts ^. zustimme, und als ein solch armes Nichts sich ilkiim in Christo auf pure Gnade überlaste, . ohne etwas weiter in sich selber zu suchen, von ^ sich selber zu erwarten, noch für sich selbst zu hoffen, sondern GOtt recht spreche, und ihn mit sich machen laße in Zeit und Ewigkeit. Ä D>eß muß GOtt wirken und der Mensch W leiden; aber wann GOtt das wirket, dann gehet man aus sich selber aus; man verläßt M sich; man stirbt sich selber ab, und lernet. Mir H(is es sey, überlastender und sterben- verweise GOtt in Christo allein ansehen, e sich selbst aber nicht ansehen, sondern sehr vergessen, wodurch hier nicht nur alles Gute '.7! gewirket, sondern man mit dem wesentlichen M Gut erfüllet wird. Wt »id,>« ^ Eben dieses geschiehet wesentlicher M weise, in dem Stande der göttlichen Ein- ^ heitundVergestaltung,wovonJEsusJoh. 17. spricht, und andere Heiligen, so wohl in der 1, ^ heiligen Schrift, als sonst vieles gezeuger M haben, ich aber aus Erfahrung nichts sagen i, K- kann. Der HErr gebe uns Gnade, zu l D, erfahren, was ihm beliebt! Siehe Bruder, kB dieß ist es, was dir in der Eil, da immer M gehindert werde, auf deine Frage antworten ^ kann. Du wirst aus allem deinen Nutzen Agö' LU nehmen, und meine untergemischte Fehler lir E 3 zu 7o Geistliche Briefe. zu scheiden wissen, von dem, was göttliche ^ Wahrheit ist. Ich halte sonst nicht viel darauf, wann die Gemülher so viel von den Stufen im Christenthum wissen; da die Eigenliebe sich so gern zBl oben an setzen und sich in etwas formen will, worein GOtt noch nicht führet. Doch will ich diesen Brief auch nicht so angesehen haben, als wenn der eine Staffel auf den andern allezeit eben so folgen müßte. Es ist zwar wohl sA etwas daran, aber nicht bei allen Seelen, auch nicht so ordentlich und unterschiedlich: zu W geschweige«, daß die ungleiche Beschajftnhei- W ten und das ungleiche Verhalten der Seelen durch merkliche Veränderungen in den Führungen M verursachet; GOtt auch nicht mit allen »si einerlei Absichten hat. !»! Laßet uns kindlich bei GOtt bleiben im ^ Gegenwärtigen, und uns ihm ganz über- "N laßen nach dem völligen Maß seiner Gnade ^ in uns: bei aller Treue aber , und in allen ^ Proben nichts von uns selber, aber alles von ^ seiner unendlichen Güte erwarten. Amen, ^5 Er thue es! Gedenket meiner als O ^ Ä Eures W Mülheim, schwachen Bruders. § den 2. Jun. 1741. c n>E Der ?r >A Der 2oste Brief. Die Anstrengung müße nicht im Gebeth, sondern MI jn her Vcrläugnung gebraucht werden. Geliebter Bruder! Az Are Obgleich ich sehr schwach bin auf eine Ader- Cn!c ^ laß, so wollte doch eben melden, daß die W? Alteration und Aengstlichkeit beim Gebet!) aller- M dings eine natürliche Ursache bei dir habe, und d durch die geringste Anstrengung erwecket und lMgc vermehret werde. Ich rarhe also die Anstren- >t ck gung der Andacht ab, ohnerachtet es dir vorkommt, dein Gebeth sch dann nur so obenhin, lbm» Das wird sich ändern, wo du nur vorsetzlich ^ keine Untreu oder Auskehr hegest, sondern die wahre Anstrengung und Gewalt brauchest, welche in der Verläugnung, in der völligen I'., Uebergabe an GOtt, und m der geheimen V, Vereinigung mit seinem göttlichen Wohlgefallen in und außer dem Gebeth bestehet. Man kann sich ohnedem öfters, auf eine sanfte und doch wahrhafte Weise, der Gegenwart GOttes erinnern, und mit ruhiger Ertragung M seiner Armuth vor ihm bleiben. In Ansehung des Aeußeren rathe ich eine mäßige Bewegung an, so viel nämlich der Zustand oder die Kräfte leiden . . . .'Ich E 4 grüße 7» Geistliche Briefe. grüße herzlich im -HErrn, der deine Seele ^ segne, und ganz zu ihm gewandt mache! ! D «D Dein Mülheim, schwacher Bruder. -74-. A Der riste Brief. ^ A- Je mehr wir GOtt allein suchen zu vergnügen, je mehr finden wir ihn, und alles was uns D heiliget, im gegenwärtigen Nun. m, In der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! -Es ist eine große Gnade, und ein ruhiger Weg, wenn wir berufene Pilger auf Erden in allem nichts suchen noch beäugen, als nur unfern innig nahen GOtt zu vergnügen, und weiter nicht viel daran denken, wie es uns dabei gehet, oder wie wir andern gefallen. Je mehr dieser einfältige .perzensslnn unser Einziges und unser Ganzes wird, desto mehr finden wir unser Sterben und unser Leben, das ist unfern wahren Fortgang, immer in dem gegenwärtigen Stand und Sache vor uns, und unser Geist bleibt m Freuden, obschon öfters die Natur und der !ck, ich li»! Hl. Theil. sister Brief. 7z der seelische Theil ihre Noch dabei fühlen. ^ Läßt man aber der Vernunft Raum, oder will man sich gerne vergnügen, anstatt daß man nur herzlich GOtt vergnügen, zustim-- M men und dienen sollte in demjenigen, worin man innerlich oder äußerlich ist; so plaget und verwirret man sich ohne Frucht: denn GOtt ^ und alles, was uns heiliget und vergnüget, ^ ist eben im gegenwärtigen zu finden, und sonst weder im Himmel noch auf Erden, t Ach! der ewig liebende GOtt heitere unser Gemüth immer mehr auf, daß wir in Wip einem wahrlich abgeschiedenen, innigen, ein- ««s« fälligen Geistesleben seiner Liebesleitung folgen, unser eigen Leben nicht lieben bis in den Tod, und also die Seligkeiten seiner innig- Mk sten Vereinigung noch hier theilhaftig werden mögen! Amen. Meine Seele bittet solches in Schwachheit für dich, lieber Bruder, und Mi für alle Mitpilger daselbst; erwarte auch von ! W euch ein gleiches. Ich grüße alle liebe Herzen chdö im Geiste JEsu, wie ich sie letzt genennet M habe, und auch welche nicht genennet sind, M nach Gelegenheit .... JEfus sey mit unse- M« rem Geist. .... JEsus segne und lebe in M uns! Amen. Uli Dein ^ Amsterdam, W den 21. Jul. 1741. ft» ^ Sk C r Bruder. Der 74 »»chü7:üü!^ü^ ^—- Der 22ste Brief. Das Selbstsuchen macht alle unsere Pein, und in dem einfältigen GOtt-Meynen ist alle Ruhe unseres Geistes. MN In der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! K ^>ein Angenehmes, vom iten dieses, habe ^ gestern richtig bekommen, und war mir dasselbe erquicklich. GOtt sey für seine Güte und Freundlichkeit geliebet und gelobet, der uns wohl thut, und bis dahin auch noch im Aeußerlichen erhalten hat! wie ich denn meines Orts mich auch noch im Gewöhnlichen befinde. Zwar bin ich ein Paar Tage recht ermüdet und schwach im Haupt gewesen, weil ich unvermuthet noch nach N. und N. reisen mußte, und durch das beständige Besuchen in der kurzen Zeit, wie auch durch Wind und ungewöhnliche Speisen ziemlich aus meiner Ordnung gekommen war; jetzt aber bin, GOtt Lob! wieder erquicket, da ich verwichene Nacht wieder gute Ruhe gehabt habe.- Der HErr ist gut; er gibt uns gern unser täglich Brod, und erhält uns in seinem geheimen Frieden, wenn wir uns nur ihm wahrlich überlaßen und anvertrauen, und in keinem uns selber suchen und vergnügen wollen, son- Dr dm 86 UI. Theil. erster Brief. 7; sondern nur ihn und sein anbetungswürdiges Wohlgefallen. Dieses Selbstsuchen, wel- ches so subtil und listig einschleicht, macht alle unsere Pein: gleichwie in dem einfältigen GOtt-Mepnen alle unsere Ruhe, und die chjk wahre Freibeit unseres Geistes ist. Unser treuer Erlöser aber kann uns nur allein von diesem Greuel erlösen, da wir ihn durch uns M selbst nicht einmal erkennen würden. Er thut auch solches treulich, wo wir uns nur kindlich seiner Leitung überlaßen, und unser Leben W nicht lieben bis in den Tod. Das Gesetz sci- Wi: nes Geistes der Liebe, die Schickung seiner M Vorsehung, und die heilsame Leidenswege et, k zielen mit einander dabin, und bieten einan- lvch >« der die Hand, um uns von dem abscheu- mi m liehen Leben der Eigenheit zu erlösen, und in M>> die reine Liebe und Gemeinschaft GOttes ein- .zr rrik zuführen. Es wolle seine Barmherzigkeit die- ses in uns angefangene Werk kräftigst fort- setzen und vollenden, zu seiner ewigen Ver- M herrlichung in uns, Amen!- Ms Ich vergesse eurer zwar keineswegs vor GOtt; mein Andenken und Gebet!) aber «P sind gebrechlich: dennoch müßen wir für ein- ^ ander bethen, weil GOtt ein Wohlgefallen E A daran hat, und unsere Unwürdigkeit nicht an- sihen will. Der Schwachen und Leidenden Itz vergesse ich am wenigsten. Gedenket ihr auch ""st meiner. Ich grüße und küsse dich im Geist ' ^ der Liebe, auch den l. Br. H. Alle die. " tz übrige Geistliche Briefe. 76 übrige l. Kinder, Freunde rc. bitte gelegenheit- lich also zu grüßen von mir, wie du mein Herz darin kennest, und als wenn ich eines jeden Namen genennet hätte, welches die Zeit nicht zuläßt. . . . Nun muß ich abbrechen, weil die Zeit dahin ist. Ich bleibe dein und der übrigen Mitgenossen Amsterdam, den 4. August 1741. Der 2zste Brief. ^^0 eben bekomme ich dein Brieflein, und ^ höre ichs mit einem brüderlichen Mitleiden, daß der HErr dich auch durch eine schmerzliche und gefährliche Krankheit stark darnieder geleget hat. Nun dann! so unterwirf dich gelaßentlich dieser gewaltigen Hand GOttes, als sein Geschöpf, und als sein Kind, das ihm zugehöret, mit welchem er machen kann und mag, alles was ihm beliebet. Alle seine Wege sind heilig, an- bethungö- verbundener Bruder. iPll Tröstlicher Zuspruch an eine tödtliche kranke Freunvinn! In der Gnade IEsu herzlich geliebte Freundin» und Schwester! dichr III. Theil. Lzster Brief. 77 bethungswürdig, und eitel Güte. Er selbst erhalte in dir den kindlichen Glauben, daß auch dieser Läuterungsweg eitel Güce, und kein Zorn sey. Will die Natur ein anderes einwerfen, dann laß den Geist mit JEsu sagen: Sollt' ich den Reich nicht rrmken, den mir mein Varer gegeben har! Dieser unser JEsus hat für uns den Zornkelch getrunken in seinen allerhöchsten Leiden, darum leiden wir, die mrs ihm ergeben, keine eigentliche Plagen und Strafleiden, sondern wir werden gezüchtiget zu unserem Nutzen, damit wir seiner Heiligung theilhaftig werden. Er will uns klein und rein machen, damit wir ihm gefällig werden. Er will uns von aller Stütze in uns selbst und allem Geschaffenen immer mehr abhelfen, damit wir uns ihm gründlich und lediglich überlaßen, und in ihm allein unser ganzes Heil suchen. JEsus wird dich nicht allein laßen, sondern dir mit seiner unterstützenden Kraft innigst nahe bleiben, um den Geist zu stärken und durchzuführen mit Geduld, Glauben und Liebe; wie ich solches von Grund des Herzens von ihm bitte und bitten werde. Sollte es mit dir zu einem Uebergang in die Ewigkeit kommen, ol so steh nicht um nach dir selbst, weder nach deiner Treue noch Untreue; denn du hast nichts in dir als Sünden und Elenden; sondern laß dich, mit geschlossenen Augen und kindlicher Zuversicht, als eine nackte Sünderin», die nichts als Gnade 78 Geistliche Briefe. Gnade in dem Blut JEsu erwartet, in den Abgrund der ewigen Erbarmung und Liebe GOttes hinfallen, so wie du bist. Der JE- sus, dem du dich gegeben hast und noch gibst, ^ der dich geliebet hat und noch liebet, der wird dich sodann auf - und einnehmen, um ihm ! droben in seiner Ewigkeit vollkommener zu dienen, ihn vollkommener zu lieben und anzu- bethen, als du hier gethan hast: daselbst hoffe ich dich wieder zu finden, wenn es hier nicht ^ mehr geschehen sollte. Er segne dich aus seinem Heiligthum, und sep mit deinem Geiste in Noch und Tod! Ja, Amen, JEsu! ... Ich bleibe All Dein Mülbeim, treugesinnter Bruder, den io. Oct. 1741. 79 et,j^ . ------Hs« «tz >H Der 24ste Brief. /dii^ . .... . ? Aufmunterung an eine Kranke, um ihren Geist 1 ", in die treue Hände IEsu zu legen, und alS "M eine Sünderinn ihre Seligkeit zu erwarten. W«. >8 In der Gnade unsers theureften Heilan- des ZEsu, herzlich geliebte Schwe- MU K!>, sowohl von dem Bruder N. als auch aus ^ deines Bruders Brief Hab' ich gesehen, daß die gute Hand unsers GOttes dich auch darnieder gelegt hat. Du kannst versichert sepn, daß ich deine Seele, von dem an, in brüderlichem Mitleiden gefastet, und zu den Füßen unsers Heilandes und Hohenpriesters ausgeopfert habe, und noch aufopfere. Berhe du nur an, die göttliche und gute Hand, die dich besuchet; denn sie züchtiget nicht im Zorn, sondern zu deinem Nutzen, um dich seiner Heiligung theilhaftig zu machen. Unterwirf dich dann dieser Liebeshand, und laß es dir Wohlgefallen, was der HErr mit dir macht, denn ec wird das Beste für dich erwählen. Laß diese ewige Liebe nur machen, es gehe zum Leben oder zum Sterben. Begehre du weder dieses noch jenes, sondern nur seine Gnade, und in seiner Gnade dich ihm, als zo Geistliche Briefe« ein ganzes Opfer, auf Zeit und Ewigkeit zu überlaßen. Kannst du dieß gleich nicht thät- licher Weife und mit weitläufiger Ueberlegung, so lhue es nur mit deinem Willen und leident- licher Weise, und laß dich so bloß, und ohne einige Stütze in dir selbst, dahin fallen in die Hände seiner unendlichen Gutheit. Diese Gutheit wird sich dir offenbaren nach dem Maß, als du dich ganz losläßest, und nur GOlt anvertrauest. Ich weiß, daß GOtt dieses ganze Opfer von dir verlanget, und auch durch diese Krankheit solches nur suchet und in dir befördern will. Wage dich nur getrost, und verliere dich, so wirst du Luft kriegen, und nicht sterben ewiglich. Laß dich in keine Ueberle- gungen ein über dich selbst, über deine Sünden oder Unwürdigkeiten. Wollen die Gedanken drauf fallen und dich beunruhigen, so gestehe nur alles von Herzen; gib dich überall Schuld; beuge dich nur recht tief, und immer tiefer, daß du nichts mehr übrig behältst; sage aber dabei nur kindlich zu JEsu: HErr! das ist es nicht, was ich suche; ich will mit dir nicht rechten. Das weiß ich wohl, daß ich eine Sünderinn bin, und daß du recht hast; ich suche aber kein Recht, sondern Gnade suche ich, und die schlägst du mir nicht ab, weil du für mich gestorben bist. Ich gehöre dir zu, weil du mich erkaufet und berufen hast, L Ar dir D ßli. ßji N D N Ätz blltzx »sch Sr MdL »jeö»c M >tßM iVW KG D»,s! G«' üD bl»,-«! U ko" b°«k III. Theil. Laster Brief. tzl hast, darum ist mein Herz dein, und soll es bleiben m Ewigkeit. Ich laste mein Herz und mein Heil in deine Hand über; mache es mir mir, wie du willst! Ich will dennoch nichts als dich; dich will ich lieben und anbelhen, und sowohl im Leben als im Sterben bekennen, daß du mein Heiland und mein Schar; allein seyest. Amen IEsu! In deine rreue Hand lege ich nieder meinen Geist, Amen! Dergestalt, liebe Schwester! verliere dich nur in dem HErrn, und vertraue dich ihm ganz an, ohne mit Willen einmal nach dir selber umzusehen, vornehmlich wann es mit dir zum Uebergang in die Ewigkeit kommen sollte. Er liebet dich unendlich mehr, als du dich selber lieben kannst, das traue ihm nur kindlich zu, wenn du es gleich nicht so empfindest. Wer sich an das Herz seiner Liebe hält, den kann er nimmermehr abweisen. Wirst du wieder besser, dann sollst du eine ganz gottgeheiligte Jungfrau werden: sickbst du aber, dann sollst du als eme Sünderin» die Seligkeit erwarten, und dafür das Blut JEsu ewiglich rühmen, Amen! Nun, geliebte Schwester! es sey JEsus Mit deinem Geiste! Er starke, erquicke und segne dich, und wirke in dir all sein Wohlgefallen, daß du allein in ihm, und er in dir Freude, Friede und Vergnügen finde, zur Verherrlichung seines Namens, Amen! Zweit. B. Ul- Th. F Es 82 Geistliche Briefe. Es grüßen dich alle bekannte Kinder hieselbsi, mW gedenken an dich in ihren Gebethen. Ich thue ein Gleiches in Schwachheit, und bleibe Dein Mülheim, treugesinnter Bruder im den i. Nov. 174!' HErrn. Der 2zste Brief. N s Wichtige Erinnerungen an alterlose Kinder, ihr D/. Inneres und Aeußeres betreffend. H)un ihr liebe älterlose Kinder insgesammt! es hat dem GOtt des Lebens gefallen, euren lieben Vater, nachdem er in seiner Krankheit eine geraume Zeit zu eurem Spiegel da gelegen, von euren Augen wegzunehmen. O! es gebe der HErr, daß dieser sein Tod in euch allen eine lebendige Bewegung nach GOtt erwecken möge, wodurch euch alles zuwider werde, was nicht GOtt und nach seinem vollkommenen Willen ist, der ganze Sinn aber zum Ewigen gewandt werde, und daselbst stehen bleibe! Ihr stehet nun größten Theilö nicht mehr unter menschlichem Gehorsam. O! folget doch darum keineswegs euch selbst, eurem eigenen Gutdünken, Willen und >tt N! III. Theil. 2;ster Brief. 8z und Begierden, sondern übergebet euch, durch ) eine freie Wahl, aufs neue GOtt zu Knechten ^ und Mägden in seinen Gehorsam ewiglich; so wird er euch halten, wie seine Sohne und » Töchter. Ach! dieß ist nicht so ein bloßes Sagen, sondern wesentliche und unsterbliche Seligkeit, so euch dieß ewige Gut herzlich gern gönnet und giebet. ^ Der Weg zu GOttes Herzen stehet euch offen, in dem gesegneten Namen IEtus: aber s es stehet euch auch der Weg zur Welt offen. '' Von beiden Seiten werdet ihr gelocket wer- dm, aber keiner wird euch zwingen. So bedenket euch denn nun nicht lange! Beiden Herren zu dienen, gehet nicht an.' Macht jetzt eine solche Wahl, daß GOtt und Menschen sehen mögen, wem ihr angehöret, und daß ^ ihr auch einmal euer Haupt mit Ruhe nieder- Mk legen könnet, wann ihr den Ueberschritt rhun Mp mäßet, den euer Vater jetzt gethan hat. MN Könnte derselbe euch noch einmal aus der Wt Ewigkeit zusprechen: denket, was würde er M euch rakhen? Würde er nicht sagen: Ach! W' meine lieben Rinder, bücer euch vor dem betrüglichen Blendwerk der Welt! Trach- !>>D ree nur eure Seelen zu versorgen, und kssB Gd)kt mir ganzem Kerzen zu dienen, wenn ihr auch darüber von aller Welt gehastet, und zu blutarmen Bettlern wer- den solltet; denn GDrtes Liebe und Ge- meinschaft ist allein ein wahres Gut zu K nennen, rc. ' -i Fr Las 84 Geistliche Briefe. Das ist auch mein brüderlicher Rath bei dieser Gelegenheit, meine Lieben! Sucheteure Sachen möglichst kurz einzuschränken, daß ihr nur eben durchkommet, und dabei ungehindert GOtt dienen könnet; ob ich euch zwar so genau nicht sagen kann, wie solches einzu- richten sey, weil die Umstände nicht alle eigentlich genug wissen kann, bis ich näheren Bericht habe, und wird euch der Bruder P. schon nach Nothdurft darin rathen. Nehmet euch doch hübsch Zeit zum Geberb und Sammlung zu GOtt in euren Herzen, welches jetzt so viel nöthiger ist, weil sonst durch äußere Ueberlegungen und Bestellungen der Dinge das Gemüth unempfindlich, finster und matt gemacht werden kann. Wir sollen das Unnöthige abschneiden, was aber gethan werden muß, als vor GOtt und in seinem Gehorsam verrichten. Meidet allen unnöthj- gen und hinderlichen Umgang. Liebet alle Frommen herzlich, suchet aber nur den gemeinsamen Umgang derer, die am ernstlichsten und geistlichsten sind. Liebet euch auch unter einander herzlich in GOtt, ja einer liebe den andern noch mehr als sich selbst, und suche sein wahres Beßtes. Nehmet euch einander die Lasten ab, und seyd offenherzig. Der völlige Sinn aber nach GOtt, und der abgeschiedene Wandel in seiner Gegenwart durch- Vringe all euer Thun: und darnach muß alles andere eingerichtet werden. O! daß doch GOtt, und ich und alle Frommen hier unö ewig ft i-tz' 4-r;- D 8 ; III. Lheil. rzster Brief. Zkchj. ewig eitel Freude an euch haben mögen, und wir uns in seinem Hause ewig beisammen >ke^ finden! ^nitz Nun, mein Heiland, das verleihe du! Laß in der Rrafc deines gebenedeiren Namens IEsus, der (l^uellbrunn deiner reinen Liebe in den Herzen aller Rinder Wt! dieses Hauses geöffnet, und sie hinein gezo- sh gen werden von allem ab, um nur dich zu lieben, und dir anzuhangen von ganzem M Herzen, unverrückr! Deiner treuen Auf- üiHy ffchr und Gnadenregirung befehle ich sie Ms« innigst in dieser bösen Welt. Ach, daß MW kein einziges dieser Gchaflein vermisset H M werde. Segne und bewahre sie in deinem MrD Namen! Amen IEsu! rgck Also wünschet euch zum neuen Jahr . verbundener schwacher den 28. Vec. 1741 Mitpilger. Fr Der 86 Der 26ste Brief. Herzlich geliebter Bruder in der Gnade 3Esu! An einen kranken Bruder. Ermahnung zur ganz- ^ lichen Ueberlaßung in die Hände IEsu. » «Nit brüderlichem Mitleiden habe gehöret, ^ daß du so krank bist. Sey versichert, daß ich von Herzen Theil nehme an deinen Leiden, und in meiner Schwachheit dich und die Deinige zu IEsu Füßen niederlege. Nun, getrost dann, in GOttes Namen! Ueberlaß dich dem, der für dich Krankheit und Tod hat schmücken wollen, der dich liebet und mey- net, ob du ihn gleich so gebrechlich, nebst mir, geliebet hast. Krankheit ist kein Unglück, Sterben auch nicht: aber ohneJEsum leben oder sterben, das ist Unglück. So sey denn krank mir IEsu, weil es ihm so gefällt; schmiege dich in sein Herz und Arme, so gut du kannst, und sprich: Bist du der Arzr, der Rranke trägt, auf dich will ich mich legen, rc. Fürchte auch nicht, mir IEsu zu sterben, wann er zeigen möchte, daß solches sein Wille wäre. Ach! in jenem Leben werden wirs sehen und haben das große Gut, das GOtt selber ist. Und wann dir dünkt, du seykst nicht recht mir Ml iü kl! ser: III. Theil. 26ster Brief. 87 mit IEsu, und er mit dir, so sage es . hm doch mit einem Blick deiner Neigung, s. )aß du durchaus nicht ohne ihn seyn könnest oder wollest, sondern mit ihm und zu seinen Füßen leben und sterben wollest, ohne dich auf etwas zu stützen, als auf seine pure Gnade. Mir dir leb ich, mir dir schweb ich, IEsu mein, durch Freud und Leid; Mir dir sterb ich, mir dir erb ich Dich und deine Seligkeit, rc. ' Oc Fallen dir deine Sünden, Untreue, Un- W dankbarkeit und Mangel der Zubereitung ein: »i i>« o! so rechne doch im Geringsten nicht mit ich« GOttes Gerechtigkeit, sondern gib dich : A überall und von Herzen Schuld; stimme in alles zu, in GOttes gerechte Anfoderungen, »l>U und in dein allgemeines Nichts und Elend: M»- überlaß dich aber auch zugleich unbedingt seiner freien Gnade in Christo, und ver- Wtz rraue dich ibm auf ewig an. Ach! wer M« sich' der ewigen Treue anvertrauet, der darf iL ö hinfür für sich selbst nicht sorgen, der M Höchste sorget für ihn; der wird seine Bei- t läge wohl bewahren, und keine Seele zu Wi schänden werden laßen, die ihr ganzes Heil p allein in ihm suchet. M Wirst du wieder besser, dann-wollen wir mit neuer Treue in JEsu wandten, und in E seiner innigen Gemeinschaft die Vollendung ^ unserer Heiligung suchen. Nun, lieber Bru- der! ich weiß nicht, in welchem Zustande die- ser Brief dich finden wird, deßwegen breche F4 ich 88 Geistliche Briefe. ich ab, und sage das Uebrige dem HErrn in meinem armen Gebeth. Derselbe sey dir innigst nahe! Er stärke, befriedige und segne dich, in der Kraft des tbeuren Namens IEs» . Amen ! Deiner l. Frauen, welche auch krank seyn soll, sey eben bas gewünschet und geschrieben, was ich hier an dich schreibe, weil keine Zeit oder Vermögen mehr habe. Alle l. Kinder laßen herzlich grüßen. Der GOtt des Friedens sey dein GOtt und ewiges Theil, und du ewig der Seine; und ich werde auch, durch seinen Beistand, unverrückt bleiben Kl lich >> Mn Dein Mülheim, verbundener Mitbruder, den is. Mart. 1742. «sch--- Der 27ste Brief. Freudenbezeugung an denselben für seine Besserung. Die Entdeckung der Fehler sey Gnade. Daß man sich ganz verlaßen und ganz an GOtt übergeben müße, 0! l -Itt sükse Lieber Bruder! HDit vieler Erkenntlichkeit gegen die Güte ^ ^ GOttes vernehme ich deine bisherige Besserung; denn ob ich wohl vertraue, ja gewiß Nt m. Theil. 27ster Brief. 8) gewiß weiß, daß die ärmste Kinder und elen« ^Ditzeste Sünder, wann sie in der Zuflucht zu DH der großen Gnade in JEsu sterben, es ge- Wir trost wagen können : so muß ich doch ge- 'Ästchen, daß ich dich und mich gern mehr Ach geheiliget sähe, ehe wir in jene Welt hinein M gingen. Nun sey der HErr gelobet, der M uns noch Zeit dazu zu vergönnen scheinet! ^ An seiner dazu nöthigen Gnade sollen wir nur gar nicht zweifeln. Ich vertraue, unser guter Meister wird §/» dich in der Schule der Krankheit noch was gelehret haben. Hat er dir auch deine manche Fehler gezeiget, ep! da werde nicht kleinmüthig über, sondern erkenne solches als ^ große Gnade, und bleibe, als ein Kind, " unverrückt zu seinen Füßen, bis du gebessert wirst; denn in ihm muß alles gesuchet und . gefunden werden. Braucht er auch sonst ^ jemand, als einen Untermeister, um uns um , sere Fehler zu offenbaren, oder fort zu helfen: l. o! das sollen wir auch mit Freudenthränen als Gnade erkennen, und es als vom Mei- "?!! stcr selber annehmen. Wer sich wohl kennet, ^ der gibt sich ganz in GOtt über, und ver- ^ läßt 'sich gans, und so wird er gründliche Hülfe finden. Wer sich selbst nur so halb erkennet, der gibt sich auch nur halb an GOtt über, und wird nirgend beruhiget D noch gebessert. M Nun ich grüße und küsse dich im Geist, und bitte GOtt, daß er dich so abgeschieden -i §5 von yo Geistliche Briefe. von allem Leben der Sinne, und so ver- einfältiger nach dem vernünftigen Theil, und mit Einem Wort zu einem so wahren Herzenskinde machen wolle mit mir, daß er hinfür seine völlige Freude und Ruhe in uns finden möge! Amen JEsu! Ich wünsche deiner Frauen auch die innige Nah- heit JEsu, woran sie genug hat: ists dessen Wille, so hoffe auch von ihrer Besserung nächstens Nachricht zu bekommen. Weil ich selbst schwach bin, und keine Zeit habe, muß abbrechen. Bin Dein D^ l>« Mülheim, verbundener Bruder, den 2r. Mart. 1742. In Eil. Hrili» Wß, Li »sH Hx» Der 28ste Brief. Vorrecht der Einfältigen. Von Ungestorbenhei- ten und Versuchungen zwischen Kranken und Krankenwärtern. Herzlich geliebter Bruder! --Grüße mir doch gar herzlich die kranke Schwester N. Ich wünsche ihr JEsu Nah- heit und Frieden, woran sie genug hat im Leben und im Sterben; dem übergebe sie sich ohne Bedenken, und laße ihn mit sich machen Gi hs-l Äk» ZO sch «ch U, III. Theil. 28ster Brief. yr ^ machen in Zeit und Ewigkeit, was er will: N Er wird sie nicht betrügen. Rkk Lieber Bruder! wenn einfältige Personen ^ nicht eigensinnig sind, dann j-nd sie GOtt '« sehr angenehm, und frei von tausend Eigen- H Heiken, die uns Vernunstsköpfen manche Ech Läuterungen kosten, Wenns noch gut werden ^ soll. Von recht einfältigen Seelen (wozu ßmz wir auch durchs Leben in JEsu mäßen ge- A macht werden) stehet im Leben der H. Mech- tildis, daß sie wie Tauben seyen, die in des Heilandes Schooß sitzen; woran er sich belustiget. Die Ungestorbenheiren in bewußtem Bru- der Hab ich zum Theil gewußt. GOtt sey Dank, Vers auch ihm entdecket! Der gebe auch Gnade, daß es mit ihm und mit uns -ch. von nun an ganz mit JEsu gekreuziget und begraben werde, damit wir einen frohen Osiertag erleben mögen. Ich bin noch als . so schwach, daß es mich so traurig macht, ., wann ich die Fehler meiner Brüder höre, 2 daß ich gestern gar übel davon gewesen bin, da ich doch billig an mich selbst denken sollte. Ich liebe den Bruder doch herzlich. , Du mußt aber auch noch viel Lebens haben, daß du es so stracks fühlest, lieber Diü Bruder, wenn andere nicht gebeugt und ge- M storben genug sind. Willst du dann nicht dB auch einmal lernen das Brod mit der Kruste «dis» essen? Bisweilen, ja gar oft, läßt es GOtt M nur unsertwillen zu, daß andere sich so oder sonst xr Geistliche Briefe. sonst gegen uns verhalten; welches sonderlich in Krankheiten bei den Kranken geschehen kann, da der Versucher beide. Kranke und Krankenwärter, durch GOttes Zulaßen exer- ciren kann. Wann du Gelegenheit hast, so lies einst in Rusbroch , in seinem Tractat von den sieden Bewahrungen, das fünfte und sechste Kapitel. Es wäre schön, wenn die Kranken nur das Sechste wohl prac- ticirten, ohne an das Fünfte zu gedenken; und wenn ein Krankenwärter nur das Fünfte vor Augen hätte, ohne an das Folgende zu denken. Ich bitte den HErrn, daß er auch daselbst dir nahe seyn, und dich, auch unter den Menschen, in wahrer Abgeschiedenheit, als mir GHer allein, bewahren wolle! Weil immer gehindert werde, muß ich schließen, dich dem HErrn, und mich in dein und der übrigen Kinder Gebeth befehlend; grüße selbige allesammt von uns. Dein 3 » Ws d n die dll T-! P, Mülheim, in der Kreuzwoche. schwacher Bruder. ^ dur, Der '/« Der 2yste Brief. kW Frage und Antwort r Wie man seine Fehler am M, ersten verbessern und sich in Unruh und Trauen rigkeit erheben könne. ck>!s N« ! limc ckil, W j^iii Me 5 - Jn der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! deinem Letzteren fragest du: Wie wer- Sen meine Fehler aufs gewisseste, leichteste und erste verbessert? Und, auf welche weife muß ich mich erheben, wann mich Unruh und Traurigkeit Niederdrücken? Auf deine erste Frage antworte kürzlich. Alle deine Fehler werden verbessert durch die Liebesvereinigung mit IEsu, und daß du Denselben in dir leben läßest. Ist der Baum gut, dann sind auch die Früchte gut. Von uns ist nichts Gutes zu erwarten. Die finstere, herbe, schwere, peinliche Eigenschaften unsers Wesens werden allein gehoben durch die Liebesvereinigung mir IEsu, da uns das göttliche Licht und die göttliche Liebe von Grund auf durchdringen kann. Dein Sorgen und Bemühen, deine Behutsamkeit und Treue, deine Entschließungen und vermeynte Aufrichtigkeit sind unzulänglich, ja manchmal hinderlich, wenn man drauf 94 Geistliche Briefe. drauf stützet, sonderlich jetzt und für deine Person, weil sie dich in dir selber aufhalken. Werden dir deine Fehler und Unvollkommenheiten, mittelbar oder unmittelbar, entdeckt, da mußt du durch Sorgen und Wirken der Sache nicht wollen helfen, sondern ruhig in dein Elend zustimmen, und dich freuen, eine so schöne Gelegenheit zu haben, dich tiefer zu verlaßen, und deine Vollkommenheit in JEsu zu suchen. Dieß thue dann, so gut du kannst. Entsinke dir und allen deinen Fehlern. Je weniger Aufenthalt und Stütze du in dir selbst findest, desto besser bist du bequem, lauterlich auf GOtt zu vertrauen, und deinen Aufenthalt in ihm zu suchen, dessen Name allein in uns muß geheiliget werden. Kannst du dich nicht verlaßen , (denn das will der sorgfältige Sinn gern so wirkender Weise ausrichten) dann trage dich mit Stillseyn und Vertrauen. Kannst du dich auch nicht tragen, weil du schwer bist, dann laß dich fallen, ohne umzusehen, wo du hinfällst, und ohne dich deiner selbst mehr anzunehmen. Und dieß ist dann auch die Antwort auf deine zweite Frage, nämlich: In aller Unruh und Schwermüthigkeit ist das beßte Erheben, daß du dich nur fallen läßest und hingibst als eine Sache, die nicht mehr dir, sondern einem andern angehöret, und wofür darum auch nicht mehr du, sondern ein anderer sorgen muß und will. Ach! wie so S! Nex liü W 9 ? Hl. Theil. zoster Brief. so lange sehen wir uns an, und beschafftigen Gsllc uns mit uns selbst! sollen wir dann nicht ME endlich GOtt nur ansehen und lieben obne W-L Absicht auf uns? da er uns doch lieber ohne Ä z Absicht auf das, was wir sind. Schließlich, Bruder! verlaß dich, trag dich, laß dich », e« fallen, und vereinige dich mit JEsu in reiner > Hi Liebe. Daß er uns ganz besitze und belebe, A in wünschet mH Dein Mülheim, verbundener Bruder. M den 22. Sept. 1742. Hs» Der zoste Brief. dich»! Die große JEsusliebe soll uns zur Gegenliebe, kindlichem Vertrauen und Uebcrlaßung an ihn ß kiü Leiden und Sterben aufmuntern. A In der Gnade unsers Lheuren Erlösers ^ geliebte Freundinn! ein: ich, der ich so wenig Liebe habe, ^ ^ mich manchmal bewogen finde, für dich ", in Schwachheit zu bethen; dann kannst du ", denken, wie unser menschliebender Heiland JEsus mit seiner würdigen und kräftiget: ^ Fürbitte sich deiner annekmen werde, da er ^ ' dich 96 Geistliche Briefe. dich so sehr geliebet hat, daß er auch für dich hat sterben wollen. Wenn du solches so einfältig glauben könntest, dann würdest du den Heiland gar sehr lieb haben; es würde dir auch ein Geringes sepn, diesem liebsten Erbarmer zu gefallen, etwas zu leiden, ja auch zu sterben, wenn es also sein Wille sepn möchte. Ach! wer sollte einem so guten Freund nicht gerne alles zu Lieb und Ehren thun, und sich in allem nach seinem Willen bequemen wollen! denn was wrr wollen, das taugt nichts; was Er aber will, und wie Ers mit uns macht, das ist unsere Seligkeit und so vollkommen gut, daß wirs nicht besser erdenken oder wünschen könnten. Weil du dann so wenig gethan hast/ oder thun kannst zu GOttes Herrlichkeit, so laß es dann deinem Geist lieb sepn, daß du ihm jetzt darin gefallen kannst, daß du eine kleine Zeit leidest, und daß du dich im Leben und Sterben mit seinem Willen vereinigest. All dein Leiden kommt von seiner Liebe her. Er laßt uns nicht gerne leiden, aber es muß sepn, weil wir okne Leiden und Sterben nicht zu ihm kommen können. Wann dein Leiden dich ungeschickt zum Bethen macht, dann denke, wie JEsus für dich bitter, und sage nur Amen auf alles, was er und seine Kinder bethen; blicke ihn bisweilen einmal an. Wenn ein krankes Kind die Mutter ansiehet, das beweget ihr Herz schon. s» S litt« V «Z- !« dk 97 IH. Shell, zoster Brief. schon. Kommen dir etwa deine viele Sünden, Elenden und Gebrechen vor Augen, und wollen dich in Zweifel an GOttes Gnade, »rtz und in Furcht vor Tod und Ewigkeit brin- gen, da ist nichts Bessers, als daß du nur G, die ganze Rechnung gestehest, und von Her- zen vor JEsu Angesicht bekennest, daß du r Di aller Gnaden unwürdig, der Verdammniß aber würdig seyesi. Ja das glaube nur mit M inniger Wahrheit, denn es ist also. So «»« elend und nackend ausgezogen aber blicke Eit nur den gekreuzigten Heiland an mit einem M Auge, das nichts als Gnade von demjenigen erwartet, der über-reich und mild an Gnade msch« ist, da wirst du Ruhe finden ffür deine Seele, und kannst es wagen, mit JcLsu in die Ewig- > hch keit über zu gehen, denn je mehr wir uns ni, s« demüthigen in der Wahrheit, desto mehr chSi stehet uns GOttes Herz offen. » So überlaß dich dann den treuen Händen dieses GOttes, im Leben und Sterben! HErr JEsu, mach, es mir mir, wie du willst, in Zeir und Ewigkeit; ich will mich dir übergeben in allen deinen willen; laß mich nur Dich lieben, und ohne Ende sD Zu deiner Ehre und Freude styn. Ämen, JEsu! in deine Hände befehle ich meinen M Geist, Amen! Also bethe du, und also bittet ! «aS für dich tzi» Dein Mülheim, geneigter Mitwallender den 28. Sept. 1742. zur Ewigkeit. ^ Zweit. B. M. Th. G Der Der ziste Brief. Herzlich geliebte Schwester! Aufmunterung und herzlicher Seufzer zur Erneue. ^ rung einer gänzlichen Aufopferung an GOtt. zr«»> c^ch finde mich bewogen, dich auch noch mit der Feder zu grüßen, wie ichs vielfältig mit dem Herzen thue, und dich siäts in die Gnade desjenigen JEsu empfehle, der dich geliebet und aus der Welt erwählet hat. Er hat dich aber nicht darum geliebet, weil du gut und treu wärest, das weißt du; gerade umgekehrt. Er liebte und liebet dich bloß, weil er gar Barmherzigkeit und Liebe ist, und damit du, nichts in dir selbst findend, dich lebend und sterbend in dieses liebende Gut verlieren, und nur anbethen solltest. Dazu gebe er dir dann Gnade, und bleibe deinem Geist innigst nahe in deiner Krankbeit, damit du, in völliger Hingebung und Vergessung alles Zeitlichen und deiner selbst, nur diesem ewig - vergnügenden Gut zugewandt, und mit reinem Vertrauen ergeben bleiben mögest, es gehe zum Leben oder zum Sterben. Ilm !> D nch ml ISlI S-ß hml im s-iig, § HErr, mein GOrr! du bist es allein, den wir mevnen; Du bist mein GO» A Cri! Alle III. Theil. Zister Brief. 99 ^ GTur, mein Gur, meine Hoffnung, meine Ruhe und Heil in Ewigkeit. Du allein bist mir genug. Du sollst es seyn, wann auch Leib und Seele verschmachtet. Hac 2 je mein Herz der Welt und allen Ver- V? gnügungen außer dir abgesager, so wiederhole ichs noch mir aller Willigkeit. Hab' ich sonst Murh gehabt, deinen > Rreuzesweg einzurreren, so erneuere ich . solchen Sinn, und ergebe mein ganzes V Natur - und Eigenleben in die Gemein- - ^ schafr deines Todes, und bezeuge es, daß ^" ich, um dich zu vergnügen, gerne will leiden und geläutert werden nach allem ^ deinem Gefallen. Alle sonst geschehene Mki Tbaren der Aufopferung und völligen Schenkung und Ueberlaßung in deine Mk Hände bestätige und unterschreibe ich nochmalen, und wünsche, daß mein ley- M rer Achemzug noch sagen möge: HErr! W ich hin dein, ganz und auf ewig, M es geschehe mir nach deinem wohl- W gefallen! Dich will ich lieben und ver- herrlichen, es gehe, wle es immer wolle, Gis denn du bist es werrh, 0 du seliges und M seligmachendes Gur! Amen IEsus! ilD Hiemit, liebe Schwester! lege ich dich !iij» nochmals hin zu den Füßen JEsu, mit Bitte, daß er aus seinem Heiligthum deine uj» Seele segnen wolle, nun und ewiglich, Amen! Alle hiesige Bekannte grüßen dich, und euch ^ S r Kinder IO0 Geistliche Briefe. Kinder mit einander , nebst mir, der bleibe Dein Mülheim, den r 8 . Oct. 1742. ?. 8 . Es mögen deine Brüder und die Schwester dieses Briestem auch mit für sich unterschreiben, wie ichs auch von Herzen thue. «sch! Der Z2ste Brief. Liebe Schwester! schwacher Mitbruder. DM"" Im I>N UlSW An dieselbe. Daß sie bei der Erfahrung ihrer Schwachheit nicht ln Unglauben fallen soll. Mein, das gefällt dem HCrrn nicht, daß du dich durch deinen Unglauben in leibliche und geistliche Schwachheit bringest. Denn so glaube ichs, daß du auch dießmal zu viel auf dich und auf deine Feinde gesehen , so daß durch dieses Annehmen deine Krankheit wieder aufs neue angesetzet hat. Das ist nicht fein. Meynest du, was du nicht könnest, fey auch dem Allmächtigen unmöglich ? Oder sollte er deßwegen seine Macht nicht an dir beweisen wollen, weil du es nicht verdienest? !MU »!l. ZW HI. Theil. zrster Brief. ior verdienest? Was hast du ihm dann je gegeben, daß er sich deiner schon bisher angenommen, und dich mit einem so heiligen Ruf berufen hat? Eben dieses, daß er dich so in- M' mg dazu beruft, sein ganzes und ewiges Eigenthum zu seyn, das allein ist ein unwider- sprechlicher Beweis und Grund, daß er dich auch dahin könne und wolle bringen, unan- gesehen aller deiner Schwachheiten, Gefah- iUk ren und Feinde. Von deiner Seite wird nichts erfodert, als nur, daß du ju diesem hohen Vorsatz GOttes über dir dein herzliches Iarvorc giebest, deinen Willen in seine Hand legest, und ihn dann dafür sorgen läßest, wie ers wolle und werde ausführen. !zh» Die Erfahrung deiner Schwachheit ist eine große Gnade, wann du sie wohl brauchest , daß du nämlich, bei solchen Erfahrungen , dich immer mehr aus deiner eigenen Hand fallen läßest in GOttes innig nahe Gnade und Kraft, so gut es dir gegeben wird. Und also, dich GOtt vertrauend, ^ kannst du bei der höchsten Schwachheit ohne Kummer seyn, und der ganzen Welt und iW Höllenmacht Trotz bieten. ßD Wenn dich GOtt wieder gesund machen ,« will, dann freue dich in seinem Wohlgefällig len. Bethe, wie der Heiland gethan Joh. lg 17, ,s. und tritt der Welt und allen deinen list' Feinden getrost unter Augen, denn der HErr ^ G ? ist io2 Geistliche Briefe. ' Vi ^ ist mit uns, der für uns sorget, Amen! Ich ^ grüße dich im HErrn, sammt deinen Brüdern und Schwester, und bleibe Dein ^ Mülheim, schwacher Mitbruder. den 14. Nov. 1742. M ^ ^ - — " Der zzste Brief. * Herzlicher Gruß und Segenswunsch. Geliebte Schwester! AXei dieser Gelegenheit finde ich mich bewo- ^ gen, dich mit Herz und Feder zu grüßen. Ich wünsche diesen Gruß zu thun in der Kraft ^ des Namens IEsu, der unser einiges Heil ^ ist. Amen. IEsu ! Es sey die liebe Schwester von dir selbst, 0 HErr IEsu! gegrüßte und gesegnet; deine Gnade bewirke ste; dein süßer Friede erfülle sie, daß sie, — jn diesen verworrenen Zeiten, sich einig K!>ch und innig zu dir, ihrem guten Hirren halte, und sich, als ein armes schwaches Schaf, im Glauben in deinen Schooß hinein Äg, lege, vergestend der Welt und aller frem- Ä) den Sachen, damit du eine stille aufge- !«tzi raumre Herberg in ihrem Herzen mögest >li^ finden, HI. Theil. Z4ster Brief. ic>; finden, mit dir nur in kindlicher Einfalt W handlend und wandlend im Verborgenen, als wenn sie nur mit dir allein in der Welt wäre! Gelieber und gelobet seyst du, freundlicher Heiland, daß du armen Rin- ^ dern und Sündern dieses Vorrecht gegeben Haft, daß sie auf dich vertrauen, und zu dir nahen mögen wie sie find, damit du sie formirest nach deinem Herzen, Amen! Mülheim, schwacher Mitbruder, den 14. Nov. 1742. Der Z4fte Brief. kW D 8t« s»! d,rß t !>»>! D lsi!» Anleitung zur rechten Gemüthsstille, oder zum Gebeth des Herzens. Herzlich geliebter Bruder! -Das süße Kindlein IEsus ziehe uns zu sich in den Stall unsers Herzens in diesen Tagen, so wird uns das wahre Gabbarh- halren gelehret werden! Es ist weiter nichts nörhig, als daß er sich in uns offenbare. Da wird durch seine Gegenwart eine süße Ehrfurcht mitgetheilet, die alle Kräfte der Seele zum Stillseyn und Schweigen bringet. So G 4 lang i > roch Geistliche Briefe. lang das noch nicht ist, bereiten wir uns von unserer Seite zum Gabbarh durchs Geberh, W und durch die Verläugnung des eigenen Lebens N" überhaupt. Keine wesentliche, lautere, blei- D bende Gemüthsstille ist zu hoffen, wo man E nicht, nach der inneren Anweisung und äuße- E" ren Vorsehung, das eigene Leben in den Tod W giebet. Wer stirbet der wird still. Lebendige Leute mögen wohl nicht lange still seyn. W» Die besondere Uebung in der Sabbaths- H ^ eier von unserer Seite ist, daß wir in der A! Hebung des besonder» Gebeths uns durch den Glauben in die innige Gegenwart GOttes k D zu stellen suchen, darlaßend, nicht aber mit W Gewalt austreibend, alle andere Gedanken A! und Annehmlichkeiten der Dinge, daß wir A, unsern Willen und alle sonst verstreut gewesene M Liebesneigungen sanft, aber mit Wahrheit, zu W dem gegenwärtigen GOtt hineinkehren, und sie ihm geben, bleibend in solcher Fassung che! vor- und bei ihm, so ruhig, als wir können, U« und so lange, als wir können. si m ^ M Dieses süße, stille und ehrerbietige «iv Schweigen vor GOttes Gegenwart fodert mehr, als wir denken sollten, weil man sel- ^ ten so stracks die Frucht davon erfahret, son- dern öfters nur mehr Unruh zu fühlen scheinet, ich Man thut da vieles, ja alles in Einem, ob ^ man wohl müßig zu seyn scheinet; und da ist ich man, und wird man fähig, daß der HErr ^ uns M. Theil. Z4ster Brief. ro; uns wesentlich durch seinen Zug und göttliche M Wirkungen stillen könne, an welchem Zug Mai (den man auch wohl unter Menschen und Ge- schäfften spüret) man sehr getreu seyn muß, nicht durch mancherlei zu thun, sondern durch och einen Augenblick Stille oder Einkehr; denn ^ dieß ist es, was der Zug von uns begehret. Wz! Was die widerwillige Unruh in Gedanken und Sinnen angehet, selbige muß man >b« nicht achten, oder arischen, sondern ruhig link leiden; und, wenn man unvermerkt zerstreuet § W würde, die vorgemeldte That des Glaubens W der göttlichen Gegenwart durch einen ruhigen kr« Liebesblick erneuern, oder sonst mit einem Wen Blick den gegenwärtigen GDtt anbethen, >ß M lieben, sich ihm geben rc. alles aber gar ruhig msm und einfältig. Die Vernunft, Sinne oder Gedanken mögen inzwischen machen, was sie il,»»! wollen, das leidet man ohne Störung und M ohne Antwort; und wäre man auch die ganze kc« Zeit von dem Schwarm gehindert worden, so muß man doch ganz zufrieden vom Gebeth aufstehen, dem HErrn dankend, daß er M uns würdiget, für ihn zu leiden. il D Und so gehet man dann mit GOtt wie- der an sein Werk, und sucht, auch unter M!> der Arbeit, im Gegenwärtigen beim Freun- de zu bleiben, und nimmt nicht sieben Sachen Mi in Kopf, und eine in die Hand. Siehe „F Bruder! ich will nichts sagen, und doch ki Gz mach io6 Geistliche Briefe. mach' ichs weitläufig. Ich grüße dich und ^ bleibe Dein KS- Mülbeim, verbundener Bruder. Ä den 20. Dec. 1742. »'N «s dl- Der zzste Brief. L An einen Freund; um ihn aufzumuntern, seine ^ kranke Schwester dem HErrn aufzuopfern, W gleich Abraham seinen Isaak. M Z"i> Herzlich geliebter Bruder! ^>b ich wohl nichts insbesondere zu schrei- ^ ben habe, auch meine Schwachheit we- Mg nig leiden kann; so muß doch hierdurch berich- M ten, daß deinen Brief vom 28sten December D erhalten habe, wie auch den vom Bruder P. ^ vom zisien dito. Aus beiden ersehe ich den W sehr schwachen Zustand deiner lieben Schwe- ster. Ich Habs den andern Bekannten hie- W selbst auch mitgetheilet, und wir unterlaßen ^ nicht, sie in Schwachheit, doch mit herzlicher ^ Liebe, unserem gütigsten Heiland anzubefeh- len, und ihr dasjenige zu erbitten, was wir selbst begehren sollten, daß für uns in solchen Umständen gebethen würde. Weil wir sie L, lieben, Hl. Theil. z;ster Brief. 127 ^ ^ lieben, so würde uns ibr Abschied nicht unempfindlich seyn, wann es GOtt gefallen sollte, sie zu sich zu nehmen; und ihm würden wir dafür danksagen, wo er uns hingegen ihre ^ Gesellschaft auf dem Pilgerwege noch langer vergönnen wollte. Weil wir sie aber in GOcr lieben, so können wir sie auch ohne Kummer und Störung in seine Hand niederlcgen, wis- send, daß dieß ihre Seligkeit ist, da zu seyn, und daß wir sie auch durch den sogenannten Tod nicht verlieren, sondern ewig in GOtt behalten und lieben können. Ist es GOttes 1, s»„ Wille, daß sie nicht wieder zu mir kommt yfm. nach Mülheim, so vertraue ich, über kurzem zu ihr zu kommen nach Jerusalem. Inzwischen befremdet es mich gar nicht, daß es dir so viel zu thun macht, wenns mit der Krankheit so gefährlich aussiehet. Ich W weiß, daß du und deine Geschwister nicht M wenig bei ihrem Hingehen an ihr verlieren hbch sollten, und kann mich darum in solche deine Dtc Schwachheit genug finden, und mit dir Mit- Mß leiden haben. Du weißt aber doch wohl, daß W solches natürlich ist, und der Gnade unter- W thänig gemacht werden müße. Ist dann das Fleisch schwach, so laß doch den Geist willig «IB seyn, sich in alles zu geben, und alles los zu laßen, was der HErr von dir begehren sollte. M Ist deine liebe Schwester der Isaak? Wohlan so erzeige dich als ein Kind Abrahams, und opfere sie getrost dem GOtt auf, dem sie zügelst höret. Gibs von Herzen hin, was der HErr ,»1, haben 1 ivg Geistliche Briefe. haben will; und kannst du es nicht so von Herzen geben, wie du wohl wünschtest, dann Q gib ihm doch die Freiheit, daß ers nehme, damit nur dein Herz frei werde, um ganz für L den ftyn zu können, der dich mit einem so theuren Ruf berufen hat. Denke nicht an dein Können oder Nichtkönnen. Der HErr ^' wirds versehen, ist Abrahams Wort, wo- mit man große Berge des Unglaubens versetzen E kann. Sie, die Kranke, ist und bleibt nichts 7^ desto weniger in der Hand dessen , der Leben ^ ^ und Tod zu befehlen hat. Du mußt aber deine Ruhe und Hoffnung nicht in ihr Besterwerden G setzen, sonst wirst du die rechte Freiheit des , , Geistes nicht finden. Von dir wird das Opfer " ' gefodert, damit du sie demnach besitzen kön- nest mit Abgeschiedenheit, oder auch laßen ^ könnest mit Ruhe, nachdem es GOtt beliebet. Diese Lection ist nicht zu schwer für dich. Ich sehe selbst, daß dir der liebe Heiland diese Lection eben jetzt aufgibt; darum wollte ich ^ sie dir gern ein wenig erklären, und dir im Lernen behülftich seyn. Nur getrost, lieber Bruder! in GOtt, ^ der dir ja besser ist, als zehn Schwestern, ^ und dir überflüssig ersetzen kann in ihm, was M du zu verlieren scheinen möchtest in ihr und ^ allem Geschaffenen. Stärke dein Gemüth M durch ein ruhiges, öfteres Aufsehen auf GOtt, .. durch friedsame Geduld mit dir selbst, und W süße Vereinigung mit GOttes Willen, als "di wodurch du am ersten sanft und heiter bei M allen M. Theil. zsster Brief. ross tz allen Proben werden kannst. Ich muß schlie- k/ ütz ßen, weil ich schwach bin und gehindert werde, 'chm,, Ich grüße dich im Geist herzlich, sammt allen !an;ß Hausgenossen, besonders der lieben kranken Ws, Schwester; ich lege sie in JEsu Hand und Wohlgefallen von Herzen hin, der sie segne, Ui und seinen vollkommenen Willen an ihr aus- !, V führe! Er laße ihr zu gut kommen alle die chlA Früchte seiner Leiden, und werde ihr in Zeit sich und Ewigkeit alles das, was er den Seinen !M- ist, Amen! I>M Dein El! verbundener Bruder. GOtt im Geiste von einander ungetrennt blei» IN" den kann. E Bis hieher hat der HErr geholfen! Gelobet sey sein Name in Ewigkeit! P'H HErrn in meinem Inwendigen zu danken Anden z. Jan. 174z Der z6ste Brief. Wie man bei Abwesenheit feiner Freunde bei ,Kks D 3n demselben herzlich geliebter Bruder! Küstern bekam ich dein Angenehmes vom §ten ^ dieses, so mir erquicklich war, und dem Ilo Geistliche Briefe. laß gab; theils darüber, daß dich der HErr ^ so gütig und im Wohlstände wieder nach E Haus gebracht; und dann auch, daß du da- E sige Bekannte noch in einem solchen Zustand ^ wieder gefunden, als wir selbige gelaßen hat- E ten. Der HErr unser GOtt und treuer Hirt wolle ferner sein günstiges Auge, wie über mich, also auch über euch allesammt wachen laßen, M damit wir nach Leib und Seel von seiner Hand W bedecket, ihn, als seine theuer erkaufte Kin- O) der, inniglich lieben, ihm anhangen und »Gr dienen, und sein göttlicher Friede unsere Her- ÄZr zen und Sinne in Christo JEsu unverrückt bewahren möge. Amen JEsu!- AM Wir sind nun zwar dem Leibe nach nicht Wr beisammen, mit meinem Geiste aber bin ich sK dort viel bei euch, und frage wohl einst so Ks kindlich nach: HErr! wie stehers doch mir ' dieser oder jener Seele? Ich erwarte darauf weder Antwort noch Offenbarung von GOtt, sondern ich zeige nur dem lieben Hei- A land, was ich für euch begehre, und befehle euch seiner Gnadenregirung. Ich hoffe zwar der HErr werde uns bald wieder beisammen bringen durch seine gute Hand: indessen deutet uns auch eine kurze Abwesenheit an, wie so gar unbeständig alles Aeußere und Sichtbare ist, und daß wir uns müßen zum Inneren kehren, um ein Vergnügen in GOtt zu suchen, das unveränderlich dasselbe bleibet an allen Orten, zu aller Zeit und bis in Ewigkeit. Ein Hl Hl. Theil. z6ster Brief. Hk Ein großer Trost ists in dieser Fremdling- K U schaft, daß, in der Abwesenheit von einander, Mt ein jeder von uns diesen GOtt und dieses- D»! höchste Gut ganz und innig-nahe bei sich W behalten könne, ja daß wir auch in demselben W im Geiste ungetrennet bleiben. Dafür sey erch sein Name geliebet, gelobet und verherrl chet lW, durch Christum JEsum, in welchem wir diese jchit Gnade zur Einkehr in diese seine selige Gemein- >sl!d schaft haben! Laßet uns seinem theuren Zug D« im Grunde uns unbedingt überlaßen, und stich« mit Drangebung unsers Ganzen, den lieben, Milli der uns erst geliebet hat. Amen JEsu! Ich grüße und umfasse dich im Geist, lieber EH Bruder! wie auch alle übrige dasigen Kinder Wist und Freunde ohne Ausnahme.-Der H st HErr segne euch, und gebe euch seinen Frie- chm den! Amen. Verbleibe OW Dein wzU W Amsterdam, verbundener Mitbruder. AH den 12. Julii 174z. HD- q-ÜE Der Der Z7ste Brief. Dom Schaden der Kleinmüthigkeit, und Nutzen des Vertrauens zu GOtt. In der Gnade unsers theuern Heilandes ^ herzlich geliebter Bruder! ein Angenehmes vom i6ten dieses/ nebst ^ Einschluß von Bruder H. habe ich ge» siern richtig erhalten, woraus so überhaupt erhhe, daß es mit euch sämmrlich noch unge- tz-- fähr im Gewöhnlichen stehet; wosür der HErr gelobet sey! Ich vertraue, daß der HErr seine Hand und Auge über euch alle halten, und euch nach Leib M und Seel seinen treuen Schutz, Gnade und Güte werde widerfahren laßen; damit ihr in ^ GOtt viel Freude habet, und aus dieser Freu- ^ . de alle Kraft und allen Muth zur Hingebung I O und Ueberwindung alles andern, und zur de willigen Umarmung der kurzen Leiden empfan- get. Dann einmal so weiß ich nicht, wozu die Kleinmüthigkeit im Christenthum nutzet, ^ als nur, um unsere Feinde stark und uns ^ selber schwach zu machen: dahingegen GOtt M Ehre davon bekommt, und wir großen Nu- itzL tzen, wenn wir ihm vieles, ja alles zuver- trauen, nicht, weil wir heilig sind, sondern ^ III. Theil. Z8ster Brief. uz ^ weil wir einen so gnädigen und so mächtigen Heiland haben, der uns so gerne heilig und selig machen will, wenn wir uns ihm nur mit Aufrichtigkeit in seinen gnädigen Wir- kungen und Wegen überlaßen. Er wirke dann selbst in uns dieses kindliche Vertrauen, um JEsu willen Amen!- Ich grüße und bleibe Euer aller §,ch Amsterdam, verbundener Bruder» den 19. Jul. 174z. chl!» «et-- „ ^ - _^ rD Der Z8ste Brief. Miß Daß die Zuwendung des Herzens zu GOtt schon ein Vertrauen zu demselben anzeige, wenn es Mltz« gleich nicht gefühlet werde. 3n der Gnade unsers theuren Heilan- 7'« des herzlich geliebter Bruder! «chs»-Wie ich wieder hier kam, fand ich dein Angenehmes vom rzten dieses, wodurch ich recht erquicket ward, und Ursache fand, dem HErrn zu danken, daß ihr euch daselbst noch Dü ungefähr im Gewöhnlichen befindet. Dieser tD gütigste GOtt sey euch allen, und auch mir, E in dem süßen Namen JEsus unverrückt nahe! W Er halte auch uns in seiner Nahheit unver- M Zweit. B. m. Th. H rückt H4 Geistliche Briefe. rückt fest, damit wir in diesen verwirrten Tagen nicht mit verwirret werden, sondern auf dem innigen schmalen Herzensweg immer weiter gehen, und dazu allen Einfluß der Kraft aus dieser seiner liebenswürdigen Nah- heit bekommen mögen, Amen! Es ist also, wie du meldest, lieber Bruder! daß nicht allein derjenige Vertrauen zu GOtt habe, wer solches Vertrauen fühlet, sondern daß auch das bloße Zuwenden eines armen Herzens zur Gnade mit Vertrauen gepaaret ist. Ein Kranker, der sich zum Arzt wendet, beweiset mit der That, daß er Vertrauen oder Hoffnung habe, von demselben geholfen zu werden, ob er gleich wegen des Gefühls seiner Krankheit bisweilen nicht viel Vertrauen fühlet. Die Gesunden, die des Arztes nicht bedürfen, oder auch andere, die ihre Krankheit nicht so hart drücket, können auch leichter vertrauen: allein, wo ein allmächtiger Arzt ist, wie der unsere, dem nimmer ein einziger in der Cur ist umgekommen, wie aus so unzählich viel Exempeln klar ist, da hat auch der desperateste Patient keine Ursache, sein Vertrauen sinken zu laßen; und es wird ihm sehr zur Genesung beförderlich seyn, wenn er mehr mit Vertrauen den Arzt, als mit Mißtrauen seine Elenden ansiehet. Das tiefste Gefühl unserer Elenden und Schwachheiten kann uns das reinste Verträum zu der unendlichen Güte GOttes geben. Wir müßen nur im Zuwenden zu GOtt nicht ermü- P Bi' IM M s!I>! ÄH llki Ni 115 IH. Theil. Z9ster Brief. ermüden, und von uns selbst absehen, so gut wir können, so wird uns immer mehr das innig stille Vertrauen gegeben werden. Das ausgekehrte leichtsinnige Vertrauen nützet nichts. Der HErr wirds uns lehren. Amen! -Gedenket alle meiner; ich thue ein m! Gleiches. In Hoffnung, euer Angesicht bald ^"wieder zu sehen, bleibe ich Ä«,j Euer Amsterdam, verbundener schwacher ^den 26. Julii 174z. Bruder. Ho« die de Der Z9ste Brief. ,/ An eine kranke Person; daß sie sich von allem !» abkehren, und mit Vertrauen in JEsum er- HMi senken soll. WV- M Geliebte Freundinn und Schwester! !«l V c^ch höre, daß der gütige Heiland dich mit Us ^ einer Krankheit besuchet. Nun, Er will W dein Herz zugleich mit seiner heilsamen Gnade M besuchen: und dieses ist es, was wir dir auch haben gesuchet, und noch suchen zu erbitten Eß ls von seiner göttlichen Majestät, wie auch, daß er dir alle nöthige Unterwerfung und Ueber- , A laßung in seinen guten Willen geben möge! M GOtt hat gewiß deine völlige Erlösung und F H r Heit n6 Geistliche Briefe. Heil im Auge, auch bei dieser Besuchung. Soviel du dich nun besinnen kannst, übergib -V dich ihm ganz, daß sein heiliger Zweck nur an dir erreicht werde. ^ GOttes Gunst und Gemeinschaft sin- al- lein zu suchen und zu schätzen: Gesundheit, Le- ben, und alle zeitliche Vergnügungen sind ^ nichts dagegen zu achten. Es wende sich dann dein ganzes Herz von allem andern unwie- derruflich ab! Bekenne dem liebsten Heiland all deinen Jammer und begangene Thorheiten, .. und daß du ohne seine Gnade nimmermehr , selig wirst. O ja! das ist mehr die Wahrheit, ^ ' als du es noch glauben kannst. Traue es aber diesem theuren JEsu zu, daß er dir könne «p: und wolle alle deine Sünden vergeben, und dich durch seine Gnade allein heilig und selig machen, denn er hat uns erlöset mit seinem Blut. In diesem Vertrauen ersenk dich, so ^ nackend und elend als du bist, in diesen gütig- § sten Erlöser ein. Und wenn dir dein Elend und Untreue tausendmal vor Augen kämen, so wende du dich allemal mit dem allem in diesen gütigsten Erlöser hinein; so kann es dir ^ nicht fehlen, es gehe nun zum Leben oder Sterben. ^ Ich weiß, daß du noch lange nicht bist, ^ wie du seyn mußt: aber wenn du auch noch «z so lange lebest, so wirst du doch durch keinen ^ andern Weg heilig, als durch diesen; und M wann du stirbest, so kannst du selig werden ^ durch III. Theil. chc-ster Brief. n? E W sÄ»! )!>Ud D stz durch diesen Weg, daß du nämlich auf alles Verzicht thust, und dich mit Leidwesen und Vertrauen in die Gnade JEsu hinein wendest. In dieser Gnade ist dein Heil allein. Diese Gnade umfasse dich, wann du sterben solltest, und gebe dir auch jetzt, was dir noch ist, um gesegnet und GOtt gefällig zu leiden! Amen, lieber Heiland! Wir grüßen dich alle, und wünschen dir den Segen. Dein IM W/ MlH ! k« I, M idsch iß» ch,i» mD Kß- iiikä »kB Mülheim, schwacher Mitpilger, den 24. Oct..i 74 Z. .->-»»—_ Der 4-oste Brief. Wie man sich in Versuchungen zu betragen, und die Gelegenheiten mit Ernst zu meiden habe. Herzlich geliebte Schwester! Obgleich der Kopf ungemein schwach ist, ^ so muß ich dich doch herzlich grüßen, und dir zurufen: Sey getrost! denn der HErr ist mit dir. s B. Mos. zi, 6. und 8. Klagbriefe sind mir doch auch lieb, wann es nur keine Verzagbriefe sind. Wie der Heiland getauft, und zu seinem Amt eingeweihet war, da kam der Versucher heran. H z Der H8 Geistliche Briefe. Der Feind muß recht bange werden, daß ^ er dich so anpackt. Er soll doch in Ewigkeit ^ nichts an dir haben, denn du gehörest dem ^ HErrn zu. Bleib ihm aber auch von seinen Gränzen weg, ich will sagen, meide unge- ^ scheut alle dergleichen Gelegenheiten. Deine > Schwächlichkeit kann dich genug excusiren, ^ dich solcher Liebespflichten jetzt und bei solchen ^ Umständen zu entschlagen. Hilft kein Excu- E siren, dann wollte ichs lieber rund heraus sa- ^ gen, daß ich dergleichen Gesellschaften am liebsten vermeiden wollte. Vielleicht hast du E" dich vormals nicht beherzt genug erkläret, ^ daß deßwegen die Hoffnung noch nicht ganz erloschen ist; und wenn das wäre, dann ^ könnte es die Vorsehung vielleicht noch einmal G dahin bringen, daß du mit mehrerer Tapferkeit alles abschneiden müßtest. Fürchte du nur nichts. Sähest du die , Macht, die dich umgiebet, du würdest keine . Kreatur, noch feindlichen Anfall so hoch ästi- miren. Durch Furcht machest du dich schwach, und setzest dich gar aus der Ordnung; das merkt der Feind, darum sucht er dich zu alteriren. Achte aber auch dieses nicht, und trage solche Alteration und Poltern im Kopf und im sinnlichen Theil, ohne vorsetzlich darnach umzusehen, oder es vertreiben zu wollen. Ein Blick auf den HErrn, daß du ihm treu bleiben, und alles aus Liebe zu ihm übertragen wollest, ist genug. Stilleseyn und Vertrauen ist unsere Stärke; dahin muß sich das Gemüth ii- IH. Theil. 4oster Brief. ",daj Wer sAtl D« , Gemüth lenken, auch bei den größten Stür- men. Der HErr ist nahe; Er stehet unfern Grund, wenn gleich die Proben alle Sinne und Gedanken überschwemmet haben. Weil du aber weißt, an welchem Ort du schwach bist; so sage ichs noch einmal: Meide mit Ernst alle Gelegenheiten, bis es die Vorsehung auf eiue andere Weise einrichtet, und mache dich immer mehr gemein mit dem Einen, der alle Liebenswürdigkeiten vollkommen und ewig in sich besitzet. Du kennest seinen Namen, und weißt ein wenig, wie sehr er dich liebet. Er ist mächtig genug, ein Herz zu schützen, das ihm zum Eigenthum ergeben ist. Amen! Ich vergesse deiner nicht, und JEsus noch weniger. Dein W Mülheim, den 24. Oct. 174?. schwacher Bruder in Ihm. 120 «ch Der 4iste Brief. Was gemeiniglich durch die Sünde in den heiligen Geist verstanden werde. Welche Versuchungen den Geist beflecken, oder nicht. Herzlich geliebter Bruder in der Gnade ZEsu! L> B ich «Nit deinem angenehmen Schreiben, vom ^ 28ten September, bin ich wohl zu- ^ frieden.- Den Eingebungen des Geistes GOtteS «» ungehorsam seyn, könnte man wohl eine «> Sünde wider den heiligen Geist nennen: aber, sitz wehe uns allen! wenn ein jeglicher Ungebor- m sam gegen denselben diejenige Sünde wäre, i die nicht soll vergeben werden. Diese Sünde !> eine Versuchung; und obs wohl eine Frucht unsers Falles ist, (weßwegen es uns auch Gch um so viel mehr demüthigen muß, da wir bisweilen der Versuchung das Fenster ein wenig aufgethan) so wird es uns doch um t» IEsu willen nicht zur Sünde gerechnet. Hst Aber, wenn wir in die Versuchung den Willen geben, dann wird die Lust schwanger, und gebieret die Sünde. Weil nun das Böse M einmal da ist, so muß die Versuchung kom- >!« men: wer aber in der Kraft JEsu die Verlor, suchung ausleidet, der ist ein Kampfer, dem Ol- eine Krone weggclegt ist. ^ ^li, Es befleckt die Versuchung den Geist wei- Gk ter nicht, als nur, wenn der Wille des M« Geistes das Unreine mehr oder weniger an- M, rühret, (2 Cor. 6.) ich will sagen, sich mit «I>4 einiger willigen Beschäfftigung der Gedan- ken, oder mit Wohlgefallen dabei aufhalt. D, Verdunklungen können einige Versuchun- K gen wohl bringen, auch wenn man sich wohl Bdl dabei verhalten hat; aber diese Verdunklun- , kß gen schaden nicht. Das Beßte ist, im ^ Gegenwärtigen beim HErrn bleiben, mit dem herzlichen Sinn, kein Böses einzulaßen, M übrigens aber an das Böse wenig zu denken, ßtz H 5 sondern 122 Geistliche Briefe. sondern an den gegenwärtigen GOtt; und ^ mit denjenigen Versuchungen, die vorüber sind, sich nicht viel aufzubalten, sondern sich, ohne Untersuchen, selbst Schuld zu geben, D! und wieder in die Gnade einzusinken. Die Versuchung oder Reizung zum Bö- ^ sen kommt nicht von GOtt. GOtt aber ^ versuchet oder probiret unsern Glauben, un- ^ sere Liebe und Treue wohl einmal, um uns ^ bewährt und verklärt zu machen; i Petr, i, 7. Er hält uns aber überall mit verborgenen Händen, und machet, daß die Versuchung ein solches Ende gewinnet, daß wirs ertra- A gen können: und der mag sich ja freuen, wer W also in mancherlei Anfechtungen geräth. Jac. Di i. Wenn uns aber JEsus bethen lehret: Führe uns nicht in Versuchung, so zielet «st dieses auf solche Versuchungen, da GOtt Äi den Menschen in so weit verläßt, daß er wirklich zum Fall kommt, wie beim His- ! kia geschah, 2 Chron. 32, zi. und bei Pe- kn tro; denn wenn eine Seele aus ihre Kraft und Treue zu viel bauet, und nicht behutsam ist, da läßt GOtt sie wohl einst durch «ine betrübte Erfahrung sehen, was in ihrem -Herzen ist ; und dafür sollen wir bethen. wacher und derber, daß ihr nicht in Versuchung fallet. Matth. 26, 41. Diejenige Liebe zu einem Kinde GOttes ist schön, welche die Liebe und das Andenken GOttes in mir vermehret, die mich sammlet, III. Theil. 4ister Brief. I2Z -'"tz AU )!l A« «Pl: !§ M M,U n-l !!»tzs W P ,W sammlet, stillet, und kein Bild der Kreatur in mir zurück läßet. Diese reine Bruderliebe kommt allein aus GOtt, und führet allein zu G'Ott: darum mäßen wir nur nach der Liebe GOttes hungern, und alle unsere Liebe diesem Einigen zuwenden, dann lehret er uns zu seiner Zeit seine Kinder in ihm lieben. Einander aber lieben und mit einander umgehen, oder viel Liebesdienste erweisen, das ist nicht einerlei: es kann nach den Umständen beisammen, oder nicht beisammen seyn.- JEsus werde uns immer gründlicher das Leben unserer Seele! Was aus uns kommt, zielet auch auf uns. Er selbst muß unser Herz, Willen, Gedanken und Alles in seiner Gewalt haben, damit er uns belebe, und wir lauterlich in ihm leben mögen. Mülheim, den zi. Oct. 174?. mit- Der irr Der 42ste Brief. Dl Gründliche Anweisung, wie man aus Gnaden heilig und selig werde. ^ In der Gnade IEsu herzlich geliebter D Freund! «« M ^uer Angenehmes vom aten December, wie auch Voriges vom 2zten November Hab' ich zu recht erhalten. So viel Zeit Agt und Schwachheit zuläßt, will diesesmal dar- auf antworten. ^ Nach meinem Licht von der Sache zu s«« reden, so findet sich E. E. Zustand Rom. 7. >/> ziemlich beschrieben, und ist davon der selige im Ausgang anders nichts, als die gelaßene nicht gründliche Ersenkung in die Gnade GOttes M. in IEsu Christo, welches der Eigenliebe den lich, Tod, dem Geist aber Leben und Friede ver- tnii ursachet. Aus Gnaden heilig und selig ge- ik« macht werden, ist so leicht nicht, wie die W Leute meynen. Wann GOttes Licht und Zucht die Seele recht ergreifet, wirds an- M ders erfahren. Man siehet, daß ohne die L innigste Reinigkeit keine Vereinigung mit tz« GOtt zu hoffen sey. Man will, man trach- tet den rechtmäßigen Anfoderungen der Gnade U, ein Genügen zu leisten; aber dem tiefen Grund- 125 Hl. Theil. 42ster Brief. Grundschaden wird durch eigene Bemühung nicht geholfen. Kann man nicht fortkommen, so wirb man muthlos und verdrießlich: und wo es gelinget, da kommt die eigene Gerech- ^ tigkeit empor, und siehet die Seele von hinten " nach, daß durch die geheime Selbstliebe auch ihr Beßres befleckt bleibet. Gebets einige , Zeit was vorwärts, plötzlich findet sie sich M wieder mitten im Schlamm liegen. Was soll sie machen? Glauben, baß man in diesem , Leben ein armer Sünder bleiben mäße, ist ein desperater Trost. Auf Christi Verdienst H« Tod sich verlaßen ist trefflich, und der ML einige Grund unsers Heils: aber er hat sich lMk« uns gegeben, auf Saß er uns heilige, Ephes. s. Er ist nicht gekommen, das Geich! z« setz aufzulösen, sondern zu erfüllen, Matth, s, icm.- 17. Was Rath? Die Seele soll fort, und üW kann nicht. Sie soll was geben, und hat D« nichts. Heucheln oder scheinen gilt nicht län- W ger. Ein einzig Mittel ist übrig: daß näm- M lieh die Seele zum Kreuz krieche, und, mit bemüthiger Bekenntnis) und Einwilligung in »x ihren hülflosen Zustand, von ihrem eigenen Thun ablaße, damit GOtt sein Werk in ihr As habe, und also, in gelaßener gläubiger Zu- und Einkehr in die eröffnete Gnade und Liebe JEsu, der seligen Stunde erwarte, daß die- ^ ß str mächtige Erlöser sich ihr offenbare, und E selbst in ihr erfülle die Gerechtigkeit, so vom M Gesetz erfodert wird , Rom. 8 . Und siebe ^ xj«i das ist dann eben das, was erleuchte Schrei- 126 Geistliche Briefe. der sagen, wann sie uns auf die Uebung des inneren Gebeths und der Einkehr weisen, um nur im Stilleseyn und Vertrauen die Hülfe zu suchen und zu finden. ils' Der liebe Freund kann sich ohne Beden- B ken zueignen, was solche erleuchtete Seelen M von diesem Zustande sagen; nur mit dieser « einzigen Verwahrung: daß, wenn sie von B.' höheren Wegen der Reinigung reden, da die O Seelen, welche solches angehet, sich nicht so Ä wirksamer Weise können zu GOtt kehren, B sammlen, verläugnen, rc. weil sie nämlich, W ohne ihr Wissen, da schon angelanget sind, ck» wohin sie durch Wiederholung derer Wirksam- «f. keit gehen wollen: daß, sage ich, solches anjetzt W für ihn noch nicht ist, wenn ich ihn wohl »A kenne. Er muß sich auch auf eine wirksame M Weise zu GOtt einkehren; es muß aber W keine Anstrengung des Kopfs, oder andere Heftigkeit dabei seyn, sondern ein inneres aber gelaßenes Hungern, ein wahres, Herz- ^ liches und vertrauliches Einneigen zu GOtt ihm in Christo, und ein süßes ehrerbietiges War- H ten in seiner Gegenwart in uns. Durch IEsu W Blut haben wir diese Freimüthigkeit zum ^ Eingang. Weil wir durch Christum mit Hg GOtt versöhnet sind, so ist GOtt uns gewo- § gen; wir mögen uns kindlich zu ihm hinein tz- kehren, und um seine völlige Hülfe bitten, tz und darauf warten. Der das Innerste er- ^ forschet, siehet wohl, daß die Seele eben in tz? der That der kindlichen Ein- und Zukehr, W, itH -siktz Wik irksam s, z»W jlsVl' «Lsi N D s«- HI. Theik. 42ster Brief. 127 auch ohne daran zu gedenken, sich von Welt, Sünde und allem Eigenen, nach dem aufrichtigen Willen, abkehret; deßwegen wird ihr um JEsu willen auch nichts von dein allem zugerechnet: und durch eben diese That der Einkehr, Offenlegung, rc. wird sie am leichtsten und schönsten gereiniget werden, von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes. Er, der liebe Freund muß eben seine Elenden nicht aufsuchen; es wird sich schon finden, jo viel es GOtt beliebt. Sein Verderben nehme er nicht zum eigentlichen Vorwurf. GOtt, als ein Freund und Heiland; GOtt, als im Herzen gegenwärtig, muß sein Vorwurf seyn. Und wann er sein Verderben sehen und fühlen muß, so leide er solches in GOttes Gegenwart, eben wie ein krankes Kind, auf der Mutter Schooß, seinen Schmerz nur zu verstehen gibt durchs bewegliche Ansehen seiner Augen. Das Ansehen unserer selbst macht uns krank; aber in dem Ansehen GOttes ist unsere Genesung. Laßet uns dann die Entdeckungen unserer Elenden als wahre Gnade von GOtt annehmen, und getrost aushalten vordem Angesicht dessen, der Heiland genannt wird, ohne am andern Ort Trost zu suchen! Der HErr weiß die rechte Stunde. Auch das warren ist ein unvermerktes Fortgehen. Muthlosigkeit ist eine Frucht der Eigenliebe. Unsere Schwachheiten und Elenden sollen uns Mißtrauen machen Geistliche Briefe. machen an uns selber, aber nimmermehr an ^ GOtt, dessen reine Liebe unsere Elenden eher verzehren kann, als das Feuer einen Strohhalm, wann wir uns mit Vertrauen überlaßen. Nun, mein Freund! es widerführet euch " nichts Neues. Eben dergleichen Leiden gehen .. über eure Brüder in dieser Welt, obgleich " nicht bei allen gleich schwer und lang. Erwar- A tet nichts von euch selbst, aber alles von der , Güte GOttes, die so innig nahe ist. Das ist eine gemeine Versuchung in solchen Stän- ! ^ den, daß die Seelen denken, dieses oder ^ jenes schicke sich nicht auf sie; ein anderer "" wisse so alle ihre Umstande nicht; man urtheile ^ zu t'Lvorsble von ihnen, und was dergleichen Z" mehr ist. Haltet euch mit solchen Reflexionen ^ nicht auf. Ich weise euch nicht auf euch " selbst; ich weiß, daß ihr ein Adamskind seyd, M wie ich. Euer Weg ist auch noch nicht vollen- der, er gehet aber richtig dahin, und GOt- v tes ewige Liebe wartet nur darauf, daß ihr 'A euch, mit mir, in ihren Schooß fallen laßet, ^ den 7. Jan. 1744- so wie ihr sepd. Amen, es geschehe! Mülheim, Der )-r U Der 43ste Brief. Trost und Unterricht an eine Kranke, und Auf- CkH munterung zur Liebe. WZ N In der Gnade JEsu, werthgeschätzte » Freundin»! -Wir H Mik herzlichem Mitleiden Hab' ich durch den mW ^ Freund S. vernommen, daß es dem ß »i HErrn beliebet hat, E. E. aufs Neue auf das M Krankenbette nieder zu legen. Wie es jetzt „kW um euch stehet, verlange sehr zu vernehmen. M Ich nehme in aufrichtiger Liebe Theil an iffim E. E. Wohl und Weh, und Unterläße nicht, euren geist- und leiblichen Zustand unserm 'nrsck öuten Heilande aufzuopfern, nach der Gnade, die er selbst schenken muß. Ich verhoffe, M daß eure Krankheit nicht zum Tode, son- ^ dern zur Verherrlichung GOttes seyn möge. Seine göttliche Majestät zeiget es ja, daß " es sein absoluter Wille sey, euch hinfür ohne Ausnahme für stch haben zu wollen. Er selbst gebe E. E. ein Helles Gesicht und innigen Eindruck von seinen liebenswürdigen Absichten über euch, so werdet ihr euch gerne ihm überlaßen. Die Liebe JEsu muß eure Arznei seyn. Es gehe dann zum Leben oder zum Sterben, so erwartet nichts von euch selbst, noch Zweit. B. UI. Th. I von izo Geistliche Briefe. von einigem Geschöpf. Als eine Elende, Nackte und Unvermögende, wie ihr seyd, werfet euch zu des Heilandes Füßen; umfasset sie, in zarter Liebe, mit Maria Magdalena, damit er euch aufs wenigste nachschleppe, wenn ihr ihm nicht nachlaufen könntet. Laßet ihn nicht los, es gehe, wie es gehe! Er ist inwendig unaussprechlich nahe, auch wann er ferne scheint. Seliges Sterben und heiliges Leben ist bei ihm, und sonst bei keinem zu finden; liebet nur, dann gibt ers gerne. Liebet ihn, auch wann er nicht scheint zu lieben! Liebet, auch wann ihr keine Liebe fühlet! Liebet, so lernet ihr lieben. Wartet auf nichts! Fanget mit der Liebe an, so wird alles andere folgen. Ich grüße euch herzlich, wie auch euren werthen Mann, und hoffe, bald eine angenehme Nachricht von eurer Besserung zu bekommen, in welcher Hoffnung ich verharre Ew. Wohl-Edl. Mülheim, den i6. Jan. 1744» i»! j!« De ergebenster Diener und geneigter Freund. Ni Mi ch «kl Der L Der 44ste Brief. »2! dl» eine P-rf-n di- i» -in- gewisse s,mem« MM übergegangen. Der Schreiber wählet hinge- gen mehr daS verborgene Leben mit Christo ü, lliij in GOtt. Tlch Herzlich geliebter Bruder! -Auf deine sonst über Duisburg und M, Solingen vor und nach erhaltene Brieflein M finde eben nichts zu sagen. Mein Reden ist nicht Zeit. Ich wünsche indessen von Her- Gnit dirs auf alle Weise wohl gehe, . n.> und bleibe in der Liebe. Aus Bruder N. ^ Brief an P. H. Hab' ich gesehen, daß du ^ ein aufgenommenes und confirmirtes Glied dasiger Gemeine bist, nachdem du darum angehalten. Es scheint, du habest gedacht, diese Zeitung werde mir wenig Freude machen, sonst hättest du mir selbst solches wohl ge- M»' schrieben. Dem sey, wie ihm wolle, so ist W, mirs einmal keine neue Zeitung gewesen. Ich merkte genugsam, was du vorhattest, wie du hier wärest. O! wie so gern laß ich los, schweige und befehle die Seelen dem HErrn an, st) bald ich merke, daß sie Wege einschlagen, die ich nicht verstehe! Sei) indessen meiner unverfälschten und unverrückten Bruderliebe M I - gegen Geistliche Briefe. gegen dich versichert. Es gehe dir in der M Wahrheit wohl in dem HErrn! Er allein F bewahre und führe dich, nicht nach Rußland ^ und China, (wie dir geträumet, ich auch D nicht höher als andere verstreuende Phanta- Pi sien halten kann) sondern in die wesentliche Ruhe des Geistes, die dem Volke GOttes D verheißen ist! Ob aber dein jetziges Betra- M gen (wenigstens bei den Lesern in N.) nicht ein thätlicher Widerruf deines vorhin abgelegten Zeugnisses der Wahrheit, durch Edi- . rung des Bernieres sei)? ist eine Frage, die ^ ich GOtt und deinem Gewissen überlaßen ^ muß, und gar wohl überlaßen kann. Ich darf weiter nicht umsehen; ich muß meinem ^ Führer folgen: hoffe auch, daß diese deine Veränderung mir noch dienlich seyn werde, mich nur so viel mehr hinein zu wenden, um gegründet zu werden in Christo, und in der lck Erfahrung seiner so unbekannten und ver- ' dächtigen inneren Wege , die ich mit innig- ! ster Freude und Plerophorie (völliger Zustim- j mung) als göttlich und gewiß umfassen und bekennen muß, vor dem Angesichte GOttes und aller Menschen. Das Wenige, so ich schriftlich davon bezeuget habe, weiß ich, daß ^ es in sich Wahrheit ist. Ich gönne es an- ^ dem, daß sie etwas sind, etwas ausrichten, und auf alle Weise eclatiren. Ich erwähle ", das verborgene Leben mit Christo in GOtt, das verhaßte Kreuzesleben; und in dem- ^ selber» werde ich um so viel reiner und ru- higer IH. Theil. 45ster Brief. »ich )ils higer fortwandeln können, je mehr ich für nichts geachtet, vergessen, und als wie begraben bin bei allen Kreaturen. uni! (Eine Einen, !) Alle bekannte Brüder und Freunde grüßen herzlich. O. ist verwichenen Sonntag in die Ewigkeit gegangen unter meinem und der Umstehenden Gebet!). Ich ^ werde mit GOlt unverändert bleiben liP Dein Eli! > Mülheim, in Liebe verbundener schwa- ^ den i6.Ian. 1744. eher Mi.tbruder. N IW --- IN! « Der 4;ste Brief. W Ueber die Worte: Joh. 17, ?. Das ist aber das M ewige Leben, daß sie dich u. s. w. und daß die j,, Seligkeit bei Kindern GOttes hier in ihrem Inwendigen anfange, und in der Ewigkeit M vollendet werde. Lieber Freund! c>ch will sehen, ob ich im Stande bin, auf euer angenehmes Zuschreiben mit Wenigem zu antworten. Der von euch vorgelegte Spruch Joh. 17. Das ist das ewige Leben, das sie dich erkennen rc. zielet so wohl auf dieses als auf das zukünftige Leben. Bei Kindern I z GOttes IZ4 Geistliche Briefe. GOttes fängt die Seligkeit hier in ihrem Inwendigen an, und wird nach diesem Leben ^ vollendet. Sie fängt hier wesentlich an; aber !5.. zwei Stücke muß man nicht vergessen. i. Daß diese Seligkeit eben nicht bei allen, und zu aller Zeit empfunden, oder unterfchie- -»> denllich erkannt werde. GOtt läßt es die Seelen nicht allemal wissen, wie selig sie sind, um der Eigenliebe willen. Sie mäßen manch- mal im dunkeln Glauben wallen, Hebr. io, ^ z6-z8. und durchs Kreuz geführet werden, B damit sie wohl geläutert, die Heiligung Gd)r- Di res erlangen, welches ihnen zu solcher Zeit M nicht allemal Freude und Seligkeit zu seyn s! dünket, Hebr. 12 , io. und n. obsgleich ch!I wirklich Seligkeit ist. Wo nur eine Seele nichts ^ anders will, als GOtt, und an ihm sucht zu tz, hangen durch Glauben, Bethen und Ueber- ch! laßung, da mag sie ruhig seyn, wenn sie U gleich in diesem Leben nichts empfinden sollte, hx Dennoch zweifle ich nicht daran, wenn wirs ^ nur alles dabei wagten, und weder Trost ^ noch Heil in einigem Geschaffenen mehr in uns einließen, es würde uns auch in dieser Wüste ^ das Manna nicht gänzlich fehlen. Zum ^ n. Muß man wohl behalten, daß die ^ Seligkeit der Christen staffelsweise in diesem ^ Leben erfahren wird. Wer in der anfäng- ^ liehen Buße mühselig und beladen zu Christo ^ kommt, der wird von ihm erquicket; er erlan- ^ get die Vergebung seiner begangenen Sün- k den, III. Theil. 45ster Brief. IZ 5 hkq den, aus lauter Gnaden, um des Verdien- ^ stes Christi willen. Wird nun dieses etwas chi merklich empfunden, dann erkennet man den Vater, und empfindet eine Seligkeit, wie „ die Schrift es auch so ausdrücket, Psalm A i. und 2. und Ephes. 2, 8 . Aber dabei muß W man nicht stille stehen bleiben. Solche Glau- hjge, die in dem ersten Grad schon selig wa- ^ ren, werden von Paulo vermahnet, daß sie Ar schaffen sollten, selig zu werden, nicht zwar durch eigenes Thun oder Werk, sondern ^ durch Wahrnehmung und Gehorsam der E Gnade GOttes, der in ihnen, und auch kirk jn uns, wirken will, beides das Mollen und das Vollbringen nach seinem wobl- O gefallen. Phil. 2, 12. und iz. Diese Wir- '"llt kungen GOttes zielen nun hauptsächlich dach hin, daß er alle Werke des Teufels in uns ^ zerstöre, Sünde, Kreatur und Selbstliebe; M GOtt aber und das Unsichtbare immer wich- O tiger mache, und zu seiner seligmachenden M Gegenwart hinein ziehe. Da wird dann die k i« Seele fähig, das zu erfahren, was Joh. 14, B 2i-2?. und 2 Cor. 6 . stehet, daß sich nämlich K der HErr JEsus ihr inwendig offenbarer, M ja gar seine Wohnung in ihr aufrichtet. Und ^ wer das wahrlich erfähret, der findet noch eine weit größere Seligkeit, als die ersiere, welche nur in der Schenkung seiner Sünden, oder in einigen Blicken der Gunst GOttes "l, befand. Davon sagt Johannes: Wer den ^ Sohn har, der har das ewige Leben : und ^ I 4 dennoch rz5 Geistliche Briefe. dennoch hat dieß seine mancherlei Staffeln. Alles dieses hatte Paulus erfahren, und doch glaubt er, daß er in diesem Leben noch ein Mehreres erfahren könnte, Phil. z. Summa, so wohl die Erkenntnis GOttes und seines Sohnes JEsu Christi, als auch die daraus entspringende Seligkeit kann immer anwachsen in dieser Zeit, und wird vollendet in der Ewigkeit: doch ist in diesem Leben so viel davon zu e-fahren, daß es der Unglaube wohl nimmermehr denken sollte. Noch hier in diesem Leben können wir der göttlichen Natur theilhaftig werden; und, wer dem HErrn anhängt, der wird Ein eierst mir ihm i Cor. 6, 17. Es sind dieses zwar hohe und göttliche Dinge; aber GOtt har sie verheißen in Christo JEsu, und gönnet sie uns allen gern. Weil wir aber nun solche Verheißungen haben, so sollen wir uns reinigen von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, und nirgend stille sieben, sondern in der Gnadenkraft GOttes unsere Heiligung suchen zu vollenden, 2 Cor. 7,1. Nun hoffe ich, wird der liebe Freund meine Meynung in etwa fassen, und aus Obigem seine andere Frage beantwortet finden: wo, oder an welchem Orr diese Offenbarung GVrres geschehe? Nämlich nirgend anders, als im Grunde unsers Herzens. Inwendig sitzt die Sünde, Hölle und Verderben : inwendig muß auch die Erlösung und Seligkeit kommen. GOtt und alle Seligkeit kenne ich !Sl!' ^ ich nicht recht, so lang es außer mir bleibt. ^ GOtt und unser Heiland ist uns unaussprechlich 'Ä nahe in unserem Inwendigen. Er lockt uns uni hinein, um daselbst seiner selbst und seiner W Seligkeit theilhafrig zu werden. Folgen wir > dr seinem Zug der Liebe, verlaßend das Geschafft fene, durch die Verlaugnung, und liebreich ttdt zu ihm nahend durchs Herzensgeberl): dann wird er seine Verheißung an'uns erfüllen. Und siehe, dieß ist der unbetrügliche Weg zu k unserem Ziel; auf diesem Weg wandlend, N» können wir wohl damit zufrieden seyn, wie ^ es der HErr mit uns macht: ob er uns viel idm oder wenig in diesem Leben empfinden und mi> klar erfahren läßt. Die Ewigkeit ist lang >fi» genug zum Genuß. Nur von Unten ange- >ll«i fangen, und sodann dem Lamme gefolget, M wo es mit uns hingehet! Das Ende wird gut m seyn. Den lieben Freund empfehle ich der U Gnadenregirung GOttes, und verbleibe, 8 » nebst herzlichem Gruß, Mülheim, geneigter Freund und W den 6 . Febr. 1744. Bruder. K 1Z8 Der 46ste Brief. An eine kranke Freundin» ; daß ihr die Eine E Arznei nur helfen könne: IEsum anhangen Mi mir zarter Liebe, und Unannehmlichkeit ihrer selbst und aller Dinge. Herzlich geliebte Schwester! -Dein leibliches Ungemach entstehet viel vom Gemüth. Eine Arznei kann dir helfen, welche beim liebsten Heiland zu bekommen ist; sie heißt: IEsu anhangen mir zarrer Liebe, und Unannehmlichkeit deiner selbst und aller Dinge. Versäumest du es, dich dieser Arznei zu bedienen, dann laßt es GOtt deinen Leib fühlen, daß dem Geist was fehlet, und das ist Gnade. Brauche dann doch diese Arznei täglich und stündlich. Ist sie etwa nicht vorhanden, dann hole sie; aber ohne Geld, sonst bekommst du nichts! Erwarte sie mit Vertrauen von dem, der sie umsonst gibt. Fange nur an mit dem Gebrauch; wills gleich im Anfang nicht schmücken, fahre nur fort; ich kann dir die übergroße Lieblichkeit und kräftige Wirkung dieser Arznei nicht genug anpreisen: sie gibt ewiges Leben. An dich und deinen Schaden darfst du nicht gedenken, wann es auch desperat schiene; denke nur an den innig gegenwärtigen, mächtigen ft IH. Theil. 46ster Brief. IZ9 ^ tkgen und liebreichen Arzt. Mit stiller Andacht und zarter Liebe zu ihm gewandt, brauche die Arznei, du wirst gewiß genesen. Ich scherze nicht. Ich schreibe nur so, um mich füglich kk,> auszudrucken. Es ist alles wesentlich also. Der HErr gebe dir ein einfältiges stilles Herz, A dann wirst du es erkennen und erfahren. Deine Elenden schrecken mich nicht ab, ich fasse dich in Schwachheit: sie mäßen auch dich nicht abschrecken, sondern nur tiefer grün- . den in der Erkenntniß deines Nichts, und in W der Ueberlaßung deiner selbst in die Hände >" M des HErrn, in welchem dein Heil ist. Kannst » du dich nicht zu GOtt sammlen mit den Sin- E nen und Gedanken, thue es dann doch mit ^ dem Herzen; kannst du auch dein Herz nicht V finden, dann thue es mit deinem willen, ud Und wann du auch das nicht zu können schei- M nest, so leide und überlaß dich GOtt, mit » Zufriedenheit und Vertrauen. Auskehr und M Beschäfftigung mit dir selbst, machen die O'Elenden zu Sünden. Beschäfftige dich B dann mit dem, der in deinem Herzen deiner wartet, und dich zu seiner Braut und völli- B gem Eigenthum erkaufet hat, und einladet! M Amen. Ich bleibe durch seine Gnade B ^ . W Dein ^ Mülheim, verbundener schwacher den 20. Febr. 1744. Mitbruder. Der Der 47ste Brief. -I k« Tröstlicher Abschied von einem kranken Bruder auf ^ die selige Ewigkeit. ^ Mein lieber Bruder N. Z>en Augenblick höre ich deine Krankheit, ^ und weiß nicht, ob dich dieses noch in der Sterblichkeit antrifft? Verliere dich mit Vertrauen in den weilen Schooß der ewigen Liebe GOttes in IEsu, und laß ihn mit dir machen, es gehe zum Leben oder zum Sterben. Wirf dich selbst weg; denke an dich selbst nicht, und laß dich ganz entblößt hinein fallen in die Arme, die für dich ans Kreuz genagelt, und noch in Liebe für dich offen sind. Deiner Heiligkeit wegen wird dir der HErr nicht günstig seyn, das ist gewiß: ich weiß aber, daß er dich geliebet hat, und es herrlich ausführen werde. Ach! wir sind nichrs. Wir sind schuldig. Wir sind abscheulich: aber die Gutheit unsers GOttes ist unbegreiflich, wunderbar, und ein unergründliches Meer, das uns von unten und von oben, von innen und von außen, zu allen Seiten und Zeiten umgie- bet, bewahret, nähret und verschlinget. Auf diese unendliche Gutheit GOttes kann unser Vertrauen sicher ruhen. Dieses Meer umschließe B W V Hl. Theil. 47sier Brief. 141 rh> schließe und verschlinge dich auch, wann du stiebest. Gehe dann hin im Frieden, mein lieber Bruder! schaue, liebe, lobe und bethe an den GOtt, der uns geliebet hat, vor des- sen Angesicht wir uns (wie ich demütbig hoffe) bald wieder begegnen werden, falls es hier nicht mehr geschehen sollte. Dich nochmals im Geist der Liebe JEsu, nebst allen hiesigen Kindern, herzlich grü- R ßend und küßend, lege ich dich nieder in die » 4 « offene Arme ^Eiu . der dir nabe iff. Amen "/» vergessen veiner niu-r. !>!>§ Mülheim, M den 2. Marz 1744. verbundener schwacher Bruder. 142 Der 48ste Brief. Muthgebung und Unterricht an eine neu erweckte Person. Verhaltungsregeln wegen äußerer ^ Bekanntschaft, wie auch wegen Kirch- und Abendmahlgehen. B In der Gnade GOtteS vielgeliebter - und werther Freund! s' ^uer Zuschreiben vom 28ten Jan. ist mir angenehm gewesen; denn da ich beides den unseligen Zustand eines unbekehrten, und auch die Glückseligkeit eines bekehrten Menschen aus göttlicher Gnade in meinem Maß erkannt habe; so erfreuet es mich innigst, wo ich sehe, daß irgendwo ein verlorner Sohn in sich schlägt, und sich aufmachet, um zu seinem Vater zu gehen. Ich bin auch ein solcher Sauhirt gewesen, und wie ich nach tausendfachen Drohungen und Locken endlich kam, wie ich war, um zu werden, was ich nicht war, so durfte ich nur ein wenig betteln und warten, da ich unendlich gnädiger ausgenommen wurde, als ichs je hätte hoffen und denken können. Weil ich nun das Vaterherz kenne, so kann ich nicht anders, als den bußfertigen, kommenden Sündern, Muth einsprechen, daß der Ausgang herrlich seyn werde. Dieß beweget HI. Theil. 48ster Brief. 14; beweget mich dann auch, auf des lieben Freundes Brief zu antworten, da ich sonst gern unbekannt bleibe. Außerordentliche Geheimnisse sind bei mir nicht zu suchen. W, Mein Weg ist einfältig nach dem Evangelio, ich,, und ich kann meine ganze Theologie mit kur- >-« zen Worten sagen: GDrr war in Christo, und versöhne re die welk mir ihm selber. 2 Cor. s, 19. U Dieser in Christo versöhnte GOtt und Erbarmer ist uns unaussprechlich nahe, klopfet an die Thür unserer Herzen, und bit- ß» tet, daß wir, von der Sünde umkehrend, uns auch mit ihm sollen versöhnen laßen. Alle Unruh über unfern gefährlichen Zustand; Ä» alle Einsicht unsers Verderbens, unserer Fin- W sierniß und unsers Unvermögens: alles Weh und Jammer über unsere Sünden sind eitel Tch Wirkungen dieser innig nahen Liebe GOt- Nji tes in Christo JEsu. Wir sollen nur geste- uP hen, daß wir solche Leute sind, wie wir chiij sind, vor dem klaren Angesicht des gegen-- wärtigen GOttes; und ohne uns zu wollen schmücken, oder selber helfen, nur hungern M nach der in Christo eröffnten Gnade und g- Liebe, mit demüthigem Vertrauen. Unter ^i« dieser Arbeit ist es eben diese ewige Liebe GOttes, welche ein solches unauslöschliches kB, geheimes Hungern im Grunde erwecket, aus Kreatur, Sünde und Selbstheir hinaus, ^ wieder zu seinem Vater und Ursprung zu keh- ren. Unzählige Mal wird bisweilen dieser sehn- liehe 7 144 Geistliche Briefe. liche Hunger durch Unglauben zu Boden ge, schlagen, sonderlich wo er in etwas anders eingehet, als in die pure Gnade, und die Seele von sich selbst viel erwartet: aber eben so oft wird die hungernde Glaubensbegierde wieder aufgeweckt, sich lediglich an den zu halten, der so nahe und so getreu ist. Und in diesem Glauben läßt der HErr auch keine einzige Seele zu schänden wer, den. Wann seine Stunde da ist, öffnet er sein Vaterherz, heilet und erneuret uns öfters in einem seligen Augenblick durch die Mittheilung seiner Liebe und die Erscheinung seiner Zukunft. Sollten wirs auch eben so empfindlich noch nicht erfahren und sehen, daß der HErr gut ist, so sollen wirs doch glauben nach der Schrift, und nach dem Zeugniß derer, die es gesehen, und uns nur mit Ganzheit diesem GOtt ergeben. Er ist gewißlich gut, und allein genugsam, uns zu vergnügen in Zeit und Ewigkeit. Weil er aber ein solcher ist, so hat er auch gern, daß wir alles andere Vergnügen willig dran geben, und aus herzlicher Liebe zu dem so innig nahen Freunde , der uns, pur aus Gnaden, unsere Sünden vergeben, und mit einem heiligen Ruf berufen hat, unser Lieb, sies und Beßres dran wagen, damit Er al, lein unser Schatz sey. Alles um Alles, das ist unsere ganze Sache. Und dennoch ist es kein Kauf, sondern beiderseits ein freies Lie, besgeschenk. HiS- A>dl> Ilß ich «si, k «§!. Äkks d d>l', Mt! Wl^ Dir »z ikiis» stk», dech .SA Lkß Mi!l iziis» »s! ßs rA ^ Aal- !H. Theil. 48 ster Brief. 14; Betrübe er sich nicht, daß er nicht viel Anleitung oder Bekanntschaft mit Freunden hat: was und wann es nöthig ist, wird die göttliche Vorsehung schon geben. Gar zu viel Handleitungen gibt oft Aufenthalt. Es gibt hin und wieder viel gute Leute, die man alle lieben muß: aber Freunde, die uns wahrlich in GOtt beförderlich sind, die sind so haufenweise nicht zu finden; GOtt führt uns solche zu, wann es ihm beliebt. Er selbst ist uns näher, als kein Freund ist. Er stehet, er kennet uns durch und durch. Er sagt es uirs eigentlicher, wie wir wandeln sollen, als kein Werkzeug thun kann; und was er sagt, das gibt er auch. Gewöhne er sich an die Gegenwart dieses GOrres, der wird ihn recht führen! Daß er allen offenbaren Sünden abgesagt, ist gut und norhwendig; allein er fühlet es, daß der Grund nicht tauge. GOt- tes ewige Liebe in Christo muß von Innen einfließen, und durch sich selbst eine gründliche Erneuerung schaffen: da hinein wende er sich mit demütbiaem Vertrauen, und lerne warten auf den HErrn. Suche er nicht zu viel überall! Inwendig in seinem Herzen ist es zu finden, was ihn beruhigen und ewig vergnügen kann. Mich wundert nicht, daß eben dasselbe Eicht, so ihm das Elend in sich selbst entdecket , ihm zu gleicher Zeit das Verderben der Welt und den Verfall der äußeren Kirche Zweit. L>. m. Th. K ein- Geistliche Briefe. 146 einsehen macht. Also pflegt es zu gehen: ^ aber dabei ist Vorsichtigkeit nölhig, daß man sein Gesicht nicht zu stark hinaus wende, und wider Babel außer sich eifere, da man inwendig noch selbst in Banden und Verwirrung steckt. Wir wollen erst den Brand in unserem eigenen Hause löschen laßen, hernach mögen wir dem Nachbar helfen, aber mit Wasser. Das Verderben in der äußeren Kirche kann ich ja nicht läugnen; mich deucht aber, der liebe Freund hat jetzt nöthigere Dinge zu thun, als sich damit aufzuhalten. Hinein, hinein, mir GO» allein! Sich abzusondern von Kirch' und Abendmahl rathe ich auch nicht an. Es bestehet in einer solchen Separation nichts Wesentliches; ist wohl manchem schädlich gewesen. Doch muß er nirgend etwas wider sein Gewissen rhun, sondern, wo er über sein Abendmahlgehen in seinem Gemüth sollte bedränget werden, da thut er besser, daß er davon bleibet, und der Zeit erwartet, ob ihm etwa der HErr künftig nähere Oeffnung darin geben möchte. Einen Lästerer oder offenbar fleischlichen Prediger möchte ich auch nicht gern hören. Und, wenn die Umstände also sind, da kann man sich wohl eine Zeit- lang zurück halten, ohne darum einen Vorsatz aufs Künftige zu nehmen, vielweniger andere zu urtheilen, die es anders machen. Das Reich GOrres ist nicht Essen oder Trinken, Röm. 14, 17. oder sonst einige äußere ! h- IH. Theil. 49ster Brief. 147 A äußere Satzungen halten, oder unterlaßen, ^ sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude jm heiligen Geist. Hiemit muß ich abbrechen, und empfehle 2 den lieben Freund von Herzen der sanften ^ Liebe JEsu, und bleibe nebst herzlichem Gruß ich,! Sein V!H> Mülheim, geneigter Freund und dai« den i2. März, 1744. Mitpilger. D Ho» riilk ,«« Der 49ste Brief. An einen todtkrank gewesenen Bruder, über seine Besserung. Herzlich geliebter Bruder N. H>eut Morgen bekommen wir durch den lie- ben Bruder N. die angenehme Nachricht, daß der gütige Heiland dir einige Ruhe gegeben, und es sich mit deiner Krankheit zu einiger Besserung anlaße. Gelobet sey die Freundlichkeit unsers GOttes dafür! Und noch mehr wollen wir ihn loben und lieben, wenn wir Bericht bekommen werden, daß es mir dieser deiner Besserung conti- nuirt. Zwar, mein lieber Bruder, würde ich K 2 GOtt 148 Geistliche Briefe. GOtt auch dafür gelobet haben, wenn es A ihm so gefallen Härte, dich zu sich zu neh-- ^ men; denn dort wärest du außer Gefahr, ^ selig und herrlich gewesen, in der Beschau- M ung, Genießung und Anbethung des hoch- o« sten Guts , unsers allgenugsamen, übcrwun- derbaren GOttes; und des Beugens, An- B bcrhens und Dankens würde in alle Ewig- kch keit kein Ende gewesen seyn, wann du, mit O tiefester Ersenkung in dein Nichts, und Zer- nß fiießung in GOttes Erbarmungen, hättest er- K! fahren und sagen müßen: Mein ^Err und W mein GGtt! Zjst es möglich, daß du mich W bisher gebräche? ^ar sich deine Gnade D« denn auch ausbreiren wollen bis zu mir? ßd G unermeßlicher ?tbgrund über einen iüs solchen! D sreye, o ewige Gnade in dem Blur IEsu Christi! Ich weiß zwar wohl, lieber Bruder, wer du bist; ich weiß aber auch, wer der HErr ist, und daß er auch ^ dein Kleid würde wissen zu waschen und Helle zu machen in dem Blute des Lammes. Gelobet sey sein Name! Nun! wenn es unserm Heiland gefällt, dich einige Tage hier unten bei uns, und uns bei dir zu laßen, so ist es nur, um uns mehr aus dem Grunde zu reinigen, und dermaleins zu verklären. Auch das ist Gnade. Siehe, HErr! hier ist dein elender Unecht, mir geschehe, wie du gesagt hast. Mein Leib, meine Seele, und dieses mein zeitliches Leben ist dein; es mäße auch allein deinem wohl- 149 HI. Theil. 49ster Brief. "Nkf O- ch, chM >!»ch- !W- >r?°- Hll! !l«d ich !»«s k«l^ ! Iy!l^ Wohlgefallen dienen, und ganz gewidmet seyn! Amen. Ich danke dem HErrn für diese deine Krankheit, lieber Bruder! glaubend, daß seine Absicht sei), sein Werk dadurch zu einer mehreren Gründlichkeit, Einfalt und Lauterkeit zu bringen. Es wird einem da noch manches klar, das sonst nicht so eingesehen worden, und die Aufopferungen, die in solchem Stande geschehen mäßen, können uns sehr von uns selbst ab - und in die Abgeschiedenheit bringen. Nun, der HErr sey Meister, und du ein kleines, ruhiges, einfältiges Kind des Herzens! Es ist von vielen für dich gebethet und gedanket worden. Alle hiesige Kinder grüßen herzlich nebst Mir Deinem Mülheim, schwachen Bruder, den i;. März 1744. K z Der Der zoste Brief. «« D Nn einen Patienten über die Wörter Psalm 7z, H «2. Und muß wie ein Thier seyn vor dir. ^ Geliebter Bruder! ^ ^s ist uns recht lieb, einige Nachricht von der Krankheit des l. Bruders N. zu bekommen. — Du wollest dem lieben Patienten meinen, und unser aller brüderlichen Gruß (es geschehe nun mündlich oder schriftlich) überbringen, mit den zween Versen aus Psalm 73. nämlich den rrten und 2zten. Wir gedenken seiner in Schwachheit vor GOtt, haben auch die von ihm aufgegebene drei Verse aus dem bewußten Liede mit ihm gesungen, und bleiben übrigens in gliedlicher Verbundenheit des Geistes mit ihm stehen, Theil nehmend an seinen inn- und äußeren Umständen, und alle Gnade, Segen und innigen Beistand unsers theuren Hohenpriesters ihm von Herzen anwünschend. Er läßt wissen, daß er wie ein Tbier da liege. Ja, so sey er dann ein Thier, aber ein Thier unter der Hand unsers Hohenpriesters , das sich von ihm binden, schlagen, schlachten und opfern läßt, dmnit, wann III. Theil. 5oster Brief. l?i -h, wann alles Blut und Feuchtigkeiten der Na- nir und Selbstliebe abgezapfet und verzehret sind, der reine Geist wie ein Rauchwerk zu GOLt aufsteigen könne, welches ihm angenehm seyn möge in Christo JEsu. Der liebste Heiland binde ihn ja fest, und halte ihn unbeweglich unter seiner Hand ergeben, bis sein göttliches Werk an ihm ausgeführet seyn möge. Was liegt an der Empfindlich- keit gelegen? Wir sollen glauben, daß GOtt 2 ist, und uns ihm überlaßen. Könnte ich ihm in Person in der Krank- M heit dienen, thät ichs gerne; nun muß ich aber ^ meine Liebe mit Wünschen und Bethen bell» Zahlen.- Mülheim, dm 26. März, 1744. 152 »sch"^ -n n-"- . >ß! !Ik5 Der ziste Brief. ^ Trost und Unterricht an eine erweckte Person, ^ die in der Versuchung stand, als ob eine tz, expresse Sünde an ihrer leiblichen Krankheit »L Schuld gewesen. Herzlich geliebte Schwester! c^ch habe Mitleiden mit deiner Krankheit, aber vielmehr mit deinem Unglauben. Sollte es auch so seyn, wie du zu glauben scheinest, daß eine expresse Sünde dieseKrank- heit veranlaßet hätte, so du mir doch näher bedeuten könntest, wo der HErr dich wieder gesund machte; sollte man dann deßwegen das Vertrauen wegwerfen, und gedenken, man würde ewig verderben? Ja, so würde es auch geschehen nach Recht, und wenn du dich nicht bußfertig von den Sünden in JEsu unendliche Gnade hinein kehretesi. Ein Strohhalm muß im Feuer verschwinden; in JEsu eine Welt voll Sünden. Oder, hat JEsus allein für unsere gestrige Sünden, und nicht auch für die heutige und morgende sein Blut vergossen? Oder vielleicht nicht für alle und fede? Allerdings! keine einzige ist ausgenommen: das ist Gnade. Sollen wir aber auf Gnade sündigen? Das sey ferne. Viel, Diel, viel wollen wir ihn lieben, denn uns Lli. st! kn K! h», ^ d!U >ch«! III. Theil. zister Brief. I5Z sind viele, viele, viele Sünden vergeben, bis wir über dem Lieben alles, was Sünde heißt, vergessen, und ewig quitt werden. Sey dann getrost, liebe Tochter, JEsus hat dir auch diese Sünden vergeben. Gehe hin, danke und liebe ihn dafür, und freue dich, aus Liebe ein bißgcn zu mögen leiden. Komme aber hinfür nicht mehr so nahe der Schlange, die dich möchte gebissen haben, sondern verbirge dich in JEsuSchooß! Amen. Ich grüße und bleibe Dein Mülheim, den rr. April, 1744. verbundener schwacher Mitbruder. ?. 8. Das Lied im Harfenspiel laß dir einst vorlesen: Ich Hab' ihn dennoch lieb, rc. K^? Der Z2ste Brief. K Aufmunterung an eine kranke Schwester zur liebe- vollen Ueberlaßung am Kreuz. E der Gnade IEsu herzlich geliebte Schwester! Ä c^ch grüße dich herzlich in dem süßesten Na-- A ^ men unsers theuresten Hohenpriesters und M hj- Heilandes IEsu Christi, und bitte, daß er M» die Kraft dieses hohen Namens zum Segen, H ß Heil und Frieden auf dich legen wolle, Amen W, IEsu! Sey zufrieden und getrost in diesem Heilande! Du bist sein, und er ist dein. Ueber- M laß dich seinen Händen, wie du bist, daß er mit dir mache, was ihm beliebet, in Zeit und Ewigkeit, und dich als ein Opfer durchs Kreuz zubereite, und seinem himmlischen Vater als ein ganzes Opfer des Wohlgefallens darbringe. Die liebevolle Ueberlaßung am Kreuz steiget wie ein liebliches Rauchwerk auf zu GOtt ins Heiligthum; diese wird der Geist IEsu in dir wirken. Suche nichts in dir selbst; je nackter du geopfert wirst, desto angenehmer ists dem HErrn. Sollte dich der HErr zu sich nehmen, so hast du keine Ursache dich zu beunruhigen; du wirst von denen seyn, HI. Theil. 52ster Brief. r?; ^ die auf Gnade sterben und angenommen werden, damit du die Kraft und den Reichthum der unendlichen Liebe GOttes in Christi Blut > rühmen und preisen mögest, vor GOtt und allen seligen Geistern der Ewigkeit. Daselbst , vertraue ich, werden wir einander bald begegnen und grüßen, im Fall dich GOtt Nr vor mir abfoderte. Seinen treuen Händen opfere ich dich auf in herzlichem Gebeth, wozu mich gestern gegen Abend öfters bewogen fand. ^ Ich grüße dich, liebe Schwester! nebst E! allen hiesigen Kindern, die 'an deinen Um- ständen Theil nehmen. Sey getrost, du V' wirst nicht sterben, sondern leben, und den »n Namen des HErrn loben! Amen. . Dern W Mülheim, verbundener schwacher den 14- April, 1744. Bruder. i;6 Der zzste Brief. Tröstlicher Zuspruch und Unterricht an eine kranke Person, im Fall es zum Sterben käme. Herzlich geliebte Schwester! H>ein Bruder beschreibt dich so krank, daß ich bewogen werde, dich noch einmal mit Her; und Feder zu grüßen, und dir den Segen des Heilandes JEsu zu aller Unterstützung zu zu wünschen. Ich kann denken, daß die Benautheit der armen Natur sauer, und die übrigen Umstande der Krankheit beschwerlich fallen werden. Ich nehme von Herzen Theil an deinen Leiden: es gehet aber, doch nur über die Natur. Die Schlacken sollen nur geschieden und verzehret werden. Der HErr, der das Schmelzen verrichtet, wird sein Gold genau bewahren, ein Gefäß seiner Ehren daraus zu verfertigen. M' tz Vst Ls ff ff ll Laß dich die Hitze nicht befremden, es muß also seyn, die Liebe thut es. Und o! wie werden wir dermaleinst dieser ewigen Liebe die Hände küssen, aus Erkenntlichkeit und Bewunderung, wann wir ihre Arbeit fertig sehen werden! Ja, das wollen wir schon von Nun an thun, uns zum ganzen Brandopfer »M EG Äff 4 >>> HI. Thett. 5Zster Brief. i;7 A«!! M«> IM !k dss N «lß- Aid!» rsP SB F opfer dahin gebend, und im kindlichen Glauben mehr sehen auf die liebste Hände, die das Kreuz geben und kalten, als auf die Bitterkeit des Kreuzes selbst. Der HErr wird Gnade geben. Sollte der gute GOtt dich aus dieser fremden Welt wegnchmen wollen, so hast du keine Ursache, dich zu betrüben, oder zu beunruhigen. Es ist hier ohnedem nichts mehr für dich, als nur Kreuz. Solches in der Liebe JEsu tragen, ist zwar Gnade und Herrlichkeit: spricht aber der HErr: Es ist genug, komm nur keim, und gehe ein in Seine Freude! Warum sollten wir nicht, in Erkenntniß unserer eigenen Schwachheit, zufrieden sepn, und, auf die freie Gnade in Christo, unsere Seele dem getreuen Schöpfer im Frieden anvertrauen? Liebe und leide denn auf Erden , so lang der HErr will! Ruft er dich aber zu sich, dann gehe hin im Frieden, so arm und elend, als du bist. Ja erfreue dich darin, daß du nichts hast in dir selbst, damit JEürs allein und in Ewigkeit Ruhm und Ehre von deiner Erlösung und Seligkeit habe. Laß dich nur so nackend und blindlings los, und in die süße Ewigkeit hinein fallen, da dich der väterliche' Schooß der ewigen Liebe GOttes in JEsu auf- und einnehmen wird. Ehre, Lob, und Dank, und unendliche Anbethung sey unserm GOtt und dem Lamme, das uns so theur erkaufet hat mit seinem 158 Geistliche Briefe. nem Blut, ihm zum ewigen Eigenthum, ^ damit wir ihm in alle Ewigkeit dienen, und die Wunder seiner Gnade groß machen ^ sollen. Amen, Halleluja! E Sehen wir uns in dieser Zeit nicht wie- der, dann geschieht es dort, durch GOttes ^ Barmherzigkeit. Ich grüße dich in dem Namen IEsu, und bleibe durch seine Gnade Dein Mülkeim, verbundener Bruder. M den 14. May, 1744» M — . ->>«>»>> » > lt», A Der 54ste Brief. Sich nicht durch einen Schein der Demuth von der Fürbitte für einander abhalten zu laßen. KllW Zn der Gnade unsers theuren Heilandes herzlich geliebter Bruder! lel tz Ickk W l GOtt sey gelobet und werde von uns ich > innigst geliebet, für alle seine uns erwiesene Barmherzigkeiten und Gnaden, worunter das liebe Kreuz mit gehöret. Es ist mir lieb, daß es euch daselbst noch gehet, wie es gehet: denn daß einige mit Leiden und Krankheiten besucht werden, ist auch W ÜÄIVi kewy Der.! III. Theil. ;4ster Brief. -59 lach!» >Ä- > Ad! -ch. A/f auch von des Vaters Hand, und darum zu lieben; ob ich gleich sonst mit solchen ein wahres brüderliches Mitleiden habe. Und gleichwie ihr alle mir auch in der Fremde nahe bleibet, also vergesse ich nicht, sonderlich die Leidende dem Heiland in meinem geringen Gebeth aufzuopfern. Vergesset ihr aber auch meiner nicht! Wir sind schuldig, für einander zu bethen. Es ist bisweilen ein Schein der Demuth, der uns betrüget, daß wir diese Schuldigkeit zu unserm eigenen Schaden versäumen. Auch in vielen andern Stücken laßt man sich oft durch Unglauben und Muthlosigkeit vom Guten zurückhalten , und noch schwächer machen, als man ist. Es ist wahr, und mehr wahr, als wir glauben können, daß wir elend, schwach und ein pures Nichts sind; wir müßen derhal- ben uns und alles, was wir thun, auch für nichts achten, und für nichts wollen geachtet seyn. Unser gute GOtt aber suchet und liebet uns in Christo unendlich, und um sein selbst willen; Er will auch selbst alles Gute in uns legen und wirken: darum sollen wir unser Vertrauen ganz auf seine Gnade setzen, mit unserer Schwachheit in seine Gnade einsinken, und mit ihm alles Gute thun, was wir wissen, ihm gefällig zu seyn. Nur viel im Gebeth zu ihm genahet! Ein Schwacher, der sich am Starken hält, hat keine Gefahr, sondern wird durchgeholfen: Der HErr halte uns selbst, dann werden l6o Geistliche Briefe. wir auch ihn nicht-los laßen! — — JEsus sey mir uns und in uns, Amen! Dein und Euer aller Ai E Amsterdam, verbundener Bruder, den i z. Julii, i?44» AlB D> Der zzste Brief. KWil Mi i Verschiedene Anweisungen zum Gebeth und Einkehr. «>!» z>ch i In der Gnade IEsu geliebter Bruder! Vk Ä Dasjenige, wovon du berichtest, achte ich Hmi zwar, nach meiner Prüfung, was Leib- !«>mi liches zu seyn, so aber vom Gemüth, oder Verhalten im Geistlichen entstehet. Das Ihm Beßte ist, daß du nicht viel untersuchest, w l was es ist; sondern, so viel du kannst, die Unruh und Ungemach einfältig suchest zu ver- Asm gessen, und nicht viel zu ästimiren; oder doch A (wann es schlimm ist) deinen Willen ruhig !>ch« mit dem göttlichen vereinigest, ihm mit einem W kindlichen Blick bezeugend, daß du gern ein ÜU wenig leiden wollest. !»R Daß du eine unschuldige Wirksamkeit der Sinne vornimmst, ist ganz gut; es ge- ^ schehe nur alles dem HErrn, mit einer sanften und W m. Lheit. 55sier Brief. i6r Äir. -ch« >»d T» ildkl! hiiich , ck Zil W, iß» iiB ,s«i> sB i-f sF-> und ungezwungenen Andacht zu GOtt! Das aber kann ich nicht approbiren, daß du gar keine Zeit zum Gebet!) oder stillen Einkehr behieltest, und nur jedesmal aufstündesi, oder wieder was vornähmest, wann etwas von dem Nagen oder Treiben gespüret würde; daraus würde eine kleine Versuch ng und schädliche Gewohnheit entstehen können. Bisweilen (etwa ein paar Mal des Tages) würde ich rathen, ein Viertelstündchen, aus Liebe zu GOtt, dabei auszuhalten, und so viel zu vergessen, als möglich ist, wenn dich gleich dünkt, daß ein solches Stilleseyn kein Stilleseyn sei). Wir mäßen nicht unser Gemach, sondern die wesentliche Tugenden lieben. Die Vereinigung unsers Willens mit dem göttlichen ist ein schönes Gebeth. Dein Gebet!) und Einkehr geschehe nur kindlich, und ohne viel Anstrengung des Kopfs, oder der Gedanken; denn das ist schädlich. Eine stille Erinnerung der innigen Nahheit GOttes; eine einfältige Offenlegung in seiner Gegenwart; eine ruhige Aufopferung, oder Zukehr unserer Liebesneigungen rc. ist viel besser. Sei) getrost in GOtt, und liebe ihn, der dich von der Welt ihm zu seinem reinen Dienst erkaufet und berufen hat! Laß die Natur murren; das Werk ist des HErrn, der wird es ausführen. Ich grüße herzlich. Dein Mülheim, verbundener schwacher den io. Sepr. 1744. Bruder. Zweit. B. m. Th. L Der l62 Der z6ste Brief. Von unserm großen Elend und Verderben. Mittel und Wege um davon erlöset zu werden. In der Gnade IEsu von Herzen geliebte Schwester! Puer wohl erhaltenes Brieflein ist mir ange- ^ nehm gewesen. Ihr wollt wissen, in welchem Sinn ich an euch gedacht hätte? und, ob mir vielleicht euer Zustand von GOtt geof- fenbaret sey? Ich antworte: daß mir die Besonderheiten eures inneren Zustandes vielleicht nicht bekannt sind. So viel aber weiß ich, daß ihr elend und verdorben seyd, wie ich und andere Adamskinder; ja, daß ihr auch eure besondere Schwachheiten und Gebrechen habt, die euch öfters hinnehmen. Dabei weiß ich auch, daß GOtt euch, dem ungeachtet, liebet, suchet, und viele Barmherzigkeiten erweiset, um euch dadurch handgreiflich zu zeigen , daß er euch redlich meyne, und ganz für sich haben wolle. Dieses hat zu gewissen Zeiten euer Gemüth, theils beunruhiget, theils sehr afficiret, und in einen ernsten Sinn versetzet , euch diesem Liebesgott ganz zu ergeben ; die öftere Abweichungen aber haben das Gemüth schüchtern gemacht, daß auch fast keine '» «U-! ulcsm xN »g- D s«» We« dichr, K d»,s, W Hl. Theil. ;6ster Brief. IÜZ !!»>!. ? l!II^ Ni >Wk ßV NH keine redliche Iiesolution mehr anskommen darf, aus Furcht, es würde doch alles gehen, wie zuvor. Das ist so das Element des Unglaubens, worin man kümmerlich lebt, und wobei es mit unserm Christenthum keinen rechten Grund noch Fortgang hat. Daß es nun mit euch so nicht recht fort will, liegt nichr so sehr daran, daß ihr elend, verderbt und gebrechlich seyd; denn dafür haben wir einen Heiland, der vergeben und erlösen kann; sondern daran, daß der Grund zur Erlösung von solchem Elend nicht genug gesetzet und geübet wird, in einem süßen Vertrauen zu diesem Heiland, und in einem einfältigen , und wo möglich stäten Gespräch, Umgang und Liebeszukehr mit und zu diesem innig - gegenwärtigen Herzensfreund, auch ohne Sehen und Empfinden. Denn ich bin gewiß, daß durch diese Uebung des Herzens- gebeths, oder der liebevollen Zukehr zu IEsu in euer Herz, allem eurem Schaden würde geholfen, und alle Bande leicht und unvermerkt würden zerbrochen werden. Durch das Andenken eines so allgenug- samen und heiligen Vorwurfs würdet ihr das Andenken eurer selbst und alles Bösen selig- lich verlieren. Eure nöthige Hausgeschäffte hindern euch nicht an dieser Uebung, wenn sie vor GOtt, und ibm zu lieb verrichtet werden: sondern euch hindert theils der Unglaube, und dann auch, daß ihr in den Gescbäfflen und im Umgang mit Menschen das süße L 2 Anden- 164 Geistliche Briefe. Andenken und den Umgang mit dem Herzensfreunde versäumet, und euch bisweilen in unnöthige Reden und Zerstreuungen einlaßet, die das Gemüth vom HErrn entfernen, wenn gleich eigentlich nichts Böses dabei ist. Weil ich nun wußte, daß euer Mann jetzt nicht zu Hause war, da dachte ich: Vielleicht hat die liebe Schwester jetzt noch wohl was weniger Unruh, und was mehr Gelegenheit, sich im Gebeth und in der stillen Zukehr zu GOtt zu üben. Das opferte ich dann GOtt auf, mit Bitte, er möchte solches erinnern, und diese Zeit und Gelegenheit recht gesegnet seyn laßen, rc. Siehe, liebe Schwester, dergestalt Hab ich in der Einfalt meines Herzens an euch gedacht, und also sehe ich euren Zustand ein. GOtt gibt mir auch ein Herz, euren innern und äußern Zustand Seiner Majestät viel aufzuopfern; denn ich wünsche nichts mehr, als daß ich euch ganz für GOtt sehen möge. Seyd getrost in unserm süßen Heilande, der euch gewiß helfen wird. Denket viel an seine Nahheit, Liebe, Allgenugsamkeit, Allmacht und Treue; denket aber wenig an euch selbst, aber am allerwenigsten an die Welt, und an das, was in der Welt ist und geschieht. GOtt stärke und segne euch in euern jetzigen Umständen und Zustand, Amen! Grüßet auch die l. Schwester N. Sie mag dieses auch für sich lesen, da keine Zeit habe ein mehrere^ zu schreiben. Wann ihr bei- m? ßtti -Ulli hchl U, 165 III. Theil. 57sier Brief. W beisammen kommt, müßt ihr euch stärken im en >„ Vertrauen und in der Liebe zu JEsu, wie Ich, auch in der Liebe zum Gebet!) und zur Samm- Am ümg, aber nicht gar viel von äußeren oder unnöthigen Dingen handeln. Der HErr TiW sey mit euch und euerin Hause! Ich bleibe r ich: durch Gnade ^ Euer ich Mülheim, verbundener schwacher Ä den i?.Sept. 1744. Mitbruder. Wt>! ÜllkDi " -l po« «l W Der Z7ste Brief. Von der Gnade des hohen und heiligen Rufs GOttes, und wie demselben zu folgen. In der Gnade unsers Heilandes vielgeliebter Bruder! Hlus euer Angenehmes vom Een Aug. muß ^ ich sagen, daß ich GOtt herzlich danke für die Gnade, so er euch erwiesen, indem er euch geschenket, und bisher in euch erhält den aufrichtigen Sinn, die Welt und euch selbst zu verlaßen, und JEsu völlig zu folgen, und mit ungetheilter Liebe anzuhangen. Erkennet diese Gnade, als Gnade. Es ist ein hoher und heiliger Ruf der freien Liebe GOttes, die solches in euerm Inwendigen gewirker L z und l66 Geistliche Briefe. und darein gelegel hat. Hättet ihr euch selbst M diesen Sinn gegeben, dann müßte auch dessen M Erhaltung und Ausführung auf euch beruhen, ^ und dann möchtet ihr billig verlegen werden, W wenn ihr auch hundertmal mehr Ernst hättet; nun aber ist alles Gnade. Beständigkeit, Fortgang und Vollendung, alles, dependirt W von GOtt, und von seiner in euch wirkenden, M und über euch waltenden Gnade in Christo JEsu. Weil diese nun unveränderlich und W größer, als alles ist, so könnet ihr in GOtt getrost seyn. Getreu ist er, der euch beru- WN fen har, der wird es auch rhun. iThest. SttsH 5 , 24. Es muß was gethan, ja vieles und großes gethan seyn; nur sollen wirs nicht so selbst rbun wollen, sondern uns GOtt überlaßen, und es seine Gnade in uns rhun laßen. Das ist inzwischen einer von unfern Hauptgebrechen, wodurch auch ihr in innere Confusion und Unbeständigkeit gesetzet werdet: daß wir nämlich von uns selbst zu viel, und von GOtt und dessen Treue zu wenig erwarten. Auch dieser Jrrthum muß uns so allmählig abgeleh- ret werden. Alles, was so in und mit euch vorgehet, kann und muß euch dazu dienen, daß ihr euch selbst immer weniger, GOtt aber immer mehr zutrauet, und, mit mir, euer Hauptwerk davon machet, daß ihr euch fein nahe bei diesem Herzensgott haltet, ihm mit Liebe und Vertrauen anhanget, und euch ihm überlatzet. Da werdet ihr dann erlöset und gehei- M M, Ml III. Theil. 57ster Brief. 167 ftkjsk W, üfinllü lU Die Wl! chdm iP >i>glsjs «! M « dtM'! 1» U geheiliget werden, ohne daß ihr fast daran gedenket, oder dafür sorget. Eine andere Ursache eurer Veränderlichkeit ist, daß ihr zu viel auf die Empfindlichkeit der Gnade merket und bauet, und zu wenig auf das wesentliche Werk der Gnade. Dieses Wesentliche ist der Glaube, oder der innig aufrichtige Wille des Gemüths, daß man ganz GOttes seyn, und ihm anhangen und folgen will, mit Verläugnung seiner selbst und alles übrigen, erwartend von ihm allein seine Seligkeit. Wo dieser Grundwille ist, da ist der Glaube, da ist die Gnade; und die Seele kann alles ohne Kummer laßen stürmen, weil der Anker im festen Grunde sitzt, und durchs Schütteln nur fester fasset. Williglich und verletzlich mäßen wir ja kein Böses, keinerlei Untreu oder Zerstreuungen hegen: das versteht sich von selbst. Uebrigens aber, wann sich schon euer Gemülh in Dürre und Dunkelheit finden möchte; wann Zerstreuungen in Sinnen und Gedanken stürmen ; wann Anfechtungen und Versuchungswellen auf euer Schifflein zuschlügen, seyd ganz ruhig und zufrieden! der HErr ist bei euch drinnen. So lange der Wille des Gemüths (der Naturwikle denke, was er will) nichts will, als GOtt, so habt ihr nichts zu fürchten. Ihr fördert zu solcher Zeit eben so viel, ja noch mehr, als wann ihr meyner daß es am beßten gehe. Laßet nur GOtt mit euch machen. Er verstehets, wie er euch L 4 führen i6Z Geistliche Briefe. führen soll. Wir sind mit Verderbnissen durch» drungen. Das Empfindliche der Gnade decket das Elend zu, daß man sich was erholet; he-nach wird die Wunde wiederausgedrückt. Auch das müßen wir uns gefallen laßen, als einen Weg zur Genesung. Kehret euch so viel nicht daran, obs nun was lieblicher und leichter, dann wieder was beschwerlicher Hergeher: ob ihr bisweilen die süße Lockungen der ewigen Liebe merket, und zur andern Zeit wieder nichts von dem allem verspüret.^ GOtt ist in Christo ein GOlt der unveränderlichen Liebe; unser Zustand er» fodert nur dergleichen verschiedene Behandlungen. So gewöhnet euch denn daran, im Gruden zu wandeln, und GOtt mit einer männlichen Liebe zu lieben! Gibt er euch aber empfindliche Erquickungen, so nehmets auch mit Dank an; GOtt selbst aber sei) euch lieber, als alle seine Gaben! Eure begangene Sünden sind euch allerdings vergeben, um des Blutes Christi willen. Habt ihr ja doch GOttes Gnade und Gewogenheit in eurem Inwendigen verspüret; und er hat auch selbst in euch gewirket herzliches Leidwesen und Mißfallen so wohl des vergangenen, als noch anklebenden Nebels. Es ist unnöthig und ungeziemend, alle Tage neue Versickerungen von der guten Gewogenheit eines Freundes zu prätendiren. O! das mißtrauische, ungläubige Herz! Euer liebevolles Andenken sey bei euerm so nahen GOtt, und Wid Ja D, D ZM sm III. Theil. ?7ster Brief. 169 ^Iki; dr»K. !>>S, lind nicht vorsetzlich bei dem Bösen! Fallen euch aber (ohne Suchen) eure vorige Sünden wieder ins Gemütb, dann nehmet es an zur Demüthigung; bitter nochmals einfältig um Vergebung, und so dann vergeßt es wieder, ohne euch zu beunruhigen. Daß ihr etwas leset, ist gut; doch müßt ihr nicht zu viel noch allerhand lesen; und wann ihr auch bisweilen gar nichts drin findet, eure Andacht dann nicht zu stark dazu zwingen , weil manchmal GOtt was Bessers geben will, wovon uns die Bilder alsdann ab- ziehen können. Mit Personen eines anderen Geschlechts, wenn sie auch noch so fromm sind, muß man mir vieler Vorsichtigkeit und Zurückhaltung umgehen GOtt allein ist genug. Wer den recht kennt, dem sind fast alle Kreaturen zu viel. Liebet ihn , denn er liebet euch; und lebet mit ihm in dem verschlossenen Kämmerlein eures Herzens unverrückt; welches herzlich wünschet Ms Euer ^ Mülbeim, treugesinnter schwacher ^ den 24. Sept. 1744. Mitbruder. Der ;8ste Brief. A Xl § E GOtt selbst ist der beßte Lehrer. Wie man dem- L.« selben, mit Vergeffung seiner Elenden, folgen , a müße, sonderlich durch den Weg der Liebe und der Gegenwart GOttes. Von der Medi- W ein, Alchymie und Goldmachen. jM Ik> i> In der GnadeIEsu vielgeliebter Freund HO und Bruder! E uer Letzteres, vom sten Kchux, ist, sowohl als beide vorige, richtig eingelaufen. Meine Trägheit im Antworten hat weder Eigensinn noch Lieblosigkeit zum Grunde, sondern meist leibliches Unvermögen. Die we- mgste Zeit bin ich im Stande zu schreiben wegen Schwächlichkeit, und zwar vornehmlich des Haupts und der Augen. Die übrige Zeit wird mir durch Besuch und Schreiben gar hingenommen, daß bei weitem nicht alle Briefe beantworten kann. Auch bin ich kein Seelenführer, dazu bin ich viel zu gering. Dennoch entziehe ich mich nicht, Zeugniß zu geben von der Wahrheit des Inwendigen, wie GDtt mich selbige aus Gnaden erkennen laßen, und meinen Brüdern, nach Vermögen , die Hand zu reichen, wie ein Kind dem andern rhut. sO Das Oil HI. Theil. 58ster Brief. r?l > di«- > !»>,,, !> !>-!> ckllft». r, so»! Kkllli' Uebrigens, mein lieber Freund! so habt ihr keine Ursache, ein geringes Geschöpf mit so vieler Angelegenheit aufzusuchen, und um Rath zu fragen. Der beßre Lehrer und Führer ist ench gewiß unaussprechlich nahe. Seine erbarmende Augen durchschauen allen euern Jammer, und er selbst erweckt, im tiefsten Grunde das geheime Hungern und sehnliche Aussehen nach Hülfe und Erlösung. Bei und in eben diesem Grunde, woraus dieses Hungern entstehet, da ist der HErr, euer Lehrer und euer Helfer, gegenwärtig. Glaubts über alles Sehen und Empfinden, und senket euch mit sanfter, einfältiger Ge- laßenheit zu ihm hinein, so gut er euch die Gnade gibt; entdecket ihm, mit Ruhe und Demuth, euren Schaden, und erwartet von ihm die Genesung mit langmüthigem Vertrauen. Dieses Warten ist Gnade, und fördert uns auch; der heftige Naturtrieb soll darunter sterben. GOtt ist ein reines, sanftes Wesen; nichts Hartes erreichet ihn. Das Eigene kriegt die Perle nicht; dem abgeschiedenen Geist theilet er sich gerne mit, nachdem er durch dergleichen Noth, worin E. E. jetzt steckt, hübsch, sanft, klein und rein gemacht ist. Haltet doch aus in G-Ottes Namen, und werdet nicht müde oder ungeduldig! Bleibet vor dem HErrn liegen, und danket ihm, daß er euch solches vergönnet: Er weiß ja, wann und wie er euch helfen soll. 172 Geistliche Briefe. soll. Beschäfftiget euch nicht so viel mit euch selbst und mit euren Elenden; wie ihrs auch fühlen und sehen müßt, so kehret euch nur mit ruhigem Mißfallen davon ab; sucht es zu vergessen und ihm zu entsinken: weiter ist sein Anstrengen und Kämpfen vonnöthen. Exod. 14, iz. und 14. Könnt ihrs nicht vergessen, und ihm entsinken, so leidet es so ruhig, als ihr könnt, vor des HErrn Angesicht; es wird uns um JEsu willen nicht zugerechnet. Böses leiden ist der Weg zur Heiligkeit. Vor allen Dingen gebet den Muth nicht auf, wann ihr gleich verwundet würbet; sondern übergebet euch dem HErrn mit Vertrauen, auch in der Gestalt, Trotz der Eigenliebe, die so beschmutzt nicht erscheinen will. GOtt liebet euch allerdings; liebet ihn doch auch, und waget euch selbst dabei, um seiner Liebe willen. Den wecr der Liebe recommandire ich euch sonderlich an: diese allein kann und wird alle Elenden und Gebrechen, beides eures Geistes und eures Naturells, genugsam verbessern. Ich meyne eben nicht eine sinnltche, oder empfindliche Liebe, welche öfters eine Blume ohne Frucht, und ein Futter der Eigenliebe ist, sondern eine tollste Liebe. Glaubet die innige Nahheit der Liebe! Thut, verlaugnet, leidet alles, mit einer Absicht der Liebe. Suchet in eurem ganzen Christenthum nicht euch selbst zu vergnügen, sondern den Herzensfreund, den ihr liebet. Könnt »It > Will! M Will W E iti: d ßillklii MdI ihr e VW «dt, Nl Etj, ökkk HI. Theil. 58ster Brief. 17; Könnt ihr nichts thun und finden, das ihm gefällt, so traget euer Elend und Unvermö- aus Liebe zu ihm. Er ninunt diese Mei Absicht der Liebe an, auch mitten in der >st Dürre und Dunkelheit; das erkennet man ^ zu seiner Zeit. Schreibet dem HErrn nichts vor, sondern schmieget euren Willen des Mi! Gemüths (auch wann der Naturwille wider- M strebet) süßiglich in seinen untadelichen Lie- «ch deswillen und Wege über euch. Ihn und KG das Ewige über alles lieben und anhangen ßliki zu wollen, ist der Grund und das Ziel eures MM Verlangens, so seine freie Liebe in euch gele- W gek: dieses ist genug. Machet weiter keine , Ä«! Prätensionen, was der HErr euch geben, kG> und durch welche Wege er dieses Ziel in euch erreichen soll. Uebergebt euch ihm unbedingt, ti h und laßet ihn mit euch machen, so wirds gut gehen! »W In einem eurer Briefe meldet ihr: Daß ihr euch gar selten G(l)tres heilige Ge- BV« genwarr könnet zuwege bringen, wirk- B'Ä samer Meise, zu gewisser Zeit und Stunde. qB GOtt ist uns unveränderlich gegenwärtig M in dem süßen Namen JEsu, als unser As GOtt und höchstes Gut. Das fasset der M Glaube über allen Begriff und Empfindung, M! kehret sich innigst zu diesem Liebeswesen, übergibt sich ihm, verehret und liebet diesen anbethungswürdigen Freund, und erwartet .Di»- alles von seiner unendlichen Güte. Was M- aber anlangt die Empfindung, oder sonder- 'Dm bare l74 Geistliche Briefe. bare gnädige Offenbarung dieser göttlichen Gegenwart, die können wir uns durch keine äußere Wirksamkeiten zuwege bringen; wir mäßen solches auch nicht thun wollen; das wäre Unlauterkeit, oder wirkliche Hinderniß : eines sowohl, als das andere dependirt bloß von dem freien Belieben unsers GOt- tcs. Wir folgen nur der Leitung der Gnade kindlich, und üben uns durch dieselbe im Gebeth und in der Verläugnung; so dann sind wir in der Gemüthsfaffung, daß der HErr in uns wirken, und sich uns mittheilen kann, nach seinem Belieben, so wir, wie die Kinder, der Weisheit des Vaters auch ganz wohl überlaßen können. Daß man sich übrigens (ein jeder nach seinen Umständen) auch zu gewisser Zeir und Grunde zur Sammlung und zum Gebeth absondere, solches achte allerdings gut und nöthig. Wir mäßen aber alsdann nicht just was Empfindliches wollen haben, sondern in möglichster Zufriedenheit bleiben, auch mitten in der Dunkelheit, Dürre, ja Zerstreuungen und Anfällen: nur daß wirs nicht wissentlich selber verursachen. Unserm GOtt dienen, ihn anbetben, und sich ihm aufopfern, o! das ist Seligkeit genug. Daß E. E. so ein äußeres Geschaffte vornehmen , ist euch nöthig und GOtt gefällig. Die einfallende Gedanken, daß alles doch zeitlich, v-egängllch, und was es dann solle? kommen bloß aus der Unlust und Dunkel- AM B- W «l >>>« Hl Wl! »I Ach Bic AL ii>l> i>j !>>, ! 175 III. Theil. 58ster Brief. >kG Dunkelheit des Naturells. Durch die Sün- chkch, de sind wir aus dem Paradies vertrieben, n>ii und selbst vergänglich, nichtig und elend ge- worden, und sollen nun, nach GOttes wei- hiG ser Verordnung, zu unserer Buße und Bes- «i! strung, den Dornenacker bauen, und in M Beschafftigung mit so nichtigen Dingen ge- übet werden. Das wäre ja Thorheit, wenn Miy! wir hieran noch zweiflen wollten. Wir solle lw len nur mit unserer Lust nicht hinein gehen, Itzic nicht zu große Päcke aufnehmen, sondern, al- les dem ^Errn thun, was wir thun; Col. wir,» Z, 2z. Ephes. 6, 7. Dann wird es dem M Geist nicht nur nicht hinderlich, sondern noch zj nm beförderlich seyn; ja, durch diese einfältige llniW Absicht, daß man alles, Kleines und Gro- Huck bes, dem HErrn, und aus Liebe zu ihm Dm, rhur , dadurch werden die geringsten Dinge M groß, und Koth gleichsam zu Gold gemacht. «Ä Solchen Seelen sind die Dinge nicht mehr M zeitlich , vergänglich, sondern ihre innere Gestalt und Absicht macht sie ewig und blei- bend, und zu einem wirklichen GOttesdienst. M Ob E. E. übrigens mit der Feder arbeiten, ", ß oder in der Medicin etwas verrichten, ist dem lieben GOtt einerlei. Mehrentheils sind die eiirfältigste Sachen die beßten, weil M sie am wenigsten von der Eitelkeit practicipi- ,-A 3 " b>er Medicin suche ich auch dem durstigen Nächsten, seit manchen Jahren, ein «viki ""mg zu dienen, und darum rathe ich so - viel aus der Erfahrung: Bleibe er bei der l?6 Geistliche Briefe. ungekünstelten Einfalt, dabei ist Ruhe und Segen zu hoffen. Außerordentliche, geheime und chymische ungewisse Seltsamkeiten macht GOtt zu Schanden, und segnet verachtete Kraurerchen. Traue er den Laborantenbüchern nicht; forsche er nicht zu tief im alchymischen Irrgarten, und suche bei Leibe kein Gold,-noch Goldtincturen, wodurch manche in geist- und leibliche Armuth gestürzt worden. Droben Hab' ich gesagt, wie wir aus Koth Gold machen können; das ist zu recommandiren. Ganz sich auf die Medicin zu legen, wann E. E. anders mit Schreiben oder dergleichen Arbeit etwas profiliren können, würde auch eben nicht rachen. Die Medicin gibt viel Nachdenken, viel Verdruß und viele Verantwortung: ich brauche nur ein paar Sorten Pillen, einige Pulver und Essenzen; alle von einfältiger Compositjon: dabei befinde mich am beßten. Ich thue es, als ein Nebenwerk ; machte mich der HErr völlig davon frei, würde mirs noch lieber seyn. Mein Alter, wornach E. E. fragen, ist bald 47 Jahr. Die Zahl der Jahre ist nicht groß; ich babe aber in denselben vieles von der Welt Eitelkeit, von der Verderbniß des menschlichen Herzens, und von GDttes Geduld und unbegreiflicher Güte in Christo erkennen lernen, und lerne noch täglich. Gelobet sey der HErr, der bis hieher geholfen hat! Vor etwa 27 Jahr hat mich der freund- ßb s» Äkü ch. III. Theil. 59siet Brief. 177 freundliche GOtt aus der Welt berufen, M, und mir einen Sinn geschenker, ihm völlig »ich angehören und folgen zu wollen. Seine MW Gnade wird diesen Sinn in uns unverrückt Am- erhalten, bis ans Ende. Ich bleibe durch R M dieselbe Mp Mülheim, herzlich geneigter Freund chri, im Septemb. 1744» und Bruder. Der ;yste Brief. tklllklU Tröstlicher Unterricht, wie man sich im Gefühl Mich seiner Elenden, innern Leiden, Versuchungen ^Ngl und besonders im Gebeth zu betragen. Ms» M Geliebte Schwester in der Gnade JEsu, ;B ^r dich segne! i, ik«» ^s ist mir lieb, daß ich einst wieder ein Brief- ^ iein von dir bekomme, und wünschte nur, daß was erfreulichere Nachrichten darin stünden. GOtt hat dich so lieb, und zeiget es ja wohl, daß er dich absolut für sich haben, und lieben will, daß es ihm ja nicht gefallen wird, daß du solche harte Aus- 1 K, drücke gebrauchst, und an ihn als einerr n harren Mann gedenkest: doch er wird dirs, nach seiner Gütigkeit in Christo, za ^ Zweit. B. tu. Th. M gut l?8 Geistliche Briefe. gut halten, weil das innige Verlangen, ihm allein anzuhangen und zu gefallen, dir die Last deiner Elenden so schwer macht, und solche bittere Klagen erpresset, da du so viel ihm Mißfälliges in dir merkest: ich kann dirs auch zu gut halten, aber nicht gut heißen. Unsere Elenden sollen uns nicht in Kleinmüthigkeit, Verdruß und Unwillen setzen, sondern beugen, demüthigen, und zur völligen Ueberlaßung in die Hände unsers allmächtigen, süßesten Heilandes andringen: denn das ist sein gnädiger Endzweck; nicht daß er dich von sich stoßen will, sondern daß ers dir recht bitter und müde mache in dir selbst; damit, wann du dich nirgend mehr zu laßen weißt, du dich dann so nackend und elend, wie du bist, in seinen erbarmungsvollen Schooß müßest fallen laßen , der schon offen ist, dich einzunehmen. Aber, das wäre meinem armen Schwesterchen nicht höflich genug gehandelt; man sollte lieber mit Petro Co mpli mente machen: Gehe von mir hinaus! ich bin ein sündiger Mensch. Luc. s, 8. Sollte eine so verkehrte Kreatur, die nicht werth ist, daß sie der Erdboden trägt, an den Schooß eines so heiligen GOttes denken dürfen, um sich da hinein fallen zu laßen! Ja! daran mußt du gedenken, und nicht im Unglauben an deine Elenden: da hinein will dich die ewige Liebe haben. Halte dich nicht auf mir Überlegungen , und deinen kothigen Rock zu besehen ! D >!> / Ml» M 3 " !! HI. Theil. 59stcr Brief. 179 sehen! Stehe auf, wage es, und wirf dich ">r v>! ^ Liebesmutter in den Schooß, ohne wei- , W ter an dich selbst zu gedenken! Liebe, liebe nur, dann wirst du geliebet. Sela! iW Es ist so, wie du sagst, daß in einem jeden Stande von Seiten der Seele eine Ein » Treue erfodert wirtn allein, es wird nicht MH erfodert, daß die Seele diese ihre Treue in einem jeden Stande sehen könne. Du ver- A« langst zu wissen, was dir dann in diesem Stück jetzt zu thun stehe? Ich will kurz sM sagen, was mir gegeben wird. Dein Stand ^ ist ein Stand der Leiden und Versuchun- MM gen, und in Ansehung dessen bestehet deine s, Treue darin, daß du nicht nur alles Unge- mach, sondern auch alles Böse so ungestört « und unbesehen leidest , als du kannst, aber mkk ^6 Böse selbst nicht wollest noch ausübest; ch„,' und daß du mit Demuth und Vertrauen ^ M«sl! wieder zu GOtt nahest, so oft du gefehlet oder meynst gefehlt zu haben. Bewahre ^ immer die Geduld mit dir selbst, und das A Vertrauen zu GOtt! In Ansehung des Gebetbs bestehet deine Treue darin, daß du es unterm Vorwände A,» der Unwürdig - oder Untüchtigkeit nicht un- FiB terlaßest; und dann, daß du zufrieden sehest M«« mit einer solchen Beschaffenheit und Gnade ^Wii im Gebeth, als GOtt dir beliebet zu geben, ohne was anders haben zu wollen, als nur ^ inniglich, daß du ihm gefallen mögest. Der ff. M 2 ein- Igo Geistliche Briefe. einfältige Glaube der Liebesgegenwart GOt- tes muß der Grund deines Gebeths seyn; und das Wesentliche des Gebeths ist die ge- ^ Heime innige Neigung im Grunde, diesem Mi GOtt zu dienen und ganz ergeben zu seyn. B Das darfst du nicht suchen oder machen; M GOttes Geist hats in dich gelegt. Dieser ^ Grund öffnet sich sanft und unvermerkt in der Gegenwart GOttes, u. s. w. Kannst du nicht dazu kommen, sondern wirst, wie s b du sprichst, als oben gehalten, es sey nun W, durch flatternde Gedanken, oder Versu- W,! chungen, oder auf andere Art; so suchest du eben, unvermerkt und ruhig dein Aeuglein davon ab- und zu GOtt zu kehren. Ist ^ solches ein- und andermal geschehen, und du kannst ihm nicht entkommen, dann leide dich , und bleibe vereinigt mit diesem Willen GOttes; brauche auch weiter keine Gewalt, ^ demselben entsinken zu wollen, als nur, daß du bisweilen ein süßes Liebesblicklein auf den gegenwärtigen Freund thuesi, so wie du kannst. Bleibt es dann gleich die ganze Zeit dürre, verstreut, ja voller Versuchungen; g, so stehe dennoch wohl vergnügt aus dem un Gebeth auf, und danke dem HErrn, daß sein süßer Wille an dir vollbracht sey; ^ denn an uns ist nichts gelegen, wenn nur ^ unser GOtt vergnügt ist. Den Tag über suche es eben so zu machen; ich will sagen: ^ Laß die Liebesgegenwart GOttes dein ^ Haupt- oder vielmehr Herzenswerk seyn, ganz ^ § unge- M, stz«! Slkg!- dichüi ß sP. »ch»i Ach «!i« lmi >ß,« l M Wk Äzl«! L K n, IL III. Theil. 6oster Brief. i8r ungekünstelt, und so wie du kannst. Denke von diesem GOtt lauter Gutes, und nicht so arg, wie du pflegst. (Lies einst Bruder Lorenz's Leben!) Nach den flatternden Gedanken und andern Anfällen sieh eben so wenig um, als wenns auch außer dir wäre. GOtt, der die Herzen erforschet, weiß, was dein Herz begehret. Sey ruhig und getrost in ihm! Er, der dich erkauft und berufen hat zu seinem ewigen Eigenthum, der wirds in und für dich aussüh- ren, Amen! Dein Mülheim, verbundener schwacher den is.Dec. 1744. Mitbruder. nM »ach Ha« Der 6oste Brief. Wie weit der Stand der Buße, des Gesetzes und der Zug des Vaters einerlei seyen. Daß der Glaube an JEsum seine Staffeln habe. Vom Unterschied des freien Willens. In der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! M c^ch will sehen, ob ich Zeit und Vermögen ^ B ^ habe, auf deine Fragen ein Paar Worte zu antworten; denn sonst läßt sich das so n M z nicht 182 Geistliche Briefe. nicht in einem kleinen Briefe thun, und ge-, ? schähe füglichec mündlich. Der Stand der Buße, des Gesetzes und der Zug des Vaters ist überhaupt einer- E lei, weil eins sowohl als das andere eine „ Zubereitung zu Christo, zur Wiedergeburt, B"" oder zum Stande des neuen Bundes ist. Bisweilen ist aber doch ein Unterschied darin. Ein Mensch, der durch die harte Besirafun- ^ gen, Anfoderungen und Angst seines Gewiß ^ sens gedrungen, in seinen eigenen Kräften ar- ^ beitet. Böses läßet, und Gutes thut, um sein armes Gemüth zu beruhigen, der stehet M eigentlich unterm Gest y. *) Wenn ichs aber einen Stand der Buße nennen soll, dann muß eine mehrere Beugung und Zerknir- N schung, begangener Sünden wegen, dabei >K seyn: und je mehr dann die Seele, in Erkennt- niß ihrer Sünden, Elenden und Ohnmacht, nach der Vergebung in Christo, und nach j mi seiner einwirkenden Kraft und Gnade zur W Erneuerung des Herzens seufzet und sehnet, M desto eigentlicher könnte mans den Zug des kt, Varers nennen; wiewohl diese drei Namen, A wie gesagt, überhaupt einerlei bedeuten, und Ela die Sache ist auch oft beisammen. lO 8 ) Röm. 7. vom 7ten Vers an beschreibt Pau- «.s, lus den Stand unterm Gesetz, Vers 24 könn- . - te man Buße nennen. Im letzter» Vers ist ^ ein Zug in Christo. Diese Note ist auch ^ von dem sel. Autore.) III. Theil. 6oster Brief. I8Z W l Äkk- k! >W- r» kr jik Mil! U« s«tl, MS Ult >Mt! j« ßD, ^g!<« «/ s Dp llilkE Man nimmt insgemein die Versicherung von der Vergebung der Sünden für den Glauben an JEsum ; das ist aber, meines Erachtens, unrichtig. Dasjenige, was ich so eben eigentlicher den Zug des Vaters genannt, könnte ich auch mit Recht Glauben an JEsum nennen, denn der Vater ziehet zum Sohne; der Glaube an JEsum hat qber seine Staffeln. Im Anfang ist es kommen zu JEsu, (Joh. 6, Zs.) nämlich mit Hungern und Verlangen, geradeso, wie ich vom Zug des Vaters gesagt habe. Darnach ist es ein Annehmen JEsu, (Joh. i, 12.) welches nicht geschehen kann, oder der aufrichtige Wille der Seele läßt zugleich Welt, Sünde und sich selbst los. Beim Fortgang ist der Glaube ein Bleiben in JEsu, (Joh. i s.) nämlich mit inniger Neigung, Liebe und Vertrauen, so man sonst Einkehr nennet, oder Anhängen, (i Cor. 6, 17.) Und so in JEsu bleibend und wandelnd wird man immer mehr in ihm gewurzelt und gegründet, (Col. 2, 7.) so nicht ohne Kreuz und Schüttlung zugehet. Endlich so ist der Glaube ein wohnen Christi in der Seele, und der Seele in Christo; (Ephes. z, 17. Joh. 17, 2z.) und ein Eins werden mit ihm, rc. rc. Das Nachschlagen und Erwägen der angewiesenen Sprüche gibt dir vielleicht mehr Licht in der Sache. Ueberhaupt siehest du, daß ich den Glauben nicht für eine Thar des Verstandes allein nebme, da man sich selbst M 4 daS 184 Geistliche Briefe. das so vorstellet und einbildet, Christus habe für uns genug gethan; sondern hauptsächlich für eine Thar des Willens und Herzens, da sich Lust, Liebe und Vertrauen von sich selbst und allem Geschaffenen zu der Gnade in Jesu wendet, um durch ihn von Schuld und Herrschaft der Sünde geholfen zu werden. Das vertrauen ist zwar ein wesentliches Stück vom Glauben; sobald aber ein Hungern nach der Gnade da ist, oder ein Kommen zu JEsu, so ist auch Vertrauen dabei , obwohl oft durch Sünde und Furcht sehr überdeckt. Man kommr aber nimmer zu einem Arzt, wenn man gar kein Vertrauen zu ihm hat. Die Seelen müßen nur am Rommen hleiben, so wird sich das Vertrauen zu seiner Zeit schon zeigen. Das Licht wird aus der Finsternisi, und das Vertrauen aus Angst und Zagen geboren. W. st! Ukll! st! Dasjenige, was man sonst einen Zug zum Inwendigen nennt, ist eigentlich der Glaube an JEsum mit einem innig zarten Vertrauen gepaaret. Dieser Zug zum Inwendigen meldet sich bei manchen Seelen wohl an, wie ein Blitz; es wird ihm aber leider selten gebührend Raum gegeben, oder schlecht gewartet; sonst würde die Seele dadurch in Kurzem von Unruh und Banden befreiet, und zur völligen neuen Geburt geholfen werden, rc. lest kkr kr? Wt M Am N,- Anlan- i8; !»W k U i Nr- >^W j«Zi>! Ä-!-- ZM Bss M III. Theil. 6oster Brief. Anlangend deine Frage vom freien Willen. so ist selbige zweideutig. Man verstehet insgemein durch den freien Willen einen Willen, das Gute zu wollen, und ein Vermögen, das Gute zu thun; und in diesem Sinn bat kein Mensch von Natur einen freien Willen. Versteht man aber dadurch die willkürliche Lenkung des Willens, das Gute oder Böse, so ihm vorkommt, frei zu können wählen; so hat zwar nicht nur ein jeder Mensch, sondern die Teufel selbst in diesem Sinn einen freien Willen: aber eines Theils, .so har der Mensch kein Liebt noch Gutes von U7arur, wozu sein Wille sich sollte kehren können. Doch ist der Wille frei in dem Elemente der Finsterniß, wie ein Fisch im Wasser; aber draußen kann und will er nicht. Um Christi willen scheint nun zwar das Licht; und wo sich solches dem Menschen anbeut, ja, dann hat er die Freiheit seines Willens, die Fenster seines Herzens aufzuthun oder nicht. Und andern Theils, so kanns der Mensch nicht von Natur, sondern aus GOttes Erbarmung. Er kanns, doch will ers nicht, weil ihm das Licht weh thut, und ers deßwegen hasset. Darum beut GOtt nicht nur Licht und Gnade an, sondern gibt auch dem Willen eine gute Bewegung und Neigung, daß ihm das Licht annehmlich scheinet, und das Böse ihm verleidet wird. Und weil nun GOtt, um Christi willen, solches gewißlich bei dem Menschen thut, so bleibt M 5 keine Ig6 Geistliche Briefe. keine Entschuldigung bei den Ungläubigen übrig. GOtt zwingt aber niemanden. Er M beut den Glauben an jedermann; (Actor. 17, z i.) und da hat der Mensch die Freiheit, ja «V oder nein zu sagen. Uebrigens so hat derje- nige eigentlich einen rechten freien Willen, W wer seinen Willen völlig in GOtt übergeben M und verloren hat. Ein Fisch kann frei liegen klA aufdem Land, und hin und her springen; er ist aber nirgend frei als im Wasser. Was «ich einem Fisch das Wasser ist, das ist GOtt A unserm Geist. Wer seinem eigenen Sinn, «Ge Trieb und Willen folget, grob oder subtil, M l der ist ein gefangener Sclav. Auch die Kö- Willige der Erden sind in der Natur so wenig dN frei im Willen , als ein Gefangener auf der Hm Citadelle. Unser Geist und unser Wille lebt ksm überall im Zwang und in der Presse, bis daß W er sich gründlich in GOtt übergibt und wie Verlierer; denn dazu sind wir geschaffen; darum W sind wir alsdann auch recht frei, wohl und nm selig. Amen, das werde in uns wahr! Ich, i»8 Uebrigens, lieber Bruder, so ist es um O, nöthig, ja oft schädlich, wenn die Seelen lich r den Unterschied der Stände so genau wissen. sH Es bedarf davon nicht viel Redens. Wer andern einige Anführung geben soll, dem sjH kanns wohl bisweilen zu einiger Nachricht dienen; allein er muß andere nach keinem aitz einzigen Concept führen wollen, gleichwie D, auch GOtt die Seelen gar nicht nach einer- ^ III. Theil. 6oster Brief. 187 "> Ei »>r, ja > ich- ÄIm, !ii>W M>« Hi ßM ^ E», er M, >i>ieK lei Ordnung führet. Z. C. Einige kommen bald anfangs in eine ernste gesetzliche Arbeit; andere in große Reue und Verlegenheit wegen begangener Sünden; noch andere werden mit Süßigkeit und Liebe gezogen. Einige kriegen anfangs, andere hernach ihr Verderben zu sehen, u. s. w. Wer nun andern dienen soll, muß GOtt nachgehen und sehen, wie eine Kindermagd dem Kinde folgt, und nur herum lenkt, wann es in Gefahr laufen will. Sonst gibt allein die eigene Uebung im Gebeth und Verlaugnung uns das rechte Licht in den Wegen GOttes. Einsamkeit, Verläugnung, Gebeth, o! wie nöthig sind diese Stücke einer jeden Seele in dieser Zeit! Hierin mäßen wir selbst leben, und, wann es seyn soll, auch andern dazu Anlaß und Reizung geben. Man muß dabei sonderlich den Seelen ein gutes Herz zu GOtt in Christo suchen einzuflößen; doch also, daß man immer dabei die Verlaugnung im Aug habe, damit sie, aus freiem Willen und Liebe zu GOtt, ihr Herz von allem abscheiden, und ihm allein zuwenden. Wer unordentlich wandelt, muß zwar erinnert werden; sonst aber muß man in den Besonderheiten nicht viel Gesetze der Verläugnung vorschreiben , sondern die Gnade selbst auf die Besonderheiten führen laßen, überhaupt aber auf die völlige Uebergebung des Herzens dringen. Bei Schwachen muß man wissen nachzugeben, und doch das Ziel im Auge halten. > 188 Geistliche Briefe. halten, damit man sie durch einen kleinen Umweg unvermerkt naher herbei bringe, rc. GOtt gebe dem, der zu dieser Zeit mit andern umgehen soll, ein reiches -Maß seines Geistes! O! wer ist dazu tüchtig! Die Zeit ist hin, darum muß ich abbrechen. Du magst mein Schreiben wohl nicht recht lesen, und meinen Sinn verstehen können. Bruder N. mags wohl mit lesen; sonst ists eben nicht für einen jeden, sonderlich da sehr eilig schreibe. Der HErr segne und stärke dich, sonderlich nach dem inneren Menschen! Gedenke auch meiner! Ich bleibe Dein A/ ßub milch nicht Mülheim, verbundener schwacher ^ den 18. Dec. i744> Mitbruder. ^ !>iß Der 6iste Brief. '' Das Zurücksehen auf sich selbst macht muthloS. ^ Arznei dagegen. All, Herzlich geliebter Bruder! ^ «t)eil ich vermuthe, du seyest noch zu N.; lch; so wollte dich mit eilender Feder herzlich W grüßen. JEsus segne dich! Du thust nichts, Cr als 189 Hl. Theil. 6ister Brief. klch!« Oer» W; /sM! ÄslD »>« er! H tzacher als zurücksehen auf dich selbst; das muß dich ja muthlos und unruhig machen. Wenn ichs so gemacht hätte, ich wär' in meinem Elend langst umgekommen; denn ich bin so fromm nicht, als mich einige andere dafür halten. Ich schweige aber, und laß mich noch wohl dazu ins Angesicht loben, damit sie mich nicht noch dazu für demüthig schelten. Ich glaube nur dem Licht der Wahrheit, in welchem ich mich heimlich und einfältig für den Elendesten halte, und verantworte mich nicht, wann andere mich loben. Das Begehen meiner Fehler, vornehmlich Wenns andern auch bekannt wurde, machte mich vor diesem so krank, wie du jetzt bist. Hernach wiese man mir eine Arznei dagegen, nämlich die süße Liebe zur Selbstverschmäbung, die mich allemal, wann ich sie brauchte, wunderbarlich beruhiget und so erquicket hat, daß ich meiner Krankheit gar darüber vergaß. Man muß aber diese Arznei getrost hinein trinken, und nicht so mit den Lippen lecken, sonst schmäckts gar zu bitter. Ich scherze nicht; es ist mehr Wahrheit in dem jetzt Gemeldten, als ich sagen kann. Das Zurücksehen auf dich selbst schadet dir mehr, als alle deine Fehler. Gewiß ist der Grund nur Eigenliebe! Aber, warum wirst du über dieser Entdeckung so bestürzt? Wußtest du dann nicht, daß du ein eigenliebigcs Adamskind wärest, wie ich und andere? Sollte man über solche Entdeckungen mc- lancho- lyo Geistliche Briefe. lancholisch werden, und nicht vielmehr ein ^ l'e üeum lauä^mus anstimmen, daß uns der HErr eine so theure Gnade in der Er- kenntniß unserer selbst mittheilet? Kein Mensch kann das Deum Isuä-lmus anmuthiger KU" singen, als eine sich selbst erkennende und verschmähende Seele. Der Schmerz, sagest du in deinem Letzteren, über das, was ich gerhan, hält noch empfindlich an. Ich verstehe dieses nicht. Ich weiß nicht, was du gethan hast. Gib dich selbst in GOttes Namen dran! Wir sind keine Sache, die so viel Besehens werth ist. Kannst du dich nicht nach Wunsch dran geben, dann trage dich selbst willig und ruhig, und laß dein inneres Aeuglein süßig- lich von dir selbst ab- hinein gewandt bleiben auf den, in welchem dein ganzes Heil ist. Daß wir elend, böse, und zum Guten untüchtig sind, sollen wir von Herzen glauben, aber nicht jedermann sagen: aber daß unser GOtt so groß, so gut, so selig und in ihm alles Heil und Gute ist, das soll unsere Materie seyn, woran wir gedenken, wovon wir reden, und singen, und worin wir uns einig erfreuen. Amen! W ««N Wr Mf Bt! üich ch! ich U atz W «der Mülheim, den rz. Jan. 1745. Der ^ Der 62ste Brief. W Wie man zu Vergeffung seiner selbst und aller MM geschaffenen Dinge gelange, N. N. Dk»§ WH HO I-l Vergessen deiner selbst und aller geschaffenen Dinge ist sehr gut; mM aber nicht direct und mit Anstrengung geschehen, sondern durch ein einfältiges Fallenlaßen, und durch einen ruhigen liebevollen Blick deiner Andacht auf den so nahen GOtt. Dieser bedachtsame kindliche Blick sagt GOtt große Dinge, er sagt und thut alles, was man zu thun und zu sagen hat. Indem wir nun GOtt zu unserm gewöhnlichen, und, wo möglich, unverrückten Vorwurf der Andacht und Liebe machen, so vergißt man seiner selbst und des übrigen immer mehr darüber, und wird unvermerkt, aber gründlich, geheiliget. Nach dem Maß unserer Verläugnung wird die Zukehr zu GOtt leichter; und die Verläugnung wird auch leichter, wann wir uns besagter maßen an GOtt gewöhnen. Beides muß ge- paaret gehen; aber unser eigentlicher Vorwurf, ohne Vorwurf, (d. i. ohne Bild) muß GOttes Gegenwart sepn, und nicht wir, oder unsere Verläugnung. Er umgiebet uns; Er ly2 Geistliche Briefe. Er erfüllet uns; Er will als Freund m uns Al wohnen. Wunder! daß wir an was anders G'' denken können. In ihm, aus Respect ge- b gen ihn, und ihm zu gefallen, sollen wir O' uns selbst und die Kreatur da lasten und M vergessen, und uns, mit allem unserm Jam- e? mer, in dem Meer seiner Liebesnahheit ver- lieren. «z ß Daß deine Vernunft allerhand, auch atheistischer Eingebungen fähig sey, wundert nuch nicht: wir wollen nicht darnach um- ^ seyen. Die Reden der Narren muß man ' ^ nicht beantworten. Wenn man so just un- y ter rohe Leute in die Herberge kommt, schickt man sich, und gehr heraus, so bald man kann. Es ist wahr, du hast noch keine reine Liebe zu GOtt: wo hat man aber dann die thörichte Kinder, die da heulen, weil sie nicht Männer sind? Sauge nur frei, so wirst du größer werden. Es fehlet dir und mir noch wohl ein Mchreres; und doch bin ich nicht bang , daß GOtt uns nicht weiter de helfen sollte. Laßet uns aber besser daheim lu bleiben, und wann wir etwa mit, oder leider! ohne Erlaubniß ausgehen, doch alsbald wiederkehren. Es ist wahr, ich sagte letzt, daß, wenn M du ein wemg stille wärest, du dann durch das Gesicht deiner selbst matt und muthlos «» würdest; sonst aber, wann du nicht eben «st stille wärest, noch so ziemlich Muth hättest: AI vergiß aber nicht, was ich dabei sagte: Ich hätte z, III. Theil. 6zster Brief. iyz hätte lieber, daß es umgekehrt würde, näm Akij jjch, daß x,u ein wenig muthlos würdest bei Mgi- der Zerstreuung, aber nimmer bei der Eamm- «k» lrir jung; denn da soll das Gesicht von GOtt uns sehr getrost machen. "0! wie sehr sind wir verpflichtet unsern guten GOtt zu lieben, der so langmüthig mit h uns ist, und durch manches Wehethun uns NM ^ Völligkeit der Uebergebung bringen muß, uin uns glücklich zu machen! Könnten wirs Mß« doch ein für allemal redlich wagen! Der 6zste Brief. KiklstE Besondere Anweisungen wegen täglicher Abson- D«lll derungcn zum Gedeih, und auch wegen Ue- bung des Gedeihs selber. Herzlich geliebter Bruder! i> jß » »l, ßilü ials «im M lem Mülheim, den 21. Jan. 1745. »"7 PlM denn das ijt eine schwache und bisweilen E schädliche Liebe, wo mans nicht wagen darf, einander zu sagen, was vor GOtt recht ist. Sweir. B. m. Th. N Auf i§4 Geistliche Briefe. Auf dein Letzteres sage mit Wenigem, daß weil ich nicht bei dir bin, und mit Zusehen kann, wann und was du zu thun hast, so kann dir auch so präcis nicht die Zeiten zur Absonderung vorschreiben. Ueberhaupt will ich so viel rathen: Nimm täglich zweidreimal eine halbe Stunde dazu, etwa Morgens, Mittags und Abends. Nachdem sichs mit deinen Affairen am füglichsien schickt, kannst du die pracise Stunden selber ordnen, und nach einiger Zeit (nach Belieben) andere Stunden nehmen, damit man nicht unvermerkt etwas in diese Stunden setze. Beim Aufstehen bekhet man GOttes Liebesgegen- wart an, und opfert sich ihm kürzlich aber herzlich zum wahren Eigenthum auf; und nachdem man sich dann weiter fertig gemacht, und etwa das Nötigste im Hause gethan, so kein Auffchieben leidet, und im Gebeth stören möchte; so kann man dann eine Zeit zur Absonderung nehmen. Etwa kurz vor Mittag, oder auch, wann sichs besser schickt, Nachmittag, nimmt man wieder ein halb Stündchen: immeämr nach dem Essen schickt sichs so gut nicht. Und Abends kannst du dich wieder eine Zeit setzen, und entweder mit einer gar kurzen Lesung einer saftigen Wahrheit, zum Anfang dich was präpariren, oder sonst nur der Gnade folgen, wenn du dich mit einer Andacht, Sammlung, innigen Begierde, oder einem Liebeseindruck zuvorgekommen fändest. Der A KB Hm bm > h», ich Älgi 19; L Dpi ckr Wll >iÄ ,ch"> M IH. Theil. 6zster Brief. Der Glaube der innigen Liebesgegen- warr GOtres, und der Srnn, ganz für Ihn zu seyn, muß bei allem Gebet!) zum Grunde liegen. Und wenn man sich nicht von der Gnade auf eine andere Weise zuvor gekommen findet, dann ists gut, daß man sich anfangs in diesem Glauben und in diesem Sinn auf eine berzliche und emsäirrge weise zu erneuren suchet, alle geschaffene Vorwürfe da laßend, um mit der Ganzheit seines Herzens und seiner Liebe sich zu dem G-Ott zu wenden, den man so nahe drinnen zu seyn glaubet, und ibn als seinen Freund und Schatz im Glauben zu lieben und zu umfassen. Uebrigens bandelt man mit GOtt, wie mit einem Freunde, mit welchem man ohne Kunst und Zeremonie umgehet, da man sagt, was man auf dem Herzen hat, und wozu die Liebe bewegen möchte. Den Glauben laß im Geberh und allezeit deinen Grund seyn, worauf du bauest, und die Liebe deine Führung. Glaube GOtt eben so nahe, eben so anbetbungs- und liebenswürdig, ^ann du nichts davon stehest oder fühlest, als wenn er dir Licht und Empfindung giebet; und danke ihm eben so herzlich, wenn du die Zeit des Gebetbs in Dürre und widerwilliger Verftreuung zugebracht, als wenn du viel genossen hättest; nur daß du sok es nicht wissentlich verursachest, denn GOtt zu contentiren ist eine wahre Seligkeit für eme liebende Seele. ! N 2 Lilles, iy6 Geistliche Briefe. Alles, was GOtt von dir will, und auch die Wahrnehmung der Zeiten zur Absonderung , mußt du zwar pünktlich in Acht zu nehmen suchen; aber die Liebe mußt du in allem zur Führerinn erwählen; ich will sagen , daß du kein Ding, es mag seyn wie es wolle, nur bloßhin aus Gewohnheit, aus natürlicher Inklination, oder weil du es thm mußr, verrichtest, sondern aus Liebe zu GOtt; nicht just durch einen empfindlichen Trieb der Liebe, den du dir nicht geben kannst, sondern mit der lautern einfältigen Absicht, daß du es wollest thun, laßen, oder leiden, um deinem GOtt darin zu gefallen, ihm zu lieb und Ehren. Diese Licbesintention, wozu man sich kindlich aufwecket in den Anfängen, macht das Geringste groß, und das Schwerste süß und angenehm. Schließlich, liebe GOtt, der dich gelie- bet hat in Christo, und denke an nichts, als nur, wie du ihn lieben, und ihm gefallen mögest. Laß aber bei Leibe den Much nicht sinken bei Erfahrung deiner Fehler und Gebrechen, sondern laß dich dadurch so viel mehr dringen, dich selbst zu verlaßen, und JEsum in dir leben zu laßen, der allem die Quelle der Heiligkeit ist. Ich grüße dich, und beide deine Schwestern herzlich, und bleibe Euer Mülbeirn, schwacher, verbundener den 25. Febr. 174s«' Bruder. Der l.ch ß!! U 3 »" Cs U Der 64ste Brief. Daß der Versucher den Hunger nach GOtt so >Ä! gern auf Nebensachen führe; und was für die , G Seele das sicherste dabei sey. Vom Arbeiten und nicht Arbeiten. Nr iü Zn der Gnade unsers theuern Heilandes MI herzlich geliebter Bruder! M Uuf des geliebten Bruders Zuschreiben vom nU ^ 24sten Decembr. a. p. habe nicht ehender Wß antworten können, wegen mancherlei zwischen gekommenen inneren und äußeren Verhinde- ningen; da sonderlich mein schwaches Haupt, und die bedenkliche Confusionen unter den Er- A weckten unserer Zeit mich sehr vom gehabten D, Briefwechsel abziehen. Wir stehen nach dem Innern und Aeußern unter GOttes Di- D rection; und je mehr ein Umstand oder Zufall W zur Entäußerung, und Vernichtigung uns hinein leiten kann: um so viel ruhiger kann man folgen, weil der Versucher lieber zum D Gegentheil führet. Es wolle dann der HErr M auch hierin mit mir thun, was ihm gefällig M ist! Ich liebe doch in ihm alle GOtteskinder; ' ja oft meyne ich, daß ich sie so viel inniger und lauterer liebe, je weniger die Sinne und das Leibliche an dieser Liebe Theil haben. ^ Sonst aber erkenne icbs doch als Gnade, M > N Z wenn IY8 Geistliche Briefe. wenn mich die göttliche Vorsehung mit einer zum rechtschaffenen Wesen gerufenen und übergebenen Seele bekannt machet. Es sind deren ohnedem nicht so gar viele in dieser bedenklichen Zeit. Für die weitere Nachricht von den Norwegischen Vertriebenen danke ich; der HErr erbarme sich! Er bringe das Verirrte zurecht, und führe den nach ihm hungernden Willen der Einfältigen durch alle Sichtungen zum Ziel! Der Versucher ist sonst überaus wacht- sam, diesen von GOtt erweckten Hunger, wo nicht in grobe Sünden, dennoch in allerhand Nebensachen, Schein, und falsche Geistlichkeit einzuführen, damit man nur mitLuft- sireichen Zeit und Kraft verschwenden möge. Diese und dergleichen Dinge sind noch so ziemlich grob; manches kommt jetzt scheinbarer hervor. Was singulair, was ausleuchtend ist, was ins Aeußere führet, muß uns jederzeit verdächtig seyn. Ja ich sehe es schon als eine gefährliche Schwachheit oder Neugierigkeit an, wenn man meynet verpflichtet zu seyn, die verschiedentlich aufkommende Bewegungen zum Guten zu untersuchen, und die Wege anderer Gemütker auszuforschen und zu beurtheilen. Genug! daß wir unfern Weg, den GOtt uns fuhren will, wissen. Man liebet alles Gute um seines Ursprungs willen; man bleibt aber eingewandt, damit man über dem zu starken Besehen anderer, auch guter Führungen, nicht von der Führung GOt- K BZ «l !!M sM Wi IW s« den 1-9 III. Theil. 64stcr Brief. tine. GOttes über sich selbst abkomme; wie solches lins bei nicht wohl Befestigten, sonderlich zur Zeit innerer Dürre und Proben, leicht geschehen Gr kann. Christi Wort höre ich noch oft: Mas ^ gehets dich an ^ Folge du mir nach! Wr Lächelnd hab'ichs lesen mäßen, daß der lkch, aus Schweden vertriebene gute Graf, das iöllßl Wort des kleinen Xernpi; : nesciri »D (Sey gern unbekannt) auch nicht hat vertra- Mü gen können, weil es in Amsterdam und dieser Orten eben so über dieses Wort hergegangen, W doch nur von etlichen. Wir wollen alle W etwas seyn, wir wollen eclarlren; das hat lch uns unser Vater Adam angeerbet. Christi Sinn, der auch in uns seyn soll, (Phil. 2, Hst s- 8 .) war gar anders; und in den ersten iM dreißig Jahren seines Lebens auf Erden hat iD er uns hauptsächlich nur dieses Wort M neloiri lehren wollen. Wunderlich laurets mll deßwegen, daß selbiges wider Christi Lehre D seyn soll. Allein ich pflege dergleichen Wider- «i« spräche mit Stillschweigen zu beantworten; sonst hatte der listige Versucher mir wohl Ml immer zu rhun gegeben. Denn Seelen, die kfi» dem Inwendigen ergeben sind, mäßen sich B auf Widersprüche von Guten und Bösen gefaßt machen: aber eine zu JEsu Füßen sitzende Maria verantwortet sich nicht; der B Heiland selbst nimmt es für sie auf. O! wie M dank' ichs meinem Erbarmer, daß er mich, in M den ersieren Jahren meiner Erweckung, vor K N 4 aller 200 Geistliche Briefe. aller Bekanntschaft, sonderlich neuer Seelen, bewahret hat, deren ich hernach so manche und gar scheinbare gesehen habe. Daß übrigens der liebe Bruder mein Bedenken begehret über einige Umstände seiner Führung, das ist schon gut an seiner Seite, auch nicht zuwider den Worten: Soll nicht ern Oolk seinen Gd)rr fragen? Es. 8, 19. Nur an meiner Serre unterwinde ich mich nicht, ein Lehrer oder Führer anderer Seelen zu seyn. Ich bin ein unwissendes schwaches Kind, das nichts yat und weiß, als was mir im Gegenwärtigen gegeben wird. Ich darf zwar G-Ottes Gnade nicht läugnen; ich weiß auch, daß ich nach der Wahrheit Zeugniß gegeben habe von seinen inneren Wegen in dem Wenigen, so ich davon geschrieben: aber andere zu lehren oder zu führen, dazu bin ich zu gering. Es hat zwar das Ansehen, als wenn ich als ein solcher zu Werk ginge; aber mir fällt, GOtt Lob! dergleichen nicht ein. Ich rede und schreibe nach der Vorsehung , da ichs so nicht vorbei kann, und dann sag'ich meine Gedanken, wie etwa ein Kind dem andern. Vor zwanzig und mehr Jahren würde ich ehender gedacht haben, dazu Gnade zu haben, als jetzt. Doch ich will, als ein Bruder, einfältig sagen, was mir gegeben wird. Di» A I ich flksri sond Ljl Im Punct der leiblichen Arbeit glaube ich, daß solche der Wille GDrres sey, den ^ ein 2Ol !»chi !U chl mich «SU ich Ais» >» Zs W Dl/ Iss gll IH. Theil. 64ster Brief. ein Christ von Herzen zu thun (Ephes. 6, 6. und 7-) sich willig finden soll. Ich glaube, daß selbige dem Inwendigen nicht allein nicht schade, sondern, in gebührender Ordnung verrichtet, demselben beförderlich seyn könne. Sie kann uns bewahren'vor Trägheit, düsterer Traurigkeit, Vorwitz und mancherlei Zerstreuungen; hingegen viel Anlaß geben zur Demuth, Verläugnung des Eigenwillens, und anderer natürlichen Verderbnisse, und demnach beförderlich seyn zum Gebekh und Wandel in der Gegenwart GOtres. Zwar ist die mühsame Arbeit eine Frucht des Falles, sowohl als alles innere und äußere Kreuz und Mühseligkeit dieses Lebens: aber dieses alles hat uns GOttes ewige Weisheit durch Christum dermaßen llt'segner, daß es nicht ein schädliches Gift, sondern eine, obgleich bittere, doch heilsame Arznei wird, wenn wirs nach seiner Verordnung gebrauchen; wie bann auch unser Essen und Trinken, und was wir sonst in natürlichen Dingen tbun, im Namen Christi, und also im Segen geschehen soll. Ja bei übernatürlich lebenden Christen ist die Arbeit, und was sie sonst natürlicher Weise thun oder leiden, kein so bloß natürliches, gemeines und verächtliches Ding mehr; es ist und wird durch Christum auch nebeiliger, und zu einer geistlichen gottesdienstlichen Sache gemacht. N s Nur 202 Geistliche Briefe. Nur müßen wir dann auch gewißlich unsere ^ - Dinge nicht mehr im Unglauben thun, weil wirs so wollen oder müßen; gleich als wenn GOtt unserer Arbeit vonnöthen hatte; nein! ^ wirklich nicht. Er kann uns wohl -ernähren ^ ohne Brod, und Brod bescheren ohne Ar- beit. Von Gelbbegierde und Sammeln aufs ^ Künftige will ich nicht einmal was sagen. Auch sollen wir nicht, wo wir anders frei sind, wie unter den ägyptischen Frohnvögten OW stehend, arbeiten. Der zarte Geist der Zucht W, läßt nicht zu, der Natur Trifftigkeit, Anhäng- El E lichkeit, Ausschweifung, noch bas Fallen mit dem ganzen Menschen auf das Aeußere. Wir «N sollen unsere Dinge thun, als von GOtt dazu »k« gesandt, in kindlichem Gehorsam, mit einer Pastillen, abgeschiedenen, GOtt anhangenden A A Gemüthsgestalt : da thut mans bann dem O,U "5Eern, und nicht mehr sich selbst, oder ch«- Menschen, und ist ein wirklicher Dienst GOt- «A, tes. Dieses dem ^Errn rhun macht alles Mail GOtt angenehm, was wir thun: sonst nützet U unser Beßtes nicht, wärens gleich die gottes- HA dienlichste in- oder auswendige Verrichtun- gen. Je einfältiger aber eine Arbeit ist, und «P sc je weniger sie von der Eitelkeit participi- ret, desto besser schickt sie sich für Herzens- christen. W ^ Es ist unnöthig zu erinnern, daß nicht nur Unvermögende, sondern auch diejenige, welche nach GOttes Willen und Ruf, ihre Zeit III. Theil. 64 ster Brief. 2OZ 1 » Mff 'jB Zeit und Kraft zum Dienst ihres Nächsten im Geistlichen anwenden, von dieser sonst göttlichen Ordnung auszunehmen sind. Nur diese Unterscheidung muß ich anführen: daß, ob man zwar die Arbeit als einen allgemeinen und ordentlichen Weg und Willen GOttes anzunehmen hat, ich deßwegen doch andere nicht urtheile, welche nicht arbeiten. Wer hat mich dazu gesetzt? GOtt ist frei, einige außeror enrllch zu führen: das hat er gethan, und er kann es noch thun. Wandelt einer nur nicht unordenrllch, und will seine besondere Fübrung nicht auch andern als eine Lehre, oder besondere Heiligkeit Vorlegen, dann kann ich solche mit einem ganz unschuldigen Auge ansehen, und ihrem HErrn stehen laßen. Auch weiß ich, daß der innere Zustand, und die Wirkungen in der Seele wohl auf eine Zeitlang zu äußerer Arbeit untüchtig machen, und davon abrufen können ; welches man auf die besondere Prüfung ankommen laßet. Es kann wohl eine Seele in eine so ernste Arbeit oder Kampf inwendig gesetzt werden, daß der ganze Mensch für die Zeit dazu nöthig scheinet. Wo außerordentliche Gna- denwirkungen und Gaben erfahren werden, gehets fast eben so. Ober, wo bei den ersten inneren Mittkcilungen See! und Geist noch so gar nicht geschieden sind, da scheinet auch fast alles Außerordentliche dem zarten Ge- mütb eine Verhinderung und Zerstreuung zu verursachen. Es pflegen aber solche Stände nicht 2o4 Geistliche Briefe. nichts» anzuhalten; inzwischen kann da wohl die Seele nicht anders, als GOtt folgen und trauen, und andere müßen da Bescheidenheit gehrauchen. Was nun anlanget die von dem lieben Bruder verzeichnte und mir communicirte Lehren; selbige sind, meines Erachtens, allerdings von dem Geist der Wahrheit, und nicht ohne Salbung, dem Gemürh eingedruckt worden: die dabei empfundene innere Weite und Beruhigung sind ein genügsamer Beweis, daß er GOtt darin gefallen habe. Weil nun aber in denselben auch sein Nichtarbeiten gut geheißen worden; so darf der liebe Bruder nicht denken, es stritte solches doch wider meine angeführte Gedanken von der leiblichen Arbeit. Keineswegs! Denn eines Tbeils so lieber und mepnet eine innige Seele GOtt herzlich, und nach dem Maß ihres Standes lauterlich. Diese von GOtt in ihr gewirkte innere Gestalt gefällt dem HErrn sehr; er approbiret solche, und dieses Aeugniß, oder Approbation, fühlet die Seele öfters mit vielem Geschmack. Weil nun die innige Seele in dieser ihrer GOtt angenehmen inneren Gestalt, als vor seinem Angesichte, alles thut und alles läßet; so scheints ibr zu, ob appro- bire auch der HErr all ihr Thun und Laßen; und dem ist auch wirklich also: denn weil ihr Auge einfältig ist, so wird ihr ganzer Leib Licht. Aber daraus ist kein unfehlbarer Schluß zu Wl' 'kl, hr »kk » A, HI. Theil. 6§sier Brief. 205 zu machen, daß wenn eine dergleichen Seele D eine solche äußere Sache anders machte, sie v dann GOtt nicht eben so sehr gefallen sollte. Manche heilige Seelen unter den Römisch- Katholischen haben Dinge gethan, die wir nicht nur Beruhigung würden thun können; M gleichwohl hat GOtt ihnen ihr Thun, wie ^ sie geglaubet, durch ein wahres Zeugniß »>!> approbirt und ratificirt: ^isinen, nichr mir, nicht ihres Thuns, sondern ihrer gottlie- » benden und gottmeynenden Gemülhsgestalt wegen. Den Reinen >1i alles rein. Wer iE iffet, spricht Paulus, der iffet dem ^Errn, »D denn er danket GOrt: und wer nicht isset, M jsset dem HErrn nicht, und danket GOtt. «Um Röm. 14, 6. So auch mir andern der- A gleichen Nebensachen. Der HErr siehet auf llssv den Grund und die Hauptsache; ist die >üil richtig, dann heißt er leicht alles übrige gut, K« wenn es wahrlich Gm gethan wird. Allein, m!»> wenn etwas mir innerem Zweifel oder Wider- ü spruch gethan wird, dann geschieht es nicht ihm, sondern ist böse, weil es nicht aus W dem Glauben geschieht; gesetzt, daß auch die Lä Sache an sich so böse nicht wäre. B Dergleichen erstgemeldte Herunterlaßungen D GOttes sind um unsertwillen vonnörhen; ent- ffie» weder, weil er erkennet, daß unser Jnwcn- M diges noch so zart ist, daß es für die Zeit wii durch diese oder jene Dinge könnte Scha- iß den leiben; deßwegen rüft er uns wohl von M etwas qb, das in sich unschädlich ist, nur ß weil 2o6 Geistliche Briefe. , weil wir schwach sind, und er uns gern eine Zeit vergönnet, um gegründet und ge- wurzelt zu werden: oder aber weil seine Weisheit sichet, daß wir in einiger Sache so präoccupirt stehen, daß es uns verwirren und an der Hauptsache hinderlich seyn ^ würde, wo wir angedrungen würden, es ^ anders zu machen, oder anders zu glauben, als wir rhun. Darum aber muß man nun nicht auf die Gedanken kommen, ob sey es ''ss dann wohl eine gefährliche, oder doch unge- ^ . wisse Sache mit dem inwendigen Leben und *' Führung, wenn man nicht gewisser drauf E bauen könne. O ja! man kann gänzlich drauf bauen: es ist Wahrheit, und keine Lügen, W wie und was uns die Salbung lehret; wir -M sollen nur ohne Scrupel bei derselben blei- -Vs ben. Sie lehret uns Welt, Kreatur und E Eigenheit verläugnen; sie lehret uns GOtt E ansehen, anbethen, lieben und meynen; das P« lehret und wirket sie. Auch lehret sie, wie wir alle äußerliche und natürliche Dinge ver- ^ in richten sollen; aber nicht allezeit, was wir «, i thun und laßen sollen. Dieses Letztere mag W etwa reinen und raren Seelen bisweilen wider- A a fahren: insgemein ist es unnöthig. GOtt Ach ist es um die Hauptsache zu thun: in den chdm 'übrigen vornehmsten Dingen finden wir im 'W Buchstaben der Schrift klaren Unterricht. Uebrigens läßt es uns GOtt vielfältig als M eine schöne Uebung der Demutk und des «htz Glaubens, daß wir in allen Besonderheiten Atz, 2O7 stillt s» iq örslif B, M >!>kli tiill III. TSeil. 6qster Brief. keine so absolute Gewißheit seines Willens haben sollen; und die vorsichtig wandeln, verlangen solche auch nicht; sie sehen auf GOtt, und nicht aus ihr Thun, um in demselben ihre Stütze oder Gerechtigkeit zu suchen. Vornehmlich aber, wie ich droben schon angemerket habe, so kann GOtt in solchen Nebensachen und Umständen zur einen Zeit so, zur andern anders führen, da inzwischen die Hauptsache unverändert fest bleibet; wobei ich dennoch dieses im Vorbeigehen bemerke, daß die Seele auch in äußeren und Nebensachen nicht so leicht, eine merkliche Aenderung in dem, was sie vorher erkannt hat, vornehmen müße, es sei) ihr denn entweder in inniger Stille vor GOtt, oder durch Rath eines Erleuchteten, das Wohlgefallen GOttes darin klar geworden, weil zur Zeit innerer Proben, Dürre und Dunkelheit, da die Seele immer argwohnet, sie möchte es wo versehen, oder in einem oder andern nicht recht machen, der Versucher leicht dahinter her ist, das zappelnde Gemüth auf allerhand und bisweilen auf wichtige Aenderungen zu führen ; wodurch schon manche edle Seele großen Schaden bekommen, oder gar sich einer genauen Führung GOttes entrissen hat. Nur, was die leibliche Arbeit anlanget, da hat man keine neue Gewißheit göttlichen Willens vonnöthen, sondern weil solche ein aus- gedruckter klarer Wille GOttes ist, so ist eS genug, 2v8 Geistliche Briefe. genug, wenn man äußerlich Vermögen und Gelegenheit, und innerlich Freiheit dazu Harbin welchem Fall eine Seele wohl thut, daß sie solche vor sich nimmt. Eins mit dem andern aber auf des lieben Bruders Zustand und Führung zu appliciren, will ich dem Geist der Gnaden herzlich anbefehlen und überlaßen. Nicht nur der Apostel Paulus, sondern alle Heiligen vor und nach ihm, haben die Arbeit geübet und dienlich erachtet. Man kann z. E. die Äehen der Alcvärer in der Müste nicht lesen, ohne völlig davon überzeugt zu werden: vieler anderen erleuchteten Seelen nicht zu gedenken, die bei auswendiger Arbeit Segen und Förderung für ihr Inwendiges gefunden haben. Sollte ich meine wenige Erfahrung dabei setzen, so muß ich gestehen, daß ich vielfältig unter der Arbeit Nutzen, innere Approbation und göttliche Gegenwart verspüret habe. Ja doch! ich bin auch wohl darunter verstreut, abgemattet und verfinstert geworden; aber daran war meine Unordnung, nicht die Arbeit Schuld: sonst wurden mir unter und bei derselben manche unlautere Kräfte der Natur entdecket, die ich außer derselben vielleicht nicht so erkannt hätte. Der heilige Geist JEsu bediente sich meiner äußern Arbeit als einer rechten Uebung und Schule. Bald wollte der Natur ein Werk zu verächtlich seyn; bald regte sich Selbstgefallen und Lust, wann ichs gut machte, oder eine Sache qm s ß Al!>!§ » Ä! cktt W M !Ä ich De 'Gsc Atz! 2VA IW a üi >!Mg! ^«ll!> ilki« isiD >skß! tll. Theil. 64 ster Brief. Sache sonst nach Wunsch ging; bald Unlust mW Verdruß, wann ich gehindert wurde, oder mein Werk nicht nach eigenem Willen gehen wollte, rc. rc. Da wies mich der Meister zurecht, und die Naturkraft in den Tod. Jetzt wollte ich fleißig sepn, um auszukommen; da hieß es: Arbeite du für mich, und nicht für dein Auskommen. Da wollte sich dann die Natur auf die faule Seite legen, weil sie doch nichts davon haben sollte: aber des Führers Auge entdeckte den Schalk. Ich sollte den Leib in Knechtschaft bringen, und aus Liebe so viel williger dienen. Mit dem Kaufhandel, worin ich anfangs stand, wollte es so gut nicht gehen; (mochte auch wohl an was Anders fehlen) deßwegen ich selbigen schon 1719 niederlegte, und ein Handwerk lernte, welches ich so lange trieb, bis daß ich dazu theils keine Kräfte mehr hatte; theils von der Vorsehung mit Schreiben und sonst genug zu thun bekam. Jetzt Hab ich noch so eine kleine Nebenarbeit, dass ich nämlich einfältige Medicamente verfertige , (wovon ich so etwas verstehe) welche dürftige Kranke bei mir holen laßen. Dieses Geschäffr ist mir zwar was unordentlich, weil man doch zu Dienst stehen muß, wann jemand kommt; ich aber halte viel darauf, daß eine zum Inneren berufene, sonderlich einsam lebende Seele zum Arbeiten, zum be- sondern Geberh, zum Essen und Schlafen, wo möglich, eine ordentliche Zeit halte. Auch Zweit. L». Ui. Th. -0 erfo- Llo Geistliche Briefe. erfodert dieser Dienst der Kranken bisweilen ^ was zu viel Attention; allein da ich ohne und wider mein Suchen darein geführetbin, auch v" die Vorsehung es so füget, daß ichs noch so E umsonst habe hingeben können, wodurch an- E dere glauben, daß sie gedienet werden, so ^ darf ichs noch nicht so gar dran geben. M Uebrigens, wir mögen dieses oder jenes ^ thun, mit den Händen was arbeiten, oder nicht: es muß dabei bleiben, was dem lie- den Bruder Num. 7. in den verzeichneten Lehren ist eingedruckt worden, nämlich: Mein Werk ist nichrs anders, als auf GOrr zu sehen, ihn anzuberhen und ihm zu dienen; für meines Leibes )77othdurfc sorger mein HErr. Dieses ist unser LrZon § (Hauptwerk,) das Aeußere unser ?ererZon ^ (Nebenwerk;) oder besser gesagt: Dieses ^ Hauptwerk soll all unser Aeußeres immer mehr M durchdringen, beseelen, und mit zum Haupt- M werk machen; wozu dem HErrn unser Ganzes ergeben bleibe! ^ Ich gestehe es, daß ich weitläufig schreibe: ich dachte an nichts weniger, wie ich anfing. W l Die Materie führte mich so auf dieses und ^ "k jenes. Der liebe Bruder kann alles prüfen, ^ und was ihm gut deucht, daraus behalten. ^ Die Salbung lehre und führe uns in allen vollkommenen GOtteswillen! B« Dem l. Bruder T. den ich herzlich grüße, ^ schicke ich hiebei die verlangte Kupferstiche. — v, Nun ^ 2Il Hl. Theil. 6;ster Brief. Uly l, h Nun breche ich hiemit ab, nebst herzlichem Gruß und Empfehlung in des lieben Bruders Andenken vor GOtt; auch grüße ich unbekannt seine Hausgenossen. Der HErr sey mit, unter und in euch! Amen.-Die mich in Schweden kennen, grüße ich auch nach Gelegenheit, und verbleibe durch Gnade «d chi» Des lieben Bruders Mülheim, schwacher Mitbruder, den i. April 1745. )l!» Hiiisi eihaii W ich sW Ho« Der 6;ste Brief. Daß die Einkekr, Sammlung, Innigkeit und Nahheit GOltcS nicht in der Seelen Gewalt, sondern Gnade sey. IM Herzlich geliebter Bruder! i, HAas in deinem Inwendigen vorgegangen, ^ ^ erkenne ich als GOttes Werk und ^ ' Gnade. Erkenne du es auch als sein Werk, § aber auch als Gnade; so wirst du dich über deren Bedeckung so viel weniger verwundern; und sodann wird deren Frucht ewig bleiben, sollte gleich das Empfindliche davon Weggehen. M Dieses Letztere ist vorübergehend, aber nicht das K" Wesen und die Frucht des inneren Friedens, A O r Glau- rir Geistliche Briefe. Glaubens rc. Du sichest, was GOtt im Augenblick für Veränderung wirken kann, die wir durch keine Treue, Einkehr, Gewalt rc. erwerben können. Er macht alles in uns zu Schanden und desperat, und dann Hilst er aus Gnaden. Die Leichtigkeit, welche der Seele durch die empfindliche Nahheit GOttes mitgetheilt wird, (so daß ihr nichts leichter ist, als die Einkehr) sollte sie bedeckter Weise können glauben machen, daß diese Sammlung, Innigkeit, und Nahheit GOttes in ihrer Gewalt wäre, und sie sich in solche setzen könnte, wie sie wollte. Um dieser und anderer Ursachen willen ziehet GOtt die Decke wieder ein wenig drüber, damit die Seele erfahre, es sey Gnade, und durch ikr beßtes Einkehren nicht zu erreichen. So viel mehr kannst du nun glauben, GOtt habe es gethan, weil du dirs jetzt selbst nicht geben kannst, wann du willst. Es bleibe denn alles dem HErrn wieder gegeben! Inzwischen weißt du ja nun, daß GVcr ist, und zwar derjenige, derer ist. Ist es gleich noch kein ausgeborner, bleibender Stand der göttlichen Vereinigung; so hat dir doch GOtt eine Gnade erzeigt, die du in Ewigkeit zu erkennen hast, und die viele in dieser Zeit nicht erlangen, welche besser und treuer sind, als du und ich. Dein Elend und Kleinmüthigkeit hat ihn mehr dazu gezwungen, als deine Treue. Du W Slk-t. tzst ß!k A« üizlW ZßW W kt,« ksch WkH» ks s« uÄ >ll M Hl. Theil. 66ster Brief. 2 iz Du kannst ohne Bedenken, aber auch ohne Scrupuliren, glauben, daß du es wieder irgendwo versehen hast. Bewahre indessen die innere Zufriedenheit. Liebe die Abgeschiedenheit, sonderlich die Abgeschiedenheit des Herzens, wozu die innere Zufriedenheit neiget; sowohl als die liebevolle Einkehr, wozu sie nicht weniger neiget: untersuche aber nicht viel und genau; sondern dein Glaube, deine Liebe, und dein ganzer Sinn gegen GOtt sei) unverändert derselbe, als wie du ihn so nahe fandest; denn auch GOtt ist in sich selbst, und in Ansehung deiner, eben so nahe, gut und liebenswürdig, als damals. Bethe für mich; ich thue gern desgleichen. Mülheim, den 2. Marz, 1745. »sch Do» II, ^ Der 66ste Brief. Wie man die Proben und Leiden im Beisammen» wohnen ansehen, und sich derer bedienen müße. In der Gnade ZEsu vielgeliebte Schwester! ' ^ ^>eine Brieflein sind mir immer angenehm, wenn es auch Klagbriefiein sind; ich A O z schicke LI4 Geistliche Briefe. § !l! schicke sie dann nur weiter zum liebsten Aei- lande, der auch unser Klagen gern anhöret, ^ wenn wir nur nicht über ihn klagen, und miß- ^ trauisch sind: denn das kann er nicht gerne E. hören, und ich kanns auch fast nicht tragen, -E- daß Seelen, denen er so vieles gerhan, als ^ er an uns gethan hat, seine unendliche Güte E noch sollten in Zweifel ziehen. ^ Du klagest über N. N. Allein wie wür- ^ best du und ich sanft, geschmeidig und willen- W los werden, wenn GO tt keine Diener hätte, !W die uns ein bißchen drückten und beugten, und, wenn alles nach Wunsch ginge? Ich muß dich bisweilen mit lächlender Miene an- Mi sehen, daß du dich so herzlich kannst betrü- den und verwirren, wenn so eins nach dem andern kommt, das dich angreift und störet. A Du liebes Kind! Kannst du denn nicht auch M solche Begebenheiten mit lächlender Miene begrüßen? Da GOttes ewige Weisheit so ^ rechte Pflaster auf deine Wunden finden kann, M und dich just zu treffen weiß, wo du Leben hast. Laß GOtt machen! Nimm dich der Dinge nicht so an, damit dein Körper nicht so viel angegriffen wird. Es ist schlimm genug, ^ daß über ein so kleines Häuflein, wie ihr da seyd, noch was zu klagen fällt: ihr solltet billig auserlesene Seelen seyn. Nun, dahin muß es auch kommen; laß dich nur fertig machen! die andern sollen auch daran. Oder, soll ich einst mit dir klagen? Ich kenne einen Menschen, der tausend Kreuzchen von andern Seelen I kW Mi,! >»A :rßil, !V«>l M O KllÜ- h h« ßk!l ^N« iKil s« !»k», M Ächl« »«ß >. k>kt! 'M hilkll III. Theil. 66ster Brief. 2l5 Seelen zu tragen kriegt, der sich wohl einst krank grämet, weil andere so fromm nicht sind, als er sie gern hatte; oder, weil andere nicht glauben und folgen dem, was er gut zu ftyn meynet, bis daß ihm seine eigene Thor- heit und Elend einfällt; da er dann eins mit dem andern in dem Abgrund der unendlichen Liebe GOttes verlieret , und ein fröhliches Liedchen zum Beschluß singet. Doch! du willst laufen gehen, und dich in eine Felsen- klufr (wie du schreibst) retiriren. Wohlan! ich will mit; wähle nur die rechte Felsenkluft, (i Cor. io, 4.) nämlich Chrijkum; und da kannst du dann als ein Täublein wohnen, und deine Stimme hören laßen, wieHohel. 2, 14. stehet.- Ich grüße dich herzlich, nebst Bruder und Schwester, auch von anderen Bekannten Hieselbst. JEsus lebe in deinem Herzen! dem ich dich aus Grund meines Herzens anbefehlend bleibe Dein Mülheim, verbundener schtvacher den 8. Jul. 1745. Mitbruder. M ^ D O 4 Der 216 B Der 67ste Brief. Nachricht von dem Absterben eines wichtigen Bru» ders. Beantwortung etlicher wichtigen Fragen, das inwendige Leben betreffend. Herzlich geliebter Bruder! diese Zeilen muß dir Nachricht ge- ^ den, daß es dem lieben GOtt gefallen, unfern werthen Bruder P. den 29km Junii, Morgens zwischen drei und vier Uhr, zu sich in die Ewigkeit über zu nehmen, und ist er Samstags darauf zu H. begraben worden. Die letzteren Tage hat er große Benaulheit ausgestanden; doch hatte er Sonntags vorher, wie er Dienstags Nacht starb, wegen seines Gemüths, der N. auf Befragen noch zu erkennen gegeben, daß er sich in inwendiger Weite und Ruhe des Gemüths befinde; und uns alle mit einander auch noch herzlich grüßen ließ. Die Armen verlieren an ihm einen treuen Zlllmosenpfleger, und wir einen werthen Bru- der.Doch! haben wir ihn nicht verloren; sondern, gleichwie die Gemeinschaft des Geistes durch den Tod nicht gebrochen wird; so können wir hoffen, ihn durch GOttes Barmherzigkeit in Christo bald wieder zu sehen. Amen! Was für eine Stütze ich insbesondere daran verliere, ist dir zum Theil bekannt. Nun, der HErr hats ,'A ich s' 01 !d!l 1« W. Pia»! kl; !> «W 21 ? HI. Theil. 67ster Brief. hats gegeben , der HErr hats genommen, der Name des HErrn sey gelobet! Nichts ist heilsamer und liebenswürdiger, als wenn uns Leben und Stütze außer GOtt genommen wird, weil wir dadurch sehr in GOtt gefördert werden können: die Geschöpfe thun uns also den größten Dienst, wenn sie uns abweisen zu GOtt. Nun sollte auf deine Fragen, dein Inwendiges betreffend, auch ein wenig antwor- WK, je,,: ich will und muß es kurz thun. Du Wd, fragest: worin besteht der Ausgang aus iZÄ sich selbst? In der Verschmähung und Ver- D i« gessung seiner selbst, und in der Ueberlaßung M an GOtt durch Glauben und Liebe, wie M«. über man sich darin? Durch eben dieses; MD das ist, daß man sich entweder wirksamer, s M oder leidender Weise verschmähe und vergesse, Wl und mit Liebe und Vertrauen zu GOtt sich ttch kehre, worin bestehet der Ueber oder OM Eingang in JEsum Christum? Und, wie gelanget man dabin? Erbestehet eben dar- hD in, worin der Ausgang aus sich selbst besie- Mc het; denn der Ausgang aus sich selbst ist der lkB Eingang in JEsum Christum; und der Ein- ch» gang in JEsum ist der Ausgang aus sich selbst. ^ Auch gelanget man dahin, durch eben den Weg, und zwar, bald, wenn man wirksa- W mer Weise sebr treu ist in der Selbstverlaug- nung, und leidender Weise sehr treu in der , E süßen Geduld, was sind für Hindernisse, § daß man insgemein so bald nicht dahin " « O 5 gelan- 218 Geistliche Briefe. gelanget? i) Die Selbstliebe, woraus Ver- ^ trauen auf sich selbst, Besehen seiner selbst, ^ Sorge für sich selbst, und Muthlosigkeit we- ^4 gen seiner selbst entstehen. 2) Die Zärtlich- keit, um welcher willen GOtt viele Seelen E nicht recht darf angreifen, aus Furcht (mensch- f!" lich zu reden,) daß sie zur Welt wiederkehren, iB ^ oder durch Muthlosigkeit verderben möchten. ^"7 woran liege es, daß, wenn man einiger S' maßen dahin gelanget, man nicht in JE- su Christo bleiber? Eben an der Selbstliebe A und ihren Früchten; denn stehe, lieber Bru- » M der! durch die Liebe gehen wir in eine Sache Än, ein; durch die Kreaturliebe in die Kreatur, durch die Selbstliebe in uns selbst, durch die »r Liebe GOttes in GOtt. Darum liebe, so M wird dir geholfen. Aber, wie komm ich dahin, daß ich liebe ? Antwort. Durch l«! Lieben, durch Bethen und durch Warten. Aber, ich fühle keine Liebe GVcres, son- ^ dern nur Selbstliebe, und finde mich ge- "lUj fangen in mir selbst. Antwort. Bekenne dein Nichts gerne; trage dein Elend vor GOtt mit süßem Vertrauen, und denke mehr an GOtt, und wie du ihn, den unendlich guten und großen GOtt lieben und loben sollst, als an dich selbst und an deine Elenden, selbige zu beklagen. Dieses Wenige, lieber Bruder! schreibe ich in Eil: vielleicht ist dirs nicht genugsam. Es ist wahr, ich könnte dirs begreiflicher vorstellen, und distmcter antworten: aber eben HI. Theil. 67ster Brief. riy Elk- eben das ist dir eine Hinderniß, und kommt M, aus dem Verderben, daß du alles so disiinct 'lk lve- und begreiflich haben willst. O! wie so wohl Ech- meynen wirs öfters zu begreifen, wie GOt- Ä» tes Führungen gehen! Und dennoch, wenn wir selbst in dasjenige kommen, 'was wir B», gelesen und begriffen haben, dann können >chüi, wirs nicht reimen; und wenn wirs ja reimen Migkk wollen, dann stehet uns öfters unser Begriff im Wege, und hindert uns an der Sache W selbst. Wir sollen deßwegen hauptsächlich E>» nur zu dem Ende lesen, um unser Herz zu Ech nähren, zu sammeln, und zu GOtt zu erhe- den; und im Verläugnen, Bethen und Lie-- rch di! ben uns so herzlich, als wir können, übend, !>e, ss uns und unfern Weg GOtt anbefehlen, ohne üi ich immer zu wollen sehen, wie und wo wir sind? W Amen! Mülheim, Op den i5-Iulii,i745. Der 68ste Brief. Don der Unfähigkeit der Vernunft in den Wegen GOttcs. In der Gnade unsers süßesten Heilandes vielgeliebter Bruder! c^ch grüße hierdurch brüderlich, und begehre ^ solches zu thun in der Kraft des Namens ^ s. JEsu Christi, und ihm alles Vergnügen in dessen Gemeinschaft zu zu wünschen. Wir wissen, (und gebe der HErr! daß wirs täg- ^ lieh aus Erfahrung gründlicher wissen mö- ^ gen) daß in dieser seligen Gemeinschaft allein ^ c Vergnügen, und was wir sonst suchen, zu finden sey. Wir sollen aber auch glauben und ^ wissen, daß es uns alles daselbst gerne gegön- net und geschenket werde. Gescheiter, sage W ich, in welchen Preis und Proceß sich die Vernunft, welche Jura studirt, sehr übel schicken kann. Den Rindern jsts mehr eigen, ? daß sie schenken und Geschenke annehmen kön- A- nen. JEsus mache uns zu solchen! dann ^ wirds uns nicht fehlen an irgend einem Gut. ^>i Mülheim, den iz.Aug. 1745. ^,1 r-H, -sch! Rift 22k « tzll» M Ä AI Der 6yste Brief. An ein von allerhand bösen Gedanken und Bildern angefochtenes Gemüth. Geliebte Freundinn und Schwester! ZEsus segne dich, und gebe dir Friede in ihm! c^ch sehe mitleidig, daß du eine geraume Zeit in Beänsiigungen gewesen, und mit bösen Gedanken und Bildern geplaget wirst. Nun, der Heiland ist unendlich mitleidiger, als ich Armer bin, und dennoch belegt er dich mit diesen Kreuzchen. Er thuts aber aus Liebe, und, wann er nicht erkennete, daß dirs gut und unumgänglich nöthig wäre, dann thät ers gewißlich nicht, denn er hat nicht Lust an unserer Plage. Weil aber unser Verderben so tief und manchfaltig ist, so muß er allerhand Wege und Mittel gebrauchen, uns zur Erkenntniß und Erlösung von diesem Verderben zu bringen. Da wir nun keinen Verstand davon haben, so ists sehr schön, daß wir chn nur mit uns machen laßen, und alles, in einfältiger Liebe, aus seiner Hand annehmen, was uns innerlich oder äußerlich überkommt, glaubend, daß durch seine Regi- rung 222 Geistliche Briefe. . rung uns alles zum Beßten dienen müße. ^ Wir sollen indessen nur ihn wollen lieben, ihm anzuhangen begehren, viel bethen, so ^ gur wir können, und gern alles thun, laßen und leiden, was wir glauben, ihm ange- ^ . nehm zu sepn: das klebrige gehöret ihm zu. Und so können wir ungestört wandeln, ^ und unser Heil von seiner Barmherzigkeit in N Christo erwarten. ^ Leide dann gern und ihm zu lieb die Be- ängsiigungen: dadurch kannst du jetzt GOtt am beßten gefallen. Ein kleines Kreuzchen tra- . gen, oder sonst ein einziges Mal seinen Sinn ^ und Willen brechen um GOttes willen, das ist GOtt gefälliger, als Offenbarungen haben. Laß dich die Bilder im Kopf nicht stö- 4-- ren; sie gehen dich nicht an, wenn du keinen Gefallen daran hast: vergiß und verachte alle solche Gedanken; oder aber trage sie, als ein Kreuzchen, mit möglichster Ruhe und Beug- z«s samkeit. Vor solchen Bildern zu erschrecken, EL ist der Mühe nicht wertst. Wer im Finstern wandelt, meynt bald dieß bald jenes zu seken, ^ und wanns Licht kommt, stehet er, daß nichts von dem Gesehenen da ist. So bist du jetzt -- auch im Finstern; darum traue allen furch- «ßni terlichen Vorstellungen nicht, welche wohl aus einer bloßen Verstellung des Leibes und Pj Geblüts entstehen können. Unser guter GOtt 4 ; ist uns auch im Finstern nahe. Er stehet zu, W wie wirs machen, und ob wir wollen aushal- ten? Laßet uns dann im Glauben an diese A„ 22? IH. Theil. 7oster Brief. >M seine Nahheit einfältig fortwandeln, und mehr liedkii, an ihn, als an uns selbst gedenken. Ich s, grüße dich herzlich, wie auch deinen Bru- , Ich» der und Schwiegerinn; auch grüße meinet-- SW- wegen die Frau N. Ihr wünsche ich auch die Gnade, sich selbst sehr zu vergessen, um sich An, nur zu beschäfftigen mit dem, der uns im Herzen so nahe kommt, um uns zu lieben, zu besuchen, und nach seinem Herzen zu dich bereiten. — Verbleibe Ei» Mülheim, geneigter Mitpilger, nchj den 12. Oct. 1745. W- kem W D, -X!« Der 7oste Brief. Anweisung zur kindlichen Liebe und Einfalt gegen GOtt. Etwas über Hos. ro, io. Herzlich geliebte Schwester! »-Ein Kind liebet den Vater, hält sich zj, bei ihm, sichet ihn nur an mit Vergnügen, „ß und mit der zärtlichsten Neigung, ihm in al- " ^ lem zu gefallen; und das ist alles, wovon es M weiß. Weil es aber ein Kind ist, so stolpern ^ seine schwachen Füße unterm Gehen, und « es fiel wohl gar, wenn es nicht vom Vater ^ Sehalten würde. Ja wirklich, es fället, es 224 Geistliche Briefe. Lhut sich weh, es weinet so eben; der Vater § hebt es auf, gibt ihm einen Kuß, und es )D lächelt wieder mit thränenden Augen, und A über der Liebe des Vaters vergißt es seines B Falles; da inzwischen der gütigste Vater ihm B den Schmutz, den es unterm Fallen möchte zB bekommen haben, vom Kleid und Angesicht L abwischet. Will das dumme Kind solches selbst W thun, dann wischt es oft den Koth übers ganze I l Kleid und Angesicht, und es kostet dann dop, pelte Mühe. Inzwischen geht das Kind wieder mit seinem Vater fort, und wenn der W Vater sagt: Du mußt vorsichtig gehen; dann ^ sagrs nach seiner kindlichen Herzlichkeit: Ja, liever Vater! ich wills gut machen. Indessen bleibt es ein Kind, und weiß von keiner eige- ^ nen Vorsichtigkeit. Den Vater lieben und anseben ist ferne ganze Runst, welche Gestalt dem Vater so überaus wohl gefällt, daß er vorsichtig ist für das Kind, und dem- dir y selben alle seine Fehler nicht anrechnet.- Nun soll ich dir noch einen Ty't erklären, M welches wegen meines schwachen Haupts nur ^ kurz machen will. Hos. io, ro. Wenn eine " Seele die zwiefache Sünde, Jerem. 2, iz. begangen hat, wie dann wir und ganz Israel Schuld daran sind, dann läßt GOlt viel Völker, das ist Heiden, nämlich allerhand N heidnische Gedanken, Lust und Hornbe- ^ Zierden und andere Versuchungskräfte in und über die Seele sich empören, und sich D über ihr versammeln, um sie zu züch- ^ » riaen. i sk« kt ihm W W klSD!! III. Theil. 7ister Brief. 225 «gen. Damit aber die Seele dabei nicht furchtsam noch muchlos darunter werden soll, so versichert GOtt, die Feinde werden sie nicht züchtigen können, nach ihrem Wunsch, zum Schaden und Verderben, sondern nach seinem Wunsch , zur Besserung. Ja, Er, der HErr selbst, sey es, der solches Züchtigen thue, und nicht eigentlich diese Völker oder Heiden. Verbleibe Ä» Dein Mülheim, verbundener Bruder, den 8 . Dec. 1745. W°! Re>^ -- -——" ' - . kN l»li Der 7iste Brief. ^ Die Herrlichkeit KOttes so den Menschen im Stande der Unschuld bekleidet, ist durch den ^ Fall verloren, durch JEsum wieder hervor ' gebracht, und wie solche nun in ihm zu finden sey. dÄ Herzlich geliebter Bruder! W» HAie ich mich niedersetzte, um dir wegen des M ^ geschenkten Tuchs, zu einem Kleide für mich, meine schuldige Erkenntlichkeit zu be- O j zeugen, da fiel mir zwar das große Wort Bst unsers Heilandes ein: Ich bin nackend ge- ^ wesen, und ihr habt mich bekleidet. Es r/ Zweit. B. ill, Th. P wollte 226 Geistliche Briefe. wollte sich aber auf mich nicht schicken, weil ich noch ein Röcklein hatte, meine leibliche Nacktheit zu bedecken. Inzwischen was du einem der Geringsten dieses Heilandes hast E thun wollen, und noch weit mehr ist, als ^ ein Trunk kalten Wassers, das sey ihm ein angenehmes Opfer, und werde niit was M Wesenrlichers vergolten! Denn bei diesen W Gedanken, daß ich doch noch nicht na- W ckend gewesen, fiel mir ins Gemürh der se- lige Stand der Unschuld, worin uns GOtt erschaffen, da der Glanz der Herrlichkeit GOttes nicht nur den inneren Menschen M bekleidete, sondern auch den reinen Körper M durchdrang, und mit englischer Klarheit zier- Ä i re; so daß nichts Nacktes am ganzen Men- sehen war. Da wir nun nach dem Fall U einen geringen Rock zum Schanddeckel nö- W rhig haben, womit doch nur die leibliche, M aber nicht die geistliche Nacktheit bedeckt W wird; ol wie mehr als nackend, schändliche^ und abscheulich sehen wir vor GOtt und sei- MH nen Heiligen in der Natur aus, nachdem M uns, durch die Abweichung von GOtt, das Kleid der Herrlichkeit GOttes entfallen ist! M O Jammer und unaussprechliche Schande, die auf den Menschen gefallen ist! Wer sollte sich nicht darnach sehnen, bel Leibesleben wieder überkleidet zu werden mir dem ver- lorenen Lichtskleid? damit er nicht dermal- eins bloß erfunden werde. 2 Cor. 5,2-5. Dazu ist Rath, nachdem GOtt in Christo III. Theil. -lster Brief. 227 sich seiner Herrlichkeit entäußert, und solche Ml durch seine Menschwerdung wieder in unsere W H Menschheit eingesühret hat. Er ist uns nahe ^ ^s> im Herzen. Ihm ergeben wir uns ganz. als An ihn kehren wir uns mir ganzem Wil- l"!Hillen Und ganzer Liebesneigung ein. Je Ritz! nackter und schändlicher wir uns finden, desto du diäl demüthiger und vertraulicher suchen wir uns Äu» jn ihm zu verbergen, und seines Geistes Wir- kungen zu erwarten, und Raum zu laßen. iE» Dieser Geist ist ein Geist der Herrlichkeit 1 M>und der Geist G-Ottes, der uns sodann Nmlt« durchdringet und erneutet. Je ausgekehrter »Äks«je finsterer sind wir. Wer viel im inneren chik z« Gebet!) und Anschauung dcr Gegenwart kü M» G-Ottes lebet, der wird klar, licht und schön/ m Klsr Lor. r8.) daß öfters so gar andere Mm Menschen so was merken und fühlen können- M es ruhe der Geist der Herrlichkeit über einer illlBsolchen Seele; (1 Petr. 4, 14.) ob sie gleich M nicht wissen, was es ist. Und wenn wir »st diesem herrlichen und herrlichmachenden Geist , Dder Liebe JEsu in uns Raum laßen, siehe- MZdann haben wir hier und ewig Kleides und Dt Zierctths genug; denn auch um dieser gehei- , AB men Pracht des Geistes willen wird er auch Hß einmal unsern verblichenen Körper wieder le- ^M bendig machen, (Röm. 8, n.) und ihn M wieder ganz und ewig mit dieser Herrlichkeit bekleiden. ,, Siehe, lieber Bruder! um dieses Kleid bettle ich täglich; und daß solches auch dik P 2 wesentt 228 Geistliche Briefe. wesentlich geschenket werde, wünschet aus^i innigster Begierde Dein ijd Mülheim, den 9. Dec. 1745. verbundener schwacher^ Mitbruder. ^ Der 72ste Brief. «suli Was wahre Abgeschiedenheit sey, und wie mau » dazu gelange. ^ In JEsu herzlich geliebte Schwester!*- H>u fragest, was die wahre Abgeschie-D denheit sey? Und, wie du am erstenM und beßren dazu gelangen könnest? Einem lki wichtige hohe Frage, dk ein Heiliger schwer-ch>> lich mit Worten würde beantworten; vielwe-ch annehmlichkeit oder Abgeschiedenheit führen, ohne daß du oft selber dran denkest. Gey denn in allem ganz getrost und ohne Sorge, mein liebes Kind! denn der f tz HErr liebet dich. Vergiß dich, und deine ß-U Beschaffenheiten sehr, um nur den anzuse- M hen, in welchem alle gute Beschaffenheiten sind, ja der alles Gute wesentlich ist. !k, var-Ich grüße dich herzlich in der Liebe Ü!ik kc JEsu; wie auch meine Hausgenossen und auch, k dere Kinder thun. Wir grüßen mit eben st dem Herzen deinen lieben Bruder und Schwell A ster, die mir viel im Gemüthe sind. Ich muß M schließen, weil es gar spat, und ich ermü- det bin. >N- Dein Mülheim, verbundener Bruder, dm 9. März, 1746. 2Z- »»Hü! Der 7zste Brief. Erbaulicher Bericht von einem kranken Bruder. Herzlich geliebter Bruder! hierdurch habe mit Wenigem Nachricht ge- ^ ben wollen, wie sichs mit unserem lieben Patienten, dem Bruder H., seitdem ich letzt geschrieben, verhalten hat. Es hat nämlich der Schade noch als immer zugenommen, so daß ein Stück nach dem andern erstorben, und weggenommen werden mäßen; und ist seit- etlichen Tagen alles zu einer einzigen großes Wunde geworden, die man schwerlich mit einem ganzen Bogen Papier würde bedecken' können, frißt auch immer mehr in die Tiefe' und Breite fort, daß mans fast völlig den' kalten Brand nennen kann. Es stehet so miserabel aus, und riechet so übel, daß man beherzt seyn muß, es offen zu machen.-- Wir^ wiffen nicht, was der HErr vor hat. Natürlich zu reden, könnte es noch etliche Tage währen , und auch wohl bald zu Ende gehen, falls der kalte Brand (wie es gestern schien) völlig dazu schlagen sollte. Unser Kranker ist durch GOttes Güte sehr gelaßen , still und kindlich mit demüthir gem Vertrauen, wartend auf die Stunde seiner HI. Theil. 7Zster Brief. 2zz seiner Auflösung, wornach er verlanget. Ich fragte: Ob er, der Leiden und Schmerzen wegen, nach der Auflösung verlangte? Er antwortete: Nein! sondern um von der Hin- Derniß und Last des eienden Körpers frei zu werden. Gelobet sep das Dreieinige Lie- beswesen ! sagt' er ein ander mal. Ich mußte ihm gestern etliche Verse aus dem 71. Psalm tzß vorlesen, die er auf sich applicirte; auch sagte er auf mein Fragen: Ich glaube, daß GDtk iltzk mein GO" ist. Von seiner ihm sonst so liitz eigen gewesenen Furcht, sagte er, habe ihn der HErr erlöset, wofür ich dem HErrn mit danken möchte. David und Hiob , sagte er st sE chnlängst, klagen so viel hin und wieder über M bre Leiden; das darf ich doch wohl nicht so h M hun? Ich antwortete: Du und ich haben M auch weniger Ursache, uns zu beklagen. Hiob M hatte gerecht ge leb et, darum konnte er sich nicht stracks finden; wir aber haben keine Ge- ^ rechtigkeit rc. worauf er anfing zu weinen, .c»,. und sagte: weg mir der eigenen Gerechrigs keic! Cr fragte': Darf ich nicht bitten und bitten laßen, daß der liebe HErr mir einige . ^ Linderung der Schmerzen gebe, wenns ihm beliebet? Ich bejahrte solches, und hat der l . liebe Bruder auch ersucht - daß ihr dortige Mitbrüder für ibn bitten möget, daß der HErr ihn unterstützen, und sein Werk in ihm K« vollenden möge! iD Ich schreibe dieses in des Patienten Stu- de, und laßt er euch alle noch herzbrüderlich sis? P 5 grüßen. LZ4 Geistliche Briefe. grüßen, und Abschied nehmen auf W selige ^ Ewigkeit, wo er euch vor GOttes Angesicht wieder zu finden hoffet. Der Anfänger und Vollender des Glaubens stärke und erhalte unfern lieben Bruder in diesem Glauben bis D>> ans Ende, und bereite uns in den kurzen noch übrigen Tagen unserer Fremdlingschaft ^ auf diese selige und herrliche Hoffnung der Barmherzigkeit unsers HErrn JEsu Chrlsti, ^ l zum ewigen Leben, Amen! Juda F. 20. UNd 2!. Ich grüße die sämmtliche Brüderschaft ö' dorten, und bleibe durch Gnade ^ Dein und der übrigen ^ Mülheim, geringes Mitglied. den 29. Julii, 1746. ^ !§Ü >;ki dN tz Der 2z; chllr >!»b>S Off Der 74-ste Brief. Erbauliche Unterredung mit dem sterbenden Bru» der H. nebst einer wichtigen Erinnerung an die Freunde zu C. M Zn der Gnade IEsu herzlich geliebter Bruder! F>ein Angenehmes, vom yten dieses, habe ^ jch scnnml den Einschlüssen richtig erhalten; da ich nun auch eben am selbigen Tage dorthin, an den Freund N. von den Umständen unsers lieben Bruders H. Nachricht . gegeben, und man auch seinen Uebergang täg- d lich erwartete, als habe, weil auch selber schwach und matt war, vorigen Posttag nicht wieder Antwort gegeben. Durch diese Zeilen berichte ich dann, daß es dem HErrn in Gnaden gefallen, die Bande seines tödtlichen Lebens Samstags, den rzten Abends um io Uhr, aufzulösen, und durch einen sanften Uebergang in die Ewigkeit seinem so langwierigen Leiden ein Ende zu machen; wonach er sehnlich und gläubig verlanget hatte. Des Vormittags, da er scbon gar nichts mehr zu sich nahm, und daker wegen Steifigkeit der Zunge kaum ein Wort mehr Hervorbringen konnte, fragte ich ihn noch um seinen inneren Zustand, ob er ft nach 2Z6 Geistliche Briefe. nach dem Geist in Ruhe wäre ? Und, ob er ^ glaubte, daß der GOtt, der ihm so viele ^ Barmherzigkeiten erwiesen, ihn durch das Blut seines Sohnes IEsu so theuer erlöset, und in Gnaden zu sich gezogen hätte, es O nun auch endlich gut und herrlich mit ihm M hinausführen würde? Er antwortete: Ja. B Ich hatte Nachmittags Gelegenheit und JA Trieb, ihm mehr als sonst zuzureden, zur M' Stärkung im Glauben und in der Liebe, ob er gleich ruhig lag. Anfangs fragte ich: ^ ob er mich noch verstände? Er sagte: voll- ^ kommen; und auf alles antwortete er mit vieler Bemühung, Ja oder Amen. Ich will doch einfältig das Letzte hersetzen, so mich noch erinnern kann, mit ihm gesprochen zu § haben, nämlich: „ Nun ist der Heiland ganz U „ nahe, mein Bruder! Sep getrost, er kommt, h d, „dich zu sich zu nehmen aus allem Elend ^ „und Bedrängniß. Gehe zu ihm hin im Pw „Frieden, und übergib deinen Geist in seine ^ „ treue Hand! Laß dich hinsinken in die Arme M „seiner ewigen Liebe! Dein Geist spricht: „Komm! JEsus spricht: Ja ich komme „ bald. Amen! Ja, komm HErr IEsu!" Darauf sagte der Sterbende mit Nachdruck, Amen! Ueber etliche Augenblicke sagte ich: „Preis, Ehre, Anbethung, Liebe und Lob ^ „sep GOtt und dem Lamme, das für uns „geschlachtet ist, und auch für dich den Tod L „hat wollen schmäcken und überwinden!" 'k» > Viklk G, !». !>l ltz l, M Mich! kivL 5 MI chM ich zu W! ÄÄ kV lff' M. Theil. 74ster Brief. noch: „JEsu! in dich glaub ich." Der Sterbende antwortete Amen! „JEsu! dich „liebe ich. JEsu! dich bethe ich an. JEsu! „in deine Hände will ich niederlegen meinen „Geist." Das er jedesmal mit einem Amen, und letzteres mit einem wiederholten Amen beantwortete. Ungefähr um 8 Uhr Abends geriet!) er in eine kurze Fieberoder Todesbenautb.'it, und wollte gerade geleget seyn, welches man anfänglich aus Mangel der Sprache nicht verstehen konnte; wie mans aber endlich getroffen hatte, da fiel er wie in einen guten natürlichen Schlaf, so daß man auf die Gedanken gerietst, ob er nicht auch selbige Nacht noch durchbringen möchte. Weil nun auch drei andere Brüder, nebst seiner Nichte A. da waren, so drang man mich immer, nach Hause zu gehen, weil ich selbst ein Paar Tage schwach gewesen; ich ward aber inwendig gehallen, und wie ich nach halb zehn Uhr dem Bette naher trat, ward ich gewahr, daß er so sanfte in den Tod würde entschlafen, weß- wegen ich mit den Umstehenden ihn durch einen Seufzer GOtt,- seinem Ursprung und Erlöser nochmals aufopferte, da er dann mit dem Gebeth auch sein zeitliches Leben endigte, wie es bald zehn Uhr war, und er siebenzig Jahr und sieben Monath in dieser elenden Hütte gewallet hatte. Der verstorbene Bruder, dessen verblichener Körper morgen, als Mittwoch, in die Erde 2Z8 Geistliche Briefe. -l, ^ Erde Wird hingesäet werden, um nächstens als guter Weitzen wieder aus der Erde het- vor zu grünen, dar begehret, daß ich auch E, euch dortigen Brüdern und guten Bekann- ^ ten seinen Hingang möchte bekannt machen, und ersuchen, daß ihr dem HErrn möchtet danken für alle ihm erwiesene Gnaden, und E daß er ihn auch endlich aus allem Elende durch einen gläubigen T.'o erlöset hätte. Er ^ bedanket alle Freunde für alle von ihnen je il«, genossene Liebe uud brüderliche Freundschaft, ihnen von Herzen zuwünschend allen gött- M liehen Einfluß, um zubereitek und vollendet i», zu werden in der Gnade, zur ewigen Herr- W lichkeit GOttes. Dieses sind seine eigene M Worte> die er mir gesagt hat. Es hat auch C. die treugemeynte Ermah- D Nungen dieses unsers Bruders viele Jahre Mi öffentlich und insbesonder gehöret. Gebe ^ GOtt! daß es nicht bei allen fruchtlos sey. ^ Einmal, der HErr wird bald kommen und ^ sehen, ob der Feigenbaum auch Frucht M habe, den er schon manches Jahr besuchet, verschonet und bedünget hat? Luc. i?. Ein ^ jeder von uns nehme es für sich zu Herzen! ^ So wohl alle innere Ueberzeugungen und Gnadenrührungen, als auch ein jegliches GOtteswort / so uns zu Ohren , oder schriftlich zu Gesichte kommt, ist uns ein Zeugniß; es muß nicht leer wieder zurückkeh- H ten, das ist den armen Herzen gar nicht gut. Ich wünsche dann vor GOttes Angesicht, m. Theil. 74ster Brief. 2Z9 gesicht, daß auch aus C. wo möglich, nicht ein einziger möge vermisset, sondern alle dem h mch verstorbenen Bruder dermaleins vor GOttes Ä» Angesicht wieder mögen zugefüger werden! «tzn, Könnten wir ihn aus der Ewigkeit noch ein- mal zu uns reden hören; gewiß! sein Zeug- niß würde zwar nicht geändert, aber unver- Ach gleichlich wichtiger seyn: denn so sagte er lü. h schon einmal in der Krankheit zu mir: Daß hk»j, alles, was er vorhin von der Wahrheit ge- M redet und eingesehen, ihm nur noch wie ü D Buchstaben vorkäme, in Vergleichung mit ck« dem, so ihm jetzt in der Krankheit davon Di« aufgeschlossen würbe. V Wegen Kürze der Zeit muß ich hiemit abbrechen. JEsus herrsche und lebe immer V« völliger in uns, und ziehe unfern Geist von r D allem Sichtbaren kräftig ins himmlische We- > ^ stn hinein! Ich grüße euer ganzes Haus, Wh alle gute Bekannten, und mit einem Wort Wk« die ganze C. Gemeine, wie du weißt. Meine ch D Hausgenossen , und andere gute Freunde, E auch des Bruders H>. Nichte A. grüßen alle gleichfalls. Bethet auch für mich! Die Gnade GOttes und sein göttlicher Friede mit uns! In ihm bleibe Mülbeim, schwacher Mitbruder. A d-n iS. Aug. I74-- L4S Geistliche Briefe» ?. 8. Ich ersuche den Inhalt allen bekann- ? ten Freunden, nebst meinem herzlichen Gruß zu communiciren. Zween Tage vor des lieben ^ Bruders Absteiben fragte ich: ob er noch ^ viel Schmerzen und Ungemach fühlte? Er sagte: Ja, es ist kein Plätzchen am Leibe frei ^ von Schmerzen; sonderlich Hab' ich inwen- dig großen Brand, und dann leide viel am ^ Rucken, (der ganz wund gelegen war) und ^ an andern Orten. Ich fragte weiter: Wie gehet dirs dann mit der Gelaßenheit? Gibt W dann der HErr auch noch genügsame Ge- D. duld? Worauf er antwortete: Ep ja! das Ml! hoffe ich. »ni, / ' Ä-is «schü- . >.,>>,,.>>>>.>.>.>. > . 7 Mil! Der 7zste Brief. ^ Daß man im Gegenwärtigen alles KOtt thm ^ und leiden, und nicht auf die Veränderen >!> dieser oder jener Umstände warten mäße. „x id! In der Gnade JEsu herzlich geliebter «8 Bruder! ch t?>ein angenehmes Schreiben vom 2 stm ^ Marlii habe ziemlich spat, dennoch rieh- kig erhalten. Den Inhalt desselben hätte zwar M sonst, nach GOttes Willen erfreulicher ge- j,, wünschet, denn ich sehe daraus deine be- schwerliche Leibesconstitution.- CinS L Hl. Lheil. 7;sier Brief. 241 üÄtz Eines mit dem andern afficiret mich, und " ich nehme von Herzen Theil an deinen Leiden Aliwn, und Lasten, werde auch öfters daran erinnert, tr mch sowohl diese deine Leiden und Lasten, als auch t? Er ins besondere den Zustand deines Gemüths, iidchj unserm liebsten JEsu, dem Eigenrhums- Herrn und GDtt unsers Herzens, innigst auf- K>N zuopfern: daß er dich unter und m dem «ft«) allem durch seine günstige Nahheit bewahre, ir:N befördere und heransführe zu seinem Lob! I? M Dieses kann der HErc, und dieses will der M 8i- HErr; und die Herzenskinder sollens ja nie M vergessen, daß ihr alles-regirender Vater in allem, was er ihnen begegnen läßet, nichts anders beäuge, als nur, daß er sie möge klein —st , und rein, und seiner innigsten Vereinigung fähig machen. Was man dann nicht ändern oder entweichen kann, muß man getrost von seiner Vatershand und Direktion annehmen; chm allein alles lhun und alles leiden, so gut 'd stille, als man kann; ihm sich selbst und ch, ne Sachen kindlich anbefehlen und Zutrauen, ad bei aller Unruh und Manchfaltigkeit kurz M «m Gegenwärtigen bleiben, und die Herzens- ^ einkehr und Andacht bestmöglich üben und bewahren. Denn das ist ein Betrug, den der Feind einschiebet, wenn man mepnet, man könne nicht recht nach seinem inneren Ruf GOtt dienen, als bis man aus diesen und jenen gegenwärtigen Umstanden heraus wäre, da wir doch noch nicht heraus können; wodurch es dann geschieht, daß man seine Last " ^ Zweit. L>. m. Th. Ä mw 242 Geistliche Briefe. nur verdoppelt, mürrisch und verdunkelt wird, D und nach GOttes Absicht vom Gegenwärti- ^ gen den rechten Nutzen nicht hat, und doch AÜ darin aushalten muß. Wir sollen alle Manchfaltigkeit und alle B Gelegenheit zur Verstreuung und Abziehung möglichst meiden und entweichen; das wird lll aber nicht zu aller Zeit, noch einem jeden ver- gönnet. Wir müßen manche Schule durchgehen ; und da muß mans machen, wie ge- sagt ist. » Alles GOtte thun mit inniger lauterer v Abjlcht, das ist die rechte Goldmacherkunst, " da ein jeglicher Koth (daß ich so rede) unter „ unserer Hand in das feinste Gold eines wah- ren GOtresdienstes, und der bitterste Wer- j> muth in süßen Zucker verwandelt wird. Die ß liebe Noth hat mich seit vielen Jahren auf diese L Spur gebracht, mein Bruder! wiewohl ich ! noch ein Stümpler bin. Getrost denn nur uns selbst dabei gewagt! Was ist an uns gelegen? Wird nur unser GOtr und Freund contentiret, und auch in uns geliebt und ge- ehret, dann mags über den alten Esel immer hergehen. Der Geist dringe und senke sich unter allem nur so viel inniger in seinen Ursprung hinein, bis die Fessel dieses elenden Leibes und Lebens vollends abfallen! Nun ich schreibe wieder aus Liebe zu viel. Sollte und wollte hiedurch nur berichten, sowohl an dich und deine Mutter, als auch den lieben Bruded 9k. zu Frankfurt, daß es GOtt 24Z 'KitU, >Mtz, !er Im rß W» iiv> Ä «W E lN>r ßm« Hl. Theil. 7?ster Brief. GOtt gefallen hat, den lieben Bruder H. den dreizehnten dieses Monaths, Abends um zehn Uhr, nach einer vierteljährigen Krankheit, durch einen gläubigen Tod aus dem Leibeskerker zu erlösen.- Mülbeitti, den zo. Aug. 1746. IW. Hier folget nun noch ein umständlicher Bericht von der Krankheit, rc, dieses Bruders; wovon wir aber dem Leser, um ihn mit keinen unnöthigen Wiederholungen aufzubalten, nur noch folgende zwei wichtige Ausdrücke mitzu- theilen haben, die der sel. Verstorbene in seiner Krankheit auch noch gethan, und in den zween vorhergehenden Briefen nicht zu finden find, nämlich: Es ist nichts mehr zwischen GOtt und meiner Seele; und; Ich glaube, wann dieser beschwerliche elende Körper wird hingefallen seyn, daß dann mein Geist seht, ta sehr zu GOtt nahen werde. 244 Der 76ste Brief. Gedanken über einen Verstorbenen. Auf was M Weise ein jeder seinen Ruf erkennen, und das W Ziel seiner Berufung erreichen müße. In der Gnade IEsu vielgeliebter Bruder! Nachricht vom plötzlichen Hingang ^ nnsers Freunds N. hatte ich nicht nur schon von weitem mündlich bekommen, sondern die Witkwe des Verstorbenen berichtete mirs auch mit der Post; worauf jetzt antworte, und auch den nachgebliebenen Kindern ein Wort zur Erinnerung gebe, weil mir selbige so sehr anliegen: dennoch war mir auch dein Brieflein angenehm, weil ich daraus einige nähere Umstände von diesem Absterben ersehen können. Die ewige Liebe wirds gut mit ihm machen. In des Vaters Hause sind viel Wohnungen; und nicht alle Gefäße in einem Hause sind von einerlei Gattung und Würde; doch alle haben ihren Gebrauch. Dieser liebe Verstorbene hat sein Gutes gehabt, welches zu lieben, zu achten und nachzusolgen ist. Uebrigens kann sich ein Kind GOttes nicht in allen Stücken nach dem andern abmessen. Mich deucht, wenn wir der Uebung des Gebeths und stillen Wahrnehmung des Herzens obzuliegen nicht ver- Ä sff i!N 24 ? IH. Theil. 76ster Brief. SIIlMMi « » Pi» E versäumen, dann kann ein jeder schon seinen Ruf und das Ziel seiner Berufung erkennen, welches Ziel er auch erreichen muß, wo anders der Geist in Zeit und Ewigkeit zur Ruhe kommen soll. Vielleicht kommt ein anderer mit Wenigerm zur Ruhe, daß also dessen Ziel, Ruf und Fähigkeit oder Hunger sich nicht so weit erstrecket. Je höherer Ruf, desto größeres Vorrecht; aber auch desto höhere Verpflichtungen. Wie nöthig ist es dann, innebleiben und seines Rufs wahrnehmen und warten, damit wir unser Ziel erreichen! Und hätten wirs gleich vor unsers Leibes Auflösung erreicht, so würden wir darum nicht dörfen still stehen, sondern eine noch größere Fähigkeit bekommen, denn GOtt ist unendlich, und seine Mittheilung erweitert das Herz immer mehr, rc. Doch ich rede so was kindisch hin. Ich wollte nur so viel sagen: Wir mäßen treu seyn an GOtt, und nicht zu genau nach den Zuständen anderer uns richten. Mülheim, den 2. Sept. 1746. S46 Der 77ste Brief. Brüderliches Aufweckungsschreiben. D Herzlich geliebter Bruder! i §Meil der liebe Bruder mir eine Zeither so ^ oft ins Andenken gekommen, so wollte mit dieser Gelegenheit doch herzlich grüßen, und mich nach seinem und .seiner geliebten Schwester Zustand erkundigen Wie gehts auf dem Pilgerwege? Halten wir unser seliges Ziel noch unverrückt im Auge? Werden wir Uk auch matt oder verdrossen bei der Nacht, t Kälte und anderem Ungemach? Plagen wir » UNs auch 3veL un rerreur parncjue Lc louc/ i Lnurile, (mit einer eitlen Furcht und vergeblicher Sorge) wegen einiger Schwachheit und der Feinde Macht? -Ober, trauen wirs dem zu, der uns berufen hat? Will der liebe Bruder mir mündlich Antwort bringen, wird ? mirs um so viel lieber seyn, * Die lange und schmerzliche Krankheit, U und den erfolgten Abschied unsers lieben tz Bruders H. wird er vernommen haben. Selbige Umstände und deren Lonle^uenren ^ haben alle meine Zeit und Kräfte erfodert; sonst hätte schon eher ein Grußbrieflein geschrie- den, denn mich deucht, wir müßen einander ^ ja 247 >!k! Mutz >,sech r Dis WM »skrD lilPM c ^ l« M«! Zßkr!« «iI rM E HI. Theil. 78ster Brief. ja nicht fremde werden. Ich liebe ihn, und verspreche mir eben das von des lieben Bruders Seite. Es sey nur unser Herz ganz für GOtt, und auch kindlich und offen gegen einander! — Es herrsche und lebe JEsus völlig in uns! Mülheim, den 4. Sept. 1746. Ho» Der 78ste Brief. Die Krankheit einer Freundinn hält des Schreibers persönlichen Besuch von Freunden zurück, welche er GOtt durchs Gcbeth aufopfert und züm Ernst ermuntert. In der Gnade JEsu vielgeliebter Bruder! ^>ein angenehmes Zuschreiben vom rzsten —^ pass., und die gar zu freundliche Ausnö- thigung und Anerbietung von euern werthen Aeltern und euch, muß ich dann doch endlich mit der Feder beantworten; da ich sehe, daß solches, persönlich zu thun, göttliche Vorsehung nicht zulaßen will. Die Umstande und Gefolgen der langwierigen Krankheit und des erfolgten Sterbens des lieben Bruders H. machten, daß ich, Q 4 nach- 248 Geistliche Briefe. nachdem es alles vorbei war, ziemlich zu ^ thun fand. Jetzt bindet mich die Liebe aber- mals, daß keine Freiheit auszureisen finden ^ kann, wegen der zunehmenden Krankheit. B« unserer Freundinn, der Hausfrau von H. K. ^ Sie scheinet nun völlig die Lungensucht zu i«, haben, und muß fast den ganzen Tag schon B liegen. Da man dann nichts anders als ein !«« Eilen zum Uebergang in die Ewigkeit vor !>>»> Augen siebet; so darf ich ihr meine geringe M Liebesdienste, und das Vergnügen, so sie in k» meinem Zuspruch zu finden glaubet, nicht « entziehen. Sonst leider sie mit vieler Geduld, Der und ist, bis hierzu, zu allem Willen GOttes ff übergeben, wünschend nichts, als vor ihrem Ende völlig zubereitet, und von aller Aus- «»< schweifung in Sinnen und Vernunft abge- P schieden, und zu GOtt im Geist gesammelt Ich zu werden. Sie und ihr Haus laßen dich, m> deinen Bruder und Aeltern herzlich grüßen. die Uebrigens kann ich sagen, daß mirs er- ui» quicklich würde gewesen seyn, daselbst einige N Tage mich zu reliriren; denn ich bin von eurer lich und eurer lieben Aeltern Neigung völlig über- D zeugt, ob ich mich gleich keiner Liebe werth achte, k Ich liebe auch euch sammtlich in dem HErrn, «>! und euer Zustand ist mir nicht gleichgültig ; ich j>r weiß aber eure Liebe zu mir nicht besser zu beantworten, und die meine zu euch allen tz nicht besser zu bezeugen, als daß ich euch in i>r meinem schwachen Gebeth dem HErrn auf- !», opfere, daß Er euch kräftig ergreifen, zu sich N, ziehen, III. Theil. 78ster Brief. 24- >W, Ne ^ jich. ^zsihki "»WlU k»I! g!IH ", hßl vor ihkE allkt A»s- üiß sbgü chllH Oft« zMltk M" W«°n ziehen, und zu Menschen nach seinem Herzen machen wolle; damit dieses seligste Liebeswesen ewiges Vergnügen in uns, und wir hinwiederum in ihm allein, und auch einer am andern haben möge. Dergestalt opfere ich euch alle, noch unterm Schreiben, unserem guten GOtt auf vor seinem Angesicht. HErr! du wunderbarer, alles regnender G2)"! deine Ltebesdirecrion bar uns in dieser fremden Welt mir einander bekannt werden laßen; es sey zum Segen und zu deiner Verherrlichung in uus! Rann ich dem Verlangen der lieben Freunde kein Genügen leisten, sie dießmal persönlich zu besuchen, ach! so besuche du an meine Srare alle Herzen dieses Hauses mir deiner kräfs tigwirkenden Gnade, Segen und göttlichem Frieden! Entreiß sie, samme mir, völlig ihnen selbst, und dem Betrug dieser Eirelkeir, um dir ergeben zu sepn unverrückc, und noch hier zu erfahren die Glückseligkeiten deines Dienstes, und göttlicher Gemeinschaft, Amen, IEsu! Uebri- gens, lieber Bruder! erstiche ich, deinen lieben Vater und deiner lieben Mutter nebst meinem herzlichen Gruß meine Erkenntlichkeit für ikre geneigte Ausnöthigung zu bezeugen. Nichts wird mich so sehr erfreuen, als wenn ich gute Nachrichten von ihrem Ernst in der wahren GOttseligkeit vernehme. Sie werden alt, und ich bin und werde schwach. Bald ists Abend, und wir sind noch wenig L) 5 avgii- 250 Geistliche Briefe. avancirt; darum haben wir alle Ursache den ^ Schlafaus den Augen zu wischen, und unser Hauptwerk ernstlicher vorzunehmen. Die sichtbare Phantastereien werden bald wie ein Traum verschwunden seyn; warum sollten wir uns länger darnach umsehen? Laßet uns r» auch einmal anfangen, für unfern GHrr zu leben, der uns so liebreich zu sich hinein ruft, tzd und uns gerne aufnehmen und wesentlich ver- ' ^ gnügen will in Ewigkeit, wo wir uns nur in seine Arme hinein werfen. Nun, ich wünsche ick ihnen und uns miteinander die Erfahrung dieser ^ c Seligkeit. Der HErr selbst preise sich unfern m Herzen an, und verbittere uns alles Uebrige! jm, Daß sichs mit deiner Unpäßlichkeit wieder was gebessert, ist mir lieb. Es mäße alles U zum Guten Mitwirken! Einträchtige Leibes-- M bewegung und ein ruhiges Gemüth in der M völligen Ergebung an GOtt rathe mehr an, ^ als vieles Mediciniren. Ich grüße nochmals gar herzlich deine liebe Aeltern, dich und dei- U nen Bruder, und bleibe ^ Mülheim, verbundener Mitpilger. >I> den is. Sept. 1746. !l» s;i 7-y>« llüjkl L Der 79ste Brief. kMR Exbaulicher Bericht vom Krankscyn und Sterben kl Ri der Ehefrau H. K. A In der Gnade JEsu herzlich geliebter Bruder! Ach hiedurch muß ich dir und deinem Hause, und auch, durch dich, unfern lieben Mitglie- HO« Hern in S. und eurer Gegend, bekannt ma- W! chen, daß es dem HErrn gefallen hat, unsere Mchebe Schwester K. verwichenen Sonntag ßtcks Abends, ein wenig nach neun Uhr, aus dem Ml elenden Gefängnis ihres Leibes zu sich über zu in der nehmen, da wir eben ihre Seele durchs Geck M, beth aus unfern Händen in die treue Hand ihres Erlösers niederlegten. Ein kleines halb M Stündchen vorher hatte ich auch mit ihr und j den Umstehenden gebethet, welches sie noch völlig verstanden, befestiget, und ihr gläubiges Vertrauen zu GOtt in Christo dabei aus- .M,! gedrückt hatte; das letztere Gebeth aber wird l sie nicht oder wenig verstanden haben, wie > ich denke. Die letztere Zeit ist es ihr recht sauer geworden, und deswegen ließ ich etliche Tage vorher die bekanntesten Kinder zusammen kommen , um sie in gemeinschaftlicher Gebeths- Zil fasiung 252 Geistliche Briefe. fassung dem HErrn aufzuopfern; welches auch Montags abermals geschehen wäre, wo ^ nicht der HErr, wider unsere Erwartung (aber nicht wider ihre Hoffnung), mit ihrer Auflösung geeilet Härte. Ihr Grund ist bis ^ zum Ende in kindlichem Vertrauen zu dem ^ HErrn erhalten worden, und ihr innerer Wille s>,I" völlig übergeben zu allem Leiden; aber nach »I' dem natürlichen Theil fiel es ihr sauer und «>>< lang, so daß sie auch in der Nacht vor dem Sonntag übereilte Ausdrückungen ausgesto- >»d sien, die nicht nach Geduld schmückten; wor- über sie sehr bekümmert wurde, ohnangese- R hen sie es alsbald abgebethet, und auch zu H ihrer Tochter gesagt: du mußt GOtt für iG mich bitten, daß er mir diese Sünde verge- Ai den möge! ch Wie ich Morgens zu ihr kam, streckte sie ««! von weitem ihre beide Hände aus, und be- sMi klagte ihren Fehler in der Geduld, und ver- W langte brüderliche Handreichung; und wann ich ich ihr die Hand ein wenig losgelaßen, rief lsn sie als wieder: Bruder! Bruder ! so den N, Tag oft geschah. Ja, sagte ich, du heißest Z« mich Bruder, und ich bin und bleibe es s«s auch, ob du schon in der Geduld einen Feh- ^ 1er begangen; so bleibt denn auch GOtt «tz dein Barer rc., wodurch sie kindlich und «tz gestärket wurde. Ich fragte sie; ob sie so k!, Schmerzen im Haupt habe? Ich denke H nicht daran, sagte sie, auch an alle tz übrigen Schmerzen und Benaurheit Itz nicht; 25Z Hl. Theil. 7yster Brief. ,W nicht; nur bin ich bange, Saß ich unges U tzuldig werden, GDrr beleidigen, und Mliüg den Rindern zum Anstoß ftyn möchte. Un- ÜM ter allem aber blieb ein ruhiges Vertrauen P biS zu GOtt in Christo mit innigstem Verlan-- iUM gen nach seiner ewigen Gemeinschaft. Etwa Wik um fünf Uhr Abends sagte sie unter andern, KlRch auf Befragen, zu mir: Es wäre ihr diö- MO weilen vsrgekommen, als wenn ste se- mand bei sich hätte, den ste umfaßte WM und küßte: Mer sollte das wohl fern? !<»;« Ich sagte: Wer sollte das anders seyn, als !»ch JEsus? rc. Worauf sie noch was sagte, so Hz« ich nicht verstand, aber mit den Worten öll ßi beschloß: ich rodrer Rloy. Bei sechs Uhr >evW Abends ging ich heim, da zwar ihre Hände anfingen kalt zu werden; allein ich dachte ickß auf ein Fieber, nicht aber, daß die Auflö- Oi!- sung so nahe wäre. Da ward ich vor acht OW Uhr wieder hingerufen, weil sie gern wollte OW ich sollte sie beim Hingang begleiten, so ßs, ii dann auch, nach ihrem Begehren, geschehen ist, indem sie, in meiner, und noch einiger M Freunde Gegenwart, um gemeldte Zeit gar sanft unterm Gebeth entschlafen. Sie hat denselben Tag noch von mir be- Mli gehrt, daß ich euch und andern Mitgliedern, MB alsbald nach ihrem Hingang, solches möchte bekannt machen, damit auch durch euch dem HErrn gedanket werden möchte für alle H ß Gnaden, Leiden, Beistand und selige Auft . ./ü lösung aus dem Kerker des Leibes. Sie, j 254 Geistliche Briefe. die so geschäfftig gewesen ist, armen Leiden- ^ den vielfältig zu dienen, und sie zu erquicken, mehr als man glauben sollte, und die auch manchmal den lieben Heiland als einen Gast, in seinen Gliedern, beherberget hat, ^ wird auch gewiß in den ewigen Hütten ein U erquickliches Ruheplätzchen finden, obgleich K aus Gnaden. Der HErr vergisset gewiß nicht des Werks des Glaubens und der Ar- ^ beit der Liebe, obsgleich seine Gesegneten ver- -; gessen. Matth. 25, 37 - Z9. Hebr. 6, io. Aus Mangel der Zeit muß ich schließen. ^ Ich umfaste dich im Gerst der Liebe, und grüße dich und dein Haus, auch die S-Kin- der zärtlich in dem HErrn, der unsere einige Hoffnung, unsere Liebe und unser Leben sey in ^ Ewigkeit! O! laßet uns ihm unser Ganzes ^ cinräumen, damit dieses unermeßliche ewige ^ Gut unser Ganzes auch erfülle, ziere und be- selige! Ach! wie ist es so schön und vergnügt, mir Ibm allein seyn, außer Ort und Zeit! Dahin ruft er freundlich hinein, und da ha- * den wirs alle in Einem. Sela! — Ich kränkle wieder seit einigen Tagen, ^ Hab auch diese Nacht kaum einige Ruhe gehabt; ? « und jeder Tag bringt mir auch sein Werk mit. Ach! wenn wir nur unfern Freund conlentiren, ^ was ist dann an uns gelegen? Nochmals * herzlich gegrüßt im HErrn! Becher für mich! Dein ^ Mülbeim, verbundener schwacher ^ den 24. Oct. 1746. Bruder. Der 255 ÄH >k, M t «i Der 8oste Brief. l!>ÜM kl>U, Die Gnade wirkt beides, zur Reinigung vom Wtz Dösen und zur Mittheilung des Guten in uns. bei dem schädlichen Selbstwollen und M Wirken zu thun. »D 3" der Gnade IEsu herzlich geliebter , ,o. Bruder! ^ Uus deinem Angenehmen vom i6ten Octobr. ^ ^ ersehe ich mit Vergnügen deine Gesundheit und Wohlergehen nach dem Körper und dm äußeren Umstanden; und freue mich auch darüber, daß die Gnade ihr Werk noch in dir hat, und du derselben gern völliger Raum laßen willst, welcher Sinn ja auch von der in uns wirkenden Gnade entstehet. Nachdem uns der leutselige GOtt, und unser höchstes Gut nun in dem süßen Namen IEsus Immanuel so innig nahe ist, um uns täglich aus allem Uebel und Quaal zu erlösen, und in sein Haus und göttliche Gemeinschaft einzuführen; so liegt alles so gar an der Wirkung dieser seiner Gnade und seines Geistes in uns, daß es säst keine Seele so glauben kann, wie es ist. Allein, tveil diese Gnade zwiefältig in uns wirket, eines Theils durch Entdeckung und Reinigung vom Bösen, andern Theils durch Mit- rheilung M 256 Geistliche Briefe. !»ß! ^ theilung des Guten, und Vereinigung mit dem höchsten Gut , so mäßen wir hieran auch unfern Gefallen haben, und dieser M beiderlei Gnadenarbeit Raum laßen wollen, ^ M weit doch alles Gnade ist, und auf unser M grändiiches und ewiges Heil zielet. Du sprichst: Das Selbstwollen und wirk.n fey dir w:e angeboren. Es ist wahr, mein Bruder, des Zeugs ist dir und "' mir wokl mehr angeboren, und nicht nur - wie angeboren; aber solches als bös zu er- M kennen, und sich nach der Erlösung davon zu sehnen, das ist uns nicht angeboren, ^ sondern von der Gnade. Wie uns dann in " der vergangenen Zeit unsere angeborene Eigen- ' schäften zur Lust und falschen Leben gewesen sind, so sepen sie uns binfür zum Kreuz »ft- und Tob! Laß uns mit Gelaßenheit, an diesem Kreuz hangend, mit jenem Schacher gedenken: U)ir leiden, was unsere Tba- ren werrb sind, aber beim Gesicht und Ge- ^ fühl des Bösen uns nicht lang aufhalten, sondern uns zu dem Heiland kehrend (der . . uns noch näher ist als jenem) mit Vertrauen W schreien: ^>Err! gedenke meiner! All un- ser Elend soll uns nur forthelfen aus uns ^ selbst, um so viel lediger und vertraulicher zu ^ ersinken, in unser nahes Heil, und mit Ge- ^ laßcnbeit auf dessen Offenbarung zu warten. jD Daß sichs mit dem Lernen deiner Pro- ^ fession gut schickt, und du auch dort zur Ab- sterbung des eiteln Lebens Gelegenheit hast, ist Ä ' dich >f «»ft im md ESP tdiiO »>chl« öi j» «i lg d» gkdkU, daiili i» !kK»O M. Theil. Zrster Brief. LZ? ist mir lieb: Solche Gelegenheiten sind ja sicherer und heilsamer für uns, als die Gelegenheiten zur Verlockung in die Eitelkeiten. Nur die verderbte Natur sammt allem hohen und steifen Sinn dabei gewaget, um mit geschlossenen Augen JEsu nachzufolgen in seiner unansehnlichen Gestalt! Es wird lauter Herrlichkeit nach dem inneren Menschen aus solchen Demüthigungen geboren. -Dich im Geist umfassend, verbleibe Dein Mülheim, den 8. Dec. 1746. verbundener schwacher Mitbruder. »Ms M W» fi! Id«: B ^ Der Liste Brief. Aufmunterung zur Kreuzesnachfolge JEfu» Herzlich geliebte Freundinn in JEsu! Ms' IID E 6>ch grüße dich in dem Namen JEsu herz- lieh wieder. Dein Brieflein ist mir recht lieb gewesen. Du thust wohl, daß du einfältig bist. Du kannst meiner, obgleich schwachen, doch brüderlichen Fürbitte versichert seyn. Sey nur getrost in GOtt, und vertraue kindlich auf seine allmächtige Gnade* Zweck. B. Ui. Th. R GOtt s;8 Geistliche Briefe. GOtt hat dich berufen mit einem heiligen ^ rrnv innigen Ruf. Ek ist getreu, dir durch alle Proben hindurch zu helfen; das wird s er thun. Dein redlicher Sinn, nur JE- * sum und sein Kreuz zu wollen lieben, o! wie so schön , wie so GOtt gefällig ist der! M Derjenige, welcher solchen Sinn in dich gelegt hat, der wird ihn auch erhalten und j bestätigen. Vergiß denn nur muthig die Welt mit allen ihren falschen Gütern und gisi eingebildeten Vergnügungen! JEsus selbst will deines Herzens Trost, und dein Theil Mn seyn in Ewigkeit ; deß freue sich dein Herz, M und singe getrost aus dem fisten Lied: Hars ,, dieser hier, hars jener dorr, Das sollst du Dß mir mit Einem Wort Allein und Alles Z ^bleiven.x Hilk! ^weröen.^ Verachte ungestört die einfallende eitle M « Gedanken und Zerstreuungen. Was du ^ nicht vorsetzlich willst, noch mit Wohlgefal- len in die hegest, darin mißfallest du GOtt auch nicht. Du mußt dich ansehen als eine, > bie gewürdiget ist, nicht ein Kind dieser Welt z/y. zu bleiben, sondern ein Kind GOttes und tz. ^ der Ewigkeit zu werden. Sey getrost, meine ^ Tochter, in GOtt, dem du angehörest! Ich verbleibe rc. Mülheim, —-1747. »K Der Laste Brief. kln eine beängstigte Seele ; um fie durch Vor- ^ Haltung der Liebe IEsu zu beruhigen. M Herzgeliebte Freundinn! W geschieht nicht aus Haß, sondern au- BW Liebe, daß GOtt dergleichen Beängsti- E U gungen über euch kommen läßt. Ich merke, er will eure Seele mit Macht von der Welt l-m i" sich ziehen. O welche Gnade! Wer M Mte sich einem solchen GOtt nicht ganz erge- d M den? Der Hund darf die Schäflein wohl erschrocken und jagen; aber er darf sie nicht auffressen noch beschädigen. Diese von GOtt Mm euch zugeschickte Furcht soll euch auch nur W^ zum Hirten jagen, der euch schon in Noch WB und Tod bewahren wird. O! laufet dann M" zu ihm, denn er liebet euch. Laufet zu M, ihm, denn er rufet euch. Laufet zu ihm, A'K und verlaßet den Betrug dieser Welt, iM' denn JEsus allein gibt Leben und Vergnü- gen. Er ist der gute Hirt, der in brünsti- ger Liebe sein Leben für euch, sein Schäflein, gelaßen hat. Denket viel an diese große JEsusliebe! Denket doch, was er nicht si'ir euch gethan und gelitten hat! Um euch und mich zu suchen, ist er vom Himmel gekommen. Eure und meine Sünden haben ^ R 2 ihm s6s Geistliche Briefe. ihm unzählig viel Seufzer, blutigen Schweiß, Noch und Tod gekostet; damit ihr nur die Vergebung eurer Sünden und ewiges Leben § haben möchtet. Nun kommt er auch an euer Herz, um es von der Welt zu sich zu ziehen. Liebet, liebet dann diesen süßen Hei- ßB land, der euch so sehr geliebet hat l Bittet ihn zu dieser Zeit viel, daß er euch eure tz Sünden alle vergeben, und sich an eurem ket von dem guten GOtt nichts Arges, som"" _ dem lauter Gutes, und bleibet seinem Ruf"'", getreu bis in den Tod! In ihm bleibe ich ^ Euer A, Oü geneigter Fürbitter, tzr § Herzen bekannt machen wolle. Ich hoffe, euch in der Fürbitte mit einzufassen. Seyd Vf.., Mülheim, -1747. 26r - 4 - A Der 8zste Brief. » k^ch wollte durch diese Zeilen dich und dein bt N« ^ Haus herzlich grüßen. Seyd gegrüßet in der Kraft des Namens JEsu, der uns dem unlängst angetretenen Jahr in seiner Mit Gnade erneure, und unsere Herzen mit seiner ' Liebe aufwecke und beselige, um den kurzen Weg, der uns von der Reise durch diese Wüste noch übrig ist, ohne Umsehen und M ohne Schläfrigkeit fortzusetzen, ja so viel mehr zu eilen, und unser Ganzes daran zu strecken, je mehr wir vor Augen sehen, daß das Ende aller Dinge und unsers zeitlichen Lebens herzu nahet. Ach weiß, daß JEsus uns liebet; und ach! daß es alle Herzen wüßren, wie so zärtlich, wie so verwunderlich dieses in sich selbst höchstselige Gut seine Geschöpfe liebt! Aber eben das beuget und schmerzet mich um so viel mehr, daß wir seine große GMt- teslwve nicht einmal mit der Ganzheit einer kleinen menschlichen Liebe beantworten, und durchs schädliche Hinabsinken ins Sinn« Brüderliches Erweckunas- und Aufmunterung-- schreiten. Vielgeliebte Brüder! R r liche Geistliche Briefe» ?6r liche und Aeußere uns taub machen laßen gegen die Stimme unsers Freundes, und trag und matt in seinem glückseligen Dienst. Liebe Brüder! ich unterwinde mich ja nicht, euch zu lehren, da ihr selbst die Wahrheit erkennet durch eine längere Erfahrung. Nur erinnere ich als einer, der selbst so oft geglitten, die schlüpferigen Oerter mit mir zu vermeiden. Wir haben uns so lange gekannt, und werden uns mit GOtt ewig kennen und lieben; und die Welt hat uns so lange dafür gekannt, erkannt und angesehen, daß wir uns dem HErrn und seinem Dienst ergeben. Da fiel mir des Heilandes Wort ein: Da der Bräutigam verzog, wurden auch die kluge Jungfrauen schläfrig. Nicht, als wenn ich solches auf euch deuten wollte, das sey ferne! Es muß uns aber doch eine Warnung seyn, daß wir in keinem Stück die erste Liebe verlaßen, sondern nur das Gebrechliche, das in der ersten Liebe gewesen ist. Nein! die Wahrheit, der Dienst und die Liebe unsers GOttes mäßen uns nimmer alt werden; täglich sollen wir uns im HErrn erneuern und erneuern laßen. Es muß uns nicht einfallen, als wenn wir geförderte Christen wären: keineswegs! Heute wollen wir anfangen, UM dem HErrn unsere Lebenszeit, Kraft und Herz zu geben, und uns besser in Acht zu nehmen, daß wir (auch unter gutem Vorwand) nicht zu viel auskehren, sondern mit den wahren Israeliten auf die Hur des HErrn warten MV GAP AnW Dein' i« seiner Z Mn sehr III. Theil. ZZster Brief. r6z g» warten im wahren Herzensgebeth, und die ^ltaz Molke im Auge behalten, die freundliche, ^ heilige GOrresgegenwarr, damit wir nirgend nach unserem Sinn, sondern genau nach dem Wort des HErrn unsere Reise durch die Wüste fortsetzen mögen, in allem inneren und äußeren Wandel, wie im Vorbilde 4Buch Mos. 9, 17. bis zu Ende davon bezeuget wird. In diesem kindlichen Sinn geb' ich euch aufs Neue die Hand, meine Brüder! einander Gesellschaft zu leisten, und in Liebe undGei- sieshandreichung mit GOtt einander treu zu bleiben, so lang wir mit einander hier wallen: versehe mich von euch ein Gleiches. An Bruder H. wollte schreiben, werde aber verhindert; es sey dann dieses mit an ihn und andere Bekannte geschrieben! >Wi W ' UlL U -a auch dir chk, F lile, da! ß.U Dein Brieflein, Bruder N., Hab' ich M» zu seiner Zeit wohl erhalten, und war mir lieb, darin von eurem sämmtlichen Zustand Ws, etwas zu sehen. Besonders ging mir und andern sehr zu Herzen der schwere Kreuzesweg, Dh wodurch jene ungenannte Patientin» gefüh- ret wird. Der mitleidigste Heiland stärke sie DB im Leiden, und heilige es an ihrer Seele! Er I -Mi« besuche zu dem Ende ihr Herz immer kräftiger- mit seinem göttlichen Licht, Gnade und Gegenwart, als wodurch alles Bittere zue heilsamen Arznei, und alles Thränenwassek F R 4 in 5 -64 Geistliche Briefe. in Freudenwein kann verwandelt werden. Ich L -«! habe ihren Zustand auch andern gesagt, da- mit sie, nebst uns, ihrer vor GOtt geben- k" I« ken. Ich grüße sie unbekannt, wie auch die D >D Freundin» N., don der sie bedienet wird.-^ ^ Voriges Jahr hat der HErr ein Paar aus unserer Mitte hier weggenommen; es ist aber darum, GOtt Lob! unsere Anzahl seitdem nicht vermindert. Unlängst sind et- .M dis liehe junge Herzen gerühret und erweckt, welche Blümlein ein gutes Ansehen haben, obs gleich Winter ist. Bethet mit, daß A,. ^ der HErr diese junge Pflanzen wolle begießen und bedecken! Mülheim, den i?. Jan. 1747. duD! Piü« Der 84ste Brief. Aufmunterung zu einem mehr aufgeheiterten kind- »»d dedl lichen Wandel vor GOtt. M elk>> In JEsu herzlich geliebte Schwester! Gn l Os ist Zeit, daß du einmal ein Wort an M? mich schreibest, sonst hätte ich daran er- jnnern wollen, wie schon etliche Wochen in ^ Gedanken gehabt, Habs aber nicht gekonnt, HI. Theik. 84ster Brief. 26; 'EU Ja, meine liebe Tochter! meynest du, daß ich deiner vergesse, und nicht fragen sollre, l Och wie dirs gehet? Dazu hat der HErr unseren Wi, Herzen zu viel gemeinschast unter einander gegeben; eine Gemeinschaft, wovon ich glau- de, daß er selbst der Grund ist, und die dem- W ^ nach durch keine Zufällige wird unterbrochen werden. st itz ^ Aber! wenn ich dir ein lieber Bruder bin, E warum bist du dann auch mir nicht ein ein- «W fältiges Kind, und schreibst mit Deutschen M Worten, was dir denn nun wieder fehlet? -Öder, soll ich das nur allezeit so errathen? Oder, hast du nicht gern, daß ich dein Elend wisse? Ich glaube ja, du solltest wohl mögen leiden, daß ichs wüßte, du willst aber, der HErr soll mirs zu erkennen geben. Allein, ich bin kein Prophet; und dir ists nützlicher, wenn du selbst einmal einfältig heraus sagst, ^ was dich betrübt, und dann auch wieder dich selbst vergissest, um nur den Wen Heiland ,s anzusehen. >' Ich sehe es gar ungern, daß du traurig und bedrängt wandelst. Der HErr hat dich nicht aus der Welt berufen, um dich traurig und elend, sondern um dich glückselig zu Mi machen von Nun an in seiner süßen Liebe und ^ ' in seinem schönen GOttesdienst. D»e Welt MIß mag traurig leben, rc. Hat das Fleisch yD«- Leiden; thut des Heilandes Joch der Natur was weh; kommen Proben und Anfälle: soll- ten wir darüber trauren, und nicht vielmehr Ki . R 5 uns r66 Geistliche Briefe. uns erfreuen im Geist? weil uns eben diese ^ Dinge ein Beweis seyn können, daß wir noch auf dem rechten Wege sind, will der Hei- ^ land uns durch innere Leiden und Enr- E, blößungen führen ; was hiNderts? Wik ^ wissen ja, daß er in seiner Liebe unveränder-- ^ lieh ist, und daß wir auch nur unveränderlich in der Liebe bleiben sollen. Du weißt wohl -- die Faftenregeln Matth. 6, i6. und 17. Ge- hets uns auch inwendig was knapp, darum «r is muß man nicht stracks sauer sehen: sondern salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, M daß Welt, Natur und Feind es nicht just merken, sondern allein der Vater im Himmel. Haben wirs auch hie oder da nicht recht gemacht; auch darüber keinen so großen Lex, . , men gemacht! eben als wenn wirs mit einer langen Unruh und trauren wieder versöhnen müßten. Nein! nur den Fehler bekannt, mit einem ruhigen Mißfallen sich davon abgekehrt, und dann das liebste Kindlein JEsus vertraulich umarmet, und so dann alles vergessen! Du verlangst Erinnerrngen deines Ver- Haltens; ich weiß nicht, wie du solches mey- nest. Ey! liebe nur; dann hast du Regeln genug. Dein Gebeth sey Lieben, das ist, in Abgeschiedenheit von allem Geschaffenen, den GOtt rm Grunde umarmen, und dem GOrv U ^ dich laßen, der dir innig und allezeit nahe ist. Thue, rede, schweige, leide, verläugne chh alles nur mit der einfältigen Absicht, GO» W zu gefallen aus Liede. Dann ist der HErr W IH. Theit. 8?ster Brief. r6? A dtz mit dir zufrieden, und du kannst ihm dann »rnoch zutrauen, daß er das Uebrige selbst in die r 6 e>- ausführen werde. Hüte dich vor allen Anstren- Ln- gungen des Kopfs, sonderlich da das Haupt - A jetzt schwer ist. Sage lieber dem HErrn ein Ärn, Paar Liebesworte, und bezeug' ihm, daß du Atz gern wollest leiden um seinetwillen. -Ich vergesse deiner nicht, liebe y « Schwester, sey nur kindlich und bethe auch /«« „uch, der jetzt recht gekränkt im Kopf, and täglich fieberhaft bin. Auch meine Haus- W, genossen grüßen. »Mi Anspornung zur Mildthätigkeit, und zu mehre* >z>izW rem Ernst in der Gottseligkeit. W iß K«!. Dein Mülheim, den z. Febr. 1747 verbundener Bruder. Mm Der 8;ste Brief. das K, M N. N. c^ch lebe aus eurem Schreiben mit Leidwesen ^ uno ?Lveymury, oap lyr euer v^u-iffleu» noch herum schleudern laßet auf den ungestümen Meereswellen der Welthändel. Ach! mein lieber Bruder, es ist für euch nicht mehr, die 268 Geistliche Briefe. die Güter dieser Welt zu sammeln, sondern ^ vielmehr solche mit beiden Händen auszu- ^ streuen. LVefsen wird das sepn, das du czefammelt Haft? Die Zeit zum Säen ist , bald dahin; laßet uns solche nicht versäumen, denn zu seiner Zeit werden wir auch einsam- ^ meln und ärnten ohne Aufhören. Gal. 6. Merkt auf euren inneren Beruf, und erleich- tert euer beschwertes Herz durch eine redliche Uebergebung in die Nachfolge des armen Lebens IEfu. Es freuet mich, daß ihr noch gesinnet seyd, zM Christo sein Kreuz nachtragen, und die Zärt- O lichkeit der Natur dabei wagen zu wollen. Laß D uns also thun, lieber Bruder , in GOttes Namen, und heute den Anfang machen; aber ü laß uns uns selbst keine Bürden aufladen, die nicht in GOttes Ordnung sind, und nur den W Geist ermatten. Verläugnung ist der erste Glaubensartikel; das edle Kreuz der zweite; dm und die Nachfolge JEsu Christi der dritte. ! Ich schreibe was kurz und rauh: aber eure Dn Liebe wird es zum Beßten deuten; ich finde litt! mich dazu gedrungen, obgleich kaum Zeit W zum Schreiben habe. Eure Frau, welche ins besondere und Herz- W lieh grüße, die sollte sich billig mit ihren Elenden schi was weniger, und mit dem süßen Heilande Mß was mehr beschäffliget halten, so gut sie nur kann. Sie gebe sich über, wie sie ist, und faste ^ ein gutes Herz zu demjenigen, der so viel Herz ktz, und Liebe zu ihrer Seele gehabt, daß er M. Theil. ZLster Brief. 269 sch«, fein Blut vergossen, selbige zu erlösen. Jch «D grüße euch und alle Bekannten gar herzlich sirenden Seuche. Wllki, Mein Herzensbruder! Mn (gestern, wie ich um Mittag von meiner ^ ch ^ Reise kam, fand ich nebst andern auch ««in deine beiden Briefe vom irten und iztten die- dss M sts. Den Jnnhalt konnte leicht errathen, weil MA schon Samstags in S< gehöret hatte, sowohl . W die besuchende Hand GOttes über C. als auch - U das Absterben der lieben Schwester I. Er ist der HErr, dessen Wege heilig, und dessen M Absichten auf Gnade und Liebe hinaus gehen, sonderlich in Ansehung seiner Kinder, denen M gewiß kein Härlein wird gekränket werden, ohne seinen väterlichen Liebeswillen. Sä- hen wir das Ende der Wege GOttes, wir würden die Wege selbst auch von Herzen, ja mit dankbarer Bewunderung anbethen. ««f Mülkeim, Aw den 14. Aug. 1747« Euer Mülbeim schwacher Mitbruder. ldiilch !7-Hs» Der 86ste Brief. Kräftige Aufmunterung zum Glauben an dekt "ltM HErrn JEsum bei Gelegenheit einer zr«f- 270 Geistliche Briefe. Da wir nun das gütige und weise Ende GOrres Jac. s, n. nicht allezeit können se- hen, so sollen wirs doch glauben, und uns M im Glauben seinen Händen überlaßen, anbe- thend, liebend und verherrlichend all sein Thun. ^ —--Sobald ich in S. hörte, daß diese Krankheit dort graßirte, da fühlte ich doch, daß mich C. mit anging, und habe nicht unterlaßen können, öffentlich und ins Geheim eurer vor GOtt eingedenk zu seyn, so schwach es auch seyn mag. Der HErr laße diese seine Besuchung eine kräftige Bußstimme an manches Herz seyn, die eine bleibende Bekehrung wirke! Ach! du Liebhaber der Menschen, was suchest du wohl anders? Und, wie so bald gereuee dich Ser Strafe, wann sich nur die Herzen dir wahrlich ergeben! Joel 2, iz. Ja! der HErr wirke bleibende Bekehrungen durch die innerlich wirkende Gnade! Sonst schlagen wohl oft die Waaren der Welt zur Zeit der Noch mächtig ab; aber wann die Noch vorüber ist, schlagen sie auch bald wieder auf. GOttes Kinder, denen zu solcher Zeit auch die Nichtigkeit des Zeitlichen, und die Wichtigkeit GOttes und der ewigen Güter aufs neue einzuleuchten pfleget, die sollen sich indessen solche Umstände wohl zu Nutz machen, um in ihrer Uebergebung völliger zu werden. Ich habe herzlich gewünschet, und wünsche es noch, daß der HErr mir, und meinen C. Mit- Md W, «« W W III. Theil. 86ster Brief. 27t t E»d, Uns,- >»i> W >!k W ß'H kUtiki' iki dich Hm zmW Hst»' D DG N Mitberufenen den Glauben des HauptmannS zu Capernaum schenken und erhalten möge! Luc. 7, 8 . JEsus ist der HErr, die Krankheit ist Knecht, und gehet auf sein Geheiß. Ja, das ist gewißlich wahr. Das natürliche, menschliche Ansehen, Ueberlegen, Reden und fürchterliche Erwarten eines Dings, sonderlich eines Kreuzes, einer Krankheit oder des Todes setzen nur das Gemüth in eine schädliche Confusion, Zerstreuung und Klcinmü- thigkeit. Laßet uns nicht die Dinge in sich selbst, sondern unfern guten, süßen Heiland in allen Dingen und Wegen ansehen, und mit Vergeffung unserer selbst und aller fürchterlichen Vorstellungen, uns durchs Gebet!) nur mit ihm beschafftigen, und durchs Ein- sammlen und Bleiben im Geist ihm unsere Seelen anvertrauen! In solcher Gemüthsfaffung können wirs abwarten, was der HErr mit uns und den Unseren Vorhaben möchte. Da sind wir empfänglich der göttlichen Gnade, Kraft, und alles Guten, und könnens un- serm guten G-Ott so kindlich Zutrauen, daß er uns die Nothdurft geben werde zur Stunde, da wirs bedürfen; ohne uns vor der Zeit zu ängstigen. Uebrigens so bleibts dabei, ivir haben hier keine bleibende Stätte. Es ist Mitternacht , da eine fast allgemeine Schlafsucht sowohl kluge als thörichte Jungfrauen überfällt, und wenig Kraft zum thätigen inwendigen Christenthum verspüret wird. GOt- tes Barmherzigkeit läßt zu guter Letzt, die Stimme Geistliche Briefe. Stimme seiner heran nahenden Gerichte von ^ / Außen, und die Stimme seiner überzeugenden locrenden Gnade von Innen vernehmen, um ans munter zu halten. Es heißt nun: Der M Btäungam ksmmr; gehet heraus ihm , , entgegen! Nun! so wollen wir dann seinem Liebesruf gemäß aus uns selbst und dem Schattenwesen und Betrug dieser Welt heraus gehen, und durch die unverrückte Ues bring des Herzensgebeths unserm süßen Heiland entgegen gehen, der wohl will unser Bräutigam werden, der uns auch zu seinen Bräuten, und zu Kindern einer andern Welt ^ durch sich selbst bereiten will. Gelobet und geliebet sey sein Name! Kl! Den Freund N. welchem so herzlich einen E neuen Segen und Gnade zur Aufweckrmg wünsche, grüße ich herzlich. Das Absterben A« seiner l. Frau sehe ich an als einen Schlag der ^ K göttlichen Barmherzigkeit, sowohl für die W, verstorbene, weil der HErr sie vor lang- « wierigen und schweren Leiden und damit ver- W knüpften Proben hat bewahren wollen; als sM auch für unfern lieben Freund und Bruder H selbst, weil mich deucht, GOtt hat noch was h» mit ihm vor, wozu dieser Weg GOttes kß! über ihm sehr förderlich seyn kann: aber das tz« Gebet!) ist ihm und uns vonnöthen. Sag M ihm dieses von meinetwegen, nebst herzlichem U Gruß. Zeit und Schwachheit laßen nicht Z zu, an ihn zu schreiben. Ich grüße auch Uz die Uebrige, die ich nicht nenne. JEsus ch segne, z« Ado, -«in -kl!, N >»: Ai ns ihm lllsliM m. Theil. 87ster Brief. »7) segne, stärke und erhalte uns vor ihm im Frieden! Dein Mülbeim, verbundener schwache? den 26. Sept. 1747» Bruder. s«r M Mch Äch BW I> . «»ch: Müc Der 87ste Brief. kiebeSabsicht GOttes bei Züchtigung der Seini- gen. Anweisung wie sich dagegen zu betragen. Mein herzlich geliebter Bruder in der Gnade JEsu! <>b ich gleich nichts Sonderliches zu schrei- ^ ben habe, so finde mich doch angedrungen, zu melden, daß mir deine beiden Briefe, vom ioren und izren dieses, zu empfangen angenehm gewesen sind, und nicht allein mir, sondern auch den übrigen Mitgliedern Hieselbst, welche mit mir Theil genommen an euern da- sigen Umständen. Gelobet sei) der HErr, daß er verwundet und auch wieder heilet, und mitten unter seinen Gerichten seiner schonenden Barmherzigkeit und Güte eingedenk ist. Die Könige der Erde sagen: Sie führen nur Krieg um des Friedens willen. Ob das wahr ist, und wie sie es verstehen, laß ich Zweir. L>. Ul. LY. S ihnen 274 Geistliche Briefe. ihnen über. Aber von unserm Liebesgott ^>! und Friedenskönig ist es die allerhöchste ÄE Wahrheit. Er rhut seinen Geschöpfen nicht ^ von Herzen weh, und wenn unser Zustand es unumgänglich erfodert, dann thut er M nur web, damit er möge wobt thun. Er -D schläget nicht, als damit er möge umarmen und erfreuen können. Er bedarf und suchet . ^ keine Unterthanen seinetwegen, und doch su- ' eher er sie, als weNn er ihrer bedürfte. Er suchet sie aber nur, damit er seine Um terthanen selbst frei, herrlich und glückselig machen möge; und so werden wir auch nach dem Maß, daß unsere Herzen ihm wieder M wahrlich unterthan werden. Und, wann seine Herrschaft m uns recht groß wird, dann ist des Friedens in der 'Seele kein M Ende; Jes. 9, 7. Denn wer hat ihm je widerstanden und Friede finden können? Hiob 9, 4 » Wie so herzlich wäre es dann nicht uns mit einander, und allen N. ins besondere, zu gönnen und anzuwünschen, daß wir bei js diesen im Schwang gebenden, und noch tzi über uns schwebenden göttlichen Züchtigungen und Gerichten uns sein stille niedersetz- len vor unsers GOttes allprüfenden Augen, um es ihn aufsuchen und ausrotten zu laßen , wo wir bisher grob oder subtil seinen rechtmäßigen Anfoderungen an unfern Herzen widerstanden haben. Ach! ruft uns nicht der Geist zu: Leget doch die Waffen nieder. tzll °G ">chl !->»>> ! kr h W» sch ich sich lich iG ^mch »i md, kein Knij! «! chtt-i mW, «l!« diit III. Theil. 87ster Brief. 275 nieder, ihr thörichte Kinder! Widerstrebet nicht länger euerm Wohlthäter, und unterwerft euch mit Wahrheit euerm GOtt, damit es euch nicht zu heiß werde! Sehet doch, wie es ihn so geschwind gereuet, daß er die Ruthe brauchen mäßen, und wie so glücklich ihr werden könntet, wenn ihr ihm zu Fuß fielet, und, mit Abschwörung aller fremden Herren , euch zu seinen Unterthanen unbedingt dahin geben würdet! Nun dann, mein liebster Bruder! so wollen wirs mit GOtt machen, noch völliger uns unserm gütigsten GOtt unterwerfen, und solches auch allen übrigen herzlich mit gönnen und erbitten. O JEsu! dein Königreich zuksmme! Dein will geschehe! und der unsere müße sterben und begraben werden! Amen. Kreuz ist ein Liebespfand aus des Geliebten Hand, rc. Dein Mülheim, den iz. Oct. 1747- schwacher Bruder, Der 88ste Brief. Rath und Unterricht an eine Schwester bei zunehmender Krankheit ihres Bruders. Liebe Schwester in JEsu! c^ch Hab* immer gedacht, du würdest mir mit ein Paar Zeilen berichten, wie dirs jetzt als gehet, sonderlich bei gegenwärtigen Umständen mit der Krankheit deines Bruders. Ich weiß, du schreibst mir im Geist bisweilen ein Brieflein, so mir auch angenehm, aber nicht allezeit genug ist. Du mußt nicht allezeit warten wollen, bis der Sturm vorüber, und du nur schöne Sachen schreiben kannst. Ich melde dieses nicht darum, daß ich dich just zum Schreiben dringen will. Nein! wenn du glaubst, es sey nicht nöthig, oder wenn es nicht mit innerer Freiheit geschehen kann, und der Geist dadurch von etwas Vessers abgezogen wird, dann thu' es nicht; ich will dit nur zeigen, daß du frei seyn magst. Ich kann dich so herzlich dem liebsten Heiland aufopfern, meine Tochter, und mich mit dir im Geist vereinigen; laß dich nur drinnen im Geist bewahren und halten, und keine Störung, Kleinmüthigkeit, oder düstere Furcht dich daran hindern. Solche jetzt genannte Dinge mögen wir wohl leiden, wenn es seyn 277 III. Theil. 88ster Brief. soll, aber nicht lieben oder hegen; sie muffen nicht ins Innere cindringen: daselbst theilet der HErr Liebe, Friede, Vertrauen und alle Tugend mir, als Früchte des Geistes JEsu, wovon ich wünsche, daff dein Herz voll und blühend gefunden werde. Ich wünsche dir Kraft und Gnade bei jetzigen Umständen. Siehe keine Dinge so natürlich an, sondern in GOtt und im Glauben, dann kommt uns alles anders vor; auch selbst das Krankseyn und Abnehmen deines Bruders: darin gehe nicht mit der Natur zu viel ein. Daff die Natur einige Empfindung bei solchen Umstanden gewahr wird, das ist nicht feindlich, wenn es in den Schranken bleibet; man muß seine Schwachheit bekennen, aber sich doch dabei in Acht nehmen. Sähest du GOttes liebenswürdige, heilsame Absichten auch hierunter, und mit deinem Bruder: o! wie würdest du mit mir anbethen, lieben, loben, und dich mit Freuden damit vereinigen! Da du nun solches so nicht stehest, so mufft du es glauben, und eben das im Glauben thun. Es ist nicht zu viel, daß du dem Heilande deinen Bruder giebest, du verlierest ihn dadurch nicht, und JEsus ist auch noch besser, als zehn Brüder, (Lies i Sam. i, 8.) danke vielmehr dem HErrn, daß er sich deiner annimmt. Mir wird zum Schreiben nicht Zeit gelaßen, und bin vierzehn Tage her auch fast zum kleinsten Brieflein untüchtig; dennoch mußte S Z ich 278 Geistliche Briefe. ich dich einst grüßen. Sey getrost in GOtt, jsst liebe Schwester, und gedenke auch Deines 2 Mülbeim, schwachen, doch in GOtt E den 16. Nov. 1747. verbundenen Bruders. ,B „ t E — - > '»ssi- «iD! Der Zyste Brief. » Trostvolle Anweisung an einen kranken Bruder: daß JEsus sein Heil und ewiges Leben sey. Herzlich geliebter Bruder N.! »§ LllSil F>eine anhaltende und zunehmende Leibes- ^ schwachheit habe ich eines Theils mitleidig vernommen; denn weil ich dich liebe, so nehme ^ ich von Herzen Theil an deinen Leiden; weil ^ ich aber deine Seele unvergleichlich mehr ^ liebe, als deinen Leib und natürliches Leben, so vereinige ich mich mit den liebens-- und »1 anbethungswürdigen Absichten GOttes über dir. Ja, in diesem Theil trösiets und erfreuets ^ mich nicht wenig, daß der süße GOtt und ^ Menschenfreund es so gut mit dir gemeynet, » und es so herrlich hinaus führet. Er sah deine ^ Gefahr, und rückte dich mit Macht vom ^ Herunterstürzen zu sich; weil er aber stark ^ rückte und anfaßte, so soll der tödtliche Kör- U per eine kleine Weile das Leiden fühlen, zu .z. seiner III. Theil. 8yster Brief. 279 ^ seiner Zeit aber und in Ewigkeit, sammt der unsterblichen Seele, dem theuersten Erlöser für seine Erhaltung danken und unendliche Ehre geben. Und sollte dann gleich dieses jam- M mervolle Schattenleben aufhören, das soll '^> uns nicht betrüben. JEsus ist der wahrhaftige GDtt, und das ewige Leben, ein freies ^ vergnügendes, unveränderliches, triumphi- rendes Licht- und Liebeleben, gegen welches dieses Leben, und alles, was Lust und Leben genannt wird, nur Noth und Tod ist. Dieser ist der JEsus , lieber Bruder, der i für dich sein Blut und Leben hat dahin gegeben: sollten wir nicht willig seyn, auch ein wenig mit ihm zu leiden? Dieser ist der JEsus, der dich gesuchet, und dich suchend gemacht 'd hat. Eben dieser JEsus will dein Hei! und W Hein ewiges Leben seyn. -O! wie ist er dei- ^ nem Herzen so nahe! Merkst du es nicht, wie > ^ so manches Acb und d)! er in deinem Jnne- Mk xen erwecket? Wie er dich von allem Ver- W- gänglichen, ja auch von all deinem Elende zu sich rüfet und hinein ladet, indem er auch ein ii>d!k so demüthiges inniges Neigen in dir erwecket, Mi das nur JEsum begehret zu haben und zu «s lieben? Also mache es dann, liebes Kind, B, gib dieseni Liebesruf von Herzen Raum! Thue es ohne Bedenken, und bethe an die ewige B unverdiente Gnade, die dir angeboren und sifk geschenket wird. Umsonst sollen dir alle deine K Sünden ausgetilget, und der Schoost der n, göttlichen Gnade und Liebe offen gestellet seyn, IN S 4 weil rga Geistliche Briefe. weil JEsus für dich gebethen. O! so schmiege ^ und senke dich in diesen Liebesschooß hinein, sv wie du bist; thue es den ganzen Tag, ja bis j in Ewigkeit. Er rüfet, suchet und erwartet dich den ganzen Tag als ein Hirte; suche und kB erwarte du ihn auch den ganzen Tag als sein Schäflein, und lege dich recht auf ihn und üi« in ihn, bis daß er dich auf seine Achseln neh- men, und in den ewigen Schafstall der Herrlichkeit hinein tragen wird. Amen, Halleluja! ^ u Ich grüße und küsse dich im' Geist; ich li lege dich in JEsu Arme nieder, und werde in meinem Gebeth deiner nicht vergessen. Die An hiesige lieben Kinder grüßen dich auch gar herzlich, und wünschen dir, nebst mir, die W beständige Unterstützung, Gnade und Segen M des HErrn JEsu , bis zum seligen Ende! Ge- ^ treu ist er, der dich berüfet; er wird es auch « thun. Ich verbleibe K Dein ^ y Mülheim, geneigter Fürbitter und M den 16. Nov. 1747. Mitbruder. W, N —,l. iS» bß Ai Ä Der 28 r Rgt Och Der 9vste Brief. ist«« »H !«ch 'Hw >ch! sl!>^ Anmuthigung zur Mildthätigkeit aus Cyprians, Ein Exempel der wunderbaren Fürsorge KOt» tcs über die Seinen. Vom rechten Bethen, und vom Geheimniß der Kindheit IEsu. In unserm süßen Heilande herzlich geliebter Bruder! K FVin Angenehmes, vom i6ten dieses, habe ch D ^ den aasten richtig erhalten.- , Wo ich sonst mit dienen kann, das melde pur in brüderlicher Freiheit. Ich hoffe nicht, i daß ich etwas zu lieb würde haben, daß ichs lmh nicht von Herzen einem Bruder Hingabe, Wäre es anders bei mir, dann wäre es nicht recht. Halten drückt; Loslaßen erquickt. Daß der HErr deine Handarbeit segnet, Wd dafür sey er gedanket l Durch die Abgeschie- , denheit bleibt es ein Segen, da sonst leider die Menschen durchs Festhalten sich selbst den Segen zum Fluch machen. Deßwegen thust du wohl, daß du gerne ausfließen läßest. Laßer uns Gures tkun, weil wir Zeit baden, da Paulus Gal. 6. eigentlich auf die Werke der Liebe und Barmherzigkeit zielet. Die Tage vor dem Fest sagte ich zu etlichen Vermögenden: Herberget gern eine Maria, U S 5 einen 282 Geistliche Briefe. einen Joseph, dann habt ihrJEsummit ein- genommen. Denkt herum, ob ihr nicht was jm Hause habt, womit das arme, nackte, ^ verkältete, hungerige Kind JEsus zu dieser Zeit kann bedeckt und erquickt werden? JE- ^ sum in den Dürftigen zu sehen, dazu gehöret ein kindlicher Glaube. Just fällt mir ein, 7E« was der heil. Märtyrer Cyprianus sehr erweck- lich an einem Ort von dieser Materie redet: st" „Macher, spricht er zu den Aeltern, den „unsterblichen Gd)rt zum Vormund eurer st. „Minder. Ihre Erbschaft ist in Sicher- „heir, wenn ihr sie GCwt zu bewahren ^ „gebet. Das ist recht für feine liebe ^ „Pfänder (er meynet die Kinder) aufs „künftige Vorsorge gethan, rc." Und M an einem andern Ort spricht er: „Meine D? „liebste Brüder, die ihr eine herzliche Furcht D „GOttes habt, und die ihr, nachdem ihr EÄ „nun die Welt verschmähet, und unter die Mai „Füße getreten, mir dem Gemüthe zum Obe- stß „ren und Göttlichen aufgerichtet stehet, laßet ». „uns mit völligem Glauben, mit andächti- W „gem Herzen, und mit stäter Beschäfftigung A „im Guten dem HErrn unsere Dienstgeflis- -kb« „ senheit erweisen! Laßet uns Christo irdische N „Kleider geben, die wir himmlischen Klei- „ derschmuck empfangen sollen! Laßet uns ihm A „Speise und Trank dieses Lebens reichen, ch „die wir mit Abraham, Isaak und Jacob „zum himmlischen Hochzeitmahl gelangen 'itz „sollen! Laßet uns vieles säen, damit wie st, «nicht 28 Z ach HI. Theil. yoster Brief. „nicht wenig ärnten!-Welch eine „Glorie, meine liebste Brüder, wird es nicht „seyn für die, welche Gutes gewirker! welch „eine große und höchste Freude! wann der „HErr sein Volk wird anfangen zu mustern, „und unserer Treue und Gutthaten die verheißene Verehrungen wird ausrheilen, und „für was Irdisches das Himmlische, für was „Zeitliches, das Ewige, für was Geringes „was Großes wieder geben! Wenn eranfan- „gen wird, uns dem Vater aufzuopfern, „welchem er uns durch seine Heiligung wie- „der hergestellet hat; wenn er uns die Ewigkeit und Unsterblichkeit schenken wird, wo- „zu er durch die Lebendigmachung seines »Bluts wiederum bereitet hat!-Diese »selige Wirksamkeit im Guten, meine liebe »Brüder, ist eine vortreffliche und göttliche »Sache;-eine Sache, die in der »Macht stehet dessen, der sie ausübet; eine »große und eine leichte Sache, wodurch »man, auch ohne die Gefahr der Verfolgung, die Brone des Friedens erlanget. -Die wir dann nun angefangen »haben, größer zu seyn, als diese Zeit und »Welt, laßet uns unfern Lauf nicht aufhal- »ten durch einige Begierde dieser Zeit und »Welt. Wird uns dann entweder der Tag »unserer Auflösung, oder der Tag der »Verfolgung gegürtet, hurtig, und in »dein Kampf dieses Werks laufend antref- »fen, so wird der HErr in keinem Stück 7 » erman- SZ4 Geistliche Briefe. „ermangeln, unsere treue Dienste zu vergel- „ten. Denen, die im Frieden überwinden, Fl „wird er die weiße Rrone für ihre Werke W- „schenken; und denen, die in der Verfol- „gung siegen, wird er die purpurroche „Ixrone für ihre beiden doppelt erstatten." Amen! Ä M Ich weiß nicht, lieber Bruder, wie ich M dazu komme, daß dir so vieles daher schreibe aus einer fremden Sprache und einem alten ^ Buch. Ich wollte nur ein Sprüchlein an- führen; weil mirs aber schmückte, so dachte M ich, es würde dir auch nicht mißfallen, ein ^ erweckliches Wort von einem der ersten Christ- M liehen Lehrer und Märtyrer HEsu Christi an- zuhören, welcher im Anfang seiner Bekehrung seine Güter, und Anno r;8. seinen Kopf und ^ Blut Christo dahin gegeben hat. Die erste E Christen waren Thatchristen, und gaben ^ nichts desto weniger dem Blut Christi alle ^ Ehre: laßet uns ihnen nachhungern! ^ Der Sturmwind ist auch hier gewaltig gewesen, und hat an Häusern und Bäumen ^ viel Schaden gethan; wie auch durch ganz ^ H. von woher mir unter anderen geschrieben . ? wird, daß etliche Tage vorher daselbst (näm- ^ lieh in A.) auch ein harter Brand sey ge- ^ wesen, bei einem Bäcker; wodurch zwei Häuser seyen in die Asche geleget worden. Bei dem Bäcker habe ein frommes Mensch L85 Hl. Theil. yoster Brief. ^ Mensch auf einer Rammer gewohnc, ^ welche Rammer mir allem, was dieser Ä Person zugehörer, sey bewahret worden; ^ ausgenommen ein Spiegel, welcher zer- sprungen sey, wie man ihn habe hinaus n tragen wollen.- Daß du dich in Ansehung deines Ge- n müthszustandes selbst nicht recht verstehest, ^ glaube ich wohl; gehe darum doch, mit mir, nur zum Arzt; der verstehets. Wir verste- "E« hen doch auch so viel, daß wir krank sind. Ach! Bethen, bethen, das ist unsere allge- meine Arznei, und zwar ohne Kunst und !!/E Regel; nur so, wir wir können. Das ge- W brechlichsie Gebeth ist bester, als die beßte Zer- !lls streuung. Das Ueberlegen über uns selbst macht uns noch elender und düsterer. Durchs M Gxh^h nahen wir zu GOtt, und werden empor gehalten: aber, um wohl bethen zu M können, muß der lautere Sinn aus dem fal- Pt schen Leben der Natur und Eigenheit redlich heraus geben und hungern. Wer es mit der Natur will halten, der kann nicht bethen. Wers mit GOtt hält, der bethet; und wer bethet, der hält es mit GOtt, und GOtt chD mit ihm; und da sieget der kindliche Glaube W endlich. Doch du weißt es wohl. M Die Geheimnisse der Geburt und Kind- tzM heir JEsu (sagst du) haben nicht so viel h Eindruck auf dein Gemüth, als wohl sonst «B zu dieser Jahreszeit. Vielleicht sind wir < auch daran selber Schuld? Dennoch ist JEsus 286 Geistliche Briefe. N IEsus eben anbethungs- und liebenswürdig, Dir uni) seine Geheimnisse von der Krippe an, M ein tiefer Abgrund, da die Engel gelüftet ^ hinein zu schauen. O IEsu! wie kann es Dß, seyn? Ern GVrr! ein ^rnd! im Elend mich suchen, sich mir zu geben, und von G(L)rr und Mensch Einen zu machen! 5,, Sela! Zwischen mir armen Hirtenknaben " und dem Bethlehemitischen Stall erhebt sich auch oft ein Nebel, daß ich nichts von Bethlehem sehe; ich will doch hingehen: N jene Sonne wird schon allen unsern Nebelimrz und Düsterheit vertreiben. Manchmal ist doch auch GOttcs gute Hand darunter, weil wir bisweilen zu viel beim Sinnlichen und Bild- liehen der Geheimnisse stehen bleiben, und gleichsam damit spielen; da dann wohl das Kind IEsus sein Bild uns kann entnehmen^ um sich selber uns zu geben, eben wie die heil. Mutter Maria das Kind IEsus vor der Geburt nahe genug unter ihrem Herzen trug, und doch nichts von ihm sah, auch wohl keinen deutlichen Begriff von dem Ge- heimniß hatte. Sie bethete aber an; sie lie- »u bete; sie gab sich dahin: so wollen wirs dann auch machen! Die sinnliche Andachten schei- ^ nen öfters mehr zu seyn, als sie sind; die ver- stündliche, d. i. bloß geistliche Andachten hin- F gegen haben mehr Wesentliches in sich, als ? sie scheinen. Wer nichts will, als GOtt, N hat nirgend zu fürchten. " III. Theil. -ister Brief. 287 '.ltlid ihts Kl«, Nun muß ich abbrechen. Ich grüße dich nochmals herzlich, mein lieber Bruder! Gedenke auch meiner, wie ich ein Gle ches zu thun begehre.-Den Freund W. grüße auch von mir gelegentlich. JEsus selbst besuche, segne und umfasse seine unsterbliche Seele mir ewiger Gnade, Amen! Andere Bekannte daherum grüße auch. Dein K Mülheim, verbundener schwacher W den 24. Dec. 1747. Bruder. Ho» Der yiste Brief. ^ Was für geistliche Vortheile uns durch die Ein- ,... leibung IEsu Christi in unsere Menschheit zuge- ^ . wachsen. Anbethung dieser göttlichen Liebe. W Herzgeliebter Bruder N.! f>b ich gleich so schwach bin, so finde mich ^ doch bewogen , dich durch meine Hand und Herz zu grüßen, in dem hochtheuren ^ Namen 'JEsus Emmanuel, und dir seine «' beständige Gunst, Beistand und GOttes- ,.7 Gegenwart vor seinem Angesicht anzuwün- D' schen. Ja, 288 Geistliche Briefe. Ja, lieber Bruder! es ist die Wahrheit, daß der wunderbare, menschliebende GOtt in unsere tödtliche verlorene Menschheit sich in W Christo eingesenket, und uns Menschenkin- ^ der angenommen hat. So bald wir uns M von Herzen bekehren, und mit unserer Glau- ^ bensbegierde uns in seine Gnade hinein ' .jj wenden, um von ihm allein unser Heil und ^ , Seligkeit zu erwarten: o! dann haben wir L in ihm die Vergebung aller unserer Sün- Z.. den, und einen offenen Weg zu GOttes ?, Gemeinschaft; dann gehören wir Christö an ^ mit Leib und mit Seele, womit wir ihn '" dann können machen laßen, was ihm be- liebt, denn wir sind nicht mehr unser selbst. ^ Er kreuziget, reiniget, und ziehet uns dann U immer mehr in sich. Er thut und leidet selbst in uns, da wir nur als Kinder in ihm bleiben, und uns ihm überlaßen sollen. Wir sind dann in Christo nach unserm Maß, ^ und singen dann im wahren Glauben: Ich bin ein Glied an deinem Lew, des tröst ich mich von Herzen, von dir ich ungeschieden bleib in Todesnorh und Schmerzen» rc. Da laß dann den elenden Körper erkranken, verzehren, und hinfallen. Christus ist die Auferstehung und das wahre ewige Leben. Er kann nicht laßen noch verlieren, was sein ist. Er ziehet den Geist zu sich, nach Ablegung dieser irdischen Hütte, und wird auch nicht das Geringste von unserm Leibe zurück laßen, das er nicht zu l-m.- k HI. Theil. yister Brief. 289 V,!' feinet Zeit, durch die Kraft seiner Auferste- hung, wieder herrlich und ohne Fehl dar- ^ stellen wird. W Nun, so lobe, liebe und bethe mit mir an diesen großen und süßesten GOtt und Heiland, der sich deiner erbarmet hat; über- ^ laß dich seinen treuen Händen, und verliere dich, mit allen deinen Sünden und Unwür- Ein !>r tz im!» M digkeiten, in das unerschöpfliche Meer seiner göttlichen Liebe Leide gern, denn er wird dir beistehen. Nur noch eine kleine Zeit, dann werden wir ewiglich rühmen und bewundern , was er an unserer Seele gethan hat. Amen, JEsus! Ich grüße nochmals herzlich, und bleibe Dein ^ Mülheim, verbundener, schwacher den i 8 . Jan. 1748. Mitbruder. iriHj ^ Zweir. B. lll. Th. L Der 29 » 4P« Der 92ste Brief. Tröstlicher Zuspruch und Segenswunsch an einen Kranken. Herzlich geliebter Bruder N.! F IV" A»' !«?!>>> Ml ft. Woch einmal finde ich mich bewogen, dich -ckl mit Herz und Hand zu grüßen in der ^ Kraft des Namens JEsu Christi, und dir ^, aus seinem offenen Herzen zuzuwünschen alle Gnade, Friede und Unterstützung von Augen- blick zu Augenblick. Er, der sich deiner an- ^ genommen, wird dir hindurch helfen, und sein Werk selbst in dir vollenden. Vertraue ihm deinen elenden Leib, deine Seele, und . , deine ewige Seligkeit. Wünsche nichts, als diesen deinen erbarmenden GOtt zu lieben, anzubethen, zu loben und zn verherrlichen, in hier in den Leiden, und dort in den Freuden, die er uns aus Gnaden bereitet hat. hm Der große Hohepriester JEsus, zur ' Rechten des Vaters, der hebe seine Hände auf über dir, und segne dich mit ewigem W Segen, damit du ein versöhntes, gereinigtes, ^ § und GOtt angenehmes Kind der Ewigkeit G! werdest und bleibest, und als ein solches vor dem Throne GOttes mögest dargestellet wer- den. Ja , Amen, mein lieber HErr JEsu «khriste! du bist unser wahres und ewige- iM Hl. Thei'l. -zster Brief. s-r ewiges Leben, auch wann dieses Gchar- renleben verschwind«; bleibe bei mir, und bei dem lieben kranken Bruder! Vergönne uns dieses große Glück, daß wir uns bald mir Freuden vor deinem Angesicht wieder grüßen, und dich vollkommen und ohne Ende lieben und anbe- rhen. Amen! Amen! Dein in!» mall Mülbeim, den i. Jan. »748. verbundener Bruder. «ich: chs« «> Der dzste Brief. ' ^ Von der Seligkeit und Freiheit des Dienstes GOttcs. Herzlicher Wunsch und Verbindung M, zum neuen Jahr. Aufmunterung zum Ster* D, den mit Christo. «P dal Herzlich geliebter Bruder in der Gnade ^ 3Esul D Ureil ich von Bruder S. vernommen, daß Dli, ^ auch ihr euch so viel an meinem schlech- ten Leben gelegen seyn laßet, und bei meinet letzt überstandenen Schwachheit Nachfrage nach meinem Zustande gethan habt; so finde ^ mich geneigt, euch mit ein paar Zeilen von meiner Hand herzlich für solche Ltebesange- F ^ 2 legen- 292 Geistliche Briefe. legenheit zu danken, und anbei sehen zu Ä laßen, daß ich durch GOttes Güte noch k, lebe, wiewohl noch lange nicht wieder im Gewöhnlichen bin. Dem HErrn seyen unsere wenige Lebens- P und alle Liebeskräfte wahrlich und auf ewig "B aufgeopfert! Lieber nicht leben und nicht D seyn, als nicht für unfern GOtt leben und M seyn! Unser Geist und armes Herz hat eine W so mächtige, einerschaffene Beziehung und «n Sympathie auf GOct, unfern seligen und tz-l, anbethungswürdigen Ursprung, daß, je rei- hj ner, inniger und völliger wir uns ihm hingeben , und Herz, Absicht und alles auf Z ihn richten, desto mehr Leben, Weite und « Vergnügen werden wir inwendig erfahren, O ja! sein reiner Dienst gibt allein wahre ^ Seligkeit und Freiheit, die sonst keiner am M an andern Ort kennen oder finden wirb. gß Nun, wohlan denn, mein lieber Bru- ^ der! Laß uns jetzt anfangen, für GOtt zu seyn, und unser Liebstes dabei wagen, ^ in seinem Namen! O große Gnade! beru- fen zu seyn, einen solchen GOtt zu lieben, und ihm zu dienen. In deinem Letzter» D vom sten pgssLro ersuchest du um einen « Neujahrswunsch. Nun, der HErr hats gehöret, was damals, und schon vorher, «i mein armes Herz dir, deinen lieben Ael- E« tern, deinem Bruder und allen übrigen ^ Bekannten daselbst von Seiner Majestät zum Ä neuen Hl. Theil. 9Zstcr Brief. 29; !N jl, neuen Jahr zugewünschet hat. Sein allge- mch genwärkiger Geist des Lebens wird verhoffent- rtz lieh meinen herzlichen Wunsch überbracht haben, und selbst alles Gute in unsern Her- , zen versiegeln! Was ich allererst gesagt, sey m unsere Neujahrsabrede und Verbindung: Jeyc wollen wir anfangen, ganz für ^ GVrr zu seyn. Vernunft, Fleisch und ^ Blut sollen nicht mehr gelten im Rath. »I« Abgeschiedene, innige Herzenskinder wollen s wir werden. Getreu ist er, der uns berufen »O hat, der wird es auch thun, und wir wollens M ihn in uns rhun laßen. ich- Du fragest: Ob ich dich in diesem e M neuen, wie im verwichenen alten Jahr >>M dem Tod wolle übergeben haben? Aller- l«ckk dings, lieber Bruder! Eben weil ich dich «W jjebe, so verlange ich, daß du mit mir mö- Ä. gest sterben, um das Leben zu erreichen, ^ Das mit Christo in GOtt verborgen, und ein Anfang des ewigen Lebens ist. Wir sind ^ dazu gesetzt, und mit Christo zu gleichem j § Tode gepftanzet. Ich halte nicht viel davon, 7 daß man Sterbenden so viel Herzsiarkun- gen gibt, und dadurch ihre Noch und Steril ben verlängert. Nur frisch hinein! es wird so tief nicht seyn. Wir kommen nicht zu "kurz. In GOtt werden wir schon reichlich H,! ersetzt finden, was etwa dem Fleisch an einem Theil abgehen möchte. Inzwischen solle» "7^ wir nur im abgespehnten Sinne bei ihm T z aus- 294 Geistliche Briefe. aushalten, und seinem geheimen Zug uns lediglich überlaßen. Ich wollte nur eben grüßen, und schreibe mit laufender Feder, im dunklen Abend, noch so viel. Grüße gar herzlich von mir deinen lieben Vater und Mutter; der HErr segne und erwärme ihre Herzen mit seiner Liebe bei dieser kalten Winterszeit! Auch grüße ich herzlich alle diejenige, welche dort gesehen habe. JEsus segne sie alle, und fördere sein Werk in ihren Herzen, daß nicht ein einiges umkomme! Deinem Bruder A. habe zu seiner Schwachheit auch Glück und Segen gewünscht, und ich thue es noch von Herzen. Ich ersuche, daß du mich künftig so nennen wollest, wie ich mich von Herzen unterschreibe Dein hl L' Mülheim, verbundener schwacher den i. Febr. 1748. Mitbruder. D !W «Sk >Ä, 295 Der y4ste Brief. W Danksagung für GOttes Gnade, über das selige V Absterben eines l. Bruders; nebst wichtigem !>! d« Zuruf an dessen Geschwister. N M Herzlich geliebte Geschwister N. N.! m» mtz SHerwichenen Mittwoch bekam ich den Brief, «s« ^ welcher vorigen Tags über D. gesandt m zu war, und die Nachricht von unsers H. bevor- M stehendem nahen Uebergang in sich hielt; und ^ da dachte ich, er ist schon aus der Sterb- lichkeit erlöset, wie solches dann auch durch Nachricht über Kreveld letzt verwichenen Montag, und durch euer Letzteres, vom irten dieses, befestiget wird. «O Nun, was sollen wir sagen? Und was !> sollen wir thun? Euch condoliren nach der Welt Gebrauch, das kann ich nicht, weil ihr keine Ursache habt, über seinen Hingang nach der Welt Gebrauch zu trauren. Euch gratu- liren schickt sich auch nicht; denn ob ihr gleich nach einem Theil Ursache habt, euch gar sehr zu erfreuen, mit mir und allen Engeln, daß unser guter Hirte ihn, als ein Schäflein, das irre ging, so gnädiglich gesuchet, so liebreich gefunden, und so geschwind in Sicherheit auf seinen Achseln heim getragen hat; 0 /,' T 4 ld r§6 Geistliche Briefe. so habt ihr, zwar nicht ihn selbst, doch an ^ ihm etwas Liebes und Angenehmes, mit mir, E verloren, nämlich seine leibliche Gesellschaft; und dieser Verlust (auch mit Gelaßenheit getragen) bringt Leiden. Das will ich dann thun: ich will euch des Hiobs Lobgesang vor- L" singen, mit der Erinnerung mir getrost nach- M zusingen: Der HErr haes gegeben, der s O ^Err hars genommen, der U7ame des U >äErrn sep gelober ! Ach ja! des HErrn Name sey innigst und ewig gelobet, daß er Es uns diesen Bruder gegeben, welchen wir nicht Mi hatten, da ihn die^ÄZclt noch hatte. Er sey DÜ! gelobet für alle Gnade, die er ihm gegeben ich auf alle Weise, bis ans Ende; und für alle M Liebe und Geduld, die er euch und anderen pH gegeben, während seiner Krankheit! Ja, H,i gelobet sey der Name des HErrn, daß Er tick dieses Schäflein genommen, damit es von keinem Wolf genommen werden möchte! und ch daß er uns hat laßen sehen, daß er selbst und W kein Fremder es weggenommen! Es ist also s« dieses Pfand nicht entnommen; der HErr ^ hats in seine Hand und in Verwahrung ge- M, nommen, da wirs zu seiner Zeit mit unend- ^ licher Freude wieder finden sollen. Und was wir auch Liebes und Angenehmes in seiner leib- tzj liehen Gegenwart verloren haben, das sey » auch dem HErrn mit stiller Gelaßenheit auf- G geopfert, und sein Name gelobet, der uns Gelegenheit gibt, ihm was Liebes aufzu- U, opfern! ich. Und III. Theil. yWer Brief. 297 ^ lis Und so ist dann nun unser gefundenes H Schäflein auch geopfert; wir lassens nun lie- M! gen in des HErrn Hand. In ihm, unserm W siäts und innigst gegenwärtigen GOrt sollen M wir auch das wieder suchen und reichlich fin« den, was wir an unsers Bruders Gegenwart "ch verloren Hallen; Er ist uns mehr denn zehn, ikr ja zehntausend Brüder, die in ihm alle d» leben. W kE« Es müsse dann auch dieses Allscheiden euch nti und uns allen eine erneuerte Anspornung seyn Er>« zur Abscheidung von allem dem, was uns in M diesem elenden Leben noch binden und auf- ir ali halten könnte! Zur Ewigkeit! zur Ewigkeit,! >i>m zur Ewigkeit! rufen uns alle solche Stimmen. Za, Ach, liebe Kinder! lasset uns eilen, uns da-- ß Er hinein zu wenden. Merket ans den, der uns 6N drinnen rüfet. Ihr drei werdet bald zwei, i'.Ä und dann Einer nur übrig seyn. Liebet euch W herzlich die kurze Zeit, welche ihr noch bei- D sammen lebet. . Beuget, schmieget, waget D euch dabei. Suchet, euer ganzes Vergnü- V gen, Trost und Leben vn GOtt inwendig zu N» haben! Lasset da diese elende Welt mit aller Ml ihrer verführerischen Waare, und werdet mit mir Kinder der Ewigkeit, so werden wir D ewig Freude an einander haben. Dünkt euch, ihr wolltet lieber wieder vier als drei i»s seyn, so nehmet JEsum zum Vierteil ^ an und ein; und muß ja auch ein vierter stchtbarer Bruder wieder da seyn, so rechnet p T; dann ry8 Geistliche Briefe. dann mich mit darunter, der ich mich von Herzen nenne Euer Mülkeim, verbundener, doch auch den is. Febr. 1748. schwacher Bruder. »»ch: 7h« Der 9Zste Brief. An eine Mutter, von der unverdienten Gnade, daß der Heiland IEsus in ihr Haus und Herz einkehren wolle, und wie sie sich an GOtt gewöhnen mkße. ,W Pi Iinti ISkll !lksi !I1^ Werthgeschätzte und geliebte Mutter! c^ch grüße euch mit dieser meiner Hand und mit meinem Herzen, und bitte den lieb sien Heiland, daß er selber meinen geneigten Gruß und Segenswunsch mit Nachdruck an euer Herz wolle überbringen zur Erquickung, Stärkung und Aufmunterung in seinem Dienst und in seiner Liebe! Ach ja! in eben dem Augenblick, da ich euch vor seinem Angesicht in Mülheim grüße, ist er auch in N. eurem Herzen nahe, und wird euch gerne mit seiner Liebe besuchen; das sollen wir ihm einfältig zutrauen, und ihm unsere Herzen mit hungeriger Liebesbegierde öffnen. tili Ml-! Was III. Theil. y^ster Brief. 299 Än. 8»^ O h»! Vttjd tkr! Dz i ßB !«!d« ««I Was dünkt euch? meine liebe Mutter! Ast das nicht eine große und reckt unverdiente Gnade, daß der liebreiche Heiland ^lEsus auch noch euer Haus und Herz will besuchen, und zu euerm Heil bei euch einkehren? Ja, das ist gewißlich wahr, er will euerm Haus und Herzen Heil wiederfahren laßen in Ewigkeit. Wie sollen wir es denn machen? Sollen wir denn aus einer unzeitigen Höflichkeit sagen: Gehe von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch? O nein! Damit wäre uns gar nicht geholfen. Lieber wollen wir sagen: Romm herein du Gesegneter des HErrn, denn ich bin ein sündiger Mensch, und weiß auch ohne dich nimmer besser zu werden. Romm herein, 0 liebster, langmüchigster Heiland! Ich habe dich nur gar zu lange an meines Herzensthür warren und anklopfen laßen; ich merke doch, es ist dir darum zu thun, du willst mir helfen und mich lieben. L^kun, so komme dann, ich will mein armes Herz dir geben, so wie es ist. Siehe, hier ist des HErren Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast! Also, liebe Mutter, wollen wirs machen, und uns an unfern GOtt gewöhnen. Laßet euer Herz den ganzen Tag sein geheimes Gespräch mit dem HErrn haben, denn er ist euch den ganzen Tag gegenwärtig. Seyd nicht so schüchtern, denn GOtt rüft euch zu sich. Er weiß wohl, daß wir elend sind, darum wallet zao Geistliche Briefe. wallet sein Herz in Mitleiden. Sagt und klagt ihm alles, was ihr auf euerm Herzen >B habt; könnt ihrs nicht sagen, dann laßt ihn Doch euer Herz sehen. Ihr könnt nicht zu jM einfältig mit GOtt umgehen; das einfältigste A»! Gespräch eures Herzens ist ihm allezeit ange- Hlich nehm. Er merket genau auf alle die geheimen D i» Seufzer und innige Begierden, die zu ihm geschickt werden. O! wenn wir ungläubige Ml Kinder es wüßten, wie der HErr die Leute so A io. lieb hat; gewiß! wir würden alle unsere Lust an ihm, und an seinem Dienste haben. Ich grüße auch insbesondere unfern lieben Vater, den Herrn N. JEsus besuche sein Herz, daß es auch noch im Alter'grünen möge in allem Guten! Sagt ihm von meinetwegen:.^ Mich deuchte, sein Bißchen übriges LebenH müße ein Rüsttag und etn Vorsabbarh auf W, Die Ewigkeit seyn. Seine werkrage sind zu L» Ende. Alle Welt kann mit ihm zufrieden seyn, daß er in äußeren Geschäfften sein Werk h^j vollendet habe. Jetzt mache er in GOttes Namen Feierabend, und laste die TodtenM ihre Todten begraben, um JEsu zu folgen,^« seiner Gnade ungehindert Raum zu laßen,»,/ und, mit uns, nur für GOtt und die Ewig-sch keit den kleinen Rest der Zeit anzuwenden. Ich grüße auch alle übrige Bekannten, die G ich vorigen Sommer dort bei euch gesehen. - Ach! daß kein einziger verloren werde, son-^" Dern ich sie alle vor GOtt mit Freuden wieder,,.? sehen möge. Meine Seele freuet sich, und^ M. Theil. yüster Brief. gor st jchet oen Höchsten, so oft ich daran gedenke, A wie ich so wunderlich und sonderlich mit euch, W vielgeliebte Mutter, und mit euerm Hause Mi» bin bekannt geworden in dieser fremden Welt. MO Ach ch, davon soll auch allein der HErr st «wiglich Ehre, und unsere Seele Freuds st ^ben in ihm. Amen IEsu! M st Mülkeim, «>« den 20. Febr. 1748. iach R Der y6ste Brief. V Stärkung des Sinnes, ganz für GOtk zu wol- ! M len seyn. Wie das sanfte Ansehen auf dett «ihV Gekreuzigten, das beßte Mittel wider allS esO? Versuchungen sey. Hkc GÄ Herzlich geliebter Bruder im HErrn! Völiii , M N?enn die Zeit es zulaßt, so wollte wohl M ^ mit Wenigem auf dein Angenehmes M vom i4ten April antworten. Du solltest aber M nur fein Deutsch schreiben, denn die Briefe an mich kommen keinem, als mir selbst, in Händen. M Erneuere und stärke dich von Zeit zu Zeit ist in dem unverfälschten Sinne, den GOtt dir gegeben, hinfür allein für ihn und für die sß/ Ewigkeit zu seyn und zu leben! Zur Zeit des V Gebeths Geistliche Briefe. Zc>2 Gebeths thue solches durch eine bedachtsame, einfältige, nackte Offenlegung in der göttli- ^ chen Gegenwart eines solchen Freundes, der nicht flaktiret, noch vorrücket; zur Zeit der Geschäffte aber geschehe es durch ein einfäl- M tiges Erinneren seiner Gegenwart, und durch ' ^ einen friedsanien Blick, der eben das be- , zeuget, nämlich: daß du ohne Vorbehalt und ewig sein seyest. Dieser redliche Sinn, ganz GOrres zu I wollen sepn, und rn keinem mehr ftch selber ;u wollen suchen oder leben, muß beim « Gebeth und ganzen Wandel zum Grunde lies """ gen; sonst ist alles ohne Kraft, ohne Frucht, und nur ein oberflächlich-gezwungenes Ding. »A Wage dich ganz dabei, lieber Bruder! der HErr wird deine Kraft sepn. Die Versuchungen anlangend, selbige mußt du nicht direct und mit Anstrengung M bestreiten, sondern indirect; das Auge und die Andacht davon ruhig, aber mit Wahr- W! heit, abwendend, und nur möglichst verach- «, ten, vergessen oder sriedsam leiden, was du i nicht ändern kannst. Das sanfte Ansehen Ä!! des Gekreuzigten, wovon du meldest, ist ein unvergleichliches Mittel wider alle Versu- chungen: Mallaval spricht davon p. i6s. E Leere penlee eil 1^ inorr 6e; pen- lee; , l-e oceur s'absorbe en cer aKö xm/- /ant. HI. Theil. 96ster Brief. zoz lisch, Lr guanä 6e io In; lex smes ionr gvlllj, prelleex, j, Hy t?e ciouL plus <^ue com eit A ^ pLetiaor. 2 Welches, ins Deutsche übersetzt, also hei- >»Sd» ßenkann: W „Dieß Denken kann in Tod all die Gedanken bringen; »Das Herz verlieret sich in dieser kräft'- M g.n Thor. ^ „Und wann die Sorgen auch das arme Herz hart drängen, A 4 »Noch einen starkern Drang der sanfte r! ixi Blick dann hat. Er nennet es zwar eine kräftige Thar, aber Mw doch auch einen sanften Blick; um uns zu ^ verstehen zu geben, daß alles eigene Anstren- Kk, gen unfern Thaeen die rechte Kraft nicht geben ,^z kann, sondern die Aufrichtigkeit des Glau- bens, welche GOtt durch einen sanften Blick M ansiehet, und von ihm alles erwartet. Nimm > Eß dich deßwegen , lieber Bruder! in Acht vor allen Anstrengungen mit Kopf, Brust, oder ^ auf andere Art: es sind dieses gutmeynende ^ Luststreiche. Verachte, vergiß deinen Feind, § sk°- so gut du kannst; denn ist er überwunden. Leide nur, und, in dein Nichts ersunken, laß alles gehen, wie es gehet, dann kann der Feind dir nichts thun, und ein anderer wird S in ZO4 Geistliche Briefe. jn dir und für dich streiten. Von Welt und Sünde abgewandi, GOtt in sich und mit sich machen laßen, das ist nichts weniger, als eine falsche Ledigkeit. Auch darfst du an der andern Seite nicht fcrupuliren: ob nicht vielleicht das einfältige Erinneren und Ansehen des Gekreuzigten eine etwa zu wirksame oder zu bildliche That für dich se»). Prüfe den Baum an seinen Früchten. Du spürest sonderbaren Nutzen dabei; das ist ja genugum zu glauben, daß GOtt dich darauf führet, und seine Gnade dabei wirke. Wenn ich durch ein Gemälde des Gekreuzigten, ja durch eine natürliche Beschäfftigung mich vor Sünde und bösen Bildern zu bewahren wüßte, dann würde ich willig solche Mittel ergreifen; ja, was mich auch sonst stärken, aufwecken und erbauen könnte, dem würde und werde ich allem ohne Bedenken Raum geben, aber mich an nichts binden, als an GOtt allein. B! k! M M Getrost, mein lieber Bruder, in GOtt! der uns geliebet und berufen hat: Er wird es auch thun. Ich grüße herzlich dich und die l. Schwestern, und bleibe Dein Mülheim, den 2. Mai 1748. verbundener schwacher Bruder. 'A Der 97ste Brief. iH Daß die schönste Regeln vom Selbstvergessen lsG wenig helfen, wann GOtt wolle, daß wir ^ UnS selbst sehen und fühlen sollen. »s» Herzlich geliebter Bruder N.! 2' t^>ein mir Angenehmes, vom 4 ten dieses, id k ^ habe wohl erhalten. Ich habe dirs gak l/nl übel gedeutet, daß du von E. nicht wieder hieher gekommen, weil ich mir die ^^sache davon schon so vorgestellel hatte, wie d! ^lehe berichtest. '. Mit N. will ich mit erstem der Sache we- m«! sprechen, so nachdrücklich als ich kann. Inzwischen wird maus göttlicher Directwn ? überlaßen müßen, und kannst du zum Voraus dennoch den Schluß der Rechnung mit des ^ Heilandes Worten machen: Mein Reich W ist mehr von dieser Melk. iD Ich hatte ja, nach GOttes Willen, ge- wünschet, daß dein dießmaliger Besuch mit Vergnügen und Beruhigung, nicht aber mit Bedrücktheit abgegangen wäre. — — Ich hoffe doch nicht, daß die Ursache deiner Be- M« drucktheit an meiner Seite gewesen; einmal ;> mit Wissen und Willen ist solches nicht geschehen. Mein Herz ist einfaltia gegen dich, so viel ich mich kenne. Halte nur in (GOttes Zweit. L>. iu. LY. U Namen zo6 Geistliche Briefe. Namen bei jetziger Gemüthsbedrücktheit und Leiden aus! Mich deucht, mein Herz sagt mirs, lieber Bruder, daß solcher Weg gegen- ! wärtig nöthig und nützlich sei). Es ist wohl wahr, daß man nichr auf sich selbst sehen, Ajs und den Grund seines Heils und Vertrauens - > nicht in sich selbst und seinen eigenen Peschas- O fenheiten setzen müße; auch ist es gut, daß man (wann GOtt Freiheit und Vermögen gibt) Herz und Gemüthsauge sanft und ^ vertraulich über sich selbst zum HErrn erhebe, und der natürlichen Kleinmüthigkeit nicht zu viel nachhänge: allein, wann GOtt will, daß wir uns selbst sehen und fühlen sollen, M dann helfen die schönste Regeln vom Selbst- I> vergessen wenig; und, wann er unsere Flügel beschneidet, dann hilft kein Trachten zum Auf- ch fliegen. Man muß sich schicken und bücken, so gut man kann, bis GOttes Stunde kommt, tztz Aus der Herzenskleinheit wächst endlich das W reine Vertrauen zu GOtt. Doch du weißt «s es selbst wohl, was ich so dahin schreibe. « — — Gedenke meiner; ich thue mit «ß, GOtt ein Gleiches. O 'iw, Mülheim, verbundener schwacher den 7. Iun. 1748. Bruder. Äjl Z Der 98ste Brief. Trost und Muthgebung an ein leidend Gemüth > MÄ um in Stürmen, Ohnmacht und Elend die W Hülfe deS HErrn friedsam zu erwarten. »v In der Gnade ZEsu herzlich geliebter * " Bruder! chj» t^>a ich in der Eil an deinen Vater ein l!ch Brieflein geschrieben, so soll dieses zum D, Couvert dienen. M Du wirst schon versichert seyn, daß mir Mz«l deine Brieflein allemal angenehm sind, wenn mH gleich, meiner Umstände wegen, nicht jederzeit Ä», mit der Feder antworte. O! wie so oft bin l»l> ich mit meinem Herzen bei dir! und bitte den Wi HErrn, daß er dir sagen, ja geben wolle, vuiB was ich dir gerne sagen und geben möchte, HB wenn es in meinem Vermögen wäre. Ich weiß, daß du jetzt Unterstützung und Gnade ^ nöchig hast; ich weiß aber auch, daß der HErr dir nahe ist, und alles Nöthige geben wird, dich selbst festhaltend mit verborge-- nen Händen. Nur getrost, lieber Bruder! W wir sind des HErrn, und wollen unwie- derruflich sein bleiben, dem Lamme folgend, wo es mit uns hingehet. Alle Stürme und Schüttlungen sollen nur zu tieferer Gründung dienen; und die Ersah- xik U 2 rungen 1 zo8 Geistliche Briefe. rungen eigener Ohnmacht und Elendes müssen E mit ftiedsamer Erwartung der Hülfe des HErrn getragen werden, die zu seiner Zeit im Geist erscheinet. Solche Führungen bahnen den Weg zu einem thätlichen oder wesentlichen Ausgang aus uns selbst, damit GOtt unser Leben und Alles werde, nach dem Maß unse- sn rer Fähigkeit. Die Gebrechlichkeit, womit wir alle ^ Stande tragen, muß uns demüthigen, aber nicht beunruhigen. Alles ist Gnade. Verändere nicht leicht und ohne Noth deine Andachtsübungen oder andere Umstände,^ wegen der inneren Blöße und Untüchtigkeik. "" GOtt weiß schon, was des Geistes Sinn ' ist. Rom. 8. Und das acceptirt er nach seiner Gütigkeit. Die redliche Liebe sucht nicht sich selbst, sondern den Geliebten zu contentiren; ^ und es ist eine gar edle Sache, auch unserm ^ GOtt gleichsam auf seine eigene Kosten zu dienen. Er, unser GOtt, ist zu aller Zeit ^ gleich nahe, gleich anbethungs- und liebens- würdig: laßet uns ihm auch zu aller Zeit ^ mit gleicher Dienstgefliffenheit ergeben bleiben, ß! Amen, JEsu! Ich lese immer mit vieler Angelegenheit, was du mir von der Beschaffenheit dasiger M Gemüther berichtest, und mit sonderbarem ci« Vergnügen, wenn es etwas Gutes ist. Grüße ^ gelegenheitlich alle mit Namen von mir. Ach! M der HCrr wolle sie besuchen, segnen, und das M Fünk- chm tt üch >k», «k. Ä 6i»t III. Theil. yyster Brief. Z->9 Fünklein in ihrer aller Herzen anblasen, daß an jenem Tage kein einiger von ihnen vermißt werde! Amen. Verbleibe durch Gnade Dein Mülheim, den iz. Jun. 1748. verbundener Bruder. !chv, Der 9yste Brief. An einen Kaufmann, der in seinem Alter noch erweckt worden, die weltliche Geschäffte dran zu geben. M N. N. ff ^>ero mir von Herzen angenehmes Zuschrei- ^ den vom 7ten pass, hätte ja nach Billigkeit ehender beantworten sollen; da ich aber, wenig im Vermögen, und doch viel Credito--* res habe, so wissen geübte Handelsleute, wie Sie sind, schon aus der Erfahrung, daß es mit der Bezahlung so geschwind nicht hergehen kann.- Allerdings, mein werther Freund, ist ihrem Haus und ihrem Herzen einige Jahre her tsie- cislker Heil wiederfahren; dafür liebet und lobet meine Seele den HErrn, welcher in Zeit und Ewigkeit (wie ich vertraue) die Ehre davon haben wird. Weil es denn nun die U r gütige zis Geistliche Briefe. gütige Direktion GOrtes so gefüget, daß ich ^ Mit ihnen und ihrem werthen Hause noch in ^ meinen letzten Jahren in eine so vertrauliche Ä und heilsame Bekanntschaft habe gerathen xc sollen; so brauche ich auch alle Freiheit gegen ^7 sie, herzlich geliebter Freund, und rufe ihnen E im Geiste zu: Kommet, laßet uns dann den lieben, der uns zuerst geliebet hat! Ja, kom- M met, wir wollen jetzt redlich anfangen, für ^ unfern GOtt zu leben, und ihm den kurzen ^ und schwachen Ueberrest unsers zeitlichen Le- W bensganz widmen! Denn so sehe ich die Sache D an: Sie und ich sind abgenutzt, mein lieber § Freund. In Ansehung der Welt sind wir Lmeriti. Ihre, der Welt Händel, gehen uns nicht mehr an. Es mögen die Tobten ihre ^ Tobten begraben: wir folgen unserem süßesten ^ Heilande nach, der uns zu sich und zu einer besseren Welt berufen, und geschickt machen will. Mit Einem Wort: mich deucht, das . Ende dieses zeitlichen Lebens muß der Anfang * ^ eines ewigen Lebens bei uns werden. Ach, HErr JEsu! das wirke du doch selbst in meinem Herzen, und in dem Herzen meines lieben Freundes N. Amen! ^ Nun sollte ich noch bald vergessen, den ^ Hauptinhalt ihres Schreibens zu beantwor- H ten. Ich versichere, daß ich alle Geneigtheit « in mir finde, ihrem Begehren, in Ansehung Ä meines Besuchs, ein Genügen zu leisten, ^ wenn anders der HErr eine Thür zu auswär- ÜÜi ftgem Besuch eröffnen möchte. Allein für gegen- III. Theil. rooster Brief. zu gegenwärtige Zeit wüsste ich mit Ruhe meines Gemüths nicht einen Tag abzukommen, und Ach, habe öfters kaum Zeit, ein Brieflein schreiben «hm zu können. Wir wollen sehen, was GOtt l W künftig geben wird. Inzwischen kann ich nicht unterlaßen, ihr werthes Haus öfters im Geist Mn, zu besuchen, und alle Vermehrung göttlicher jll,!» Gnade und Segens von Oben aus Grund meines Herzens zu erbitten. Ich opfere sie «nktzi, sammt dero lieben Hausfrau, Söhnen und Hoch Gesinde, auch noch diesen Augenblick, dem M HErrn innigst auf, und verbleibe, rc. Mülbeim, chü ^ lZ.Iun. .748. 2 Der lOOste Brief. x,nem Reisenden wird die Nahbeiheit JEfll als !IM daß einzig Nöthige angepriesen. if N. N. ein Briefiein vom roten dieses war mir ^ um so viel angenehmer, weil ich daraus nicht nur deine Besserung von einem zugestoßenen Fieber, sondern auch deine Reise nach A. ersah. GOtt sey für alles gelobet! Im Geist bab' ich dich begleitet, und seine göttliche Majestät gebethen, daß er sich deine Reise möge gefallen laßen, selbige mit seinem Segen U 4 beglei- jU zir Geistliche Briefe. begleiten, und dich beides nach Leib und Seele bewahren möge l wie ich noch aus Grund meines Herzens thue. JEsus rufe dir vielfältig im Geist und mit Kraft zu: Siehe, ich bin bei der. Nur dieses Eine ist auch in Ä. für iE dich zu sehen, da andere Leute so viel ksrirL. ren und ^nriquitXren zu sehen finden. Ach! ^ du grogev, seliges, und allein vergnügen- , des Wesen, reiß unsere Liebe und Herzens- andachr ganz ;u dir, daß wrr aller Orten, und zu aller Zeit, und in allen Dingen W nur dich sehen, und nur dich Neben, der du unsere Herzens eigentlicher Vorwurf O"? und ewig genug bist! M -Meinem VetterN. war dein Gruß Bei« und Andenken erfreulich. Er ist etliche Tage Mil her merklich schwächer gewesen, so daß er NM meist hat liegen mäßen. Nach dem Jnwen- Mi digen bleibt er GQtt und dessen Willen und lch-i Weg über ihm ergeben, obgleich diese Ueber- MM gebung etliche Tage her nicht mit sonstigem Mn Muth und Vergnügen von ihm selbst wahr- ilSM genommen wird, sondern das Gemüth was sie entblößet und im Druck stehet. Dieses wird W> nur zum Fortgang und tieferer Gründung nM dienen; der Grund der Übergebung bleibet itz in einerlei. Die Zeit läßt nicht zu, ein Mehre- W res zu schreiben. Es lebe und herrsche JEsus iW immer völliger und absoluter in uns! Mein R g Vetter und wir grüßen alle herzlich. dG Mülheim, Dtz den 17. Jun. 1748. wi», Der "VW Der loiste Brief. Der innere Mensch muß durch die Widerskrebung, um. des äußeren Menschen nur gedemüthigel wer» Ach! den, und nicht ermüden um GOtt zu suchen. N>iD -W- N. N. d«i, Sil jiW KM ß'M M U K>aum wollens meine Umstände auch heute ^ zulaßen , daß ich dein Angenehmes vom 2Asten pass, mit ein Paar Zeilen beantworte. Mir Mitleiden vernehme deine noch anhaltende Leidesschwachheil und Leiden ; sehe ich aber die heilige und liebenswürdige Absichten GOttes darunter an, dann muß ich alles mit stiller Anbethung unterschreiben. Das thue auch deine Seele, lieber Bruder, und gehe nur mit geschloffenen Augen ein in diese Absichten GOttes über dir, welche nicht anders als gut seyn können ; Röm. 8, 28. und 29. Ja, sie sind so groß und vortrefflich, daß ein Bißchen vorübergehendes Leiden wenig dagegen zu achten ist. Ich sage, deine Seele, d. i. dein innerer von GOtt geschenkter neuer Wille soll unterschreiben; denn es liegt wenig daran, wenn gleich im äußeren oder unteren Theil allerhand Widerstrebungen gefühlet werden. Auch dieses Gefühl gehöret mit zum Leiden eines Christen; wodurch die Seele unvermerkt gedemüthigel, arm und klein U 5 gemacht zi4 Geistliche Briefe» gemacht Wird, und unter allem widrigen Ge, jF! fühl sich heimlich in die so nahe Gnade und E Kraft ihres Erlösers ersenket, oder doch dar- W nach hungernd und darauf gelaßentlich war- W», tend, endlich von der Gnade völliger durch- drungen wird, und den Sieg erhält durch M den, der sie von Innen belebet. Dieses jetzt- genannte Ersenken, Hungern, Warten, rc. ist das eigentliche Werk des Glaubens, dem W,< sich GOtt endlich gewiß zur Ueberwindung In schenket. Unterscheide also nur besser den Z« inneren Menschen von dem äußeren, und «M wandlemit GOtt getrost fort! Die Natur ^ wird ja wohl nie leiden wollen; sie muß ster- den. Weg mit aller falschen Zärtlichkeit! Weil unsere Zeit kurz ist, so mäßen wir gera- ! dezu wandeln, der Natur entgegen. Wundere dich nicht, lieber Bruder! daß _ du dich noch so entfernt von GOtt und dei- nem Ziel erkennest: wir sind weiter vom Ziel ^ ' verirrt gewesen, als wir wußten. Eben der M HErr unser GOtt ist es, der uns dieses sehen läßt, und ohne unser Wissen uns dergestalt immer näher führet. O ja! er ist uns unaussprechlich nahe; er bemühet sich unaufhörlich mit uns; er sorget wunderbarlich für uns. Er hat dich und mich so viel Jahre, bei unzähligen Weigerungen, gesuchet, und endlich uns selbst auch suchend gemacht, daß es wohl Schande ist, sich noch zu beklagen, wie du in deinem Briefe thust, daß dir GOtt noch so unbekannt, ohnerachtet du ihn schon HI. Theil. loister Brief. Zi? sG dm M«,z ßi ^ e!ÜM ikifsv W! !l! daß dk «K Um» »!»- klAs so lange gesuchet habest. GOtt ist es, wie ich sage, der uns suchen macht; GOtt vergnügt sich in unserem Suchen. Wer GOtt gefunden, der hat einen solchen Schatz gefunden, welchen tausend Jahre gesucht zu haben, einem nicht zu viel noch zu lange dünken wird. Nur redlich fortgefahren, und nicht so bald ermüdet! Man sucht durchgehends GOtt lange, ohne ihn zu finden; und unvermuthet läßt er sich finden ohne Suchen. Das Gingen des Abends mit deinem Bruder rathe ich an, eben nicht abzubrechen; sondern unmaßgeblich erst ein wenig aus dem Neuen Testament oder einem andern Buche zu lesen; sodann ein Liedchen singen: wornach sich ein jeder nur alsbald retiriren könnte, um in keine verstreuende Discourse zu gera- then.-Seyd sämmklich von uns herzlich gegrüßet. Mülheim, den 8 . Aug. 1748. «kB M- KZ Der Der io2te Brief. Brüderliche Theilnehmung mit einem in innerer Blöße und Versuchung stehenden Gemüthe. Von der schädlichen Selbstliebe. Von den Tagen der geistlichen Schöpfung. Wichtiger Zuruf und SegenSwunsch an einige Neu» erweckte. In unserem süßen Heilande herzlich geliebter Bruder! «I ildsll L>cute würde dich mit meiner Hand gegrüßet ^ haben, wenn gleich dein Angenehmes vom zosten Sept. nicht erhalten hätte. Nein, mein lieber Bruder, ich vergesse deiner wohl gar nicht, würde solches auch (wie mich deucht) nicht thun können, wenn ich gleich in Jahr und Tag nichts von dir hörete. Daß du mir nahe am Herzen liegst, ist dem Herzenskündiger bekannt. Wolltest du mir das Umecht anthun, und daran zweifeln, das würbe mich betrüben. Es wäre aber doch nicht zu verwundern, da du wohl gar solltest zweifeln können, ob der HErr, unser Heiland dich noch liebte, oder deiner nicht vergesse? Wer im Düstern wandelt , stehet die Bäume für Gespenster an. Auch in meinem armen Gebeth vergesse ich deiner nicht; allein, weil ich mein Gebeth wahrlich dafür halte, wie ichs nenne, nämlich An AH «i, ' M. Theil. is2ter Brief. 317 ^ lich arm rc. so erwarte du auch von meinem , als meinem Gebet!) nichts Großes; alles aber von der unendlichen Liebe und Barmherzigkeit GOttes, der dich keines- >«n!> jvegs laßen noch loslaßen wird. «?!» Ich nehme in Wahrheit Theil an dei- nem jetzigen schmerzlichen und fürchterlichen zr l» Zustande; ich weiß, wie dir darin zu Muth seyn mäße; der HErr aber, dem wir uns ergeben, weiß und siehets auch. Er hat die >IW drei Männer im feurigen Ofen unversehrt erhalten; ich trau' es ihm zu, er werde dich auch in den Flammen der Versuchungen WA bewahren. >k§» Wenn ich deinen Zustand in dem von . GOtt geschenkten Licht ansehe, so kann ich Wß jetzt viel weniger fürchten, als in voriger Zeit; ich sehe GOttes Hand darin. Es ist >,» wahr, was du schreibest, du bist mehr an dich selbst, als an dieß und das gebunden. W GOtt sey Dank! daß er dich solches mit >l,W Schmerzen fühlen laßt. Aber vielleicht bist M du an dich und in dir selbst gebunden auf d» N eine Art, die du noch nicht deutlich kennest. Wir sitzen am schädlichsten in Uns selbst geM- gen, durch die Liebe zu uns selbst, durchs Vertrauen auf uns selbst, durchs Erwarten WB von uns selbst rc. Und solches denken wir lDs dann wohl nicht, weil dieses Selbst unter M einer ganz andern Larve vor unsere Augen ch« kommt. Wir sehen Unzufriedenheit über ^ unser Böses, Kleinmüthigkeit, Mißtrauen 8 an Geistliche Briefe. an GOtt, Unlust zu allem; rc. weil wie uns so und so elend finden, und anstatt der verhofften Förderung noch zurück zu gehen scheinen: wir denken aber nicht, daß die '1,., Liebe zu uns selbst hinter dieser Larve stecke. ^ Sey nur getrost, mein Bruder! Genug, E daß dein innerer Wille nicht mit Vorsatz E und Bewußtheit zustimmet, oder Gefallen ^ hat am Bösen: genug, daß es dir zur Last und nicht zur Lust ist, und daß dich all dein ^ Jammer und Elend nur veranlaßt, dich in ^ B wahrer Bekenntniß deines sichre« so viel nackter und vertraulicher in GOttes Schooß ^ B zu ersenken und fallen zu laßen, in welchem allein deine gründliche Erlösung, und alles Väl wahre Gut wesentlich zu finden ist. Siehe M dich an als einen, der GOtt angehöret mit O Leib und Seele; demnach hat der HErr M auch Freiheit, über dich, als über sein eigenes M? Gut, zu disponiren. Vergiß möglichst dich Hch selbst und das Bild des Bösen. Raisonnire Fs nicht über GOttes Führung, der öfters «M durch Koth sehend, und durch häßliche Seife rein macht. «lieg Was du bei der Schöpfung anmerkest > dienet gar sehr hieher. Unsere Erde ist Äde und entdecket sich ja wüst und leer, (ei- »Ali gentlich ein confuses cksor) und mit lauter Linsterniß auf der Tiefe. Der lebendige ^ Und lebendigmachende Geist hat seine sechs ^ Tage, daß er schwebet, wie eine Henne ^ über den Eiern, auf den wassern unserer Ni Elen- III. Theit. lv2ter Brief. ZlA eil!ch Elenden, bis sich alles nach und nach scheide, Mn und endlich ein schönes Gebäude zu GBttes B«, Lust und ewiger Beruhigung in uns hervoriß Sie komme. Amen! HErr, oas vollende in jich. uns! Unser Herz und wllle fev dir wahr- 8mg, lich unterworfen, wie der Thon fernem Ach, Töpfer ist! Amen. Wii Wegen meiner Ueberkunft hätte gern eher MEß meinen Endschluß überschrieben; allein die M göttliche Vorsehung hats verhindert, und mir seitdem alle Hände voll.gegeben, daß sn,i> gar nicht schreiben können. Aus Mangel W der Zeit melde nicht alles, was mich ver- Mni hindert har, und noch verhindert; denn die >i>M röche Ruhr continuiret noch immer. — — Wr Ich werde also für diesesmal meine Reise M dorthin müßen fallen laßen. O! wie so Ei herzlich gern vergnügte ich euch alle in diesem uW cuerm Verlangen! Und, wie würde es mich M vergnügen, den Glauben, die Liebe, die Treue, WB den Fortgang in der Heiligung, sowohl in euerm werthen Hause, als auch in den übri- Mi! gen jungen Pflanzen, die mir auf dem Her- zen liegen, sehen zu mögen! Keine ein- stge Seele von allen denen, die ich gesehen, wird bei mir vergessen. Der HEr wolle sie ^ an meiner Statt so viel kräftiger besuchen M wit dem Geist der Gnaden und der Zucht, ^ überzeugend, unterweisend, erweckend, tröflend, nachdem es ein jegliches Herz in seinem besonderen Zustande bedarf! Er, der > ^ HErr suche und rufe sie heraus aus allem, 1 wo zro Geistliche Briefe» wo sie sich verstecken und erhalten wollen, ^ durch seine Allmachtsstimme, wie er unfern ä'7 ersten Aelrern lhal: Adam! wo bist du? E Ach! er laße nicht zu, daß sie einen einzigen D" ruhigen Tag suchen oder finden, als allein ^ in ihm, und in der völligen Übergebung an ihn! Nein, liebste Seelen! ihr findets sonst M, an keinem Ork. Bei JEsu allein ist es, was euer Herz wünschet. Er werde euch " alle Tage wichtiger! Eilet! Brauchet Ernst, und waget alles dabei, daß ihr die theure ^ Perle seiner innigen und ewigen Gemeinschaft im Geist erreichet; denn es ist bald Abend! 1 Mein Herz grüßet und segnet euch alle, und einen jeglichen insbesondere. Ich werde Um eurer vor GOtt nicht vergessen, denn eure unsterbliche Seelen sind mir theuer, wis- send, daß ich euer Angesicht nicht vergeblich gesehen habe. Unser großer Hoherpriester «... JEsus trage eure Namen auf seinem Herzen! "E Er säße und segne euch mit der Kraft seiner ^ göttlichen Liebe, daß ihr, mit mir, würdig-- lieh wandelt eurem hohen Beruf, und Men» ^ schen nach GOttes Herzen werdet! Amen. Lieber Bruder! ich schreibe dieses so in KZ der Eil aus meinem Herzen, da immer ge- tzn, hindert und abgerusen werde. Grüße alle Hgz und jede insbesondere. Grüße herzlich von ^ mir deine liebe Aeitern. JEsus starke und erquicke sie, und mache ihr Alter recht frucht- bar Ki III. Theil. roater Brief. Z2t ' Vl>K h »iM! ^ ch dnD jüsO bar und gesegnet! Deinen lieben Bruder A. grüße ich gleichfalls gar herzlich; GOtt sorget für ihn, und stößt ihn öfters an. Schließlich grüße ich auch dich in verbundener Liebe, mein Bruder! Der HErr sehe auf dich, und vollende es! nßi§, Ä! M »i ld» Dein Mülbeim, den z. -Oct. 1748. .- schwacher Mitbruder. :tz>s« Der ivzte Brief. Os Das reine Vertrauen auf GOtt quillet sanft durch alle Hindernisse. Des Schreibers Verhalten in außerordentlichen Dingen, sowohl bei Ge« sunven als bei Kranken. Meine herzlich geliebte Schwester in ZEsu! f>b ich gleich noch nicht habe schreiben dür- ^ fen seit meiner letztem Krankheit, so folge doch der innigen Neigung, um dich mit ein Paar Zeilen gar herzlich zu grüßen, und zu sagen, daß mir dein angenehmes Schreiben richtig zur Hand gekommen.-- In Ansehung dessen, was du von die selber schreibst, so bleibe nur in dem Sinn und Grund unbesorgt, daß du nämlich bei Zweir. B. iu. Th. R aller Z22 Geistliche Briefe. aller Erkenntniß und Gefühl deiner Schwach- E heilen und Elenden zwar ganz nichts auf dich selbst, aber unendlich viel auf GOtt vertrauest und von seiner Güte erwartest. ^ Diese Lection ist so leicht und bald nicht aus- gelernt, als man denken sollte. Das reine E Vertrauen auf GOtt allein ist wie ein stil- E les klares Wasser aus der Ewigkeit; oft vermischt sich was unreines Wasser damit; oft verdeckt sichs gar: aber es scheidet, nach ^ ' seiner Art, alles Unreine, d. i- alle Absichten auf uns selbst, immer mehr ab, und quillet '> ^ sanft durch alle Hindernisse hindurch, und nimmt die Seele mit in seinen Ursprung. M Laßet uns das Gute und Böse in uns sehr M i unschuldig, sehr im Vorbeigehen, und so '«>« wenig als möglich ist, ansehen! GOtt ist «Echi allein gut, und ihn ansehen macht gut. Was anlangt dein Verhalten in Anse- iitr,! hung des verstorbenen Vetters N. so kann «M ich überhaupt nicht sagen, daß du dich an- Mt e ders als nach GOttes Willen darin betragen clim hast; du konntest ihn in dem Zustande, wor- chori in er war, nicht von dir abweisen; wäre A. ^ auch nicht gut gewesen. Ob du nun gleich V? unwissend wärest, ihm zu rathen, so gibt ich einem doch GOtt bei solchen Umständen das «A Nöthige, um eines armen Dürftigen wil- Sder len. Zu dem Ende befiehlt man sich GOtt kindlich an, und trauets ihm dann einfältig zu, er werde geben zu denken und zu reden, was ihm gefällig ist. Kommt man dann aus Ul. Theil. Ivzter Brief. Z2Z aus solchen Gelegenheiten, dann muß man ff «ij sich wieder vor GOtt demüthigen, und nicht M mehr dran denken wie es gegangen ist. AH Ob dasjenige, so deinem Vetter begeg- ch!« net, in Ansehung der zwo gesehenen Perso- «NNr nen, göttlich gewesen sey oder nicht? daran nn ß, ist wenig gelegen; das aber ist gewiß, es ist «il! ß ihm von GOltes wegen und zu seiner Srär- i!win kung begegnet: und deßwegen war es gut, dihrtz daß du ihm nur bei allem zu beruhigen und W im Vertrauen zu GOtt hast suchen zu stär- jßstl,! ken. Gesetzt, es wäre ein Traum gewesen, tz, V und er hätte es für eine göttliche Elschei- üj'M nung gehalten, und wäre durch solche vers w ß meynce Erscheinung aufgemuntert und im unv st Vertrauen gestärket worden, so wäre gar W ß kein Schade dabei. Ja, wenn ichs gewiß M. als einen Traum oder Einbildung erkannt M hatte, so würde ich mir ein Gewissen durch W über gemacht haben, ihm solches zu sagen , ,damit er die gute Frucht und Nutzen mehr verlieren möchte. So mach' ichs meist bei ^ M außerordentlichen Dingen , die mir vorkom- iß Ui men. Ich sehe, was der Baum für Früchte ÜB trägt? Nur mit dem Unterschied, daß ich HM bei gesunden, und außer besonder» Proben stehenden Personen, wegen des Versuchers und der Eigenheit, es immer dahin lenke, Mt daß man bei den außerordentlichen Dmgen st^si nicht lang stehen ble'be, sondern hübsch Frucht einsammle. Bei Sterbenden nach z GOtt Hungernden aber muß man sonderlich ^ L - das Z 24 Geistliche Briefe. das Fünklein des Glaubens anzublasen suchen. ^ Ach! die arme Herzen stecken ohnedem tief genug im finstern Mißtrauen; der Feind stößt auch nur tiefer drein, damit das Gemüth ^ in unruhiges Zagen komme und von GOtt,,^ weg bleibe: da sollen wir zu solcher Zeit^», den lieben Engeln Hülfe leisten, als welche ,Ps JEsu und den nach ihm hungernden ar- kB men Seelen so gerne Herzstärkungen guter Gedanken und des Vertrauens zu GOtt ^n zubringen. Luc. 22, 4z. ^ Nun bin ich schon recht müde. Mein Herz grüßet dich, liebe Schwester, und wünschet M dir des HErrn Segen aus seinem Heilig- thum zu allem, was nöthig ist. AmenlM JEsu! Gedenke auch meiner vor GOtt. M Einige hiesige Kinder, die mich in der Krank- im A> heit kamen sehen, haben auch zu grüßen W ersucht. «D ^Nülbeim , verbundener schwacher E den ir. Dec. 1748. Mitbruder. Der MG, . . Äks, «Ä-------!--!--------!-!!-----!---H»* GW G-ch Der ic>4te Brief. »W ch, Wie man sich im Stande der Finsierniß und Lei« den zu verhalten habe. Daß GOtt die Sei. n'sen weislich vor eigener Anmaßung zu «»« bewahren wisse. In der Gnade IEsu herzlich geliebte Schwefln! >i> M F>ein Angenehmes vom rösten Nov. habe zu seiner Zeit wohl erhalten, aber just wie . Am ich krank und äußerlich im Finstern war. sc W Ich Hab' in manchen Jahren keinen so ernst- Mlii liehen Anfall leiblicher Krankheit gehabt, so U zDdaß ich auch gedachte, obs vielleicht mit mir hier zum Ende gegangen wäre? Es waren Fieber und ein starker Husten, sammt andern Zufällen. In drei Wochen bin ich nicht mehr g^als einmal von der Kammer gekommen, und W, saß ohxx lag im Finstern, weil Haupt und M Augen kein Licht leiden wollten. Jetzt bin ich wieder etwas besser, doch noch nicht aus gewesen, weil noch fieberhaft, flüssig und schwach im Haupt bleibe. Hilf mir dem lieben GOtt danken für seine väterliche Züchtigung. Ich kann sagen, daß mirs erkenntlich ist. GOtt segne mirs! daß die beäugte Frucht nicht verwelke, sondern reif werde. X r Was zr6 Geistliche Briefe. „ Was du sonst von deinem jetzigen Stande ^ der Finsterniß und Leiden schreibest, solches habe dem HErrn in meinem Gebeth dar, gelegt, hoffe es auch durch seinen Beistand M h ferner zu rhun. Ich nehme so gern Theil an dem Wohl und Weh meiner Mitglieder, wo- L mit mich die Vorsehung bekannt gemacht hat. ^ Allein! was soll ich sagen? liebe Schwester!^ § Dieses Leven ist, um zu leiden, und jenes ^ § unendliche Leben, um zu genießen, sonder-"^ lich für uns, die wir einem gekreuzigten Hei- land aus Gnaden angehören, auf die Condi- ^ ^ tion, daß unser Theil nicht in diesem Lebens feyn soll. Es kann zwar seyn, daß der Zu- ^ stand deines Körpers, bei zu weniger Bewe- „ gung, das Gemüth mit ängstiget, verfinstert . und beschweret: es komme aber von dieser oder ! jener Seite, so ist es doch Leiden, und Leiden? ? von GOtt. Packe in GOttes Namen nur auf, und trage dein Kreuz getrost dem HErrn A nach; er wird im Verborgenen helfen, das^ traue ich ihm zu. - Wir mäßen leiden; wir sagen, daß wir auch wollen leiden; aber wir arme, eigenlie- E bige, oder doch gemächliche Kinder wissen tausend Einwendungen vorzubringen, warum M wir uns just ins gegenwärtige Leiden nicht wohl bequemen können; bald haben wir dieß, E- j bald jenes daran auszusetzen, und machen M uns dadurch die Last nur schwerer. Laßt uns einfältig von GOtt annehmen, was kommt, B,» uns ihm anbefehlen, und ihn für uns wählen « laßen. ?27 III. Theil. rc,4ter Brief. laßen. Wir können die zwei ä drei Tage die- ^ ses elenden Lebens nicht nützlicher zubringen, ch ^ als im willigen Leiden. Sagst du: Ich bin Ä'U nicht willig; dann kann ich dir nicht glauben. GÖtt hat dir doch einen willigen Geist Ln ^ gegeben, obgleich das Fleisch schwach ist. E« Aber das sagst du: Du fallest aus der einen Sünde in die andere. Das wäre nun nicht M« gut, wenn es Wahrheit wäre; ich denke >„ aber, du machest dir in jetziger Finsterniß auch manche fürchterliche Vorstellungen, und bildest ^ dir Sünde ein, wo keine ist, sonderlich wenn du viel untersuchen und raisonniren willst. Dem sey, wie ihm wolle; in der Finsterniß ^ kann man leicht Fehltritte thun, ob man sie gleich nicht gerne thut: deßwegen bekenne dich ,überall (ohne Untersuchen) schuldig. Ersenke dich mit Vertrauen m JEsum, so gut du k"kannst, und vergiß die Dinge dann wieder. , Auf diese Weise erreicht GOtt seinen End- ^Zweck durch deine Entblößung. W'" Man verursachet sich aber in solchen Zu- ständen unwissend manche Fehler und Leiden, t"'^ eben dadurch, daß man nicht leiden will; davon kommt heimliche Unzufriedenheit, Trau- rigkeit, und Verdruß, welche Eigenschaften man überall mit nimmt, und in alles einfüh- E ret, so daß einem vieles nicht recht ist, und daher durch Unwillen manches versehen wird. E Sey derhalben nur zufrieden, liebe Schwele ^ sier, mit der gegenwärtigen Führung über dir! si'f, Eine Seele, die nicht Welt, nicht Sünde, X 4 Indern Z2tz Geistliche Briefe. sondern nach dem Grunde nichts anders will, E als ganz für GOtt und nach seinem Herzen E sepn, die hat im Finstern nichts zu fürchten., E und ist nimmermehr von GOtt verlaßen, ob es ihr gleich so dünket. M Du ängstigest dich, obwohl ohne Grund, M über den Spruch: wer nnch lieber, der Mi hätt meine Gebsre; so leide dann, und er- ^ W fülle dieses Gebot JEsu, und beweise dadurch, Mei daß du ihn liebest. Ach! welch eine edle Liebe M ist es, leiden wollen ohne Empfindung der Lie- M j be. Du denkst, es sey dein Armükhchen nun M verloren, woran du zwölf ä dreizehn Jahr gesparet hast ; keineswegs! Der himmlische ' . Vater hat die Spardose in Verwahrung ge- nommen, um dir selbige zu seiner Zeit mit Ge- D winn wieder zu geben, sammt der Erbschaft; denn es ist wahr, wir bekommen öfters " Sparpfennige, aber die Kinder müßen nicht immer mit der Spardose spielen, sondern auch in die Schule gehen. Weil aber dumme Kinder öfters allerhand nichtsnutzige Sachen M mit in die Spardose thuu, so wirft das der Vater wohl weg. Lastet uns nicht unwillig darüber werden! bei ihm sind unsere Sachen am besten verwahret. Ach, mein GOtt, wann ich ansehe den Jammer unserer tief eingedrungenen Eigenheit, und wie so subtil sich dieses Gift in alles einmischet, und machet, daß wir unvermerkt Diebe der heiligen Dinge werden, indem wir uns anmaßen dessen, was GOttes ist; ss muß Wü>,H HI. Theil. iv4ter Brief. Z29 muß ich anbethen und preisen die Wege der göttlichen Weisheit, welche ihre Kinder irr diesem Lehen vielfältig durch die Wege der Leiden und inneren Armuth führet, zu unserer Bewahrung. Wage dich dann dabei, liebe Schwester! Suche nicht das Deine in dem Dienst GOt- tes. Liebe nicht mehr nach kindisch erArt. Vertraue deine Seele GOtt an, und laß ihn sie bewahren; du aber arbeite, leide, und lobe GOtt in dem Leiden, denn jetzt ist ers so würdig, als vorhin. Noch ein wenig! bald kommt das Ende. Ich schreibe so ohne Besinnung, da nur eben grüßen wollte. Ueberhaupt wirst du M; meinen Sinn doch fassen können.-Ich kann nun nicht mehr schreiben, weil ganz müd' und matt bin. JEsus lebe! > Dein Mülheim, verbundener schwacher MX den rr« Dec. 1748. Mitbruder. X 5 Der ««D Der ivzte Brief. A Aufmunterung zu einem innigen abgeschiedenen U Wandel. M Herzlich geliebter Bruder in unserm süßen Heilande! Ov ü!ll^ sowohl deinen Neujahrsbrief aus S. (des- sen Inhalt der HErr erfülle nach seinem ^ Wohlgefallen) als auch deinen Angenehmen ^ vom roten dieses aus dem B. habe zu seiner Zeit richtig erhalten: ich darf aber die Feder ^ noch wenig gebrauchen, obgleich nach der Krankheit genug damit zu thun hätte; den- ^ noch muß ich dich herzlich grüßen, und dich auch mit der Feder meiner einfältigen und ; innigen Liebe versichern. ' IW Es war bei meiner Krankheit zwar ein M Umstand, der da machte, daß ich auch auf As einen Uebergang dachte; sonst würde dieKrank- M heit in sich bei einem stärkeren Körper, als der Meinige ist, so wichtig nicht gewesen seyn: doch habe in etlichen Jahren keinen so ernst- ^ liehen Anfall gehabt. Ich danke GOtt für ^ diese gnädige Züchtigung, die mir gut gewe- sen. Mein Herz und Sinn will unverrückt lind völlig ins Ewige. Alles Leben, das nicht ^ mit Wahrheit ein Leben vor GOtt ist, kommt ^ Ds» »M« V »t - III. Theil. Io5ter Brief. zzr mir höchst unwerth und thöricht vor. Laßet uns Leben, Zeit, Kraft, Körper und was wir hier haben, für GOtt wagen und anwenden, denn bald haben wirs nicht mehr! GOtt will auch dich, lieber Bruder! mehr in eine wahre Abgeschiedenheit einführen, um sich dir, nach seinem Wohlgefallen, mittheilen zu können. Wandte einfältig, und laß dich durch GOttes Führung inwendig verein- faltigen, und aus den Sinnen in den Geist einleiren. Unser Reich ist nicht von dieser Welt, sondern inwendig in uns. Wo dieses Welt-, Sinnen-, und Vernunftsreich ein Ende hat, da fängt GOttes Reich in uns an: doch können wirs nicht ergreifen, es muß sich offenbaren ; wir nähern uns aber demselben durch die redliche Folge in den Wegen der Verläug- nung, des Leidens und des Gebeths. Du bittest mich um Vergebung, rc. Ist was da, zu vergeben? dann sey es dir von ganzem Herzen geschenket, und dir ein ewiger Segen aus der Fülle JEsu von mir zugewün- schet! Ob ich gleich auch vorhin nichts zu vergeben bei mir gefunden, sondern brüderliche und kindliche Liebesvereinigung; so ist mirs dennoch lieb, daß du dich wohl willst beugen und unterwerfen. Meiner Herzensneigung und Angelegenheit an deiner Seelen Förderung kannst du versichert seyn: aber mein Licht und Vermögen sind gering. Laßet uns in allem auf GOtt sehen und vertrauen! Zch zzr Geistliche Briefe. Ich grüße dich zärtlich, auch von hiesigen Bekannten. Deinen Vater, Mutter und sammt und sonders die gerufene Herzen da- W selbst, grüße ich gleichfalls mit aller Angele- ? HZ genheit. Ich darf nicht mehr schreiben. Ver- > bleibe Atz Dein M Mülkeim, den 19. Dec. 1748. treu Verbundener. '.' E 'A Der roste Brief. 8 ! Daß wir nach geschehener Uebergabe an GOtt, der Führung JLsu wirkender und leidender ^ Weise folgen müßen, und wie solches ge- Mi schehe. Mi dknr Herzlich geliebter Bruder in der Gnade k 3Esu! e^>ein Angenehmes vom irten Nov. habe W ^ der Zeit wohl erhalten, und öfters im M Geist beantwortet, da solches mit der Feder ün, zu thun bisher bin verhindert geworden; auch Kim bin noch wenig zum Schreiben im Stande. ^« Lieber Bruder! wir sind des HErrn. W Von dem Augenblick an, da wir uns ihm mit R i redlichem Herzen ergeben haben, gehören wir ihm zu mit allem, was wir sind, und nicht li,« mehr m. Theil. Io6ter Brief. ZZZ mehr uns selbst: dafür mögen und mäßen TW wir uns Hallen. Hiebei bleibt es; oder wir kn ^ müßten einen so solennen Wiederruf thun, als lM, die Ergebung zuvor gewesen ist, wofür uns Kl, der HErr wohl bewahren wird. Es bleibt dabei! sag' ich, und als solche siebet uns auch GOtt aus Gnaden an. Indessen sind wir noch nicht fertig. Der Sinn muß gründ- W«. licher aus allem heraus, das Herz von den Eigenheiten gereiniget, und die ganze Liebes- neigung und Absicht lauterer auf GOtt allein gerichtet werden, um der innigen Vereinigung mit GOtt fähig zu seyn. Dahin zu gelangen, haben wir uns JEsu, und der Führung seines > Geistes, anvertrauet, denn er ist unser Selig- .. macher. An unserer Seite ist dann nichts zu ,-M thun, als nur, daß wir, nach dem Maß ^,,, unsers Lichts und Standes, bei ihm bleiben, und ihm folgen, beides wirkender und leidender Weise. M Laß dein Herz, deine Herzensneigungen ^ und Herzensgedanken kindlich und frei, aber doch mit Wahrheit, dem innignahen GOtt ^ zugewandt seyn. Folge mit einer ruhigen, aber bedachtsamen Zustimmung den Eindrü- ^ cken und Neigungen, die er dir geben möchte, ^ deine Lust, Liebe und Leben von allem zu schei- den und auf ihn allein zu wenden. Er sey 'W. wahrlich Herr und Meister in deinem Herzen, und dein Wille und alles werde ihm, ohne Raisonniren, unterthänig, nach der Anweisung, die er dir von Zeit zu Zeit dazu geben möchte! «k." Diese z;4 Geistliche Briefe. Diese Anweisung ist gar was anders, als das ungewisse, ängstliche, unruhige Treiben, so aus eigenem Nachdenken und Scrupuliren entste- E het. Die Anweisung oder Führung des Geistes D ^ JEsu ist ein inniger ruhiger Eindruck, Neigung, Mit oder auch wohl ein inniges Licht, wodurch M die Seele zu GOtt geleitet wird; wozu nicht Nachdenken, sondern eine einfältige Herzens- W stille und Sammlung nöthig ist. Dieses Mil lehret uns nicht eben große und außeror- M deutliche Geheimnisse, sondern nur das Eine A Geheimniß, wie wir uns selbst sterben, und ilii sch GOrre leben sollen. Dergestalt folget man Her dem HErrn wirkender weise. W Leidender weise folgest du ihm, wenn jchß du alles, was dir vom Morgen bis zum Abend, Ae h mittelbar oder unmittelbar, nach Leib oder sssch nach Seele begegnet, mit Respect und Wil- ji» ligkeit von GOtt selbst annimmst, als etwas «ch Dienliches und Gutes für dich. Dahin gehö- M ren unter andern die Umstände deiner leib- liehen Krankheit. GOtt weiß es am Beßten, K lieber Bruder, was dir gut ist; ob du ihm W besser in Schwachheit oder Gesundheit dienen W kannst? Dahin gehören auch die damit ver- LrrH knüpfte Dunkelheiten, fürchterliche Vorstel- itz» lungen, Traurigkeit, Erfahrung eigener D Schwachheiten und eigenen Unvermögens, dich selbst zu verlaßen, sinnliche Triftigkeiten H g und Zerstreuungen in den Gedanken. Bei diesen und andern dergleichen Dingen folgest «tz, du GOtt leidender Werse, wenn du solche W Dinge HI. Theil. io6ter Brief. zz; Dinge leidest aus Unterwerfung an GOtt, und zwar so friedsam, als dir möglich ist, zustimmend in dein Nichts und Elend, aber W dich in GOtt neigend, oder ihm überlaßend, W, mit Vertrauen, daß dein Heil von ihm kom- Mch men werde, nach seinem Wohlgefallen. Von Mi dem aber, was in sich böse und sündlich ist, scheidet sich der Wille mit Wahrheit ab. W Man leidets zwar auch; aber also, das chm GOttes Auge sehen kann, man approbire es nicht. Von düsterer ncuü'. lecher Traurig- >«i, « keir scheidet man sich auch möglichst, hangt lgkl« solcher wenigstens nicht nach, sondern sucht sich lieber auf eine oder die andere Weise was , » zu helfen, aber mit Gelaßenheit und Unschuld. W, Die Triftigkeiten leidet man, ohne ibnen Wer zu folgen. Kann man den sinnlichen Zer- streuungen im Geber!) nicht entweichen, dann Mi Verächter man solche, und bleibt in der Her- zensmeynung ruhig bei GOtt, und tragt ihm zu lieb solche Dornenkrone. M GOtt sorget für dich, lieber Bruder! Dts Schmiege dich nach ihm vom Morgen bis zum M Abend, und was du nicht kannst, das lerne. Der HErr wird es ausführen. Laßt uns uns Ujß selbst und das Unsere in diesem kurzen Leben . nicht suchen, auch nicht in dem Dienst GOt- ies, sondern wahrlich GOtt allein. Ach! An wird GOtt nur vergnügt, dann sollen wir gern unser leibliches und geistliches Vergnügen entbehren wollen. Es gehet alles wie ein schlechter Traum vorüber. GOtt ist unsere ZZ6 Geistliche Briefe«. Seligkeit; in ihm werden wirs ewig gut haben. JEsus lebe und verkläre sich in dir, sonderlich auch zu dieser Zeit, da wir uns abermals feierlich erinnern sollen der Leutseligkeit GOttes in der Offenbarung seiner Liebe bei der Menschwerdung und Geburt seines Sohnes. Deinen Vater, Mutter, Bruder, auch übrige berufene Gemürber, allesammt grüßeich gar herzlich, und wünsche, daß sie auch im Winter wachsen und grünen mögen in der Gnade! Verbleibe Dein Mülbeim, den 19. Dee 1748. Der ivyte Brief. Aufmunterung zum Leiden und Lieben. Herzgeliebte Schwester in JEsu! ^Utzend in der Stille, vor dem Angesicht unsers liebsten Heilandes, grüßet und segnet dich meine Seele in seinem Namen, und wünschet dir aus seiner so nahen Fülle alles, was dich wahrlich vergnügen, stärken und ihm angenehm machen kann. Sey nur ganz getrost und zufrieden in deinem Leiden! JEsus leidet mit dir; JEsus leidet in dir, und verbundener schwacher Pfei Mitbruder. M M!I > «I ri>M Der Dir M. Theil. rv7ter Brief. z ;7 W und du leidest in- und mit ihm, und bist ja nicht alleine. Auch ich leide mit dir, mein ^b! ergeben mit Leib und Seele; darum sorge »W nur nicht, denn du bist schon in seiner Hand. Leide und liebe dann, wie ein Kind in seiner Mutter Schooß; da bleibe ganz still und willenlos, ja bilderlos. Er wird dich W schon selbst bilden, wie du seyn mußt. O wie r. so einfältig, beugsam, unschuldig und kindlich will er dich machen! O wie so absolut -ch, will er dein HErr und Meister, dein Leben und dein Alles seyn! Ueberlaß dich dann nur, ! mit süßem Vertrauen, seiner Hand, und gib !' seinen Wirkungen ungezwungen Raum; er ist getreu, er wird es ausführen. Ich grüße dich abermals meine Tochter, und versickere .L-.! dich meines brüderlichen Andenkens und mei- ner unverrückten Geistesgemeinschaft. Opfere W>tl mich auch dem HErrn auf! Ich bleibe rc. Der süße Name JEsus sey Dir ewig süß und täglich neu, E' Zum Lieben und zum Leiden kräftig. Und zur Vollendung sehr geschäfftig! Mülheim, ^ Zweit. B. m. Th. A Dep. Der io8te Brief. Unsere Leibesbaufälligkeit soll uns umsehend ma- M chen nach der göttlichen Behausung, durch M Gebeth, Glauben und Liebe. ^ § Herzlich geliebter Bruder in dem/ der Gii sich nicht geschämet, unser Bruder ?>-e>» zu werden. -'h- ^Leide deine angenehme Brieflein vom isten M j ^ und rzten Decembr. habe zu seiner Zeit wohl erhalten, und mit herzlichem Segens- ^ wünsch im Geist beantwortet. Ich danke mit dir dem HErrn von Her- ^ zen , daß er deine und meine äußere Hütte bis ins neue Jahr erhalten, und, wie es ^ scheinet, eine kleine Stütze an das baufäl- ^ lige Gebäude angelappt hat. Wie lang aber die Stütze balten wird, weiß der HErr. ' Inzwischen verspüren wir beiderseits wohl so ^ viel, daß sich nicht viel darauf zu verlaßen i ist. Die Hütte bleibt wankend und krachend: darum wollen wir bei der vorigen Resolu- ^ " tion bleiben, und uns umsehen nach einer bessern und beständigem Behausung in den Himmeln. 2 Cor. s. Diese ist ein unver- ^" gleichlicher Bau aus GOtr, und bestehet ^ in der göttlichen Klarheit, herrlichen Unsterb- ^ lichkeit, --r» III. Theil. ivZter Brief. W licbkeit, und unsterblichen Herrlichkeit, die in Adam weggewichen und verblichen, in der Menschwerdung und Geburt Christi aber wieder in die Menschheit eingeführer ist. Durch Gebet!), Glauben, Lieben und Einkehr vereinigen wir uns mit diesem so nahen GOttmenschen und gloriosen göttlichen Kindlein- der dann unser Elend in sich verschlingt, und uns seine Klarheit mitthe'lt, wie eine kalte schwarze Kohle von einer sich zu ihr nahenden glühenden Koble angezündet und schön gemacht wird; da hat dann die Hoble nicht mehr ikr schwarzes, sondern ein schönes glänzendes Kleid. Nun! darnach seufzen wir auch, daß wir dieses Kleid anziehen mögen bei Leibes keben, und daß, ehe wir uns, durch dm leiblichen Tod, noch ausziehen, alles . Schwarze und Sterbliche von dem Leben der dff> Klarheit in JEsu möge verschlungen seyn! M>i Cor. s, 4. Daß auch dieses nun ange- >M Ih Kl Ml IM KZ W ch» F F iE sangene Jakr dazu kräftig möge gesegnet seyn, wünschet meine Seele, mit innigster Angelegenheit, dir und unfern beiden Schwestern vor dem Angesichte GOttes; gleichwie ich auch für mich selbst solches sehnlich wünsche. Zu dem Ende vereinige ich mich mit euch aufs Neue, um einander zu fassen , und Aed und Leid zusammen zu tragen. Amen JEsu!- ?4 ^ Leben bis hierzu erhält und verlängert, durch V die Fürbitte seines Sohns, der wird auch sehen, daß ihm solches nöthig, gut und ^ nützlich seyn möge. Es wirke dann der HErr N durch seine Gnade unablaßig in dem Herzen ^ des Patienten, damit alle noch übrige Tage, ^ Stun- IH. Theil. royter Brief. Z4i aziij Mi >» slSF li» ,,W I-I» !,p' Stunden und Augenblicke dieses zeitlichen Lebens und Leidens nur eine gesegnete fruchtbare Zeit der Schmelzung und Zubereitung zum ewigen Leben seyn möge! Ich bedaure zwar von Herzen sein langwieriges Leiden, worunter GOtt ausharrende Geduld unbedingte Uebergabe in seine Schöpfers, und Töpfershand schenken wolle! Allein die gesegnete Frucht, die wir daraus hoffen und erbitten, wird alles Leiden reichlich ersetzen. Er stehe nur bei, und züchtige in Gnaden, damit wir nicht mit der Welt verdammt werden! i Cor. n, ? 2. Es werde der Leib gekreu- ziget, damit der Geist erhalten werde am Tage des Gerichts! Ich ersuche dann, den lieben Vater gar herzlich von mir zu grüßen, und ihn meiner fortwährenden Angelegenheit an dessen in - und äußerem Zustande, meiner Assertion und Fassung im Gebet!) zu versichern. — Das Allerangenehmste in deinem Briefe war mir dieses, daß ich überhaupt daraus verstand, daß meine dasige liebe Mitberusene noch ernstlich waren. (!) mein Gr Geduld die Hülse und Erlö- H jung vom HErrn zu erwarten; wobei ich noch H setze: Äkt ül«» >ld!ß i >k«! i« >k! III. Theil. noter Brief. Z4Z setze: das Böse und alle Anfälle möglichst zu verachten und zu vergessen; das Gebeth, so gebrechliches auch sepn mag, nicht zu unterlaßen; zufrieden zu seyn mit dem gegenwärtigen Willen und Führung GOttes, ohne Absicht auf eigenes Vergnügen. Ich befehle dich der treuen Aufsicht und Leitung unsers guten Heilandes, sitzend als vor seinen Augen. Sey getrost in ihm, er wird es ausführen, und endlich, als König, alles Widrige zum Schemel seiner Füße legen, und seinen Thron in unfern armen Herzen aufrichten. Amen! Ich grüße und bleibe durch Gnade, rc. Mülheim, hl" den 6 . Febr. 1749. Der iiote Brief. Di Muthgebung an ein in Proben und Leiden stehen- D des Gemüth. D ,F Herzlich geliebter Bruder! c>ch muß durch dieses nur antworten, daß ^ ich auf dein mir Angenehmes, vom 2ten dieses, zu antworten nicht im Stande bin. Ich fasse dich, mein Bruder; ich nehme Theil V 4 an ?44 Geistliche Briefe. an deinen Proben nnd Leiden, nnd traue dem HErrn zu, er werde dich im Verborgenen fest halten, und dir durchhelfen. Stimme zu in dein Nichts; erwarte alles Gute vom HErrn, und überlaß dich ihm, ohne zu sehen, wo du hinkommst. Den übelriechenden Mist unserer Elenden wird seine Weisheit noch zu brauchen wissen, daß schöne Blüm- lein daraus wachsen. Grüße herzlich sämmtlich erweckte Seelen daselbst. Sie sind mir nahe. JEsus segne nnd schütze sie! Ich höre als einmal gern, wie sie stehen. Ich bin, rc. Mülbeim, den 8. März, 1749. Dex mte Brief. Herzlich geliebter Bruder! Für ß K üirdsl Wi/ SN )r «M Daß GOtt einem jeglichen seiner Kinder etwas von den Leiden JEsu Christi mittheile, und zu was Ende solches geschehe. Kr, Kur lilsN dm ^0 wohl dein Angenehmes vom i7ten die- ^ ses, als auch Letzteres vom 2sten habe zu seiner Zeit richtig bekommen. Daß du so abwechselnd in kränklenden Umständen bleibest, ersehe einer Seils mit brüder- >e> Z45 III. Theil. mter Brief. W isil- Äill A ^!w ?«>« st»! I,»>! brüderlichem Mitleiden; anderer Seits muß ich darin anbethen das untadeliche Wohlgefallen der ewigen Liebe, welche diesen Weg der Leiden und des Kränkelns für dich erwählet, ihn darin zu ehren, und durch denselben zu ihm gebracht zu werden, nachdem seine Hand dich durchs Leiden wird vollendet haben, in seiner Ordnung Für einen jeglichen seiner Hausgenossen und Kinder erstehet der HErr einen Weg und Werk, worin er seinen GOlt und Heiland soll ehren, und ein Theilchen von dem Leben, Leiden, Lieben, von der Armurh, re. JEsu Christi, das er an sich tragen soll, um in Zeit und Ewigkeit in einem solchen Kleid und Glanz zu GOttes Lob zu prangen, und durch eine solche Liberei zu zeigen, daß er zum Leibe Christi gehöre. Wir haben dann hiebei nichts zu thun, mein lieber Bruder, als nur daß wir mit kindlicher Liebe und Respect annehmen, was uns mit väterlicher Liebe, und aus wohlbedachtem Rath, von Tag zu Tage, von Stund zu Stunde gegeben wird; denn gewiß! das ist das Beßre; das werden wir in jenem Licht mit seligster Verwunderung, erkennen. Ja, schon hier wollen wirs im Glauben bekennen, daß der HErr GOrr ftp, dem wir angehören, und daß Er uns gemacht habe, und machen MÜße, und nichr wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner weide. Lies einmal diesen roosten Psalm, und glaube es nur Z- 5 kind- Z46 Geistliche Briefe. kindlich, daß der HErr gut und freundlich ^ bleibe, auch mitten in den Leiden. ^ Daß du jetzt deine Zerstreuungen, deine Anklebungen, und mit Einem Wort dich flbst viel entdeckest, ist nicht zu verwunderen; wann das Vögelein auffliegen will, so fühlt es den Faden, der es gebunden hält. Bleibe nur ein girrendes Turteltäublein; der HErr . z wird deine Bande zerbrechen, die du nicht mehr mit Lust, sondern mit Last trögest. Ach! ^ mem GDrc! könnten wirs dir doch nur Hz, fein alles Zutrauen, und ließen uns nur so ^ viel nackter und herzlicher in dich hinein ^ fallen , je weniger wir Gutes in uns selbst fänden! Nun du mußt und wirst auch S" > dieses geben. Amen! Ich grüße dich und unsere Schwestern M herzlich. JEsus sey in eurer Mitte! und ich M bin auch öfters im Geiste da. > Dein nM Mülheim, verbundener, schwacher O! den 27. Marz, 1749. Bruder. kch dch dich dU; Der ii2te Brief. An einen Kranken; daß die ihm wiederfahrene Gnade von GOtt sey: nebst einigen Derhal» tungsregeln in Ansehung seines Inwendigen. lW W In IEsu herzlich geliebter Bruder! c^ch sehe aus deinem sonst Angenehmen den O Zustand deiner Krankheit, und auch die Im! Beschaffenheit deines Gemüths. Die Gnade, womit dir GOtt unter den Fiebern inwendig begegnet, ist gewiß von ihm; du hast keine Ursache daran zu zweifeln. Die dunkle Stille und geheime Beruhigung nach dem Grunde hat ihr Zeugniß genugsam bei sich, daß etwas Ewiges und Göttliches dem Geiste nahe ist, nämlich GOrr selbst, unser höchstes, ewiges, allvergnügendes Gut. Du thust wohl, daß du deine Attention ^ und Neigung möglichst abgeschieden und zur Ewigkeit gelenker hältst; wie solches auch dein jetziger Ruf und Neigung erfodert. Nur strenge dich nicht mit zu vieler Gewalt an, um dich in diese oder jene Stellung zu setzen. Genug! daß Herz und Andacht nichts will, als was GOtt und ewig ist. Uebrigens schmiegest du dich nach GOtt, und nimmst an die Gestalt, die Neigung und ihn selbst, sowie es ihm gefallen möchte. Die Ausstreckung ^ deines Z48 Geistliche Briefe. deines Geistes, dich mit diesem ewigen Gut ^ zu vereinigen, ist GOttes Werk, und scheidet , von s« lbst von allem ab. ^ Mein lieber Bruder! reflectire doch nicht auf deine Unfähigkeit oder Unreinigkeit, GOtt M wesentlich zu können schauen, wie du sprichst, b Wen GOtt fähig und rein machen will, ^ der ist es gar bald. Es muß dich sehr vergnügen, daß du in dir nichts Gutes hast, ^ und daß du GOtt die Ehre geben, und von - ihm in Zeit und Ewigkeit, alles erwarten kannst. Ach mein GOtt! Du allein bist gur; du allein bist groß , und unserm A x Geist so wesentlich nahe. O wie vergnü- gend ist diese große Wahrheit! Bleibe auch meinem lieben Bruder wesentlich nahe, und ^ vergnüge seinen Geist hier und ewig durch dich ^ § selbst. Mache ihn gut, rein und deiner " t fähig, indem du ihn in dich einnimmst, und laß seinen Geist, sich selbst vergessend, dich ^ allein groß machen in Ewigkeit. Amen ? IEsu! ^ Dein h; Mülheim, treu verbundener Bru- « 1 " den 29. Marz, 1749. der. ?49 chÄü »ich! Ält Kd» «»ch Der uzte Brief. Anbethung des Lammes, durch dessen Blut unS GOtt so innigst nahe ist. Wie sich bei Mittheilung der Gnade und in Zerstreuung zu verhalten. chm D In IEsu, unserm ewigen Heil, lieber Herzensbruder! Mus deinem und Bruder F. Brief ersehe ich, ^ daß du schwach bist, sonderlich dein Haupt. Es werde GOttes Kraft in deiner Schwachheit mächtig auf alle Weise! Was liegt am äußeren Menschen, ob der abnimmt und verweset? Der innere Mensch nehme nur zu, und vereinige sich so viel inniger mit dem unsichtbaren Gut, das allein gründlich und auf ewig vergnüget! Anbethung, Dank und ewiges Lob sey dem Lamme, das geschlachtet isU durch dessen Blut uns dieses ewig-vergnügende Gut so innigst - nahe gebracht ist, und wir freie Crlaubniß haben, ohne Bedenken zu ihm zu nahen, und mit geschloffenen Augen uns ihm zu überlaßen. Ach ja! du ewige Liebe! dir allein haben wir alles zu danken. Du liebest uns, nur weil du so gur und wesentlich Liebe bist. M.^ch' uns durch dich selbst guc und liebenswürdig, da wirs durch uns selbst nicht ' sind z;o Geistliche Briefe. sind noch werden können; damit du in ^ emer ganzen Ewigkeit Ebre und Wohlgefallen ln uns haben mögest! Amen. z Daß dir GOtt mit seiner Gnade und Liebe noch zuweilen besonders begegnet, sehe Wck ich mir Erkenntlichkeit. Seine göttliche Ma- M jestär weiß gar wobl, was du nöthig hast; «dn und was du nöthig haben wirst, wird er dir, bis zum Ende deines Wegs, gewißlich geben; das kannst du ihm kindlich zutrauen. Laß dich ^ j durch ihn selbst bewahren im Gegenwärtigen. Die 'Affekten, Eigenliebe, und Zer- ^ sireuungen, wovon du meldest, zeigen nur, was du in dir selbst bist und vermagst. ^ Stimme einfältig und ohne Allarm zu, daß du bist, wie du bist. Ersenke dich, oder laß » dich so viel bloßer fallen in die Gnae, in die so nahe Liebe, da ist es weit. Und ^ dergestalt bringt alles, auch dein Elend, Frucht auf die Ewigkeit, ob du es gleich « 7 ° nicht allezeit so sehen und fühlen kannst. Ich grüße und küffe dich im Geist, und j s. opfere dich angelegentlich dem Anfänger und ^ , Vollender des Glaubens auf. IEiü! du " siehest es; du wnst es erhören um dein selbst willen. Sey getrost im HErrn, mein O i lieber Bruder! Er wird es ausmachen für Es« dich und in dir. Alle hiesige Kinder grüßen A auch herzlich - Dein Mülheim, treu--verbundener den s. Jun. 1749. Bruder. W Der z;r ll. stlhk ildll, ZK; llillß (.liV, / 5 K! Der ii4te Brief. Segenswunsch an einen Kranken. GOtt ist selbst das warum seiner Güte und Liebe über uns. In unserm süßen Heilande IEsu herzlich geliebter Bruder! f>b ich gleich von S. diese Woche keine ^ Nachricht von deinem Zustande bekommen habe, so finde mich dennoch gedrungen, dich mit diesen Zeilen herzlich zu grüßen: ja, ich begehre solches zu thun vor dem Angesichte und in der Kraft des hochgebene- deiten Namens IEsu, dem überfließenden Huellbrunnen alles Lebens und Wohllebens. Ach IEsu! segne und besuche du selbst meinen lieben kranken Bruder, bleibe mit- und in seinem Geist, und sey ihm alles , was er in seinem jetzigen Zustande bedarf! Lieber Bruder! GOtt ist gut; und er ist auch dir gut; das weiß ich: und das warum seiner Gutheit, Liebe und Gewogenheit gegen uns ist er selbst, und nicht wir oder etwas des Unfern. So lange wir das warum, oder etwas Gutes in uns selbst suchen, so lange sind wir bedrängt und unruhig, und werden wie zurück gestoßen. Ersenke dich nur zzr Geistliche Briefe. nur als ein ganz Nackter, mit süßem kind- ^ lichen Vertrauen, in dieses freundliche menschliebende Wesen, ohne nach dir selbst umzu- H sehen. GOtt selbst will hinfür nur dein Vorwurf seyn: Er will dir alles seyn , und »M alles Uebrige soll dir wie nichts seyn. Ueber- tz? laß dich dann, mein Bruder, ohne Bedenken, seiner ewigliebenden Hand und Leitung. . Laß alles da; laß dich selbst da; so wird ^ sein göttlicher Schoost dich in sich einneh- " men, und mit sich selbst vergnügen. Er, der , Getreue, wirke es selbst in dir! ^ Ich grüße dich nochmals in verbundener ^ Liebe. Meine Hausgenossen und übrige hie- ^ sige Kinder grüßen dich gleichfalls angele- ^ gentlich; wir alle vereinigen unser Gebeth ^ mir dem deinigen im HErrn.-Ich , I bleibe durch Gnade Mülbeim, treu-verbundener schwa- den Iun. 1749. eher Bruder. laß» W liick ö,kl !»g!>k- Der uzte Brief. Lristlicher Zuspruch im Leiden. Daß die widerwillige Zerstreuungen dem Gemüth nicht schaden. In unserm theuren Heilande JEsu herzlich geliebter Bruder! ich gleich auf dein Angenehmes nichts ^ Sonderliches zu sagen habe; so muß dich, mein lieber Bruder, doch wieder mit der Feder, wie mit meinem Herzen grüßen. Gelobet sey der HErr, der es vergönnet, daß wir hier zusammen Gesellschaft und Gemeinschaft haben, zur Stärkung im Glauben mid Leiden! der auch zu seiner Barmherzigkeit in Christo die gewisse Hoffnung gibt, daß wir einander bald die vollkommenste und süßeste Gesellschaft und Gemeinschaft leisten werden in der Herrlichkeit und Seligkeit. Das Leiden wahret nicht lange mehr, und wirket mit GOtt diese ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit. Er selbst, der HErr, ist bei dir in der Notb. Er selbst trüget dich, und was du zu tragen hast; und es gefällt ihm sehr, daß du ihm kindlich zutrauest, er werde solches thun, und alles wohl machen. Weil deine Zerstreuungen (es sey nun, daß solche vom Fieber oder sonst entstehen) dir Zweit. L>. M. Tb. Z nicht z§4 Geistliche Briefe, nicht zur Lust sondern zur Last sind, so ist kein ^ so mühsames Abkehren dabei nöthig; solches, oder auch anderes Elend, friedsam und kind- ? lich vor GOttes Angesicht gelitten, dienet zur Befreiung, und schadet dem Gemüth nicht, . sondern cs wirket durch G-Ott, was es wir« ^ ken soll. Kannst du aber durch ein einfältiges sanfres Abkehren oder Einkehren aus dem Schwarm heraus kommen, dann ist es gut; §> der innere Grund ist weit davon entfernet; in demselben wird GOtt mit seiner Nahheit und Einfluß alle nöthige Unterstützung geben, und S ins Geheim sein göttliches Werk vollenden, auch wenn du es nicht sehen könntest. O! W er ist getreu, er wird es auch thun. Amen, D» JEsu! Alle hiesige liebe Kinder grüßen gar Herz- lich nebst mir. Wir denken an dich mit ^ brüderlicher Theilnehmung. JEsus, unser ^ Hoherpriester trage dich und uns alle auf sei- ^ ^ mm ! dH Dein Rdj «skl, Mülheim, den 19. Iun. »749. verbundener Bruder. ^ Der Der n6te Brief. S1M llllM lU« Friedens - Und Segenswunsch an einen Kranken , um GOtt zu lieben im Leiden bis zu« letzten Athemzug. Mein lieber Herzensbruder! Ä ^ 0 ! ÜM», !h-r!- HÄ ^ ch i«sß L^ch grüße dich hiedurch gar herzlich, und ^ wü.rsche, daß JEsus dich an meiner Statt besuchen möge. Er segne dich! Er gebe dir Frieden! Er stärke und vergnüge dich mit sich selbst, und sey dein wahres und ewiges Leben l Er allein ist dir genug und ewig genug. Er allein ist der sichere Grund, worauf du mit kindlicher Freimüthigkeit zu GOtt nahen, und dich in den Abgrund der ewigen Liebe kannst fallen laßen. Schleuß dann dein Auge vor dir selbst wie vor allem andern Schattenwesen dieser Sichtbarkeit zu! Liebe, liebe, ^ und laß dich dem GOtt über, der dich so sehr l geliebet hat, und von dir nichts des Deinen begehret. G! du ewiges, inniges, und allein wesentliches Gur! sey du allein j unsere Grütze, unser Trost, und unser ewiges Leben, auch wann dieser Scharte verschwindet. Gib Gnade, dich zu lieben im Leiden, und auch un letzten Arbem- Zug noch zu lieben , und in deiner Liebe Z r dich z;6 Geistliche Briefe. dich ewiglich zu verherrlichen! IEsus, IEsus, ^)Esus! Ich grüße und küsse dich nochmals zärtlich im Geist, im Vertrauen, daß solches bald vergnügter vor GOttes Angesicht geschehen werde. Dein Crefeld, den 24. Jun. verbundener Bruder. i749. »sch! !->«« Der nyte Brief. -daN sm?! llrspn An denselben: von GOttes liebenswürdigem Endzweck in seinem Leiden. Auf was Weise er nun denselben lieben und sich sonst verhallen müße. U ik In unserm großen Erlöser JEsu herzlich geliebter Bruder! F>ein voriges angenehmes Vrieflein habe ^ bei meiner Wiederkunft von Crefeld gefunden, und jetzt erhalte dein letzteres. Es will mir zwar bisweilen leide lhun, daß du bei so großer Schwachheit doch noch schreibst; weil ich aber merke, daß du es nach deiner inneren Neigung thust, so ist mirs auch lieb. Gelobet sey der HErr! der dich in der Schwachheit so gnädiglich erhält und unterstützet; llll, l »Eli kkNl 357 III. Theil. n7ter Brief. Vilich -ich Ok- -ch iklijk« stützet; ja, gewißlich mehr, als unsere blöde Augen sehen können, und zu einem sehr an- bethungs - und liebenswürdigen Endzweck. Er beweiset damit, daß er dich liebet; er beweiset aber auch damit, daß er noch was zu thun habe, und du ihm im Leiden noch gefallen könnest. Nun, du süße, gute Liebe! liebe uns dann, weil es dir so gefällig ist. Mache uns durch dich selbst liebenswürdig in deinen Augen, und zeige es uns, wie wir dich im Rreuz lieben und ehren sollen, wir opfern uns selbst, unsere Zeir und unsere Ewigkeit dir, unserem Ursprung auf! Es sey alles für dich! E> du Abgrund aller Güre! Zeuch durchs Rreuz in dich hinein, u.s.w. Ich ruft dir dann noch eben das zu, mein lieber Bruder, was ich aus Creftld schrieb: Liebe, liebe den Liebenswürdigen, der dich geliebet har. Aber thue cs also, wie du kannst, und wie es dein Dtand mit sich bringt! Gern leiden wollen; gern so seyn wollen, wie du bist; gern dich GOLt anvertrauen wollen, mit Drangebung deiner selbst, das ist Gü)rr lieben; weil solches alles geschieht aus Respect gegen GOtt, und im Glauben, daß in ihm allein dein Heil sey. Ob du durch ein sanftes Ersenken, oder jsp auf eine andere Art, von einfallenden Gedan- iist^ken und Bildern abkommsi, darauf kommt es nicht an; geschähe es auch durch den Weg Z z einer ß;8 Geistliche Briefe. «j Liner natürlichen Schwachbett, oder Ermü-- D! düng des Haupts und der Sinne. Auch ist ' esunnöthig, expreß dich so oder anders zu ^ üben, um dich mit GOtt zu vereinigen. Du ^ mußt dich so verhalten, wie du kannst, und E wie du geneigt wirst; du magst dich ersenken, erbeben, oder so bleiben, wie du bist, oder «W sonst anders dich betragen. GOtt ist überall nahe, und das, wobei du Rübe, Stärkung und Unterstützung im Glauben findest; das ist gewiß das Beßte. JEsus formire dich selbst M nach seinem Herzen! In ihm bleibe ich dir M unverrückt nahe im Leben und im Sterben, ja MS ewiglich. Alle Kinder Hieselbst grüßen. M Dein lW Mülheim, verbundener Bruder. ^ den z. Jul. 1749. riß »sch: Der n8te Brief. An denselben; daß die Liebe JEsu uns vereinige, im Lieben und Leiden mit ihm selbst und unter, einander. Zn JEsu, unserem ewigen Heil, Herz- M lich geliebter Bruder! ^ Wun, es sey der HErr gelobet, der Athem ! ^ und Kräfte noch bis dahin erhält, daß W, ich m. Theil. uZter Brief. z;y ^ ich noch deinen eigenhändigen Gruß be- komme! i>, JEsus liebete die Seinen, die in der Welt >> Zu waren, bis ans Ende, und er gibt uns auch, daß wir einander eben also lieben, und mit Mn, einander leben und sterben, wahrlich Theil !i,ch nehmend einer an des anderen Umständen, lilieil und einer des andern Last mit tragend. Ich ÄH kann einfältig sagen, mein Bruder! daß du ,'W mir nahe bist, und ich dich faste, und viel W erinnert werde, dich zu jetziger Zeit unserem ichü: getreuen GOtt aufzuopfern. Wenn du mit mir glauben kannst, daß JEsu hohepriester- i. licher Geist mich Unwürdigen deiner also erinnere, dann kann es dir zum Trost und Stärkung dienen. M.! Ja, lieber Bruder! dieser Geist JEsu ist es selbst, wodurch du, unter allen Proben und Leiden, inwendig so unterstützt und gehal- ten wirst. Nein! du leidest nicht alleine: JEsus mit und in dir trüget die Last. Und k gleichwie er sich aus Gnaden deiner ange- ^ nommen hat; also ist dein Leiden eine Gemein- M schaft seiner Leiden; und sein göttlicher Ein- fluß in alle deine geist- und leibliche Umstände macht, daß du durch alles hindurch kommst, und gewiß dein Ziel und ewige Erlösung er- reichen wirst. Lob und Ehre sey dem großen Heilande! Du bleibest nur ihm überlaßen, auf die /xj Weife, wie er selbst solches von Zeit zu Zeit ^ Z 4 Mbet; z6s Geistliche Briefe. giebet; lassest ihn mit dir machen; erwartest ^ nichts von dir, sondern alles von ihm; du stimmst zu in dein allgemeines Nichts und 1 Elend, damit JEsus allein deine Stütze und alles für dich und in dir sey. Ja, es muß .Dl! dir recht wohl gefallen, daß du in dir nichts W bist und nichts hast, damit du es alles in JEsu haben mögest. Er wird schon all dein tzÄ ' Elend vernichten; seine göttliche Gnade wird k«, dich schon von allen Stützen auf dich selbst wunderbarlich abbringen, um mit kindlichem U Vertrauen dich bloß und auf ewig in ihn ö los zu laßen. Dass Seine göttliche Majestät W solches ausführen wolle, bitte ich angelegentlich. JEsus, JEsus! In ihm sey herzlich gegrüßet und gekostet, i-M wie von mir, also auch von den übrigen hie- stgen Kindern. N Mülbeim, treu-verbundener schwa- den 10. Jul. 1749. eher Bruder. ^ Der iiyte Brief. An denselben; GOtt zu vertrauen, und sich selber in den Beängstigungen los zu laßen. Zn ZEsu, unserem süßesten Heilande, herzlich geliebter Bruder! W grüße dich abermals in dem Namen ^ JEsu, und als sitzend vor seiner heiligen W! Gegenwart: er segne dich mit Liebe und Frieden aus dem Heiligthum, und bleibe dir, als dein wahres und ewiges Leben und Heil, unverrückt nahe! Ich habe in meinem Vorigen nicht darum ein und andere Bezeugung gethan, als wenn von einem Zweifel an deiner Seite etwas wüßte, oder vermuthete: ich schreibe je- j deömal nur so einsaitig, wie mirs gegeben !wird. Ueberhaupt weiß ich, daß es dem HErrn angenehm, und dir heilsam rst, wenn du dich jetzt und bis ans Ende bewahren laßest in einem sehr unschuldigen Kindervertrauen zu seiner unveränderlichen Liebe und Treue, odne Grund dazu in dir selber zu suchen. Was dir nöthig ist, und wie es dir nöthig ist, wird GOtt von Zeit zu Zeit geben oder nehmen, und alles wohl machen; denn wir gehören ihm ßi, und du bist jetzt sehr xarüculier in seiner Z 5, Hand. z6r Geistliche Briefe. Hand. Er sei) gelobet, daß er dich von Zeit zu Zeit mit seiner Gnade und Liebe besucht, und nach Nothdurft stärket! Die zwischenkommende Leiden , Dunkel- O heiten, oder Beängstigungen mäßen mit die- M mn, dich nur immer nackter und unschuldiger los zu laßen, um allein in JEsu gefunden zu ch- werden. Durch dieses süße, unschuldige, nackte Loslaßen wirst du allein aus aller Beklemmung beraus kommen, und in GOttes Schooß Sicherheit und Weite finden. Die- ses Loslaßen scheinet ein Verlieren, oder gar ke ein Verlorengehen zu seyn; aber man verlieret nur sein Eigenes, und findet GOtt, und ^ in ihm alles. Wann demnach Unruh oder jj Beängstigung ankommt, dann neige dich nach der Seite der Loslaßung, und wage es nur ohne Scrupuliren, dich so bloß fallen zu laßen, wenn du gleich nicht stehest wohin? daß Kommt dir aber der HErr für die Zeit nicht hm im Loslaßen zu Hülfe, dann leide, und trage ND dich so friedsam, als du kannst, und halte im W Schmelztiegel mit Vertrauen aus. Ach der ^ HErr ist bei uns in der Noch; er stehet uns, M auch wann wir ihn nicht sehen. O wie deut- W lieh und nachdrücklich wirst du solches einmal bewundern! Bald ist es gethan, da alle ^ Decke, Dunkelheit und Enge auf ewig wird verschwunden seyn. Getrost, mein Bruder! Uj, die selige Ewigkeit nahet herbei. JEsus lebe ? ewig in deinem Herzen! Ich grüße und küsse ^ im ' HI. Theil. ! 2 vster Brief. z6z im Geist, sammt allen hiesigen Kindern, re. Wir alle fassen dich in unsere Fürbitte. Dein Mülheim, treu und ewig verbunden 17. Jul. 1749. dener Bruder. W-j 1. Ad 1 Md Hs« Der i2vste Brief. An denselben; Aufmunterung zum Ausharren im Lewen. O! Jn JEsu, unserem ewigen Heil, herzlich geliebter Bruder! Ps erquicket mich noch jedesmal, wann ich ^ deine Hand sehe, wiewohl mirs leid thut, daß du dich so viel bemühest. Wie unaussprechlich wird es dann nicht erquicken, wenn wir einander in jenem herrlichen Reich unsers GOttes grüßen und umfassen werden, in höchster Freude und Wonne! O! wie wollen wir da unserem großen Erlöser zu Fuß fallen, und mit ewiger Anbethung den Abgrund seiner unverdienten Liebe und wunderbaren Gnade verehren, und uns mit einander in diesem Ungrunde der göttlichen Liebe seliglich verlieren. Mich deucht, der Heiland rüft uns holdselig zu: Nonne ihr dann nicht eine Stunde mir z6ch Geistliche Briefe, mir mir leiden? Ach ja, HErrIEsu ! wir wollen es, und mir dir können wir § es. Sey du dann mir uns, daß wir - nur mir dir leiden, bis wir mir dir überwinden! Und well du für uns gezittert und gezagsr hast, so stehe nicht an, wann unsere arme iTsarur biswellen fürchten will. Dir und allem deinem Wohlgefallen ... ergeben wir uns unbedingt, und begehren D' es zu rbun mir geschlossenen Augen. Führe dein Werk aus durch dich selbst, und um dein selbst willen, du unser getreuer und Vollkommener Erlöser! Ja ich wills rhun, W spricht dein Geist in unfern Herzen. Amen! .Ich, und alle die hiesige liebe Kinder O! grüßen dich herzlich, und wir versichern dich D unserer brüderlichen Handreichung im Geist. M, Sei) getrost in GOtl, mein Bruder! A und ehre den HErrn im Leiden und Ver- chr trauen. Er wird dir dein tägliches Brod, Wd nach aller Bedürfniß, darreichen. Der Grund s st unserer Hoffnung ist JEsus, der uns gelte- >» di bet, und sich selbst für uns dahin gegeben wige hat. Ihm verlangen wir zu leben, zu leiden Zm und zu sterben, und ihn zu verherrlichen er- W warten wir eine unendliche Ewigkeit. JE- «id, Mülheim, ewig-verbundener Bru- j sus! JEsus! JEsus! 8k!>e «l Dein den 24. Jul. 1749. der. 365 Nkii ^ Der I2iste Brief. Wik Segenswunsch an denselben, und daß er sich nicht selbst und seine Beschaffenheit, sondern den süßen Heiland ansehen müße. Mm Mim JEsus segne dich aus seinem Heiligthum! Ai! ^ In demselben herzlich geliebter Bruder! m m nM bade deinen schriftlichen Gruß noch ül«! ^ empfangen. GOtt sey gelobet für seine M Güte! Aus seiner so nahen Fülle begehre »Sich ichs zu nehmen, womit ich dich wieder W> grüße, und im Geist segne. Mi! j Friede sey mit dir, mein Bruder l JEsus, unser süßes Leben, sey das Leben und der W, Friede deines Herzens! Es nehme alles ab, W es falle alles hin, nur JEsus bleibe ewiglich in dir dein Leben, deine Hoffnung, dein W ewiges Heil! Amen. Es breite sich dein ,W Inwendiges aus im stillen Vertrauen, und M dein Geist lege sich süßiglich zur Ruhe nieder , ^ in den mütterlichen Schooß dieser ewigen Liebe, die uns geliebet hat, und lieber, und lieben will, ohne und wider all unser Verdienst. .M Was du mir durch den Bruder F. deines Gemüths wegen berichten laßest, begreife ich genugsam; es ist dabei nichts zu z,l furch- zü6 Geistliche Briefe. fürchten. Folge sanft und kindlich deinem Zug im Umgang oder Zukehr zu GOtt, ohne so genau darauf zu denken, wie du dich darin verhältst. Der HErr weiß schon, was du willst und beäugest, und dein Sinn, B"k ewig sein zu bleiben, und immer völliger in ri> ^ ihm erfunden zu werden, der ist ihm in JE- W su angenehm. Genug! wenn du dir nur M selbst keine unnöthige ja schädliche Aenqst- lichkeie machest, durch Ueberlegung auf dich selbst, oder durch viel Anstrengung in deiner ^ Uebung: ich sage, es ist genug, wann du , dich dafür ein wenig in Acht nimmst. Uebri- ^ gens nimm mit Zustinunung an die Beschaffenheiten, so wie sie dir gegeben wer- den, sie seyen bloß oder schmackhaft, traurig oder freudig, und überlaß dich der Liebe < in allen, und über alle Beschaffenheiten. Jetzt können leicht bisweilen aus der schwach- M heit der Natur so einige Aengstllchkeiren ent- ^ stehen: du nimmst alles von GOtt an, mit ^ möglichster Zufriedenheit, da es dann alles ^ Mitwirken muß. Die bloße und unempfindliche Beschaffenheiten, oder da man so nicht Un viel unterscheiden kann, sind öfters die edelsten. Nur, wie mehr gesagt, hast du nicht nöthig, dich selbst und deine Beschaffenheiten viel zu ^» besehen. Mache cs kindlich, wie du gezogen >t>eji wirst; mache es, wie du kannst. Siehe un- ». fern süßen Heiland an, der so innigst-nahe Os Ist, auch wann du am meisten bloß bist; ^ bethe an diesen deinen HErrn und GOtt; Ä; bewun- III. Theit. i22ster Brief. z 6 ? Hu, sch», Ümi-- bewundere seine Liebe zu dir; vergnüge dich in allem, was er ist und thut; freue dich darüber, daß du sein Opfer bist, und verliere dich ganz in diesen Liebesabgrund, der in deinem Inwendigen sich wesentlich eröffnen, Md dich einnehmen wolle! Limen JEsus l Wir alle grüßen herzlich, und bleiben vereinigt, und ich bleibe Dein Mülheim, ewig-verbundener schwalb dm zi. Jul. 1749. eher Bruder. ik ll M ^ -7-777! l ^ kW äflch limK iS Der i22ste Brief. EOttes Wohlgefallen ist der Seelen einzige Ruhe und Seligkeit. Wunsch an Aeltern, und kurze Erinnerungen an einige aufgeweckte Gemüther. Mi Mein herzgeliebter Bruder in JEsu! M, eben ein freies Stündchen habe / finde «I« ^ mich bewogen, dich mit ein Paar Zeilen ,,M lll besuchen, und in JEsu Namen zu gru- U«! ßen. Er selbst segne dich aus seinem Hei- W ligthum, und spreche dir Frieden ein! c'ß; Lieber Bruder! mein Herz ist viel bei M dir; was ich aber so von Zeit zu Zeit für Ein- Z68 Geistliche Briefe» Eindrücke von dir oder deinem Stand habe, ^ darauf baue ich so viel nicht; ich vergesse ^ solches auch bald wieder. Nur, wann du mir so aufs Gemüth geleget wirst, dann ^ opfere ich dich dem HErrn auf, daß er dich ansehen, und sich deiner annehmen, und § dir bas geben möge, was ich mir selber wün- scheu würde! ^ Du degedrest, nichts zu wollen, als ihm zu gefallen , wie du schreibest. Ja ! W Amen! es verschwinde, und werde durch die ^ Liebes- und Kreuzesflammen verzehret, wo W noch ein anderes Wollen und Begehren U möchte aufkommen wollen! In diesem Sinn ^ allein wirst du, mit mir, deine Ruhe und M deine Seligkeit finden können. GOttes ewi- ge Liebe in Christo hat uns für sich erkau- fet und erwählet, und ist nun gewißlich in unserm Innersten unaussprechlich nahe und stats geschäfftig, (wir mögens wissen und suhlen, oder nicht) uns ganz für sich hin zu nehmen, und nach seinem ewigen und M liebsten Gefallen zu bereiten. Laßt uns ihm ^ suchen nabe zu bleiben im Geist, damit er «sir unserer recht mächtig werde, und wir im M Geist den rechten Geschmack in seinen hei- Wi ligen Wegen behalten, und unser eigenes D Gefallen vergessen und hingeben mögen, um Eiü in fern Gefallen einzugehen! Denn das ver- 4»! sichere ich dich, mein lieber Bruder! wirst "«!j> du es nicht daselbst im Geist , mit mir fin- M, den, so findest du nirgend, was dich ver- gnüget Zw HI. Theil. I22ster Brief. Z69 dich, gnüget. GOtt kennet die Schwäche, die »W du im sinnlichen Theil hast, drum muß er Ms dich an der Seite durch ein kleines Kreutzchen, ^ wie mit einer Dornenhecke, bewahren, oder Her dich doch etwas in der Blöße laßen, damit du so viel sicherer und gerader wandeln mö- «tz!» gest. Nun, wir sollen uns selbst nicht achten; wir sind des HErrn. Genug! wenn wir ihm gefallen und an ihm allein unser Wohl- j, Iss gefallen haben. Wi Es war mir lieb, einige Nachricht von «!,« dasigen lieben Herzen zu empfangen: JEsus SM ftgne sie! M, Deinen l. Vater und Mutter grüße ich cklF herzlich, und wünsche ihnen, daß sie im Al- Mp! ter, mit uns, wieder begierige säugende Kin- ^ der werden mögen! Große Leute essen zwei- Hss bis dreimal den Tag; aber die kleinen Kin-- ^ der müßen oft, und fast stäts, an der Brust liegen. Ach mein GDrr! mach' uns doch M, recht dürftig, begierrg und kindlich, daß wir bethen ohne Auf'horen, damit wir wachsen am Inwendigen, je mehr der "ss, äußere Mensch abnimmr. Den lieben ? g Bruder A. grüße brüderlich ; die süße Liebe tingire ihn immer mehr! Die N. wende nur alle ihre Lebhastig- keit aufs Gute, und übe sich, so gm sie kann! Sie mag ihren Sinnen wohl jo im- wer einen guten Vorwurf geben: es sey im Eesen, im Erinnern dieser oder jener Wahr-- ^ heit, ein Versehen zu singen, oder mit dem ^ Zweit. B. m. Th. A a gegen-' Z7Q Geistliche Briefe. gegenwärtigen GOtt ein Wort zu reden, damit ihre Sinne nicht zu viel herum flat- iB tern; doch muß sie auch allgemach lernen, unter den wioerwilligen Zerstreuungen was A stille seyn, warten, und den ansehen, der M Wind und Meer gebieten kann. M Zur N. habe das Vertrauen, daß sie den innigen Fußpfad erblicket. Ihr Aeug- M lein bleibe nur eingewandt, und folge dem, der ihr da begegnet, so wirds immer schö- ner werden. »7- Die N. bitte ich, um JEsu willen, sie werde doch nicht matt noch muthlos im ^ Kampf! Sie ist wahrlich zu was Rechtschaffenes berufen; sie verkaufe doch um das Beßte ^ der Welt die ihr angebotene Perle nicht, die sie immer köstlicher erkennen wird. " GOtt erbarme sich über die N. und wer- ^ de ihr zu mächtig, daß sie wie ein Brand aus dem Feuer gerissen werde! Ich kann ih- >> rer noch nicht vergessen, sondern sehe sie mit ^ ^ jammerndem Herzen an. Ach JEsu, reiß sie zu dir! 1 Diese jetzt genannte, und die mich sonst W dort haben kennen lernen, die ich aber aus ä n Mangel der Zeit nicht benenne, grüße Herz- lich von mir. JEsus, unser guter Hirte, der sein Leben für uns arme verlorne Schafe tzi, dahin gegeben, und uns nach seiner Barm- Herzigkeit mit einem heiligen Beruf berufen tzy, hat, der bewache, bewahre und führe sie ^ § l»», «ftii III. Theil. iLZster ^rief. Z7l alle, mit uns, daß keines dahinten bleibe, sondern wir uns mit unendlicher Freude vor seinem Angesichte wieder begegnen! Amen Mu! Nun muß ich abbrechen, dich herzlich grüßend und küssend im Geist der Liebe JEsu, der unser Innerstes immer mehr durchdrmge! Ich bleibe durch Gnade. Mülbeim, den 7. Aug. 1749. Ml! Der i2zste Brief. W, ck «W lwil hift ^n>» Ein tödtlich Kranker wird ganz auf die Gnade und auf die unendliche riebe GOttes hinge- wiesen. Zn ZEsu, der uns geliebet und sich selbst für unS gegeben hat, herzlich geliebter Bruder! DMein Herz grüßet und segnet dich aber- ^ ^ mals, und ruft dir zu: Verläße dich M ganz auf die Gnade! Erwarte alles, was du M, in Zeit und Ewigkeit nöthig hast, von der Liebe, die wahrlich ganz unendlich ist, und die sich als unendliche Liebe von dir wird Wp Unden und erfahren laßen. Die beschwcr- W>> liehe Decke des elenden Körpers hinderte, ji, Aa 2 daß Z72 Geistliche Briefe. daß wir in das Herz der wunderbaren Liebe GOttes so nicht hinein sehen können, d) ja, mein Gd>rr! wer glaubrs, daß du die sündige Menschen also liebest? wer glaubrs, daß du so umsonst liebest? wer glaubrs, daß du aucb liebest, wann du zu betrüben scheinest? Und wenn wirs glaubten, o! wie würden wir anbechen, und vor tiefer Verwunderung verstummen, ohne an uns selber zu denken! Es vergnüge sich dann dein Herz darin, mein Herzensbruder! daß du einem solchen GOtt angehörest, daß du ihm zu lieb noch ein wenig leiden kannst. Bald wird die dunkle Decke des tödtlichen Körpers wegfallen, dann werden wirs klar sehen, und mir ewiger Verwunderung sehen, was wir jetzt glauben. Gehe getrost hin zu ihm, als deinem GOtt, der ewig und ohne Ende deine ganze Seligkeit seyn will. Amen Halleluja! Ich küsse dich im Geist, ich bleibe dir nahe, und finde mich bewogen, dich viel aufs Herz JEsu zu legen. Hiesige Kinder sagen eben dasselbe. Ich bleibe unaufhörlich IkiH ^ i Wist W Dein Mülheim, den 7. Aug. 1749. verbundener Bruder. Äl Der id» Vkr Der i24ste Brief. >»! Mi; ldni/ :siw >! Letztes Trostschreiben an denselben, sich kindlich los zu laßen in die mehr als mütterliche Liebe JEsu. Zn JEsu, unserm süßen Heilande, herzlich geliebter Bruder! !W c>ch muß doch ein Paar Zeilen schreiben, dich grüßend und küssend in der Liebe JEsu. Wir sind nicht geschieden; ich finde dich nahe im Geist, und kann dich in meinem Herzen umfassen und segnen, wie ichs denn auch noch in diesem Augenblick thue. Ich sehe es mit Erkenntlichkeit, wie unsere getreue Liebe dich so heimlich unterstützet, vereinfaltiget und hindurch traget. Nun, sie wird es schon durch sich selbst ausführen, und dich bei ihr behalten, bis du in die ewige Weite kommst. O! wie ist der HErr unser GOtt so unbegreiflich gut! Wie so wunderbar ist seine Menschenliebe in Christo JEsu! Wann er Gnade gibt, daß wir uns so ganz und kindlich in ihn loslaßen; o! dann ist seine Liebe und Zärtlichkeit mehr als mütterlich. Ach ja, mein Gü)rc! du bist wohl ganz ein anderer GDcr, als der düstere Unglaube denkt. Mas verlangst du denn von uns, o HErr! Mir sind elende und nackre Aa r Rinder, Geistliche Briefe. Rinder, das Werk deiner Hände, so du mir dodem Rarh kervor gebracht, und , dir mrr tbeuertn Preis wieder erworben ^ 1>ast, zu Seinem ewigen Lobe! L^imm uns denn so nacker in dich ein; denn du bist iE es allem, den» wir uns anverrrauen. JE- ^ sus! JEsus! So bleibe denn nur, mein liebster Bruder, wie ein nackres kleines Kindlein, im Schooß des getreuen Heilandes liegen, der M dich liebet, mehr als du glauben kannst. Sie- he dich selbst nicht an; er liebet dich, weil M er Liebe ist, und weil es ihm also gesället. , ^ Gehe zu ihm mit kindlicher Freimürhigkeit, i!O denn durch JCsu theures Blut ist die Pforte geöffnet, ja weit geöffnet. Amen! JEsus W! segne dich! JEsus umfasse dich mit seinen Lie- ^ l besarmen, und halte dich ewiglich! Ich grüße dich nochmals zärtlich, nebst hiesigen lieben dm! Mülbeim, ewig verbundener schwa- den 14. Aug. 1749. cher Bruder. W Kindern. Wir gedenken deiner. Dein bck wein dtzl« Der i2zste Brief. dlß Trostschreiben an eine Freundin» über das selige Absterben ihres leiblichen Bruders. Hni- Lazarus, unser Freund schläft! -lüi Meine liebe Schwester in ZEsu! sanfte Einschlafen unsers l. Bruders Kl, ^ I« P. beweget mich, dich bei jetzigen M, Umständen zum Trost zu erinneren an die obi- ge Worte unsers süßen Meisters, und daß ja M der sogenannre Tod der Gläubigen in Wahr- heit nur ein sanfter schlaf sei). Er schläft H und ruhet nun von aller Arbeit, Last und Lei- W den dieses Lebens, im Schooß der ewigen Lie- besmutter, wie ein Kind, das sich müde ge- weinet; wie ein Wandersmann, nach geen- digterReise, wie ein Kranker, nach überstan- ,, denem Schmerz und Fieber, in einen erquick- lichen Schlaf einsinket. Nun ist es vorüber. ' Nun wird er erquicket. Nun ist er in die ^ Weite eingegangen. Es sey denn ferne von uns, daß wir ihn todt zu seyn glauben! Sachte, liebe Schwester, sachte! dein Bruder schläft. Wir wollen nicht viel Weinens machen. Er rube im Frieden! Das Vergnügen, mit ihm sprechen zu können, unter vielem Jammer und m Aa 4 Leiden, Z 76 Geistliche Briefe. Leiden, ist doch auch so groß nicht, daß wirs nicht vertauschen sollten mit dem Ver- lß" gnügen, ihn ruhen zu sehen in JEsu Schooß. Dein Bruder soll wieder außer- sieben, spricht JEsus zu dir Joh. n, 2Z. Es fällt uns nicht so leicht, einen Schlafenden N wieder zu ermuntern, als es dem HErrn D JEsu fallen wird , unfern entschlafenen Bru- W der morgen früh wieder aufzuwecken durch M sein mächtiges Wort: Lazare, komm her- auöl Or Inzwischen sey versichert, meine liebe Ä Schwester, daß ich von Herzen Theil nehme an allem dem, was du bei diesem Abschied Sie ( unsers Bruders, und den damit verknüpften D Umständen fühlest. JEsus stärke und er- Jas muntre dich, damit du das, was du nach M der Natur fühlest, mäßigen und übersteigen M mögest durch das, was du glaubest. Die Wo Gnade, welche GOtt unserem Seligverstor- dm denen erwiesen, ist mir wohl am beßten be- M kannt. Wir sind schuldig, solche zu erken- dm nen, und mit vergnügter Anbethung, Lob, GL Liebe und Dank, GDttes Wege über ihn drall zu preisen, und feinen Hingang uns stärken > und aufmuntern zu laßen. Sey denn getrost, liebe Schwester! bald werden wir ihn Wiedersehen. JEsus, unser Herzensfreund, , werde nun noch völliger bei uns der Einige, . ^ der Bleibende, der Allgenugsamel unser ^ Geist und Sinn gehe hinfür so viel freier und ungetheilter ins Ewige hinein, je mehr uns ent- Z77 Loks« sir- r;> A dm L«i- lut >!n- A- !l!ß sD »ff Ml! III. Theil. i2;sterBrief. entnommen wird, was uns hier lieb gewesen! Und was sonst noch unser Herz binden könnte, das breche die Liebe JEsu entzwei, damit wir, wie die Adler frei auffliegcn, und im Lichte leben mögen, von Nun an; Amen JEsu! Ich gedenke deiner, lieben Schwester, und grüße dich zärtlich; meine Hausgenossen und übrige liebe Kinder thun ein Gleiches. Die liebe Schwester C. M. (welcher eben dieses gesagt und gewünschet sey) grüße ich auch mit brüderlichem Herzen. Lazarus ließ zwo Schwestern nach, die JEsum liebten, und von ihm gelieber wurden. JCsus selbst kann die Stelle des schlafenden Freundes Lazari reichlich ersetzen, so bleiben denn doch drei. Das will er und das wird er thun. Ja Amen! Und ich bleibe auch bei euch. Es hatte zwar der liebe Bruder F. mich erinnert, ein Wort an dich zu schreiben; allein ich hatte in dem Stück keinen Erinnerer nöthig: die Liebe und Angelegenheit in dem, was dich betrifft, drang genugsam dazu an. Sey getrost in GOtt, und verliere dich, mit allen deinen Gebrechen, in den Abgrund seiner Liebe! Ich bleibe durch Gnade Dein Mülkeim, dm 21. Aug. 1749. verbundener Bruder. 2l a s . Der 378 Der i26ste Brief. ^ Versicherung an eine in innerrn Leiden sichende Person: daß dieß der Weg sey, daß JEsus mit leide, daß sie in ihr Elend mit einsiim- W men, so viel bloßer auf GOtt vertrauen, und M das Gebeth nicht unterlaßen mäße. uM 9^« kÄi gLeide deine angenehme Brieflein vom zten ^ und 27ten pgssaro habe richtig erhalten. ,,r! Ich sehe, daß es GOtt gefällt, dich dein , Elend, deine Gefangenschaft und deine Ohm macht dir zu helfen, schmerzlich fühlen und '"7 erfahren zu laßen. Ich nehme wahrlich Theil an deinen Schmerzen; ich weiß, wie einem zu Muth ist, der in solcher Klemme steckt, und JEsus weiß es noch besser, und stehet ^ bei. Die von der Gnade so innigst erweckte Begierden und Neigungen treiben kräftig an, ^ aus sich und allem Verderben auszugehen, um allein GOtte zu leben. Man soll; s man will; man trachtet; man fällt aber stäts wieder herunter, und wo man sich an einem ^ Ende entweichet, so findet man sich am an- "" dem. Man weiß in etwa, wie man sich da- bei zu verhalten; allein man kann sich nicht E>h allezeit die gute Dispositionen geben, die man U sich wünschet. « Womit III. Theil. i26ster Brief. Z7y Womit soll ich dich dann trösten und stärken? Damit, daß ich dich versichere: Es ist der weg; und damit, daß ich dir sage: ich leide mit dir; und (welches unendlich mehr ist) Ä! IEsus leider mit dir und in dir; und, A es ist eben das Werk seiner Gnade und seines Geistes, daß du in solcher Arbeit und Presse steckest, wodurch du an der einen Seite ein herzliches Verlangen nach dem Leben GOt- tes, und an der andern Seite die Unmöglichkeit , dir solches zu geben, und das gerade ^ Gegenrheil erfahren mußt. ^ Halte doch aus in GOttes Namen, mein ^ lieber Bruder, und laß den Muth nicht sin- ken! Das Vertrauen entfallt einem wohl ^ einmal; man muß es aber darum nicht weg-' M werfen. Hebr. io, is. GOtt zeiget, daß E alles Gnade sey; und der schönste Beweis, ^ daß es von GOtt sey, was man Gutes hat, ^ oder gehabt hat, ist, weil man sichs nicht ge- ^ den kann, wann man will. Stimme ein in ^ , die Erfahrung deiner Elenden und deines Un- V Vermögens, und gib GOtt die Ehre. Nicht, daß dir das Böse sollte gefallen, oder du es " solltest tbätlich ausüben ; keineswegs! das wäre Sünde: aber das Gesicht, Gefühl und die Entdeckung dessen, was du bist, muß dir ^ in so weit gefallen, und dich nicht in eigcn- liebigen, eigenwilligen Verdruß und Unwil- len setzen, als wodurch öfters aus einer bloßen ^ Versuchung eine wirkliche Sünde wird. GOttes Absicht ist nm, daß es die Seele demü- ^ thigen. z8 thigen, geschmeidig und zum Verlaßen ihrer ^ selbst fähig machen soll: geschieht es aber, U" daß Verdruß, Zorn oder Traurigkeit das ^ Gemüth schon wirklich eingenommen haben, H oder, daß auch sonst ein merklicher Fehltritt vorgegangen; so ist immer nur dieselbe Arznei M zu gebrauchen, nämlich: einstimmen in sein Wk Elend und Nichts, und nachdem man um ^ V Vergebung gebethen, sich stillen und dulde», ^ so gut und so friedsam, als man kann, und ^ sich angewöhnen, so viel bloßer auf GOtt M zu vertrauen, je weniger man Grund des Ver- ^ trauens in sich selber findet. Unterlaß die Uebung des Gebeths nicht, ^ ohnerachtet dirs mühsam fällt. Der HErr z stehet uns, auch wann wir ihn nicht sehen, ^ und merkt auf unsers Herzens Neigung. Es wird bald besser werden. Sey vergnügt, > wann du nur GOtt vergnügest; und den ^ vergnügen wir, wann wir ihn wollen vergnügen, und rhun, was wir vermögen. Ein wenig Lesen ist doch auch nicht undienlich, wenn du ^ gleich nicht den Nutzen spürest, wie sonst, ja ^ wenn auch gleich die Andacht unvermerkt sich zerstreuet, daß du nicht weißt, was du gelesen hast: es läßt doch wohl einige Nahrung nach, und bewahret vor was Schlimmers. Nur bei gar zu starker Muthlosigkeit, und einigen andern Versuchungen würde mich eben ss, so sehr nicht dazu zwingen, sondern nachdem ^ ich dem Gebeth eine Weile obgelegen, lieber W ein äußeres Werk vornehmen; denn weil du h dir SLli !Ä> SÄ Mi «kl DA lü lll. Theil. I27ster Brief. Z8r dirkeine gute Dispositionen geben, oder viel Regeln wahrnehmen kannst, so würde dich zu dieser Zeit viel dergleichen Lesen nur hindern. Nun der HErr starke, und erbebe d ch über dich selbst, daß du im kindlichen Vertrauen bei ihm aushalten, und die gewisse Verheißung erlangen mögest! Getreu ist er, der dich berufen hat; er wird es auch thun. Du bist mir viel gegenwärtig, und ich gedenke deiner in meinem unwürdigen Gebet!); erwarte auch von dir ein Gleiches. Ich grüße dich in brüderlicher Liebe und bleibe, rc. rc. Mülheim, den 9. Öct. 1749. Der i27ste Brief. Aufmunterung nicht vom Kreuz herab zu steigen; im Leiden lernt man leiden, und daß der Schmelzer unser Freund sey. Verhaltungsregel in Versuchung wider die Bruderliebe. N. N. M ist wahr, daß ich einer Seits mit brü- derlichcm Mitleiden, anderer Seits aber auch mit stiller Anbethung der weisen und heilsamen Wege GOttes, deinen Zustand und Leibes- zg2 Geistliche Briefe. Leibesschwächlichkeit ansehe. Was soll ich ^ sagen? Ich kann einmal dir nicht sagen: E ^leig berad vom Rreuz! Keineswegs! E sondern halte aus mit möglichster Ruhe und W Vertrauen! Dieß ist der Weg; des HErrn Hand ist in dem allem, und unterstützet im M Verborgenen. Ueber ein Kleines wird kom- , 2 men, der da kommen soll, und nicht verweilen. D> Unser Abriß, den wir uns Anfangs vom Di Christenstande machen, ist ziemlich Mangel- V hast; wir vergessen öfters die Kreuzstriche. M Wir wollen leiden, o ja! aber als Helden, disn Es soll kein verächtliches Leiden; es soll kein M so unbilliges seltsames Leiden; es soll kein Nein so gar peinliches oder dunkles Leiden seyn; es s! soll nicht von der Seite kommen. Wir wol- M len leiden, aber nicht das, was wir leiden: M alles andere Leiden kommt uns erwün'cht Md vor, ausgenommen das Leiden, so wir baben. M Kurz! wir wollen gar nicht leiden, und auch m; das nicht mit Geduld leiden, daß wir uns und so unleidsam finden. war LourLZe! mein Bruder! im Leiden ler- W net man leiden; und wann die Widerstrebung Aq> sich todt gearbeitet bat, dann schmücket der Wü Geist die süße Frucht, die aus der bittern chm Wurzel hervor wächst. O! zarter, reiner, Ül>e, und innigst rubiger Geschmack des Geistes, kan so aus Kreuz und Leiden geboren, und nicht U so leicht, wie andere süße Mittkeilungen, da§ von der Eigenliebe verdorben wird! Es wird i;, einem zwar, wanns darauf ankommt, alles w« dun- IH. Theil. l27ster Brief. Z8; Itz M! W ÄI> i>>ü. ÜM dunkel, so daß man die Kostbarkeit der Leiden und die Frucht derselben nicht so vor sich hat; doch stärket nnd beruhiget der Herr dnrch zwischen kommende Blicke, nachdem es Noch ist, ja erhebet wohl gar über die Einsichten und Empfindlichkeiten der Natur. Ich bitte dich, laß doch den weisen nnd gütigsten GOtt mit dir machen! Raisonnire nicht über seinen Weg, noch über das Leiden; bequeme dich nach ihm, und diene ihm nach seiner Weise, und gerade in dem, worin du bist: so wird eben das Gegenwärtige deine höchste Förderung nnd dein Friede werden! Nein! lieber Bruder! dein Vertrauen sowohl. ,,kS als sonstige Einsichten von GOttes Wegen 0 sind keine Einbildungen gewesen: es muß aber HU alles durchs Kreuz bewähret und reif werden, M! und darunter kommrs gewiß mit dem sonst M gemachten Concept wohl allemal nicht über- 1 Nt! ein; die Sache selbst aber kommt ohne Fehl, und zwar unglaublich edler, als sie verheißen war. Das herrliche Land Eanaan wird ver- B heißen, und in der Hoffnung verlaßen wir M Aegypten; inzwischen muß manches in der M Wüste sterben, und diese Hoffnung in man- D chen Proben gerüttelt werden, auch manchen ^ Abend und Morgen erleben. GOtt hält dennoch Wort, und die Kinder, die in der Wüste geboren werden, ererben das Land, ^ das von Milch und Honig fleußt. Psalm 69, 96. und Z7- Meßias und sein Reich K war lang verheißen, erwartet und aufs maje- stätijchjie z84 Geistliche Briefe. statischste vorgebildet: es kam doch endlich, ^ aber als ein armes Kindlein. Die Jünger ^ , selbst hatten noch viel von seinem Reich im Kopf; bald wars damit wie aus; bald dach- ten sie: Nun wirds doch noch kommen. Es ^ kam auch; aber es accordirte nicht mit ihrem « groben Concept. Sein Reich war nicht von V dieser Welt, sondern es kam inwendig in ibnen durch die selige Erfahrung der Herr- schaft JEsu in ihren Herzen, und seines Frie- M dens und göttlicher Herrlichkeit, rvogegen alle Reiche dieser Welt nichtswerthe Phan- tasien sind. D Noch einmal; getrost! mein Bruder!^! weiche nicht; gib dich dem HErrn ganz preis, M ebne deiner Natur und Eigenheit geschont zu Al wollen wissen. Er weiß am beßten, wann, k!»» wie und wo das eigene Leben anzugreifen ist. W Du leidest nicht allein. Ich grüße dich gar . 8. Diesen Brief wollte eben versiegeln, iW wie deinen Augenehmen von vorgestern erhalte, che worauf dann noch dieses kürzlich beifüge. Nenj Schreibe ohne Raisonniren und Scrupu- tm liren, so oft du Neigung dazu findest; es T wird mir jederzeit recht lieb seyn, obschon nicht ftri allemal mit der Feder antworten kann: man >!D fastet doch einander durch G-Ottes Gnade, und hätt' es sonst keinen Nutzen. A,« Werde nicht muthlos; oder trage doch kW die Muchlosigkeit mit so vieler Befriedigung, ^ als möglich ist, denn ich kann mit Wahrheit tz, sagen: z« litzk !kÄ»! s>Nl§, «i» »«ui, j»i>i Ä«! l!» - i Eq»! KsH^I >ß^ rW'! HI. Lheil. ! 27 ster Brief. Z8§ sagen: ich sehe keine Gefahr in deinem Wege. Du sichest die Hand nicht, die dich führet und unterstützet. Das Gold soll gereiniget werden; da verursachet das Feuer Leiden und Noch; man stehet kein Gold mehr, sondern nur Unreinigkeit: die8urk'sxe, oder der ödere Theil wird ganz damit bedeckt. Solche Menschen sind wir. Es muß hervor kommen ; wir müßens sehen ja fühlen: das ist der Eigenliebe ein bitterer Trunk. Man har sich wollen rein machen, und wird nun erst recht unrein. Härte man nicht den unauslöschlichen Hunger nach GOtt und seinem Leben empfangen, dann wärs noch erträglicher: allein der Schmelzer ist und bleibt unser Freund. Er stehet zu, wie lang es währen und wie weit es kommen soll. So lernt man in die pure Gnade sich senken, und die Nothwendigkeit eines ganz neuen Grundlebens aus ^lEsu erkennen. So lernt man sich schmiegen und beugen. Hier muß es endlich die Vernunft aufgeben, und nur blindweg vor GOtt und Menschen Schuld bekennen, auch wo man eben nicht Schuld seben kann. Du fragest: ob es nicht besser wäre, dich zu erklären gegen diejenige, so dir (wie du meynest) Leiden verursachen? Antwort, ja! das ist besser im Fall, wenn dir ein und derselbe Vorwurf einige Zeit, oder Tage nach einander Verdruß macht, und es dir zu schwer fallen will. Und auch alsdann, wann du Ursache zu denken hast, daß ein anderer . IU. Th. B d z. E. zg6 Geistliche Briefe. z. E. Bruder N.) deine Unzufriedenheit mer- i»E k'et, und es auch gerne ändern sollte, wenn E ers nur wüßte. In solchen Fällen, sage ich, ists am beßten, daß du davon so bescheiden " redest, als du kannst; nicht zwar Hauptfach- M lieh und allein, daß du Erleichterung bekom- ^ men mögest, sondern ein größeres Uebel des Argwohns und der bitteren Wurzel vorzu- HM bauen; und, damit ein anderer nicht auch ß lle Norh bekomme, der uns leiden stehet, und »lß> nicht weiß, womit er helfen soll, weil wir D! d« verschlossen sind. da Aber alles und jedes zu sagen, was einen quälet, und was einem nur Verdrießliches ^ ' von andern in Gedanken beigebracht oder ^ M vorgesteller wird; oder, wo es ein anderer, ^ nach unserm Bedünken, oder auch in der ^ Wahrheit, nicht recht macht, da würde kein ^ Ende seyn, und öfters das Erklären von. , einem puren Nichts ein wirkliches Leiden " ° machen; denn die herben Kräfte sitzen in uns. Wann nun diese das leidende Gemüth umtreiben , da kommt einem alles verdrießlich vor; und wo eins aus dem Weg ist, da ist schon wieder was anders da. ' Ueberhaupt ists also in den mehresten und kleinen Proben besser, du duldest dich nur was; so verschwindet manches, ohne davon zu reden, und hernach sehen wirs im andern Licht ein. Es ist gewiß, daß andere (in ssecle Bruder N.) dir nicht mit Vorsatz zu leiden machen HI. Theil. I28ster Brief. zg? l A machen werden, ob es gleich so Vorkommen kann. üA Inzwischen, wann GOtt uns will exerciren sii!', und Leiden machen, dann muß öfters ein an- derer, wider sein Vornehmen, so thun oder so reden, daß es uns just wehe rhut. Manch- mal aber wird es auch in unserer dunkeln E imLßinsrion vom Versucher so vorgemalt und vergrößert, daß wohl wenig oder nichts dran jiitz ist. Uebrigens bitt' ich dich, suche dir nicht htz viel zu helfen, wann die Affecten ausgebracht M sind; denn du wirst noch einmal so verdrießlich dadurch werden. Zustimmen in dein ,, Nichts und Obnmacbt; in die pure Gnade M dich ersenken, und langmüthig die Hülfe des '"7 HErrn erwarten, ist übrig genug. Wann des HErrn Stündlein da ist, kommt die- ^ ' Erlösung. IEsus mit dir, mein Bruder! Lik! M ^ Mülheim, den i 8 . Dec. 1749. Z88 Di Der i28ste Brief. Bon der hohen Gnade der Menschwerdung IEfu Christi, und auf waS Weise er auch in uns geboren werde. Wer nichts will als GOtt^ Md der ist nie ohne GOtt. Einladung gen zjnLH Bethlehem. HM Mein lieber Bruder! DM iid ich unfern Br. N. in seiner Schwach- heit mit einem Brieflein besuchen wollte; so muß dich zugleich mit Herz und Feder ^ grüßen, und dir für die jüngst ertheilte Nach- MG richt vom Zustande dasiger Mitberufenen Herz- lieh danken. Das süße GOttkind JEsus grüße, segne und besuche ihrer aller und unsere Herzen ßsts' aufs Neue, besonders auch in diesen Tagen, -n H' da GOtt seine wundervolle, unergründliche, mb ei, tiefe Menschenliebe in der Menschwerdung Raim und Geburt JEsu Christi unfern armen m. e Herzen aufs neue anpreisen und einflössen Leben, will. Ach! daß wirs alle durch ein Ritz- irrste, chen gleichsam sehen könnten, wie des ewi- ÜbM gen, seligen GOttes Herz und Liebeswille sich ÜO, um unsert willen beweget, und zn unserer Wiederbringung in die Menschheit eingedrun- UD gen ist, und ausgeboren hat, um das ver- !-s^ lorene Heil und göttliche Liebeleben durch die- krn^ III. Theil. i28ster Brief. Z8- N», »z p Äch- HW «M ,D sen Kanal und Weg uns wieder zu commu- mciren; gewiß! wir würden erstaunen vor Anbethung und Gegenliebe. Die Pforte ist min im Geist so nahe, so offen; GOtt begegnet uns nun im Innersten mit lauter Wohlwollen, und anziehender Liebesbegierde: er sichet uns nun an als Freunde, als Verwandte in Christo. Es liegt nur am Oeffnen, am Annehmen dieser hohen Gnade; und daß, gleichwie er unserer Nacht und Tag erwartet und begehret, mit Wohlwollen und Liebes- verlangen, wir hinwiederum unser innigstes Wohlwollen und Liebesverlangen nur in Abgeschiedenheit zu ihm hinein wenden, und hinein gewandt bewahren laßen: so kann es nicht fehlen, GOtt und Mensch werden einander im Geist begegnen, umfassen, verbinden, und Christus auch in uns geboren werden, warum es alles zu thun ist. Ach ja! süßes IEsulein, hu keinen Raum in der Herberge flatterhafter, unruhiger und eitler Menschen findest; mache dir Raum im armseligen Stall unserer Herzen. Herrsche freimächtig in uns! Dein Leben sep nur unser Leben, und das Unsere sterbe mit dir! Deine Rleinheir, deine Abgeschiedenheit, deine Stille, deine Unschuld , deine Abhänglichkeit, und dein ganzer IEsusfinn werde der unsere, und uns wie natürlich eigen! (!) GDrtkind, das wir verehren, mache uns auch zu Rindern, Amen! Vb z Nun, zyo Geistliche Briefe. Nun, ich schreibe zu viel mit krankem Haupt, da nur grüßen wollte. Drei oder ^ viermal habe Tage gehabt, da ich gedachte, die Natur Härle unter der Schwächung und ^ Kränkung des Gehirns erliegen mäßen. Meist gebe und stehe doch noch, wie wohl auch einen Tag habe liegen mäßen. O wie gut ist GOtt! ^ und wie gut ist alles, was er rhut! Wir sind ' nur berufen und erwählet, daß wir seine An- bether, und Anbether seiner Wege und Werke seyn sollen. Kinder raisonniren kurz: Ja, "E Daker! denn also lst es woblgesällig vor dir. ^ Auf dasjenige, was du von dir selbst schreibest, sage ich nur: Es ist so gut, lieber Bruder, daß du suchest vergnügt zu seyn mit dem, was der HErr gibt oder nicht gibt. Wer nichts will als GOtt, der ist nie ohne GOtt, und nie außer seiner Führung. Es V? ist wahr, nach einem Theil ists noch sehr ver- M mischt: jetzt aber ists genug, alles Fremde, »bm was im sinnlichen oder unteren Theil vorgehet, M nicht sonderlich zu besehen, es einfältig nicht für das Seinige zu erkennen, und so wieder Ei verschwinden zu laßen; so schafft es noch von M- hinten nach Nutzen: man lernt sich kennen; ^ der Wille wird gebrochen; der innere Mensch . wird unvermerkt vom äußeren geschieden, und man wird allgemach eine geheime Beruhigung und Zufriedenbeit gewahr, die der Seele Nabrung, Kraft und Leben mitrheilet; obn- erachtet es nicht allemal so wahrnehmlich ist, wie vorhin. Grüße HI. Theil. i28sker Brief. zyi ÄH Grüße Vater und Mutter gar herzlich ich von mir, und ich lade sie, als ein armer Hirten« ch, junge, auch mit nach Bethlehem ein. Rommr, jW laßt uns hingehen gen Bethlehem und die Nß Geschichte sehen, die uns der HErr hak Mn kund gechan ! Ich meyne aber das Betkle- W hem eines armen, niedrigen Herzens, welches )j,stz allein fähig ist GOttes ewige Liebe in der Ge- burt Christi zu erkennen und zu genießen. Ich M wünsche ihnen beiden (mit uns) die Verhei- H), ßung, so dem alten Simeon geschehen! daß M sie nicht eher sterben, bis der liebe Vater wie fD Simeon, und die liebe Mutter mit Hanna das Glück haben, JEsum auf ihren Armen, M und im Herzen zu haben. Amen! k». Grüße auch alle die übrige lieben Mitbe- rufene gar herzlich von mir. JEsus Jmma- . tz nuel segne sie alle aus seinem Heiligthum, und iW- flösse ihrer aller Herzen sein göttliches Liebe-- ^ leben ein, daß sie alle, mit uns, rechte Christ- EM/ kinder werden, worin GOtt hier und ewig sein Wohlgefallen habe, Amen! Ich grüße und küsse dich, mein Bruder, im Geist der liebe. JEsus segne und erfülle dich! Mülheim, M den r8. Dec. Bb 4 Der Der i29ste Brief. In der Gnade IEsu herzlich geliebte Schwester! e^ein Angenehmes vom Listen Novembr. H!» habe wegen leiblicher Schwachheit nicht G beantwortet, und dann, weil mir die übrige EA Zeit gar abgenommen wurde. Im Geist habe !»m dich (wiewohl gebrechlich) so viel öfter besuchet, D ir und deine Seele dem Anfänger und Vollen- Wh, der unsers Glaubens aufgeopfert: denn ich M wünsche nichts herzlicher, als daß du dem Fch HErrn ganz gewidmet, ihm recht vertraulich, M dir selbst aber, und dem, was in die Sinne mg fällt, immer fremder werdest. M Daß du dich bei deinem letzteren Hierseyn, »nm in Ansehung deines Inneren, nicht nach Ver- Hm gnügen meynest erkläret zu haben, davon weiß jUD ,ch nicht mehr. Man muß sich schlecht und M recht erklären, wie man kann, und es so von Wx GOtt annehmen, von dem wir dependiren, jum und nicht von Menschen. Und wenn wir M uns dann nicht erklären können, dann fügt es dennoch der HErr wohl, daß uns muß gesagt oder nicht gesagt werden, was uns dien- ^ Von vericyieoenen ninverninen, ,rcy uver «ein treuen Folge der Stimme IEsu. MV lich III. Theil. iryster Brief. Z9? «r>>» 'ich ßch Dkl, W- »«>!>> LA M ' Wlkk, chili ilsB W, ««s Ok> lich ist. Manchmal sind wir nicht daheim; manchmal will man nur so was Schönes sagen, welches GOtt dann nicht zuläßt; manchmal sind die Zustände so beschaffen, daß man nichts sonderliches davon zu sagen findet; manchmal suchet man durchs Sagen eine Stütze, welche der HErr für die Zeit nicht geben will. Man muß nur jederzeit im Gegenwärtigen einfältig zu Werk gehen, so gut mans weiß und kann, übrigens alles von GOtt nehmen, und sich mit Zurückdenken nicht aufhalten. Es hat mich erfreuet zu sehen, daß die Stimme des Freundes seinen inneren Ruf bei dir erneuert, und vertiefen will. Nun dann! folge im Blinden dem Lamme, wo es mit dir hingehet. Es gehe hinfür mehr ins Völlige und Ganze hinein, wobei allein Friede und Freiheit und wahre Gemeinschaft mit JEsu gefunden wird! Dem Kreuz und Verläug- nung scheuenden, sich selbst suchenden, natürlichen Theil laßet uns recht fremde werden, um im Geist die zarte Stimme der Liebe vernehmen zu können, und seine Vertraulichkeit zu genießen, die das wenige Naturleiden unendlich überwiegen: aber der Eigenliebe wird dieser Tisch nicht gedeckt. Der innere Liebes- zug macht das Auge vor dem Selbst schließen, neiget zum Ausgehen aus selbst, und läßt erfahren, daß da, wo man sich selbst verlieret, GOtt wahrlich gefunden werde. Uns selbst müßen wir überall mißtrauen, und darum Bb 5 dem zy4 Geistliche Briefe. dem göttlichen Führer so viel mehr anhangen , bei dem wir allein Licht, Kraft und Gutes erwarten können, denn er ist getreu. Ich grüße herzlich von uns allen dich und dein ganzes Haus, auch N. und N.- Ich bleibe durch Gnade Dein und ihrer aller Mülheim, schwacher Mitbruder, den 27. Dec. 1749. kB D/ MW kn.! Der izoste Brief. Eich zu gewöhnen, alles was uns begegnet, in GOtt anzusehen. Herzlich geliebte Schwester! ch!! hiedurch Hab' ich dich grüßen, und dir GOt- ^ tes Frieden und Beruhigung in seiner innigen Nahheit anwünschen wollen. Weil wir GOtt lieben, so mäßen wir ja auch alle seinen Willen lieben. O wie schön und wie gut ist GOtt und alles, was er thut! Gewöhne dich daran, meine Tochter, alles, was kommt, in GOtt anzusehen, und in diesem ewig liebenden GOtt zu ruhen, und dich immer wieder zu beruhigen über die Zufälle. Alle ZI dich! A !öre dlir III. Theit. izister Brief. zyz Alle Dinge außer GOtt gehen vorbei. ^ Er, der unser süßer GOtt und unser Ruhe- ^ punct ist, bleibet ewiglich, der er ist. ^ Dein letzteres Brieflein habe empfangen. Es ist so gut. Vergiß nur alles wieder, und nimm auch dergleichen Dinge ganz einfältig von GOtt an, der in allem unser Beßtes beäuget. Ich habe keine Zeit, mehr zu schreibe den. Im Geist bleiben wir zusammen. Dein ^ Mülheim, Verbundener. - — 1750. «»ch Ho» Der iziste Brief. ! An einen Freund, über das sel. Absterben seiner > Mutter. Mein herzlich geliebter Bruder! c^etzt erhalte den Deinen vom 19. Decembr. »B und in demselben die unvermuthete Nach- iji st«! rieht von unserer lieben Mutter Erlösung aus Vielem Elend und tödtlichen Leibesleben. Der Wille des Herrn geschehe! Diesen Willen lehre er uns auch hierin anbethen, gutheißen i„id loben mit kindlichem Herzen, als solche, ^ die da wissen, daß alle seine Wege nichts anders als Güte und Wahrheit sind, und seyn K können. Zy6 Geistliche Briefe. können. Er weiß, warum er so thut; und E dieß glaubend, können wir die Hand auf den ^! Mund legen. ' Die gute Fassung ihres Gemüths, worin M ^ sie gelitten und hingcgangen, Hab' ich mit E vieler Erkenntlichkeit, und nicht ohne Be- wegung gelesen. Wir sollen ja dem HErrn ^ dafür danken, daß er ihr Herz in so vieler k" Beruhigung und Vertrauen erhalten, als M geschehen, und nicht zugelaßen hat, daß sie M viel hat können über ihre innere und äußere M >! Umstände reflectiren, damit das Gemüth m« nicht ohne Noth beunruhiget oder zerstreuet A würde, wozu die Schlafsucht vielleicht mit M hat dienen sollen. Nun, der HErr hat alles W wohl gemacht, der erquicke ihre Seele vor v«. dem Angesicht seiner Herrlichkeit, Amen! M Unfern lieben alten Vater grüße ich gar nch, herzlich, und bezeuge demselben, daß ich von « t Herzen Theil an diesem Verlust nehme. Z Wie so gern hätten wir ihm diese seine, W dem Ansehen nach so nölhige, Gehülfinn noch ß. ferner zu seiner Hülfe gegönnet l Allein GOt- ß L tes untadeliche Gedanken sind nicht wie die ^ unsere gewesen: ich vertraue, der wirds auch -ich in diesem Stück versehen. Es erfreuet mich, M daß der liebe alte Vater sich noch so Christ- e lieh fassen kann. Nun, es wolle GOttes ewige Liebe in Christo sein Herz so viel mehr zu dem Ewigen ziehen, und ihn, mit uns, y aufwecken, alle feine Zuflucht zu dem unsterb- ^ ^ lichen GOtr zu nehmen, damit er in dessen Gnade HI. Theil. izisier Brief. Z97 H Gnade und Gemeinschaft einen gründlichen, stk» bleibenden Trost und Vergnügen wieder finden möge. Ach! mein JEsu, tröste und Ali stärke du unfern lieben Vater, und laß sein >Al Herz erfahren, daß du allein besser bist, als das Allerbeßte. Amen! Ä» Mit Br. A. Schwachheit, Schmerzen, M und empfindlichen Leidensumsiänden Hab' ich >,«>! brüderliches Mitleiden. JEsus besuche und !ß.!>! erquicke ihn an meiner Start, und segne alles ich« zum Hauptzweck. Grüße ihn gar herzlich von mir. ß« Weil ich mir leicht vorstellen kann, daß jt iliil zu dieser Zeit vieles auf dich , lieber Bruder, anfallen wird, so gedenke ich in Schwachheit k M deiner. Der HErr, der die Umstände weiß, ! wird dir das Nöthige geben. Du thust HM wohl, daß du auch für uns bethest; wie auch W wir thun. ich« Ich bleibe auch so schwach, daß mir öf- D, ters Sehen, und Hören und alles peinlich ist. Jsts nicht ein eiendes Leben? Und doch D ist Kreuz und Leiden noch das Beßte, so D dieses Leben giebet. Ach JEsu! lehre uns Dj dich lieben, so lieben wir auch dein Rreuz, und können uns dabei wagen. Ich grüße und umfasse dich mit meinem NF Herzen, und bleibe durch Gnade. B Mülheim, Ach- den i. Jan. 1750. Der F, Der iZ2ste Brief. N« Don deS Schreibers Leiden; von der Verheißung ^ beim Leiden, und daß wir dadurch Itzsu ähnlich werden, da er uns seinen Sinn, seine Kraft, >a alles Gute mittheilet. öß« N. N. I« ,!»d sowohl dein Angenehmes vom rzten, als das von Bruder E. vom 27len Jan. Im, habe zu seiner Zeit wohl erhallen, aber nur W im Geist beantworten können, welches auch »Ä m nicht unterlaßen habe. !§ß Seitdem der Bruder N. hier gewesen, «, l hat es auf meine äußere Hütte mächtig ange- »U stürmet; und ob ich gleich noch nicht rüch- M tig zum Schreiben bin, so dauchre mich Mi doch, es wäre nicht recht, wenn ich euch «>,§" meine Umstände nicht communicirte. «W," Am i 8 ten Jan. bekam einen ungewöhn- W lichen Zufall, der mich ganz außer Stand ß setzte, und mich, weil ein ziemlich Fieber da- !M bei war, ins Bette legte. Es war ein sehr empfindlicher Fluß aufs Haupt. Etwa zwölf- ch § mal in einer Minute kamen solche empfind- tz, ^ liehe Stiche ins Gehirn, als wenn ein Pfeil wäre hinein geschossen worden. Dieses hielt acht Tage an; doch hatte nur den ersten und zweiten Tag ein starkes Fieber dabei. Allge- ^ III. Theil. iZ2ster Brief. Z99 mach kamen auch die Stiche nicht mehr so immer, sondern fünf ä sechs mal in einer Minute. Die folgenden Tage wußte ich des Morgens nicht so viel davon, sondern es W«. kam nur Nachmittags und Abends. Jetzt weiß ich GOtt Lobl nichts mehr von sol- L«, chen Schmerzen, wiewohl noch den Fluß im Haupt und auch Zahnschmerzen habe; es ist aber doch leidlich. Du stehest also, daß wir auch im äußeren Leiben einige Aehnlichkeit haben, und gute Brüder sind. Ob ich nun gleich denken kann, daß deine Beschwerden größer sind; tkk« so kann ich doch, um der Gleichheit willen, so viel mehr Mitleiden mit dir haben. Nun, es ist doch eine schöne Verheißung, daß deich, nen, die GOtt lieben und angehören, alles, zG ja alles zum Guren Mitwirken müße. Es dnÄ gehet nur alles über das äußere Theil, oder >i! B über das alte und eigene Leben, und macht chij uns JEsu ähnlich. Wir haben nichts zu thun, als uns mit ihm und seinem unum- schränkten Wohlgefallen zu vereinigen, so wie GOtt Gnade dazu gibt, und in ihm -die kleine und große Leiden anzusehen. Solle' M ich den Relch nichr trinken, den mir mein vaeer gegeben bar? Dergestalt ist denn unser Leiden kein bloß natürlich noch böses Drng, sondern eine Gemeinschaft der Di Leiben, die in Christo sind, der uns aber auch mit dem Leiben seinen Sinn und seine ßk Kraft communiciret, daß wir unter, uns durch 4oo Geistliche Briefe. durch die Leiden klein, rein und herrlich wer» M den, ob wirs gleich nicht allemal so sehen M können. Es ist wahr, wir können uns weder zur Zeit der Leiden, noch zur andern Zeit keine gute Gemüthsfassung geben; wir ^ mäßen solches nicht einmal probiren, son-> dem uns selbst dalaßend in unsern so innig- ^ nahen GOtr uns einsenken, oder los laßen, ^ in kindlicher Einfalt und Vertrauen. Je M mehr Schwachheit und Elend in uns ver- M spüret wird, desto mehr sind wir dazu ver- M pflichtet. Was suchen wirs lange in uns? W Was sorgen wir? Was ängstigen wir Will uns? In unserm so innigst-nahen Heilande chm ist es alles und allein zu finden; ja zu Mk finden, nicht eben zu suchen. Wir suchen ^ bisweilen aus Unverstand was Gutes, so wir ^ unwissend schon haben. JEsus und alles ^ Eure muß nicht so sehr gesucht, als nur ». gefunden werden. Wann wir was suchen . ^ und machen wollen, dann gehen wir in unser ^ >' Eigenes ein ; nur sollen wir JEsum , und in ihm alles Gute, ganz nabe glauben, finden, haben, lieben, und ihn allein alles in uns seyn laßen. Der HErr lehre und gebe uns die Sache! So, wie du, lieber Bruder, deinen Sinn ausdrückest, bei deinen Leiden und bei der Erfahrung deines Eigenen, so sich untermischt, gefallt mir wohl. Halte in GOttes Nameissnur aus, unter seiner Hand. Plage dich nicht mit künftigen Beschwerlichkeiten. Der ^ t HI. Theil. rzrster Brief. 401 >ßsi >! «ik «ich ich, !°> Zi I»§W >»!M i« »k! DM M Lek Weg beißt wohl schmal und dem eigenen Leben fällt es schwer, von seinem Recht abzusteben; allein, wann der HErr sich offenbaret , dann wird das Schwere leicht, und das Enge weit. O IEsu! O Liebe! verdienest du denn nicht unser ganzes Herz? Und, ist es zu viel, ein paar Tage dir dein Tvreuz tragen helfen? Deinen lieben Vater grüße meinetwegen gar herzlich. Es freuet mich, daß er sich so gut fasset, und gerne sein Beßtes thun will, sich zur Reise anzuschicken. Ich bitte angelegentlich , daß JEsus ihm seine Tage recht gesegnet seyn laße, und er mit seiner Gnade mitwirke.- Ich grüße und umfasse dich, lieber Bruder, und verbleibe durch Gnade. Mülheim, dm Febr. 1750. Der Zweit. B. M. Th. C k 402 Der iZgte Brief. ?-!?> z«ki» An einen frommen Schuldiener. Anweisung mit dem Herzensgott umzugehen, und auf was ^ Weise er sei» Amt GOlt heiligen und den «<»/! Kindern nüyen könne. Hlv HStl! In der Gnade unsers theuern Heilan- ^ des herzlich geliebter Freund! ÄDeine anhaltende Leibesschwachheit, welche A s> ^ um diese Jahreszeit heftiger zuzusetzen «n! pfleget, und die überhäufte mündliche und Ml schriftliche Anläufe anderer Gemüther haben M verhindert, daß E. E. angenehmes Zuschrei-- den vom iten Jan. nicht ehender als heute «N beantworten können. Daß ich das Vergnügen gehabt, mit W E. E. verwichenen Sommer bekannt zu wer- Kr den, seh' ich als eine gute Schickung göttlicher Liehesdirection an; das sollen wir nicht so als von ungefähr kommend ansehen, sondern K einfältig glauben, unser guter Hirte habe M solches erpreß so gefüget, und etwas zu un- M ferm wahren Nutzen und Heil darunter ver- ^ borgen. Nun dann! es sage unser Herz: ^ warum har der HE>r das gerhan? Es schweige unsere Seele dem HErrn, und lege sich vielmals vor seinem Angesicht offen, mit zL innigster Begierde, in seinen liebsten Willen ^ einge- kj «l !, »!>h WjP ch lI»S k ßbül Mü- jstzck Ä,« »izi» ilBl! HI. Theil. izzster Brief. 40z cingeleitet zu werden; da sich dann gewiß un,er so naher und guter Hirte n,^r .mro unbezeugt, sondern seine lebendigmachenve Hirtensiimme, nach unserm Stand und Bedürfniß, vernehmen laßen, um uns aus- zutüvren aus uns selbst und allem Geschaffenen, und emzufübien in seine innige und ewige Gemeinschaft, da der Geist allein Leben und volles Genügen findet. HHrk kören, uns GDrr folgen ist alles, was zu thun ist; ja wir leidens noch mehr, und laßen es in uns thun, als daß wirs selber thun sollten. Nur nahe gekommen! Nur einfältig gehungert, geglaubet, geliebet, und ohne Kunst mit dem Herzensgut umgegangen, und ihm Herz, Willen und Verstand, ja unser'Ganzes wahrlich in seine Macht gegeben! O großes Glück! daß wir dieses thun dürfen; und noch größeres Glück, wann wirs mit der That also thun. ^Err JE>u! der du uns mir deinem Blut dir ei kaufer käst , nimm uns rvakr- lich und ewig für dich km, Amen! Werther Freund! daß er sein Amt gern GOtt heiligen will, ist von GOlt, und demselben angenehm. Der HErr will demnach , daß er sich selbst und seine Arbeit, lammt untergebener Jugend, herzlich und vielfältig ihm anbefehle, und m allem durch den heiligen Geist seine Akstch reinigen und ver- einfälügen laße, um Amt und Alles immer lauterer dem HErrn zu rhun; so wie wir Lc 2 in 404 Geistliche Briefe. in der Natur gewohnt sind, alles uns selbst, B und mit Absicht auf uns selbst zu thun. Ist A, alsdann das Auge einfältig, so wird der W ganze Leib des äußeren Werks schon W Lichr, und dem HErrn angenehm werden. M GOtt braucht unserer Werke nicht; er wiegt ' , sie nach dem inneren Werth, nicht nach dem Ansehen. GOtt zu lieb und Ehren einem ^ Kinde das A b c gelehret, ist wichtiger vor GOtt, als predigen. Länder regiren, und viel Großes und Schönes thun mit Absicht auf sich selbst. Ich würde ohnmaßgeblich rathen, die Kinder das zu lehren, was ich gedächte, daß ihnen heut oder morgen im l Leben dienlich seyn könnte; mit gar unnöthi- " gen, oder nur vereitelnden Sachen aber mich M gar nicht aufhalten. Ist nur das Gemüth G vor GOtt andächtig, und im Hauptwerk w. unsers Gnadenberufs redlich und ganz gesin- net, dann wird einem schon im Gegenwär- I Ligen ein Wort, oder sonst was in den Sinn gegeben, so den Kindern erbaulich ist. !^>li Und wann wir auch nicht direct was Gott- seliges sollten sagen, so erbauet doch solcher- W gestalt Wesen und Wandel, uns ohnwis- »gl send. Wann säugende Kinder krank sind, NM dann gebe ich vielfältig nur den Müttern die kW Arznei. Schuldiener sind solche Säugam- Hx men; ihr Stand, Wandel und Wesen hak g., einen Einfluß aus die untergebene Jugend, . mehr als man denken sollte. Die Worte, die gesprochen werden, thun es sonst nicht. »»7 Uebri- ^ lo ikk ßsn Win. r>W tzü«! !»itz lD ßM »ssilj P im lüMh- «mich Wl! W«? li in!« HI.THeil. izchster Brief. 405 Uebrigens wünsche ein Herz voller Liebe JEsu, wie zu eigener Seelen Vergnügung und Heil, als auch um die Lammerchen dem HErrn zu erziehen und zu weiden. Ich grüße gar herzlich, und bleibe unverrückt Meines herzlich geliebten Freundes Mülheim, von Herzen ergebener den 19. Febr. 1750. Freund im HErrn. . .- Der iZ4ste Brief. lLrüderlicher Zuruf: den großen GOtt zu lieben, anzubethen, und der Hut des HLrrn zu war. ten. Seufzer. Mein herzlich geliebter Bruder! F>ein Angenehmes vom rysien Febr. habe seiner Zeit wohl erhalten. Obgleich nichts Erhebliches zu schreiben habe, und sonstWerks genug auf mich wartet, so finde mich doch jetzt geneigt, dich ins besondere, mein lieber Bruder, mit Herz und Feder zu grüßen, welcher Neigung ich dann nur folgen will. Mein Herz grüßet und küsset dich im Namen JEsu, und rüftdirzu: Komm mit mir, und laßet uns lieben und anbethen unfern GOll, den nahen, den großen, den unver- Cc z änderlich Geistliche Briefe. 406 önde'lich guten GOtt, der unfern Geist zu ^ seinem Heiligrhum erkoren, und uns Elende zu seinem seligen Dienst im Geist berufen hat. A Gibt der Herr eben nicht allemal einen klaren und offenen Eingang ins Heiligthum; so bleibe doch unser inneres Gemerk der Liebe dabin gewandt, zu warten der Hut des HErrn, und Raum zu geben allem seinem G Wohlgefallen und Bewegen. HErr rede! dem An.chr Hörer. Ich habe den HErrn gebethen, er möchte dein Herz umzäunen und abgeschieden bewahren, damit nichts Fremdes in sein Heilig- thum eindringen und solches einiger maßen proküniren (entheiligen) möge! Er wirds auch thun; das traueich ibm zu, und den Geist mit seinem göttlichen Leben durchdringen, welches allein Leben genannt zu werden verdienet. Ich grüße herzlich alle, welche zu nennen die Zeit nicht zuläßet. Ach mem OEsu! du großer Hirre deiner Schafe! du bist ja einem jeglichen dieser Herzen wesentlich nahe; sage selbst einem jeden ins Herz, was ihnen zu sagen ist! Du hast ste dir mir deinem Blur erkaufer: weide, leire, und bewahre ste, daß kein einziges umkomme ! Ich grüße dich zärtlich, lieber Bruder, und verbleibe durch Gnade, rc. k° < Z 'Li, > L'Nülbeim, den 19. Febr. 175V. Der 4v? IW Der izzste Brief. Anmuthigung zu einer liefern Ueberlaßung, und zur Aufopferung einer kranken Schwester. Meine in der Gnade IEsu vielgeliebte Schwester! rn erhalte durch den lieben Bruder N. eine solche Nachricht von eurer und der lieben Schwester E. Krankheit, daß ich fast zweifeln muß, ob ihr diese Zeilen zu lesen im Stande sepn werdet? Ich finde mich dennoch gedrungen, E. E. zu schreiben, ohne eigentlich was zu schreiben zu haben. M i« ^ W' ,ß!!> Daß ich mit euch leide; daß ich euch durch den hohenpriesterlichen Geist Christi suche zu fassen, und dem HErrn darzubringen, das wisset ihr. Daß ihr das Leiden von GOtt in der Liebe nehmen, mit G-Ott in der Liebe tragen, und GOtt in der Liebe aufopfern soiler, ist E. E. auch bekannt. Vielleicht sinds noch andere Lektionen, die jetzt aufzusagen sind? O wie sorget die Liebe für uns! -O wie gängelt sie uns, und wie weiß sie uns so sachte dahin zu bringen, wo siHuns haben will! Laßet uns folgen mit geschlossenen Augen. Lastet uns ihrer guten und treuen Hand uns nicht entnehmen durch störende Furcht und Zurück- C c 4 sehen 4o8 Geistliche Briefe. sehen auf uns selbst! Eure Ueberlaßung soll E durch diese Besuchung verliefek werden. Der E HErr sähe gern, daß ihr euch, leiblich und E' geistlich, rn aU« n seinen nur möglichen lVil- len suchtet zu ergeben, stellend euer Wollen ^ und Nichtwollen in seine Hand. Dieses wird dem Geist Weile geben, und eine Ruhe, die übernatürlich ,st. Er selbst wirds euch weisen und geben. GOtt stärket die Schwachen, M und bekleidet die Nackten: lastet uns dann üA" um Schmuck und Kraft uns nicht viel umse- W, hen, damit wirs alles in JEsu mögen Mi finden! M Soll ich noch mehr rathen? Dann mästet P ihr dem HErrn auch noch ein anderes Opfer ^ s! bringen. Vielleicht nehmet ihr euch der lieben Schwester E. Krankheit zu sehr an? Viel- W leicht seyd ihr zu sehr befürchtet, der HErr möchte sie zu sich nehmen? Fürchtet nicht! der HErr wird hierin nichts anders thun, als was gut ist, und zwar sowohl euch als ibr. ^ Aber das sähe der HErr gerne, daß ihr sie aufopfertet, und sie ihm ja so lieb gäbet, als selber behieltet; wenn es also sein Wille seyn sollte. Seyd in JEsu Namen getrost mitten unter euren Leiden, Schwachhesten und Elenden! O GOtt ist allein genug. Sehet ihn an, lobet ihn, liebet ihn, und freuet euch in ihm! Und, wann ihr meynet, ihr könnet nichts von alle dem, was ich hier sage: dann leidet, weil es euer GOtt will, der alles ist. Ich denke auch nicht, daß ihr jetzt sterbet. Lastet 4 c- HI. Theil. iZ5ster Brief. Nl ' Z!k ichU Hil- IM, Ä »s» «klÄM ! iW A!R Lastet der lieben Schwester E. meinen herzlichen Gruß wissen, und daß ich sie im Geiste zu fassen, und dem liebsten Heiland anzubefehlen suche. Er har uns aus Barmherzigkeit bei der Hand gefastet, und in seinem für uns vergossenen Blut uns die Vergebung unserer Sünden und einen freimüthigen Zugang zum Vaterherzengeschenket, beides im Leben und im Sterben. O Gnade! Was wollen wir mehr? als nur, daß wir in chm bleiben, und seiner uns zubereitenden, reinigenden und forthelfenden Hand uns kindlich überlaßen. Ich grüße nochmals im Namen JEsu euch, liebe Schwester! die kranke Schwester E.-Der HErr JEsus sey mit eurem Geist! In ihm bleibe ich durch Gnade Euer W Wi« Mülbeim, treu verbundener schwa- den 6 . März, 17 ;o. eher Bruder. Le 5 Der Der iz6ste Brief. «D/ Wie nöthig die Beharrlichkeit in der Uebung des Gebcths und der Einkehr, sonderlich auch in s" Zeiten der inneren Entblößung, Dürre und All Dunkelheit sey. W In der Gnade ZEsu werthgeschätzter B lieber Bruder! B > 5>b wir gleich schriftlich wenig correspondi- ^ ren, so kann ich doch in Einfalt vor GOtt sagen, daß ich dich liebe, und mich im Geist mir dir vereiniget finde, auch daß mir dein letzteres Schreiben vom i 7 ten Jan. angenehm gewesen. Ich merke zwar wohl, daß du dir eine zu schöne I6ee von mir machst; allein so jsts der Liebe Art, und ich wünsche mirs zu nutz zu machen. Deine Gemüthsbeschaffenheit, wovon du mir ein und anders brüderlich eröffnest, habe gesuchet und werde suchen, dem HErrn in meinem Gebeth darzubringen, nach der Gnade, die ich von ihm selbst erwarte. Daß die Beharrlichkeit in der Uebung des Gebeths und der Einkehr von solcher Wichtigkeit sey, kann uns, nächst der Erfahrung, bloß des Versuchers List und Bemühung, um uns davon abzulocken und darin träge zu machen, sattsam lehren. Er weiß, daß durch diese selige Uebung allein sein finsteres Reich Wijl Ujl! !>>§!>! IN Ni >11! O III. Theil. izäster Brief. 4ll !»>» -Ä in der Seele nothwendig zerstöret wird, durch den unvermerkten Einfluß des Lichts, der Liede und des Lebens JEsu; und daß alle Blumen und Früchte der schönsten Gnaden und Triezenden bald von selbst verwelken, wenn er sie nur von dieser ihrer Wurzel abbrechen kann. JEsus allein ist Mittler und Kanal, wodurch das göttliche Leben und Kräfte in unsere aus der Art geschlagene und zum Guten erstorbene Menschheit wieder eingeflöffct werden mäßen. Durch die Uebung des Herzensgebetbs (als in welchem Glaube, Liebe Hoffnung, rc. sich concentriren^ werden und bleiben wir mit ihm vereiniget, und in ihm gewurzelt; da der Hunger, Liebesbegierde und innige Zuneigungen gleichsam unsere Wurzeln sind, wodurch wir aus JEsu unvermerkt Saft und Kraft empfangen, ob mans gleich nicht allemal so deutlich sehen und füblen kann, wie das zugehet, und ob das geschieht? O laßet uns berhen, und uns zur Herzenseinkehr schicken! Das gebrechlichste Gebet!) ist beil- samer, als die beßte Zerstreuung. Viel scheinbares Gute laßt uns der Feind machen; ja er treibt noch wohl dazu, nur daß wir das Gebeth unterlaßen. Ich werde durch des lieben Bruders Schreiben nur darin befestiget, was mir meine eigene Erfahrung, und die Erfahrung bei anderen vielfältig gelehret bat: wie nämlich der Versucher sonderlich die Zeit der Entblößung, Dürre und Dunkelheit in Acht nimmt, die 412 Geistliche Briefe. Seele von der «»verrückten Uebung des Ge- beths, und mithin von ihrer Kraft abzubringen; da dieses doch eben die Zeiten sind, da wir zu dem größten Fortgang und Ausgang aus uns selbst könnten bereitet werden, wenn wir nur bei dem HErrn aushalten, und uns nach ihm zu fügen wüßten. Ich will sagen: daß, wenn wir, auf die sonst gewohnte Art, mit derGebethsübung nicht fort kommen könnten, wir dann auch nicht mit steifem Eigenwillen und Anstrengung fest hielten, was der HErr uns zu entnehmen beliebt, sondern uns schmiegeten, in unsere Nacktheit und Armuth ruhig einwilligten, unseren Geschmack, Licht und Vergnügen seinem Vergnügen und Wohlgefallen aufopferten, und dieses sein Wohlgefallen unser Gebeth und unsere Speise seyn ließen. Siehe, da würden wir von einem solchen Loslaßen, Entblößen und gleichsam Verlieren mit der Zeit den Gewinn erfahren, und zu einer tiefem, oder besser gesagt, reineren Einkehr, Geberhsart, und Vereinigung mit GOtt fähig gemacht werden; welches eben die Absicht GOtteö ist. Das ist aber unser Elend und unsere Schwachheit, daß wir so sehr mit der Eigenliebe durchdrungen sind, und uns selbst suchen, eben indem wir meynen, GO" zu suchen. Finden wir dann für uns selbst nichts, kein Licht, Geschmack, oder sonst was Angenehmes, da bilden wir uns ein, wir könnten G-Vtt nicht finden, werden müde und muth- loS Mt qsom Äl iim ich A, ch 'ich, »Ai Atz KR, »!» r>8p! M A««j >A»i^ i, W IM UI- üßsK B ^ E? «i III. Theil. izöster Brief. 41z lös, und suchen wohl gar für dieses Selbst Nahrung in andern Dingen, da sie uns in G-Ott und dem Guten nicht mehr so vergönnet wird. Ach! mein GOtt! wie so höchstungeziemend ist dieser Sinn einem Herzen, das sich deinem reinen Dienst und deiner Liebe gewidmet hat! Zerstöre diesen Grund der Eigenliebe, daß wir in deinem Dienst nicht uns, sondern wahrlich dich suchen, nicht unser Vergnügen, sondern dein Vergnügen: denn du bist unser Ende, und in dir, nicht in uns, ist alle unsere Seligkeit. Amen! Ehe der Pfingsttag gekommen, konnten die lieben Jünger ohne die leibliche sichtbare Gegenwart JEsu nicht lang in der St-lle aushalten. Ich gebe Kinaus fischen, sagte Petrus. Die Zeit fiel ihnen lang in der Einsamkeit. So gehts auch uns. Man gehet hinaus fischen in einem Buch, bei einem Menschen rc. und es ist Gnade, wenn man in solcher Nacht nirgend was fangen kann, und der Heiland einem noch begegnet, und, wie den lieben Jüngern, die Fruchtlosigkeit alles eigenen Gesuches zeiget. Mit Furcht, mit Scham, mit tiefer Erkenntlichkeit der göttlichen Langmuth und Güte erinnere ich mich dessen, was mich die eigene Erfahrung in diesem Stück wohl gelehret hat: daß nämlich die Versaumniß der Gebethsübung so wichtig, rind daß man zur Zeit der inneren Dunkelheit und Dürre so leicht in diese Versuchung gereichen kann. Man merkt den Schaden so bald nicht; 4-4 Geistliche Briefe. mehr; allgemach aber kommt man weiter und wohl bisweilen jo wert von der Spur ab, dal; man kaum Much hat, je wieder zurecht zu kommen. Eure Seele ohne Gebethöübung ihr wie ein emzeles Schäfiein ohne Hirten. Der Versucher weiß solches; er bedienet sich der dunkeln und bloßen Gemüthsstände, daß er die Seele von ihrem Hirten entferne; da spannt er sem Netz listig auf, bringt das Gemüth in Zweifel und Verwirrung, stellt ihm dieses oder jenes Scheinbare vor, treibt es zu mancherlei Veränderung an, es solls mit dieser lV ung. in dem und dem Stand, an diesem und jenem D", bei einem scheinbaren Kaufen oder -^ectt einmal versuchen; wodurch in diesen und vorigen Zeilen so manche redliche Seelen bei dunkler Nacht sind betrogen worden; zu unserer Warnung, daß wir im Dunkeln und Dürren nicht leicht einige Veränderung vornehmen, sondern da bleiben mäßen, wo wir sind. E ZK ZN Ä: i «Ä iliD! »W M ichü Laßt uns nur in JEsu Namen immer wieder Muth fassen, daselbst wieder anfangen, wo wir aufgehöret, und uns präcis wieder also betragen, wie wir vor der Abweichung gerban haben! Die wunderbare Güte unsers GOtles bedienet sich aller Dinge, auch sogar unserer Fehler und Sünden, zu unserm Beßren : (Angebetben sei) seine Weisheit!) L?on bmren nach mäßen wir uns auch selbige beßt- möglich zu nutz machen, und einen guten Vorrat!) «MI >0 W. 4l5 «kW »ad, Dch Äniig «ich «!d, G dij WM' D-« s!> III. Theil. i;6ster Brief. rach der gründlichen Selbstverschmähung davon austegen; ob wir gleich keineswegs unser Böses damit zu beschämen, sondern mit allem Fleiß zu vermeiden haben. Rom. 6, , 2 . Unser Nichts, im Lichc erkannt, wirket Demuth; aber eine Demuth, aufwelcye wir bisweilen ein wenig hochmüthig werben. Unser Nichts aber, durch die Erfahrung erkannt, läßt der Eigenliebe keinen Schlupfwinkel übrig; man muß bloß da stehen, und seine Schande bekennen. Viele Menschen reden von Verlaugnung der eigenen Gerechtigkeit, die noch wohl wenig oder keine Gerechtigkeit haben: aber bei treugesinnten Seelen schleicht dieses Gift am ersten mit ein, daß man in seine Treue, in seine Verlaugnungen, in seine Tugenden und Gnaden, in seine Gebeths- übungen unvermerkt seine Gerechtigkeit und sein Vertrauen setzet, und nicht so bloß in GOtt allein; und da kann dann von dmccn nach der liebe Heiland mit unserm Koth uns die Augen öffnen, wovon aber seine Wunder- Hand allein die Ehre, und wir die Schande haben. Die Erfahrung unserer Schwachheiten, Elenden und unsers allgemeinen Nichts muß uns nicht kleinmüthig machen, sondern Anlaß geben, uns auszuleeren von uns selbst, uns selbst zu verlaßen, uns so viel nackter, und also auch so v.el wesentlicher in GOtt zu kehren, damit er uns mit sich selbst erfülle, und alles das in uns werde, was wir selbst uicht haben oder leisten können. Und dabin 4i6 Geistliche Briefe. will uns GOkt haben, damit kein Fleisch sich ^ rühme vor seinem Angesicht, sondern Jehova ^ allein unsere Gerechtigkeit und unser Ruhm ^ sey. Siehe, lieber Bruder! so würde die ^ ^ Nacktbeit, Ausleerung und Loslaßung, wozu die Erfahrung unserer Elenden uns Anlaß , geben, uns von hinten nach der edelsten ^ Gebethsart und Vereinigung mit GOtt fähig Mir. machen. Gelobet sey die wunderbare und unendliche Menschenfreundlichkeit unsersGOt- ips tes m Christo JEsu! Weil ich im Schreiben immer gebindert, und durch Besrr. und Geschäffre immer auf was anders gefübret werde, so mag dir mein Schreiben wohl was unordentlich und undeutlich Vorkommen. Ich habe nur meine einfältige Liebe und die Vereinigung mit dem, was dich die Salbung selber lehret, zeigen wollen. Laßet uns, lieber Bruder, fortfahren, der diesem allein vknfehlbaren Lehrmeister ^ der Wahrheit zur Schule zu gehen, und nH immer mehr recht kleine Herzenskinder werden! Avec Oja, «t? ist Wahrheit, was uns die Sal- Km bring lehret; und es ist keine andere Wahrheit, Zl als diese. Ich grüße und küsse dich im Geist tz w der Liebe. Gedenke meiner vor GOtt, wann M dirs gegeben wird; ich begehre durch GOtt k>,kj ein Gleiches zu thun. ^ Grüße meinetwegen herzlich die liebe Mit- ^ glieder in N. Ich schicke ihnen öfters einen innigen Segenswunsch zu. JEsus erwärme und belebe ihre und unsere Herzen mir seiner tz. süßen ^ M. Theil. iz?ster Brief. 417 süßen Liebe! Amen! Ich bm und bleibe schwächlich, daß wenig zu schieben im Stande bin: auch diese Schwachheit heißt mich abbre- cheN. Durch Gnade bleibe ich Dein Mülbeim, treu-verbundener schwg- den i2. Mart. 1750. cher Micbruder. l.'!, 7-—^'»,-.17-",..l py. Der izyste Brief. Wie man sieb in äußern und inner» Leiden, auch in den Versuchungen zu verhallen. N. N. F>aß ich dein Angenehmes vom 7ten dieses ^ richtig bekommen, ist dir bekannt. Ich muß doch wenigstens einige Zeilen mit der Feder antworten, da sonst meinen Correspondenten jetzt nur im Geist antworten kann. JEsus liebet dich; darum läßt er dich ein wenig mit aus seinem Kelch trinken, und bewahret dich von allen Seiten. Durch die leibliche anhaltende Leiden soll das Leben der Sinne und Natur (es sträube sich so sehr als es wolle) eingehalren und ausgehungert werden; und durch die innere Dürre und Leiden bewahret der HErr vor der Eigenliebe , daß selbige nicht sein göttliches Werk Zweir. L>. m. Ty. D p ver- 418 Geistliche Briefe. verderbe, welches seine göttliche Hand unter ^ dem allem im Verborgenen fortsetzet. Laß die Liebe nur mit dir machen! Liebe und «> leide, so gut du kannst; besiehe es aber nicht alle Augenblicke, wie gut solches geschehe? Der HErr wird dir dein tägliches Brod ^ schon darreichen, wie du nun und dann, nach ^ den Proben, erführest. Eigenes Sorgen und Anstrengen rc. überwindet den Feind nicht, sondern demüthiges, ruhiges Einsinken in die verborgene Kraft Christi, ohne sich der M Feinde und seiner selbst anzunehmen. Die sM Mutterhand, wodurch das Kind am Leit- ^ band gehalten wird, stehet man nicht, doch M wird man in den Gelegenheiten selbst eine ^ Macht gewahr, die uns vor dem Fall bewahret. M Sind die Versuchungen von solcher Art, ^ wie du meldest, dann thut alle Heftigkeit . .. im Widerstreben, auch Traurigkeit und Un- Wille, nur mehr Schaden. Die Einkehr in s. , sein Herz will da auch selten helfen. Ein lä» demüthig, mündliches Gebeth; ein Vermeiden It. ^ der Vorwürfe; eine etwas applicirende (oder A > Nachdenken erfodernde) Beschäfftigung, oder i// ! gar eine gute Application des Verstandes thun A noch wohl am beßten gut. Ach! der HErr - 5 , sorget und bewahret uns mehr, als wirs V glauben können, und wird endlich, mit seinem ^ göttlichen Leben, in uns siegen, über alles Leben der Natur und Eigenheit. Amen! A Mülheim, W den Lz, April 1750. ' > Der 4ty > Ä sixlll» pU, M OW Wi» «> 6« ljWklll !Ä!l« >«z,K jM!* K, Der iZ8ste Brief. Wie es die Seele machen muß, wann GOtt ihr die Gnade thut, und sie sich so fühlen läßt, wie sie von Natur isi. Sehr liebe Freundinn und Schwester! c>ch muß dir hiemit auf dein Brieflein ant- O worren, aus welchem ich sehe, wie es dir gehet, nämlich daß du dich jetzt so todt und tmgesühllg, auch so zerstreut und äußerlich so unruhig befindest. Liebe Schwester siehe, so will GOtt uns mehr und mehr an uns selbst bekannt machen, und offenbaren, was wir von Natur in uns selber sind. Findest du dich so todt - siehe, so findest du dich also, wie du schon von deiner Geburt an bist. Findest du dich so ungefühlig und unempfindlich ; so fühlest du dein hartes und steinernes Herz, das du von Kindheit an bei dir getragen hast. Findest du dich verstreut; siehe, so sind wir leider l vorhin gewesen, Habens aber nicht so gefühlt noch gewußt. Aber, liebe Schwester, ist dieses nun «licht GOttes Gnade? sich selbst nun zu finden und zu erkennen, so, wie man inwendig in sich selber in der Wahrheit ist. Ja ge- >viß! eine große Gnade vor viel tausend andern elenden Menschen. Und das ist auch Dd 2 Gnade, 420 Geistliche Briefe. Gnade, wenn du dieses als eine große Gua- de erkennest und schätzest, auch wenn du dich M gern so findest, wie du bist, und dir lieb ist, dich also zu finden, wie du im Grunde bist. Denn dieses ist das beste Mittel, daß du -i dich im Grunde des Herzens beständig zu M JEsu wendest, und dem Zug der Gnade Ot folgest; ja, daß wir uns so, wie wir uns finden, mit allem unserm Elend, Todigkeit, Finsterniß, Ungefühiigkeit, Härtigkeit und B Zerstreutheit vor GOtt darstellen, dahin legen, und sagen: „Siehe, oGOtt! also bin ich; „ich kann mich selbst nicht um ein Haar än- „dem noch besser machen. O GOtt! welch „ein abscheulich, unrein, fluchwürdiges Nichts „bin ich! welches du noch zu dir ziehest mit „verborgenen Zügen der Gnade; u. s. w. § Uebergib dich, mit völliger Uebergabe, an ^ den getreuesten Vater, und in die vollkom- zr> mene Gnade JEsu , daß er dich führen und m zubereiten wolle nach seinem allerbesten und allerweisesten Belieben und Wohlgefallen, und ! wie er es mit dir machen wird in Zeit und Ewigkeit. Senke dich dann in sein Liebes- M Herz beständig, und bleibe darin, nicht hörend , was die finstere Vernunft und Welt ^ Vorbringen und ausdenken mag. Er will uns ^ durch Kreuz, von Innen und Außen, ihm gleichförmig machen, daß wir dem leidenden ^ und armen JEsu sollen ähnlich werden, der nicht so viel in der Welt hatte, da er sein iiiß Haupt hinlegte. Nun dann, liebe Schwe- ster. 421 l> ß«! HI. Theil. izyster Brief. ster, laßt uns gern mit JEsu arm seyn, ja uns recht freuen, daß wir nichts haben, so werden wir alles haben: Jehova, JEsum und sein ganzes Himmelreich, und ewige Herrlichkeit. Er laße deine einzige Feude seyn, dich nahe zu JEsu zu halten! wozu dir alle Gnade wünschet Dein Mülheim, den 6. May, 1750. schwacher Mitbruder. MN Ml! >!«A Der iZ9ste Brief. Des Schreibers Gedanken und Rathgebung an einen frommen Prediger, über die Erweckungen in seiner Gemeine, und sich hervorgetha- nen außerodentlichen Bewegungen. Ws Wohlehrwürdiger, Hochgelehrter, Znsonders hochgeehrter Herr Prediger! In der Gnade vielgeliebter Freund und Bruder! .so"? ero Geehrtes, vom iztenJunii, ist mir kheils etwas spät eingehändiget; theils bin ich auch durch Leibesschwachheit und sonstige Arbeit verhindert geworden, daß Ihnen Dd z mcht -rr Geistliche Briefe. nicht eher als heure darauf habe antworten ^ können. Es ist die Wahrheit, wir haben einan- der in so langer Zeit persönlich zu sehen nicht M Gelegenheit gehabt: dennoch habe als nun H"» und dann von ihnen und dem Zustand ihrer D, Gemeine gehöret, mich über dem Guten mit erfreuet, sowohl ihrer Person als Gemeine M angelegentlich des HErrn Segen angcwün- D schet; und mit einem Wort, ich Habel abwe- M send mehr Affection zu ihnen in meinem Her- M zen gefunden als damals, wie wir einander Wh persönlich gekannt. Der HErr JEsus, der M große Oberhirre seiner Schafe, stärke und M segne sie in ihrem so wichtigen Amt, und rüste U > sie aus mit Ernst, der mit Liebe gemäßiget M ist, und mit Liebe, die von göttlicher Weis- heit dirigiret wird, Schafe und Lämmer dem « HErrn zu weiden, und durch Gnade (die E der HErr darreiche) Aufsicht zu haben, daß ^ weder zur Rechten noch zur Linken betseits ausgetreten werde, Amens m Es ist ja G-Ottes Hand und Bewirkung ^ ^ bei den dasigen Erweckungen, wofür man ^ dem HErrn nicht genug danken kann: ich zweifle im Geringsten nicht daran. Denn obgleich eben nicht alle Blühte zur reifen G Frucht kommt, so freuet man sich doch billig, wann man viel Blühte siebet. Manche, die ^ nun und dann, in dergleichen Dingen, in ihrer Hoffnung fehlgeschlagen, wollen hernach nirgend mehr trauen, welches nur die Frucht ^ des III. Theil. izyster Brief. 42z MG ich VV >ÜdW Iich- a» slis, l« rik Mi M/ii! I ich- des natürlichen Unglaubens ist, wovon auch Fromme wieder können angefallen werden. Wer die Wuiiderkraft göttlicher Gnade an seiner eigenen Seele, bei gründlicher Bekehrung und fernem Bewirkung derselben erfahren hat, der kann selbige nach Menschensätzen und Gedanken nicht mehr einschränken; der bekommt die wahre Liebe des Nächsten, welche demselben nicht nur alles Gute wünschet, sondern auch alles hoffet und glaubet, wo nur das Geringste hervor zu kommen scheinet. Zwar haben sonderlich Diener Christi nöthig, um wahre göttliche Weisheit zu bitten, die Geister prüfen zu können, ob sie aus GOtt sind? vornehmlich in diesen Tagen: allein, wo wir nicht volle Gewißheit haben, mäßen wir das Sicherste erwählen, und es lieber jwanzigmal verschmerzen, daß wir im alles Hoffen gefehlet, als einmal, daß wir uns l mciren soll; so kann ich nicht läugnen, daß D in meinen Augen sowohl diejenige fehlen, welche alles als bös ausschreien, als auch die andern, welche alles und bei allen so gar hoch erheben. Man muß zwar alles respectiren, was von GOtt kommt; aber man kann e,ne Gnadenwirkung GOttes, z. E. die Anklo- dM pfung, die anfängliche Ueberzeugung zu hoch P Dd 4 auf- 474 Geistliche Briefe. aufnebmen, und schon für die wirkliche Bekehrung und Wiedergeburt halten, zu eigenem oder anderer Schaden. Von vornen kann man schwerlich ein unfehlbares Urtheil von solchen außerordentlichen Gaben fällen; darum haben Erv. wohiedrrv. meines Erachtens von der Kanzel weislich erinnert, daß man den Baum an den Früchten sollte kennen lernen. Einige dergleichen (doch in einigen Umstanden verschiedene) Dinge Hab' ich gesehen, die ,ch glaubte Betrug zu seyn, da auch der Ausgang mich in solcher Mepnung gestär- ket. Andere Hab' ich gesehen, die ich für gewiß mußte glauben, daß von einem übernatürlichen Ursprung herkamen, oder auch sonst eine gute Afflcirung und Rührung der Gnade zum Grunde hatten, doch aber nichts Sonderliches nachließen, wenigstens nicht so, wie man wohl gehofft hatte. Bei einigen war es der Anfang zu einer wahren und bleibenden Herzens- und Lebensänderung, da wegen der Plötzlichkeit und Größe solcher Veränderung (indem aus einem Saulus ein Paulus, aus einem Stein ein Kind Abrahams werden sollte) der ganze äußere Mensch angegriffen wurde, die Gnade bis in die Sinnlichkeit, und gar auf andere Personen mit überfloß, und der neue Wein in den bisher alten Schläuchen ein so gewaltiges Gähren erweckte. Man bat aber auch Exempel, daß solche Dinge eine Zeitlang gut waren, aber nicht gut blieben, weil sie von den Seelen selbst. B>" chir klkst s« W Hi 425 IH. Theik. izyster Brief. lchtz ß«! dttis ig giß )chß NÄ«I! ermch Mg r«! iW Oß, M« selbst, oder von andern gar zu groß gemacht wurden. Man muß also hauptsächlich sehen auf die Frucht, und das Wesentliche in der Bekehrung und im Christenthum stäls unterscheiden vom Außerordentlichen und Zufälligen, ohne dennoch auch dieses zu verwerfen: denn in den Zeiten der besonderen und gnädigen Heimsuchung GOttes, wann so an einem Ort eine besondere Erweckung vorgehet, da läßt GOtt vielfältig so was Sonderliches und Wunderliches mit hinzu kommen, die Aufmerksamkeit der Menschen aufzuwecken, damit (wie am Pfingsttage geschah) die Leute herbei laufen, stutzen und durch den Lärmen mit ins Gedränge kommen. Sollte ich ihnen, nach dero Verlangen, ferner meinen ohnmaßgeblichen schlechten Rath bei dieser Sache schreiben, so ist es dieser: In Ansehung der groben Welt, oder auch der Lästerer/würde mich, sowohl öffentlich als sonderlich, in Worten und in der Aufführung, Deutsch und ohne Scheu erklären, daß ichs mit dem verachteten Häuflein hielt, und ich GOttes Kranke noch besser achtete als der Welt Gesunde. Dadurch werden sie Freimütbigkeit und Gnade vor GOtt und in ihrem Amte bekommen; gesetzt, daß auch als eine kleine Schmach und Probe darauf folgte, wie dem Herrn Prof. N. wiederfahren, nur weil er sein Unheil in Dd; Suchen 426 Geistliche Briefe. Sachen der Inspiration, die in der Kirche mit Eli» eingeredet, luspenäiret. Sein kesponlum und 8peciex sa<5U habe gelesen. E Itt ?instbung Ser Erweckten selbst, ^ würde ich rathen, deren Herz und Vertrauen, E durch einen freundlichen einfältigen Umgang, ^ auf alle mögliche Weise zu gewinnen und zu ?"/ erhalten. Haben die Seelen kein Herz und Vertrauen zu ihnen, so können sie wenig ^ oder nichts bei ihnen gewinnen; und umge- kehrt, beugen sie sich, schmiegen sie sich, ^ machen sie sich aller Knecht: so werden sie, in und nach GOtt, über ihre Herzen Mei- ster werden. Tragen sie die Eigensinnigen, und geben eine Weile nach; seyen sie lang- müthig mit Schwachen, Gebrechlichen, und "" Irrenden, um sie allgemach ins Gleise zu M lenken. Und o! wann ich auf diesen Punct lm, komme: da kann ich sie im herzlichen Mit- M leiden fassen, und ihnen (nebst anderen, die ^ an Seelen arbeiten) nichts weniger als die E Geduld und Liebe Christi zuwünschen, um >"l! Schafe und Lämmer recht zu weiden. Denn durch strenge und herrschsüchtige Behandlun- »g gen haben die Prediger so viele Separatisten gemacht. Doch, damit .ich nicht vom Ziel k«! »abkomme, so deucht mich, (wenn die Seelen Ktz nur erst Vertrauen zu ihnen haben) würde ich k«, insbesondere diejenigen, welche die außeror- ich dentliche Bewegungen haben, glimpflich zu ich«, erinnern suchen: daß zwar ihre Sachen und il>>l Vorgeben im Grunde recht gut wären, und ch »HU III. Theil. lZ9ster Brief. -27 OliU W, ich ,O >ß N Ä, ! -B i,W A ,7 sie sich mit ihnen über die erwiesene Gnade steueren; ob sie sich aber nicht ein wenig in öffenrilcher Kirche oder vor den Leuten inhal- ten und mäßigen könnten, um der Unordnung willen, und damit das Werk GOt- tes um so viel tiefer möchte gegründet werden, je weniger es solchergestalt Schau ge- stellet würde. Ich würde sie fragen, vornehmlich diejenigen, welche so gar freudige Bewegungen, Gelächter u. d. gl. hätten: ob sie nicht bisweilen Regungen der Eigenliebe und des Selbstgefallens, solcher Dinge wegen, in sich verspürercn? und sie freundlich davor warnen, weil sonst das Gute leicht verdürbe, und dem Versucher Eingang gegeben würde. Ich würde auch andere, zu welchen ich glaubte, daß sie Vertrauen hätten, dazu gebrauchen, ihnen dergleichen Erinnerungen zu geben, und glimpflich verhüten, daß sie, der außerordentlichen Dinge wegen, nicht zu sehr erhoben würden, sondern daß in allem nur auf das Wesentliche des Glaubens, der Liebe, des Gebeths, der Verläug- nung , Summa der Herzens - und Lebensveränderung gesehen würde. Was aber von den Außerordentlichkeiten durch glimpfliches freundliches Erinneren nicht verhütet werden kann, oder, wo die Seelen ihrer selbst nicht mächtig sind, sich inne zu halten, da würde ich mich die Furcht GOttes auch zurück halten laßen, etwas zu hindern, damit ich nicht schiene, den Geist zu dämpfen i Thess. s. und 428 Geistliche Briefe. und dem Heiligen in Israel Gränzen setzen zu' . ^ wollen. Ps.78, 4l. ^ Ein Gleiches findet man schon in der Le- benshistone von Lurhero, Hörringer, und V, von dem berühmten Domicaner Taulero, 7^ da einmal vierzig Menschen wie todt auf dem ^ Kirchhofe liegen blieben. Vor etwa vierzig Hi Jahren begab sich eben dergleichen im Schwei- jkr > zerischen Berner Gebiet, nach der Relation des dasigen Herrn Predigers. Vor einigen tz bi Jahren nennete man in Frankreich einige M Leute zum Spott Lönvultlonaires, (d. i. Leute, W die von dem Krampf starke Zusammenziehun- W gen haben) mit denen eben dergleichen mag ^ vorgegangen seyn. Vor etlichen Jahren that M sich in Pommern auch dergleichen hervor, so M der vorige König in Preußen hat untersuchen w. laßen, und richtig befunden. Von dem, h' was in Neu-Schottland passirt ist, nichts zu gedenken. Am nachdenklichsten aber ist, M daß eben jetzt, zu gleicher Zeit, präcis der- ^ gleichen Erweckungen und außerordentliche, U mit dasigen übereinkommende Bewegungen ' ' sich auch Hervorthun zu Aalren, etwa sechs Stunden von Rees, im Zürpbenschen ge- » legen, wovon der dasige reformirte Prediger > . N. in diesem laufenden Jahr eine Nachricht ^ zu Zürphen drucken laßen. Mit Approbation der Theologischen Facultat zu Harderwyk; woraus ich vielleicht noch einige Worte extra- hire, und hiebei schließe, um die Gleichförmigkeit zu- zeigen. In 42 - III. Theil. izysier Brief. W! In Ansehung der Obrigkeit können Ew. Wohl Ehrw. sich wohl nicht anders !kh- aufführen, als wie sie nach dero Schrei- W den bereits gethan haben; allenfalls könnte >ks, derselben auch obbemeldte Geschichte aus ihrem hü» j Taulero vorgehalten werden.- MP !W lllU lM «Klß/ Mi Hier haben sie also, was mir in der Eil über diese Sache beigefallen. Handle ich etwa vermessen , daß eine Privatperson , wie ich bin, einem im Amt stehenden Prediger Rath geben zu wollen scheinet; so belieben sie wenigstens einen Theil der Schuld meiner Vermessenheit ihrer Demuth vorzurücken, die mich dazu veranlaßet hat. Schließlich grüße Ew. Wohlehrw. herzlich, und empfehle sie göttlicher Gnadenregirung und Aussicht. JEsus segne dero Person und Familie! Er segne die ihnen anvertraute Herzen und ihre Arbeit an denselben! Unser Leben, unser Arbeiten, unser Reden geschehe immer lauterer aus GÖtt, vor GOtt in Christo JEsu! Mich in dero Fürbitte anbefehlend beharre Ew. Wohlehrw. Mülheim, M' den z. Julii 1750» rc. rc. 4Zo .Al Der i4Oste Brief. ^ Dom Untorgang des eigenen Löbens, und vom Warten auf die Offenbarung des Lebens GOttes in der Seele. Alles liege an GOt- teS Erbarmen. N. N. !»! ll Ml /Ks wird mir immer mehr klar, daß GOtL " ? ^ deine Seele liebet, und particulier jem ^ Aug' auf dich gerichtet habe, dir zu helfen, dich zu bewahren, und allgemach dahin zu U bringen, daß du dein Leben und Vergnügen , allein in ihm, und in der unbedingten freiwil- ? ligen Unterwerfung unter allen seinen görrli- W chen Willen stellest. Dahin zielen alle Leiden ^ und Beschwerden; und daraus entspringet " hauptsächlich alle Traurigkeit, Mißvergnügen und Unempfindlichkeit, weil nämlich das Ek eigene Leben seinen Untergang vor sich siehet, ">> und doch noch nicht meynet, daß solcher so fest beschlossen sey, und ohne Capituliren voe sich gehen werde. Einmal, so vermutbe ich, daß es bisweilen Stunden gebe, da dem eiges nen Leben wieder so ein wenig Hoffnung an- B; kommen mäße; wodurch es dann hernach si> ^ viel härter fällt, wann GOttes süße Liebes- l! Hand wieder ans Kreuz heftet, und dahin füh- ^«i rer, wo man nicht will. H Nun ««Uh W/ jll l Mi Ozil H«»a> WM U III. Theil. Ichoster Brief. 4ZL Nun es sey diesem verderbten Theil ein, vor allemal angekündigt, daß sich der edle Geist und Geisteswille seiner hinfür nicht mehr annehmen, oder einige vertraute Gemeinschaft mit ihm pflegen wolle. Nein, mein lieber Bruder! wir wollen von der Seite keinen Trost, Leben noch Vergnügen mehr erwarten , noch, wann sichs präsentüen sollte, angreifen. Und fürwahr! wir Habens auch nicht nöthig. O! nur noch ein wenig abge- spehnt unterm Kreuz ausgehalten, und dem treuen und wahrhaftigen GOtt beim gläubigen Warten die Ehre gegeben; so wird sich bald eilt weit anderes, wahrhaftes, einigbeseligendes Leben, Trost und Vergnügen dem Geiste nähern und mittheilen; ein Leben, wovon ein Viertelftündchen Genuß und Erfahrung genugsam ist, ein hundertjähriges Warten und Leiden zu überwiegen. Zu seiner Zeit wird alles leicht, was vorhin so schwer, und unglaublich nahe und wie natürlich, was einem vorhin wie ein tiefer Abgrund, und wie eine nicht zu erreichende Sache vorschwebte. Alles liegt an GOttes Erbarmung, freier Mittheilung und Bewirkung. Nimm nur an und stimme zu alle Wirkungen und Züge, die GOtt dir giebet, ja folge auch solchen Zügen; aber nur so weit, als sich deren Kraft "strecket, und sodann leide dich, schmiege dich, und warte. GOtt gibt beide, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen; aber manchmal gibt er lange vorher Geistliche Briefe» vorher das wollen, ja aufrichtiges, inniges, ^ brünstiges Wollen, ehe noch dieses Wollen das Vollbringen, oder die gewollte Sache § erreichen kann. Dieß ist eine Pein, aber auch " eine reinigende beugende Pein. Endlich muß man erfahren, daß es nicht liege am wollen: GOttes Erbarmen muß die Sache geben, und nicht unser Wollen sie ergreifen. Ja, das wollen scheint bisweilen, wie die Blume am Baum, abzufallen, und in eine heilige . Gelaßenheit zu sinken, um der Frucht selbst Platz zu machen. ^ Nur aetrost, mein lieber Bruder! ich finde Hch nicht anders, als daß der HErr dich führet; M halte es bei ihm aus, so friedsam als du kannst. Besiehe dich selbst, und wie schwer M dirs fällt, nicht zu sehr. Dem Heiland ist M cs unvergleichlich schwerer gefallen, dich und mich zu erlösen, und er kragt noch unsere Last. ^ Ach! laßet uns ihn lieben, denn er bat uns erst getiebet! Dem lieben alten Vater bitte ^ sonderlich auch meinen herzlichen Gruß zu vermelden. JEsus besuche, erquicke und stärke Za dessen Herz mit seiner Gnade und göttlichen >k> K Liebe, damit sein Alter dieser Zeit eine Kind- heit und Lebensanfang der Ewigkeit werde! Mülheim, den 6. Julii i?;«. Hiilir KU ^i' - 4?) Tclü, Cch, ! chiÄ Ü^IWi ^,ch! Der i4iste Brief. Muthgebung, das Leiden von GOtt anzunehmen, und sich mit dessen Willen zu vereinigen. N. N. F>ein Angenehmes, vom 6ten Julii, konnte ^ wegen außerordentlicher Entkräftung unmöglich beantworten, da auch just mit fremdem Besuch besetzet war. Ich bin so schwach gewesen, daß kein Vermögen hatte, nur an das Geringste zu denken, oder mich auf zehn ordentliche Worte zu besinnen. Jetzt ists GOtt Lob! was erträglicher; doch mit Abwechslungen, weil aber dem Körper die erfo- derliche Ruhe nicht gelaßen wird, so bleiben die Kräfte hinsinkend. Daß dir die damalige Reise nach S- so übel bekommen, thut mir leid. Indessen wird unser Oberaufseher und Fübrer obne Zweifel seine heilige und auf dein Heil zielende Absichten darunter aebabt baben. Wann er, l der HErr, uns will exercircn, kreuzigen, oder unter dem Kreuz was lebren, dann bilft kein Expliciren und Desendiren, sondern sich getrost abbandonniren, und auf ihn selbst, nicht aber > auf ein Werkzeug der Leiden sehen, und seine Zweie. B. m. Th. E e Natur 4Z4 Geistliche Briefe. Natur und Vernunft dabei wagen. Dieses E kann ich überhaupt sagen, weil du dich auch nicht speciell erklärest, worin die Sache be- standen, so mir auch vielleicht zu wissen nicht ' / nöthig ist. Lerne dich dann als ein wenig " schicken und beugen, und aus deiner inneren Beschäfftigung mit GOtt so viel süße Kraft ^ schöpfen, daß alle herbe, verdrießliche Kräfte der Natur besänftiget und verbindlicher werden, f Ich danke deswegen dem HErrn, daß ^ er dir einen Herzenshunger und stille Nest gung gibt zur Vereinigung mit seinem Wist W len, und zur Einsinkung und Verlierung in das Meer seiner Liebe. Folge nur ohne Be- H denken dieser allgemeinen und dunkeln Neigung , die doch Herz und Neigung von al- k» lem Geschaffenen abziebet, nnd dem Geist Hin auf eine geheime Art Nahrung und Kraft aus :m. ^ seinem Ursprung einflöffet, ob man gleich nicht im> so darüber raifonniren kann. Es ist wohl ckn; wahr, daß der innere Wille sich aufrichtig Hm. von allem scheiden muß, ehe er sich gründ- M! lich mit GOtt vereinigen kann: es ist aber U auch wahr, daß GOtt uns vielfältig zuvor kommt, und durch einen gnädigen Zug zu sei- Hi ner Vereinigung anlocket, und daß das kind- liehe Folgen dieses Zugs der beste und leichteste Weg ist, wahrlich von allem geschieden zu ^ werden. Wage dich dabei, lieber Bruder, M und sey bei aller Erfahrung deiner Elenden ^ getrost in GOtt! Wir werden umsonst und edelmüthig geliebet; laset uns umsonst und «^ llUllchl »Wz M. Theil. igafier Brief. 4Z5 rdelmüthig wieder lieben. Ich grüße und umfafie dich im Geist. Mülkeim, den 2;. Julii 1750. ich: Der i42fte Brief. Von der Schwere und Leichtigkeit der Ueber-- «» laßung. >mz« tzck- Mein lieber Bruder! ms^ch kann nicht unterlaßen, dir auch noch mW ^ direct meinen Herzensgruß zu überschreiben. Ich hätte dieser Tage bald gedacht, meine Kräfte würden sich nicht wieder erholt haben; nun scheint es doch wieder was zu bessern. GOll sey in allem geliebet und gelobet! Ich finde alle Vereinigung mit dir in meinem Herzen, und muß dem HErrn bisweilen innigst dafür danken, daß er uns einander ^ hat begegnen laßen. Ich vertraue es ziemlich beruhiget, daß des liebsten GOttes Endzweck darunter noch völliger wird erreicht werden. Mi, Allerdings mußt du noch mehr aus den Sinnen und aus dir selbst heraus, um wahr- l'ch geistlich zu werden; aber leide dich darun- 1 r«! ter mit friedsamer Vernichtigung. Es ist ^ E e 2 nicht is>! 4Z6 Geistliche Briefe. nicht nöthig, so starr darauf zu sehen, ws du heraus mußt, als nur den unvermerkten geheimen Wirkungen dich zu überlaßen, die dir weisen, wo du hinein mußt. Du begehrest, ich möchte dir den Vers Istelsz! que l'ubuuston ett uns cbote sture, kuiLyu'il tum tun; 6n surpulser tu hiurüre. (Ach welch ein hartes Ding ist die Ueberlaßung, weil man ohne Ende die Natur überwinden muß.) änderen, und die Klagezeichen auslaßen; ich will GOtt darum bitten; aber wenn es erhöret werden soll, muß auch dieses dein Begehren in die Ueberlaßung gehen. Mit der Feder will ich dirs jetzt schon änderen: k/zliLnäok luir etk stoux; msi; la nrütlsues ett sture 'O! mli jÜ! tzlli ceste r Oieu ter stroits surmonre la. nurure. D« i. ff«! „Die Ueberlaßung ist leicht, nachdem sie geschehen, „Doch hart und schwer eh' sie ist ausgeboren nur; „Wer GOtt nur kann sein Recht vollkom- mentlich abstehen, „Besiegt und überwindt zuletzt noch die Natur. U bi chm W> Getreu III. Theil. l4;sterBrref. 4Z7 Ml z>. «!k ÜM, Ir Wz Getreu ist er, der uns beruft; in Ihm, und als vor seinem Angesicht, grüße und embrsMre ich dich, lieber Bruder! Grüße auch alle dasige liebe Mitberufene mit Namen: ich vergesse keines derselben. Meine Hausgenossen grüßen auch. Mülheim, den rz.Jul. 1750. Mß Sk! Pr Der iHzste Brief. Des Schreibers Ähnlichkeit und Unähnlichkeit mit Lazarus. Von der Gnade kindermäßig zu leiden. Christus müße nicht hie oder da, sondern im Herzen gesucht und gefunden werden. In unserm süßen und alles versüßenden Heiland, herzlich geliebte Schwester! 1, c>ch bin dir herzlich dankbar, daß du mich in meiner Schwachheit mit einem angenehmen Briefiein hast besuchen wollen. Ja Ansehung mancher gehabten Schwären und Ausschlags, auch damit verknüpften Schmerzen und Fieber mag ich wohl ein klein wenig Ähnlichkeit mit Lazarus gehabt haben: aber meine Empfindlichkeit, mein leckeres Essen Ee 3 und Geistliche Briefe. 4Z8 und Trinken und Lager, sammt anderen Be- Ä quemlichketten; auch das Mirleiden anderer, ^ ^ wann ich ein wenig leide, accordiret gar ^ nicht mir Lazarus seinem Zustande. Nichts .§ desto weniger ist es doch wahr, daß ich durch ^ der Engel Dienst, ia von GOtres Lieoe ^ selbst getragen werde, veröffentlich denselben Weg, wohin Lazarus getragen wa' d. Gelo- bet sey der HErr! Die gehabte Geschwüre sind nun meist wieder weg, der Ausschlag bei- ^ nahe auch. Nur am Abend und des Nachts laßt mich die Schärfe im Geolüt wenig ru- ^ hen. Nun etwa acht Tage her habe um die andere Nacht ein merkliches Fieber, daß bis vier oder fünf Uhr kein Schlaf konnte Statt » N finden; es scheint doch nun ein paar Mal ge- linder gewesen zu seyn. Das Haupt, und überhaupt die Natur sind doch gar schwach M darunter, so daß ich manchen Tag gehabt MV habe, da kein kleines Brieflein würde haben mte schreiben können; wie dann schon vorigen Post- ft, dc tag dieses Wenige schreiben wollte, war aber din. ^ wegen des Haupts nicht dazu im Stande. W Nun! das gehöret so mit zum Weg, «Ni und man läßt es alles so hinter stch, wie ein sid sch unebenes, oder kotbiges Plätzlein auf dem üU Wege. Die süße Ewigkeit ist unsere Heimat, VW und der alles versüßende JEsus unsere Gesell- ikun schaft auf dem Wege. O Gnade! O Liebe! i«ist, Ich erinnere mich einer Zeit, da ich meynte, kD beldenmäßig leiden zu können. Jetzt wünschte !>>>,,», ich dir und mir die Gnade recht kmdermäßig stztz W,- IK l,!d< ir! Gch? kkM^ Kitz» diMk« ?O>l lß »U Wsle GG , «ral« ;N N M >!ll "W Hl. Theil. l4Zster Brief. 4;- leiden zu können. , Ein Kind trägt nichts, als was es gegenwärtig fühlt, ohne zu untersuchen, was es fühlt; es weiß nicht, wie Geduld oder Ungeduld aussiehet; es weint, wann es die Leiden fühlt, und im Augenblick lacht es, wann es die Mutier flehet. Ist der Schmerz vorüber, da denkt es weiter nicht an das, was gewesen ist, oder kommen könnte; die Beschäfftigung mit feiner lieben Mutter nimmt so gar alle seine Andacht hin, daß es nichts übrig hat, an sich selbst und an andere Dinge zu gedenken. Liebe Schwester! meynest du, daß der HErr dir und mir ohne Ursache einen schwachen Kopf gibt? Wir sollen einfältige Herzenskinder werden. Die Kinder haben so ihre eigene Theologie und Lebensart, und doch vertragen sie sich gut mit allen andern, die nur nicht gar zu unruhig sind. Du schreibst von den verschiedenen Gerüchten und Begriffen, da der eine ruft hierhin, der andere dorthin. Nun, das ist wahr, wenn Kinder und schwächliche Leute viel solches Schreien anhören und herum sehen, da können sie confus und schwindelicht werden; und wenn sie sich ins Gedränge der Leute wägeten, gar die Mutter aus dem Gesicht verlieren. Was gehts aber uns an, ob man rüft: Hier ist Christus! da ist Christus ! da Christus selber in der Schrift und im Herzen rüft: Geher nicht hinaus ! Man muß es zwar mit unpartheii- scher Liebe ansehen, wenn Vereine denkt, er E e 4 könne 44o Geistliche Briefe. könne in diesem, der andere, er könne in einem ^! anderen Mittel, Uebung oder Weg einige st' > Stärkung, Hülfe oder Aufmunterung in der Hauptsache erlangen: allein es muß keine E Eectirerei daraus werden; man muß anderen W nichts wollen aufdringen, und jederzeit die W große Wahrheit fest halten, daß Christus M Nicht tne o0er da, in diesem oder jenem, son- W dern aller» »m Herzen mäße gesucht und ge- A>U funden werden, durch Bethen und Sterben. HG Sonderlich können innige Herzen, d. i. See- len, die einen Zug zur inneren Herzenssamm- »ZE lung, Stille und zum innigen Anhängen an U GOtt haben, und die durch eine kleine glück- M liehe Erfahrung wissen, daß ihr GOtt und ^ höchstes Gut, ihr Leben und ganzes Heil, ihnen so unaussprechlich nahe sey in dem süßen Namen JEsu; solche Seelen, sag' ich, kön- ^ nen nicht mehr so rrlfria seyn, sich hie oder ^ da, in dieses oder jenes mit ihrem Suchen und Leben einzugeben, und wenn sie es thun, so ärnten sie doch keine bleibende Frucht. In den Anfängen sucht eine Seele es aller Orten: ^ sie kann nicht anders, sie muß so thun; aber Gemüther, die wirksam sind, oder ein starkes Leben in der Sinnlichkeit haben, die können beim immerwährenden Herauslaufen, Wirken und Treiben wohl eine schöne Perle verscherzen. Kurz! wir mäßen alles Gute werth achten, aber uns dessen nur bedienen, um durch den nächsten Weg zum höchsten Gur zu gelangen. ES III. Theil. i4?ster Brief. 441 S Aig!' lSilltlk ß kktz ÜÄk!» Wich» Es ist derhalben sehr gut, liebe Schwester, daß du alles läßt wegfallen, und ohne über dieß und das zu urtheilen, oder Durchsicht darin zu verlangen, dich nur mit mir zu JEsu hinein wendest, und in möglichster Abgeschiedenheit, von dir selbst und allem Geschaffenen, aufseine göttliche Bewirkung und Offenbarung drinnen wartest. O! in ihm haben wir alles. Es sterbe nur die Natur! das eigene Leben sey ein Brandopser seiner Liebe, und unser Leben und Athemholen sey nur JEsus! JEsus! JEsus! Amen! ülllO «Es« iiM ck II!>» ^ Ich weiß nicht, warum ich so schreibe? Da ich eigentlich auch nicht weiß, woraufdu in deinem Briefe zielest. Meinen Sinn wirst du schon verstehen. Ich muß so ohne Nachdenken handeln. Ich grüße dich herzlich sammt deinen Hausgenossen rc. Gedenket meiner, wie ich auch in Schwachheit thue. Dein Mülheim, verbundener schwacher den 28. Aug. 1750. Mitbruder. Ce r Der 442 «<1 —-— ^ ißO D, Der i44ste Brief. ^ Unterschied des Lebens der Sinne, und des Le- M, bens in den Sinnen. Angelegenheit wegen einiger erweckten Seelen. Mein Bruder! HAie oft ich auch dir und dem lieben Bru- M' der A. ein Liebesbrieflein im Geist geschrie- i" U den; so ist doch täglich so viel in den Weg iiistl gekommen, daß es mit der Feder bisher nicht V'i geschehen mögen. Jetzt muß ich doch wenig- D stens sehen laßen, daß ich noch lebe und liebe, W und ich bin mir GOtt gewiß, daß dieses D letztere länger als das erstere aushalten wird. Deine Brieflein sind mir jederzeit ange- ^ nehm gewesen ; denn ob ich gleich selbst elend W bin, so liegen mir doch immer meine Mitbe- rufene so an, und einige wie aufm Herzen. M Welche dort zu diesen letzteren zähle, will ich M, nicht sagen. In deinem Letzteren vom 27. Oct. hoffe ich, daß du dich wirst verschrieben haben, ^ wenn du klagen willst, daß du so viel in den Sinnen lebest, rc. Es soll vielleicht heißen, L,>. daß deine Sinne leben: aber, daß du soll- rest in den Sinnen leben , kann ich so völlig ^ nicht glauben; denn das ist, seine Lust, sein ^ Leben und Vergnügen in den Sinnen, in sinn- ' 44 ? l>« XiiKz > Wlg« »diikbk, ß W WÜ «W! WO! !üU< III. Theil. iq4ster Brief. sinnlichen Vorwürfen und Afficirungen gerne suchen, welches böse wäre, und dem Leben des Geistes entgegen stünde. Aber das Leben, die Bewegungen, und Affecten der Sinne, und das Ausjchweifen der Sinne mit Last fühlen, das ist ein Leben der Sinne, nicht aber unser Leben in den Sinnen, ob es zwar leider unser gewesen ist. Wir haben diese Lampe angesteckt, und können sie nicht mehr auölöschen; da wir aber kein Oel mehr darein gießen, so mag sie in GOttcs Namen, und zu unserer Schande, brennen und stinken, bis sie erlöschet. Bisweilen denkt man, die Lampe gehe aus; plötzlich erholt sie sich mit größerem Schein, als wann sie neues Leben kriegte; aberDa ist es auch bald geschehen. Das Leben in deinen Sinnen, verhoffe ich, werden auch nur solcheTodesconvulsionen seyn. Inzwischen ist es ungemein vergnügter, wenn entweder der erste Ernst, oder die erstere Liebesempfindungen das Leben der Sinne betäuben und überwinden. Wenn die Sonne scheint, dann siebet man die Lampe nicht, auch nickt, wenn man stark räuchert; doch brennt die Lampe wieder, so bald der Dampf oder die Sonne weg ist. Oder auch, es ist vergnügter, wenn der Zug zur Einkehr die Seele verbieget ins Verborgene des Angesichts GOttes, da man entfernt und schußfrei vor allen Anfällen der Feinde und auch der Sinne lebet. Wird aber eines sowohl als das andere geweigert, und man findet sich wie 444 Geistliche Briefe. wie ins Elend vertrieben im Sinnenreich; man ^ kann sich auch nach ein - und andermaligem Versuch nicht helfen: da muß man leiden so ^ friedsam, langmüthig und süßvertraulich, als möglich isi, und auf die Hülfe des HErrn E warten. Und^ver so vor GQtt ausharret, E wird nicht zu Schanden werden, sondern der Geist, der immer unvermerkt in seinen Ur- sprung durch den Glauben geneiget wird, Zch der wird nach und nach von den Sinnen und allem Uebrigen geschieden, und mit Christo si! vereiniget, der unser wahres Leben ist. Die hin. Einkehr, das Leben im Geist, die Vereinigung mit GOtt mäßen wir, wie du weißt, mehr in uns wirken laßen, nach der Weise ^ GOttes, als solche selbst wirken wollen, nach unserer Weise. Inzwischen mäßen wir durchs Gebeth unser Herz dem HErrn zu seiner Werk- fiätte darstellen. Vom Für die Nachrichten von dem Zustande der s dasigen lieben Mitberufenen bin ich herzlich " dankbar. Grüße alle und jede nach Gelegenheit von mir. Ich vergesse ihrer in meinem armen Gebeth nicht. Daß der HErr der lieben Freundinn N. Leiden und ein williges Herz d zum Leiden gibt, ist ein Beweis, daß JEsus ^ sie liebet. Sie liebe ihn nur wieder, und M all ihr Thun und Leiden sey der Liebe geopfert. ^ » Eure N. und N. grüße auch herzlich; sie möch- Äm ten wohl unaufhörlich anbethen und lieben ^>» den, der sie umsonst geliebet hat, und gerne ^ noch mehr lieben will. Ich möchte vor Freude N weinen, 44? HI. Theil. i45sier Brief. weinen, wann ich höre, daß unsere N. sich wieder hübsch aufmacht. Ich erinnere mich einer Zeit, da ich recht bange war, sie möchte in dem Schlaf bleiben. JEsus, unser großer Hohepriester und Aufseher, segne und bewahre auch sein Häuflein in dasiger Gegend, daß keines möge dahinten bleiben! Amen JEsu!- Ich grüße gar herzlich und bin, rc. Mülheim, den s. Nov. 1750. chs» Der i45ste Brief. Dom verborgenen Leben, so der Feind zu hindern sucht. Aufmunterung zum Kinderwerden, wie auch oie Blutsauger zu meiden. « iidoi Hn> M. Mein lieber Bruder! L^ch danke dir noch herzlich für deinen brü- derlichen Geburtstagwunsch, und dem HErrn für alle die Jahre, und in diesen Jahren unverdient erwiesene Barmherzigkeiten. Ihm sep ferner mein Bißchen noch übriges Leben und Lebenskraft zu seinem Dienst und zur Vollendung seines Werks aufgeopfert; worin ich auch deine Fürbitte mir ausbitte. Wollte 446 Geistliche Briefe. Wollte GOtt! daß ich Vas verbsrnene E« Leben in GOtt mehr mit einem wichtigen ^ " Vorbild angepriesen harre! Daß ichs mit Mund uni) Feder so ein wenig gethan, ist x! Ev mir zwar me leid geworden: ich schätze aber »,> den selig, der nur GOtt allein bekannt, sein Ganzes drauf wendet, beim allrägigen Ster- N" ben und Bethen, diesen geheimen Schatz in immer reinerem Genüsse zu erfahren. O! wie ^ ist der Tausendkünstler so geschäfftig, uns im Reich der Sinnen, Phantasie und Ver- nunft verwickelt und occupirt zu halten; nur " daß wir dieses Herzensleben in GOtt und mit GOtt, und die in demselben liegende ich Realitäten, und Kräfte jener Welt, nicht recht erblicken und schmäcken mögen. Wir wollen dann, lieber Bruder, aufs tz ^ neue, mit GOtt, Kinder werden, zum Her- - zen eilen, und alles vergessen, was dahinten ist, auch alle unsere Kunst. Ich weiß zwar — wenig; könnte ich aber diese verstrichene We, Jahre wieder anfangen, ich wollte in tau- tz'Lo send Dingen unwissend bleiben, die ich nun M weiß. Ich wollte auch (guoü Le tibi 6iÄum Ä, k velim) nicht so viel Blutsauger anlegen, ÄH ich meyne allerhand, nicht zur geraden tz»; Herzenssache dienliche Bücher lesen, die, M j anstatt zu ermuntern, nur die Kraft beneh- U „ men. Die Gnade allein macht das Herz fest, U a und die Salbung weise. Sterben und Bethen tzßH ist die unumgängliche Disposition dazu. O! Macari und deines gleichen Streiter! wie M , selig ^ 447 HI. Theil. ichöster Brief. ^ selig und wie klug habt ihr eure Jahre und D Kräfte angewandt! "E -Gedenke meiner, lieber Bru- der! Wir grüßen alle. sii^ Mülbeim, w ^ den 2. Dec. 1750. tzii! >k>! ..1 . .^.77'»"-'»— »il! l ^ Der i46ste Brief. ^ Die geringste Anfänge des Lebens IEsu werden Ä durch den Klauben groß geschätzt. Eine Histo- Ül > rie aus dem Leben der Altväter. «ß In IEsu unserm Heilande herzlich Z' geliebter Bruder l M-Ich kamt unmöglich irgendwo die P kleinste, schwächste und gebrechlichste Anfänge W und Lonuminu zum Durchbruch des Reichs B! und Lebens IEsu in einer Seele ins beson- as der, oder in der Kirche überhaupt, mit zu, geringschätzigen oder gleichgültigen Augen an- B sehen; nachdem ich mit gläubigen Augen, ,'ik,, GOtt Lob! die Oeconomie GOttes in dem ^ > Werk unserer Erlösung habe einschauen ler- ! nen. Vernunfts- und Naturtrieb will eilen, D und alles flugs fertig sehen; aber der Glaube §! eilet nicht, sondern stehet und gehet GOtt p< nach. Es war so vieles und Großes tausende 448 Geistliche Briefe. Jahre vom Messia und dessen Reich verhei- Pen , vorgebildet und geweissaget, daß der /ff bloß-natürliche Sinn und Verstand es uns möglich beim Kinde zu Bethlehem vermuthen, noch es dem verhaßten und endlich gekreu- M zigten Verführer (wie man ihn nannte) von ./3 Nazareth ansehen konnten, daß dieser der M Mann mit der ganzen Sache wäre; und, -l-ß, die noch was davon glaubten, wolltens stracks fertig, und in vollkommenem e^Iar .chl haben. O Tiefe der Weisheit und der M Erkenntniß GOttes! da es überall so muß ,W durchgeglaubet werden, und der Glaube allein .M (der nichts anders ist, als eine wahre Nieder- ,tir k legung alles menschlichen Witzes, Vermö- A gens und Tugend zu den Füßen GOttes) M Preis und Krone erlanget. — — Gn Was ich mepne, ehedem in dem Leben ilM der ?tirvärcr gelesen zu haben, ist die- Hg ses. ^ „Ein heiliger Altvater hatte einen W „Jüngling zu sich genommen, der sich, zu iiG „des Alten besonderem Trost, sehr wohl Wli „verhielt, und sich in allen Stücken der M „Gottseligkeit mit sonderbarem Ernst übte, jtz g „Ein vermeynter heiliger Engel erschien dem xH. „ Altvater, ihm unter anderem kund zu thun, „daß sein Jünger ein verworfener Mensch, ^ „und all sein Ernst und Bethen fruchtlos „seyn würde. Der Alte, solchem Engel „glaubend, gerieth in äußerste Schwermü- „tbigkeit, welche ihn sonderlich zu bittem „Thränen bewegte, so oft der Jüngling vor ..ihn k» dir ID >kN/ !!ü- ßül ich > W '»i B D,, !H. Theik. i^ster Brief. 449 „ihn kam. Der Jüngling merkte cs, daß „er seinetwegen trauerte; bat, ihm die Ur- »sache zu sagen; und wie nach langem An- „ halten, der Alte es endlich sagte, was ihm „vom Engel verkündiget worden, antwortete „der Jünger: Lub.c Vater, gebt euch „meinetwegen zufrieden! es mag di um „sepn, was endlich Gd)rt mir mrr zu „machen beliebr, so will ich ihn den- „noch lieben, und rbm dienen die ganze „Zeir meines Lebens. Aus welcher beru- „higten Gestalt und Antwort dann der Alte „erkannte, daß der Erschienene ein betrügli- „cher Engel gewesen."- Der liebe Bruder gedenke meiner insonderheit vor GOtt. Ich bin in wichtigen Umständen, und viel elender und untüchtiger, als andere glauben können. Der Körper wird auch ganz matt und wie ruinirt durch mancherlei Bemühungen. Ich sehe meine Fehler und Untüchtigkeit, und bin doch noch zrt scrupulös mich zu entziehen. Der HErk dirigire alles, und helfe uns, daß wir nur Ihm gefallen, dann ist an uns wenig ^ gelegen. W ,zr--> Mülheim, dm i;. Dec. 1750. Zweit. B. m. LH. Ff Aer 4;o "" —- --- ' Der i47ste Brief. Bon der leidcntlichen Reinigung des untern oder ^ sinnlichen Theils, und wie man sich darin ... zu verhalten. . c>ch hoffe doch jetzt einen Augenblick Zeit und Vermögen zu finden, auf dein mir M Angenehmes, vom 28ten passaro , zu antwor- Äd» ren; wäre es gleich nur mir wenigen Zeilen, «n Du hängst, lieber Bruder, unter der M reinigenden Hand JEsu, am Kreuz. Ich M fasse dich in mitleidender treuer Liebe. Al- M lein, wenn ich dir die Einsicht von deinem «g Zustande geben könnte, die ich von demsel- Me den habe, so würdest du gewiß Muth behal- ten, und nur alle Gewitter über dich herge- w k, hen laßen. Es ist eine leidemliche Reim- i, W gung des unteren Theils; die Sinne, die HM Einbildungskraft, und das ganze thieri-M sehe Theil empören sich bisweilen dawider: «, w allein eben durch ihre Empörung und Trift tigkeit werden sie allmälig ihre Stärke vcr- lieren, wenn du nur recht leidentlich bleibst. M Ich sage: es ist eine leidenrliche Reinigung; itz., es spricht also von sich selbst, daß hier keine ^ Wirksamkeit zu paß komme. Sich selber ^ wollen helfen, besehen, beklagen, mit Unruh ^ bewah- m. Theil. I47ster Brief. 45 r H bewahren, mit Heftigkeit bethen u. d. gl. irri- tirer manchmal nur mehr, und GOtr erreichet seinen Endzweck nicht, welcher, nebst der Reinigung des untern Theils, die Enr- ^ deckung und Zerstörung der Eigenliebe ist. ^bancion und Delsillemenr sind (so wie du davon redest) unterschieden, wie Activ und Paßiv. Jenes, nämlich sich GÖtl übergeben, aufopseren und Preis geben zu allem seinem Wohlgefallen, aus coräarem red- !Z«l lichem Willen, ist gar was anders, als aus i« Ohnmaa t und Eonfusion sich laßen sinken, » und der Erbarmung und Bewahrung eines M anderen sich üoerlaßen, den man weder ken- Skl net noch siehet, der aber im Grunde ' - Ich lich sodert, wir sollen ihm gewonnen geben, A- und gestehen, daß wir nichts sind und nichts MM vermögen. Dieses Letztere, mepne ich, ist H velsill'emenr , und die Hauptarznei deiner Krankheiten. Trage dich und die verschiedene Empörungen so ruhig als dir möglich ist, mit einer stummen Einwilligung in dein allgemeines Nichts; das ist, daß du mit innigster Wahrheit glaubest, ein solcher zu B sepn, wie du bist, und daß du deine Hülfe Eirund dein Gutes lediglich von GOtr mäßest ^und gerne wollest erwarten. M Werl auch der HErr mit im Spiel ist, Mso ists jetzt nicht so dienlich, durch Unterre- düng - und Erklärungen diesem oder jenem, sD wahrem oder eingebildeten , Unrecht und Un- billigkeit, sonderlich wann es nicht in deine ^ Ff- M'chr Geistliche Briefe. Pflicht einlaust, abhelfen zu wollen; denn gemeiniglich reullirt man da nicht; und j^i» scheinet man reussirt zu haben, so ist man doch nicht recht beruhiget, weil man näm- lich den Feind nicht am rechten Ort getrost '« fen hat. Die aufgebrachte Naturkräfte in uns ^ waren der Grund alles des Uebels, welche nicht durch Thun, sondern durch Leiden und Loslaßen mäßen überwunden werden. Es ist wohl wahr, GOtt bedient sich wohl der - Menschen und Gelegenheiten; aber damit " haben wir nichts zu thun. Er hat der Knechte . . viel; acceptiren wir den einen nicht, dann ^ ruft er einen andern. M Im Gebeth mußt du dich auch verhalten, ,«> wie du kannst, nicht wie du willst; überhaupt nicht zu heftig. Kannst du nicht so oder anders einkehren, oder tief sinken, (wie du dich ausdrückest) dann bleibe willenlos, wie du bist, aus Ehrerbietung gegen GOttes ^ m Wohlgefallen, und stelle dich durch keinerlei Lch Anstrengung anders. G s, Ich scheine dir Regeln zu geben; weil du aber jetzt schlecht Regeln beobachten kannst, chch so füge ich noch diese Regel zum Schluß ^ dabei: Daß, so oft du bemerkst, daß du es nicht deinem jetzigen Stande gemäß ge- macht hast, du solches nicht durch Unruh ^ und Verdruß, sondern durch eine friedsame tz, § Vernichtigung wieder suchest gut zu machen. ^ Sey getrost, sey ausgebreitet mein Bru-^ der; vertraue dich GOtt unendlich an; halte nur HI. Theil. i 48 ster Brief. 45z ^ nur unter seiner Hand aus, und glaube, daß ""i ich deiner in Schwachheit nicht vergessen A werde. >WI tzs, Mülheim, den 7. Jan. 1751. ch !« ^- 7 — >1 .»— -------- ch », n« Der i48ste Brief. 5 An denselben, der Neigung und Offenherzigkeit im Schreiben zu folgen. Thcilnehmung der Leiden. Ursache derselben. Aufmunterung W,> zur Uebcrlaßung. N. N. ^s ist mir jedesmal angenehm, wenn durch ein Brieflein einige Nachricht von deinem Aeußern und Innern erhalte, obgleich ich nicht so oft mitj der Feder antworten kann. Gebrauch' in Ansehung meiner alle Freiheit; reflectire so viel nicht über dein Schreiben und dessen Motiv. Cs ist und soll eigentlich nicht geschehen, um der Leiden los zu werden, D vhnerachtet solches der schwachen leidenden Ml Natur einfallen könnte. Weder dein noch M mein Schreiben kann in dem Leiden eine Aenderung oder sonst Trost und Hülfe lei- sien, als nach GOttes W-llen ; und, wann F Der es so will, dann muß es auch uns Bl Ff r recht 4?4 Geistliche Briefe. recht und lieb seyn, weil wir mit GOtt zu M tbun baden. Man folget in Einfalt der Neigung und Offenherzigkeit, welche GOtt gefallt, und nie ohne Segen ist. ^ Ich habe mehr brüderliches Mitleiden mit ^ dir in den mancherlei Bedrängnissen, Pro- ^ / den und Leiden, als ich sage; und dieses ^ Mitleiden beweget mich, daß ich deine Seele und deine Leiden vielfältig dem HErrn anbe- fehle. Ich weiß, daß es dir öfters sauer d wird, ich weiß aber auch, daß der HErr U mit im Spiel ist, der mitleidiger ist, als wir ^ alle, und dem ichs ganz ruhig zutrauen kann, ^ er.werde dir die nöthige Kraft und Gnade V vermerkt oder unvermerkt einflössen. Ich will nichts dagegen sagen, daß nicht eins und anders aus der Übeln Disposition «lya des Körpers entstehen könne; allein, wenn GOtt will, daß wir sollen krank seyn, und rmi daß unsere Krankheit diese oder jene Beneb- »W lung, Irritation , Versuchung oder Leiden dem Gemürhe verursachen oder veranlaßen Oil! soll; siehe, was sollen wir dann anders ma- W, chen, als daß wir alles und uns GOtt beßt- möglichst überlaßen? Du bist in der Hand chj„ GOttes, mein Bruder! Seel' und Leib sind Oh ihm übergeben. Nichts überkommt dir von l§« ungefähr, sondern deine Leiden sind eine Con- !« mH sequenz und Effect deiner Uebergebung an Agr GOtt: und das Verharren in dieser Uebergebung , und das Vertiefen darin, durch die . ^ Ueberlaßung, ist das beßte Mittel, und die beßte HI. Theil. Ilster Brief. 45 ? ch :„>i ui!» s«N kl! S« P- kM beßte Weise, wohl leiden zu können. Du solltest ja deine Übergebung nicht begehren zu widerrufen, mit dieser Condition, daß du der Leiden los würdest? Ja gewißlich! GOtt dirigirel deinen Weg und alles, was auf dich kommt, und wird selbst in dir die Last tragen, wann du dich in ihm los läsest. Ich sehe in deinem so beschwerlichen Stande nichts an sich Sündliches, nichts in sich Gefährliches, nichts, daß du wirksamer Weise ändern könntest : drum laß den HErrn, der ja HErr und Meister in uns seyn soll, nur mit dir machen! Du kannst ihn jetzt mit nichts besser vergnügen, als wenn du bestmöglichst gut heißest und vergnügt bist mit ihm und mit allem, was er thut. Laß das düstre Bild fahren, als wenn GOtt wider dich wäre, oder dich verlaßen hätte. Wer nach seinem Inneren nichts will, als GOtt, ist nie von GOtt verlaßen. Nein! Er ist nicht rvider dich, sondern mit dir, sonst könntest du es nicht aushalten; sonst hättest du nicht die Beruhigung, die du bisweilen erfahrest. Nur noch ein wenig ausgehalten, so wirst du es bald auf eine weit gründlichere Weise erfahren, als du je hast vermuthen können. Inzwischen sey es uns eine große Sache, ein wenig leiden zu mögen, einem solchen GOtt zu gefallen! Ich grüße, rc. Mülheim, den tb.März, 1751. Ff 4 Der 4?6 Der i49ste Brief Der HErr ist kangmüthig mit den Seelen, wir ^ müßen es auch feyn; doch wird Ernst und F>ein mir Angenehmes, vom i zten lustus, M ^ habe mir Wenigem zu beantworten. Die tz« Specistcnrion dortiger bekannten Gerufenen ist «achi mir zu meiner Nachrichl lieb und gut, aber kmu zu meiner Freude und Vergnügung müßte z.„n sie viel schöner seyn. Nun! es wird bei man- j«Z§ chem gewiß noch kommen, und ich weiß mich H schon zu bescheiden, daß viele zwar Berufene, W aber wenige Auserwählte sind. Es läßt sich nicht erzwingen. Der HErr ist langmüthig; wir müßens mit uns und andern auch seyn, besuche euch viel im Geist. ^ , Daß dich das liebe Kreuz auch von Zeit M zu Zeit besucht, thut mir zwar eines Theils leid, doch kann ichs nicht als ein Unglück an- sehen. Die Kreuzchen, die in solcher Lonnexion kommen, sind Merkmale der göttlichen Gunst und Erwählung. Mache ihnen dann doch keine so traurige Miene. Suche, dich selbst «nd deine Leiden, und die Empfindlichkeit dei- ^ ner Natur ein wenig mehr zu vergessen, dich dabei zu wagen, und das Leiden ohne Larve t! anzusehen. Du bist überaus gesellig; darum Hab' ich immer angerathen, auch zur dürren Zeit die andächtige Einsamkeit nicht zu verlaßen, damit der Geist an seinen rechten Vor- M. Theil. i5oster Brief. 459 ^ Vorwurf möchte gewöhnet werden, der alle Gesellschaft reichlich ersetzet. Nun der HErr har sich dir auch nicht unbezeugt und unbesucht gelaßen. Der einfältige reine Glaube aber stz, soll sich nicht weniger an seiner Gesellschaft A beqnüaen laßen und erfreuen, wann er hinterm Vorhänge sitzt und schweigt, als wann er redet und sich sehen laßt. Die Ueberlaßung und süße Vereinigung mit GOttes Willen (der allem Selbstgesuch unendlich vorzuziehen) M bringt uns zu solcher Zeit GOtt näher, als » wirs denken, und disponirt uns zum glück- R liehen Ausgang aus uns selbst. GOtt ver- birgt sich nie vor uns auf eine Arr, oder es ^ geschieht, damit wir ihn finden auf eine edlere G Arr. Aber ach! wo stehen wir dem HErrn »"d nicht im Wege ? Drum sollen wir weichen, ausgehen, loslaßen ohne Ende. Wo wir nicht mehr sind, da ist GOtt. Nur getrost! P Wir sind und wollen des HErrn seyn. Die- ik« ser Eine Gedanke kann tausend traurige Ge- M banken bei einem redlichen Liebhaber GOttes Ws vertreiben. > -JEsus lebe und verkläre sich immer siiß völliger in unseren Herzen! Ich bleibe durch B Gnade. Mülbeim, A« den 9. Sept. 1751. Der iziste Brief. EOttes Gutheit soll uns bewegen um ihn zu lieben und unserer selbst zu vergessen. Herzlich geliebte Schwester! C>ann ich nicht die Zeit dazu kaufen, dich ^ mit ein Paar Zeilen zu grüßen, dann muß ich sie stehlen , und dir in Eil sagen: daß GOtt so gut ist; daß du ihn mit mir doch sollst lieben, und daß ich dich auch noch liebe. Du wirst zwar denken: Hast du mir nichts anders zu sagen, dann weiß ichs schon. Nun, wenn du es weißt, dann wird dirs immer was Neues, und wohl doppeltes Porto werth seyn, wenn ein Bruder, ders auch weiß, dir schreibt: GOtt ist so gut, so gut, so gur; laßek uns ihn lieben, und nur ihn lieben, und uns in ihm lieben! Oder besser, ihn nur in einander lieben! Du bist ein armes schwaches Kind, das weiß ich; und wenn ich nicht selbst auch ein solches wäre, dann würde ich wohl einst über deine und anderer Schwachheit bestürzt werden, daß du so leicht aus der Ordnung kommst. Ich hoffe aber, es werde dir auch gehen, wie den Kindern, die mit Schluck- sen wohl einmal einschlafen, aber mit Lächeln wieder !>» i»chk Wi Liebe selb! in bii ich ss in Ling Will il»?. III. Theil. izister Brief. 46k wieder aufwachen, wann sie die traurige Bilder verschlafen haben. Ich fange dann wieder meinen alten und doch immer neuen Gesang an: GOcr »st gut, und so gut, , ^ daß er auch solche arme und schwache Kinder liebet. Laßet uns nur ihn lieben, und unserer selbst vergessen ! Ach ja , mein GO- t! mich deuchr, ich liebe dich nicht, so lang' ich mich selbst noch sehe und finde, und dH mir mir selbst beschäffkigec bin. Deine W Ol« ch Liebe verschlinge immer mehr dieses mich selbst, damit ich nur von dir wisse, und nur Du und deine Gurheir alle meine Andacht und Beschässiigung hinnebme, und in dir alles (auch das wunderlichste) mir recht gur vorkomme, und, wenn ich dich so in der Unschuld liebe, alle, alle Dinge zum Guten Mitwirken mögen. Rom. 8, 28. Amen IEsu! -Ich grüße dich zärtlich, wir auch die liebe Schwester. Hiesige l. Kinder, sonderlich meine Hausgenossen, grüßen gleichfalls herzlich. ^ D°in s« Mülheim, verbundener Mitbruder, iss den 7. Oct. 1751. Noch einige wichtige Verhaltungsregeln an eine beisammen wohnende Brudcrgesellschaft. N. N. segne euch der Heiland IEsus, daß ^ eure Herzen erfüllet werden mir ferner Gnade und göttlichem Frieden, zur Verherrlichung feines Samens, hier und in der Ewigkeit, Amen! Hörets doch nicht aus Gewohnheit an, sondern mit Einfalt, Andacht und Geneigtheit , was euch mit herzlicher Geneigtheit in GOttes Namen erinnert wird. Pchfe sich doch ein jeder dabei, als in der Gegenwart GOttes, und achte es nicht gering! I. Gedenket, daß euer Haus und Herz eine Wohnung GOttes, des Allerhöchsten, seyn soll. Der HErr JEsus selbst will euer Aufseher und Vorsteher, und seine heilige Enael eure Beiwohner seyn. Urtbeiler daher selbst, mir welch einer Andacht, Stille, Einfalt und Lauterkeit ihr sowohl in euerm Aeußeren, als in euerm Inwendigen, euch zu betragen habt in der heiligen Gegenwart des HErrn, wenn er bei euch und in euch bleiben soll, und ihr seiner L>il W M jißiivi M M Mi Mn Mjil Li O i), !l»A Mi 8chi»e K»; Rrn, Wichtige Derhaltungsregeln. 46z seiner göttlichen Gunst und seines Segens in eurem Leiblichen und Geistlichen wollet rheil- haftig bleiben. n. ^ Euer Beruf ist, die Welt und deren Geist in der Wahrheit zu verlaßen; eurer verderbten Natur, und allem euerm eigenen Leben beständig abzusterben, und Tag und Nacht H mit GOtt umzugehen in euern Herzen, durch « die Uebung des wahren Gebeths. Sehet, welch ein heiliger und seliger Beruf! Dcm- selben ergebet euch von Herzen und mit großer Treue. Dieß ist euer Ziel; dieß sei) auch . euer stätiges Werk! u»! Becher nicht nur zu gesetzten Zeiten, son- dern wo ihr gehet oder stehet, oder sitzet. Ul Auch, wann ihr beisammen kommt, so trachtet immer in innigem Verlangen zu GOtt und dessen Gegenwart euch zu unterhalten, eben als wenn ein jeder für sich allein mit GOtt im Hause wäre, doch ohne viel äuße- ^ ren Schein und Gebärden. Und, wann einer den andern anreden will, es sey bei der Arbeit, oder bei anderer Gelegenheit, so M gedenke er zuvor: Mein Bruder, oder ils Schwester ist im Gebeth, ich muß ihn nicht 1?' stören; damit alle unnölhige Reden, selbst M von geistlichen Dingen, möglichst vermieden iF werden. IV. Noch 464 Wichtige Verhaltungskegeln. IV. Noch Eins! Bethet viel und redet wenig. O! das heilige, sanfte,, freundliche Stillschweigen , welches GOtt und alle Heiligen so sehr gelieber, das laßet euch sonderlich anbefohlen seyn! Der Schwätzgeist ist eine Zerstörung aller Christlichen Zusammenwoh- nnngen, eine Auslöschung der Andacht, eine Verwirrung der Gemükherj, eine Verschwendung der Zeit, eine Verläugnung der göttlichen Gegenwart. Die Liebe, der Gehorsam , oder die Nothwendigkeit mäßen euch den Mund öffnen, sonst schweiget immerdar. Selbst im Geistlichen erbauet einander mehr mit eurem heiligen Wandel, als mit vielen Worten. GOtt wohnet nur in stillen Seelen, und da muß auch die Zunge still werden. Sehet die Früchte des heiligen Stillschweigens: es gibt euch Zeit, Kraft, Sammlung, Gebeth, Freiheit, Weisheit, GOttes Bei- Wohnung, und einen seligen Frieden. «nbl M W Ben Einer liebe den andern in Aufrichtigkeit, ü b nls GLKres Rinder, und glaube auch, daß W der andere ihn liebe, wann gleich nichts, ja das Gegentheil davon erscheinet. Einer komme dem andern mit unverstellter Freundlich- Ne, keit, Dienstfertigkeit, und Unterwerfung stätS zuvor, als wenn es dem HErrn geschähe in tzr e aller Lauterkeit. In lauterer Absicht auf GOtt ESldtz helfe einer dem andern seine Last tragen, nach Leib Wichtige Verhattungsregeln. 46; Leib und Seel, als wann es seine eigene wäre. ^ Ja mit Freuden und einfältiger Demutk seyd uk allezeit bereit, einander zu dienen, und gleichem sam die Füße zu waschen, in den mühsamsten und verächtlichsten Diensten. l!M VI. Gedenket an das große Wort JEsu: W, ^eh b»n Nicht gekommen, vast tch Mir vte- > nen laste, soncern dast ich dune Darum so erwarte eben keiner von dem andern etwas ^ dergleichen, aus Erkenntniß eigener Unwür- digkeir, nach welcher wir nimmer glauben mäßen, daß uns von einiger Kreatur zu we- ^ nig Gutes und zu viel Leids angethan werden " könne. Ein jeder denke von ihm selbst in ^ Aufrichtigkeit, daß er der Untreueste, Aermsie, Ungeschickteste und Geringste sey, der auch ^ deswegen billig von allen andern nicht an- M ders als gering geachtet, und vergessen zu b werden begehren muß. Seyd bereit, einander nachzugeben in allem. Einer beuge sich unter den andern, um des HErrn willen: dadurch A wird die Innigkeit und Ruhe des Herzens erlangt und bewahret. VII. Ä Meidet allen heimlichen Argwohn. Ge- A bet dem Verkläger der Brüder kein Gehör -in unter euch, und laßet keinerlei Groll oder M Widrigkeit bei euch Herbergen. Deutet alles, was etwa anstößig scheinen möchte, bei euch 'ß Zweit. B. lll. Th. GS selbst 466 Wichtige Verhaltungsregeln. selbst und bei andern, zum Beßten. Sehet in andern nur das Gute, selbiges zu lieben, M GOtt dafür zu danken, und es nachzufolgen. M Merket aber gar nicht auf ihre Schwachhei- ^ ten; oder, wo ihr selbige merket, so befehlet sie GOtt im Gebeth, und sodann vergesset es alsbald wieder, es fey denn, daß ihr darüber ^ gesetzt seyd, sie zu erinneren. Wird jemand von einem Fehler oder Verbrechen gegen sei- ^ h nen Bruder übereilet, so gehe er alsobald hin, und bekenne seine Schuld, in unversiell- .ße ter Demuth. Dadurch wird der Satan un- ^ ^ ter eure Füße getreten, die Liebe untereinan- der gebauet, und GOttes Gunst zweifach wieder zu ihm gekehret. ^ vm. Suchet doch nichts, als die bescheidene D Nothdurft im Leiblichen, und hütet euch vor M dem subtilen Betrug des Reichthums. Was ü/ d soll uns der vergiftende Dreck dieser Welt? Ael Sind wir doch erkauft von der Erden, und KU zur Ewigkeit berufen. Ach! liebet und übet Hzu die schöne Tugend der innern und äußern Oec Armuth JEsu! der sorget für uns. Liebet, LIch um GOttes willen, das Wenige, das Schlechte, das Verächtliche, das Unange- M nehme, das Beschwerliche in allen Dingen, HG damit ihr innerlich ungehindert im Umgang W mit GOtt, und äußerlich vergnügt im Umgang k jx mit einander leben möget. IX. Flie- Wichtige Derhaltungsregeta. 46? IX. Fliehet allen Eigennutz, als die größte Pest einer Zusammenwohnung. Keiner begehre etwas, das er nicht eben so gern seinem Mitbruder gönnen möchre, ja noch lieber als ihm selbst; denn wir sind berufen, uns selbst zu veiläugnen. Keiner habe etwas, weder Großes noch Kleines, es jey auch, was eS wolle, daß er nicht alsbald sollte missen, und dem Bruder geben wollen. Sind wir nicht dermaßen los von allem Eigenrhum; so sind wir noch Götzendiener, und keine wahre Diener GOttes, und mäßen entbehren die edle, reine, ruhige Freiheit des Geistes, und ledigen Zukehrs zu GOtt. x. D Insbesondere glaube ein jeder von euch ß« rinfältiglich, daß der Ort, wo ihr jetzt woh- U ner, der Stand und das Werk sei), worin W! GOttes Fürsehung ihn gesetzet, und worin , B ihn GOtt gegenwärtig haben wolle, ihm darin zu dienen, und in der wahren Heiligung W gefördert zu werden, welchen er auch ohne M deutliche Erkenntniß des göttlichen Willens ^ nicht verlaßen mäße noch wolle. Dieß wird euer Gemüth beruhigen, und tausend unnö- W thige Scruppel schädlicher Ueberlegungen und W Zerstreuungen abschneiden, womit euch sonst der Versucher plagen möchte. Dieß wird " machen, daß ihr nicht nur euern Ort, Stand Und Werk, sondern auch alle Beschwerden, P GL L Ver-' 468 Wichtige Verhattungsregelri. >, Verdruß und was euch sonst begegnet, mit ganz ^ andern Augen ansehen, und als von GOttes ;>>D Hand nehmen, und viel freudiger übertragen .i B werdet. Ja, dieß wird sehr förderlich seyn ,M zur Liebe und zum Frieden unter einander. Oni Bedenke aber ein jeder wohl, und laße Wh sich durch die Gnade tief eindrücken den eigent- M liehen Zweck, wozu ihn GOlt insonderheit Mgi in dieses Haus geführet habe, nämlich ihm W darin zu dienen, und in der Heiligung geübt zu werden. Ihr seyd ja nicht hier, um ruhig M u und gemächlich nach dem Fleisch und Eigenwillen zu leben, und GOtt nach eigenem Sinn und Phantasie zu dienen; sondern euer U Fleisch zu kreuzigen sammt den Begierden und ^ Gemütsbewegungen; eure Natur, Sinn- lichkeit, Vernunft, Eigenwillen und Selbst- liebe dem Gericht und Tod zu überliefern, und also euch selbst gerade entgegen zu wan- ^ ^ dein, und GOtt zu lieben in Lauterkeit und " ^ Innigkeit. Dazu, sag' ich, har der HErr euch in dieses Haus geführet, daß ihr in Vereinigung eurer Herzen und Seelen dar- ^ nach euch bestreben, und mit Gebet!) und Wandel einander darin behülflich seyn sollet; ^ denn wo zwei oder drei in JEsu Namen bei- iD fammen sind, da ist er selbst in ihrer Mitte. Sehe ein jeder zu, wie er sich hierin übe? Vergesset dieß auch keineswegs, wann GOtt euch hierin üben will; sondern ergreifet viel- "n mehr Hlk lküD »i!k. >dlil «» liils kW M tz» «lds ßsD> xS^' ,D ß!^ Wichtige Verhaltunzsregeln. 46- mehr mit großer Begierde alle diejenige Vorwürfe und Gelegenheiten, welche euchGOt- tes liebreiche Hand darreichet, obgenannte und andere Stücke eures Grundverderbens zu entdecken, anzutasten und zu zerstören. Willkommen sey euch die Stunde, da GOtt euch einen lieben Freund schickt, der euch euern Feind überwinden hilft! Liebet ja einen solchen Freund von Herzen. Wer nicht dergestalt ernstlich gesinnet ist, sein eigenes Leben dabei zu wagen, der verdienet nicht den Namen eines Christen, und wird weder hier noch anderswo ruhig leben, sondern nur beides, sich selbst und andere verwirren. XII. Nehmet euch in Acht vor Zerstreuung in Sinnen und Vernunft. Da fassen euch tausenderlei Versuchungen, auch unter und wider einander. Redet kaum, und beschließet nichts, so lang ihr so zerstreuet seyd, wo ihr nicht eirel Fehler begehen und Unruh anstiften wollet, denn ihr stehet im falschen Licht und in der Confusion der Natur. Lebet ein- gekehrr im Grunde des Herzens bei GOtt wie die unschuldige Kindlcin, die keine Vernunft, aber viel Herz und Liebe haben. Als solche Herzenskinder sauget ihr lauter Liebe aus GOtt; da wird euch alles recht und gut seyn, wie es kommt, -und was andere thun oder reden. Ihr werdet ganz Liebe, Sanfr- mulh und Freundlichkeit gegen einander wer- Gg r den. -74 Wichtige Verhaltungsregeln« den. Da werdet ihr getrost seyn in kindlichem ^ Vertrauen zum himmliichen Vater, und er- . fahren, daß seine Gebote nicht schwer sind. A GOtt aber selbst gebe euch in allem Gnade, Weisheit und Kraft, damit es von euch mit Wahrheit heißen möge: Siehe, wie fein und lieblich tsts, wann Brüder einträchtig bei einander wohnen!-Ja j daselbst verbeißet und schenket der HErr ^ Segen und Leben, immer und ewlgUch. Amen! »Die »W »§ ,!>el »A Aei ,!>«S «8>i Zugabe. '«TS» 47l Zugabe. Der Duisburger Zuruf an die M ü l h e i m e r. .2« i. lhr Brüder in der Nachbarschaft »Die ihr die Liebe kennt, »Die Herz und Sinne zu sich rafft, »Und die kein Bann mehr trennt! 2. »Freut euch doch ob der Gnadenwahl »Am Fest Immanuel, »Durch die der erste Liebesstral »Fiel in die finstre Seel! Z. »Verehrt des Vaters ew'ge Lieb, »Die uns den Sohn geschenkt, »Die durch des Geistes Liebestrieb »Das Herz zu ihm gelenkt! 4» »Kommt spiegelt euch in Bethle'ms Pracht! »Wie niedrig, arm und klein! Gg 4 »Deo 4?r Der Mülheimer Wiederfchall „Der Anblick recht beschämt uns machte „WaS bei uns groß will seyn. 5 - „Seht, wie das Kindlein uns anlacht „Aus seinem Krippelein! „Der Anblick neuen Muth uns macht, „Der Welt verschmäht zu seyn. 6 . „Erneuert euern Liebesbund „Mit diesem Kindelein, „Und sprecht zu ihm aus Herzensgrund; „Laß uns, HtErr! deine seyn!" I. C. H. Der Mülheimer Wied er sch all an die Duisburger. I .,hr Hirtenknaben dort am Rhein! Glück zu, zum Iubelschall! Hört! unsre Bauernkirch stimmt ein; Die Rhur gibt Wiederhall. 2 . Der Himmel ist in Iubilo. Wie! habt ihrs auch gehört? Wir 4 ?; an die Duisburger. Wir schlechte Leutchen, jo, jo, jo! Wie werden wir geehrt! Geht, sagts doch eurer Synagog, Daß mans im Stalle findl! Ein Engel, von dem Himmel hoch. Belehrte unS vom Kmd. 4 - Wir liefen hin, und fandens so. Er «sts; er ists, fürwahr! Nun ist das Herz in Jubilo; Nun ist die Sache klar. 5 . Wie faßen wir nicht kummervoll Im Grase manchen Tag! Wir sä'ten hier im Felde wohl Diel tausend O und Ach. 6 . Wir dachtens wohl; wir sagten- oft; Und stillten so die Pein r Was lang verlangt, was lang gehofft. Kann doch nicht fern mehr seyn. 7 - Wir Habens nun; wir Habens nun, Was Herz und Sinn verzückt! Wir Habens nun; wir Habens nun, WaS ewig uns beglückt! 8 . Es schickt sich für uns schlechte Leut Dieß Kind im Stalle gut: Wär's Wieglein Gold; wär's Bettlein Seid', Wir hätten ja nicht Muth. 474 Der Mülheimer Wiederschall re. 9 . Da lag das liebe Engclein, So süß auf Heu und Stroh; Es schlich sich uns ins Herz hinein; Da wards, da wards so froh. ro. Sein Freundlichthun sein holder Blick Zog uns zur Krippe ganz; Doch hielt ein wenig uns zurück Ich weiß nicht welch ein Glanz. n. Wir wurden stracks dem Kindelein Don Herzen unterthan; Die süßte Ehrfurcht nahm uns ein, Wir mußtens bethen an. ! 2 . Nun singe laut, Halleluja! Du ganzes Israel! Stimmt an der Engel Gloria Am Fest Immanuel! Zugabe. Hörts, liebste Schäflein! hüpft und springt Eßt nun das süße Gras! Nun wird, was unsre Wiese bringt, Nicht mehr von Thränen naß. 6. I-ü. 47Z rkL. Weil mir noch, vor Endigung dieses dritten TheilS, folgendes Lied mit dem bisher noch ungedruckten vor- anstebenden Brief, in gebundener Rede communicicet worden; so konnte nicht wohl vorbei, solchen, um semer Erbaulichkeit willen, mit dem Liede hier einzurücken. * » «- eliebter Bruder, Den mir GOtt zum Bruder gab! Es danket Hand und Herz für deine Liebeszeilenr Wodurch ich werd' erweckt, zu dem mit Dank zu eilen, Von dem ich Lebenslicht, und Gnad, und alles Hab. r. Vor acht und dreißig Jahr kam ich ins Elend ein. GOtt Lob für Athen,, Herz, und Gnad, und Vaterpflege! Doch werd ich recht beschämt, wenn ich es recht erwege: Schon acht und dreißig Jahr, und noch nicht heilig feyn! HErr! laß den kleinen Rest der Augenblicke dir »klein ganz unverrückt hinfort gewidmet werden! Zch mäße leben dir! Sonst nimm mich von der Erden, Und laß mich droben thun, was ich nicht kann allhier. 4. Soll 476 Erbauliche Geburtstagsgedanken. 4 . Soll Regen, Wind und Sturm in dieser Wü» M . . ^ . lien^i, . ^ tzß Den abgenützten Rock noch eine Weile schleißen? Wollst du den Geist zu dir ins himmlisch Wesen ^ reißen! Daß nur, was irdisch heißt, von mir auf Er» 5' IM ll Dieß ist mein Sinn und Wunsch: so wünscht Ijj li mein Bruder mit. ^ kj Es segne ewig ihn mit Kraft dein IEsusname, s/ Auf dessen Anlaß mir in Sinn und Feder käme, V! Was hier dein Patient zu deinen Füßen bitt't: O 2 W->> Der acht und dreißig jährige Rranke zu Berhesda. Mel. Ermuntre dich, mein schwacher Geist, re. «Nein Heiland, dem ich offenbar, K ^ Hör, was ich Kranker lalle: M Ich lag schon acht und dreißig Jahr Ka§ Hier in Bethesda's Halle; gb i Ich bin und bleib ein armes Kind, W So krank und lahm, so dürr und blind; U Wann wirst du endlich eilen, Selbst meinen Schaden heilen. ^ Durch Arzt und Mittel dort und hier Ich wenig Trost erlange; Kein Wasser sich beweget mir, Ich Hab gewartet lange: 2 . Wird Erbauliche Geburtstagsgedanken. 47? Wird dem und jenem Rath geschafft. Durch Menschen - und durch Engetkrast, Ich bleib in Einem Wesen; Du selbst mußt mich genesen. Z. Das wars, warum kein andrer könnt Den alten Schaden heilen; Das wars, warum bis diese Stund Ich hülflos mußt' verweilen: Ich sollt verzweifelnd ganz an mein Und Kreaturen Hülfe seyn. Weil JEsus kommen sollte, Der selbst mich heilen wollte. 4 - Auf dich allein und auf dein Wort Ich warte nur auf Erden: Frag mich nicht lang, wie jenen dort, Ob ich gesund will werden? Solch Kränkeln ist mir schlecht Plaisir» Was nützet andern, mir und dir. So lau und halb zu leben? Du kannst mir Kräfte geben. 5 . HErr, meine Noch, und deine Güt, Die machen mich so dreiste: Du legst den Willen ins Gemuth; Komm auch, und Hülfe leiste. War- 47S Erbauliche Geburtstagsgedankett. Warum verließ'st du sonst dein Reich? Besuchtest bei Bethesda's Teich Die Lahmen und die Blinden? Wars nicht, um mich zu finden? 6 . Mich, der vor andern desperat Im Elend mußte schweben, Mich, der vor andern deine Gnad Sollt ewig hoch erheben. Kein eignes Wirken hilfet mir; Drum will ich Sabbath feiern dir: Ein Wort aus deinem Munde Sprech zu mir: Sey gesunde! 47 » Noch ein wichtiger Neujahrswunsch von demselben Autor. Zum neuen Jahr wünschet mein Herz uns, und auch insbesonder allen meinen lieben Mitberufenen im B. und daherum, daß unser großer Hoher- Priester, zur Rechten der Majestät GOttes, JEsus, uns aus seinem Heiligthum segne, mit allem Reichthum seiner Gnade, seines Friedens und seiner Liebe! daß wir, inniglich durchflossen mit den balsamischen Lebenskräften seines holdseligen Namens, den Pilgerweg zur seligen Ewigkeit getrost und gerade fortsetzen mögen, im neuen Jahr erneuere in der seligen Liebesverbindung mit unserm GOtt; in der herzlichen Liebesverbindung unter einander; im redlichen Sinn, unS selber und unser Liebstes dabei zu wollen wagen, dem zu Lieb und Ehren, der sich selbst und alles Mr uns gewaget hat! Er erneure uns in dem Fleiß und in der Andacht zum Gebeth, in der Willigkeit zum Kreuz und Leiden, in der muntern Wachsamkeit 48 » Wichtiger Neujahrswunfch. samkeit bei dieser schläferigen Abendzeit! damit wir nicht mit den rhörichten Jungfrauen überschnellet werden, und uns beim Schein betrogen finden mögen. Rommc, laßr uns munrer wandeln! ruf' ich euch noch einmal zu. Vielleicht kommt in dem neuen Jahr, auf die eine oder andere Weise, ein Beschluß , eine Scheidung, da einer dem andern nicht mehr wird zurufen können.- -O! der HErr wird uns fest balten und bewahren vor einer ewigen Scheidung. Daß doch keiner von uns , die wir einander auf dem Wege gefunden haben, möge dahinten bleiben! Nein! wir sollen und wollen einander aufs Neue die Hand der Brüderschaft geben, mit einander in Einem Sinn, nach Christo, zusammen zu leben und zu sterben, um dereinst droben auch zusammen halleluja zu singen vor dem Thron des Lammes! Amen, HErr JEsu! das versiegle und erfülle du in uns allen, Amen! Ende des dritten Theils. 48l OK ür q' D «ilch V Verzeichniß der Briefe e» diesem dritten Theil, «rach ihrem kurzen Inhalt. r. Brief» Gründliche Und liebreiche Unterweisungen an einem kranken Bruder, um nicht auf sich selbst, sondern in allem aufden gekreuzigten JEsuM zu sehen. Seite r ». Das Verlangen, ganz für GOtt zu seyn, muß nicht durch eigenes Wirken, sondern durch das Leben IEsu in uns ausgewir- ket werden. z z. An denselben. Nock einige Verhaltungsregeln in Ansehung seines inneren Zustandes. 5 4. An eine Schwester; daß sie zu viel an sich, und zu wenig an KOtt denke. 7 5. Mit dem Umgang mit GOtt und seinen Kindern nicht zu warten, bis man schön sey- S 6. Die Freude in GOtt und seinen Kindern ist allein eine wahre und bleibende Freude. 7. Eine am Kreuz Hangende Person wird zum Sterben aufgemuntert, und zur Krippe zum Kindlein IEsu eingeladen. » IZ Zweit. T. m. Th. HY 8. Brief. 482 vcrzeichniß der Briefe 8. Brief. Aufmunterung zur Dcrgessung des Geschöpfes und seiner selbst. Der Autor will gerne vergessen und verachtet werden. Seite l; 9. An eine schwangere Freundinn, wie sie ihre jetzige und künftige Leiden ansehen müße. 19 io. Von GOttes gütigen Führung und mütterlichen Fürsorge über seine Kinder. 2l n. Was das innere Gebeth, und was falsche Ledigkeit oder keine falsche Ledigkeit sey. 2Z r2. An eine hohe Standesperson. Von der Nutzbarkeit der Leiden und Widerwärtigkeiten in diesem Leben. Z2 iz. Ueber die Worte: Leide dich mit dem Evangelio nach GOttes Kraft. Nebst einer tröstlichen Aufmunterung. z6 14. Von dem Unterschied zwischen dem Stand unter dem Gesetz und unter der Gnade; wie auch zwischen dem wirksamen und lei- dentlichen Stande. Z9 15. Don der Beschaffenheit der Leiden, und wie sich darin zu verhalten 48 16. Vom Unterschied der sinnlichen und reinen Bruderliebe. Vom Leiden und kindlicher Umfassung des Wohlgefallen GOttes. 50 17. Verhaltungsregeln, wie man sich im Entdecken seines Zustandes, im Wirken und Leiden, im Verlieren und Vergessen, und im besonder» Gebeth zu betragen. 5z 18. Wie man sich bei Entdeckung seines eigenen Elends zu verhalten. 57 19. Von siebenerlei Stufen: wie man GOtt in Christo allein ansehen, und sich selbst nicht ansehen, sondern vergessen müße. ;8 20. Die Anstrengung müße nicht im Gebeth, sondern in der Verläugnung gebraucht werden. ?l 21. Je mehr wir GOtt allein suchen zu ver- nach ihrem kurzen Inhalt. 48Z x- gnügcn, je mehr finden wir Ihn, und ^ alles was uns heiliget, im gegenwärti -k gen Nun. Sei 22. Brief. Das Selbstsuchen macht alle 7 unsere Pein,und in dem einfältigen GOtt- y meynen ist alle Ruhe unsers Geistes. , 2Z. Tröstlicher Zuspruch an eine tödtlich kran- ü ke Freundin«. 24. Aufmunterung an eine Kranke, um ihren ? Geist in die treue Hände JEfu zu legen, und als eine Sünderinn ihre Seligkeit zu erwarten. ? 2;. Wichtige Erinnerungen an älterlose Kin- "" der, ihr Inneres und Aeußeres betref- H send. ^ s6. An einen kranken Bruder. Ermahnung ^ zur gänzlichen Ueberlaßung in die Hände l? JEsu 27. Freuvenbezeugung an denselben für seine N Besserung. Die Entdeckung der Fehler «ü sey Gnade. Daß man sich ganz verlaßen ß und ganz an GOtt übergeben müße. » 28. Vorrecht der Einfältigen. Don Ungestor- ijii benheiten und Versuchungen zwischen zj, ? Kranken- und Krankenwärtern, ht- 29. Frage und Antwort: Wie man seine Fehls ler am ersten verbessern und sich in Unruh W, und Traurigkeit erheben könne. ,N. S zo. Die große JEsusliebe soll uns zur Gegen- H liebe, kindlichem Vertrauen und Ueber- k laßung an ihn im Leiden und Sterben 72 74 76 79 82 86 88 90 sr k- aufmuntern. 95 Zl. Aufmunterung und herzlicher Seufzer zur Erneuerung einer gänzlichen Aufopferung an GOtt. 98 zr. An dieselbe. Daß sie bei der Erfahrung ihrer Schwachheit nicht in Unglauben fallen soll. los Hh 2 zz. Brief. 484 Verzeichniß der Briefe 39 40 43 44 45 10z 106 IVA HL HZ 115 zz. Brief. Herzlicher Gruß und Segenswunsch. Seite 10L Z4. Anleitung zur rechten Gemüthsstille, oder zum Gebeth des Herzens, z;. An einen Freund; um ihn aufzumunteren, seine krankeSchwester dem HErrn aufzuopfern, gleich Abraham seinen Isaak. z6. Wie man bei Abwesenheit seiner Freunde bei GOtt im Geiste von einander ungetrennt bleiben kann. Z7> Vom Schaden der Kleinmüthigkeit, und vom Nutzen des Vertrauens zu GOtt. Z8. Daßdie Zuwendung des Herzens zu GOtt schon ein Vertrauen zu demselben anzeige, wenn es gleich nicht gefühlet werde. An eine krank» Person; daß sie sich von allem abkehren, und mit Vertrauen in IEsum ersenken soll. Wie man sich in Versuchungen zu betragen , und die Gelegenheiten mit Ernst zu meiden habe. 41. Was gemeiniglich durch die Sünde in den heiligen Geist verstanden werde. Welche Versuchungen den Geist beflecken, oder nicht. 42. Gründliche Anweisung, wie man aus Gnaden heilig und selig werde. Trost und Unterricht an eine Kranke, und Aufmunterung zur viebe. An eine Person, die in eine gewisse Gemeine übergegangen. Der Schreiber wählet hingegen mehr das verborgene Leben mit Christo in GOtt. Ueber die Worte; Joh. 17, Z. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich u. s. w. und daß die Seligkeit bei Kindern GOl- tes hier in ihrem Inwendigen anfange, und in der Ewigkeit vollendet werde. 120 129 46. Brief 2 s.r» ft kn ztt «k! '1,^ 11? 124 !>.r >1 IZI 133 485 nach ihrem kurzen Inhalt. 46. Brief. An eine kranke Frcundinn; daß ihr die Eine Arznei nur helfen könne: JEsum anhangen mit zarter Liebe, und Unannehmlichkeit ihrer selbst und aller Dinge. Seite iz8 47. Tröstlicher Abschied von einem kranken Bruder auf die selige Ewigkeit. 14s 48 - Muthgcbung und Unterricht an eine neuerweckte Person. Verhaltungsregeln wegen äußerer Bekanntschaft, wie auch wegen Kirch - und Abendmahlgehen. 142 49. An einen todtkrank gewesenen Bruder über seine Besserung. 147 50. An einen Patienten überdieWorte: Psalm 7;, 22.Und muß wie ein Thier seyn vor dir. 15s 51. Trost und Unterricht an eine erweckte Person, die in Versuchung stand, als ob eine erpresse Sünde an ihrer leiblichen Krankheit Schuld gewesen. 152 52. Aufmunterung an eine kranke Schwester zur liebvollen Ueberlaßung am Kreuz. 154 5z. Tröstlicher Zuspruch und Unterricht an eine kranke Person, im Fall eS zum Sterben käme. 156 54. Sich nicht durch einen Schein derDemuth von der Fürbitte für einander abhalten zu laßen. 158 55. Verschiedene Anweisungen zum Gebeth und Einkehr. i6v 56. Von unscrm großen Elend und Verderben. Mittel und Wege um davon erlöset zu werden. 162 57. Von der Gnade des hohen und heiligen Rufs GOttes, und wie demselben zu fol- gen. ^ *65 58 GOtt selbst istder beßteLehrcr. Wie man demselben mit Dergeffung seiner Elenden folgen müße, sonderlich durch den Weg Hh z der 486 verzeichniß der Briefe der Liebe und der Gegenwart GOttes. Von der Medicin, Alchymie und Goldmachen. Seite 17» 59 Brief. Tröstlicher Unterricht, wie man sich im Gefühl seiner Elenden, inneren Leiden, Versuchungen und besonders im Gebetb zu betragen. 177 60. Wie wett der Stand der Buße, des Gesetzes und der Zug des Vaters einerlei seyen. Daß der Glaube an JEsum seine Staffeln habe Vom Unterschied des freien Willens. lsil 61. Das Zurücksehen auf sich selbst machet muthlos. Arznei dagegen. l88 62. Wie man zur Dergeffung seiner selbst und aller geschaffenen Dinge gelange. 191 6z. Besondere Anweisungen wegen täglicher Absonderungen zum Gebelh, und auch wegen Uebung des Gebeths selber. 19z 64. Daß der Versucher den Hunger nach GOtt so gern auf Nebensachen führe; und was für die Seele das sicherste dabei sey. Dom Arbeiten und nicht Arbeiten 197 6;. Daß die Einkehr, Sammlung, Innigkeit und Rohheit GOttes nicht in der Seelen Gewalt, sondern Gnade sey. 2H 66. Wie man die Proben und Leiden im Beisammenwohnen ansehen , und sich derer bedienen müße. 21z 67. Nachricht von dem Absterben eines wichtigen Bruders Beantwortung etlicher ' wichtigen Fragen, das inwendige Leben betreffend. 216 68- Don der Unfähigkeit der Vernunft in den Wegen GOttes. 220 6y. An ein von allerhand bösen Gedanken und Bildern angefochtenes Gemüth. 221 70. Anweisung zur kindlichen Liebe und Einfalt 7l. ?r. 7Z- 74- 75. 76. 77- 78- 79. 8 °. 8i. 82. nach ihrem kurzen Inhalt. 487 fall gegen GOtt. Etwas über Hos. io, io. Seite Brief. Die HerrlichkeitGOttes, so den Menschen im Stande der Unschuld beklei- det, ist durch den Fall verloren, durch JEsum wieder hervor gebracht, und wie solche nun in ihm zu finden sey. Was wahre Abgeschiedenheit sey, und wie man dazu gelange. Erbaulicher Bericht von einem kranken Bruder. Erbauliche Unterredung mit dem sterbenden Bruder H. nebst einer wichtigen Erinnerung an die Freunde zu C. Daß man im Gegenwärtigen alles GOtte thun und leiden, und nicht auf die Veränderung dieser oder jener Umstände warten müße. Gedanken über einen Verstorbenen. Auf was Weise ein jederseinen Ruf erkennen, und das Ziel seiner Berufung erreichen müße. Brüderliches Aufweckungsschreiben. Die Krankheit einer Freundin« hält des Schreibers persönlichenBesuch vonFreun- den zurück, welche er GOtt durchs Gedeih aufopfert und zum Ernst ermuntert. Erbaulicher Bericht vom Krankseyn und Sterben der Ehefrau H. K. Die Gnade wirkt beides, zur Reinigung vom Bösen und zur Mittheilung des Guten in uns. Was bei dem schädlichen Selbstwollen und Wirken zu thun. Aufmunterung zur Kreuzesnachfolge JE- 22 z 22; 228 2Z2 2Z5 24 » 244 246 -47 251 255 su ^ 257 An eine beängstigte Seele; um sie durch Vorhaltung der Liebe JLsu zu beruhigen. 259 8Z. Brief. Hh 4 488 verzeichniß der Briefe LZ. Brief. Brüderliches Erweckungs-und Aufmunterungsschreiben. Seite 261 84. Aufmunterung zu einem mehr aufgeheiterten kindlichen Wandel vor GOtt. 264 85 . Anspornung zur Mildthätigkeit, und zu mehrcrcm Ernst in der Gottseligkeit. 467 86. Kräftige Aufmunterung zum Glauben an den HErrn JEsum bei Gelegenheit einer graßirenden Seuche. 26- 87. Liebesabstcht GOttes bei Züchtigung der Seinigen. Anweisung wie sich dagegen zu betragen. 27z 88- Rath und Unterricht an eine Schwester bei zunehmender Krankheit ihres Bruders. 276 89. Trostvolle Anweisung an einen kranken Bruder: daß IEsus sein Heil und ewiges Leben sey. 47z 90. Anmuthigung zur Mildthatigkeit aus Cy- priano. Ein Exempel der wunderbaren Fürsorge GOttes über die Seinen. Vom recht Bethen und vom Geheimniß der Kindheit JEsu. 281 yl. Was für geistliche Vortheile uns durch die Einleibung JEsu Christi in unsere Menschheit zugewachsen. Anbethung dieser göttlichen Liebe. 287 92. Tröstlicher Zuspruch und Segenswunsch an einen Kranken. 29s 9Z. Von der Seligkeit und Freiheit des Dienstes GOttes. Herzlicher Wunsch und Verbindung zum neuen Jahr. Aufmunterung zum Sterben mit Cbristo. 94. Danksagung für GOttes Gnade, über das selige Absterben eines lieben Bruders; nebst wichtigem Zuruf an dessen Geschwister. 295 95. An eine Mutter, von der unverdienten Gnade, daß der Heiland IEsus in ihr Hau- r'i nach ihrem kurzen Inhalt. §8- Haus und Herz einkehren wolle, und wie sie sich an G 9 tt gewöhnen mäße. Seit? 2-8 -6. Brief. Stärkung des Sinnes, ganz für GOtt zu wollen seyn. Wie daS sanfte Ansehen auf den Gekreuzigten, das beßte Mittel wider alle Versuchungen sey. zor -7« Daß die schönste Regeln vom Selbstver» geffen wenig helfen, wann GOtt wolle,daß wir uns selbst sehen und fühlen sollen, zoz 98. Trost und Muthgebung an ein leidend Gemüth, um in Stürmen, Ohnmacht und Elend die Hülfe des HErrn friedfam zu erwarten. Z07 -9. An einen Kaufmann, der in seinem Alter noch erweckt worden, die weltliche Ge« schäffte dran zu geben. zs- loo. Einem Reisenden wird die Nahbeiheit JEsu als das einzig Nöthige angepriesen. zu roi. Der innere Mensch muß durch die Widerstrebung des äußeren Menschen nur gede- müthiget werden, und nicht ermüden um GOtt zu suchen. ziz 102. Brüderliche Theilnehmung mit einem in innerer Blöße und Versuchung stehenden Gemüthe. Von der schädlichen Selbstliebe. Von den Tagen der geistlichen Schöpfung. Wichtiger Zuruf und Segenswunsch an einige Neuerweckte. Zl6 Ivz. Das reine Vertrauen auf GOtt quillst sanft durch alle Hindernisse. Des Schreibers Verhalten in außerordentlichen Dingen, so wohl bei Gesunden als bei Kranken. Z2l 104. Wie man sich im Stande der Finsterniß und Leiden zu verhalten hake. Daß GOtt die Seinigen so weislich vor eigener An maßung zu bewahren wisse. Hh 5 zrx 105. Brief. 49« verzeichniß der Briefe io;. Brief. Aufmunterung zu einem innigen abgeschiedenen Wandel. Seite zzo 106. Daß wir nach,geschehener Uebergabe an GOtt, der Führung IEsu wirkender und leidender Weise folgen mäßen, und wie solches geschehe. zzr 107. Aufmunterung zum Leiden und Lieben. zz6 io8- Unsere Leibesbaufalligkeit soll uns umsehend machen, nach der göttlichen Behausung, durch Gebeth, Glaubenund Liebe ZZF 109. Segenswunsch an einen Kranken, in langwierigen Leiden. Freudenbezeugung über den Ernst einiger Erweckten, und über die Beugung einer Frcundinn. Rath^ und Muthgebung in Dürre und Dunkelheiten. Z4» rio. Muthgebung an ein in Proben und Leiden stehendes Gemüth. Z4Z in. Daß GOtt einem jeglichen seiner Kinder etwas von den Leiden IEsu Christi mittheile, und zu was Ende solches geschehe. Z44 H2. An einen Kranken; daß die ihm wiederfahrene Gnade von GOtt sey: nebst einigen Berhaltungsregeln in Ansehung seines Inwendigen. Z47 uz. Anbethung des Lammes, durch dessen Blut uns GOtt so innigst nahe ist. Wie stch bei Mittheilung der Gnade und in Zerstreuung zu verhalten. Z49 U4- Segenswunsch an einen Kranken. GOtt ist selbst das Warum seiner Güte und Liebe über uns. z;i n;. Tröstlicher Zuspruch im Leiden. Daß die widerwillige Zerstreuungen dem Gemüth nicht schaden. z;z i l6. Friedens - und Segenswunsch an einen Kranken, um GOtt zu lieben im Leiden bis zum letzten Athemszug. Z55 117. Brief. nach ihrem kurzen Inhalt. 49! 117. Brief. An denselben: von GOttes liebenswürdigem Endzweck in seinem Leiden. Auf was Weise er nun denselben lieben und sich sonst verhalten müße. Seite z;6 n8- An denselben; daß die Liebe JEsu uns vereinige, im Lieben und Leiden mit ihm selbst und unter einander. z;F H9. An denselben; GOtt zu vertrauen, und sich selber in den Beängstigungen los zu laßen. z6r !2o. An denselben; Aufmunterung zum Aus- Harren im Leiden. z6z rsi. Segenswunsch an denselben, und daß er sich nicht selbst und seine Beschaffenheit, sondern den süßen Heiland ansehen müße. Z-? 122. GOttes Wohlgefallen ist der Seelen einzige Ruhe und Seligkeit. Wunsch an Aeltern und kurze Erinnerungen an einige aufgeweckte Gemüther. Z67 12Z. Ein tödtlich Kranker wird ganz auf die Gnade und auf dieunendlicheLiebe GOttes hingewiesen. Z7l 124. Letztes Trostschreiben an denselben, sich kindlich los zu laßen in die mehr als mütterliche Liebe JEsu. Z7Z 125. Trostschreiben an eine Freundinn über das selige Absterben ihres leiblichen Bruders. Z 75 126. Versicherung an eine in inneren Leiden stehende Person : daß dieß der Weg sey, daß JEsus mit leide, daß sie in ihr Elend mit einstimmen, soviel bloßer auf GOtt vertrauen, und das Gebeth nicht unterlaßen mäße. Z78 127. Aufmunterung nicht vom Kreuz herab zu steigen; im Leiden lernt man leiden, und daß der Schmelzer unser Freund sey. Der- 492 verzeichniß der Briefe ' Verhaltungsregel in Versuchung wider die Bruderliebe. zgr 128- Von der hohen Gnade der Menschwerdung JEsu Christi, und auf was Weise er auch in uns geboren werde Wer nichts will als GOkt, der ist nie ohne GOtt. Einladung gen Bethlehem. Z88 129. Von verschiedenen Hindernissen, sich über sein Inwendiges zu erklären. Aufmunterung zur treuen Folge der Stimme JEsu. Z92 rzo. Sich zu gewöhnen, alles, was uns begegnet, in GOtt anzufehen. Z 94 izi. An einen Freund, über das sei. Absterben seiner Mutter. Z95 IZ2. Von des Schreibers Leiden ; von der Verheißung beim Leiden, und daß wir dadurch JEsu ähnlich werden, da er uns seinen Sinn, seine Kraft, ja alles Gute mittheilet. Z98 rzz. An einen frommen Schuldiener. Anweisung mit dem Herzensgott umzuge- han, und auf was Weise er sein Amt GOtt heiligen und den Kindern nützen könne. 40L iZ4. Brüderlicher Zuruf r den großen GOtt zu lieben , anzubethen, und der Hut deS HErrn zu warten. Seufzer. 405 1Z5. Anmuthigung zu einer liefern Ueber- laßung, und zur Aufopferung einer kranken Schwester. 407 rz6. Wie nöthig die Beharrlichkeit in der Uebung des Gebeths und der Einkehr, sonderlich suchen Zeiten der inneren Entblößung, Dürre und Dunkelheit seye. 410 rZ 7 > Wie man sich in äußern und inneren Leidey auch in den Versuchungen zu verhalten. 41? nach ihrem kurzen Inhalt. 49) lZ8- Brief. Wie es die Seele machen muß, wann Gott ihr die Gnade thut, und sie sich so fühlen läßt, wie sie von Natur ist. Seite 41- lzy. Des Schreibers Gedanken und Ratbge- bung an einen frommen Prediger, über die Erweckungen in seiner Gemeine und dabei sich hervorgethanen außerordentlichen Bewegungen. 42l 140. Vom Untergang des eigenen Lebens, und vom Warten auf die Offenbarung des Lebens GOttes in der Seele. Alles liege an GOttes Erbarmen. 4zo 141. Muthgebung, das Leiden von GOtt anzunehmen , und sich mit dessen Willen zu vereinigen. 4ZZ 142. Von der Schwere und Leichtigkeit der Uebcrlaßung. 4 Z 5 14z. Des Schreibers Aehnlichkeit und Unähnlichkeit mit Lazarus. Von der Gnade Kindermäßig zu leiden. Christus müße nicht hie oder da, sondern im Herzen gesucht und gefunden werden 4Z? 144. Unterschied des Lebens der Sinne und des Lebens in den Sinnen. Angelegenheit wegen einiger erweckten Seelen. 442 145. Vom verborgenen Leben, so der Feind zu hindern suchet. Aufmunterung zum Rin- verwerden, wie auch die Blutsauger zu meiden. 445 246. Die geringste Anfänge des Lebens IEsu werden durch den Glauben groß geschätzt. Eine Historie aus dem Leben der Altväter. 44 ? 147. Von der leidentlichen Reinigung des untern oder sinnlichen Theils, und wie man sich darin zu verhalten. 45 » - 48 . An denselben, der Neigung und Offenherzig- 4 A 4 verzeichniß der Briefe rc. Herzigkeit im Schreiben zu folgen. Theil- nehmung der Leiden. Ursache derselben. Aufmunterung zur Ueberlaßung. Seite 45z 149. Brief. Der HErr ist langmüthig mit den Seelen, wir mäßen es auch seyn; doch wird Ernst und ausharrende Geduld erfodert. 456 i;o. Aufmunterung zur Willigkeit im Leiden. Die süße Vereinigung mit GOttes Willen wirket viel Gutes 45z r;r. GOttes Gutheit soll uns bewegen um ihn zu lieben und unserer selbst zu vergessen. 460 Noch einige wichtige Verhaltungsreglen an eine beisammen wohnende Brudergescll- schaft. 462 Zugabe. Der DuisburgerZurufan die Mül- heimer. 471 Der Mülheimer Wiederschall an die Duisburger. 472 Erbauliche Geburtstagsgedanken. 475 Noch ein wichtiger Neujahrswunsch. 479 Mülheim am Rheine, gedruckt bei 2 . L. Evrich/ privil. Buchdrucker 1799. M L M IS, 7 ^002 ^usci^uoJ us^ s^>, T