54 Geistliche Briefe.
- Meine Person anlangend und mein Licht,davon ist nichts zu sagen. Ich bin ein solcher,daß mich gar nicht darüber verwundere, wennman kein Vertrauen zu mir hat; wäre mirauch viel lieber, wenn in der Absicht alle mei-ner vergessen möchten. Nur Hab' ich ein un-gemeines Verlangen, alle, die ich liebe, gernheilig und innig zu sehen, weil ich keine Glück-seligkeit kenne, als diese; diese aber kenneich mit unzweifelbarer Gewißheit.
Daß du zum inneren Leben Beruf undFähigkeit hast, ist gewiß; dieses Leben abererreicht man nicht ohne Tod, in den mantheils wirkender, theils leidender Weise ein-geführet wird; wirkender weise durch dieDrangebung und Abneigung von allem dem,worin man Leben, Lust und Stütze hat außerGOtt; leidender weise durch Alles, ich sageAlles, was nur Widriges, oder Mortifici-rendes, innerlich oder äußerlich begegnet,indem mans mit beugsamem Willen einfältigvon GOtt annimmr, und es mit keiner Un-ruh anders will, als es ist: wohin dann auchdie Unempfindlichkeit, Dürre, widerwilligeZerstreuungen, Vernünftlungen, Regungender Leidenschaften rc. mitgehören; als welchesman, mit möglichster Abneigung, ungestört,und GOtt zu lieb, leiden muß. Dieß ist dieWeise, wie man in Tod geführet wird; deruns aber darein führet, ist von Außen dieLiebesvorsehung; von Innen aber der Geist
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