Druckschrift 
Bd. 2 = Th. 3 (1799)
Entstehung
Seite
6
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Geistliche Briefe.

lauteren Sinn verrichten mögest, ist ganzrichtig. Unnöchig aber, ja hinderlich wärees, wann du stätswährende Reflexionen aufdich selbst machen, und dich und deine in-imd äußere Thaten auf eine ängstliche,sorgliche Weise besehen wolltest, ob und wieweit es alles und jedes also, und in derLauterkeit geschehe, wie dein Hunger wohlist? Dieser von dem innig-gegenwärtigemHeilande in dir entspringende Hunger senkesich nur, mit ungezwungener Neigung,süßen Blicken, und kindlichem Erinneren hin-ein , und hange Ihm so sanft und vertrau-lich an; und so dann thue frei, was duthust, mit dem Sinn, alles aufs beste undlauterste dem HErrn zu thun, Iso gut duvermagst und verstehest, ohne dich an Dürreoder Geschmack, Licht oder Dunkelheit zukehren. Und eben dies ist auch zur Zeit derEinsamkeit in Acht zu nehmen. Deine äußer-liche Ordnung ist auch schon gut; ich findenichts Sonderliches dawider, nur daß al-les ungezwungen und ohne Verwicklunggeschehe, und der HErr immer HErr undMeister bleibe, das ist: daß unter und beialler Uebung von Außen, du nur EineUebung habest von Innen, nämlich demHErrn mit kindlichem Vertrauen, reinerLiebe und willenloser Unterwerfung inniganzubangen, ohne Kunst.

So liebe GOtt, lobe GOtt, undfreue dich in GOtt, mit Vergessung alles

anderen.

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