päpstliche Nuntius und Probst zu Bonn Or. Caspar Gropper aus-erwählt wurde. Der Bericht Groppers liegt leider nicht vor, dochmuß die Sache in Gerresheim sehr schlimm bestellt gewesen sein,denn nach verschiedenen Angaben hat er „den Verlaufs größer alsman gemeint, und ein solch desolat Wesen befunden, daß er sich ent-sätzet" und berichtete, „daß inan wohl befugt sei, alle gemelts StifftsPersonen von dannen zu schaffen und dasselbige von Neuem wiederzu besetzen." In der Besorgnis ernsterer Maßregeln verlegte sichjedoch die Aebtissin aufs Bitten. Sie und auch die Capitnlare„haben sich submittirt und Besserung erheischet", — wodurch sichGropper bewegen ließ, für diesmal Gnade vor Recht ergehen zulassen, „darauff wohlgemelte Abdiß oalllolioas prokWsionöinam hohen Altar üsxis Aeuibus solsiunitsr gethan und jurirt, auchangeregte Capitulation zu halten und semptlichen Besserung gelobt".
Da die Aebtissin erklärt hatte, es sei ihr nicht möglich gewesen,Stiftsdamen gräfliches Standes willig zu machen, sie sei aber be-reit, im Gottesdienst geübte Damen eidlichen Standes aufznnehmen,welche man ihr aus anderen Stiftern präsentiren würde, so erhieltenunter dem 3. Dezember 1574 der Amtmann von Düsseldorf, Wilhelmvon der Horst, und der Vizekanzler Or. Hardenrath die Weisung,auS den Stiften zu Neuß und Maria im Capitol zu Köln je „einebequeme geistliche adliche StifftS-Juffer, die ziemblichen Alters undguten Lebens und Wesens," zu bewegen, um als Dechantin und alsKellnerin nach Gerresheim überzusiedeln, „nebst 4—5 adlichen Junfferuvon gutem Wandel und nicht zu jung." Die Bemühungen dieserHerrn scheinen jedoch wenig Erfolg gehabt zu haben, wenigstensgeht aus den eingesehenen Akten nicht hervor, daß ein Eintrittanderer Stiftsdamen für jetzt Statt gefunden habe. Die Zuständein Gerresheim scheinen sich wenig verändert zu haben, nur veranlaßtedie Aebtissin, daß die Nonnen des 1450 gestifteten Catharinen-Klosterszu Gerresheim den Gottesdienst im Chor gegen eine geringe Ver-gütung versahen, was um so eher geschehen konnte, als das Kloster1568 am 15. Juli bei einem in der Stadt ausgebrochenen Feuerso schnell niedergebrannt war, daß mehrere Nonnen mit verbrannten,der Wiederaufbau aber noch nicht vollendet war.
Es waren aber inzwischen Verhältnisse außerhalb des Stiftseingetreten, welche die Aufmerksamkeit der mit der Aufsicht betrautenRäthe von den Angelegenheiten des Stifts ableukten. Herzog Wilhelmvon Jülich-Clevc-Berg, der in Folge eines 1566 erlittenen Schlag-