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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Herzogtum Gotha.

der Bestand der Bürgerschaft jenesmal sich schon auf 304 belief. Der Schulbesuchwar demgemäß ein sehr geringer. — Außer den genannten städtischen Schulenfinden wir in alten Urkunden noch die Schule zu Tambach und Hörselgau erwähnt;in letzterem Orte kommt sogar eine „Mägdleiusschule" vor. Freilich waren diesevorreformatorischen Schulen nicht Volksschulen in dem Sinne und in der Ver-fassung, wie wir sie jetzt haben, und es lassen uns die alten Urkunden darüber keinenAugenblick im Zweifel, daß wir es hier lediglich mit Dom-, Kloster- odermittelalterlichen Bürgerschulen zu thun haben, an denen entweder Klo ster-geistliche oder zünftige Schulmeister mit fahrenden Schülern Unterricht in katholischerTheologie und lateinischer Sprache erteilten. Daß sich die W e l t geistlichen des Schul-wesens nicht annahmen, kann uns nicht wundern, denn — nach Fr. Rudolphis dotimäixlowatiou. I, 162 — waren die Pfarrer im Gothaischen noch zu Anfang der Re-formation ungelehrte Handwerker. So war z. B. der Pfarrer zu Molschleben einKnochenhauer, der zu Wiegleben ein Leineweber, der zu Warza ein Böttcher, der zuTrügleben ein Baderkuecht u. s. w. Wie anderwärts, so begann auch im Gothaischendie Reformation der Schule erst mit der Reformation der Kirche, nur ist hier ins-besondere bemerkenswert, daß vr. M. Luther auf die Entwicklung unseres Schul-wesens einen direkten Einfluß ausübte. Luther war nämlich schon im Jahre 1516als Stellvertreter Staupitzens zur Untersuchung der thüringischen Augustinerklöfler nachGotha gekommen und hatte mit seiner Lehre von der Rechtfertigung durch den Glaubenunter den hiesigen Mönchen großen Beifall gefunden (vgl. Ukert, Das Leben Vr. M.Luthers I, 90). Auf seiner Reise nach Worms predigte darum Luther am 8. April1521 in der hiesigen Augustinerkirche und zwar mit einem solchen Beifall, daß — wieMycouius in seiner Hist. Usk. p. 38 erzählt — der Teufel so erboste, daß eretliche Steine von dem Kirchengiebel riß, der nach der Stadtmauer geht. Das unsitt-liche Treiben der hiesigen Geistlichen beschleunigte sodann die Einführung der Refor-mation; denn als am Pfingstdienstage 1524 die gothaischen Bürger in einem wildenAufstande die zuchtlosen katholischen Geistlichen „sammbt ihren Huren" zum Schloßberghinab in den Kram unter dem Rathause (jetzige Junungshalle) jagten, baten gleich dar-auf der Rat, die Gemeinde, der Stiftsdekan und das Amt den damals mit seinemBruder, dem Kurfürst Friedrich dem Weisen in Gemeinschaft regierenden Herzog Johannum Einführung der Reformation im Gothaischen. Die Bitte wurde erfüllt, und schonim August 1524 wurde der intime Freund Luthers, Friedrich Myconius, alserster evangelischer Pfarrer und Superintendent in Gotha eingeführt. Das war indemselben Jahre, als Luther seinen Brief an die Ratsherren der deutschen Städteschrieb und darin in seiner kernigen und derben Weise zur Aufrichtung und Haltungchristlicher Schulen aufforderte. Myconius, der Freund Luthers, hielt es darum füreine seiner ersten Pflichten, sich des hiesigen Schulwesens anzunehmen. Er verschmolznämlich die damals hier vorhandenen Schulen in eine Schule, brachte dieselbe in denRäumen des hiesigen Augustinerklosters unter und wurde dadurch 1524 der Gründerdes hiesigen Gymnasiums. Das Werk war freilich kein leichtes, denn nach Myconiuseigener Angabe „waren in Gotha Schulen und Stückig, beim Pöbel aufs höchste verachtetund es waren eher zehn zu finden, die Schulen stürmen und verstören, denn eineroder zween, so sie hätten aufrichten helfen". In seiner 8i8t. Rst. x. 54 schreibtdenn Myconius weiterhin: „Es hat unglaublich viel Arbeit kostet, aus dem alten

verspureten und faulen Holz ein neues Haus zu bauen. Ach, wie lange haben wir widerden Strom müßen waten und alles mitten aus dem Feuer holen. Du lieber Gotthilf nun, daß es die kostori erhalten rc."

Nachdem Myconius das städtische Schulwesen geordnet und mit einem Rektor(N. Monnerus) versehen hatte, arbeitete er weiterhin an der Gründung des hiesigenElementaroolksschulwesens. Veranlassung dazu gab der im Jahre 1527 erschienene BriefLuthers an die Pfarrherren. In dem genannten Briefe wurde den Pfarrern aufgegeben,