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Sachsen.
sollte nicht Genüge geschehen, andererseits aber doch das sächsische Gymnasium in zeit-gemäßere Bahnen gelenkt werden. Sehr schwer war es, den rechten Mittelweg zwischendem Zuviel und Zuwenig zu finden, zumal im Angesicht der bedrohlichen politischenLage und inmitten des Lärms der Parteien. Daß die Regierung diesen Mittelweg mitgroßer politischer und pädagogischer Weisheit gefunden hat, dafür zeugt die Thatsache,daß die Lehrpläne von 1870, 1876 und 1882 sich nur in wenigen, nicht allzu erheb-lichen Stücken von dem Lehrplane unterscheiden, welchen das Regulativ von 1846 auf-gestellt hatte*). Ergänzt wurde dasselbe noch im Jahre 1847 durch besondere In-struktionen für den Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften und philosophischerPropädeutik, auch der ernste Wille der Regierung, den neuen Anordnungen baldigstGeltung zu verschaffen, durch eine nach Ostern 1847 stattfindende eingehende Revisionsämtlicher Gymnasien bekundet. Eine höchst nötige Ergänzung erhielt das Reformwerkdurch das Regulativ für die Prüfungen der Kandidaten des höherenSchulamts vom 12. Dezember 1848**), welches eine lange vorhandene Lücke derGesetzgebung ausfüllte***). War doch Preußen bereits 38 Jahre früher mit derEinrichtung einer Staatsprüfung für Gymnasiallehrer vorangegangen!
Die Ereignisse von 1848 und 1849 mußten es der Regierung als eine ernstePflicht erscheinen lasten, manches wieder zu befestigen, was sich in der unruhigen Zeitvon 1845—1849 gelockert hatte. Auf den verschiedensten Gebieten, auch auf dem derPädagogik und Didaktik, mußten die Stränge wieder schärfer angezogen, mußte zu Maßund Besonnenheit zurückgekehrt werden. Immerhin haben aber jene Jahre doch mancheheilsame Anregung gegeben s). Eine der wertvollsten Errungenschaften war die im Juli1848 beschlossene, 1849 ins Leben getretene Haupt-Sauppe'sche Sammlung vonSchulausgaben mit deutschen Einleitungen und Anmerkungen, welche bald durch
chischen von III—I nur 20 wöchentliche Stunden widmet, während in den Klassen IV—I Turnenund Gesang mit 24, Mathematik und Naturwissenschaften mit 30 Stunden bedacht erscheinen.Soweit war der Schüler Gottfr. Hermanns von dem abgedrängt worden, was er anfänglicherstrebt und so warm befürwortet hatte! Unbegreiflich muß es heutzutage erscheinen, daß dieserdurch einen Kompromiß der humanistischen und realistischen Richtung des Gymnasialvereinsentstandene Entwurf allen Ernstes dem Ministerium am 14. April mit der Bitte um Berück-sichtigung bei der „zeitgemäßen Umbildung" der vaterländischen Gymnasien überreicht wurde.Den Gedanken eines mit den neuen Sprachen beginnenden, nach oben zu in ein Real- undgelehrtes Gymnasium sich teilenden „modernen Gesamtgymnasiums" brachte E. I.Hauschild Ostern 1849 in Leipzig zur Ausführung. Die Anstalt erfreute sich bald einer ziemlichenFrequenz und zählte unter ihren Lehrern manchen in weiteren Kreisen bekannten, tüchtigenMann. Aber ihr Lehrgang wich doch zu sehr von dem Herkömmlichen ab, als daß die Schülerderselben bei den an öffentlichen Lehranstalten abzulegenden Maturitätsprüfungen besondereErfolge hätten erzielen können. Die Schule bestand bis 1877.
*) Nach diesem Regulativ hatten die Klaffen VI—I (mit 1 Vs jährigem Kursus) wöchent-lich zusammen ca. 57 Stunden Latein, 29 St. Griechisch, 23 St. Mathematik, 23 St. Ge-schichte mit Geographie, 17 St. Deutsch, ca. 15 St. Religion, 13 St. Physik und Naturkunde,1 Stunde philosophische Propädeutik. Der preußische Normalplan von 1837 hatte Religion,Naturkunde und Französisch mit 2, Deutsch und Mathematik mit l St. weniger bedacht. Da-gegen kürzte der preußische Plan von 1856 im Vergleich zum besprochenen sächs. Regulativ daSDeutsche um 4, Geschichte mit Geographie um 7, Physik und Naturkunde sogar um 8 Stunden,wenn die 4 Stunden außer Betracht gelassen werden, deren Abhaltung den Schulen nur anheim-gegeben wurde. Man hat somit in Sachsen die Realien zeitiger in ihre Rechte eingesetzt, sodaß die neuere Gesetzgebung nicht nötig hatte, in dieser Rücksicht erhebliche Änderungen ein-treten zu lassen.
**) Geprüft wurden bis Ende 1871 innerhalb der philologischen Sektion l 25 Kandidaten,in der mathematisch-naturwissenschaftlichen 52, in der pädagogischen (für Seminare und Real-schulen) 149, unter den letzteren 40 Kandidaten mit seminaristischer Vorbildung, welche aufGrund guter Censuren (s. unten S. 796) zum Studium zugelassen worden waren.
***) Ende 1850 wurde auch das Probejahr der Schulamtskandidaten eingeführt.
ff) Auch nach Seite des Materiellen, besonders was die kommunalen Schulen anbelangt.Die 8 Lehrer des Gymnasiums zu Bautzen bezogen 1848 zusammen 13 740 M., die gleicheZahl in Freiberg 14 100 M-, in Plauen >4394 M. Gewiß geringe Summen!