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Religionsunterricht in höheren Schulen.
sondern nach den in ihr erlangten Kenntnissen geurteilt werden, aber läßt man denselbenwegen ungenügender Leistungen in der Religion nicht aufrücken, so greift leicht eine Ber- ^bitterung gegen den Gegenstand selbst in ihm Platz, die ebenso gefährlich ist, wie Augen-dienerei und Heuchelei. Die Gefahr, letztere zu erzeugen, spricht besonders gegen Re-ligionsaufsätze, zumal bei der Abiturientenprüfung, wie sie früher in der Rheinprovinzund Westfalen üblich waren; und auch gegen Extemporalien in der Religion am Schlüssedes Vierteljahrs möchten wir uns erklären. Diejenigen Schüler, welche in denselbendas Beste leisten, sind nicht immer diejenigen, bei welchen der Unterricht die reichsteFrucht gebracht hat. Überhaupt kommt damit etwas Äußerliches in den Unterricht undes ist gerade für den Religionslehrer gefährlich, nach solchen Extemporalien zu urteilen,welche nicht einmal in anderen Unterrichtsgegenständen immer einen sicheren Maßstababgeben. Auch die mündliche Prüfung in der Religion könnten wir bei dem Abiturienten-examen entbehren; und wenn es auch nur selten vorkommt, daß ein Primaner in der-selben nicht genügt, so würde es doch doppelt bedenklich sein, ihm wegen mangelhafterKenntnisse in der Religion das Zeugnis der Reife zu versagen. Daß vor dem Abgangvon der Schule das ganze auf der Schule durchgenommene Pensum noch einmal wieder-holt wird, ist doch nur ein zweifelhafter Gewinn; denn ist das früher Gelernte nichtbereits ein fester Besitz geworden, so wird das in der letzten Zeit rasch Zusammengerafftenicht lange im Gedächtnis haften. Und so wichtig es auch ist, daß der in das Lebentretende Abiturient Kenntnisse besitzt, um nicht von jedem Winde religiöser oder ir-religiöser Lehre bewegt und mit fortgerissen zu werden, so liegt doch der Hauptgewinndes Religionsunterrichts in der Begründung der religiös-sittlichen Überzeugung, in derrechten Herzensstellnng zu Gott und in der auf das Gute gerichteten Energie desWillens, und die läßt sich durch die Prüfung nicht Nachweisen.
Diesen ethischen Erfolg kann aber der Religionsunterricht nur erreichen, wenn dieganze Schule von christlichem Geist durchzogen und getragen wird. Nicht, als ob über-all auf die Religion Bezug genommen werden und dieselbe stets in den Vordergrundreten soll, vielmehr ist alles zu viel in dieser Hinsicht schädlich; aber der Schüler solldie Empfindung haben, daß das, was in der Religionsstunde gelehrt wird, zugleichden lebendigen Hintergrund im Leben der Schule bildet. In den täglichen gemeinsamenMorgenandachten, die am besten von den verschiedenen Lehrern der Anstalt, soweit siedafür geeignet sind, in bestimmter Ordnung gehalten werden, erhält dasselbe einen be-stimmten Ausdruck; innerlicher und weniger sichtbar, aber wirksamer erscheint es in dergeistigen Einheit, welche das Lehrerkollegium bilden, und in der Unterstützung, welche derReligionslehrer bei den anderen Mitgliedern des Kollegiums finden sollte. „Es ist/'sagt Nägelsbach a. a. O. S. 162, „sehr wichtig, daß der Schüler merkt, die Kirche seiden: Ordinarius nicht gleichgiltig. Wenn er aber nichts versteht und kein Interesse fürdie heilige Sache hat, so bewahre er wenigstens seine Lippen vor frivoler Rede; dennsonst wäre ihm nützer, daß man ihm einen Mühlstein an den Hals hängte und würfeihn ins Meer, denn daß er dieser Kleinen einen ärgere."
Die Litteratur über den Religionsunterricht an den höheren Schulen ist sehr groß.Ohne die theologischen Werke zu berücksichtigen, welche der Lehrer zu seinem Studiumwird benutzen müssen, führen wir außer den bereits erwähnten folgende Schriften an:
1. Methodisches im allgemeinen. Schaub, Über die Wichtigkeit des Religions-unterrichts auf Gymnasien, 1826. — Kaulfuß, Die Religion des Herrn in den Gym-nasien, 1830. — I. G. Lehmann, Das Evangelium in Gymnasien und sein Verhältniszur Wissenschaft und besonders zu den altklassischen Studien, 1835. - - Hamberger, Überden Religionsunterricht an Gymnasien, 1835. — F. Schröder, Über den Religionsunter-richt in den höheren Klassen gelehrter Schulen, 1835. — F. A. Gotthold, Der Religions-unterricht in den evangelischen Gymnasien nach dem Bedürfnis der jetzigen Zeit, 1841.(In: F. A. Gottholds Schriften, herausgeg. von Schubert, Bd. 3, S. 272—328.) —Über den evangelischen Religionsunterricht in den Gymnasien. Evangel. Kirchenzeitung