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Religionsmitcrricht in höheren Schulen.
die Schüler den äußeren geschichtlichen Verlauf kennen gelernt haben, ist und bleibt dieEinführung in den religiösen Jdeenkreis und in die Entwicklung und Erweiterung des-selben die Hauptsache. Nach kurzer Einleitung über die allmähliche Entstehung undSammlung der alttestamentlichen Bücher, deren Sprache und Einteilung beginne derLehrer mit den fünf Büchern Mose. Die Schöpfungsgeschichte werde als reinreligiöse Urkunde behandelt, die drei Grundgedanken derselben müssen hervorgehobenwerden 1) alles, was da ist, ist aus dem Willen Gottes hervorgegangen und durch dasWort desselben geschaffen, 2) alles Geschaffene unterliegt dem Gesetz der allmählichenEntwicklung, 3) alles, wie es aus der Hand des Schöpfers hervorgiug, war gut.Der Sündenfall erscheine nicht bloß als einmaliger, sondern als immer gültiger, weilsich immer wiederholender Vorgang, dessen einzelne Momente: Übertreibung des Gebotes,Zweifel an dem Eintreten der Strafe, Erregung des Hochmuts, Augenlust, Übertretungdes Gebots, Verführung, Scham und Furcht, Entschuldigung, Strafe hervorzuhebensind. Nach Erwähnung der Sintflut und der Geschichte der Patriarchen, die als Trägerdes Monotheismus von ihrer Familie ausgesondert werden, wird ausführlich dasmosaische Gesetz nach seiner Bedeutung behandelt. Die tiefe Symbolik des Cärimonial-gesetzes ist den Schülern möglichst zur Anschauung zu bringen, die Einrichtung derStiftshütte, die Bestimmungen über die Priester, die Opfer und die Feste sind näherzu erörtern. Vgl. R. Niemann, Das mosaische Gesetz im Religionsunterricht der Sekunda(Beilage zum Programm des Wareuer Gymnasiums« Berlin, Weidmann, 1883. Diefolgende Geschichte lehrt, wie schwer die theokratischen Einrichtungen unter dem Volkewirklich Leben gewannen und die verschiedenen Stämme zu einem Gottesvolke ver-schmolzen, wie vielmehr immer wieder die Neigung zum Götzendienst hervorbricht.Samuel ist in seiner Bedeutung hervorzuheben, der Gegensatz zwischen ihm und Saulund die endliche Aufrichtung, aber auch der baldige Verfall des theokratischen König-tums zu schildern. Fortan fällt der Hauptnachdruck auf die Propheten, deren politischeund religiöse Bedeutung darzulegen ist. Der Schüler lerne, daß durch sie der Mosais-mus weiter entwickelt und die Gesetzesreligion über sich hinausgeführt wird, daß essich bei ihnen nicht sowohl um Vorherverkündigungen, als um Darlegung des göttlichenWillens handelt, daß sie zugleich den Königen gegenüber die öffentliche Meinung,die Stimme und die Hoffnung des Volkes vertreten. Hausraths Aufsätze über dieGeschichte der alttestamentlichen Litteratur bieten dem Lehrer ein treffliches Hilfsmittel,um die großartige Wirksamkeit der Propheten zu schildern. In diesen Zusammenhang ge-hören auch die Lehrbücher des Alten Testaments, zu denen auch der Prophet Jona zurechnen ist; einzelne Psalmen und das hochpoetische Buch Hiob bilden den Übergang zudem Neuen Testament, und auch ein Teil der Sprüche, besonders die von der Weis-heit handelnden weisen auf dasselbe hin. W. F. Paul, Hilfsbuch zur alttestamentlichenBibelkunde. Berlin, Schulze. — Wysard, Gang durchs Alte Testament mit besondererBerücksichtigung der Poesie und Prophetie. Für höhere Lehranstalten und denkendeBibelleser. Zürich, Schmidt. (Auf dem Standpunkte moderner Kritik stehend.) AlsNachschlagebuch für den Lehrer ist zu empfehlen: Kleinert, Einleitung zum Alten Testa-ment. Berlin, G. W. F. Müller.
Bei der Einführung in das Neue Testament mache der Lehrer auf die Verschieden-heit in der Verkündigung des Evangelii aufmerksam, er zeige, wie die Synoptiker inder Sprache, Anlage und Wahl des Stoffes übereinstimmen und doch mannigfaltigeZwecke verfolgen und sich ergänzen. Hier kann, ohne daß darauf ein Wort zu legenwäre, die Frage nach dem Ursprünge dieser Gleichartigkeit und Verschiedenheit, alsoüberhaupt nach der Entstehung unserer Evangelien erörtert und der ideale Charakterdes vierten Evangeliums dargelegt werden, doch bleiben auch hier die Kontroversen überdie Echtheit desselben ganz unberücksichtigt. Der Schüler lerne erkennen, daß in denmancherlei Darstellungen doch ein Geist herrscht und daß es derselbe Erlöser ist, dessenheilige Gestalt in allen vier Evangelien sich wiederspiegelt. Die Apostelgeschichte bildet
Pädag. Encyklopadie. Vll. 2. Aufl. 4