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Religionsunterricht in höheren Schulen.
sein als der, zur Gemeinschaft mit Gott zu erziehen, und wenn in der christlichen Reli-gion diese Gemeinschaft durch das Erlösungswerk Jesu Christi vermittelt ist, so wirdauch der christliche Religionsunterricht auf die Aneignung der in Jesu Christo voll-brachten Erlösung ausgehen oder, wie Schräder in seiner Erziehungslehre S. 320 sagt, „dieJugend in so festen und 'innigen Besitz der Heilslehren und Heilsthatsachen setzen müssen,daß sie in denselben für ihr ganze? Leben eine Quelle des Gottvertrauens, Schutz gegenAnfechtung und die Gewißheit ihrer Erlösung haben/' Eben dieser Zweck des Religions-unterrichts aber giebt demselben für die Schule seine hervorragende Bedeutung und ge-wissermaßen centrale Stellung, zugleich aber auch seine eigentümliche Schwierigkeit. Dennwenn aller Unterricht auf der Schule im letzten Grunde ein erziehender ist, so giltdieses in ganz besonderem Maße von dem Religionsunterricht, der in der unmittelbarreligiös-sittlichen Einwirkung seine eigentliche Aufgabe hat, und dem dafür doch zunächstkein anderes Mittel zur Verfügung steht als den anderen Gegenständen des Unterrichts,— die Mitteilung bestimmter geschichtlicher Thatsachen und die Einführung in einen be-stimmten Jdeekreis. Denn wir dürfen es nie vergessen, daß wir es mit einem Unter-richt zu thun haben, und daß wir auf das Herz oder richtiger auf das Gemüt undden Willen des Schülers nur wirken sollen auf intellektuellem Wege, durch die Einsichtund die darauf gegründete Überzeugung. Aber wenn das besonders schwierig erscheint,so muß man bedenken, daß die religiösen Lehren selbst Samenkörner sind, die insich eine Keimkraft haben, welche zu praktischer Bethätigung treibt, und daß, wenn So-krates die Tugend als ein Wissen bezeichnte, weil er der sittlichen Erkenntnis aucheine den Willen beeinflussende Kraft zutraute, dieses in noch viel höherem Maße vonder Religion gilt, deren erhabene Ideen selbstthätig wirken, wie denn der Erlöser selbstdas ewige Leben in die Erkenntnis Gottes und Jesu Christi (Joh. 17, 5) setzt undPaulus sagt, daß der Glaube aus der Predigt stamme itz a-msts). Sodann
aber darf man nicht vergessen, daß vorzugsweise den Kindern das Reich Gottes gehört,daß gerade das kindliche Alter für religiöse Eindrücke ganz besonders empfänglich istund daß es nur darauf ankommt, das vorhandene religiöse Gefühl richtig auszubildenund durch Anpassung des Unterrichtsstoffes an die Fassungskraft und das Bedürfnisdes fortschreitenden Alters zu entwickeln. Es mag dahin gestellt bleiben, ob, wie viel-fach geklagt wird, in den Familien christlicher Sinn und christliche Sitte abgenommenhaben, es dürfte doch wohl kaum Vorkommen, daß in die höheren Schulen ein Knabeohne alle religiösen Vorstellungen und ohne jede religiöse Empfänglichkeit eintritt. DasKind glaubt fest an eine übersinnliche Welt und lebt der Überzeugung, daß Gott alleseine Thaten sieht und kennt und daß es ein Gegenstand der göttlichen Fürsorge ist, jaes steht in seinen Gedanken zu Gott in einem durchaus patriarchalischen Verhältnisse,ähnlich wie es in dem ersten Buch Mose in der heil. Schrift geschildert ist. Die Er-zählungen derselben werden das Kind daher höchst sympathisch berühren und fesseln, undes wird ihnen gerne lauschen und sich durch sie in seinen kindlichen Vorstellungen durch-aus bestärkt fühlen. Eines allerdings fehlt dem Kinde auf der Entwicklungsstufe, aufder es sich bei seinem Eintritt in das Gymnasium befindet, das ist die Erkenntnis derSünde und in noch höherem Maße das Gefühl der Erlösungsbedürftigkeit, und es wirdein vergeblicher Versuch sein, diese Erkennntnis und noch mehr dieses Gefühl in ihm zuerwecken. Es fühlt sich zunächst eines mit Gott oder steht demselben wenigstens unbe-fangen gegenüber, und wenn es auch erkennt, daß es in einzelnen Fällen unrecht gethanhat und der Vergebung bedarf, so glaubt es derselben doch auf seine Bitte ebenso leichtgewiß zu sein, wie es von seinen Eltern Verzeihung erhalten hat. Von einer lang an-haltenden Reue kann dabei keine Rede sein, und es war ein vergeblicher und krankhafterVersuch sogenannten Sündenschmerz künstlich zu erwecken. Es kommt allerdings eineZeit im Leben des Jünglings, wo er den Gegensatz zwischen dem Wollen des Gutenund dem Vollbringen desselben, den Widerstreit, der in seinem Herzen zwischen derErkenntnis des Guten und der egoistischen Neigung herrscht, auf das schmerzlichste