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Reisemiterstiitzung.
den Jahren 1885/87 9030 Mk. Die Verwaltung dieser Summe fällt in den Ge-schäftskreis der Kgl. Ministerialabteilung für Gelehrten- und Realschulen. Bei ihr habensich die Bewerber uni eine Reiseunterstützung zu melden und sie stellt mit der nötigen Be-gründung ihre Anträge unmittelbar bei dem Kgl. Kultusministerium. Die Unterstützungen,welche, je nach Lage der einschlägigen Umstände, namentlich auch zum Zweck einer wissenschaft-lichen Reise nach Frankreich und England und eines längeren oder kürzeren Aufenthaltsdaselbst gereicht werden, können bis zu der Höhe von 600, 800 oder 1000 Mk.ansteigen.
Nur nebenher ist noch anzuführen, daß es auch mehrere Familienstiftungen inWürttemberg giebt, welche in Anbetracht der Notwendigkeit, die jungen Leute nachVollendung ihrer Studien zu veranlassen, sich ein gewandtes und gefälliges Benehmenim Umgang mit andern Menschen anzugewöhnen, ziemlich hohe Beträge für Reiseunter-stützung an zugehörige Familienglieder abgeben; eines dieser Stipendien erreicht den Be-trag von 1200 Mark.
Unter demselben Gesichtspunkte ist auch zu erwähnen, daß die Kgl. württembergischeStaatsregiernng den Besuch der großen Weltausstellungen von seiten der Lehrer durchnamhafte Beiträge unterstützt hat. So wurden zum Besuche der Londoner Weltausstellungen,der Pariser vom Jahre 1867 und der Wiener vom Jahre 1873 neben dem, daßeinzelne Lehrer, namentlich Zeichenlehrer, dahin geschickt wurden, solchen Lehrern, welcheden Wunsch, die Ausstellungen zu besuchen, aussprachen und durch ihre Wirksamkeit dieHoffnung begründet hatten, daß die auf der Ausstellung zu holenden Eindrücke ihrerThätigkeit zu statten kommen werden, mit Unterstützungen von 100—200 Gulden be-dacht. Zwar, wurde gesagt, ließ sich nicht immer eine unmittelbare Wirkung auf Ver-besserung bestimmter Zweige des Gelehrten- und Realschulwesens aus dem Besuche solcherAusstellungen Nachweisen; dennoch aber konnte man, wie aus den darüber eingelaufenenBerichten zu entnehmen war, eine vielseitige geistige Anregung und damit eine mittelbarder Schule zu gute kommende Hebung des Lehrerstands als Frucht des gemachten Auf-wands annehmen. Insbesondere für die Zeichenlehrer oder die mit Erteilung desZeichenunterrichts betrauten Reallehrer war der Einblick in die gewerblichen, namentlichkunstgewerblichen Leistungen der andern Völker von besonderem Wert, und es möchteanzunehmen sein, daß der Nutzen, welchen eine Weltausstellung für die Völker habenkann, dann am größten und nachhaltigsten sein wird, wenn der Zeichen-, überhaupt derGewerbelehrer daraus eine bedeutende Förderung seines eigenen Wissens und Könnenszieht und diese Fortschritte dann in angemessener Form der nachwachsenden Jugend ver-mittelt. Es haben deshalb auch nicht wenige Gemeinden, namentlich solche, in welcheneine ausgesprochene Gewerbthätigkeit herrscht, ihre Zeichen- und Jndustrielehrer, sei's ganzauf eigene Kosten, sei's mit Beihilfe des Staats, auf kürzere oder längere Zeit nachParis und Wien geschickt. In der That hat auch die Kgl. württembergische Regierungsowohl für die Ausstellung nach Paris, als nach Wien der Ministerialabteilung für dieGelehrten und Realschulen 4000 Gulden zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt,während ein noch größerer Kredit der Kgl. Kommission für die gewerblichen Fort-bildungsschulen eingeräumt wurde.
Was die übrigen deutschen Länder anbelangt, so habe ich, trotz mehrerer Anfragenan die betreffenden Kreise, nichts davon in Erfahrung bringe» können, daß dort inähnlicher Weise wie in Bayern oder Württemberg aus Staatsmitteln Reiseunterstützungengewährt würden. Insbesondere von Preußen ist mir die Mitteilung geworden, daßaußer dem sogenannten „französischen Reisestipendium", welches zum Aufenthalt inFrankreich zur Vervollkommnung im Französischen innerhalb drei Jahren an zwei Personenje im Betrage von 1800 M. verabreicht wird, noch weitere Gelder flüssig zu machen,den sonstigen Bedürfnissen des Staats gegenüber trotz des lebhaftesten Wunsches desKultusministeriums noch nicht gelungen sei. Es ist dies das von Friedrich Wilhelm III.im Jahre 1838 gestiftete Stipendium, das schon in der ersten Auslage erwähnt und