766
Miidcheilerziehimg.
stand behandeln hören. Treten die ersten Symptome der sich ankündigenden Mannbar-keit hervor, so haben diese Erscheinungen für das Mädchen etwas beängstigendes. DieMutter beruhige zunächst das Kind durch die Versicherung, daß diese Erscheinungenwohlthätiger Art seien, daß sie auf einer heilsame Ordnung Gottes ruhen, daß sievorübergehen und daß sie allen weiblichen Personen gemein seien. Hiermit werden dieMädchen sich zufrieden geben, und wenn mit vorrückendein Alter das Mädchen weitererBelehrung fähig wird, so weise die Mutter dasselbe auf die hohe Bestimmung desWeibes, daß durch dasselbe der Mensch zur Welt geboren werde, wenn Gott die Ehemit Kindern segne, und sage ihm mit wenigen bestimmten Worten, daß die monatlicheReinigung mit jener großen und heiligen Aufgabe des weiblichen Lebens im Zusammen-hänge stehe. Alles übrige überlasse man Gott und dein Geiste der Zucht und Ehrbar-keit, der im Hause waltet. Nicht das macht keusch, wie viel oder wie wenig jemandvon dem Geschlechtsleben wisse, sondern das, wie heilig ihm diese Dinge sind. Befindetsich das junge Mädchen in einer Umgebung, in welcher diese Verhältnisse mit heiligerScheu behandelt werden und der Umgang mit allen Menschen von guter Sitte beherrschtist, hängt es im übrigen in dem rechten Vertrauen an Vater und Mutter, ist es sich seinerPflichten gegen Gott und die Seiuigen bewußt und wird es nicht leichtsinnigerweisein die Versuchung gestoßen, wie dies durch die Kinderbälle und Tanzstunden nur zu oftgeschieht, so ist Unkeuschheit das Letzte, was man von ihm zu fürchten hätte. Es istgenug, wenn das Mädchen einen tiefen und bleibenden Eindruck von der Heiligkeit dergeschlechtlichen Schranke empfängt. Im übrigen behandle man das junge Mädchennicht mehr wie ein Kind- Kommt im Gespräche, in der Lectüre, im Leben überhauptetwas vor, was an die Geschlechtsverhältnisse erinnert, so spreche man es fest und un-verhohlen aus, denn es ist Gottes Ordnung, aber inan schreite ernst darüber hin, wieüber eine heilige Stätte. (Vergl. d. Art. Entwicklungsperiode. D. Red.)
Eben so wichtig, wie die sittliche Behandlung des jungen Mädchens in dieser Periode,ist die körperliche Erziehung desselben. Beides greift oft tief in einander, z. B. inBetreff der Kleidung, welche bei Mädchen noch wichtiger ist, als bei Knaben. Frühschon gewöhne inan das Mädchen daran, die höchste Ordnung und Reinlichkeit in seinemAnzuge zu beobachten. Ein Mädchen muß etwas auf seinen Körper und auf seine Kleidunghalten, und je mehr es von selbst darauf kommen würde, auch wenn es dazu nichtangeleitet worden wäre, desto nöthiger ist es, von Kindheit auf gute Gewohnheiten indiesem Stücke zu begründen. Rein und ordentlich muß das Aeußere des Mädchens, wiesein Inneres sein. Ein unreinliches und zerfahrnes Aeußere läßt mit Recht auf innereZerfahrenheit schließen. Diese Untugenden sind mit Eitelkeit noch sehr vereinbar, undes giebt elegante Damen, die immer etwas zu verbergen haben. Man bringe demMädchen frühzeitig ein gewißes Ehrgefühl bei, welches sich darauf richtet, daß esnicht bloß in dem, was andern sichtbar wird, sondern in seinem ganzen Anzuge,auch in den Unterkleidern, ordentlich und reinlich sei. Auf diesem Ehrgefühle ruhtweibliche Tüchtigkeit. Hat sich ein Mädchen erst daran gewöhnt, au seinem eigenenLeibe nur die sichtbare Oberfläche erträglich erscheinen zu lassen, so wird diese Ober-flächlichkeit in noch weit höherem Grade dereinst das ganze Hauswesen, dein es vor-stehen soll, bezeichnen. Für die Erhaltung des Ordnungssinnes ist es ferner von höchsterWichtigkeit, daß man die jungen Mädchen daran gewöhne, auf die Reinlichkeit ihrerKleidung selbst zu achten. Die Reinlichkeit hängt sehr innig mit der Sparsamkeitzusammen, denn sie conservirt die Dinge. Es giebt Frauen, die immer an ihren Kleider»,Bändern rc. Flecke haben und nichts thun können, ohne sich zu verunreinigen. Ist dasKleid unrein geworden, hat es einen kleinen Riß bekommen, so werde es sofort ge-reinigt oder ausgebessert. Ehe das Kleid fortgehängt wird, werde es untersucht undnicht eher aufgehoben, als bis die Spuren des letzten Ganges wirklich beseitigt sind.Es giebt Frauen und Mädchen, bei denen das schönste Kleid in wenigen Tagen seinenLustre verliert; andere, deren Kleider ewig zu währen scheinen und immer sauber bleiben.Sparsamkeit geht in diesen Dingen mit der Thätigkeit Hand in Hand. Was die