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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mädchcncrzichung.

Die Mutter mache das junge Mädchen mit einzelnen Geschäften näher bekannt undgestatte ihm, dies oder jenes einmal selbst zn versuchen. Worauf es!hier zunächstankommt, das ist die lleberwindung aller Weichlichkeit. Das Mädchenmuß etwas kräftig anfassen, muß auch das Unangenehme berühren lernen und sich voraller Ziererei hüten. Nur der Schmutz muß ihm abscheulich sein, aber alle Unan-nehmlichkeit, die von der Beseitigung desselben oder von der Besorgung des Hauswesensunzertrennlich ist, muß es zu überwinden wissen. Man zeige ihm, daß diese Selbst-überwindung nicht schwer, daß sie nothwendig und heilsam ist, und daß ein verständigerMensch sich in das Nothwendige füge. Damit im Zusammenhänge steht jene weichlicheFurcht vor gewissen Thieren, z.B. Spinnen und Mäusen, die sich bei manchen Frauenbis zur Krankhaftigkeit steigert. Alles dies und ähnliches, wie die Scheu vor demAnblicke von Wunden, Geschwüren rc. ist frühe schon dem Mädchen abzugewöhnen,wenn es nicht später in wesentlichen Punctcn des weiblichen Berufes ganz untüchtigwerden soll. Das Zweite, worauf bei der Einführung in das Hauswesen geachtetwerden muß, ist die allmählige Feststellung gewiß er kleiner Geschäfte, dieein für alle mal dem jungen Mädchen anvertraut und in die Tagesordnung ein-gereiht werden müssen. Den Tisch zu decken, den Staub von den Möbeln zu wischen,den Kanarienvogel zu füttern rc., das sind Dinge, die schon frühe einem Kinde über-lassen werden können, aber wenn sie einmal überlassen worden sind, auch mit ganzerConsequenz gefordert werden müßen. Erweitert sich so allmählig der Kreis der häus-lichen Pflichten, die dem jungen Mädchen anvertraut werden, wird ihm nach und nachauch eine gewiße Disposition über die Vorräthe, den Ankauf und das Herausgebenderselben an die Köchin überlassen, wird es gelegentlich auch zum Waschen und Plättenfür kürzere Zeit herangezogen und mit einzelnen Geschäften der Küche vertraut gemacht,so hat dasselbe am Ende dieser Periode sich in dem ganzen Bereiche des Hauswesens orien-tirt und mit allen Einzelheiten desselben bekannt gemacht und fühlt sich im Hause zuHause. Das Gelingen dieser Aufgabe hängt wesentlich von dem Geschicke der Mutterab, dem jungen Mädchen eine angemessene Betheiligung zu gewähren. Biele Mütterversäumen ihre Pflicht an diesem Puncte aus bloßer Bequemlichkeit und schieben dannzur Entschuldigung die oft gehörte Behauptung vor, es werde doch alles schlecht, was sienicht selbst besorgen. Aber diese Behauptung ist, wenn sie wahr ist, nur eine Anklagefür sie selbst, die sich die Mühe nicht nahmen, ihr Kind in die Häuslichkeit einzuführen,und die Versuche der Tochter zu beaufsichtigen. Solches Versäumnis ist aber, wieaus anderen Gründen, so besonders darum sehr zu beklagen, weil jene häuslichenBeschäftigungen einen tiefen und heilsamen Einfluß auf Geist und Gemüth der jungenMädchen haben. Ohne Zweifel wird der Verstand derselben durch die mannigfachenWechselfälle und Vorkommnisse des häuslichen Lebens auf eine Weise geweckt, die dem-jenigen Mädchen ganz fremd bleiben muß, welches nur in der idealen Sphäre geistigerTätigkeiten verharrt. Madame Necker de Saussure erwähnt, daß aus diesem GrundeMädchen der unteren Stände im Alter von t 0 bis k 3 Jahren umsichtiger und tüchtigersind, als Mädchen desselben Alters in den höheren Ständen. Sodann wird dieserGegensatz des idealen und praktischen Lebens selbst, der bei dem HeranwachsendenMädchen eine so große Rolle spielt, durch die Bekanntschaft mit dem Hauswesen unddurch die Thätigkeit für dasselbe sehr erheblich gemildert. In seinen Spielen und imUnterrichte ganz auf die rein geistige Seite des Daseins gewiesen, von einer leichterregbaren Phantasie und von dunklen Empfindungen tief innerlich bewegt, ist dasjunge Mädchen zur Zeit der sich ankündigenden Jungfräulichkeit, welche ihr die Berech-tigung giebt, in die Welt der Realität einzutreten, leicht geneigt, an die Stelle dergesunden Wirklichkeit, nach welcher sie sich sehnt, die Phantasiegebilde zu setzen,die sie im Stillen genährt hat, und allen Gefahren des vollen, sich selbst nicht ver-ständlichen Herzens zu verfallen. Nichts kann jener Verkehrtheit des Sinnes, in welchersich der geheime Durst nach den realen Genüssen des Lebens auf die wunderlichsteWeise mit den idealen Ansprüchen einer im stillen wuchernden Phantasie zu mischen