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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Miidchcucrziehiliig.

spricht. So ist die natürliche Ordnung Gottes, daß das Weib Gott dienen soll in derhabituellen Form des persönlichen, den Ihrigen gewidmeten Dienstes, daß aber der MannGott dienen soll in der vorherrschenden Richtung auf Beherrschung anderer. Und dieseOrdnung der Natur hat das Christenthum mit schärfster Betonung des Geschlechts-unterschiedes aufrecht erhalten, ja es hat sie geheiligt und erläutert durch den Ver-gleich des ehelichen Bandes mit dem Verhältnis Christi zur Gemeinde. Die Härte,welche die betreffenden Aussprüche des Neuen Testamentes auf den ersten Anblick ent-halten , verschwindet sofort, wenn festgehalten wird, daß nur die natürliche Stellungdes Mannes zum Weibe durch das vorbildliche Verhältnis Christi zur Gemeinde explicirtwerden soll. Wenn Paulus 1. Cor. II, 3 sagt: »Ich lasse euch aber wissen, daß Chri-stus ist eines jeglichen Mannes Haupt, der Mann aber ist des Weibes Haupt, Gottaber ist Christi Haupt", so ist es klar, daß hier nicht etwa eine Rangordnung aufge-stellt werden soll, in welcher die Glieder so auf einander folgten: erst Gott, dann Chri-stus, dann der Mann und zuletzt das Weib, und daß der Mann für das Seelenheildes Weibes nicht etwa in demselben Sinne ein Mittler und Versöhner werden kann,als es Christus für den Mann ist, sondern daß hier die Ordnung der Natur an einemVerhältnisse der Heilsentwicklung erläutert werden soll. Eben so wie Christus in seinergottmenschlichen Gestalt Gott unterthan ist, soll in rein menschlicher Beziehung dasWeib dem Manne unterthan sein, meint der Apostel, und daß es ihm lediglich daraufankommt, diese natürliche Ueberordnung des Mannes über daS Weib geltend zu machen,deren Bestimmung für die Zurückgezogenheit er schon durch das zu verhüllende Haupt-haar angedeutet sieht, geht, wie aus der Absicht der ganzen Stelle, so besonders ausVers 11 und 12 hervor, wo das Verhältnis beider zu Gott als ein vollkommen gleichesdargestellt wird.

Zweierlei ist es überall, worauf das Neue Testament in den sittlichen Vorschriftenfür das Weib dringt, die Abhängigkeit desselben vom Manne und die Zurück-gezogenheit des Lebens überhaupt. Beide Forderungen weisen auf das Hans alsdie eigentliche Sphäre weiblichen Lebens, und wenn Paulus in der erwähnten Stelle einHervortreten des Weibes in das öffentliche Leben der Gemeinde durch »Beten und Weis-sagen" nicht absolut verwirft, weil die Schranken des Geschlechts nicht als absolute an-gesehen werden können, so hat er solche Erscheinungen deutlich genug als Ausnahmsfällebezeichnet, welche die Regel 1. Tim. 2, I I12 nicht umstoßen konnten, ja er fordertselbst für solche Fälle ein symbolisches Zeichen für die durchbrochene Schranke in der Be-deckung des Hauptes. Alles also, was als weibliche Tugend angesehen werdenmuß,, führt das Christenthum auf jene ursprüngliche Ordnung der Natur zurück, nachwelcher das Weib, wie Lamennais in einem schönen Worte sagt, eine Blume sein soll,die nur im Schatten duftet. In der That läßt sich alles, was das weibliche Gemüthals solches unterscheidet und was es in seiner sittlichen Schönheit charakterisirt, auf jeneAbhängigkeit und Zurückgezogenheit des Daseins, oder mit einem Worte, auf dasLeben des Hauses zurückführen. Zunächst jene Reihe von sittlichen Anlagen, welche dasWeib befähigen, erbarmende Liebe zu üben, zu pflegen und wohlzuthnn, allem Bedürf-nisse entgegen zu kommen, zu beschwichtigen und auszugleichen und den Frieden aller zubefördern, Anlagen, die auch das alte deutsche Epos anerkannte, wenn es die Frauen dieFriedeweberinnen nannte. Offenbar ist in der weiblichen Seele jener Drang derLiebe, der persönlichen Hingebung an andere, der Selbstverleugnung habitueller und con-tinuirlicher vorhanden, als in der männlichen, und er ist es eben darum, weil auf ihmdas Familienband und das Familienwohl ruht. In der Familie ist alles persön-liche Beziehung und hat alles eine solche, im öffentlichen Leben hat alles vorzugsweiseeine sachliche. Und da das Weib berufen ist, in dieser Hingebung an die Person desGatten und aller Familienglieder ihre eigentliche Wirksamkeit auf Erden zu finden, soist mit Recht gesagt worden, daß die Liebe, welche im Leben des Mannes nur eineEpisode ist, das Leben der Frau ganz und gar erfülle. Aber freilich erst indem dieseliebende Hingebung durch das Christenthum geheiligt und auf die ewigen Zwecke des