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Luther.
des Jahres 1505, in welchem er Magister geworden war, wurde er aus frommemBedürfnis und »mit schrecklicher Erscheinung vom Himmel gerufen" in's Kloster getriebengegen den Willen seines Vaters, der in dem Schrecken einen teuflischen Betrug sahund den Sohn an den Gehorsam mahnte, den er den Eltern schuldig sei. Hierstudirte er neben der Bibel fleißig den Augustinus und die Scholastiker. Aus den heftigenAnfechtungen, in die er bei seinem Streben, durch klösterliche Heiligkeit die ewigeSeligkeit zu erwerben, verfiel, wurde er endlich durch Kasteiungen und harte Buß-kämpfe zu dein Glauben an die freie Gnade Gottes erhoben, auf die er fortan seinLeben und den Neubau der Kirche gründete. 1508 wurde er an die neugestiftetc Uni-versität Wittenberg berufen als Professor der Ethik und Dialektik, was seiner Neigungnickt entsprach, da er mit der scholastischen Philosophie und dem Aristoteles bereitsgebrochen hatte. Als er daher im März 1509 llaoonlmiroris aä Lidlin wurde, laser fortan Theologie. Im Jahre 1512 wurde er Doctor der Theologie. Dem Eidegetreu, den er geleistet, las er die heilige Schrift mit höchstem Fleiß, nahm dabei diealten Väter und Kirchenlehrer zu Rathe, studirte eifrig die griechische und hebräischeSprache und bekämpfte die Scholastiker und den Aristoteles. Frei von dem huma-nistischen Enthusiasmus seiner gelehrten Zeitgenossen schätzte er die classischen Sprachenhauptsächlich des Bibelstudiums halber. 1517 am 81. Oetobcr schlug er die Thesenan die Schloßkirche zu Wittenberg an. Die weiteren Momente der durch Luther her-vorgerufeneu und getragenen Reformation der Kirche verfolgen wir hier nicht, wo esgilt, den großen Mann in seinem Reformationswcrke auf dem Gebiete der Jugeud-bildung und Erziehung näher zu schildern. Von besonderer Bedeutung für diese Seiteseiner Thätigkeit war es, daß 1518 Philipp Melanchthon als Professor der griechischenSprache an die Universität Wittenberg berufen wurde. Es ist bekannt, wie großLuther's Freude über diese Berufung war, wie er nicht Worte genug finden konnte imPreise der Gelehrsamkeit und übermenschlichen Gaben Melanchthon's und wie er selbst,um das Griechische gründlicher zu lernen, als Schüler sich zu seinen Füßen setzte.Melanchthon fühlte sich bald ebenso mächtig von dem gewaltigen Manne angezogenund schloß sich ihm in herzlicher Liebe an. Es kann nicht genug hervorgehoben werden,wie sehr dadurch das ganze Verhalten der Humanisten zur Reformation bestimmt wurdeund wie Luther gerade die bedeutenderen unter ihnen nöthigte, seine Wege zu gcheu unddem Zuge des Jahrhunderts, der ein durchaus religiöser war, zu folgen*). NachdemMelanchthon bereits 1527 eine Kirchen- und Schul-Visitation in Thüringen gehaltenhatte, infolge deren mit Luther's Approbation das Visitationsbüchlein erschienen war,in welchem auch der sog. sächsische Schulplau enthalten ist, vollzog Luther, von Bugen-hagen und Justus Jonas unterstützt, in den Jahren 1528 und 1629 im Kurkreisund Meißen eine gleiche Visitation, die ihn veranlaßt?, um der großen Unwissenheitder Geistlichen und Laien abzuhelfen, den großen und kleinen Katechismus zu schreiben.
*) „In ihren lateinischen Kreisen — sagt Gregorovius von der zur Zeit des WiederaufblühenSdes classischen Altcrthums halbantik gewordenen italienischen Nation — erzeugte die Renaissancemit der Reproduction der antiken Literatur nur die Reformation der Bildung überhaupt; sie er-griff das Leben der Italiener wesentlich künstlerisch als Darstellung der schönen Persönlichkeit,während die germanische Renaissance sich in die Tiefen der Religion wandte und die Reformationder Kirche als ihre Aufgabe begriff." Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. 2te Auflage.Bd. VII. S. 516. Man muß bei ihm lesen, was er im 8. Band, Buch 14 von den Wegenschreibt, auf welche die Humanisten in Italien zur Zeit unserer deutschen Reformation gerathenwaren und sind, um auch nach dieser Seite hin das Werk Luther's zu würdigen. „In Italienselbst blieb nach dem Sieg der Gegenreformation nur der katholische Cultus ohne Glauben undohne Geist bestehen; und die stumpfe Gleichgültigkeit des Volks gegen die Religion, ein Erzeugnissowohl der Verweltlichung der Kirche als der Renaissance, ist noch am heutigen Tage das größteHindernis für die moralische Verjüngung des italienischen Nntwnalgeistes." A. a. O. S. 517.Vgl. Cuers, lieber den Einfluß des Humanismus auf das geistige Leben Deutschlands <N. Jahrbb.1879. Heft 11., 2te Abth. S. 534 ff.) D. Red.