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Lormser.
hin konntc sich das blaue Buch keinen Beifall erwerben, vielmehr ergieng an den Mi-nister Altenstein eine andere Cabinetsordre, welche das classische Studium beschränken,das Lateinschreiben beseitigen und auf diese Weise die durch Lorinser als verderblichbezeichuete Vielheit vereinfachen wollte, die aber ohne praktische Wirkung blieb, da in-zwischen der Regierungswechsel eintrat, mit dein andere Tendenzen zur Geltung kamen.Es darf aber wohl gesagt werden, daß der Streit auch jetzt noch keineswegs ausge-fochten ist. Zwar insofern ist wohl schwerlich einer, der die Gymnasien genau kennt,der Meinung Lorinser's, als ob das Maß der Arbeiten, welche unseren Gymnasiastenzugemuthct werden, ihrer Gesundheit schade, aber ob diese Arbeiten alle auf den End-zweck der wissenschaftlichen Bildung berechnet und hiernach abgegrenzt sind, das wirdnoch vielfach bezweifelt und ist auch noch zu bezweifeln. Der Lorinser'sche Streitwürde nicht so weite Dimensionen angenommen haben, als es wirklich geschehen ist,wenn die gegenwärtigen Gymnasien sich nicht immer noch in einer Krisis befänden,die nach einer Lösung verlangt. Die gegenwärtige Organisation der Gymnasien ruhtder Hauptsache nach darauf, daß das Studium der alten Sprachen und der darin ge-schriebenen elastischen Meisterwerke das Hanptunterrichtsmitel darbietet, um der Jugenddiejenige wissenschaftliche Bildung anzueignen, die die leitenden Stände des Staatesund Volkes bedürfen. Sollen wir von dieser Grundlage abgehen? Ein solcher Ent-schluß müßte nach meiner innersten lleberzeugung als ein Nationalunglück angesehenwerden, ja es ist schon als ein Unglück anzusehen, daß dieser Grundsatz, nach dem allehöhere Bildung vom elastischen Alterthum ausgehen muß, jetzt nicht mehr allgemeineAnerkennung findet. Der einzelne Mensch ist ein Mikrokosmus von dein Makrokosinusder ganzen Menschheit, und die Entwicklungsstadien der ganzen Menschheit wiederholensich in der Entwicklung jedes einzelnen tüchtigen Menschen, der nicht auf halbem Wegestehen bleibt. Daß aber in der Entwicklung der ganzen Menschheit die beiden altenVölker der Griechen und der Römer Epoche machen, wird von niemandem bezweifeltwerden können, der sie kennt und studirt hat. Die Principien alles Denkens, die einzigzum Ziele führenden Methoden der Gedankenentwicklung, die große Kunst, die Gedankengewandt, angemessen und entsprechend auszudrücken, die Kunst, zu reden und zu schreiben,überhaupt die Kunst, die Ideen zu individualisiren und das Allgemeine zu veranschau-lichen, haben diese unsterblichen Völker so durch und durch erkannt und so meisterhaftgeübt, daß sie für alle nachfolgenden Geschlechter zum Muster dienen werden, besondersaber für die sich ausbildende Jugend um der unaussprechlichen und unnachahmlichen Ein-fachheit, Anschaulichkeit und Anmuth willen, in der sie ihre Ideen dargestellt haben.Was im Mittelalter von wissenschaftlicher und von Kunstbildung vorhanden ist, dasstützt sich auf das classische Alterthum; die Reformation bildet auch um deswillen einenso hohen Glanzpunct in der Entwicklung der Menschheit, als die Rückkehr zum elasti-schen Alterthum einen wesentlichen Factor derselben ausmacht, und der einzig großeAufschwung unserer deutschen Wissenschaft und Kunst im vorigen Jahrhundert durchLessing, Winckelmann und viele andere ist dadurch bedingt, daß man die ganze Kraft
halten, spricht sich aber über die Fragen, ob solche Uebungen ihrer Natur nach in den Kreisder Gymnasialbildung gehören, ob den Gymnasien und nur ihnen die Verpflichtung obliege, wiefür die geistige, ebenso für die körperliche Erziehung und Ausbildung ihrer Schüler zu sorgen, obsie Vermögen und Mittel besitzen, die Schwierigkeiten ihrer ohnehin verwickelten Aufgabe noch durchdiese neue Sorge zu vermehren, ob man sagen könne, die körperliche Ausbildung der Jugend seiden, Zufall überlassen, wen» sie auch künftig der pflichtmäßigen Sorge der Eltern anheimgestelltbleibe, im allgemeinen verneinend auS.
In Bezug auf das Turnen wird unsere Zeit wohl etwas weiter gekommen sein; im übrigenaber enthält diese Ministerialverfügung so viele Ergebnisse reifer Erfahrung und Einsicht, daß sicauch uns genug Bcachtungswertheü bietet. Lorinser's Schrift ist im I. 1865 neu aufgelegt worden-,auch die Anlässe zu den Anklagen durch einzelne Fehler auf Seiten der Gymnasien und ihrerLehrer, wie die Misgriffe des PublicumS in den Urtheilen über die Quellen deS UebelS habenwohl seitdem an verschiedenen Orten neue Auflagen erlebt und schwerlich die letzten. D. Red.