Druckschrift 
4 (1881) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
695
Einzelbild herunterladen
 

Loriuser.

605

auf den Religionsunterricht und findet in diesem in seiner zweckmäßigen Verbindungmit dem Studium der alten Sprachen und der Mathematik den eigentlichen Kern desGymnasialunterrichts. Von besonderer Wichtigkeit ist es auch, was über die Lehrme-thode gesagt wird. Mit hohem Ernst werden die Gymnasiallehrer darauf hingewiesen,

Kirche gewidmeten Lebens sind, mittelst einer stetig und naturgemäß sich entwickelnden Bildungvergegenwärtigt, sie früh an den Ernst ihres Berufes gewöhnt und zum muthigen Vollbringender mit denselben verbundenen Arbeiten gestählt, aber alle überspannte und dem jedesmaligenStandpuncte ihrer Kraft nicht gehörig angepaßte Forderungen durchaus vermieden werden sollen.Es sei hiernach mit Grund anznnehmen, daß bei gewissenhafter Ausführung der betreffenden Vor-schriften die Gesundheit der Zugend nicht gefährdet, vielmehr durch den Ernst des Unterrichts unddie Strenge der Zucht, wie sie in den Gymnasien herrschen, selbst gegen die verderblichen Einflüßeder oft verkehrten häuslichen Erziehung und der materiellen Richtungen der Zeit erfolgreich ge-schützt sein werde. Gleichwohl glaube das Ministerium die erfreuliche Aufmerksamkeit, welche dieSache in den verschiedensten Classen der Gesellschaft gefunden, nicht unzweideutiger ehren zukönnen, als inden, es wesentliche, in den Gymnasien wargenommene Gebrechen und Mängel,welche ihrer gedeihlichen Wirksamkeit hemmend entgegentreten, möglichst abzustellen suche und zu-gleich über mehrere den Unterricht und die Zucht betreffende Puncte, die noch einer näheren Be-stimmung zu bedürfen scheinen, daü Erforderliche festsetze. Es sind deren neun. l. Aufnahmein die unterste Clafse sollen keine Knaben finden, die nicht die erforderlichen Elementarkenntnisseoder wegen ihres noch zu zarten Alters nicht das gehörige Maß von körperlicher und geistigerEnergie besitzen. Sie sollen nicht vor dem zehnten Lebensjahre ausgenommen werden, und unteranderem Fertigkeit im orthographischen Schreiben, praktische Geläufigkeit in den 4 Species mitunbenannten Zahlen und in den Elementen der Brüche, elementare Kenntnis der Geographie, na-mentlich Europa's, die ersten Elemente des Zeichnens verbunden mit der geometrischen Formen-lehre re. mitbringen. Da die Gymnasialverfassung nicht auf sieche und kranke Knaben und Jüng-linge berechnet sei, so seien die Eltern vor den Gefahren, welchen sie körperlich oder auch geistiguntüchtige Söhne im Gymnasium aussetzen, um so ernstlicher zu warnen, je häufiger noch immerjunge Leute, die für ein Handwerk zu schwach scheinen, sich ohne allen inneren Beruf zu denStudien drängen und der großen in dieser Laufbahn unvermeidlichen Anstrengung erliegen.Auch wenn junge Leute zu alt oder ohne die nöthigen Subsistenzmittel den Cursus beginnen,sehen sie sich ohne alle Schuld der Gymnasien gezwungen, auf Kosten ihrer Gesundheit durchunnatürliche Anstrengung das früher Versäumte wieder einzubringcn oder sich am Tage durchPrivatstunden den Unterhalt zu verdienen und der Nachtruhe die zur Anfertigung der Arbeitenfür die Schule erforderliche Zeit zu entziehen.—2. Die bisherigen Lehrgegenstände machen dieGrundlage jeder höheren Bildung aus und stehen zu dem Zwecke der Gymnasien in natürlichemund nothwendigem Zusammenhang; nur das Hebräische und das Französische werden aus mehräußeren Gründen beibehalten; die übrigen Gegenstände haben sich im Laufe von Jahrhundertenals Glieder eines lebendigen Organismus entfaltet und seien mehr oder minder entwickelt immervorhanden gewesen; es könne daher keiner davon aus dem in sich abgeschloffenen Kreise des Gym-nasialunterrichts ohne wesentliche Gefährdung der Jugendbildung entfernt werden. Allerdings abersei jeder nicht als Zweck für sich, sondern nur als dienendes untergeordnetes Mittel zur Erreichungdes gemeinsamen Zwecks zu behandeln. Wenn also einzelne, namentlich jüngere und weniger er-fahrene Lehrer dieses Verhältnis nicht beachten und in dem, was sie den Schülern mittheilen undvon ihnen fordern, über die Schranken hinausgehen, was eben der irrigen Meinung von dem ver-wirrenden Einfluß der Mannigfaltigkeit der Lehrgegenstände Vorschub leiste, so haben die Direk-toren solchen Misgriffen entschieden entgegenzutreten.—Punct 3 bespricht eingehend das Claffensystemund das Classenordinariat und giebt sehr zweckmäßige Rathschläge über die dahin abzielendeBertheilung der Unterrichtsfächer. Auch scheine es dem Ministerium räthlich und thunlich, mancheLehrgegenstände, anstatt sie gleichzeitig neben einander herlaufen zu lasten, in der Art nach ein-ander zu behandeln, daß z. B. in demselben Semester und in derselben Elaste zwar Geographieund Geschichte, aber jene ausschließlich in den ersten, diese in den letzten Monaten gelehrt werde.Ebenso in Hinsicht der Arithmetik und Geometrie; in Bezug auf die lateinischen und griechischenSchriftsteller könne die erste Hälfte des Semesters ausschließlich dem Prosaiker, die übrige Zeitnur dem Dichter zugewandt werden. Da der Erfolg besonders tüchtige Classenordinarien voraus-setze, welche von dem Zusammenhang der Lehrfächer unter einander und mit dem Zweck eine klareund stets wache Einsicht haben, so solle ihnen zu ihrer Aufmunterung Las Prädicat , Oberlehrer"