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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Kirche.

Kirchenbesiich.

verpflanzen, weil dort überhaupt die Gemeindeglieder viel mehr zu kirchlicher Activitätberufen sind*) Palmer 1'.

Kirche, Verhältnis zur Schule, s. Schule, Verhältnis zur Kirche.

Kirchenliefuch. Das Christcnkind gehört kraft seiner Taufe der Kirche an; siewill es daher auch in ihrem Sinne erzogen wissen. Der Gewissenhaftigkeit von Elternund Taufpathen bleibt die erste Vorbildung desselben für das kirchliche Leben überlassen.Es kommt aber die Zeit, da die Kirche sich durch ihre öffentlichen Diener ihrer nach-wachsenden Glieder selbst annimmt, theils in der Schule (kirchlicher Religionsunter-richt) theils im öffentlichen Gottesdienste. Der Besuch des letzteren ist hiervorzugsweise gemeint, lieber Recht und Pflicht der Kirche, auf die kirchliche Bildungihrer Jugend hinzuwirken und sie zu dem Ende auch zu ihren Versammlungen zuzuziehen,s. den Art. Kirche. Soweit dieser Gottesdienst für die Kinder ausdrücklich eingerichtet ist(Kinderlehren, Kinderkirchen auch »Sonntagsschulen" in der von England aus angeregtenWeise), steht der Besuch desselben von ihrer Seite rücksichtlich seiner pädagogischenZweckmäßigkeit außer aller Frage. Anders aber steht die Sache, wenn es sich um die-jenigen Gottesdienste handelt, welche zunächst für die mündigen Glieder derGemeinde gehalten werden. Sollen auch dabei die Unmündigen zugelassenoder gar zu gezogen werden? und wann? und wie?

Bedenken dagegen: was in der Kirche für die Erwachsenen geschieht, ist inder Regel für die Kinder zu hoch. Die Lieder singen von Empfindungen und Er-fahrungen; die Gebete reden von Anliegen, die den Kindern meist noch ferne stehen;die Predigt in ihrer zusammenhängenden, abhandelnden Form geht meist über dieFassungskraft der jungen Geister. So haben sie von der Kirche wenig oder gar keinenNutzen, eher Schaden, denn sie langweilen sich, treiben, wo sie können, Nebendinge,jedenfalls Nebengedanken, und gewöhnen so das achtlose Hinsitzen in der Kirche, dasgedankenlose Singen, Beten und Predigthören, um später die Zahl der Virtuosen indiesem Fache zu vermehren. Ja sie sind in Gefahr, sich an das Ueberhören, dasVerachten des Wortes Gottes ordentlich von Jugend auf zu gewöhnen und endlich gareinen Widerwillen gegen Predigt und Kirche und Gottesdienst zu fassen. Das liebsteWörtlein der ganzen Predigt wird ihnen das Schlußamen, und sobald der Druck derZucht aufhört, sorgen sie dafür, nach diesem sich nicht mehr sehnen zu müssen. Sotritt, scheint es, die Kirche durch die Verfrühung des Kirchenbesuchs und namentlichdurch Kirchenzwang ihrer eigenen Absicht in den Weg und beeinträchtigt, wie mit eineinzu frühe gerittenen Pferde geschieht, die künftige tüchtige Kraftentwicklung. Ja der KinderAnwesenheit im Predigtgottesdienste dürfte sogar manchmal ein störendes Element werden,indem der Prediger aus billiger Rücksicht auf die Jugend über manche Dinge zu Elternund Erwachsenen nicht mit der wünschenswerthen Freiheit und Offenheit reden kann,oder wenn etwa Erwachsene an störender Haltung der nicht genügend überwachtenSchuljugend Aergernis nehmen.

Gegen solche Bedenken aber ist einmal schon geltend zu machen die Ähnlichkeitaller anderen Lebensverhältnisse, in die das Kind hereinwächst. Man macht ihm nichtdie Welt zurecht, sondern es muß sich selbst nach dem Maße seiner Empfänglichkeit mitderselben zurecht setzen. So im Leben des Hauses, der Natur, des Staats, so auchim Leben der Kirche. Es wohnt der Hausandacht bei, wie sie ist, auf dem Schoßeder Mutter sitzend, neben dem Vater oder den älteren Geschwistern stehend, es ist stillund faltet dem Vorgänge der großen Leute nach seine Händlein. Schon dieses Stille-sein ist für das Kind eine Andacht, auch wenn es von dein, was der betende Vaterspricht, noch keinen Gedanken vernähme. Gleicherweise geht es mit der Anwesenheitder Kinder iin öffentlichen Gottesdienste. Der Anblick der sonntäglich geschmückten

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*) Ueber die Frage, ob Geistliche oder Lehrer den Religionsunterricht in den höherenSchulen geben sollen (oben S. 1l f.), beziehe ich mich auf das Wort von llr. Heiland in demArtikelGymnasium' S. 132 f. Schmid.