üchkeit); oder sei es, daß zwar Christenthnm, vielleicht viel Christenthum (so zu sagen,der Masse, den: Volumen nach) vorhanden ist, aber wenig Einsicht in die historischenBedingungen der Existenz einer Kirche und dafür allerlei abstraete Ideale nebst einernamhaften Dosis herben, stupiden Eigensinns, einfältige Buchstabenklauberei im Gebraucheder h. Schrift und dabei doch wenig Einfalt, viel lieber- und Aberglaube und wenigwirklicher Glaube, (lieber die Kirchlichkeit als christliche Tugend s. Rothe, theol.Ethik III, S. 378 — 390. Schleiermacher, christliche Sitte, S. 580 ff. Harleßchr. Eth., 8-55. Chalyb äu s, speculative Ethik, II, S. 446 ff. Insbesondere auchdie oben citirte Schrift von Nägelsbach.) Die Mittel, welche der evangelische Er-zieher anzuwenden hat, um seinein Zöglinge jenen kirchlichen Sinn einzupflanzen, sindfolgende. Das Einfachste wäre, wenn im Bewußtsein des Kindes sich schon von An-fang die Einheit des Christlichen und Kirchlichen, sofern das letztere die gemeinsame,öffentliche, objeetive Erscheinungs- oder Darstellungsform für das erstere ist, dermaßenfestsetzte, daß beides auch in späterer Zeit für das Denken und Fühlen des Zöglingsgar nie mehr auseinanderfallen könnte. Allein wie an sich selbst das Christliche unddas Kirchliche in Wahrheit eben nicht identisch sind, sondern das letztere immer nochsolches mitenthält, was der christlichen Idee, oder concrcter gesprochen, dem biblischenChristenthum inadäquat ist: so ist es auch, nachdem einmal mit der Reformation dieseUnterscheidung gegen das gewaltsame Festhalten jener unwahren Identität mit der Machtder Wahrheit durchgebrochen ist, eine pure Unmöglichkeit, irgend ein mit der gebildetenWelt in Berührung kommendes Individuum in unbefangenem Glauben an jene schlecht-hinige Einheit zurückzuhalten. Wer nicht von aller Civilisation ferne seine Tage ver-lebt, der muß irgend einmal entdecken, daß es auch Christenthnm giebt in anderer kirch-licher Form, als in welcher es ihm überliefert und geläufig worden ist. Entweder nunist er schnell damit fertig, jede andere kirchliche Form als schlechthin falsch und un-berechtigt anzusehen; ein Weg auf den der Ultramontanismus und Jesuitismus die-jenigen führt, die ihm in die Hände fallen. In solcher Weise kirchlich zu erziehen,erlaubt dem Protestanten einfach sein Wahrheitssinn nicht. Dafür ist die andere Gefahrdesto näher, daß allmählich namentlich bei nachdenklicheren Naturen jener Unterschiedzwischen Christlichem und Kirchlichein sich bis zur Gleichgültigkeit des letzteren steigernkann. Bei einzelnen ist es sogar denkbar, daß sie für die fremde Kirchenform einhöheres Interesse gewinnen als für die eigene; wie denn bei Protestanten aus denhöhern Ständen ein Liebäugeln mit dein Katholicisinus sich gar nicht selten findet,freilich nur infolge ebenso großer religiöser Ignoranz als schmählicher Gesinnungslosig-keit; es ist sogar oft der pure Haß gegen den religiösen und sittlichen Ernst desProtestantismus, was bei Herren und Damen die Wirkung hat, daß sie sich demUltramontanismus huldvoll beweisen; oft aber auch die alberne Meinung, der Prote-stantismus sei seiner Natur nach demokratisch und revolutionär, lieber die sittlicheBerechtigung des Confessionswechsels haben wir hier uns nicht zu äußern, da für denErzieher es die nächste Pflicht als Glied seiner Kirche ist, auch seinen Zögling ihr treuzu erhalten. Wie nun ist dein allein auszuweichen oder vorzubeugen, daß derselbeweder eüiem bornirten, exclusiven Kirchenthuin, das kein Christenthnm mehr ist, nocheinein Reize zum Confessionswechsel, noch einem herzlosen, blasirten Jndifferentisinnsverfalle? Was wir darüber zu sagen haben, geht natürlich nur den Protestanten an.Der Katholik wird mehr den zwei letzter» liebeln pädagogisch zu steuern sich verpflichtetachten, während er das erste eher herbeiführen als ihm in den Weg treten kann. Füruns steht die Sache so. 1) Wie die Heimat jedem von selber lieb ist, ohne daß erstbesondere Mittel angewendet zu werden brauchen, sie ihm lieb zu machen: so wird sichdieselbe Anhänglichkeit an die Kirche auch unbewußt im Kinde und Jüngling bilden,wofern nur die Kirche selbst sich in solcher Weise verhält, daß Gefühle der Pietät gegensie von selber entstehen. Es kommt aber in dieser Beziehung weit weniger auf Maß-regeln der Erzieher, als auf den Zustand und die Haltung der Kirche selber an, undwieder ist es viel weniger dieser Zustand im großen und ganzen als vielmehr die
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