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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in niederen Schulen.

Staat und Kirche sind allerdings verschiedenartige Lcbensgebicte mit verschiedenen Ziel-pnnctcn, aber sie stehen doch beide in lebendigem Zusammenhang und sind wie zweiHauptäste aus Einem Stamme, deren Zweige und Blätter sich vielseitig berühren undin einander flüstern. Beide sind göttliche Ordnungen, die eine für das Gebiet desnatürlichen, die andere für das Gebiet des geistlichen Lebens; man kann sie nicht voneinander scheiden, ohne beider Leben zu beeinträchtigen. Sie können einander gegen-seitig helfen, fördern, dienen und müßcn sich darum auch in der Schule als dem Orteder Vorbildung für die beiderseitigen Zwecke einander in ihrem Rechte anerkennen undHand in Hand wandeln.

Wie wenig der Staat die Schule als sein alleiniges Gebiet anzusprechen bat, dasgeht schon aus dem geschichtlichen Entwicklungsgänge der Volksschulehervor. Mau kann zngeben, daß das niedere Schulwesen und namentlich die Volks-schule in der jetzigen Gestalt dem Staate in Beziehung ans Ordnung und Einrichtungderselben, ans Lehrerbildung und Besoldung re. vielfach znm Danke verpflichtet ist unddaß es namentlich der Staat war, der mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln dieallgemeine Verpflichtung zur Schulbildung dnrchgesctzt hat und in Kraft erhält. Aberdie Kirche hat ihm in langer Arbeit vorgearbeitct und ohne diese Vorarbeit würdedie Volksschule Wohl nie das geworden sein, was sie jetzt ist und noch weiter werdenkann. Die Kirche hat lange vorher, che der Staat an Schulen für die Kinder desniederen Volkes dachte, das Bedürfnis des Unterrichts auch für diese gefühlt und ihmabznhclfcn gesucht. Selbst Karl der Große, den Palmer (Pädag. S. 415) als deneigentlichen Gründer der Schule in Deutschland bezeichnet, hat das, was er für denIngcndunterricht gethan, im Grunde doch mehr als Christ und im Interesse derKirche, denn als bloßer Staatsmann gethan. Bemerkt doch Palmer selbst (S. 416):daß Karl die Bildung der Jugend den Klerikern, den Domcapiteln und Abteien ansHerz gelegt, das sei freilich zuvörderst zu Nutz und Frommen derer geschehen, die selbstwieder Kleriker werden wollten. Der weitanssehcndc Gedanke aber, durch einenbesser gebildeten Klerus auch das Volk zu bilden, sei dem Geiste Karls nicht fernegelegen, und die Mainzer Verordnung vom I. 813, welche jedem Pfarrer auferlcgte,die Kinder des Volkes den Glauben und das Vaterunser zu lehren, und zwar, wenndies nicht in lateinischer Sprache geschehen könne, in der Muttersprache, zeuge dafür.Das ist zuzugeben; aber damit ist denn doch auch bewiesen, daß der ursprünglicheAntrieb zur Schule und auch Volksschule nicht sowohl staatlicher als vielmehr kirch-licher Natur gewesen. Wenn die römische Kirche im Mittelalter es im ganzen nichtzu einem die gcsammte Jugend des Volks umfassenden Unterricht in entsprechenden An-stalten gebracht hat, so hatte das seinen Grund lediglich in der Entfremdung der Kirchevom Worte Gottes, der Quelle des christlichen Lebens. Sobald aber das WortGottes in der Reformation wieder auf den Leuchter gestellt war und seine erleuchtende,geistweckeudc und bildende Kraft mehr und mehr in die Kreise des Volkes ausbreitete,da regten sich die Bemühungen frommer christlicher Fürsten oder Stadtbehörden fürErrichtung und Erhaltung von Schulen auch zu Gunsten der niederen Volkskreise, derMägdlein wie der Knaben. Wohl hatten sich früher schon in manchen Städten soge-nannte Schreibschnlen („Schriest oder Schrieferscholen") gebildet im Gegensätze mitden Lateinschulen der Kleriker, wie in Hamburg (1281), in Breslau (1267 und 93),in Leipzig (1395). Diese deutschen Schulen des Mittelalters im Gegensätze zu denlateinischen Kirchenschulen können allerdings an unsere jetzigen „deutschen Schulen",unsere Volksschulen erinnern; allein ob sich diese ans jenen bloß in Kraft des Vor-theils, den Lesen und Schreiben für das bürgerliche Leben hat, entwickelt hätten, istnoch sehr die Frage. Es bedurfte dazu eines mächtigen, tief in Herz und Leben desVolkes einsetzenden Hebels, und diesen brachte erst die Reformation, namentlich in ihrerköstlichen Frucht, der deutsche'» Bibel Luthers und seinem Katechismus. Die Bibel