Religionsunterricht in höheren Schulen.
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soll nun. wie bereits bemerkt, der Wärme kein Eintrag geschehen. Liebe zum Gegen-stände läßt sich doch gewiß dann am leichtesten entzünden, wenn der, welcher ihn lehrt,selbst für denselben begeistert ist. Natürliche Wärme — ohne Affectation und Sen-timentalität, welche besonders in höheren Elasten leicht gerechter Verachtung preis-gegeben sein würden — ungekünstelte Wärme, sage ich, reißt erfahrnngsmäßig mitsich fort und zwingt, verbunden mit gediegenem Wissen, mitunter selbst stumpferenSchülern Achtung vor der ihnen bisher gleichgültigen Disciplin ab. Aber wohlge-mcrkt! die Wärme sei natürlich, sei wahr, sie mache nicht Phrasen und dulde nichtdas Phrasenwesen, welchem sich namentlich eitle Naturen in den oberen Elasten sogerne hingeben. Eine Wärme ohne Klarheit, ein Erbauenwollen ohne gründliche Be-lehrung ist sicherlich verfehlt und nicht rein, wenigstens nicht pädagogisch.
Zur Sicherung der Klarheit, zur Weckung der Aufmerksamkeit, welche derSchüler keineswegs von selbst mitbringt, wird es aber unumgänglich nöthig sein, auchin den oberen Elasten sich einer katechetischen Methode zu bedienen, welche amleichtesten den Schüler in steter Beziehung zu dem Vortrage erhält und ein bloßesermüdendes Nachschreiben hemmt, womit übrigens gegen gelegentliche Notizen odergegen kurze Dictate, namentlich an Anstalten, in denen Hülfsbücher fehlen, nichtsgesagt sein soll. Freilich darf diese katechetische Methode sich nicht mit der Weise dergangbaren Katechismen begnügen, die durch und durch den höheren Schulen nicht an-gemessen sind und freiere geistige Entwicklung außerordentlich hindern. Ebensowenigdarf die sogenannte Sokratik stattfinden, welche alles aus dem Schüler hervorholenwill, während doch die Geschichte klärlich zeigt, daß die Religion dem Menschen durchOffenbarung, durch große Gottesthaten gegeben ist, mithin auch ohne Mittheilnng vonThatsachen Fortschritte in der religiösen Erkenntnis nicht Wohl möglich sind.*) Masfür eine Möglichkeit bleibt denn aber noch übrig? Wenn ich so sagen darf: eine zu-gleich akroamatische und erotematische Methode. Es muß allerdings, na-mentlich in den oberen Elasten, den Schülern zugemuthet werden, auch einer zusammen-hängenden Entwicklung zu folgen, zumal in der That nur der fortschreitenden Rede,nicht der abgerissenen Frage die Möglichkeit beiwohnt, einen durchschlagenden sittlichenEindruck hervorzurufen,**) und fernerhin nur die zusammenhängende Rede im Standeist, Hauptsachen und Nebensachen zu sondern und in das rechte gegenseitige Verhältnisund Licht zu stellen. ***) Aber dabei darf sich die Rede in der Schule doch nicht zueintönigem, ununterbrochenem Vortrage ausspinnen, wie man ihn Wohl von Universitäts-kathedern vernimmt, sondern sie muß an geeigneten Puncten durch rückblickende oderweiterzeigcnde Fragen einen Ruhepunct finden, auch Wohl mit einer längeren Fragen-reihe wechseln; vor allem muß die Entwicklung so sein, daß der Hörer durch sie ver-anlaßt ist, sich fortwährend selbst Fragen vorzulegen, welche sich ihm im Fortgangedes Vortrags beantworten. Für die Freiheit geistiger Bewegung, welche vorzüglichbei dem Religionsunterrichte wünschenswerth ist, muß ja solche lebendige, genetischeWeise doppelt am Orte sein.
Sie wird noch einen Vortheil gewähren, den wir gerade in der Gegenwart nichthoch genug anschlagen können. Ist doch jetzt schon der Jüngling oft früh von Zwei-feln geplagt, ja wohl der Knabe von materialistischem Geiste niedergehalten: wie fremdsteht der Jugend das Christenthnm so häufig gegenüber, wie erscheint ihnen die Reli-gion als langweilig und peinigend. Da gilt es apologetisches Verfahren, unddas wird gerade, das springt ja Wohl leichtlich in die Augen, durch jene katechetischeWeise begünstigt werden. „Aber setzen wir damit den Schüler nicht auf einen kochenden
*) Vergl. über diesen Punct sowie über die meisten der übrigen Hauptpuncte G. Baur,Grundzüge der Erziehungslehre §. 84. D. Red.
**) So Luthardt auf der allgemeinen Missionsconferen; zu Bremen, Mai 1866. Vgl. Beh-rends evang. luth. Monatsschrift 1866. Oct.-Heft S. 471.
***) So Hoffmann. Ebendaselbst.