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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

rechte Weihe nicht/ sagt Roth S. 232 und S. 234:. „Es ist Schuld der Me-thode, daß der Knabe und der Jüngling durch den Religionsunterricht nicht religiösgestimmt werden können." Hier vor allem wird der Lehrer sich dnrch steten Hinblickauf die göttliche Erziehung des Menschengeschlechts leiten lassen (vgl. v. Raumer,Gesch. der Päd. II. S. 251 f.) und dem Unterrichte möglichste Lebendigkeit undFrische schon durch seine Persönlichkeit verleihen, darum auch nicht sowohl todtesWissen fordern, als die lebhafte Theilnahme des Schülers zu gewinnen suchen: guteLeistungen desselben im Memoriren können unmöglich dafür entschädigen, wenn derKopf stumpf, das Herz leer bleibt.

Freilich soll auch im Religionsunterricht bestimmtes Wissen erzielt Werden,aber wie immer nicht um des Stoffes willen, sondern um die ganze Einsicht zu bilden,den Charakter zu erziehen. Ja selbst für genaues Auswendiglernen muß dasGedächtnis in Anspruch genommen werden, wie auch G. W. Nitzsch hcrvorhob:rlantum seimus, gnnntum momoria tsnomns,« das alte Wort hat sein gutes Recht.Kernlieder und Kernstellen der Schrift sollen fester Besitz des Gedächtnisses werden,nicht für die Schule allein gelernt, sondern in der That ein »rss/a« ritz ein Schatzfür alle Erfahrungen und Prüfungen des oft so bewegten Lebens, „damit nicht amEnde gar der einstige Gymnasiast in schwerer Stunde keineWorte weiß,in denen er beten soll" (Lübker: G. W. Nitzsch in seinem Leben und Wirken.Jena 1864. S. 116). Freilich wird es sich empfehlen, da ein späteres Alter oftanderweitig hinlänglich belastet wird, besonders die früheren Lehrstufen für das Me-moriren anzusprechen und weiterhin mehr und mehr Zusammenhängendes ein-prägcn zu lassen. So weit soll gewiß das Gedächtnis unterstützt werden, ferner auchdadurch, daß man nicht völlig Unverstandenes lernen läßt, sondern nur Besprochenes,dem Schüler in mancher *) Beziehung nahe Gebrachtes. Nur das, worauf wir denkendeingegangen sind, kann nach psychologischer Erfahrung dem Gedächtnisse leicht undsicher vertrant werden.**) Auf diese Weise kann man aber, ja soll man getrost selbstWortgetreues Erlernen von Sprüchen und Liedern (natürlich in mäßiger Zahl) for-dern; auch die Unterwerfung unter das bestimmte fremde Wort hat seine gute Bedeu-tung für die Zucht des Geistes und giebt namentlich dem Ausschweifen der Phantasie,welches bei Kindern zumal so häufig ist, ein treffliches Gegengewicht.

Soll nun wirklich ein fester Schatz für das Gedächtnis gesammelt werden, sowird es, da die Vorstellungen nicht etwa in einer Vorrathskammer des Geistes auf-gehäuft liegen, sondern stetige Reproduction verlangen, um nicht zu entschwinden, fürden Religionsunterricht doppelt wichtig sein, fort und fort, freilich der Abwechslungwegen in mannigfach veränderten Formen, Repetitionen anzustellen. Denselbenwird auch der Lehrplan zu Hülfe kommen, wenn er den Hauptstoff auf den verschie-denen Lehrstufen in eigentümlicher Gestalt immer wieder vorführt, wie das z. B. indem von mir oben vorgeschlagenen Lehrgänge geschehen ist. Andrerseits wird derGrundsatz „Eins nach dem Andern!" dieser Bildung des Gedächtnisses wesentlicheFörderung gewähren, indem die gleichzeitige Beschäftigung mit vielerlei Dingen nurzu natürlich zerstreut, sicherlich den phantasievollen Knaben nicht spannt. Darum sindwir entschieden gegen die häufige, zum Theil von Stier und E. Haupt (a. a. O.S. 172) vertretene Praxis, wonach neben einander, wenigstens in den mit 3 wöchent-lichen Lehrstunden bedachten Classen (Sexta und Quinta), Katechismus und biblischeGeschichte getrieben werden sollen. Wir empfahlen schon oben ein Nacheinander, aberso daß beide Disciplinen auf einander bezogen werden.

Durch das gedächtnismäßige Aneignen, dem wir so sehr das Wort geredet haben,

*) Nach allen Seiten hin fassen ja wir selbst kaum die Tiefen der Schrift.

*) Man vergleiche den trefflichen Abschnitt „Gedächtnis" in der interessanten Psychologievon George (Berlin 1854), und Dörpfelds Schrift „Zur Pädagogischen Psychologie" (Güters-loh 1866, Abdruck aus dem evangelischen Schulblatt.)