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Religionsunterricht in höheren Schulen.
Bücher wie des Matthäus, für Reifere auch der Pastoralbriefe oder der SprücheSalomos — das alles war in jenen Schulanstalten heimisch, in denen man be-stimmte Zeiten, namentlich Sonnabends, auch wohl Mittwochs, für den Religions-unterricht festsetzte, der einer kunstvollen Organisation freilich noch ganz entbehrte, anStundenzahl dem Latein gegenüber beschränkt^ auch keineswegs gegen allerlei Mis-bräuche, namentlich nicht gegen todten Mechanismus sichergestellt war, aber ingenauem Zusammenhänge mit dem kirchlichen Leben stand. (Vgl. Löschte, Diereligiöse Bildung der Jugend und der sittliche Zustand der Jugend im 16. Jahrh.Breslau 1846.) So finden wir es auch bei den größten Pädagogen des 16. Jahr-hunderts, wie Jakob MicylluS, Michael Neander, Hieronymus Wolf,Valentin Trotzendorf (übrigens in seinen Sprucherklärungen bei aller Frömmig-keit breit bis zur Ermüdung. Vgl. das lehrreiche Beispiel Lei Löschte a. a. O.S. 92—97), Johannes Sturm, von dem wir noch hervorheben, daß er in der(von oben) zweiten Elaste des Straßburger Gymnasiums (Sonntags) den Brief andie Römer lesen und auswendig lernen ließ, den Luther noch als zu schwierigvon dem Jugendunterricht ausgeschlossen hatte. In den Vordergrund stellte manübrigens gewißermaßen als „Laienbibel", welche in aller Kürze faßlich, vollständigund erbaulich den Weg zur Seligkeit anzeige, den Lutherschen Katechismus. (So sagtdie Braunschweiger Kirchenordnung: „Vnd scholen de Scholgesellcn hir mit vlite vonden geringsten Knanen de oxposition des Outscillsmi, den se ock uthwendig leren undroeitiron, vörderen, darmit allenthaluen de Gottseligkeit by en gevördert werde.")Biblische Geschichten wurden Wohl als Beispiele angezogen und gaben Stoff zuschriftlichen Ausarbeitungen,*) aber ein besonderer Unterricht in der biblischen Ge-schichte bestand nirgends, ebensowenig eine Einführung in das Ganze der heiligenSchrift. Dafür mochte das Bibellesen im Hause sorgen, wie überhaupt den Ein-zelnen für die mannigfachen, unläugbaren Gebrechen in der Anordnung und Aus-führung des Religionsunterrichtes damaliger Zeit die Macht des religiös-biblischenLebend in Haus und Kirche Ersatz bieten konnte, während die Schule ihre Zeit ganzvorwiegend auf Erwerb sprachlicher Kenntnisse verwendete. Außerdem war einehistorisch-pragmatische Auffassung des Schriftganzen und der in ihm bezeugten Heils-geschichte überhaupt nicht die Sache der deutschen Reformation, welche, ausgegangen vondem tiefsten persönlichen Herzensbedürfnis, in schweren Seelenkämpfen zu dem Friedendes eigenen Gewissens in dem Glauben an die Gnade Jesu Christi hindurchgedrungenwar und darum vor allem diese eigene selige Erfahrung mit lauter Stimme ver-kündete. Die heilige Schrift kam zunächst nur gegenüber den römischen Menschen-fündlein als die gottgegebene Stütze des unmittelbar gewißen, selbsterfahrenen Glau-bens in Betracht. Nicht objectiv als Ausprägung der großen Geschichte ward siegewürdigt, welche Gott mit der Menschheit durchlebt hat, um sie zu seiner Gemein-schaft zu erziehen, nein subjectiv als das Buch, welches Christum treibt, geschriebenzu unserer Seligkeit. Die deutsche Reformation war eben so durch und durch prak-
wurden) . . . und die Epistel an die Römer, nur schlecht §rammutios exponiret werden ubsgusaommsuto, allein daß die äisxosltio rllstories angezeiget und die äeüuitiouss tbeoloxloasmit etlichen argumeutis oontrarüs repetiret werden, soweit und fern es der gegenwärtigeText giebet."
*) „Und soll der Schulmeister den Knaben zu deutsch etliche schöne Historien dictiren, diesie eruach die Wochen lateinisch machen, als von Joseph, von Samson, von Dauid, vom ver-lornen Sou." Mecklenburg. Kirchenordnung. Vormbaum S. 64 . Vgl. H. Lehmann. Gesch.des Gymu. zu Greifswald 1861 . S. 31 . 34 , wonach die Tertianer in Greifswald theils die äia-logl suori von Sebastian Castellis, lateinisch bearbeitete Stücke der Bibel in Gesprächformlasen, theils (seit 1627 ) des dortigen Hvpodidaskalus Joh. Meurer Buch „uuolsus bistoriarumsaorarum d. i. der rechte Kern und Außbunde der vornehmsten geistlichen Historien," in dasLateinische übersetzten.